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Was heißt Geldschöpfung? (1)

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18 Mrz , 2016  

Banken verdienen ihr Geld unter anderem damit, dass sie Schulden zu Geldkapital transferieren, das heißt ihre Zahlungsfähigkeit mit Zahlungsmitteln stiften, die durch die rechtlich abgesicherte Macht, Schulden zu machen, gedeckt sind, was ihnen wiederum aus der besonderen Art ihrer Kapitalisierung erwächst. Wenn einerseits in einer Ökonomie nichts ohne ihre Geldgeschäfte läuft, so setzen sie mit ihrer Geschäftstätigkeit andererseits genau diese Ökonomie voraus, in der sich die vergebenen Kredite als Geldkapital bewähren müssen. Die Kapitalisierung, die im Rechtsverhältnis zwischen Kreditinstituten und „Realökonomie“ derart gehandelt wird, als wäre sie für die Banken je schon eingetreten, muss sich zwangsläufig in zukünftiger Kapitalakkumulation in der gesamten Ökonomie realisieren, ansonsten wachsen in der Tat nur die Schulden, während der Reichtum, den sie versprechen, zunehmend illusionär wird.

Und dies betrifft auch die Frage der Geldschöpfung von privaten Geschäftsbanken (und eben nicht nur der Notenbanken), über die bis heute unter Ökonomen aller Couleurs eine seltsame Verwirrung herrscht. Banken können definitiv Geld schöpfen, zwar nicht aus dem Nichts, wie es der Ökonom Joseph Schumpeter noch annahm, aber doch in einer äußerst produktiven Weise, insofern die Geldschöpfung ein stetiges, auf die Zukunft gerichtetes Wachstum des Kapitals befördert. Das heißt, Geschäftsbanken schöpfen Geld nicht aus dem Nichts, sondern im Vorgriff auf zukünftige Kapitalverwertung.

Es gibt den weitverbreiteten Irrtum, dass Banken reine Finanzintermediäre seien, die das Geld von Kunden ausleihen und und exakt nur diese ausgeliehenen Geldsummen dann selbst weiterverleihen könnten. Zwar ist es richtig, dass die Banken ihre Profite und ihr Wachstum der Potenz nach mit fremdem Geld generieren, indem sie nach Möglichkeit jedem Akteur, der welches hat, mit Zinszahlungen die Verfügungsmacht darüber abkaufen. Dieses Geld benutzen die Banken dann in der Tat für ihre eigenen Ausleihungen, als ob es ihr Eigentum wäre. Banken transferieren damit also Schulden zu Geldkapital. Was sie an Geldkapital vorschießen, beruht allerdings nur in einem geringen Maß auf Verbindlichkeiten, auf deren Grundlage sie dann etwa Kredite schöpfen. Geschäftsbanken sind nämlich keine reinen Geldvermittler, die nichts weiter als die Potenz des Kredits für sich ausnutzen. Sie würden dann umso mehr Kredite vergeben können, je mehr in einer Ökonomie gespart wird und insoweit die Ersparnisse der Wirtschaftsagenten auch auf ihren Bankkonten landen. Alle Banken könnten dann aber in einem Land insgesamt nicht mehr Kredite vergeben, als die Kunden willens sind, ihnen an Ersparnissen zur Verfügung zu stellen. Der Ökonom Matthias Binswanger schreibt dazu: „Die Banken wären dann vergleichbar mit einer Blutbank in einem Krankenhaus. Die Bank müsste ihren Kunden dann genau wie eine Blutbank von Zeit zu Zeit mitteilen: „Leider haben wir im Moment keine Ersparnisse mehr, aber Sie können sich in eine Warteliste eintragen, und wir benachrichtigen Sie dann, wenn wieder Ersparnisse bei uns eingetroffen sind.““

Für ihre Kreditvergabe benötigen die Banken diese Ersparnisse also nicht unbedingt. Ihre Produktivität besteht vielmehr in der Bewirtschaftung von Zahlungsversprechen bzw. dem Schöpfen von Krediten, mit denen sie nach Maßgabe ihrer Kalkulation und Spekulation möglichst gewinnorientierte Investitionen und Produktionsprozesse finanzieren und in die Wege leiten. Damit findet keine bloße Umverteilung von Geldmitteln statt, sondern die Banken operieren selbst als ein wesentlicher, das Wachstum generierender Faktor der Kapitalakkumulation einer Volkswirtschaft.

