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Axiome/Theoreme für eine neue (Non)-Politik des Schwarzen Blocks – Unsichtbar-Werden (Deleuze/Guattari) und/oder (Non)-Politik (Laruelle)?

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22 Jun , 2015  

McKenzie Wark schreibt in seinem aktuellen Beitrag zum neuen Text des Unsichtbaren Komitees “An unsere Freunde”, dass der Staat den anarchistischen Schwarzen Block als das negative Subjekt des Staates selbst produziert habe. Wenn wir davon ausgehen, dass heute das Kapital Subjektivitäten lanciert wie die Autoindustrie neue Kollektionen von Automobilen, dann müssen wir in der Tat auch davon ausgehen, dass das Kapital/Staat Abziehbilder des revolutionären Subjekts am laufenden Band produziert. Die bisherige Politik des Schwarzen Blocks ist dem allzu oft entgegengekommen, indem man den Gegner stellen und seine Abstraktionen besetzen wollte.

Der Übergang von Occupy zu Blockupy markiert die Ersetzung der Politiken des Besetzens durch die der Blockaden, und zwar der Blockaden der Infrastrukturen. Allzu oft wird aber immer noch blockiert, wo der Gegner es genau erwartet oder sogar wünscht, und zugleich wird der Schwerpunkt nicht auf die Infrastruktur selbst gelegt, die untrennbar mit Abstraktion verkoppelt ist. Es gilt unbedingt zu erkennen, dass ab Mitte des 20ten Jahrhunderts das Kapital eine  neue Relation zwischen Netzwerken und Infrastrukturen etabliert hat, die um das Jahr 2000 dominant geworden ist.

Die Frage der Infrastruktur ist immer auch die ihrer Logistik. Die Geschichte der Logistik beginnt mit der Containerisierung, die in die globalen Wertschöpfungsketten eingepflanzt wurde, um sie zu effektivieren. Es ist kein Zufall, dass die Blockaden im Hafen Oaklands zu den radikalsten Aktionen der Occupy-Bewegung gehörten. Die Logistik verläuft linienförmig, wie das Kapital selbst prozessiert sie in Spiralen und kybernetischen Feedbackschleifen, deren Non-Linearität und Vektorialität differenziell prozessiert, alinear, Linien, die in alle Richtungen gehen. Wie Alexander Galloway vermutet hat, müsste der Kybernetisierung, in der die digitale Technologie ganz auf die Eingabe-/Ausgabe-Relation (Black Box)  und das Interface fokussiert ist, eine (Non)-Politik des Schwarzen Blocks korrespondieren, die sich auf die Frage des Erscheinens und des Verschwindens konzentriert. Die Politisierung der An- und Abwesenheitsproblematik bedarf dabei einer ganz speziellen Rhythmologie, die sich als bloße Akzeleration nicht fassen lässt.

In gewissem Maße funktioniert die Logistik des Kapitals rhizomatisch. Dies verweist auf zweierlei. Zum einen kann der weltumspannende Kapitalismus und seine Logistiken nicht revolutioniert, er kann nur transformiert werden. Zum anderen gilt es die generische Insuffizienz der Netzwerke und ihrer Logistiken (es ist eben nicht alles netzwerkförmig) mit einem Rückgriff auf das Reale von Laruelle zu entdecken.

Die Frage der Rebellion/Revolution situiert Laruelle wie Deleuze/Guattari  (in gewisser Weise auch das Unsichtbare Komitee) auf der Ebene der Konstruktion des politischen Subjekts, des-Non-Proletariats. Dieses Subjekt ist letztendlich nicht länger das der Klasse, sondern dasjenige, welches sich unilateral in Beziehung zu jeder Klasse setzt, dessen Symptom früher das Proletariat war. 

