Gosse, Mashines

(2) So stellt sich der grün-nachhaltige Akzelerationist das Leben nach dem Lottogewinn vor: Ein ewiges Leben im Einkaufszentrum „Hans im Glück“.

By

24 Apr , 2015  

Maschinische Zeit und Konsumzeit. Eine Unterscheidung also. Eine mögliche unter vielen.

Alles ist langweilig, aber niemand ist gelangweilt, schreibt Mark Fisher im Jahr 2014. Und dies, weil wir angeblich von einem Zeitalter der Langeweile in ein Zeitalter der Angst übergegangen sind. Das Verschwinden einer bestimmten (subjektiven) Form der Langeweile (Arthur Kroker erinnert uns: “Technotopia is about disappearances…”) hängt mit der Existenz von zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten zusammen, die heute die kapitalistischen Ökonomien durchqueren.

Die erste inkludiert eine dromologische Akzeleration, mit der die Kapitalisierung nicht nur die Geldkapitalakkumulation vorantreibt, sondern selbst noch die rhythmischen Fabriken des Lebens in die eskalierende Überdrehung hineinzieht. Diese Art der Akzeleration hat Virilio zufolge inzwischen den Punkt einer absoluten Sättigung erreicht, das Momentum des universellen Unfalls, der von einem metastatischen Wachstum der Informationsproduktion und dem ihm korrespondierenden Burnout der Subjekte begleitet wird – und all dies kreiert selbst noch in den postfordistischen Metropolen im Kontext der transversalen Hyperprekarisierung, die tendenziell alle Schichten durchquert, ein spürbares Klima der Angst und Furcht. Dieser Art der Beschleunigung korrespondiert eine maschinische Zeit, die in der Mechanosphäre des Kapitals vor allem operiert, und sie prozessiert mit einem inhumanen Zeitmaß, das bspw. von High-Speed-Trading Maschinen und hyperschnellen Computerprozessoren organisiert wird, von Satellliten-Relais und unvorstellbar schnellen Feedback-Loops, welche selbst noch auf die individuellsten Angelegenheiten und Fluktuationen der sozialen Agenten einwirken. (Das Axiom ist hier: Geld ist Zeit, und nicht Zeit ist Geld.)

Diese maschinische Zeit ist die Zeit der dromologischen Akzeleration.

Sie insistiert im dichten Labyrinth einer hyper-vernetzten Welt; es ist eine Zeit, die sich als eine glatte Kraft oder wie ein aalglatter Schleimfilm über die Oberflächen des Globus ausbreitet. Maschinische Zeit gleitet auf der glatten Ebene; sie ist die Zeit der Information, und das heißt auch, dass sie nicht notwendigerweise eine physische Zeit sein muss. Und diese Zeit forciert heute die Überkodierung des alltäglichen Lebens. Sie erschüttert die klassische Dreiteilung des Tages: 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden Schlaf. Wir befinden uns gegenwärtig im Prozess der Auflösung der drei temporalen Sektoren des sozialen Lebens in einen einzigen immerwährenden Strom der Zeit des 24/7 Kapitalismus.

Der Affekt, der auf die beschleunigende maschinische Zeit antwortet, ist die Furcht.

Dromologische Zeit rast eskalierend und stellt in jedem Moment auch die Frage, ob die vom maschinischen Kapital den Agenten zur Verfügung gestellte statistische Lebensquote nicht jetzt schon aufgebracht ist. Im Gleichklang reden Adorno und Deleuze/Guattari davon, dass diese Zeit fliegt, und dass der Körper in den Stunden der Flucht oder auf einer Fluchtlinie fortgerissen Angst registriert.

„Während die Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte steigt (und die Flüchtlinge im Mittelmeer absaufen, wäre hinzuzufügen), diskutieren Deutsche über ihre Ängste“, schreibt der neue ak – analyse & kritik | Zeitung für linke Debatte und Praxis. Es gibt eine Angst, die Reflex darauf ist, dass die Leute an dem Gefühl nagen, dass die ihnen vom Kapital zur Verfügung gestellte und zugleich statistisch eruierte Lebenszeit zu früh aufgebraucht ist. Solche Angst registriert der Körper in einer dromologischen Zeit. Da sie allenfalls als Trauma hochkommt, muss das nagende Gefühl abgeschoben und das Unbehagen zugewiesen werden. Der Adressat ist der Flüchtling/Ausländer, er fungiert als Patient und Leiche. Als Patient ist er Objekt einer Integrationsbehörde, als Leiche ist er Teil des von Achille Mbembe gezeichneten Menschenmülls.

