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Brian Massumis “On the Revaluation of Value” (3)

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14 Mrz , 2018  

Für Massumi bieten die Finanzmärkte eine bessere Möglichkeit an, eine postkapitalische Ökonomie zu denken, als dies beispielsweise das Geld in seiner traditionellen Form der Währung anbieten könnte. Die radikale Transformation der kapitalistischen Ökonomie erfordert den vollkommenen anderen Wert eines sich selbst bewegenden Prozesses. Ein Synonym für einen alternativen Wert ist für Massumi der Begriff der Kreativität, obgleich der Neoliberalismus sich diesen Begriff längst angeeignet hat. Für Massumi handelt es sich dabei aber eher um eine destruktive Kreativität oder eine kreative Destruktion. Es gibt hingegen für Massumi einen qualitativen Mehrwert des Lebens, der für die Quantifizierungen das Kapitals das Grab bereitet. Ökonomisierung bedeutet die Übersetzung des qualitativen in den kapitalistischen Mehrwert. Um den ersteren von der Quantifizierung zu subtrahieren, muss er sich von der Akkumulation losreißen.

Kryptowährungen sind für Massumi nach wir vor als Geld nach den Gesetzen der Marktökonomie designt. Mehr noch, sie sind finanzielle Instrumente und damit spekulatives Kapital oder sie werden wie Aktien behandelt, mit denen spekuliert wird. Auch bei den Bitcoins gewinnen diejenigen, die im Besitz der Produktionsmittel sind. Es gibt eine fluide Unterscheidung zwischen der hyperspekulativen Dimension der Bitcoins, dem ausbeuterischen Moment der Kryptowährungen und der sie begleitenden libertären Rhetorik, die von den Bitcoins als einem Geld für alle spricht, und dies unabhängig von den bösen Banken und dem fiat money. Allerdings gibt es eine Reihe von alternativen Kryptowährungen wie Faircoin, eine Währung oder Mikropayment, welches Spekulationen vermeidet und eine Währung für selbstverwaltete Kollektive anbietet, oder EnergyCoin, die für die Produktion von Solarenergie eingesetzt wird. Die meisten dieser Währungen gehen jedoch nach wie vor Kompromisse mit der kapitalistischen Marktlogik ein. Auch lokale Währungen versuchen sich aus dem Würgegriff der Spekulation zu befreien und kehren zu simplen Marktmodellen und damit auch zur Ideologie eines gerechten und fairen Tauschs zurück, wobei die Währung allerdings unabhängigen Gemeinschaften zukommen soll. Auch die Sharing-Ökonomie versucht die Spekulation zu vermeiden ohne der Kapitallogik jedoch nur annähernd entkommen zu können.

Für Massumi spielen all diese Faktoren eine gewisse Rolle in der postkapitalistischen Ökonomie, aber sie sind nicht wirklich dazu in der Lage, eine Neubewertung des Werts einzuleiten, während hingegen gerade die Finanzmärkte eine Dynamik besitzen, die für die Neustrukturierung des Werts nicht unwichtig sein könnte. Die Qualität des Lebens ist etwas, das um seiner selbst willen gelebt wird, es ist ein Wert in sich selbst, das heißt in der nicht-austauschbaren Währung der Erfahrung. Ein Leben besitzt seinen Wert exakt darin, dass es nicht austauschbar mit anderen Formen der Erfahrung ist. Es ist die singuläre Farbe einer Erfahrung oder die Qualität eines nicht-chronologischen Ereignisses. Ein Wert des Lebens ist immer ein Mehrwert an Leben. Bei allen Formen des Mehrwerts geht es um das Leveraging, bei dem der Output keinen linearen Bezug zum Input hat, oder, anders gesagt, der Effekt ist hier inkommensurabel mit dem Grund. Der Leveraging-Effekt impliziert ein Mehr-als, er ist ein irreduzibler relationaler Effekt der mehr die Summe seiner Teile ist. Das Leveraging des Mehrwerts führt zu einer Intensifikation.

Die Generierung des kapitalistischen Mehrwerts qua der Lohn-Relation ist das klassische Beispiel für ein Leveraging, das nicht nur die Differenz zwischen dem Wert des Produkts dem Wert der Ware Arbeitskraft beinhaltet, sondern sui generis auch die Arbeitsintensivierung und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität, die Unternehmen anstreben, um gegenüber ihren Konkurrenten im Vorteil zu sein (relative Mehrwertproduktion). Die Methoden der Arbeitsintensivierung dringen heute in alle Poren des Lebens ein, oder, man, kann es auch anderes sagen, sie sind selbst Resultat von heterogenen Formationen und Ebenen des Lebens. Massumi zählt einige Bereiche auf:

»These bear on everything from educational background, training, team-building strategies, personal and professional time-management skills, motivational factors of all kinds, the development and deployment of technologies of attention, the transportation system enabling efficient commuting, patterns of migration bringing workers to the labor market and, last but not least, what the workers do on their off time that leaves them more or less labor-ready and enhances or vitiates their performance during work hours.«

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