Wie läuft nun der Prozess der Geldschöpfung ab? Wenn eine Geschäftsbank entscheidet, dass ein Kunde kreditwürdig ist (Sicherheiten und das Potenzial zu zukünftiger Kapitalverwertung ausweisen kann), gibt sie ihm einen Kredit, dessen Betrag auf seinem Konto gutgeschrieben wird. Wenn die Gutschrift auf dem Konto (Sichteinlage) erfolgt, erhöht sich die Geldmenge, die heute zu einem hohen Anteil aus Einlagen auf Bankkonten besteht. Diese Einlagen nennt man Giral- bzw. Buchgeld, das als Zahl auf einem Konto geschrieben steht und mit dem zumeist nur elektronische Zahlungen abgewickelt werden. Noch einmal: Mit dem Kredit setzt die Bank Zahlungsmittel als Zahlungsversprechen ein und schreibt sie dem Kunden in seiner Funktion als Schuldner auf seinem Girokonto gut, womit Buch- oder Giralgeld (digitale Beträge auf Girokonten) entsteht, sodass die Bank auf der Aktivseite ihrer Bilanz eigentlich eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden besitzt, der auf der Passivseite die Einlage des Kunden als Verbindlichkeit gegenübersteht. Auf der Passivseite der Bilanz erscheint die Verbindlichkeit also als Einlage aus Kreditvergabe, während auf der Aktivseite die Bilanzsumme um einen Betrag gestiegen ist, der in etwa dem Kredit entspricht (minus Reserven). Im Fachjargon heißt dies „Bilanzverlängerung“. Dabei wird die Verbindlichkeit der Bank durch keine Zahlung ausgeglichen und es wird damit auch keines ihrer Konten um einen Geldbetrag verringert (eine Verringerung würde zur Reduktion anderer Größen in der Bilanz führen). Die Verbindlichkeit taucht in der Bilanz der Bank schlichtweg als „Kundenguthaben“ auf. Die Frage, ob bei der Buchung des Betrages als Guthaben dieser Betrag von einem anderen Konto abgezogen werden muss, was zur Reduktion anderer Größen in der Bilanz – entweder Reserven (Teilreserve-Theorie) oder anderer Mittel führt (Bank als Finanzintermediär) kann also verneint werden. Giralgeldschöpfung bedeutet, dass die Grenzen der Kreditvergabe zunächst im Risikomanagement der Bank liegen.

Verliehen werden digitale Geldzeichen, die auf Girokonten eingeschrieben werden und einen Anspruch auf (staatliches) Bargeld inhärieren (Giralgeld). Zwar hat der Kunde nun die kreditierte Geldsumme zur freien Verfügung, zugleich besteht aber die entsprechende Schuld gegenüber der Bank. Während der Laufzeit des Kredites kommt es meistens zu keiner Barauszahlung an den Kunden, sodass die Ausgabe des Zahlungsmittels ein Zahlungsversprechen der Bank bleibt, das mit der Rückzahlung des Kredites Rate für Rate wieder aufgelöst wird. Die Bank realisiert während der Laufzeit Gewinne, im Fachjargon „Seigniorage“ genannt, deren Quelle die Zinszahlungen der Schuldner sind. Banken sind also vor allem gewinnorientierte Geldproduzenten und nicht einfach nur Geldvermittler. Dabei setzt die Bank mit der Vergabe des Kredits an ein kapitalistisches Unternehmen inklusive der vertraglich abgesicherten Tilgung und Zinszahlung über einen bestimmten Zeitraum voraus, dass der Schuldner das geliehene Geld vermehrt. Diese Voraussetzung gilt absolut, das heißt unabhängig vom Erfolg des Schuldners, und hat dementsprechend Vorrang gegenüber dessen zunächst nur erfolgsversprechenden Geschäften, wobei die Bank deren Unsicherheit zu kalkulieren versucht und in die Höhe des Zinses einpreist. Je prekärer die Leistung des Schuldners, den Kredit bzw. die Potenz des Geldes in Geldkapital zu realisieren, desto höher die Zinsen.

Wird nun ein Kredit Rate für Rate zurückgezahlt, dann verringert sich die Geldmenge wieder um die entsprechenden Beträge. Entscheidend für die Frage der Geldmengenerhöhung ist die Nettokreditvergabe: Vergeben die Geschäftsbanken einer nationalen Ökonomie mehr neue Kredite, als Kredite an sie zurückgezahlt werden, dann erhöht sich die Geldmenge und damit bestenfalls auch das Wachstum, insofern mehr Kredite für die Finanzierung von Investitionen eingesetzt werden.

