Endgames [Part2]

Did they get you to trade

Your heroes for ghosts?

Hot ashes for trees?

Hot air for a cool breeze?

Cold comfort for change?

Did you exchange

A walk on part in the war

For a lead role in a cage?

Die wesentliche Frage dieser Epoche ist nicht mehr, was in der Realität passiert, sondern wer die Macht hat, zu entscheiden, welche Erzählungen über die Realitäten dominieren und in welcher Form darüber kommuniziert wird. Insofern ist es wichtig zu begreifen, dass wir seit einem Jahr Zeitzeugen eines äußerst gelungenen Coup d’État sind.

Wenn jegliche Manifestation des gelebten Lebens, also menschliche Kontakte, körperliche Nähe, gefeierte Feste, la dolce vita … unter Generalverdacht stehen, wenn Depressionen, Suizide, kindliche Verhaltensstörungen, Einsamkeit, Verzweiflung, Essstörungen, Suchtverhalten, Armut … uniso im allgemeinen Sprachgebrauch, selbst unter den kritischen Stimmen zum derzeitigen Ausnahmezustand, als “Kollateralschäden” bezeichnet werden (über die man reden und die man abwägen müsse), so zeigt sich wie sehr das Narrativ, “wir befinden uns im Krieg gegen das Virus” bereits allgemein verinnerlicht wurde. Wobei dabei sowohl “der Krieg” als auch das “Wir” Ausdruck des geglückten Coup d’ Ètat sind.

Zu den ersten Handlungen eines Staatsstreichs gehört in der Moderne die Besetzung wichtiger Radio-oder Fernsehstationen, also die Garantie, die eigene Erzählung unter der Bevölkerung verbreiten zu können. Unter den derzeitigen Bedingungen addieren sich dazu auch die sogenannten sozialen Medien, aber das Kerngeschäft bleibt das Gleiche. Ein Detail dieser strategischen Intervention wurde heute öffentlich. Das Bundesinnenministerium beauftragte im Frühjahr 2020 das RKI und Wissenschaftler anderer Institute, Daten und Rechenmodelle zu erarbeiten, mit denen man ein „Worst-Case-Szenario“ modellieren könne, das von bis zu einer Million Toten infolge von Corona Infektionen alleine in Deutschland ausgehe. Das Ganze geschah dann auf der Grundlage ungesicherter Daten und hochspekulativer Modellrechnungen innerhalb von nur vier Tagen. Das daraus entstandene Papier der BMI wurde dann gezielt geleakt und tauchte in den Recherche Netzwerken von Spiegel und Co, aber auch bei der linken taz auf, die es wiederum nicht in Gänze der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, aber dies geschah dann natürlich trotzdem “im Netz”, ein Vorgehen, das dem Papier besondere Authentizität verlieh. Dazu kamen dann noch die “Bilder aus Bergamo”, das Anfüttern apokalyptischer Grundängste, die sich seit jeher durch das Unbewusste der Menschheitsgeschichte ziehen und schon war das Ergebnis generiert, das jeder kennt (oder zu kennen meint) und das bis heute hochwirksam ist.

“Gestandene Linksradikale” reposteten in ihren Netzwerken unkommentiert massenhaft Regierungspropaganda, “Solidarität” und “Wir” diffundierten unreflektiert durch den diskursiven Raum, die Bundeswehr wurde zum Retter in der Not, der Sozialismus stand praktisch vor der Tür und das Ende des Neoliberalismus wurde gefeiert. Von den gehypten linken “solidarischen Netzwerken” ist ein Jahr später nicht nur nichts übrig geblieben, sie hatten auch nie wirklich existiert, dass man der netten alten Dame von nebenan mal die schweren Getränkeflaschen nach Hause schleppt, ist schon alltägliche gesellschaftliche Praxis gewesen, bevor überhaupt die linke Blase für sich entdeckt hatte, dass es diese Menschen in ihrer Nachbarschaft tatsächlich gibt. Kurz gesagt, denn wir haben darüber schon so viel gesprochen, der Ausnahmezustand hat die völlige Überflüssigkeit und gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit der Linken hierzulande als evident charakterisiert (wenn es dafür noch Belege gebraucht hätte). Sie war und ist weder in der Lage, dem Narrativ des Empire eine eigene Erzählung entgegen zu setzen (sie hat es im Gegenteil und das bis heute mitgetragen und befeuert), noch hat sie den Ausnahmezustand als solches ins Visier ihrer Kritik genommen, von praktischer Organisierung dagegen ganz zu schweigen.

