EconoFiction

Anmerkungen zu Szepanskis Kapitalisierung 1 & 2 & Non-Marxismus

By

14 Mai , 2017  

Erkenntnisse/Thesen
-Methodologische philosophische Voraussetzungen beinhalten eine Verengung des Blickwinkels auf das Kapital, z.B. verstellt die Priorisierung der Arbeitskraft die Möglichkeit eines maschinellen Mehrwerts, ist Dialektik nicht offen für Sprünge, Brüche etc…

-Kapital ist zu begreifen als „prozessierende Differenz“, d.h. Differenzproduktion und sich verwertenden Wert.

-Die Geldform kann nicht logisch aus den Wertformen abgeleitet werden.

-Geld ist als „semiotischer Operator“ zu verstehen. Das ökonomische Mathem ist nicht von Signifikanten ableitbar. III 449

-Bei der Kapitalanalyse ist zwingend vom Geldkapital und vom Gesamtkapital auszugehen. Der Kapitalkreislauf ist ausgehend vom Kredit zu betrachten, einem Vorschuss (nicht wie Keynesianer sagen, von der Ersparnis/vom Überschuss her).

-Geldkapital war stets Ausgangspunkt des Verwertungsprozesses, woraus folgt, dass die neuen Akkumulationsformen der Finanzialisierung lediglich eine Entwicklungsform und keine verselbständigte Abart/Entkoppelung der Kapitalisierung darstellen. Diese ist als Securization angelegt, beinhaltet stets eine Spekulation über die Zukunft und daher Risiken.

-Unbedingte Differenzierung von Geld als Kapital(strom) und Geld als Kaufkraft(strömchen) nach Deleuze & Guattari – Während beim Kaufkraftstrom Äquivalenz gilt, beinhaltet der Kapitalstrom eine Differenzproduktion.

-Die Arbeitswertlehre ist zu erweitern um die Gewinnung des maschinellen Mehrwerts sowie klassischer Gewinne (Handel, Nutzung von räumlichen und zeitlichen Differenzen).

-Analog dazu ist die Subjektivierung qua sozialer Unterwerfung zu ergänzen um die maschinische Indienstnahme der Dividuen.

-Der Wertbegriff ist eine Denknotwendigkeit („Unjekt“); dabei können Preise nicht in Werte umgerechnet werden; somit stellt sich das Transformationsproblem nicht.

-Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate ist nicht zu verifizieren. „Entgegenwirkende Ursachen“ scheinen eine zunehmend relevante Größe darzustellen.

-Der Kreation eines abstrakten Risikos in der Derivatkonstruktion entspricht auf dividueller Ebene ein subjektives Risikomanagement. (Selbstoptimierung, Selftracking etc.).

-Einhergehend mit dem Kredit und gesteigert mit der Derivatindustrie wird die Gegenwart durch eine erwartete Zukunft bestimmt und umgekehrt versucht, die Zukunft festzuschreiben – das Jetzt geht verloren.

-Kapitalisierung und Finanzialisierung basieren auf Prozessen, die nicht nur signifikante und präsignifikante, sondern vor allem a-signifikante Semiotiken beinhalten (Mathem der Ökonomie); diese sind als materiell-semiotische Praktiken direkt an die Dividuen angeschlossen, z.T. direkt neuronal, so dass ein Bewusstwerden nicht möglich ist.

-Die Begriffe Subjekt und Objekt beinhalten eine Ambiguität. Das Mensch-Maschine-Verhältnis usw. sollte als Gefüge begriffen werden, den Maschinen dabei eine eigene Wesenheit zugestanden werden.

Fragen und Probleme

-Welchen Erklärungswert hat die Non-Philosophie Laruelles für „Kapitalisierung“? Ist sie wirklich notwendig für die Argumentation?

-Wird ein schlüssiger Nachweis für einen maschinellen Mehrwert geliefert? M.a.W.: wird das Konzept eines maschinellen Mehrwerts ausreichend begründet? Erfolgt nicht doch – wie gemeinhin (z.B. David Harvey) in der Regel behauptet – Wertübertragung? Zugespitzt: ist Wert“produktion“ ohne menschliche Arbeit denkbar?

-Bieten die Überlegungen von Bichler/Nitzan etwas prinzipiell Neues? Betonung des Machtaspekts o.k.; aber was bringt der „Hype-Koeffizient“ gegenüber den Ausführungen von Esposito?

-Inwiefern bringen linguistische Interpretationen einen Erkenntnisgewinn? Wo haben a-signifikante Semiotiken ihren Ort? Im Ubw – im Neuronalen? (vgl. Freuds „Entwurf“) Wie ist in diesem Kontext das Unbewusste zu konstruieren? Wie stellt sich überhaupt das Verhältnis von Signifikanten und a-signifikanten Semiotiken dar?

-Welchen Stellenwert hat der Rückbezug der Finanzialisierung auf die Realökonomie? Muss die stattgehabte Kapitalisierung nicht letztlich irgendwann eingeholt werden – und da das undenkbar ist, erscheint eine Implosion der Kapitalmärkte unvermeidlich. Es sei denn, es gelingt das Vertrauen in die Erwartungen langfristig aufrechtzuerhalten, und zwar auch bei aberwitzigen Relationen (wie das z.Zt. der Fall ist). Kann man „Schrottpapiere“ quasi folgenlos vernichten? Was macht die EZB langfristig mit den aufgekauften Anleihen?

-Wie ist Revolution denkbar angesichts des ‚neuronalen Kurzschlusses‘ sowie des a-signifikanten Wesens der Maschinerie?

-Die Verknüpfung von Mensch und Maschine eröffnet heute die Möglichkeit einer Meta- oder Megamaschine, die nicht bloß eine Maschine ist, sondern ein Tertium („Hybrid“?): durch die Verknüpfung entsteht etwas völlig Neues. „Subjekt und Objekt gerinnen zu Vektoren einer monetären Kapitalisierung“ (Subjekte verlieren ihre Subjektivität und Objekte/Ereignisse ihre Objektivität). III 446 M.a.W.: das Subjekt ist integraler Bestandteil der Kapitalmaschine. Was folgt daraus im Hinblick auf das revolutionäre Subjekt? Wie subtrahiert man sich „ganz aktiv im Kollektiv“?

print

, , , , , , , ,

By


Schreibe einen Kommentar