Bisher wurden nur die internen Geldströme einer Bank behandelt. Vergibt eine Bank A an einen Kunden einen Kredit, der auf seinem Konto gutgeschrieben wird,  und der Kunde veranlasst von seinem Konto eine bargeldlose Zahlung auf des Konto einer anderen Geschäftsbank B, dann verzeichnet die Bank A einen Zahlungsausgang und die Bank B einen Zahlungseingang. Diese Zahlungsflüsse rechnen die Geschäftsbanken auf speziellen Interbankkonten ab, wobei es in der Tendenz zu einem Ausgleich der Differenzen kommt.  Durch geldschöpfende Schreibvorgänge entsteht das Giralgeld zunächst auf der Ebene des Publikums, aber es kommt dabei immer zu Zahlungsströmen zwischen den Banken, die auf Interbankkonten gemessen und Differenzen als jeweilige Ergebnisse angezeigt werden. Wenn nun die Praxis der Kreditvergaben zwischen den Banken stark abweicht, bspw. bei einer Bank mehr Forderungen gegenüber Kunden entstehen als bei einer anderen Bank, dann kommt es zu ungleichen Zahlungsströmen, die die Interbankkreditkonten beeinflussen und damit auch die jeweiligen Gewinne der Banken. Es sind nun nicht mehr die Eintragungen Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Kunden, sondern die Eintragungen Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Banken, die die Vermögensveränderungen bei Banken anzeigen.

Mit ihrer Geldschöpfung beschränken die Banken sich nicht auf Sichteinlagen, sondern ihre Verfügungsmacht erstreckt sich auf Depositen aller Art, auf Spareinlagen mit längerer und kürzerer Kündigungsfrist. Sie bewältigen ihre Kreditschöpfung buchungstechnisch mit Gutschriften, bei denen es gar nichts ausmacht, dass sie gar kein schon vorhandenes, sondern auf die Zukunft orientiertes Geld bezeichnen, das nichts als Zahlungsversprechen der Bank darstellt. Die Kreditvergabe firmiert, soweit der Kreditnehmer den Betrag nicht in bar abhebt, als bargeldloser Zahlungsverkehr. Es stimmt also nicht, dass der Kreditvergabe und der folgenden Auszahlung in in der Summe stets ein Plus gegenüberstehen muss, eine Einzahlung, eine Gutschrift oder die Zahlungspflicht eines Geschäftspartners, eigenes Geld oder eigene Schulden des Geldinstituts, wie dies der Gegenstandpunkt schreibt. Und er schreibt weiter: „Insofern können sie tatsächlich nur verleihen, was sich bei ihnen als verfügbare Zahlungsfähigkeit niederschlägt.“ Nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, wie wir gesehen haben. Banken haben laufende operationale Kosten und sie benötigen Kapital, womit auch die Kreditvergaben und die Zinsraten nicht ausschließlich auf Erwartungen basieren können. Der Gegenstandpunkt relativiert seine Position selbst, wenn er schreibt, dass die Banken als Manager der gesellschaftlichen Geldzirkulation die Mittel besäßen, „alles, was bei ihnen als Plus zu Buche schlägt, für Zahlungen zu verwenden.“ Dieses Plus resultiert unter anderem aus der Geldschöpfung, dem Vorgriff auf Verwertung in der Zukunft. Allerdings können die Banken auch nicht grenzenlos Geld schöpfen, weil bspw. die Unternehmen in der Rezession eher Schulden abbauen als Kredite aufnehmen, oder die Banken selbst wegen mangelnder Profitaussichten ihrer potenziellen Kreditnehmer sich mit der Kreditvergabe zurückhalten. Die Geldschöpfung der Banken bleibt stets an die Mechanismen der Kapitalakkumulation gebunden. Dies wäre natürlich weiter auszuführen.

