non.copyriot.com https://non.copyriot.com Wed, 30 Sep 2020 13:48:43 +0000 de-DE hourly 1 https://non.copyriot.com/wp-content/uploads/2017/11/non-plus_s.png non.copyriot.com https://non.copyriot.com 32 32 Thomas Nails Magnum Opus “Being and Motion” – eine Sensation in materialistischer Philosophie (3) https://non.copyriot.com/thomas-nails-magnum-opus-being-and-motion-eine-sensation-in-materialistischer-philosophie-3/ Wed, 30 Sep 2020 13:48:40 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13829

Die Falte

Das Sein fließt, aber es faltet sich auch. So beginnt Nail den Abschnitt über die Falte. Das Sein faltet sich selbst in ständigen Zyklen und Patterns eines dynamischen Gleichgewichts und kreiert dabei regionale Stabilitäten-in-Bewegung. Sie wird durch die Kreuzung eines flows mit sich selbst produziert. Und sie erklärt die kinetische Struktur einer relativen Stasis oder Stabilität, die aus dem Prozess der Faltung selbst entsteht. Nail vergleicht die Falte mit einem Whirlpool, der in den Falten des Seins existiert. Einer relativen Stasis, die gegenüber dem flow und dem Event immer sekundär bleibt. Dabei transzendiert die Falte den flow keineswegs, sie ist einfach die Umleitung eines flows durch Kreuzung oder den Loop zurück auf sich selbst. Falten und flows sind im selben kinetischen Prozess co-konstituiert.

Dabei unterscheidet sich die Falte von der Konfluenz des flows insofern, als die Falte als ein singulärer Loop sich auf sich selbst zurückbiegt. Damit ist die Falte die Wiederholung eines kinetischen Differentials, dem Kreis, indem sie sich im annähernd selben Loop-Pattern wiederholt und damit eine neue Stabilität kreiert. Der Punkt, an dem sich ein flow mit sich selbst kreuzt, nennt Nail „Periode“. Und obgleich der flow sich kontinuierlich und verändernd um den und im Loop bewegt, bleibt dieser haptische Punkt immer derselbe. Die Periode kreiert kein perfektes Gleichgewicht, sondern besitzt eine frequenzielle Dichte, in dem sich die Falte ständig überlappt, i.e. eine Region der Kreuzung um einen Attraktor erzeugt. Ein Kreis wiederum ist die Bewegung zwischen dem Abflug eines flows vom Punkt der Biifurkation und seine Ankunft am selben Punkt. Dieser Punkt ist der Attraktor des Kreises mit sich selbst. Nail denkt damit auch das Konzept der Identität neu, nämlich als ein Effekt oder Produkt des primären Prozesses einer zyklischen und ständigen Bewegung. Der Kreis als ein Prozess der Selbst-Kreuzung eines flows mit sich selbst bedeutet nicht, dass der flow komplett diskret bleibt, während die Periode einfach eine Selektion aus dem kompletten Kreis ist. Dieser produziert zwar Identität, aber dies ausschließlich durch Bewegung. Dabei erhält die Falte einerseits ständig neue Bewegungen von Außen, andererseits verliert sie während ihrer ständigen Kreuzungen auch Bewegung. Deshalb ist die Falte lediglich eine regionale Erfassung der Bewegung innerhalb einer bestimmten Periode. Weil die Falte nur in der kontinuierlichen Bewegung, die in sie hinein fließt und sie verlässt, ist, kann der Kreis keine Einheit einer ideellen Identität sein, sondern nur ein kinetischer Prozess, die Einheit eines Prozesses der kinetischen Differentation.

Es ist die Ko-Emergenz von periodischer Identität und zyklischer Einheit, welche die Existenz der Falte konstituiert. Das heißt wiederum, dass die Existenz einfach persistent als differenzielle Sebst-Wiederholung von etwas mit sich selbst ist. Wenn das Sein ein kontinuierlicher Fluss ist, dann kommt etwas zu einer konkreten Existenz, wenn es fähig ist, einen konsistenten Kreis oder Zyklus der Selbst-Identität zu reproduzieren. Deshalb ist die Existenz nicht statisch oder formal, sondern kinetisch und praktisch und somit ein Prozess oder eine Bewegung.

Nail führt dann den Begriff der Sensation ein, eine kinetische Struktur der Periode selbst als der doppelte Affekt von Periodizität. Es geht hier um die kinetische Differenz zwischen der Sensibilität und dem Sensibilisierten. In der Periode der Sensation sind beide identisch, aber sie sind in der kontinuierlichen Bewegung des flows durch seinen Kreis differenziert. Die Sensation ist der Sinn des Sensibilisierten als die kinetische Identität des kinetisch Differenten. Sie ereignet sich, wenn ein flow sich selbst affiziert. Dabei fühlt sich jemand als ein Anderer, das heißt aber, das in sich selbst und das für sich selbst sind obgleich differenziert zwei Aspekte desselben beings. Und dies als eine kinetische Struktur der Selbst-Rezeptivität als die Kapazität zur selben zeit zu affizieren und affiziert zu werden. In der Sensation wird jeder Punkt zu sich selbst als ein anderer im Verhältnis zu sich selbst. Und jede zyklische Wiederholung einer Sensation ist die Wiederholung einer kinetischen Differenz.

Der kinetische Prozess der Sensation besteht somit aus zwei unterschiedenen Operationen, der Rezeptivität und der Umleitung, das heißt, die Sensation erlaubt es den flows zu passieren oder entschleunigt sie durch Umleitung. Nur am Punkt der Kreuzung zwischen zwei differenziellen Region desselben flows kommt es zur Sensation, und zwar als eine sich wiederholende Kreuzung von Differenzen und eben nicht als Replikation eines vorherigen Punktes. Die Sensation ist ein Chiasmus, der die Operation der Rezeptivität und der Umleitung in einer einzigen Periode kombiniert. Die Hand, die berührt, wird ebenso durch das berührt, was sie berührt.

Wenn ein flow sich zurück faltet und sich mit sich selbst kreuzt, dann produziert er die Sensation von etwas, dem Sensibilisierten. Dabei entstehen durch periodische Sensationen Qualitäten, womit diese kein Attribut schon existierender Substanzen sein können. Vielmehr werden die Qualität und das Ding zur selben Zeit in einer Falte produziert, insofern das Ding nichts anderes die Konjunktion seiner kinetischen Affekte ist. Damit besitzt die Qualität auch keine Essenz.

Die Selbst-Kreuzung des flows ist eine Periode der Sensation, aber sie definiert auch die kinetische Qualität des Sensibilisierten. Die Periode selbst ist dabei keine logische oder abstrakte Identität (A=A), sondern eine kinetisch qualifizierte Identität als eine gewisse Solidität, Größe, Geschwindigkeit, Farbe, Temperatur etc. Kinetische Theorien in der Physik zeigen, dass alle Partikel sich konstant in kontinuierlichen Frequenzen oder Zyklen und Wellenformen bewegen und vibrieren. Subatome Partikel, Atome und Moleküle bewegen sich und besitzen eine Frequenz. Jede Materie hat eine Frequenz oder Wellenform der Bewegung, die ihre Qualität auf den verschiedenen Ebenen der Emergenz definiert. So definiert die kinetische Dichte der Falten die feste, liquide und gasförmige Qualität eines Dings, während die kinetische Frequenz das Sichtbare, Hörbare und Olfaktorische des Dings definiert. Die Wellentheorie der Materie zeigt, dass die Qualität der Materie durch ihre Wellenform definiert wird. Qualitäten sind damit das Resultat kinetischer Affektionen, flows, deren Dichte, Gestalt, Geschwindigkeit und Frequenz repetitiv und direktional ist. Eine Falte besitzt eine Wellenform, weil sie eine Periode besitzt, in der etwas sie verlässt und zu sich selbst in verschiedenen Geschwindigkeiten und Zyklen zu sich selbst zurück kommt. Dabei ist der Grad einer Qualität relativ zu einer Periode, durch die alle verbundenen Zyklen passieren.

Falten haben natürlich auch eine quantitative Dimension, insofern ihre kontinuierlichen Zyklen als numerisch diskrete Einheiten behandelt werden. Dabei sind Qualität und Quantität einfach nur zwei Dimensionen derselben kontinuierlichen Bewegung der Falte. Während die Qualität die Periode oder den Punkt der Sensation der Falte beschreibt, beschreibt die Quantität die Periodizität als ein Ganzes, als identisch und als einen komplett vereinheitlichten Zyklus. Die aktuelle Physik akzeptiert die qualitative Kontinuität der Bewegung der Materie als Quantenfelder, aber auch die Quantifizierungen dieser Felder als unterschiedene emergente Ebenen: Atome, Moleküle, Zellen, Tiere, Pflanzen, Galaxien etc. Dabei ist die Quantität nichts weiter als ein Zyklus einer qualitativen Falte von Bewegung, die als Eins angenommen wird.

