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Erklärung der Besetzer des Spirou Trikoupi Squat in Athen

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19 Aug , 2019  

In den letzten Wochen, die auf die Wahlen in Griechenland folgten, konnten wir die Entfaltung eines totalitären und rechtsextremen Staates, der die Existenz unserer selbstorganisierten und freien Strukturen sowie das Leben der ärmsten und unterdrückten Teile dieser Gesellschaft bedroht, beobachten.

Die neue Regierung hat vom ersten Tag an ihr wahres Gesicht offenbart, indem sie die Kontrolle über die Medien übernahm, das Ministerium für Migration auflöste und dessen Zuständigkeit auf das Ministerium für öffentliche Ordnung und dort unter der Verantwortung der Polizei übertrug. Sie begann Massenverhaftungen von Menschen ohne “legale” Papiere vorzunehmen, sie verschärfte die Grenzkontrollen und schob die “illegalisierten” Menschen dann zurück in die Türkei ab. Und sie verwehrte Flüchtlingen und Migranten den Zugang zum nationalen Gesundheitssystem, indem sie ihnen die erforderliche Sozialversicherungsnummer verweigerte. Dies hat auch unmittelbare Folgen für den Zugang der Kinder zum staatlichen Bildungssystem, da sie ohne Impfnachweise nicht die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen.

Ein weiterer Aspekt dieser Politik betrifft Exarcheia und alle Strukturen dieses Stadtteils, die gegen dieses verfaulte, hierarchische und korrupte System kämpfen. Ihr Plan ist es, den einzigen Ort in Athen, der sich noch widersetzt, zu gentrifizieren und unter ihre Kontrolle zu bringen. Unmittelbar nach der Regierungsübernahme gab es Angriffe auf zwei Besetzungen von Flüchtlingen, „Notara 26“ und „Hotel Oneiro“. Sie versuchten, die Wasser – und Stromzufuhr zu unterbrechen, was dazu führte, dass Hunderte von Menschen Angst um ihr Leben und ihre Freiheit bekamen.


Im Sp. Trikoupi 17 brachten wir Leben in ein völlig verwahrlostes Gebäude zurück, das 15 Jahre lang leer gestanden hatte. Wir haben mit dem Bau von Badezimmern und separaten Räumen begonnen, wir haben es geschafft, ein Klassenzimmer und einen Spielplatz für die Kinder zu bauen, sie zu unterrichten und ihr Leben farbenfroher zu gestalten. Wir haben einen selbst organisierten Ort mit einer wöchentlichen Vollversammlung und Arbeitsgruppen geschaffen, in dem wir alle Entscheidungen über unser gemeinsames Leben und unsere Kämpfe treffen, und zwar auf der Grundlage unserer antiautoritären, antirassistischen und feministischen Werten und Prinzipien.

Wir von unserer Seite aus solidarisieren wir uns mit jeder selbstorganisierten Struktur, Hausbesetzung oder jedem sozialen Ort, an dem wir weiterhin für eine andere und bessere Gesellschaft streiten und kämpfen. Eine Gesellschaft, in der Solidarität, Gleichheit und Selbstorganisation die Grundsätze und Ziele der Gesellschaft sein werden. Wir werden uns nicht ergeben, wir werden uns gegen den Wunsch des Staates wehren, uns zu zerstören und zu vernichten.

Wir bitten um Eure tatsächliche und aktive Solidarität, wie Ihr sie uns in all den Jahre erwiesen habt. In diesem Kampf müssen wir alle zusammenstehen, vereint für unsere Ideen und gegen alle inhumanen Repressionsmaßnahmen, mit denen sie versuchen uns zu besiegen. Wir bitten um die Unterstützung der Gesellschaft, der Nachbarschaft und der politischen Kollektive, die uns nahe stehen.

Eure repressive Politik wird nicht durchkommen.

Man kann eine Bewegung nicht räumen.

Wir werden gemeinsam kämpfen, lebendig und frei.

Die Solidarität wird siegen.

Die Besetzer*innen von Spirou Trikoupi, einem Squat für Migranten und Refugees in Exarchia

Anmerkungen

Die Übersetzung erfolgte sinngemäß aus der Version, die auf squat.net veröffentlicht wurde https://en.squat.net/2019/08/14/athens-statement-from-spirou-trikoupi-17/

Zur Entwicklung in Griechenland siehe auch die bisherigen Beiträge:

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