Mittels der Geldschöpfung durch die Banken können in einer Ökonomie immer mehr Investitionen finanziert werden, ohne dass eben vorher entsprechend gespart wurde, i.e. es wird die Kapitalakkumulation stimuliert und das Wirtschaftswachstum vorangetrieben, insofern die Kredite produktiv verwendet werden. In diesem Fall werden sie dazu gebraucht, entweder mit Investitionen Maschinen und Anlagen zu finanzieren, wodurch sich die Produktionskapazität eines Unternehmens erhöht. Müssten zusätzliche Investitionen hingegen durch mehr Ersparnisse finanziert werden, dann würde dies kein Wirtschaftswachstum erlauben, da höhere Ersparnisse zumindest zu einem entsprechenden Rückgang des Konsums führen und für das Wachstum kontraproduktiv wirken. Ersparnisse und Konsumtion sind aufeinander bezogen, und die Konsumtion ist proportional zum Einkommen, das in der Produktion erzeugt wird. Schließlich ist es die Produktion, die angeglichen werden muss, um die Ersparnisse mit den Investitionen gleichzustellen.  Das war die Antwort von Keynes auf das Says`sche Gesetz.

Werden die Kredite hingegen unproduktiv verwendet, das heißt für den Kauf von bereits existierenden Gütern und Dienstleistungen, dann kann die Geldschöpfung zu steigenden Preisen und Inflation führen. Wenn die Geldschöpfung zum Kauf von Wertpapieren oder Derivaten führt, dann sei dies, so nehmen die meisten Wirtschaftswissenschaftler an, unter unproduktive Verwendung des Geldes zu subsumieren. Zwar ist es richtig, dass die Geldschöpfung zu Inflationierungen an den Finanzmärkten und spekulative Blasen führen kann, wie sie besonders häufig an der Börse oder auf dem Immobilienmarkt auftreten. Dennoch besitzt der Handel von fiktivem Kapital durchaus eine produktive Komponente. Eine Verdopplung des Kapitals finden wir beim Handel mit fiktivem Kapital vor. Dies geschieht ganz konkret, wenn ein Geldeigentümer Eigentumstitel wie Aktien, Anleihen oder Wertpapiere kauft, und dies rein mit dem Ziel, aus seinem Geld ein Mehr zu machen. Ganz entgegen dem Kauf von Standardwaren aus der industriellen Produktion, die entweder der Konsumtion oder der industriellen Vernutzung dienen, impliziert der Kauf eines Eigentumstitels die spezifische Nutzung des sekundären Gebrauchswerts des Geldkapitals, d. h., der Käufer des Eigentumstitels nutzt den sekundären bzw. den Meta-Gebrauchswert seiner veräußerten Geldsumme, um damit in Zukunft Renditen zu generieren, während der Verkäufer der Aktie, Anleihe etc. von der Kapitalisierung des Geldkapitals keinesfalls ausgeschlossen bleibt, denn wie beim Verkauf von gewöhnlichen Waren verfügen bspw. die Emittenten von Aktien oder Anleihen ganz real über das Geld, das ihnen der Verkauf des Eigentumstitels einbringt. Dies zeitigt je nach Konjunkturlage positive oder negative Folgen für die Wirtschaftstätigkeiten eines Landes insgesamt.

Allerdings findet die Verwertung vorgeschossenen Geldes nur dann statt, wenn auf Dauer die Produktivität entweder durch technologische Innovation oder durch die Steigerung der Arbeitsintensität (und damit das Wachstum) so ansteigt, dass die Masse der eingesetzten Kredite (und des fiktiven Kapitals) gerechtfertigt bleibt. Der Kreditnehmer muss das Geld des Kreditgebers produktiv machen, das heißt sein realisierter Erlös hat die Vorwegnahme im Kredit zu rechtfertigen, hat den im Zinsanspruch vorweggenommenen Reichtum zu erbringen, womit sich die verliehene Geldsumme auch für den Kreditgeber bewährt.

