Biopolitics, EconoFiction, Mashines

Die Ratte, der Schizo und das Geld

By

8 Sep , 2015  

In einem Experiment des Wissenschaftlers Brian Knuston von der Stanford Universität geht es um die Untersuchung der Relation Wunsch und neurochemische Komposition des mennschlichen Gehirns und den daraus folgenden Möglichkeiten,  die bei Schizophrenen fehlende libidinale Motivation, die zu keinem optimalen ökonomischen Verhalten führt, durch eine psychopharmakologische Behandlung wieder herzustellen. Mangelnde Motivation wird hier einem a-hedonischen Subjekt unterstellt, das nicht in der Lage ist, seine ökonomische Entscheidungen libidinös zu besetzen und diese Libido dann auch permanent zu mobilisieren. Man visualisiert in diesem Experiment bestimmte Aktivitäten des Gehirns, die den Wunsch und die Wahl von Entscheidungen betreffen, während gleichzeitig Symptome von gesundheitlichen Störungen indexiert werden. Diese Art der Neuro-Ökonomie definiert den Wunsch als eine Quelle, die permanent dazu motiviert, (ökonomische) rationale Entscheidungen zu treffen, und im selben Modus wird die Antizipation als ein Zeichen oder als ein Potenzial des Wunsches bestimmt.

Der Clou des Experiments liegt nun darin, zu zeigen, dass die menschliche Antizipation, die die Kreation von Geld oder den Kauf von Waren imaginiert, dieselben Hirnregionen aktiviert, wie sie bei einem Experiment mit Laborraten im Jahr 1954, das von James Millner und Peter Olds durchgeführt wurde, erkannt worden waren. In diesem Experiment wurde das Verhalten von Ratten, denen man eine Elektrode ins Gehirn eingepflanzt hatte, in einer Skinner-Box untersucht: Wenn sie einen Hebel drückten, gab die Elektrode einen leichten Stromimpuls ab und reizte das Belohnungssystem, und of course wurde diese Stimulierung als angenehm empfunden und potenzierte das Verhalten der Ratten – die Ratten hörten mit dem Drücken des Hebels gar nicht mehr auf, vielmehr vergaßen sie zu schlafen, zu essen und zu trinken, ja selbst die Fortplanzung wurde eingestellt.

Knustons Experiment demonstrierte mithilfe des Einsatzes der fMRI Technologien, mit deren Hilfe Bilder entstehen, die die Aktivierung bestimmter Hinregionen anzeigen, eine ähnliche Konstellation. Dieses Mal war es aber nicht die Selbststimulierung durch den experimentellen Agenten, sondern es war ein externer Stimulans, der bei humanen Agenten zur Aktivierung derjenigen Regionen des Gehirns führte, die man mit Faktoren wie Genuss, Antizipation, Intention und schließlich Wahl konnektiert. Das effektivste Stimulantium für den Menschen, so stellte sich schnell heraus, ist das Geld, insofern es ein optimales Instrument darstellt, so zumindest Knuston, das die Trabanten weniger zur Arbeit motiviert, sondern sie aufgrund der Reversibilität (Kauf-Verkauf) und der Skalierbarkeit der Geldbeträge zu Höchstleistungen geradezu anspornt. Die Motivation, die eine auf die Zukunft ausgerichtete Investition oder Spekulation bedingt, sowie der Anreiz zum Kauf von Waren als Motivationstimulantium durften dabei nicht vergessen werden. Die experimentellen Subjekte wurden an Computer angeschlossen und aufgefordert, über das Klicken eines Buttons bestimmte Investitionsentscheidungen vorzunehmen, wobei eine Verzögerung zwischen dem Augenblick der Entscheidung und dem des Outputs eingebaut wurde, um die prä-kognitive affektive Reaktion des Gehirns auf die Stimulation aufzuzeichnen. Die Antizipation der Erlangung einer im Vergleich zum aktuellen Einkommen größeren Geldmenge aktivierte beim Subjekt eben exakt dieselben Hirnregionen, die die Ratte veranlassten, das Interesse an vitalen Funktionen (Nahrung, Getränke, Sex, Schlaf) zu verlieren. Wir müssen hier natürlich in Rechnung stellen, dass in die Experimente, bei denen unter ganz spezifischen Bedingungen bestimmte Gehirnaktivitäten festgestellt und lokalisiert werden, auch immer die Denkleistung der Wissenschaftler eingeht, die Schwingungskapizitäten ihrer Hirne, die sich wiederum in spezifischen Apparaturen materialisieren. Um diesen Einflussfaktor zu entkräften, müsste schließlich gezeigt werden, dass er als Einfluss nicht relevant ist.