Nail kommt dann zum Begriff der Pore. Die Pore oder das Öffnen einer Falte ist das, was die Falte von sich selbst differenziert, womit sie kein singulärer solider Punkt ist, sondern eine Kreuzung von zwei distinkten Punkten innerhalb desselben flows. Hätte die Falte keine Poren, wäre sie komplett homogen, selbst-identisch und statisch, und deshalb muss sie eine Differenz zwischen sich selbst und sich selbst besitzen. Auch die miteinander verbundenen Zyklen einer Falte, die ihre qualitativen und quantitativen Grade definieren, besitzen Poren. Dabei ist die Pore keineswegs als ein negativer oder leerer Platz inmitten der Falte zu verstehen, sondern als die Chora einer Falte, das heißt, sie ist der positive und kreative Prozess des flows selbst, der durch die eigene Bewegung einen neuen Raum eröffnet. Die Differenz zwischen einer Falte und sich selbst ist die Pore, aber zwischen dieser Pore und dieser Falte gibt es eine weitere Falte und eine weitere Pore, die diese Falte von sich selbst unterscheidet und so weiter.

Falten werden durch eine oder mehrere Konjunktionen (Zusammentreffen) miteinander verbunden, wobei diese die Verbindung zwischen einer oder mehreren Kreuzungen sind. Die Konjunktion von Falten nennt Nail ein „Ding“, das qualitative und quantitative Seiten besitzt. Das verknüpfte Ding ist ein Bild. Nail zeigt am Stuhl, dass er eine Konjunktion einer kinetischen wellenförmigen Qualität mit einer gewissen Solidität (Temperatur, Farbe, Textur) ist und somit sein sensorisches Bild erzeugt. Gleichzeitig hat er vier Beine etc. und ist damit eine Quantität. Eine numerische Objektivität. Die “Dingheit“ des Stuhls ist die Differenz zwischen allen verbundenen Qualitäten und Quantitäten, die es selbst nicht hat, aber mit ihm verbunden sind. Desto mehr Qualitäten ein Ding hat, desto mehr Poren hat es. Und je mehr Poren es hat, desto öfter kann es geteilt oder durch andere Falten und Felder penetriert werden, die es von innen und außen transformieren. Eine Pore ist eine Differenz zwischen flows, und ein Ding ist eine Differenz zwischen dem, was mit ihm verbunden ist, und was nicht. So sind selbst die anorganischen Körper der Minerale nichts weiter als relativ stabile Kombinationen von Falten in einer kontinuierlichen Transformation kinetischer Energie. Eis, Wasser und Luft sind relative Stadien einer kontinuierlichen Konjunktion im fluiden Körper der Erde. Auf der mikroskopischen Ebene sind alle anorganischen und organischen Körper Konjunktionen von kleineren Körpern usw. , die alle auf jeder Ebene in konstanter Bewegung sind. Flows von Molekülen und Atomen bewegen sich kontinuierlich und verbinden sich miteinander. Dabei sind die flows immer auch Vektoren und Tensoren in den Dingen, können aber auf sie nicht reduziert werden.

Es lassen sich Konjunktionen in Injunktionen, Kreisläufe und Disjunktionen unterscheiden. Die Injunktion ist ein inklusives Verbinden von zwei und mehr Kreuzungen,sodass der Zyklus des einen mit dem Zyklus des anderen identisch ist, i.e. eine inklusive Identität von zwei oder mehr Falten. Der Kreislauf wiederum ist eine Konjunktion einer oder mehrerer Falten in einer dritten, größeren Falte, die als gemeinsamer Background für die anderen Falten dient und sie zusammen bringt. In diesem Zusammenhang funktioniert das Konzept der Kausalität nur als ein Shortcut für längere Beschreibungen einer kinetischen Situation.

Der dritte Typus der Konjunktion ist die Disjunktion, ein kinetischer Prozess, bei dem ein oder mehrere flows die Falte verlassen, d.h., es handelt sich um eine Entropie von flows. Und ohne Bewegung gibt es keine Entropie und keine Thermodynamik, wobei das zweite Gesetz der Thermodynamik lediglich besagt, dass die Bewegung zunehmend in Unordnung übergeht, aber dies nicht immer der Fall sein muss. Da die Bewegung stochastisch ist, ist es möglich, dass Ordnung und Neganthropie auch emergieren kann, auch wenn es weniger wahrscheinlich ist.

Im nächsten Teil gehen wir zur Besprechung des Feldes über.

Foto: Stefan Paulus

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In Defense of Black Bloc at #NYC Protests https://non.copyriot.com/in-defense-of-black-bloc-at-nyc-protests/ Wed, 30 Sep 2020 10:39:47 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13826

New York City. A piece about the Black Bloc at the Breonna Taylor protests in New York.

Originally published by Abolition Media Worldwide.

On the Breonna Taylor March

On September 23rd, Breonna Taylor is dead; there is no justice. Another court upholds white supremacy, acquitting the murderers. Days earlier, a call had been circulated in New York City’s activism community for autonomous action at Barclays, emphasizing “No Good Cops, No Bad Protesters, No Megaphones, No Peace Police.” By 8, Barclays was flooded with activists, organizers, and allies numbering close to 1000.

While the language of “No Bad Protesters” and “No Peace police” is common amongst abolitionists, anti-fascists, and anarchists, many within the broader Black Lives Matter movement were shocked to see the Black Bloc. One protester accused the Black Bloc of being outside agitators and inciting violence. Another questioned why the Black Bloc insisted on thoroughly disguising their identity. In the most dramatic incident, one organizer confronted the Bloc while they were peacefully marching with the larger group. The organizer accused the Bloc of putting other protesters in harm’s way and threatened the Bloc with violence if they did not disperse. The threats of violence to the Bloc escalated as other protesters filmed members of the Bloc, producing evidence for the NYPD and the Federal Government that could be used in their ongoing assault on activists. When asked to stop filming, one protester began yelling at the Bloc, accusing them of being white agitators bringing negative media attention to the protest.

Overall, the crowd exhibited a widespread misunderstanding of what the Black Bloc is. Black Bloc is an organizing tactic in which activists dress in black to disguise their identity, avoid surveillance, and minimize the risk of police retaliation. Disguise allows the Black Bloc to de-arrest other protesters without fear of future retribution. While Black Bloc often attack corporate and government property, a broken window or a scorched precinct is nothing compared to the murder committed by the police and white supremacists. Protesters also failed to understand that members of the Bloc also grieve for Breonna Taylor and for the miscarriage of justice. Bloc members are protesters who have shown up at countless other protests and who feel that other tactics are necessary to achieve police and prison abolition.

Black Bloc is a tactic, not an organization. As activist Harsha Walia puts it, “tactics can be effective, they can be ineffective, but inherently they are neither,” so instead they must be evaluated “in specific contexts.” The accusations hurled at the Black Bloc during the march are worth confronting within the larger context of months of protesting since George Floyd’s murder. If we allow disagreements over tactics to divide us, we will not only fail ourselves, but those who are imprisoned and murdered by the state.

Where Have All the Anarchists Been?

Anarchists and anti-fascists have been organizers, allies, and accomplices throughout the George Floyd UprisingThe burning of the Third Precinct in Minneapolis, the bravery in fighting the Department of Homeland Security in Portland, and the removal of confederate statues are examples of autonomous actions in which anarchists and anti-fascists participated. In New York specifically, Black Bloc strategies were applied to keep protesters safe throughout the summer, including during the reactionary curfew, blue lives matter counter protest, Portland Solidarity march, and at Abolition Park. The use of the tactic effectively defended barricades from police attacks, physically protected other protesters, and de-arrested seized protesters.

On the ground, protesters raised four concerns about Black Bloc’s participation: 1) violence 2) risk to other protests of arrest or police violence 3) whiteness 4) negative media coverage. While these activists acted in bad faith by physically and verbally attacking the Bloc and placing protesters in danger by filming, these strategic questions should be considered in good faith as we collectively oppose white supremacy, policing, and prisons.

1. Violence: Critics claim Black Bloc incites violence through vandalism and property destruction.

This criticism can be separated into a question of why property damage is valid and whether it encourages other forms of violence against people. Black Bloc justifies property damage through attacking the connective tissue between white supremacy and capitalism. The Louisville Metro Police Foundation, a private entity raising money for the police department that murdered Breonna Taylor, has board members from Kroger, White Castle, KFC, GE Appliances and public sponsors from Wendy’s, PNC Bank, and the United Parcel Service (UPS). In attacking corporate targets, the Bloc stresses abolishing the police cannot happen without severing the influence of private corporations over our lives. While other activists may question the effectiveness of these tactic, destroying corporate property should never distract from the real violence inflected by police and prisons.