 

Die zweite Geschwindigkeit bewegt sich quasi in die umgekehrte Richtung, insofern sie zumindest eine profunde Abschwächung anzeigt, vielleicht als das notwendige Echo auf die dromologisch akzelerationistische Tendenz des Verschwindens.

Hier setzt beispielsweise Simon Reynolds Buch „Retromania“ an. In der Funktionsweise des Retro scheint es keine neuen Territorien für kreative Aktionen, Anmaßungen und den Wunsch nach Fluchtlinien aus den alten Territorien, nach wirklich Neuem mehr zu geben – nichts Neues unter der Sonne, könnte also der Slogan heißen, nur die lockere und zugleich immer perfektere Wiederholung vorhergegangener Produktionen der Kulturindustrie, in der es ständig zur Wiederauferstehung früherer Moden und Ästhetiken kommt, wie dies Baudrillard in seiner Schrift „Der symbolische Tausch und der Tod“ schon vorhergesagt hat.

In gewissem Maße ist der Begriff „Retro“ aber bedeutungslos geworden, so schreibt Mark Fisher, insofern man heute so etwas wie Retrostile gar nicht mehr identifizieren könne. Dies würde nämlich voraussetzen, dass es auf der einen Seite Zeitgemäßes und auf der anderern Seite Retrostile gäbe. Heute würden aber selbst Stile, Moden und Objekte, die retro sind, als zeitgemäße Produkte verkauft. Mark Fisher betont in seinem neuen Buch „Gespenster meines Lebens“, dass der Retromodus längst zum Standard geworden sei. Wenn alles retro sei, sei es einerseits sinnlos, bestimmte Phänomene noch als retro zu bezeichnen, andererseits sei auch nichts mehr retro. Die Zeit würde weiß. Mit der Zeit sei es heute wie mit allen Transit-Orten, Einkaufszentren, Flughäfen, Museen und Sportarenen. Sie sei völlig austauschbar geworden, ganz egal, in welchem Jahr wir uns gerade befänden. Mehr oder weniger resümiert Mark Fisher hier nur das, was Frederic Jameson lange vor ihm beschrieben hat. Jameson registrierte in der postfordistischen Kultur eine Äquivalenz zwischen der beschleunigten Dynamik der Differenz auf allen Ebenen der sozialen Aktivitäten, Symbole, Habiti etc. und einer beispiellosen Standardisierung und Funktionalisierung – der Produkte, der Emotionen, der Sprache und so weiter. Jameson schreibt: “Aber dann dämmert es uns, dass keine Gesellschaft  jemals so standardisiert war, wie es diese ist, und dass der Strom von menschlicher, sozialer und historischer Zeitlichkeit noch niemals so homogen war.”

Wir finden bezüglich der homogenen Zeit das glatte Gegenteil der von Deleuze oft erwähnten „bekleideten Wiederholung“ von Differenzen vor, die weder zur Identität führt noch eine solche voraussetzt, stattdessen im Zuge der Wiederholung der Variation die Bedingung ihrer eigenen Wiederholung interiorisiert, um schließlich eine höchst fragile Identität zu erlangen, i. e. „bekleidete Wiederholung“ ist die Interiorität des Werts als Differenz in sich selbst. Der Retro-Geschwindigkeit oder der „nackten Wiederholung“ hingegen korrespondiert eine seltsam stratifizierende Kraft – eine scheinbar mit different bunten Inhalten gefüllte Zeit, die jedoch der Kapitalisierung unterworfen bleibt.