Wie Deleuze/Guattari immer wieder sagen, hängt die Verteilung des Rationalen und Irrationalen im Kapitalismus von spezifischen Axiomatiken ab (die von einer Axiologie manchmal kaum zu trennen sind). Diese Verteilung korrespondiert der Teilung des Wunsches und der Interessen, wie sie das obige Experiment allerdings nur ansatzweise aufzeigt. Tatsächlich könnte das Verhalten der Ratten auch einen schwarzen Schatten auf das normalisierende Verhalten eines Brokers werfen, dessen neurochemisch-befeuerte Entscheidungen meistens qua Antizipation von hohen, zukünftigen Gewinnen getriggert werden. Wenn das ökonomische Verhalten der Spekulanten sich im Kontext von Normalisierungsprozessen abspielt, insofern diese eine standardisierte, funktionalisierte Relation zwischen Antizipation und Gewinn beinhalten, dann ist folgerichtig der Mangel, eine solche Antizipation zu besitzen, bzw. die fehlende Aktivierung der entsprechenden Hirnregionen für den Psychologen als Pathologie zu verstehen, als ein anti-ökonomisches Verhalten, ja sogar als Schizophrenie (Mangel an Motivation und Wunsch, A-Hedonie). Schizophrene mögen zwar ökonomische Entscheidungen treffen, aber sie zeigen eben kein ausreichendes libidinöses Investment in eine Ökonomie an, die den Wunsch besetzt. Schizophrenie soll somit als eine Störung des Wunsches recodiert werden, als ein Irrtum, der einen Mangel an Aktivierung gegenüber dem normalisierten neuroökonomischen Hirn anzeigt, wobei dieser Mangel mit der Einnahme von a-typischen Neuroleptika, welche die entsprechenden Hirnregionen wiederum aktivieren, wieder behoben werden kann.

Es gehört wirklich nicht viel dazu zu verstehen, dass hier eine Reduktion des Wunsches stattfindet, den man als die Ankopplung des Neuroplastischen an die monetäre Ökonomie konzipiert, die zugleich als eine Ökonomie des Genießens vorgestellt wird; der Wunsch wird in die reproduktiven Kreisläufe des kommunikativen Kapitals eingespeist und dort verteilt, und dies im Zuge von dissoziierten Milieus der Transindividuation, wo er allerdings meistens mit kleinen Happen von Genuss abgespeist wird. Was im Experiment wirklich pathologisiert wird, das ist der Mangel oder die Weigerung des Schizophrenen zu genießen. Und was zugleich von den getesteten menschlichen Agenten gefordert wird, das entspricht ungefähr dem selbstdestruktiven Exzess der Ratte, der eben dem des permanent ökonomisch gereizten, erregten und motivierten Subjekt gleichkommt. Man muss hier allerdings hinzufügen, dass die techno-ökonomisch instruierte Entscheidung an den Finanzmärkten immer weniger die souveränen Handlungen der einzelnen ökonomischen Agenten betrifft, sondern eher deren affektive Infektion durch die inhumanen Geschwindigkeiten der digitalen Technologien. Das anthropozentrische und individualistische Modell der ökonomischen Handlung ist längst durch die nanosekundenschnellen Technologien des HFT in Frage gestellt.

(Lacans Trieb-Konzept arbeitet mit einer wichtigen Unterscheidung, nämlich der zwischen Trieb und Begehren, und dies jeweils in ihrer Relation zum Genießen (jouissance). Für Lacan ist das Begehren immer mangelhaft – ein Begehren zu begehren -, wobei es niemals an ein Ziel gelangen kann; es ist ein Begehren nach einer jouissance, die jedoch niemals erreicht werden kann, weil das Begehren keineswegs auf ein Objekt abzielt und deshalb immer überraschbar bleibt. Im Gegensatz dazu erreicht der Trieb die jouissance in einem repetitiven Prozess, in dem er sie gerade nicht erreicht. Denn man muss ein Ziel nicht erreichen, um genießen zu können. Das Genießen selbst bindet nur an den repetitiven Prozess und damit auch das Subjekt. Genießen, egal wie marginal, flüchtig oder minimal, ist der Grund, warum man in der Trieb-Schleife hängenbleibt. Der Konsum bzw. Genuss existiert, insofern der Trieb das Ziel verfehlt; Genuss ist, was das Subjekt bekommt, selbst wenn es das nicht will. Genießen ist dieses kleine Extra, das das Subjekt einfach nicht in Ruhe lässt. Und um zu genießen, muss das Begehren suspendiert werden, es muss sozusagen der zu konsumierende Gegenstand aufgelauert werden, der zunächst im Auflauern simuliert wird, bevor er dann tatsächlich auftaucht und einverleibt wird.)

