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DER MERZ-HASE: Phänomenologie eines Schattentiers – Ein Aufruf!

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24 Mrz , 2015  

Der Merz-Hase ist ein scheues Wesen. Das rechtfertigt allerdings in keiner Weise, dass sein Wirken, ja seine bloße Existenz in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit hartnäckig beschwiegen wird. Als regelrecht skandalös empfinden wir es, wenn man den Merz-Hasen als Untergattung des von Kindern und Werbetreibenden phantasierten Osterhasen abtut. Doch der Merz-Hase ist kein Produkt der Phantasie, sondern poetische Realität!

Natürlich wird die Beobachtung des Merz-Hasen durch seine ungewöhnliche Schnelligkeit erschwert. Flüchtigkeit gehört zu seinem Wesen. Nicht umsonst sagt man von Gedanken, die einem so schnell entgleiten wie sie gekommen sind: Das war aber wieder einmal so ein richtiger Merz-Hasen-Gedanke.

Josef Beuys, der übrigens als erster Dürers Merz-Hasen-Bild als Fälschung entlarvte, sagte einmal: Wir müssen den Hasen in uns ausmerzen, damit der Hase in der Welt als Merz leben kann! Eine Weisheit, welche die Kunstwelt derartig durcheinanderbrachte, dass sie sich samt und sonders unter das Dach von Sotheby’s und Christie’s flüchtete, weil man hier von einer garantiert Hasen-freien Zone schwadronierte. Das Auftauchen eines Merz-Hasen bei einer New Yorker Auktion des Jahres 2015 belehrte uns eines besseren. Und doch wurde noch jeder Kritiker, der die Hasenfrage an den Kunstbetrieb stellte, fachgerecht mundtot gemacht.

Es scheint diesem Betrieb ein Leichtes, den Merz-Hasen zu negieren, weil es sich um ein im Wesentlichen friedvolles, man möchte fast sagen: liebebedürftiges Wesen handelt, dessen einzige „Waffe“ (man verzeihe den martialischen Ausdruck) in seinem gelegentlich heftigen Erscheinen und wieder Verschwinden besteht.

Der Merz-Hase ist indes nicht mit einer Glühbirne zu verwechseln!

Merz-Hasen-Sichtungen im Kunstbetrieb sind, wo sie vom Mainstream nicht vollkommen totzuschweigen waren, als skurrile Mini-Epiphanien besonders sensibler Besucher abgetan worden. Das „Merz-Hasen-Syndrom“ wurde als eine der harmloseren Spielarten der Kunst-Paranoia abgetan.

Wenigstens hinter den Kulissen herrschte indes durchaus ein klein wenig Aufregung, als das Gerücht aufkam, beim angesehenen Leiter eines angesehenen Museums in einer angesehenen deutschen Stadt handele es sich in Wahrheit um einen als Mensch maskierten Merz-Hasen. Wissenschaftlich erweisen ließ sich dies freilich so wenig wie es sich vollständig widerlegen ließ. Denn die Unterlagen des so genannten Merz-Hasen-Tests von Professor_a Ingeborg Clementine wurden vollständig vernichtet bei ihrer zwangsweisen Einlieferung ins Bezirkskrankenhaus Mönckersheim.

Wir klagen an: Die Merz-Hasen-Forschung unterliegt einer strukturellen Zensur! Einer Gesellschaft unter dem Kunstmarkt-Diktat scheint es zu gelingen, einen Teil ihrer Kreativkräfte vollständig auszublenden.

Wir klagen an: Die Merz-Hasen aus dem Bewusstsein der Kunstwelt zu tilgen ist eine Form des Gedankenmords!

Erst wenn der letzte Merz-Hase blutend im Museumsshop verendet ist, werdet ihr sehen, dass man Kunst nicht essen kann.

Wie lang ist die Liste jener Kunstwerke, die ohne das Zutun von Merz-Hasen nie entstanden wären! Was wären denn ein Caravaggio, ein Picasso, eine Pipilotta Rist ohne Merz-Hasen? Wie könnten die Erklärväter im Museum ihren Kindern die Kunst erklären, wenn sie nicht die Gegenwart der Merz-Hasen spürten? Und die Scheichs, die russischen Oligarchen, die superreichen Broadway-Produzenten, die ungeheure Summen für die immer gleichen Kunstwerke ausgeben: Sie alle haben in Wirklichkeit nur ein Ziel, sie wollen einen Merz-Hasen fangen. Damian Hirst’s Arbeiten wären Flohmarkt-Ware, wenn die Superreichen in ihnen nicht einen gefangenen Merz-Hasen vermuteten!

Während der Diskurs schweigt, verkommt die Kunst in den Händen der Oligarchen zur Merz-Hasen-Falle!

Aber diese Leute haben sich getäuscht. Merz-Hasen kann man nicht kaufen. Im Gegenteil! Merz-Hasen scheuen das Kapital, so wie ihre wilden Kollegen den Fuchs. Und werden, wie dieser, leider doch immer wieder zur Beute.

Merz-Hasen-Leichen pflastern den Weg des Kunstbetriebs im neuen Jahrtausend! Und keiner, keiner, der sich der Kreatur erbarmt.

Wirklich keiner? Wir von getidan wollen der Merz-Hasen-Forschung in der Kunst ein Forum bieten. Frei und unzensiert, unkommerziell und lauter wollen wir Sichtungen, Spekulationen, Wirkungsnachweise und vieles mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Wer etwas vom Merz-Hasen weiß, soll sprechen, schreiben, dichten, zeigen, komponieren, singen, filmen, malen.

Dem kapitalisierten Kunstmarkt zum Trotz: Der Merz-Hase lebt!

Beiträge an: http://www.getidan.de/?p=67494

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