Eine derartige Kritik an einer standardisierten Kulturindustrie und ihren Waren muss sich immer mit dem Vorwurf auseinandersetzen, sich nur moralisch darüber zu entrüsten, dass das Kapital ein Produkt mit einem Preis ver­sieht. Der Ein­spruch gegen eine derartige Rea­li­tät, die man zumeist als Warengesellschaft tituliert, wird dann so vorgetragen, als sollte  es gerade diese standardisierte Rea­li­tät verbieten, aus dem Gebrauchswert eine Ware zu machen. Angewiedert und angeödet von derlei Realität und gerade deshalb so einverstanden, hat man als Kritiker vergessen, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, dem Zeitgemäßen vorzuwerfen, dass es zeitgemäß ist, keinen Geschmack zu besitzen, sondern dass man die Kraft zum Unzeitgemäßen herauszufordern hat, die nur eine Kraft des Denkens sein kann. Der Geschmack also. Darauf rekuriert das Künstler-Subjekt gerne, es lässt, wie Adorno sagt, in seiner Idiosynkrasie vom Geschmack sich leiten. Aber auch der Geschmack wird längst durch die Remixing- und Samplingmaschinen des Kapitals gedreht, er wird überkapitalisiert, überästhetisiert, übermedikamentiert, mit  Marken und Kunst überhauft, er wird weiß (das hat rein gar nichts dem Faden des Tao zu tun) –  oder wahlweise wird er im Zuge verklemmter Sparprogramme auf den Ein-Euro-Geschmack reduziert.

 

Sowieso gälte es das Statement Fishers durch folgende Anmerkungen zumindest zu korrigieren: Der Konsument, soweit er dazu finanziell in der Lage ist, will heute sein Bedürfnis nicht nur befriedigt, sondern seinen Wunsch auch verführt wissen, und er will sein Selbstmodell durch den Konsum im Sinne der Produktion eines Mehr (an Konsum) verändert wissen. Der moderne Konsument ist der Produzent eines reflexiven Konsums, als Dienstleistender konsumiert er die Arbeit, als Bürger ist er untoter Konsument, ein verwalteter und dividuierter Leistungsempfänger, er ist Zombie, oder wie Kroker schreibt, surplus flesh.

Das Branding weist auf die Produktion eines emotional-kognitiven Mehrgenusses hin, der mit der Etablierung der Markenware im 20. Jahrhundert an Narrative wie Freiheit, Sicherheit, Ordnung, Abenteuer oder eben Lifestyle gebunden ist und permanent gereizt wird. Dafür benötigt die paregonale Ware nach wie vor ein symbolisches Äquivalent, das Geld, um selbst zu zirkulieren. Das Geld ist nicht bedeutungslos, wie viele Geldtheoretiker annehmen, es muss heute selbst als digitales Geld noch bedeuten, aber was es bedeutet, ist vollkommen offen. Nur wenn das Geld bedeutungsoffen ist, kann es als leere Verweisungsstruktur fungieren, als ein sog. medialer Transporter. Dem korrespondiert vom Warenstatus her gesehen am ehesten noch die Luxusware, die irgendwie bedeuten muss, und ihre Bedeutung ist in einen Lifestyle integriert, mit dessen Transformation ständig neue Bedeutungen hinzukommen. Baudrillard hat seine Theorie der Virtualität an die Zirkulation von Zeichen gebunden, die in der Zirkulation nur noch auf sich selbst verweisen und deren Bedeutung oder Wert ein reiner Simulationseffekt ist. Allerdings ist Baudrillards These, dass die Realität im Zeichen implodiert, nicht zuzustimmen, denn selbst noch die Bits als Zeichen müssen bedeuten, aber was sie bedeuten, ist eben gleichgültig.

Dabei wird der Wunsch weniger befriedigt, als dass er permanent angestachelt wird, um sich an den sog. Zerebralkonsum (Gehlen) zu heften, der entweder das Konsumieren konsumiert oder sich an Waren heftet, die mit Visiotypen und Narrativen aufgeladen sind, die dem Konsumenten ein Phantombild konstruieren. Produkte sind heute weniger Dinge als Phantombilder. Und so stellt sich für den Konsumenten nur noch die Frage, ob er mit Coca Cola oder Pepsi Cola den Geschmack der Freiheit trinkt, oder wie er die Freiheit mit dem Konsum von Red Bull forciert. Ein Ding kann dagegen nie schnell sein, es ist dauerhaft oder hat keine Zeit. Anders mit dem Produkt, das sich schnellstmöglich realisieren muss. Nur wenn es verkauft wird, ist es Ware. Ansonsten Müll. Dagegen wehrt man sich im Delirium grüner Nachhaltigkeit. Selbstkritisch verkündet dann der nachhaltig-grüne Akzelerationist: Wenn Müll verbrauchte Energie/Materie am falschen Ort ist, dann ist Kunst ein des Rcyclings fähiger Müll am richtigen Ort.