ZeroCovid ist in diesem Sinne nur die zwangsläufige Konsequenz dieser Haltungen, eine akademische Mittelstandslinke interveniert mit einem Forderungskatalog an den Staat, die Maßnahmen des Ausnahmezustandes neu zu justieren, und es scheint schon die Frage auf, wieviel neurotische Abspaltungsleistung bei den Protagonist*innen wirksam ist, innerhalb dieses Prozesses der Staatsfaschisierung eine “solidarische Praxis” der Abriegelung und Abschottung, der massenhaften Kontrolle, der Schaffung von grünen und roten Zonen, eine Praxis von Erziehen und Strafe zur obersten Maxime einer “Gesundheitspolitik” zu machen, die zudem in völliger (Selbst)Vergessenheit die Begrifflichkeiten von Krankheit und Gesundheit aus jeglichen gesellschaftlichen Verankerungen heraus löst, also absolut und totalitär setzt.

Wenn wir über das Corona Narrativ des Empires sprechen, ist es unvermeidlich ein paar Relationen aufzuzeigen, die in sich schon das Potenzial tragen, es ohne größere Kraftanstrengung zu brechen, es mit einfachsten Mitteln zu decodieren. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen sind Stand heute knapp 90.000 Menschen an Covid 19 gestorben, allein in der Bundesrepublik mit seinen lediglich 80 Millionen Einwohner sind es bereits über 60.000 Menschen. Weltweit sind 38 Millionen Menschen an HIV erkrankt, 26 Millionen davon in Afrika. Fast 700.000 Menschen starben 2019 weltweit an den Folgen einer HIV Infektion, zwei Drittel davon in Afrika. Wiederum ein Drittel der Menschen, die jedes Jahr an HIV erkranken, haben keinen Zugang zu einer medikamentösen Therapie. In Deutschland gab es 2019 noch rund 90.000 Menschen, die mit einer HIV Infektion leben müssen, 93% der Diagnostizierten erhalten HIV-Medikamente, bei 95% davon ist HIV nicht mehr nachweisbar. An Tuberkulose erkrankten und starben weltweit in 2019 1,4 Millionen Menschen. 95% der Erkrankten leben im Trikont, fast ein Viertel davon in Afrika. Die WHO geht davon aus, dass aufgrund der Maßnahmen infolge der Corona Pandemie 2020 zwischen 200.000 und 400.000 Menschen zusätzlich an Tuberkulose gestorben sind.

Wenn wir also über das Narrativ des Empires in Bezug auf Corona reden, reden wir über eine imperiale Erzählung der Privilegien. Der Altersmedian der an Covid 19 gestorbenen Menschen liegt in Deutschland bei über 80 Jahren, gleichzeitig liegt der Anteil der Menschen, die in Afrika das Renteneintrittsalter der Bundesrepublik von 65 Jahren erreichen, bei derzeit gerade einmal 3,5 Prozent. Das ganze linke Gerede von Impfstoff Nationalismus führt also völlig an den eigentlichen Tatsächlichkeiten vorbei. Weder gab es bisher die von vielen vorausgesagte katastrophale Entwicklung in Bezug auf die Corona Pandemie in Afrika, noch stellt dies das eigentlichen Problem in der Gesundheitsversorgung der abhängig gehaltenen Länder des afrikanischen Kontinents dar. Die “solidarische” Forderung nach “Freigabe der Patente” ist nur eine weitere Nebelkerze im Partizipationsgehabe der metropolitarischen Linken (abgesehen davon, dass die Patentfreigabe alleine nicht einmal die wirkliche Lösung dieses Problems wäre, weil es darüber hinaus nicht vorhandenes Knowhow und Infrastruktur bräuchte).

Oder anders gesagt, das imperiale Corona Narrativ ist auch ein weiterer Baustein in der Ausgrenzung, Kontrolle und Unterwerfung des trikontinentalen Surplus Proletariats, dass sich jetzt noch mit zusätzlichen Verlusten seiner Existenzbedingungen konfrontiert sieht. Nicht umsonst waren die Corona Riots Anfang 2020 am ausgeprägtesten in der afrikanischen Hemisphäre, dort auch am blutigsten mit hunderten von Toten, Geschehnisse, die hier weder in den Medien noch in der Linken Widerhall fanden. In der metropolitanen Erzählung der Alternativlosigkeit des Ausnahmezustandes findet sich die Zukünftigkeit der Governance des Empires im Endstadium widergespiegelt. Die Zukünftigkeit der Verwertung findet in der Verschärfung des Wettbewerbs um die knapper werdenden Ressourcen statt. Alles, was Leben an und für sich ermöglicht, Wasser, Essen, Luft, die Körper selbst …, müssen unter Kontrolle gebracht werden. Durchsetzen in dieser Konfliktualität werden sich jenen Systeme, die die größte Anpassungsleistung unter den Bedingungen der Verknappung gewährleisten, ergo auch im Ausnahmezustandmodus die höchste Produktivität und Verlässlichkeit garantieren. Anders gesagt, ist der “australische Weg”, der sofortige und radikale mehrtägige “lockdown” für mehrere Millionen Menschen aufgrund einer einzigen entdeckten Corona Infektion der vorgeschobene Frontabschnitt des westlichen Kapitalismus mit dem chinesischen Staatskapitalismus.

