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Ein Abschiedsgruß an unseren Freund Muhamad Gulzar, der an der Grenze am Evros getötet wurde

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8 Mrz , 2020  

Das Gerücht über einen zweiten Flüchtling, der an der Grenze getötet wurde, verbreitete sich vor drei Tagen. Wie konnten wir uns vorstellen, dass es unser Freund sein könnte? Wie konnte das passieren? Und gestern die ersten Berichte. Seine Frau, die in einer Reportage von Sky News auftaucht. Eine Nahaufnahme, außerhalb des Krankenhauses, weinend und trauernd. Für sie, so erfuhren wir, überquerte Mohamad erneut die Grenzen, diesmal von Griechenland in die Türkei und zurück nach Pakistan. Um sie hierher zu bringen und zusammen zu sein.
Letzten Mittwoch, in den Morgenstunden, wurde unser Freund Mohammed, unser Mohammed aus dem Zimmer 611, erschossen, nur weil er ein Migrant war. Ein kämpferischer Mann, ein unschuldiger Mensch, der zum ” Feind ” und ” Eindringling ” in Europa erklärt wurde. Ein Bürger, der wie ein wildes Tier erschossen wurde.
Die Kugel kam aus einem Gewehr auf der griechischen Seite, einem Gewehr, das zunächst in die Luft und dann auf die Gruppe von Menschen zielte, die die Grenze überquerten – war es die Grenzpolizei, war es eine Miliz, ein griechischer oder ausländischer faschistischer Freiwilliger oder war es ein junger Soldat, dem die Regierung befahl, “scharfe Munition” zu verwenden?
Die Regierung sagte, es seien gefälschte Nachrichten und türkische Propaganda. Der EU-Kommissar sagte am Tag zuvor, dass die griechische Regierung das Richtige tut, sie fungiere als “Schild Europas”.
Wir, die Freunde von Muhamad Gulzar, die ihn vor drei Jahren im besetzten Hotel City Plaza in Athen trafen, sagen, dass unser Bruder ermordet worden ist. Wir können den eigentlichen Mörder nicht finden, aber wir wissen, wer dafür verantwortlich ist. Wir können nicht wissen, wer die Waffe in der Hand hatte, aber wir wissen, dass Mohamad durch eine Kugel getötet wurde, die aus einem Gewehr kam, das zunächst in die Luft und dann auf die flüchtenden Menschen gerichtet war, und zwar in einer schändlichen Menschenjagd an den Grenzen Europas im Jahr 2020.
Mohammed, für Dich, für Deine Frau und Deine Familie, für uns alle und für die Kinder, die noch geboren werden. Für alle Menschen, ungeachtet ihrer Nationalitäten, Hautfarben und Religionen, sagen wir, dass wir noch mehr und härter kämpfen werden. Wir werden die Barbarei überwinden, die sich so rasend schnell in der Welt verbreitet. Und wir werden uns an Euch erinnern, die Ihr frei über die blutigen Grenzen gelaufen seid. In Griechenland, in der Türkei, in Europa und überall in der Welt, überall dort, wo Menschen für ein besseres Leben kämpfen, ohne Krieg und Rassismus, ohne Unterdrückung und Erniedrigung der Menschen.
Eure Freunde und Genossen aus dem besetzten Ex-City-Plaza-Haus, Athen!
7. März 2020    Anmerkung S.L.: Der Nachruf erschien ursprünglich auf der facebook Seite von Refugee Accommodation and Solidarity Space City Plaza

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