Why do likeminded anti-racist protesters focus on property damage over the injustices of police and prisons? When a fellow protester yells at the Black Bloc, they shift the march’s focus from the real violence enacted by the police. They do the work of conservative media and the police by focusing on so-called “bad protesters” instead of the repeated acts of violence carried out by the police. Since police violence is always a presence at New York protests, activists would be better served working with the bloc to prepare for inevitable violence from the police.

2. Arrests and police violence: Critics claim Black Bloc incites police violence and encourages arrests

The truth of the matter is the police put protesters in danger, not Black Bloc. What differentiate Black Bloc from more liberal strands of the movement is that Black Bloc acknowledges the violence of the police is always present at protests. From peaceful vigils to sit-ins, the police have been increasing their violent attacks on protesters over the last month.

When an activist critical of the Bloc worries about the risk of arrests, they confuse the victim of state violence for the perpetrator. They betray those engaged in the same struggle by accepting the police’s violent crackdown on activism. With the Trump administration’s escalating violent rhetoric against activists and ongoing violence committed by white supremacists, Black Bloc illustrates the need for collective anonymity for protesters to protect themselves. The federal government targets and encourages right-wing violence against activists. Black Bloc acknowledges the need for safety and privacy against these forces. Given the murder and disappearance of many activists involved in the Ferguson Uprising, such protections are essential for current activists.

3. Whiteness: Critics argue Black Bloc is white people coopting the struggle against police and prisons

To anarchists of color and indigenous anarchists, this is insulting. Many come from oppressed identities, joing Black Bloc because they are frustrated with lack of commitment to liberation amongst other organizers. While many within the Black Bloc are white people, there are contradictions concerning the role of white people in the movement. On the one hand, it is common to urge white people to take the front line at protests to protect black people. On the other hand, when white people take the front line through Black Bloc, they are criticized as coopting the movement. To square the two, Black Bloc should be considered another form of taking the front line, of putting one’s body on the line in the struggle against police and prisons, of accepting the state persecution that may follow.

At the same time, white Black Bloc participants must constantly be self-critical. Racism does infiltrate organizing spaces. Disagreeing over tactics should never escalate to racist attacks on other activists. White Black Bloc participants must turn the advantages accrued from being white against the white supremacist foundations of society. This demands abolishing whiteness within organizing spaces through building transformative justice processes, creating accountability, and stamping out racism in ourselves.

4. Media: Critics argue Black Bloc attracts bad media

At the march, this claim was made by someone filming the Black Bloc. Filming places Bloc members in legal and physical danger from the state. To those who film, know that your camera is a cop.

To those who are concerned with the media, it is worth being realistic. The mainstream media has largely ignored protests in NYC after June. They do not care about the violence the police commit beyond ratings. Right-wing media will demonize the protests regardless of the involvement of Black Bloc. Media coverage is not a means to liberation. In many ways, the media is an impediment, as they allow self-interested leaders to coopt the movement for their own advantage, such as with the #8CantWait campaign that distracted from more radical calls for police and prison abolition. The media is not concerned with presenting a vision of abolition. At the end of the day, the struggle is to build power within communities, to allow people to have control over their own lives, not to get favorable bylines.

Conclusion

As the president and armed white supremacists threaten protesters with violence, activists should not play into right-wing narratives by demonizing the Black Bloc. Instead, the question always concerns whether the usage of the tactic is appropriate to the context. Given the absence of meaningful justice for Breonna Taylor and the increasing police violence in New York City, Black Bloc is a tactical response to police repression, surveillance, and the need to strike against the supporters of white supremacy. Instead of rejecting the tactic outright, other activists should consider how to work with emerging Black Blocs to communicate security and intelligence needs and to truly shut shit down. Black Bloc is an embodiment of “No Justice, No Peace.”

Pressingly, activists should learn from the security culture cultivated by the Black Bloc, the way in which anonymity is prioritized in order to protect other activists from future state repression. While activists uncomfortable with Bloc assume its presence brings violence at protests, the reality is violence is ever present due to the continued existence of the police. The violence against Ferguson activists should force contemporary activists to consider security and privacy.

In the end, we are all involved in the same struggle against police, prisons, and white supremacy. The Black Bloc is another way in which we keep us safe.

taken from here

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A Short Text about Nano-Fascist-Rhythm https://non.copyriot.com/a-short-text-about-nano-fascist-rhythm/ Wed, 30 Sep 2020 07:16:20 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13824

taken from Ultrablack of Music

order here

Although it sounds as if it is a simple echo of the original German fascism, Nano-fascism is a reappropriation of fascism by Turkish Republic, which has given birth to an islamo-capitalist-Despotic-machine as a result of the redistribution of the Western and the Eastern capital into the monopoly of a Despot. As the reverberations of the fascist-rhythmo-capital expected to fade away in the concentration camps after the World War II, another conceptualisation of a rhythm-yet-to-come was being decided upon, already with ears tied to the transcendental fait accompli. If Hegel was the poison of the masses; then Heidegger, no matter how he battled with Western metaphysics, was the rhythmo-fascist-typography as Lacoue-Labarthe put so well in his »Transcendence Ends in Politics«.1

But first of all: Can we hear the rhythm? Does rhythm have a subject? Does the subject have a rhythm? Is it possible to approach rhythm without appropriation? Is it possible to formulate a concept of rhythm without falling into the determinations of an epistemology of subject? Is it possible to consider the heard and the unheard of rhythm without betraying them?2

Agamben, following the route designed by Heidegger, had proposed3 that, given the work of poiesis, one could expect to hear the rhythm of heavens, if s/he is armed with the famous quotation from Hölderlin: »Everything is rhythm, the entire destiny of man is one heavenly rhythm, just as every work of art is one rhythm, and everything swings from the poetizing lips of the god.«4

During the rise of German Nazism, it was obvious that the Führer, with »poiesis« in his mind, came to power by monopolizing the libido-rhythms, or the desiring-machine-rhythms of each and every political subject in the nation with the promise, that the national-machinic-rhythm once heard would be the secret force of dominating the whole world like the extensive power of a Wagnerian opera.

On the other hand, the way he managed this was much dependent upon the extent he would be able to dominate the ceasura between the subject of enunciation and the subject of enunciation so that his voice would not only be echoed within the radio loudspeakers, but also within the eardrums and tympanums of a whole nation, even when he is not speaking. Enunciation, in the first place, meant the prioritisation of »being uttered« over »uttering«; or, rather getting into resonance with a higher being as a result of which Führer's ontological order would establish a transcendental subject on a macro level around which the uni-rhythmization of the subject would be executed. It was allowed to share in this rhythm insofar as one remained the subject of enunciation, that is, as long as one took part in the instrumentalization of sound via a new means of technology that would put one’s ears, eardrums and tympanum in resonance with an ur-rhythm emitted by the Despot.


Macro-Fascism Micro-Fascism Nano-Fascism

Micro-fascism, which is the continuation of macro-fascism into post-war era, took the form of an »authoritarian personality« which Adorno described so well in his book with the same title. In micro-facsicm, one did not need a Führer to dominate the ceasura between the subject of enunciation and the subject of enunciation because such a domination was already internalized and applied by the subject to itself. This of course not only pointed to the disappearance of the difference between »uttering« and »being uttered«, but also to a phase marked by a type of resonance, where there is no difference left between the source of vibration and another object getting into vibration with the source. Hence, the obliteration of resonance? No, on the contrary, it meant the universalisation of the micro-fascist-rhythm, where the subject disappeared for good, vibrating together with the inaudible rhythms, expected to be heard as »alethia« one day as conceptualised by Heidegger as well as Agamben. Resonance as the ur-transcendental. This internal-rhythm-machine of fascism, namely, the micro-fascist-rhythm-machine found expression also in Deleuze and Guattari's works as the distinction between the molar and the molecular. In this phase, capitalism's triumph lay in its ability to infuse the molecular by way of freeing the capital from a dependency on the economical, thereby creating pseudo-desiring-machines. It all meant an invitation to share the politics of ordinary daily life as long as one sacrificed the political, which is the preoccupation of the micro/molecular affinities of the subject of enunciation. That’s why Public Image Limited’s »Four Enclosed Walls« (Flowers of Romance, 1981) marked a period, when the audible rhythms of music went through a radical transformation so as to lay bare the roots of the audible within the structure of the fascist-rhythmo-capital, which was thought to have vanished long time ago.

But not only this. Allah! Allah!