Ratten, Menschen, Elektroden, Bildtechniken, Computer, Diagramme, Agenten, Artificial Intelligence – als Teile bilden sie zusammen ein experimentelles Agencement, eine Verkettung, wo sich die Irrationalität der Agenten mit der Ratio des Kapitals kreuzt. Was für die Ratte noch als pathologisch qualifiziert werden könnte, erweist sich für den ökonomischen Investor durchaus als rational, insofern Rationalität hier auf eine regelgerechte Anbindung an die Antizipation, auf das neurochemisch instruierte Klicken hinsichtlich einer ökonomisch konstituierten Belohnung verweist. In der Interpretation des Experiments stellt man das Gehirn eines ökonomischen Agenten vor, dem das a-normale Ereignis des Black Swans oder des eruptischen Zufalls in der Ökonomie ein Greuel ist, ein Gehirn, das aber dennoch andauernd von kleinen zerebralen Toden heimgesucht wird, von einer permanenten Frequenz von kleinen irregulären Ereignissen, die sich ultraschnell vollziehen und kaum bis in die Wahrnehmung vordringen. Zeigt aber gerade die im Experiment ausgewiesene Definition der Schizophrenie, die ausgewiesene ökonomische A-Hedonie nicht die Grenzen der Funktionsweisen des Kapitals an? Und kann diese A-Hedonie die ökonomische Rationalität und Hegemonie des unternehmerischen Subjekts in Zukunft gar gefährden? Kann sie als eine Fluchtlinie weg von der reduktiven Figur des homo oeconomicus konzipiert werden?

Es ist bekannt, dass Deleuze/Guattari die Schizophrenie zwischen zwei Polen ansiedelten: Zwischen dem verschärften einwandfreien Funktionieren der Maschinen (nicht-organisches Funktionieren der Organmaschinen) und der katatonischen Stasis, die sich in einen Typus von Furcht übersetzt, der kennzeichnend für das schizophrene Subjekt ist. Im Gegensatz dazu scheinen die obigen Experimente und ihre Ergebnisse die Schizophrenie nur als ein Mangel an Entscheidungskapazität sowie den fehlenden Wunsch zum Genießen (katatonische Körper) zu definieren, wobei zur Normalisierung und zur Standardisierung des Verhaltens geradezu eingefordert wird. Für Deleuze/Guattari war es hingegen klar, dass die Trennung zwischen dem einerseits gut funktionierenden ökonomischen Subjekt und dem andererseits dysfunktionalen Schizophrenen ganz eindeutig die Kontamination der wechselwirkenden Kräfte von zwei von vornherein umstrittenen Polen verfehlt: Spasmische Stimuli, die in das Herz des katatonischen Stupors eindringen, und umgekehrt. Gegen die chemischen Strategien der Normalisierung gälte es, so zumindest Deleuze, eine Kombination von gelebter Chemie und schizologischer Analyse zu setzen, um den katatonischen und den zugleich hypermaschinistischen Körper in etwas ganz anderes zu transformieren, das nicht Ausdruck einer menschlichen Subjektivität sei, sondern aus dem Agencement humaner und nonhumaner Ströme, einer posthumanen Multiplizität der sozialen und technischen Maschinen emergiere. Und dieser deterritorialisierte Wunsch hat rein gar nichts mit Freuds Trieb oder dem spinozistischen conatus zu tun. Stattdessen öffnet sich der Wunsch der Unmöglichkeit und kreiert neue Möglichkeiten. Er ist artifiziell, deterritorialisiert und maschinisch, er inkludiert weder Fantasie noch Traum oder Repräsentation, sondern die permanente Produktion einer schwarzen Assemblage, und insofern kommt er nur mit dem Außen zustande. Der kapitalisierte Wunsch hingegen arbeitet sich nicht an der Frage der Kreation neuer Potenzialitäten ab, sondern er zielt ausschließlich auf die Emergenz dessen, was im Framework der kapitalistischen Gegebenheiten möglich erscheint.