To confine soldiers to purely military functions while urgent and vital tasks have to be done, and nobody else is available to undertake them, would be senseless. The soldier must then be prepared to become a propagandist, a social worker, a civil engineer, a schoolteacher, a nurse, a boy scout. But only for as long as he cannot be replaced, for it is better to entrust civilian tasks to civilians.”

David Galula, Counterinsurgency Warfare: Theory and Practice

Im Endgame des Empire werden wir den Zustand des Bürgerkriegs als die gegenwärtigste der Möglichkeiten erleben. In einer Welt der weltweiten Vernetzung und Lieferketten muss die Verwertung dann unter den Bedingungen des Bürgerkrieges gesichert werden. Die Erfahrungen der Kontrolle und Segregation, die das Empire im derzeitigen Pandemie Ausnahmezustandes gesammelt hat, wird als Blaupause für die Kontrolle über die zukünftigen Konfliktualitäten dienen. Dies trifft auch auf das Terrain der massiven gesellschaftlichen Desinformationen und Manipulationen zu, die derzeit in einer atemberaubenden Art und Weise zu beobachten sind. Darüber hinaus erleben wir im “Krieg gegen das Virus” die Militarisierung der sozialen Beziehungen, des Sozialen selbst. Kranke werden “Gefährder”, Nachbargemeinden zu feindlichen Gebieten, zu denen man sich aufgrund “hoher Infektionsraten” abgrenzen muß, Grenzübertritte sind mit allen Mitteln zu verhindern. Der Pandemie Ausnahmezustand nimmt den zukünftigen Bürgerkrieg vorweg, zielt aber zugleich auf die Auslöschung jeglicher Möglichkeit des Antagonismus, weil er die totale Individualisierung (die höchstens noch die Kernfamilie als Bezugsrahmen kennt) als Überlebensbedingung propagiert.

Aber wie immer ist alles eine Frage der Zeit und der Reife oder auch der Reife der Zeit. Der österreichische Kanzler erklärte kürzlich, man werde Teile der Restriktionen aufheben, weil sich eh immer weniger Menschen an diese halten würden, auch “wenn die Zahlen dies eigentlich nicht hergäben”. Anders ausgedrückt, das Kräfteverhältnis ist immer zugleich auch ein fragiles, gerade in der Totalität der Kontrolle. Umso umfangreicher das Terrain ist, das zu kontrollieren ich gezwungen oder willens bin, umso mehr Aufwand muss ich betreiben, umso mehr meiner Kräfte sind gebunden. Alle großen Imperien sind am Ende an ihrer eigenen Ausbreitung, ihrer Expansion zugrunde gegangen. Da das Terrain des Empire nicht mehr geografisch zu vermessen ist, sondern sich seine Potenz in der Dichte der Durchdringung aller Lebensbereiche abbildet, liegt hier auch seine Verletzlichkeit. Die Frage wird sein, welche Konfigurationen die Revolten der Ausgesteuerten und Ausgebeuteten annehmen werden, ganz sicher werden wir keinen Sturm auf den Winterpalais oder den “großen Streik” erleben, bzw. sind solche Ereignisse, so sie scheinbar Gestalt annehmen nur Ablenkung oder das Werk in Kränkung gefallener reaktionär mobilisierter Teile des Proletariats, wie wir sie bei der Erstürmung des Capitols beobachten konnten.

Wahrscheinlich vielversprechender ist es, sich ein nicht-territoriales Territorium der Aufstände vorzustellen, auf dem sich die verschiedenen Akteure begegnen ohne sich zu treffen, austauschen ohne miteinander zu reden, sich Codes aneignen und weitergeben, die nicht durch den Gegner zu dechiffrieren sind. Sich erst vollständig aus der Deckung wagen, wenn die Chance gekommen ist. Alles riskieren, aber das sinnlose Blutbad vermeiden. Von Hinterhalt zu Hinterhalt sich vortastend, den Gegner lockend, aber nicht auf den unmittelbaren kompletten Zusammenprall abzielend. Geschmeidig bleiben. Abwartend die Tropfen des Regens zählend. Jede Patrone sparen. Weil es am Ende darauf ankommen kann.

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