The phase that I call nano-fascism is related to the appropriation of both macro and micro fascism by the non-western countries, such as Turkey. Tremendous amount of social, economic and political repression in this country since early 2000s is the oriental way of monopolizing national and global capital: Neanderthal Capitalism. In this process, Islam was the basic force by not allowing the privatization of the transcendental in contradistinction to Western constitutions based on the principle of laicism. The chant of Ezan on the one hand and the chiming church bells on the other. An authoritarian harmony on the one hand and the replica of the inaudible rhythm on the other, reminding much of Hölderlin’s search for a universal rhythm. Therefore, it is not surprising that in Islam rhythm is completely audible though it has only zero value and in contrast, harmony is made perfect per se. Imagine a Schubert song cycle – Die Winterreise, for example – where the piano score is exchanged with thousands of voice-accompaniments as the vocal line is saturated with the Despot’s voice passing through each and every believer in the same manner. A parody of what Deleuze meant with »univocity of being«, as it were. Resonance here acts as the immanent transcendental (in contrast to the ur-transcendental of micro-fascism), as a function of the Despot’s voice, and the latter is also the sole source of resonance. Actually, there is left only the source of resonance and among the rest is distributed nano-fascist-rhythms of the resonating source. In fact, they are not even expected to resonate with the source – they are born already in resonance with the source. It all means that the universalisation of the micro-fascist rhythm by way of the ur-transcendental of the micro-fasicsm is now rendered completely audible and nano-organic as a result of which, not only the distinction between subject of enunciation and the subject of enunciation is obliterated, but the distinction is made irrelevant with the rise of the voice of the Despot who appropriates all the attributes of the transcendental: pure »alethia«! A shamanistic ritual indeed where the shaman does not imitate or identifies with the evil spirit but becomes the evil spirit itself. Thus nano-fascism does not denote a state where fascist repression is organized by institutions on macro level, nor its internalization by the subject, but it denotes the fact that in nano-fascism one is born a nano-fascist. Being a product of neanderthal-capitalist-rhythm, the nano-fascist is the pre-individual singularity of pre-enlightenment: with no sense of individuation, s/he is always already enlightened; his/her world is dissolved into obedience without even knowing what obedience means. Otherwise, how can one explain the majority in Turkey who still votes for a Despot who murdered a huge number of people and confiscated the national capital together with his resona-jects?

In a closer look at what is happening today in the world, basically in the US and Europe, one can easily observe, how a European invention, »fascism«, has traveled across the borders between the West and the East, and having been transformed into nano- in Turkey, and is traveling back to its origin in a different colour and shape. Looking at the world agenda today from this perspective, it needs no further explanation that the good old repression machine of fascism has been re-invented recently in Turkey – nano-fascism of the islamo-capitalist-Despotic-machine – and, in the meanwhile, Turkey has been used as the laboratory of the West since the 80s in order to test to which extent human beings can bear heavy social, political and economic repressions. From this perspective, it won't be too far to claim that this is actually why all these social, political and economic repressions and protests and uprisings are taking place, for example, in France, Greece, Italy, Germany, Spain and etc., despite the so-called Socialist/Liberalist governments. It is as if the governments everywhere are checking the possibility of applying the repressive mechanisms obtained from Turkish nano-fascism to their countries under the guidance of Turkish Neanderthal Capitalism. How to make the nano-fascist-rhythms audible is the real agenda of governments everywhere.

2. An Imaginary Report from a Victim of Neanderthal Capitalism

With all my production of literature, philosophy, music and art since 1994, I have tried to conjure various strategies to fight the rising tide of fascism and racism, but especially the single-minded ways of being and thinking, which have become the major trend in Turkey and all the world during the last four decades. This trend has grown into a particular case between 2002 and 2018 in Turkey with the aid of American and European manipulations which I named »nano-fascism« and »Neanderthal capitalism« in my recent works. The idea of Neanderthal capitalism was constituted in time as a result of the proliferation of populist governments and leaders, which flourished all across Europe and America in the name of making their countries »strong again«. This common will, which has been adopted by the masses that has ended up in the election of the world's most violent and greediest political leaders, is built on a limitless desire of a neanderthal violence, structured on the endless appropriation of anything that stretches between oneself and the horizon. It is more than rendering everything to be identical with one's own desire (as, say in Adorno and Horkheimer’s Dialectic of Enlightenment) as the desire itself is now relocated and reidentified as the crypt of a long-lost atopology within the psyche, thus making even the process of identification unnecessary. When identification once required at least the availability of two separate things, with the rise of the Neanderthal capitalism, the unity or the inseparability of the identifier and the identified is overdetermined at birth with the production of those subjects, whose inclusion of all the universe within themselves as »one«, will lead to a perennial violence and fight against the ones who do not obey this rule. This sounds like reverting back to primitive roots, but only with the exception of what I have called »nano-fascism«. The latter could be invented only in the post-capitalist era as a result of a massive stupification of the in-dividual for whom there is no difference between the mediated and the media. The in-dividual of nano-fascism, in its difference from macro- and micro-fascism, has no notion of fascism as it steps into the world with chips of fascism integrated into it via socio-nano-technologies of the psyche and the body. The in-dividual of Neanderthal capitalism is born a fascist, with all its cells infused with the minutest details of how to fight and destroy each other for an unquenchable desire to have the upper hand over one another with an eye to perfect integrity and discipline – the murder and death of anything that pertains to life as it were. In contrast to Leibnizian monadology, where each monad includes in itself all the universe, the nano-fascist thinks that the whole universe is included only within itself and anything against this rule can be the initiator of most violent acts, even against the rebellious nano structures within his own physical and psychological make-up.

Without doubt, for this schema to be realised, the West had to wait for some results to be obtained from a laboratory country which is called Turkey. The Turkish political scene had always been designed by the Western hands, but the period between 2002 and 2018 deserves a special attention, during which Turkey has seen the rise of Neanderthal capitalism and nano-fascism to its fullest capacity. First, Islam. Among all the monotheist religions, Islam is the only one, where the schizophrenic schema, which is the base of all religions, is denied to the extent of making not only the believer, but also the deity the victim of a unity as one side of the same coin. The schizophrenic in the first place requires a space, a distance from the other with whom it will put itself into a relative relationship in a manner of rupture and worship. The transcendental must keep itself distant from the worshipper to yield either belief or disbelief, but this distance is an absolute necessity for the schizophrenic to come alive. In contrast, this distance is abolished in Islam and the believer and the believed or the worshipper and the worshipped are already identified with each other (in accordance with the neanderthal logic), and they occupy the same side of the coin leaving the other side to be a place without an occupant, that is, a realm of the voice of the symbolic father, the yoke of which neither Allah nor the worshipper is free: »Ikra« (or: Read!). Mohammed does not read, but is read by this command – a perfect subject of enunciation. This very same side then turns into a place waiting for its occupant, i.e. the place of the would-be Despot, who will occupy it as the occupant with no place, as an empty transcendental. The Despot will thus ensure his power over the two by being both the occupant with no place and the resident of the place with no occupant by the displacement of the transcendental. Conceptually speaking, this is where nothing will transcend the conceptual unity of the worshipper and the worshipped, except the voice of the Despot, who will be incessantly reading and conceptualising the two. One side occupied by a transcendental which does not transcend and the other with an empty transcendental as an absolute transcender. Worshipper and the worshipped on one side, and the voice of the Despot on the other. Having erased the schizophrenia of »the Me and the other« with the unity of the worshipper and the worshipped, this is where the capitalism turns into Neanderthal capitalism. If the outcome of this project is nano-fascism, i.e. the incorporation of the empty transcendental by the worshipper and the worshipped, who does not know what identification is, such a moment also signals the birth of a special clinical case, namely, the Cotard’s delusion.5 »Being the sub-ject that I am, I knew that I’ve always been dead!« This is why the growing number of suicide bombers has invaded not only the Middle-East today, but will soon invade the whole world, given the growing tendency to appropriate the desire to erase the distinction between the identifier and the identified. Leibniz’s monad had no windows, but the victim of the Cotard’s delusion does not even know what a window is.

The worshipper is thus doubly negated first by the Allah who rejects to separate itself from the worshipper and then by the voice of the Despot: »You are no one without me and I am no one without the Despot!« The result is no more the scizzo of late capitalism but the doubly negated, and hence affirmed and integrated nano-fascist of Neanderthal capitalism. »Everything must be included in me as unseparated and undifferentiated, otherwise I kill you and if not I kill myself.« Such is the motto of the nano-fascist under the aegis of Neanderthal capitalism.

It comes as no surprise then, when the results, obtained from a laboratory called Turkey, are applied to the Western countries (among whom America is the prime example), the expectation is that it will yield to the same Cotard’s delusion as a total submission of the subject to the voice of the Despot in order to be negated. The novelty of nano-fascism is that it does not ask for obedience any more, but all is a matter of letting oneself be read and conceptually negated by the Despot, i.e. agreeing to be dead. Yes, there is no Hitler today, but in the absence of Nietzsche or Schlegel brothers, nobody in the West is ready to accept this (except, perhaps, the followers of Marquis De Sade) as a matter of fact. The sadist, as Deleuze put it, will never reach a full satisfaction unless everything in the world is destroyed. It is already there in Joy Division’s album cover »Closer« in 1980. All the tracks from »Still« (1981) are particular symptoms of approaching Cotard’s delusion: to be dead. The latter was once adopted as a strategical tool of the Punks: it was actually the core of Punk – how to enjoy the death disco under the deprived circumstances. However, within twenty years, this strategy, adopted by Neanderthal capitalism, turned into how to make the masses know no difference between the identifier and the identified. The nano-fascist as a dead body is now devouring everything that lies outside his horizon, i.e. everything which raises the problem of identification. Everything should appear without appearing as something already identified and dead. The situation is no different than the one described by Roger Caillois: what was once considered a radical move is now reverted to the subjection of the masses to the desire of melting into the background, thus, forgetting the categories of time and space, which were the sole conditions of the subject to appear as such. Neanderthal capitalism, backed up by Islamic dogma, is now the real enemy. How to appropriate the negative, a nonconceptual negativity is extremely difficult under these circumstances, but not impossible.