Christine Malabou hat gezeigt, dass das neuroplastische, flexible Gehirn ein adäquates Bild für das vernetzte Kapital bereitstellt. Ihr geht es um neuronale Prozesse, die nicht objekthaft, sondern als Regel zu denken sind. Und Regeln stehen hier in unmittelbarem Zusammenhang mit der Materialität der Zeichen und den semiotischen Maschinen, wobei die Plastizität des Gehirns auf die Geltung des Geldes ausgerichtet bleibt. (Geld verändert die Sicht der Dinge, ja es strukturiert nicht nur den Genuss, sondern auch das Begehren.) Guattari hat schon darauf hingewiesen, dass aus dem Geld weniger das veräußerte Geistige (Denkabstraktion) abzuleiten sei, sondern das Geld sollte eher als eine Kriegsmaschine (der Preise) untersucht werden, die nicht ohne die asignifikanten Semiotiken funktionieren könne, welche in den digitalen Schaltkreisen und Netzwerken das Mathem der Ökonomie operieren. Das Einzelkapital rechnet diskret bzw. digital; es ist zu vermuten, dass sich das Mathem der Ökonomie heute plastisch in die Gehirne einschreibt, und zwar ohne die angeblich alles regulierende Instanz der Humanoiden überhaupt noch zu benötigen. Mit der Übernahme der Operationalisierung von Transaktionsketten durch computerbasierte Finanzmaschinen kommt es zu einer Verminderung des analogen Rauschens, das permanent in einzelne diskrete Schnitte, Schritte und Elemente zerlegt wird. Die binäre Kodierung ist allerdings am effektivsten mit der Reproduktion von komplexen, non-linearen Strukturen und deren Prozesse gewährleistet, sie ist zugleich die technologische Basis für die eskalierenden Potenziale der Algorithmisierung der Finanzgeschäfte, welche die Simulation und Generierung von Prozessen in Echtzeit und en masse ermöglicht. Es ist davon auszugehen, dass der Mensch als ein mental-energetisches Komplement den Finanzmaschinen und deren Geschwindigkeitseskalationen allenfalls noch folgen, sie aber nicht qua Bewusstein planen oder steuern kann.

Nicht zufällig bezeichet man die geschwindigkeitsinduzierten Effekte computerbasierter Transaktionsgeschäfte im HFH als „technische Reaktionen“. Desweiteren kann man getrost davon ausgehen, dass gerade auch im Zuge der Beschränktheit der Kapazitäten des menschlichen Bewusstseins, was seine Fähigzeit zur Erfassung der Numerosität in der Mathematik anbelangt, die ökonomischen Prozesse in der Finanzbranche längst nicht mehr in erster Linie auf bewusste Aktivitäten zurückzuführen sind. Wenn sprachliche Symbole sich nur aus der Differenz zu anderen Symbolen verstehen lassen, oder um es mit Saussure zu sagen, wenn das sprachliche Zeichen arbiträr ist, dann ist hier nach der spezifischen Transformation des Symbolischen in die zerebrale Materie zu fragen, zumindest nach dem Zusammenhang von Zeichen, Verwendungszusammenhängen und Sprechern. Und wenn man das Gehirn als ein Organ der Rezeption und Produktion von Differenzen definiert, das nicht objektorientiert, sondern regelbasiert prozessiert, wobei es mit der laufenden Variation der Zustände identisch ist, dann lässt sich mit dem Kybernetiker Warren S- McCulloch das Neuron auf der tiefesten Ebene als ein Alles-oder-Nichts-Ereignis interpretieren. Das Gehirn stellt permanent Differenzen her. Wenn Unterscheidungen getroffen werden, wird immer auch ausgeschlossen. Dabei kommt es auch zu Modulationen sowohl in der Materialität als auch der Relationalität der Zeichen, die auf kein Subjekt zurückzuführen sind, aber auf die Plastizität des Gehirns in Permanenz einwirken.