Es gilt nun nach dem Zusammenhang der Blockadepolitiken und der (Non)-Subjektivierung zu fragen. McKenzie Wark stellt hier die richtigen Fragen: “The assumption is that by blocking the flows, a situation can arise for something else? But for what? Is this really something that can scale for 7 billion people? Or are those not forging their own being through insurrection not even actually people? We are no longer in a language here that takes its stand on proletarian internationalism and the weapon of the strike, but rather of the blockage that creates a whoever (non)subjectivity. But that’s a dangerous ideological landscape to navigate.”

Es geht uns hier weniger um die Frage der Skalierung, was Blockadepolitiken angesichts der Komplexität des Weltkapitals heißen könnte, sondern um die Beziehung dieser Politiken zur transzendentalen Konstruktion einer rebellischen (Non)-Subjektivität. Es bedarf keiner allzu großen Anstrengung, um zu erkennen, dass Deleuze/Guattari und Francois Laruelle diese Fragestellungen bisher am präzisesten bearbeitet haben.

Beginnen wir mit Deleuze/Guattari, begeben wir uns auf das Minenfeld, von dem McKenzie Wark spricht.

Veranschaulichen wir das Problem am Beispiel des Films. Wie funktioniert im Film der Übergang vom Sehen zum Nichtsehen? Was passiert zwischen dem Zeitpunkt, an dem man ein Bild sieht, und dem Zeitpunkt, an dem man es nicht mehr sieht? Integrallogik/Film: Was passiert zwischen Bild1 und Bild2, in einem Intervall, bei dessen Ortung der menschliche Wahrnehmungsapparat versagt?

Die Integralrechnung bricht eine kontinuierliche analoge Entwicklung in diskrete, digitale Schritte auf. Das Cantor Dedekind`sche Axiom besagt, dass sich das Kontinuum aus der Menge aller reellen Zahlen zusammensetzt. Das aktual Unendliche bei Dedekind lässt sich folgendermaßen erklären: eine kontinuierliche Linie kann in unendlich viele Zahlen (reelle, rationale, irrationale) aufgeteilt werden, indem man die Strecke in der Mitte teilt und diesen Vorgang unendlich oft wiederholt. Wie David Foster Wallace richtig sagt, besteht die präzise Eigenschaft der Stetigkeit der Linie nicht in der Dichte, sondern umgekehrt in ihrer Teilbarkeit, d.h., dass der Punkt auf der Linie sich rechts von sämtlichen kleinerzähligen Punkten und links von jeden größerzähligen Punkten befindet, so dass man die Linie sozusagen an jedem beliebigen Punkt schneiden kann. Hier soll genügen, dass das Geheimnis des (unendlichen) Kontinuums involviert, dass jede Zahl als Schnitt dienen kann, als Schnitt in die anfängliche Kontinuität, um somit die Diskontinuität zu verstärken, woraus sich wiederum die (infinitesimale) Annäherung an eine nunmehr messbare Kontinuität ergibt, der Kontinuität unendlich vieler messbarer Schnitte. Kontinuität aus unendlich diskontinuierlichen Schnitten (mathematische Beweisführung, siehe David Foster Wallace, Die Entdeckung des Unendlichen, 263 ff.).

Der Clou der Logik des aktual Unendlichen liegt nun darin, dass das Intervall zwischen zwei Punkten immer kleiner wird, je mehr Zahlen man einfügt, aber dieses Intervall niemals verschwinden wird. Es gibt in der Mathematik das Unendliche höherer Mächtigkeit, Zahlen, die in einem noch so kleinen Zahlenintervall unendlich oft enthalten sind. Erster kleiner Einwand gegen Tiqqun: Das Unsichtbare Komitee kann niemals ganz unsichtbar sein, es kann nur im Prozess des Unwahrnehmbar-Werdens verschwinden, bis seine Existenz meinetwegen verschwindend gering ist. Die Anwesenheits- und Abwesenheitssemantik wird von seiten Tiqquns überstrapaziert, das Verhältnis von Transparenz und Anonymität zugunsten einer Politik der Unlesbarkeit verschoben, die sich paradoxerweise in einer romantisierenden Dramatisierung der Lesbarkeit artikuliert.