The nonconceptual in fact is the residue of Neanderthal capitalism, because whatever it appropriates in the name of a monadology (which doesn’t even know what a window is) is prone to get lost within the atopology of the surface as the unmaintable. The nonconceptual therefore is not the opposite of the conceptual, but that which is always already yet to come. Imagine, for example, Ian Curtis sang his songs always from within a coffin and when he committed suicide he was already dead. The double negative at work here is not there to affirm the death-affirming voice of the Despot, but to negate radically what is being imposed on us as conceptual and affirmative.

Please don’t die.

My thanks go to CARA (Council for At-Risk Academics and the University of Kent for making this essay possible

Literature

Agamben, Giorgio: Poiesis and Praxis, in: The Man Without Content (trans.G. Albert). Stanford

Aracagök, Zafer (2003): On Rhythm, Resonance and Distortion, in: Pli - The Warwick Journal of Philosophy (Vol 14, 2003). Warwick.

Lacoue-Labarthe, Philippe (1998): Transcendence Ends in Politics, in: Typography (trans. P. Caws). Stanford, pp. 267-300.

1Lacoue-Labarthe, Philippe (1998): Transcendence Ends in Politics, in: Typography (trans. P. Caws). Stanford, pp. 267-300.

2For further info about the question of rhythm related to epistemology and ontology, please see, Aracagök, Zafer (2003): On Rhythm, Resonance and Distortion, in: Pli - The Warwick Journal of Philosophy, (Vol 14, 2003), Warwick.

3Agamben, Giorgio: Poiesis and Praxis, in: The Man Without Content (trans.G. Albert). Stanford, pp. 69-93.

4Ibid., p. 94.

5One of the strangest and rarest mental disorders that has been studied academically is Cotard’s Syndrome (CS), and also known as the Cotard Delusion, the Nihilistic Delusion, and the Walking Corpse Syndrome, CS is where individuals hold the delusional belief that they are dead (figuratively or literally) and do not exist ... CS is named after the 19th century French neurologist Jules Cotard who first described the condition in 1880. Cotard named the disorder the »negation delirium« (le délire de négation). https://www.psychologytoday.com/us/blog/in-excess/201410/dead-strange

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Thomas Nails Magnum Opus “Being and Motion” – eine Sensation in materialistischer Philosophie (2) https://non.copyriot.com/thomas-nails-magnum-opus-being-and-motion-eine-sensation-in-materialistischer-philosophie-2/ Tue, 29 Sep 2020 15:59:17 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13821

Der Flow

Das Sein fließt. Das ist die zentrale These für eine Theorie der Bewegung, die Nail in die drei Konzepte des flows, der Falte und des Feldes unterteilt. Das Sein muss fließen, es muss sich falten und es zirkuliert durch Felder. Man kann die drei Konzepte analytisch voneinander trennen, ontologisch sind sie aber untrennbar voneinander. Flows, Falten und Felder sind historisch notwendige Bedingungen für die Bewegung.

Dabei haben die flows drei wichtige Features: Kontinuität, Multiplizität und Konfluenz. Der flow ist eine kontinuierliche Bewegung, bei dem also Kontinuität und Bewegung unbedingt erfüllt sein müssen. Wenn das Sein aber nur kontinuierlich wäre, wäre es eine homogene Totalität, es wäre, ob endlich oder unendlich, Eins. An dieser Stelle führt Nail Gödel und sein Paradox an: Die Eins kann nicht in dem inkludiert sein, was es enthält. Somit würde ein ontologisches Kontinuum ohne Bewegung in einer paradoxalen Konzeption der Totalität enden, die sich nicht selbst in ihrer eigenen Totalität enthalten kann.

Wenn aber das Sein nur Bewegung ohne Kontinuität wäre, dann könnte paradoxerweise keine Bewegung überhaupt existieren, denn eine diskontinuierliche Bewegung ist keine Bewegung. Ohne die kontinuierliche Bewegung vom Punkt A nach Punkt B könnte man nicht von derselben Bewegung sprechen und A und B wären komplett differente Punkte, die durch eine unendliche Zahl von intermediären Punkten dividiert wären, diese wären wiederum eine unendliche Zahl von intermediären Punkten und so weiter. A und B müssen aber differente Aspekte derselben Bewegung sein. Wenn man hingegen davon ausgeht, dass Bewegung in fixierte und immobile Stadien aufgeteilt werden kann, dann verräumlicht oder temporalisiert man die Bewegung, man immobilisiert sie. „Diskontinuierliche Bewegung“ ist einfach nur die Differenz zwischen teilbaren Punkten in der Raumzeit und hat nichts mit Bewegung zu tun, denn reale Bewegung kann nicht vom Stasis abgeleitet werden; Kontinuität nicht vom Diskontinuität. Wenn das Sein fundamental ein flow ist, dann ist Diskretheit eine relative oder regionale Stabilität dieses flows. A und B wären dann regionale Stabilisierungen, Falten oder Zyklen der kontinuierlichen Linie AB selbst. Man muss mit der Bewegung beginnen oder man kann sie nie erfassen, resümiert Nail.

Dabei sind Bewegung und Stasis, Kontinuität und Diskretheit nicht entgegengesetzt, sondern beschreiben in einer Art und Weise denselben flow. Während die extensive Bewegung quantitativ und messbar ist (Wechsel des Platzes oder zwischen Punkten und Übersetzung), ist die intensive, qualitative Bewegung ein Wechsel im Ganzen, eine Transformation. So setzen A und B die kontinuierliche Bewegung der Linie, auf der sie Punkte sind, voraus. Und wenn eine extensive Bewegung von A nach B erfolgt, dann unterliegt die Linie AB einer intensiven bzw. qualitativen Transformation gemäß einer Welle.

Die Quanten-Komplementarität zeigt an, dass es sichtbare Partikel gibt, die unter dem Mikroskop von A nach B wandern, wobei aber diese diskreten Partikel nichts anderes sind als die kontinuierliche Vibration eines Quantenfeldes. Die extensive Bewegung eines Partikels ist nur ein limitierter Aspekt der intensiven Wellenbewegung, die erstere transportiert. Wenn man näher hinschaut, ist der Raum zwischen A und B immer stärker mit einem kontinuierlich vibrierenden Quantenfeld gefüllt. Partikel und Welle sind deshalb zwei Aspekte desselben flows der Materie. Dabei sind die Partikel Aspekte eines sich bewegenden Feldes, aber die Felder sind nicht Produkte statischer Partikel.

Damit flows sich kreuzen und Kreationen komponieren können, müssen sie der Krümmung fähig sein. Und dies ist nur durch Pedesis (Brownsche Bewegung) möglich, der Bewegung des semi-autonomen Selbsttransports (bspw. die Bewegung des Fußes zu gehen). Laut Einstein ist jede Bewegung eine Brown`sche Bewegung. Jede Bewegung ist kontinuierlich in Bezug auf ihre vorherige Bewegung, aber wohin die Bewegung danach geht, das ist nicht determiniert. Wenn alle Materie in turbulenter Bewegung ist, dann gibt es laut Einstein eine fundamentale kinetische Unsicherheit und Nicht-Vorhersehbarkeit, In diesem Zusammenhang erwähnt Nail die Namen Lucretius, Boltzmann und Heisenberg.

Heisenberg zeigte, dass die Position und das Momentum eines Partikels zur selben Zeit nicht gekannt werden können. Bewegung kann nicht auf eine Position reduziert werden ohne die Bewegung zu zerstören, und die Trajektoren der Bewegung können ohne die fundamentale Unsicherheit der Bewegung nicht vorhergesagt werden. Es wurde experimentell gezeigt, dass dieser Effekt der Unsicherheit der Bewegung von Materie-Wellen aller Quantenobjekte inhärent ist. Dabei ist die Nicht-Determiniertheit kein Random-Effekt oder probabilistisch, weil jede Position nur in kontinuierlicher Relation zum Momentum erscheint. Pedesis mag unvorhersehbar sein, aber sie folgt keiner Randomness, und zudem gilt es zu beachten, dass nur durch turbulente Bewegungen metastabile Formationen und emergente Ordnungen möglich sind. Reine Random Bewegungen setzen voraus, dass sie durch nichts anderes affiziert sind, sodass sie das erste Ding sind und vorher nichts war, also ein creatio ex nihilo angenommen werden kann. Pedesis hingegen emergiert und ist beeinflusst von anderen Bewegungen, aber nicht in einer komplett determinierten Art und Weise. Über einen längeren Zeitraum kombiniert und stabilisiert sich die turbulente Bewegung der Materie in bestimmten Patterns, Synchronien und Relationen, um wieder turbulent zu werden und neue Relationen einzugehen. Dabei ist die Turbulenz eine ungeordnete Bewegung, die aber Ordnung produzieren kann, insofern sie zu sich selbst und anderen Turbulenzen antworten kann.