Sprechen wir in diesem Kontext noch kurz die Frage des Verhältnisses zwischen Notenbank und Geschäftsbanken an. Verfügt eine kreditierende Bank an einem bestimmten Auszahlungstag über ausreichende Geldmittel, so zahlt sie die abgerufenen Summen aus ihrem Bestand; bei einem Minus fragt sie das Geld in der Regel auf dem Interbankenmarkt nach. Die aus diesen Kontenbewegungen entstehenden Salden zwischen den Geschäftsbanken werden in Notenbankgeld beglichen. Man kann nun zwar weiterhin von der qualitativen Dominanz des Notenbankgeldes sprechen, allerdings sind heute die von den Geschäftsbanken geschöpften Gelder in quantitativer Hinsicht wesentlich bedeutender als das Notenbankgeld, sodass man auch an dieser Stelle langsam über die Bedeutung des Umschlags von Quantität in Qualität nachdenken muss. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde also ein wesentlicher Kompetenzbereich der Zentralbanken, der in der quasi-autonomen Geld- und Währungspolitik bestand, zunehmend an das finanzielle Kapital selbst transferiert. Buchgeld ist längst nicht mehr nur das, was die Notenbank als ihr Geld ausgibt, sondern auch das, was private Geschäftsbanken als Kredit schöpfen. Damit sind die Notenbanken auch nicht mehr exakt darüber informiert, welche Geldmengen aktuell im Umlauf sind – und wie viele Risiken damit an den Finanzmärkten zirkulieren. Allerdings gilt es einzuräumen, dass nach der Finanzkrise 2008 die Geldschöpfung wieder stärker an die Notenbanken übergegangen ist, sei es durch Vergabe von Krediten zu niedrigen Zinsen an die privaten Banken oder durch den Kauf von Wertpapieren mit minderer Bonität (von Banken, Staaten und Unternehmen). Dabei sind die Bilanzsummen der führenden Notenbanken massiv angestiegen. Dieser Vorgang darf aber nicht als irreversibel gelten.

Somit üben die Notenbanken nicht mehr unangefochten die Funktion eines »Lenders of last resort« aus, weil ein hoher Anteil der nationalen und transnationalen Operationen des finanziellen Kapitals (der Geschäfts-, Investitions- und Schattenbanken) unabhängig von der Notenbank exekutiert wird, während hingegen die regierungstechnische Interventionskraft der Notenbanken von den Preisbewegungen des derivativen Geldkapitals stets abhängig bleibt. Gerade in ökonomischen Krisenzeiten wird dann aber der Einsatz des Sicherheitsdispositivs »Notenbank« von gefährdeten finanziellen Kapitalteilen selbst wieder eingefordert. Ihre Operationen wie Mindestreservebildung, Liquiditätssicherung und Zinspolitik verknüpfen die Notenbanken ständig mit den Strategien des privaten finanziellen Kapitals. Gerade die Etablierung der Notenbanken als „vierte Gewalt im Staat“, die legale Abkopplung gegenüber Exekutive und Legislative und die Transformation der Notenbank in Richtung einer quasi-autonomen Regierungspraxis bestätigt zudem die Ausrichtung der Notenbanken an den Dynamiken und Notwendigkeiten der finanziellen Kapitalakkumulation.

Der Begriff „quantitative easing“ beschreibt Maßnahmen der Notenbank wie den dauerhaften Aufkauf von Wertpapieren der Geschäftsbanken, wobei es darum geht, deren Reserven zu erhöhen, und dies bei Zinssätzen, die schon bei Null liegen und weiterhein eine expansive Geldpolitik verfolgt werden soll. Dabei wurde im Zuge der Finanzkrise von 2008 ein Großteil der faulen Mortgage Backed Securities (MBS) bei den Notenbanken eingelagert und in den Bilanzen der Geschäftsbanken durch erstklassige Reserven ersetzt. Schon im Jahr 2009 waren die Geschäftsbanken mit Reserven gesättigt, sodass eine aktive Geldpolitik der Notenbanken qua Repo (Sale and Repurchase Agreement) kaum noch notwendig war und ihren Einfluss auf die Geldschöpfung der Geschäftsbanken verlor. Gegenwärtig kommt den kurzfristigen Zinssatzänderungen aufgrund der Politik des QE kein zyklischer Einfluss auf die Geschäftstätigkeiten der Unternehmen mehr zu, weil die Geschäftsbanken in der Rezession wegen fehlender profitabler Anlagemöglichkeiten die Reserven einfach liegen lassen oder Unternehmen eher Schulden abbauen als Kredite aufnehmen, womit der Leitzinssatz seine Steuerungs- und Allokationsfunktion für die (industrielle) Kapitalakkumulation zumindest graduell verliert. (Für das Halten von Reserven zahlen die Notenbanken den Geschäftsbanken sogar Zinsen.)

Literatur:

Achim Szepanski: Kapitalisierung Bd.1 & 2

Mathias Binswanger: Geld aus dem Nichts. Wie Banken Wachstum ermöglichen

Horst Seifert: Geldschöpfung. Die verborgene Macht der Banken

Paul Schreyer: Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung

Peter Decker, Konrad Hecker, Joseph Patrick: Das Finanzkapital

Richard A. Werner: A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence

Foto: Bernhard Weber

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