Verschwinden passiert in (gekrümmten) Raum-Zeitkonstellationen, einem Intervall, das gegen Null konvergiert, aber niemals Null wird. Im Rahmen der Infinitesimalrechnung lässt sich die Frage stellen, ob man im Bereich des unendlich Kleinen nur noch auf Diskontinuitäten stößt, sodass man es in Annäherung an Null nicht mit dem Nichts, sondern mit Brüchen, Grenzen und Verschiebungen zu tun bekommt. Die Mystik eines Tiqqun-Strategems besteht darin, dass man irgendwie die Null einnehmen will (absolute Vernebelung), aber die Null ist nicht nichts, sondern eine Beziehung zu etwas, d.h. es gibt immer eine Zeitlupe, die das Punctum, den momentanen Zeitpunkt in einen Zeitraum ausdehnt, d.h., Verschwinden ist ein Prozess. Schlussfolgerung: NOCH DAS PLÖTZLICHSTE VERSCHWINDEN IST IM REVOLUTIONÄREN PROZESS EIN FADING bzw. EIN UNWAHRNEHMBAR-WERDEN (siehe Deleuze/Guattari, Mille Plateaux, 283 ff).

Filmisch gesprochen könnte man sagen, dass das unendlich kleine Intervall zwischen zwei Bildern, in dem alles und nichts geschehen kann, das Verschwinden einschließt. DAS REVOLUTIONÄR-WERDEN IST IMMER EIN FILM DER FALSCHEN SCHNITTE. DAS MINORITÄRE VERSCHWINDEN MACHT ES FÜR DIE SCHEINBAR HÖHERE EBENE UNWAHRNEHMBAR, anders ausgedrückt, das Verschwindende (je feiner die Intervalle, desto schwieriger wird die Wahrnehmung für die höhere Ebene, oder umgekehrt, je schneller die Wahrnehmung, desto enger die Intervalle) nährt sich daran, dass der molaren Wahrnehmungsebene immer wieder Intervalle verlorengehen. Es werden sich zugleich immer weitere Intervalle durch Schnitte unterscheiden lassen, bis die kleineren Wahrnehmungen einen kontinuierlichen oder diskontinuierlichen Übergang des Mehr oder Weniger unterhalb einer Identität von 1 gewährleisten. Es handelt sich hier nicht um extensive, sondern um intensive Größen, deren Intensivitätsdifferenz gegen Null tendiert, aber diese nicht erreicht.

Intensität ist eine Qualität, die über einen intensiven Grad verfügt. In diesem Kontext liegt die Todesgefahr der unendlichen Beschleunigung genau darin, eine immer schnellere Wahrnehmung zu erzeugen, so dass letztendlich der Film immer schneller laufen müsste, um den Effekt der kontinuierlichen Bewegung zu erzeugen – DIE PARANOIA DEs MEDIALEN ECHTZEITREGIMES, IN DEM DIE KÖRPER VERDUNSTEN: das ist aber niemals zu 100% möglich: Während Verschwinden ein kontinuierlicher / analoger Prozess ist, ist die Wahrnehmung/Kognition diskret/digital. (Wahrnehmung ist immer die eines Körpers, und alles was auf den Körper einströmt, strömt auch auf den Intellekt ein, der die Ideen der körperlichen Affektionen erfasst und nicht diese selbst. Aufgrund der Affektionen des Körpers werden die Ideen über den Körper und die äußere Welt gebildet.)