Wenn flows komplett kontinuierlich und ungeteilt sind, dann sind ihre Bewegungen auch zusammengesetzte Bewegungen eines Ganzen oder einer Welle. Ein flow ist daher aus verschiedenen Krümmungen und topologischen Regionen, eben Wellen, zusammengesetzt. Wellen sind simplex und eingefaltet. Sie biegen, krümmen sich und verlaufen auf und ab, aber sie loopen sich nicht über sich selbst. In der mathematischen Topologie ist der Simplex ein rein kontinuierlicher, eindimensionaler und einseitiger flow, der in in der Lage ist durch Biegung höhere Dimensionen zu bilden. Die kinetische Definition hingegen kennt kein Linien-Segment, das lediglich eine mathematische Abstraktion ist. Der Simplex ist nämlich auch ein flow. Die Wellen wiederum sind kinotopologische Modulationen oder Morphismen eines flows. Der Transport durch eine welle ist intensiv, da sie sich durch die Transformation des Ganzen bewegt, i.e. eine interne Selbst-Differentation des flows mit sich selbst.

Wenn es nur einen flow gäbe, dann wäre das Sein eine Totalität ohne Bewegung, gäbe es lediglich mehrere flows, dann wäre jede ontologisch diskret und die Bewegung wäre auch zerstört, womit, so die Schlussfolgerung von Nail, die flows weder einer noch mehrere sind, sondern multipel. Jeder Flow ist komponiert und komponiert andere flows und dieses ad infinitum. Womit man von einer offenen Multiplizität von flows sprechen kann. Damit ist der flow per definitionem keine Einheit und keine Totalität, vielmehr sind die die flows unbestimmt, sie haben keinen diskreten Anfangspunkt und keinen diskreten Endpunkt, da diese Punkte die Kontinuität diskontinuierlich machen würden, und dies an einem spezifischen Punkt. Deshalb werden flows immer wieder neu arrangiert, sie haben keine einzige Ursache. Wenn flows unendlich in Bewegung sind, und das Sein aus flows komponiert ist, dann muss die Bewegung des Seins unendlich sein. Das Sein hat kein Anfang und kein Ende, es besteht einfach aus flows. Die Natur besteht aus einer unendlichen Multiplizität von flows, die kontinuierlich expandieren und sich zurückbiegen. Deshalb gibt es keine essenzielle ontologische Hierarchie (Vertikalität), aber auch keine ontologische Demokratie der Dinge (Horizontalität). Sie sind nur zwei Seiten des gegenwärtigen politischen Schemas. Dagegen ist das Sein gefaltet, gekrümmt, verdreht und gefaltet, wobei vertikale und horizontale Regionen emergente Eigenschaften einer konstitutiven kinetischen Inklination oder der Krümmung des Seins sind.

Das Sein ist aber nur konkret unendlich, weil es zugleich durch seine flows begrenzt wird. Die Begrenzung ist die Markierung einer Grenze, aber auch die Bewegung einer Grenze in einem einzigen kontinuierlichen kinetischen Akt. Auf der einen Seite der Grenze sind die Dinge inkludiert, auf der anderen Seite exkludiert, womit jede Begrenzung das voraussetzt, was begrenzt wird, und das, durch das sie limitiert wird. Wenn Dinge nur begrenzt wären, ohne durch etwas anderes begrenzt zu werden, dann wären wären sie nicht begrenzt. Deshalb setzen alle Begrenzungen das voraus, was die Begrenzung macht, nämlich flows. Deshalb kann die Natur auch keine Einheit oder Totalität sein. Flows sind unendlich in alle Richtungen, und deshalb wird das Sein zur selben Zeit unendlich groß und unendlich klein. Letzteres weil es kleiner in Bezug auf zukünftige Bewegungen wird.

Wenn flows unendlich begrenzt sind, dann sind sie auch unendlich komponiert, womit es keinen singulären flow gibt, der nicht schon eine komponierte Multiplizität von kleineren flows ist, i.e. der flow ist schon ein flow von flows. Die Ontologie der Bewegung kann deshalb keine Theorie der fundamentalen Partikel oder Atome sein. Und wenn flows unendliche Kompositionen sind, dann kann kein flow vollkommen empirisch oder voll präsent sein, womit die fundamentalen kinetischen Bedingungen der Sichtbarkeit selbst keine voll sichtbaren Substanzen sind, sondern Prozesse der Sichtbarkeit. So haben Quantenfelder Energie und Momentum, die nur indirekt durch ihre makroskopischen sichtbaren Effekte wie das Higgis Feld beobachtet werden können. Das sichtbare Partikel zeigt nur die Realität eines fundamentaleren konstitutiven und unsichtbaren kinetischen Feldes an. Flows sind aktive und kreative Prozesse, die man niemals im reinen Stadium sehen kann, insofern sie eben kein Stadium, sondern ein Prozess sind. Und damit sind Dinge nicht voll präsent, sondern existieren in Bewegung und in Relation. Im Gegensatz zum naiven Realismus und Materialismus, geht Nail von einem transzendentalen Materialismus aus, der die realen Bedingungen für die Emergenz von empirischen und materiellen Dingen innerhalb relationaler Bewegung zu erkennen versucht. Die Bedingungen des Empirischen können selbst nicht empirisch sein, wobei die kinetischen Bedingungen jedoch real bleiben, die flows aber in sich selbst nicht voll präsent oder diskrete Dinge sind.

So sind die Quantenfelder in einem Stadium der Nicht-Determiniertheit, während die Messung mit dem Feld selbst interagiert und eine Determination im nicht-determinierten Feld anzeigt. Vor dieser Messung gibt es kein objektives diskretes Stadium, sondern nur einen nicht-determinierten, kontinuierlichen flux. Quanten-Indeterminiertheit der Materie ist kinetisch real, aber nicht vollkommen empirisch aktuell oder sichtbar.

Wenn das Sein in Bewegung ist und die Bewegung selbst unendlich, dann kann der Ursprung der Bewegung nur von der Bewegung selbst kommen, das heißt, die flows sind nicht reduzierbar auf Raum oder Zeit, vielmehr emergieren Raum und Zeit durch flows. Was wir Zeit nennen, ist nichts als der thermordynamische Prozess einer wachsenden Entropie. Der Pfeil der Zeit ist ein Effekt der Entropie, aber das zweite thermodynamische Gesetz garantiert nicht Entropie in jedem Fall, denn die Entropie ist kein universelles Gesetz, sondern existiert auf unserem Level der Beobachtung. Auf dem Level der Quantengravitation (Planck scale) fluktuiert die Zeit kontinuierlich nach vorne und hinten, i.e. Zeit ist ontologisch nicht fundamental, sie ist vielmehr ein emergentes Produkt eines thermokinetischen Prozesses. Auch der Raum existiert nicht vor der der Materie in Bewegung, er wird durch die Materie-in-Bewegung kreiert und zwar zur selben Zeit wie sie fließt. Der Raum ist ein Produkt der Quantenfelder, die unterhalb der empirischen Beobachtung fließen und sich loopen, i.e. auf dem Planck Level. Die loop quantum gravity-Theorie zeigt, dass es mathematisch möglich ist, dass der Raum selbst das Produkt eines primären Prozesses des Faltens und des Sprudelns von Quantenfelder ist. Deshalb ist hier die Bewegung primär.

Die Teilung der flows ist nicht subtraktiv, sondern additiv, und sie multipliziert sich durch Bifurkation. Dabei gibt es extensive und intensive Teilungen, die absolute Teilung von zwei diskontinuerlichen und quantitativ verschiedenen Entitäten, und die Teilung, die einen neuen Pfad zum existierenden Pfad hinzufügt und eine qualitative Veränderung im kontinuierlichen flow erzeugt. Hier emergiert die Bifurkation aus sich selbst, während sie immer noch derselben kontinuierlichen Bewegung folgt. Per definitionem startet oder stoppt ein flow nicht, er folgt vielmehr der Bifurkation und der Redirektion.