Das Gehirn nimmt diese Modulationen als Störungen auf; meistens spricht oder prozessiert das symbolisch Andere schon, ohne dass das Subjekt eine Möglichkeit besitzt, zu verstehen, worum es da geht, auch wenn es etwas davon ahnt. Das neuronale System ist laufend mit seiner Selbsterhaltung beschäftigt, indem es Schemata, Wahrnehmung und Identität (re)konstruiert, das heißt einen permanenten Vergleich zwischen aktuellen Wahrnehmungen und dem Gedächtnis und der Antizipation vornimmt. Definiert man das Bewusstsein – Falte innerhalb der reflexiven Struktur eines operierenden Apparats, der das Gehirn ist – als Funktion im Gehirn, mit der für Momente Hemmungen auftreten bestimmte Gewohnheiten weiter zu verfolgen, um sich eben umzuorientieren, dann versteht man sofort, dass damit das Problem der Selektion angesprochen ist. Im Zuge der Selektion werden bestimmte Tatsachen aus dem Erkennen verbannt und es wird bestimmten Kausalketten von Ereignissen Widerstand geleistet, um etwas Neues hinzuzufügen. Und solche Prozesse kosten eben Zeit. Generell operiert das Gehirn viel zu schnell, um auf das Bewusstsein reduziert werden zu können. Dies dürfte die Folge davon sein, dass die internen Verknüpfungen des Gehirns schneller prozessieren als die Wahrnehmung es kann. Zudem prozessieren parallel im sozialen Außen Schemata, die in Algorithmen rhythmisch werden – Markierungen und Produktion von Raumzeit – und zwar eben auch schneller als die Wahrnehmung sich organisieren kann (obgleich Invarianten wie Schemata die Wahrnehmung erst organisieren), sodass wir es an dieser Stelle wahrscheinlich mit einem direkten Durchschlag des Algorythmischen auf das Neuronale und Zerebrale zu tun bekommen. Kognitve Leistungen erfolgen im Medium von Semiotik und Symbolen, wobei der Bezug zur Außenwelt zwar flexibel organisiert werden kann, also Reflexivität beinhaltet, aber diese Flexibilität qua Beschreibung, Selektion etc. ist im Vergleich zu den Computergeschwindigkeiten und -leistungen viel zu langsam. Die Beobachtung der Zeichen und ihrer diversen Elemente (Ikon, Index, Symbol und Interpretant bei Pierce) beinhaltet, wie wir mit Guattari schon gesehen haben, die Aufnahme einer asignfikanten Semiotik, die einfach zu schnell prozessiert, um sie in Permanenz wahrnehmen oder gar bewusst-reflexiv erfassen zu können, oder um sie sogar spielerisch einzusetzen, bspw. auf andere Kontexte zu beziehen und zu neuen Dingen zu formen. Hinzu kommt, dass wir meistens nur die Dinge, aber nicht das Medium selbst wahrnehmen, obgleich wir es doch beschreiben können. Wenn die Person schließlich zur (aktiven) Schaltinstanz transformiert (dessen parallel prozessierendes Gehirn qua Gedächtnis aber nicht nur Reiz-Reaktionsmuster bedient, sondern vorhersagegesteuerte kategoriale, hypothetische und disjunktive Beziehungen herstellt), dann ergibt sich folgendes: Es muss definitiv nach der Konnektivität von Gehirn und Computer gefragt werden. Trotz der Schnelligkeit der Rechenleistungen des Computers scheint das Gehirn zumindest bezüglich von sensomotorischen und reflexiven Vorgängen leistungsfähiger zu sein, und dies aufgrund seiner Parallelschaltungen (kolumnaren Partialhierachien, Erinnerung und Erwartung). Dennoch gibt es, wie man heute ohne weiteres feststellen kann, keine kollektive Plastizität, welche die Steuerung der digitalen Netzwerke ohne Weiteres mehr regeln könnte. Bezüglich des Problems der Nichtübereinstimmung von Gehirn und Computer gilt es festzuhalten, dass die Netzwerke zeichenverarbeitender Maschinen eine „Logik“ anzeigen, die Anlass gibt, die Ökonomie in Maschinenbegriffen und eben nicht in Handlungskategorien zu denken. Die Kapitalisierung ist an semiotische Prozesse gebunden, die die Kapazitäten des Bewusstseins weit übersteigen, wenn jene mit ahumanen Geschwindigkeiten diskret im Mathem prozessiert. In der Tat wäre dann das Subjekt als ein energetisches Komplement der maschinellen Kapitalisierung zu beschreiben, das zwar Schriften, Diagramme und Pläne lesen, deren Operationalität es aber nicht autonom regeln kann, sei es, dass diese Operationalität einfach zu schnell prozessiert oder sie in den Black Boxes der digitalen Maschinen verborgen bleibt. Guattari hat allerdings, eingedenk der Tatsache, dass die Maschinen längst die Räume der Fabrik verlassen haben, bezüglich der maschinischen Indienstnahme auch von der Öffnung gegenüber neuen Linien des Möglichen gesprochen, insofern bspw. im Inneren der video-cinematographischen Apparate eine Matrix oder ein existenzieller Kern zu finden sei, nämlich lebendige Affekte, die von dynamischen, kinetischen Begriffen eingefangen werden: Man denke etwa an die Bewegungsformen des Fading away, an das Auf- und Abschwellen, an das Crescendo, Fliehen, Explodieren und so weiter, an die verschiedenen Weisen zu fühlen, die von den kategorialen Affekten wie Hass, Angst, Furcht, Freude etc. einfach nicht erfasst werden können.

, , , , ,

By


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.