Die Apathie eines David Foster Wallace und das Revolutionär-Werden von Deleuze/Guattari haben folgendes gemeinsam: Es ist ein Anonym-Werden, dass unter den Radarschirmen der Macht bzw. dem Radar der offiziellen Wahrnehmungsapparaturen liegt, um ein anderes Welten-Machen zu befolgen (umgekehrt schneiden die Mächte Körper und Sinn von ihren Tätigkeitsvermögen ab): sowohl optisch (Unwahrnehmbarkeit), kategorisch (Ununterscheidbarkeit; Unerreichbarkeit und Unteilbarkeit zugleich: das Eine-Reale) als auch psychisch (Unpersönlichkeit) – man bildet  immer mit den Dingen, mit den Felsen, Steinen, Leuten oder beispielsweise mit den Videoapparaturen neue Welten, um selbst unwahrnehmbar zu werden; wir haben immer eine Tendenz zu anorganischen, zu asubjektiven und asignifikanten Formen des Lebens. Diese Tendenz ständig zu unterlaufen ist das Geschäft eines polizeilichen und staatlichen Binarismus, der die Neigungen, die sich nicht digital spalten lassen, zu eliminieren trachtet. (Die Neigungen tendieren, weil sie sich verstärken wollen, eher zu Zusammenschlüssen als zu Teilungen, insofern sie eben uni-lateral auf das Reale bezogen bleiben. Dies heißt wiederum nicht nur die Zusammenschlüsse anzustreben, sondern auch die Trennungen zu forcieren. Es geht nicht darum, das Existierende zu reproduzieren, sondern das Existierende zu annulieren. )

Deleuze und Guattari schreiben:” [Es] besteht keine Unterscheidung mehr zwischen Mensch und Natur: das menschliche Wesen der Natur und das natürliche Wesen des Menschen werden in der Natur als Produktion oder Industrie … identisch. … Mensch und Natur stehen sich nicht wie zwei distinkte Begriffe gegenüber, auch nicht in einem Kausalverhältnis oder einer Beziehung der Erkenntnis oder des Ausdrucks (Ursache-Wirkung, Subjekt-Objekt, usw.), vielmehr bilden sie die gemeinsame wesentliche Realität von Produzent und Produkt.” (Anti-Ödipus, 10) Dies als alles sind Prozesse des und im Unbewussten, aber das Unbewusste muss konstruiert werden. Das politisch Unbewusste ist das nicht-Wahrnehmbare, das konstruiert werden muss.  Bei Deleuze/Guattari generiert das Unbewusste  Differenzen, es ist in Mikrointervallen situiert, es hat in den Wahrnehmungsintervallen statt, es geht darum, die Wahrnehmungsschwellen so fein wie nur möglich zu machen. “Es gibt immer eine Wahrnehmung, die feiner als die eure ist, eine Wahrnehmung eures Unwahrnehmbaren, eine Wahrnehmung, was in eurer Schachtel (black box) ist.” Ein andere Praxis entspringt also einem Fremden, das praktisch nicht existent ist, und dieses subtraktive Fremde lässt sich am schwierigsten von den Mächten einfangen. Fremde Subjekte sind nicht einfach gegeben, sondern werden in den mannigfachen und differenzierten Prozessen der Aktualisierung des Unwahrnehmbar-Werdens produziert und produzieren sich selbst, Prozesse, die nach Deleuze solche der subjektlosen Subjektivierung sind. Diese inkludiert ein Sich-Versetzen in nie wirklich werdende Urteile und hält sich damit stets in einer bestimmten Virtualität zurück. Radikale Subjektivierung schiebt sich auf, indem sie das Mögliche und Wirkliche gleichermaßen suspendiert und sich zugleich einer Unruhe aussetzt, die das Kalkül unterläuft. Dieses unmögliche, virtuell bleibende Problematisieren schließt diejenigen in ein unabschließbares Gefüge ein, die vor unserer Zeit waren und nach uns kommen werden. Es geht hier um eine Öffnnung hin zur Virtualität, jenseits des einerseits die Präsenzmetaphysik zementierenden, andererseits im Futur 2 verharrenden Kapitals. (Virtualität als der Reichtum einer jeden Menge von Fällen in und mit denen ein (Unwahrnehmbar)-Werden generiert werden kann, das nicht von einer schon konstituierten Totalität von Möglichkeiten abhängig ist –  im Gegenteil entsteht dieses Werden quasi aus dem Nichts, da es keinerlei Struktur als Potenzialität (aller möglichen Fälle) enthält, bevor es eben passiert; der Bruch aus dem Nichts erzeugt seine eigene Zeitlichkeit.)