Zudem sind flows fähig in Konfluenz zusammen zu fließen, sich zu kreuzen oder zu mehreren flows zu verbinden, das heißt, multiple flows bewegen sich gemeinsam und kreuzen sich mit anderen ohne sich selbst zurück zu falten. Konfluenz teilt die flows nicht, sondern bringt sie zusammen und verteilt sie ohne Teilung. Die erste Konsequenz, die das daraus folgt ist das Event, ein singulärer Punkt, an dem sich mehrere flows kreuzen, wobei das Event kein Ding oder ein Objekt ist, vielmehr ein kinetisches Terminal, durch das sich kreuzende flows passieren. Dabei verändern die flows ihre möglichen Trajektoren und eröffnen eine neue Welt der Bewegung. Um kein bloßer Affekt ohne Objekt zu sein, muss das Event sich falten.

Die zweite Konsequenz der kinetischen Konfluenz ist die Emergenz einer Konstellation von Events, das heißt, wenn zwei oder mehrere flows sich an zwei oder mehreren Events sich kreuzen, dann spricht man von einer Konstellation, eine Seite, Region oder Oberfläche. Nail nennt fünf Charakteristiken einer Konstellation: 1) Sie hat keine Essenz, insofern sie von Events komponiert wird, die wiederum von flows komponiert werden. 2) Sie ist eine kinetische Oberfläche. 3) Die Konstellation ist abstrakt, aber nicht im Sinne einer Illusion, sondern sie ist real vorhanden als die Konfluenz verschiedener Sterne. 4) Sie ist multiperspektivisch. 5) Sie ist additiv, Auf dieser Grundlage diskutiert dann Nail die Konstellation des Zapatismo.

Im nächsten Teil kommen wir zur Erklärung des Begriffs der Falte.

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Measuring the Profitability of Chinese Industry: Data Brief https://non.copyriot.com/measuring-the-profitability-of-chinese-industry-data-brief/ Tue, 29 Sep 2020 10:59:52 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13817

Summary

What follows is a lengthy piece, with lots of intricacies about the exact methods used, alongside detailed anatomies of our results. It is, in the end, fairly boring to read closely, and a skim of the data visualizations paired with a read-through of the final section will be enough to grasp the gist of our argument. But we’ll also take some space here to lay out a quick summary of our major points. Overall, we identify a clear decline in the profitability of the Chinese economy over time, and particularly since either 2008 or 2010, depending on the measure. At the same time, the trend in Chinese industry specifically has been slightly different. In all measures, the early 2000s are marked by a brief rise or at least stagnation in profitability. But if we just measure the profitability of the industrial sector, the rise in profitability in this decade is more pronounced. Regardless, however, all the measurements converge in the 2010s. Profitability clearly declines, even in industry, in these later years, beginning in either 2010 or 2011. It, however, does not decline quite as far or as fast as that in the entire economy, relative to its previous trend.

In addition to this, we identify a few key contextual trends in output and investment that are important to understanding the Chinese economy in recent decades. In terms of output, the Tertiary Sector has been increasing its share more or less consistently since the 1990s, first at the expense of the Primary Sector, and, in recent years, at the expense of the Secondary Sector as well.[viii] As of 2019, the Tertiary Sector composed the bulk of national output (53.9%) and the Secondary Sector composed the next biggest share (38.9%), all while the Primary Sector had shrunk from about a quarter (26.5%) in 1990 to less than a tenth (7.1%) by 2019. Below, we break these trends down further, but the most salient point is that Industry still composes the largest single share of output (33.6% in 2018) when compared to all other subsectors, even though it has been shrinking in recent years (its average since 1990 is closer to 40%). But the “Other” sector, which includes many otherwise uncounted services like Health and Education, has been growing rapidly since the mid-2000s, and composes the second largest share (at 22.5% in 2018).[ix]

In terms of investment, we find that fixed asset investment in the entire economy has been rising consistently for the entire period but finally peaks in 2015 or 2016 and then begins a multi-year decline. Investment in residential buildings and fixed asset investment in real estate more generally both follow the exact same pattern, so this is not a case of industrial investment declining in favor of speculation in real estate. In fact, we find that investment in residential buildings has actually been declining as a share of total investment in fixed assets for about thirty years. Any housing bubble that exists cannot be said to have only grown at the expense of investment in other fixed assets. Instead, it’s likely that the housing bubble is part of a much larger asset bubble, which has included speculation and rapid building-out of all kinds of fixed capital. In recent years, this investment in fixed assets has peaked, and the peak has been most pronounced in Manufacturing and Real Estate, though it’s also evident in Mining. The only sectors that have not experienced a decline are Transportation and Warehousing, Utilities, and Agriculture, Forestry and Fishing, all of which compose much smaller shares of both GDP and overall fixed asset investment and are, therefore, not capable of making up for the decline elsewhere.

In our decomposition of the Rate of Profit, these trends in output and fixed asset investment become apparent in changing trends in mechanization and the intensity of the exploitation of labor. Mechanization, or, more accurately, the ratio of the wage bill to capital sunk in plant, equipment, and other non-wage costs, has tended to increase since the 1990s, slowing a little in the mid-2000s, but then increasing even faster in the 2010s. The slowing in this ratio in the 2000s was caused by the influx of cheap migrant labor from the countryside into the coastal export hubs, which enabled more labor-intensive methods of production to prevail in these years. In the aftermath of the 2008 crisis, however—which tended to coincide with less and less favorable demographic trends leading to labor supply issues—production began to be mechanized at a faster rate. 

In the end, we periodize profitability and its related trends into three loose decades: the first, from 1993-2000, is a period of “Transitional Stagnation,” capped by the restructuring of the industrial belt inherited from the socialist developmental regime. The second, from 2000-2008, is the period of “Export Production,” which saw the restructuring completed and the rapid growth of the sunbelt export industries. The third, from 2009-2018, is a period of “Stimulus and Stagnation,” during which the post-crisis stimulus buoys profitability briefly, after which it undergoes a general decline before stabilizing around a new, lower norm.

To see these trends laid out visually, scan ahead to the figures. For more detail on the theory and methods used throughout, we will now pick up where we left off above.

read here

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Thomas Nails Magnum Opus “Being and Motion” – eine Sensation in materialistischer Philosophie (1) https://non.copyriot.com/thomas-nails-magnum-opus-being-and-motion-eine-sensation-in-materialistischer-philosophie/ Mon, 28 Sep 2020 13:50:50 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13811

Einleitung

Sein Magnum Opus „Being and Motion“ beginnt Thomas Nail mit dem lapidaren Satz “Wir leben im Zeitalter der Bewegung.“ Als Anhaltspunkte dienen für Nail, dass wir unter sozialen Gesichtspunkten heute riesige migrantische Bewegungen haben, die Migranten selbst einen Umfang von einer Milliarde ausmachen, wobei insbesondere der Klimawandel diese Zahl in den nächsten 30 Jahren verdoppeln wird. Im gleichen Atemzug sind eine Reihe von Techniken entstanden, um neue Grenzziehungen zu etablieren, neue Deportationszentren, biometrische Datenerkennungen und so weiter und so fort.

Die Wissenschaften zeigen, dass wir in einer Welt der kontinuierlichen Bewegung leben, wobei auf der makroskopischen Ebene das Universum nicht nur in jede Richtung immer weiter expandiert, sondern das auch immer schneller. Wir leben in einem sich beschleunigenden Universum. Auf der mesoskopischen Ebene zeigt die Entwicklung der nicht-linearen Dynamik, dass selbst die Partikel der klassischen Physik irreversiblen kinetischen und thermodynamischen flows von Energie unterliegen. Und die Chaostheorie zeigt, dass flux, Turbulenz und Bewegung der Energie gegenüber der relativen Stabilität der Körper primär sind. Auf der mikroskopischen Ebene wiederum sind die elementaren Partikel Produkte nicht-lokaler, vibrierender Quantenfelder. Die Stringtheorie und die loop quantum-Theorie sind heute die Kandidaten, um die gravitationale Raumzeit (allgemeine Relativität) und die Theorie der Quantenfelder zu vereinigen. Einkunft besteht zumindest darüber, dass Raum und Zeit ontologisch nicht fundamental, sondern emergente Features von kontinuierlich fluktuierenden Feldern sind.

Als drittes Beispiel erwähnt Nail die Mobilität der Bilder, wobei mit der Popularität des Internets und des Smartphones das Bild nicht nur ubiquitär, sondern auch portabel wurde. Das Smartphone ist die mit 7,2 Milliarden Einheiten am schnellsten wachsende sensorische Technologie ever.

Auch die ontologische Praxis, um die es in Nails Buch hauptsächlich geht, wird zunehmend mobil, insofern sie mit allen möglichen mobilen Ereignissen unserer Zeit verbunden ist. Traditionell wird die Ontologie als die universelle Beschreibung des Seins, wie es in sich selbst ist, verstanden (Sein qua Sein), eine Definition, die heute nicht länger standhält, insofern die mannigfaltigen mobilen und materiellen Bedingungen, welche die ontologische Beschreibung gestaltet und von dieser gestaltet werden, nicht länger ignoriert werden können, und dies geschieht als ontologische Praxis selbst. Die Art, wie wir die Welt beschreiben wird durch den Apparat der Beschreibung mitbestimmt. Ontologien sind damit reale Akte oder Prozesse der Materialisierung, die durch eigene Werkzeuge und Netzwerke der Mobilität zustande kommen. Sie sind keine neutralen Repräsentationen und dies macht sie historisch, praktisch und verbindet sie mit den gegenwärtigen Bedingungen, die sie beschreiben. Die Philosophen vergessen allzu oft zu fragen, welche Medien ihre Praxis unterstützen.