Es geht um eine Kunst, bei der keiner ihrer Teilnehmer damit rechnet, dass er innerhalb des Zeitrahmens der Kunstaktion selbst zum Müll werden könnte, der letztlich vom Sprachmüll der staatlichen Repräsentanten und der Polizei kodifiziert wird, und wobei als höchst belastende Folgewirkung für teilnehmende Individuen nicht auszuschließen ist, dass das Messie-Syndrom, die individuelle Pathologie der Sprach-Vermüllung, gnadenlos zuschlägt, wenn die deontoligisierende Kapital-Härte es will, was dann garantiert auch noch als eine ästhetische Angelegenheit betrachtet wird.

Symbolische Einkaufszentren – und es gibt fast nur noch solche – sind wie akzelerationistische Fluchten durch die von Sade so gehasste zweite Natur, und wie in der Mode eine Kleidersaison die andere ablöst, so im intellektuellen Branding die eine starke These die nächste. Wenn das Branding in das Einkaufszentrum einzieht, dann mit ihm der Super-Blick eines Käufers, der Geschmack an der Suche nach seinem virtuellen Selbst findet, einer Suche, die Mehr-Genießen heißt. Und die das Mehr-Genießen – das Pendant zur Kapitalisierung, die erste Freizeitaktivität und von der Arbeit oft kaum mehr zu unterscheiden – heutnah erleben will, und zwar als eine neue Art der Kontingenz sich hinzugeben, ganz bereit für den voyeuristischen Super-Blick, der „schwärmt aneignet und unterwirft, und all das auf eine einzigen saisonalen Blick.“ (Kroker)

So bleibt nur noch, den somnologischen oder hypererregten Totalausstieg aus den sozialen und privaten Versicherungsnetzen neoliberaler Topiken und Arrangements zu simulieren – das Event zu zelebrieren, das für jeden Teilnehmer (gekoppelt an den großen Metaszenenapplaus) das Akklamatorische anspruchsvoller Unterhaltung und Entspannung im Kontext intellektueller Verwahrlosung verspricht, wobei die Teilnehmer den gewöhnlichen Modulationen der biopolitischen Flexibilisierungspolitiken im Rahmen von Diätetik, Wellness und Gentechnologie zumindest für eine Flucht entkommen wollen, um zugleich der Prämisse der individuellen Selbstkontrolle und Selbstverwertung nachzukommen, nämlich, dass niemand tut, was man nicht selbst für sich tut.

Erratum (eines Intellektuellen im Niemandsland):