Darin ist der Widerstand des Nicht-Subjekts gegen seine Produktion als Stichprobe, Zahl und Personalausweis angezeigt, indem es seine hartnäckige Unfähigkeit anzuerkennen, dass seine Codierung naturgegeben sei, unter Beweis stellt. Dieses Nicht-Subjekt gründet auf der Gewissheit, dass der Mensch, und das ist als ein Axiom zu verstehen, als Mensch-in Person je schon ein fremdes Subjekt determiniert. Das Nicht-Subjekt entfremdet sich andauernd an der Front (Ernst Bloch), es ist je schon Subjekt-im-Kampf.  Im Gegensatz zu Deleuze setzt Laruelle nicht auf das Virtuelle, sondern auf das Reale. Laruelle betont das a prioi Reale des Menschen, das gegenüber dem Denken abgeschlossen ist und  auf welches Laruelle nur mittels eines axiomatischen ersten Namens verweisen kann.

Nehmen wir die Definition des Geheimnisses bei Laruelle: Das Geheimnis ist die veritas transcendentalis als Endliches. Es gibt nichts und erhält nichts außer der Modalität, in der es gegeben ist. Das Univoke der Nicht-Mitteilbarkeit drückt sich im (unwahrnehmbaren) Unteilbaren aus, es erscheint niemals im Licht des logos. Als prä-dialektisches und prä -differenzielles Reales erreicht es niemals den Status des Bewusstseins. Das Geheimnis benötigt keinerlei Kommunikation in Bezug auf das, was es ist, um etwa erkannt zu werden oder um ein Objekt der Philosophie oder der Wissenschaften zu sein, während die Kommunikation umgekehrt immer das Geheimnis benötigt, um sich zu konstituieren. Kommunikation als Information soll laut den Postboten der Philosophie so real sein wie die Wahrheit und ihre Bedeutung. Aber das Geheimnis und das Unsichtbare, exakter das Unwahrnehmbare, sind niemals interpretierbar. (Ein Non-Nietzsche und ein Non-Deleuze, die sich beide der Kunst der Interpretation widersetzen.)

Kommunikation, so schreibt Deleuze, sei heute völlig vom Geld durchdrungen. “Das Wichtige wird vielleicht sein, leere Zwischenräume der Nicht-Kommunikation zu schaffen, störende Unterbrechungen.” Eine neue Typologie der Ereignisse müsse erfunden werden: Ereignisse,”die der Kontrolle entgehen, auch wenn sie klein sind, oder neue Zeit-Räume in die Welt bringen, selbst mit kleiner Oberfläche und reduziertem Volumen.”

DIE REVOLUTION WIRD FEIN WERDEN, ODER SIE WIRD NICHT SEIN (Nietzsche). Aber nur, wenn man zugleich den Ausstieg forciert, die Kontinuität durchbricht. Gerade diese Art der Feinheit, die von der Brutalität einer nicht-ontologischen Politik nicht zu trennen ist,  garantiert, dass in den Praktiken des Widerstands und den Bewegungen der Flucht eine Autonomie erreicht werden kann, die aber dem Kapital und dem Staat als einer grob rasternden Maschine abgerungen werden muss. Der Prozess der Unterwerfung und Unterjochung der Subjekte unter die kapitalistische Maschinerie, der sowohl deren Körper als auch deren Intellekt umfasst, ist derjenige der Realisierung der Verwertungsbedingungen des Kapitals selbst. Hinzu kommt, dass der Staat jeder autonomen Artikulation misstraut, die nicht durch seine Informationskanäle überwacht und durch seine Raster gefiltert werden kann –  mithin er diese Artikulation als nicht repräsentativ benennt oder sie nur als Gegenstand von Evaluationen, Befragungen und Meinungen anerkennt.

Apathische oder dividuelle, d.h. teilhabende Subjektivierung, findet heute in einem überwachenden und überwachten Puppenkäfig statt, wobei sie insofern fraktal in die Normalität eingebunden ist, als Subjekte immer in verschiedenen unendlich rekursiven Universen leben, es gibt Körper in Körpern, wie es Häuser in Häusern gibt (Leibniz) und die molaren Wahrnehmungsapparate spüren die Gefahr – deswegen auch die Paranoia der immer subtileren Überwachungs- und Kontrollmaschinen.

Wenn Wahrnehmung und Kognition diskret sind, kann man, um das Unbewusste und Kontinuierliche zu konstruieren, dies nur tun, indem man unter eine jeweilige Wahrnehmungsschwelle taucht, sodass das Unwahrnehmbare auf einer molekularen Ebene liegt und man selbst immer unwahrnehmbarer wird. Dies ist jedoch logisch nicht möglich: wie das Cantor-Dedekind Axiom zeigt, kann mit jedem noch so feinen Schnitt eine mathematische Integration erfolgen, d.h. man ist nie zu 100% unbewusst. Medium-Werden heißt, das je schon simulierte Individuum aufzulösen, den Körper in das Verhältnis von Ruhe und Bewegung, Verlangsamung und Beschleunigung zu versetzen, und dies unter der Emphase einer fast schon irrsinnigen Mobilisierung der Kraft-des-Denkens, die jedoch eine andere Re-Integration erzeugt, als man sie bisher gedacht hat.

Jedes Unwahrnehmbar-Werden bleibt wahrnehmbar, da wir nicht zu 100% unbewusst leben können, obgleich die Wahrnehmung selbst molekular werden wird. Deleuze: “Das erste materielle Moment der Subjektivität subtrahiert.” Im Zweifelsfall erfährt ein Atom unendlich mehr von der Welt als wir, im Grenzfall die ganze Welt. Andererseits ist die Molekularisierung politisch nichts, wenn sie nicht in gesellschaftliche Institutionen und ökonomische Verhältnisse transformativ interveniert, so dass das Unwahrnehmbar-Werden stets mit neuer Komposition gekoppelt ist. Letzten Endes findet die (Non)-Politik im Dazwischen, in den Übertragungen zwischen dem Unwahrnehmbar-Werden (Molekularisierung) und der radikalen Intervention gegen kontrollierende und disziplinierende Organisationen statt.  “Je stärker die molare Organisation ist, um so mehr ruft sie selber eine Molekularisierung ihrer Elemente, ihrer Beziehungen und elementaren Apparate hervor.” (Mille Plateaux, 294) Das ist die eine Seite, die andere Seite besteht in der radikalen Trennung vom Molaren, um eine ungeteilte Autonomie herzustellen. Die Gruppe/Aktion muss immer eine offene, multiplizierende und sich zugleich versteckende Bewegung sein. Wir können uns hier auf das Konzept der Konspiration von Klossowski beziehen, das auf den Tod Gottes, des Menschen und vor allem auf den Tod der Welt abzielt. Das Konzept ist gegen die Welt. Deleuze ist kein metaphysischer Denker des Kontinuierlichen, wie das der spekulative Materialismus/Realismus behauptet. Damit ist auch die Konstellation der inklusiven Disjunktion durch die der exklusiven Disjunktion zu ersetzen, dem radikalen Ziehen von Grenzen. Asymmetrien müssen erzeugt werden, um die bisherige Kapital-Welt zu annulieren.

Wir sind an einem Punkt angelangt, wo nur noch die Axiome/Theoreme der (Non)-Politik noch weiterhelfen können. Wir werden darauf aber erst zurückkommen, wenn die Zeit ihre Überreife erlangt hat. Start Making Sense.

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