(Nietzsche schafft eine Typologie der Langeweile, in der die Langeweile zunächst ein positives Zeichen für das Leben eines Gelehrten ist, während der gewöhnliche Mensch vor der Langeweile flieht und mit seiner Teilhabe in den Unterhaltungsmaschinerien Zerstreuung sucht –  Mode, Musik und Kunst, im Reisen oder im Sportbetrieb, all den Codierungen bzw. symbolisch-kommunikativen Sinnstiftungen, die der Integration der Masse dienen. Die „gute“ Langeweile gleicht dagegen einem Schwebezustand, der zwischen formloser Wahrnehmung und dem Bedürfnis nach Gestaltung pendelt. Joey sieht seinen Philosophieprofessor vor sich, denjenigen mit leiser Stimme und wohltemperiertem Klang, der ihm erklärt, dass Heidegger, dessen Terminologie Joey zum damaligen Zeitpunkt nur noch monströs fand, wohl ahnte, dass die ontologisch-existentiale Stimmung des Man als ein Ängstlich-Sein-zum-Tode in den modernen synkretischen Differenzkulturen in das umkippt, was Heidegger ein Gelangtweilt-Sein-zum-Tode nannte. Die Konsumenten unserer Metropolen, und Joey zählt sich selbst dazu, erscheinen ihm keinesfalls nur von Angst zerfressen, sondern trotz des 24-Stunden-Entertainments oder womöglich des Konsums von Extremsportarten, zu denen er übrigens auch seine Car-Races zählt, eher gelangweilt oder abgebrüht zu sein, ausgelaugt durch die versicherten Wiederholungsstrukturen der täglichen Routine, aber phasenweise auch wieder köstlich amüsiert, beim internetgestützten Ballermann-Sex bis hin zum Boxenstopp-Sex an der Reichtumsspitze der Gesellschaft, etwa in der Flavio-Briatore-Klasse; alles in allem leiden die Konsumenten seiner Meinung nach unter dem Vergnügen und den viel zu vielen Möglichkeiten – die Möglichkeit als die härteste Droge? Die Todesdroge? -; simultan gehen die Konsumenten zu abgrundtief schlechter Langeweile durch Shopping-Malls spazieren und oft gerinnt die „gute“ Langeweile selbst bei Leuten wie ihm zur trivialen Frustration und taut hier und da in Gewaltexzessen wieder auf, oder man lässt Cloning, plastische Chirugie und Doping zu attraktiven Spitzentechnologien avancieren, nicht zuletzt Telematik, Informatik und Netzwerkindustrie, die nebst globalisierter Partnersuche, Avatarkram sowie Dirty-Chatting die Eigenkonstruktion eines Second Life ermöglichen, etwa die Einrichtung imaginärer Bordelle, wo die Sexuser, ganz „man“ geworden, beliebig modellierte Partnerinnen oder Partner zu Sexparties einladen, badend in komplexen Stimmungen eines implizit Unbewussten, den Stimmungslagen des Gelangweiltwerdens von etwas und des Sichlangweilens bei etwas. Die radikale Mediokrität hat uns allen diese Schichten implementiert. Fraglich bleibt, ob die gelangweilten und zugleich stark amüsierten Subjekte in der Lage sind, jene dritte, tiefe und fundamentale Schicht, die Heidegger zumindest angenommen hat, zu registrieren, die Leere im Herzen einer Risikogesellschaft, die permanent versucht sich abzusichern oder zu versichern. Und wird die Langeweile von einer Person nicht mehr ausgehalten, so wendet sie sich gegen sich selbst oder schlägt in den Aktionismus von hyperaktiven, sich selbst disziplierenden, lehrenden und lernenden, also übenden Subjekten um. Joey denkt an das Paradox eines weinenden oder lachenden Roboters. Die übermäßige Erregbarkeit ist der Gegenpol zur Langeweile, wobei die Pendelbewegungen das einigende Band sind, eine ubiquitäre Form des Bemühens, mit der Leere der Risikogesellschaft, die zugleich ihrer Fülle entspricht, auszukommen. Die Erregbarkeit manifestiert sich in allen möglichen Spielarten von Süchten oder mündet in Netzwerk-Abhängigkeiten, in der Klammer, der Relation von Wiederholungsmustern pseudorituellen Verhaltens und der Kontrolle. Aber leben wir damit schon in einer Welt jenseits des Sinns? Nein, eher der Überfülle von Sinn. Die Zukunft unserer technologischen Selbstmanipulation qua Digitalisierung, Biogenetik und Prothesenherstellung erscheint uns nur sinnlos, wenn wir sie innerhalb des Horizonts unserer Vorstellungen dessen, was ein sinnvolles Universum ist, messen wollen. Zugleich hat das Kapital die Bedeutung enttotalisiert; Kapital kann sich im Zuge eines erschlaffenden Nihilismus mühelos jeder Kultur anpassen, jeder Religion, denn allein die Realität der Kapitalisierung im Sinne von bedeutungsloser Sinnproduktion zählt. In Zeiten von Junk News, Junk Food, Junk Money und Junk Selfishness folgt die universelle Kamera jedem Prominenten und dessen Abklatsch nicht nur bis in das Schlafzimmer, sondern auch bis in das Badezimmer und die Toilette. Wir schauen nicht Fernsehen, wir leben mit dem Fernsehen. Ökonomisch scheint das Kapital mit Staatsverschuldung und Konsumentenkredit ans Ende einer Zahlungskette angelangt zu sein, kulturell befindet man sich in der Erschlaffungsphase des Nihilismus und politisch gleicht die Society einem Irrenhaus, dessen Insassen alle auf Tranquilizer sind. Machtimplosionen lassen angesichts des geistig-affektiven Zustands der Bewohner gar nichts Gutes erwarten.)

 

Upcoming:

3) Im Zentrum des Akzelerationismus: Nick Land

4) Der prometheische Wahn

print

, , ,

By


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.