Nails Text, das in zwei Bücher unterteilt ist und von denen wir vor allem das erste Buch hier besprechen, setzt sich zwei Ziele: Zum einen eine neue Ontologie der Bewegung zu kreieren, die auf die zunehmenden mobilen Bedingungen unserer Zeit antwortet, zum anderen dieses neue ontologische Gerüst auf die ontologische materielle Praxis selbst zu beziehen. „Being and Motion“ entwickelt also eine systematische Ontologie der Bewegung, eine Geschichte westlichen Philosophie der Bewegung und die Geschichte ihrer praktischen und materiellen Inskription. Nail spricht dabei von einem kinetischen Paradigma des 21. Jahrhunderts. Es geht ihm um die Beschreibung des Seins der Bewegung und der Bewegung des Seienden. Das Anliegen ist somit zweigefaltet, einerseits die Erstellung eines neuen konzeptuellen und ontologischen frameworks, um das Sein der Bewegung zu beschreiben bzw. um die kinetischen Phänomene, welche die Wissenschaften, das Ästhetische und das Soziale durchziehen, besser erfassen zu können, i.e. eine neue Dimension der Gegenwart aus der Perspektive der Bewegung zu erfinden. Andererseits geht es darum, die kinetische Perspektive auf die Praxis der Ontologie selbst zu wenden. Wenn das Sein in Bewegung ist, dann ist die Praxis der Ontologie auch eine Bewegung und muss in die Analyse einbezogen werden. Dies impliziert die Darstellung der Geschichte der Philosophie der Bewegung, die allerdings nie eine der Bewegung selbst war, sondern eine des Raumes, der Ewigkeit, der Kraft und der Zeit.

Das erste Buch, auf das das wir uns hier konzentrieren, liefert ein konsistentes Set von Konzepten, die eine neue Art und des Weise des Denkens anzeigen, indem sie primäre Fragen des Ontologie ansprechen: Qualität, Quantität, Relation, Modalität, Identität, Einheit, Kausalität, Subjekt etc. Zudem geht es eben um die Geschichte der Ontologie, die bisher kaum als eine Ontologie der Bewegung in Erscheinung trat. Wenn es daraufhin um die Gegenwart geht, dann um den Flux der Dinge und der Daten im 21. Jahrhundert. Die philosophische Deduktion der Bewegung, die Nail anstrebt, ist weder im kantianischen Sinne epistemologisch noch im Heidegerr`schen Sinne existenzial, sondern sie ist kinetisch. Analog ist auch die Vergangenheit kein objektives Set fixierter Ereignisse, sondern sie kann sich aufgrund neuer sozialer und wissenschaftlicher Ereignisse verändern, während es doch keine Ontologie der Zukunft geben kann. Zuletzt ist die Ontologie der Bewegung eine historische, insofern sie keineswegs absolute und unveränderbare Strukturen des Seins entdecken will, sondern eine partikulare historische Emergenz beschreibt, die für die ontologische Praxis selbst konstitutiv ist.

Deshalb muss sich Nail von einem naiven Realismus abwenden, in der die gegenwärtige Vorherrschaft der Bewegung Zugang zum Sein in sich selbst gibt. Vielmehr geht es um einen historischen Realismus der minimalen ontologischen Bedingungen der Emergenz der Gegenwart selbst. Die Methode des Buchs ist deshalb weder naiv realistisch noch relativistisch, sondern kritisch, minimal und historisch realistisch. Zwar wird die aktuelle Realität durch menschliche Strukturen gestaltet, aber diese sind durch andere reale materielle Strukturen bedingt, die ihnen vorausgehen und sie eben bedingen. Die realen Bedingungen, die für die Emergenz des gegenwärtigen Seins notwendig sind, sind zu erfinden.

Wenn das Sein in Bewegung ist, so sind die Beobachtungen, die Deskriptionen und Inskriptionen der ontologischen Praxis transformative und kinetische Aktionen. Die Mysterien der Ontologie können nur durch die ontologische Praxis selbst aufgelöst werden. Die Erfindung der Sprache, des Schreibens und der Buchpresse sind durch reale kinetische Veränderungen entstanden, die aber wiederum nicht unabhängig von den ontologischen Deskriptionen sind, die in sie eingeschrieben wurden. Und wenn die ontologischen BeschreibungenTeil der Realität sind, dann sind die Beschreibungen keine Repräsentationen mehr, sondern kinetische Aspekte oder Dimensionen der Realität.

Das erste wichtige Problem der Ontologie besteht darin, statische Eigenschaften des Seins in sich selbst zu behaupten, die die Menschen durch linguistische, epistemologische oder mathematische Formalismen erkennen. Die Teilung in Dinge, die für uns sind, und in Dinge, die für sich selbst sind, ist das Herz des Problems eines statischen Seins und seiner repräsentativen Affirmation. Der Subjektivismus und die Metaphysik sind deshalb die zwei Seiten desselben Problems. Subjektivistische Philosophien argumentieren, dass der Mensch nur durch diverse linguistische, unbewusste, ökonomische und historische Strukturen Zugang zu den Sensationen der Natur hat, so wie sie eben für uns ist. Wir haben keinen Zugang zu dem, was das Sein in sich selbst ist. Dennoch muss der Subjektivismus eine minimale ontologische Bedingung akzeptieren: Das Sein in sich selbst muss in einer Art und Weise strukturiert sein, dass es die Selbst-Affektion des anthropologischen Subjekts produziert, denn diese ist die Bedingung für die menschliche Erfahrung. Der Subjektivismus fällt damit in eine unkritische Metaphysik zurück.

Metaphysische Positionen argumentieren wiederum, dass Menschen direkten Zugang zur Realität, wie sie in sich selbst ist, besitzen. Hier kann das „für uns selbst“ das in sich selbst erkennen, und kennt damit eine vom Denken unabhängige Realität an, die damit per definitionem getrennt vom Denken bleibt. Aber wenn „das in sich selbst“ durch das Denken erkannt wird, dann fällt die Metaphysik zurück in den Subjektivismus.

Nail hingegen untersucht die ontologische Praxis von dem aus, was das Sein in den Akten der Deskription und der Inskription tut, wobei nun die Ontologie weder statisch noch neutral ist, sondern kinetisch als Aktion oder eine materielle Praxis verstanden werden muss, die wirklich etwas tut. Es handelt sich bei dem Text aber weder um eine Kritik des anthropologischen Konstruktivismus noch um eine Dekonstruktion der Metaphysik, weil es nicht um die Natur des Seins in sich selbst, sondern um die historische Praxis der Deskription selbst geht. Die Ontologie der Bewegung ist strikt historisch und zudem eine regionale Ontologie der Bewegung, obwohl es die größte Region des Seins außer der Zukunft umfasst.

Für die idealistische ontologische Praxis geht es um das Denken des Seins, auf das die Inhalte der ontologischen Beschreibungen und Einschreibungen reduziert werden, ja die Materialität des Seins wird auf das reine Denken des Seins reduziert. Dazu bedarf es aber eines Mediums der Kommunikation zumindest, der graphischen Inskriptionen, die solches Denken mit produziert haben. Andererseits gibt es einen Reduktionismus, der behauptet, dass das Denken einfach ein Produkt der technologischen oder medialen Bedingungen ist, durch die sich die Ontologie selbst ausdrückt. Diese beiden Arten des Reduktionismus operieren unter der metaphysischen Voraussetzung einer Teilung von Natur und Mensch. Die Frage, die dabei entsteht, ist folgende: Verursacht die menschliche Beschreibung der Realität neue Technologien der Inskription (Instrumentalismus), oder sind es die neuen Technologien der Inskription, welche die Deskriptionen bestimmen (Determinismus). Wenn aber die Natur die Bewegung und die Organisation der Materie ist, und die Technologie die menschliche Organisation der Materie ist, dann wird das Problem klar: Wenn die Natur Menschen kreiert, dann sind die Menschen selbst eine Technologie der Natur. Der menschliche Körper wird eine technische Maschine, die durch die Natur im Laufe der wachsenden Entropie kreiert wird, während umgekehrt Menschen eigene Technologien erschaffen. Dies hat beides transformative Effekte auf die Natur und den Menschen und somit werden beide Technologien von Technologien.

Nail setzt deshalb auf ein kinetisches Regime der kollektiven Koordination, Transformation oder Synchronisation und lehnt einfache Kausalitäten ab. Der deskriptive Inhalt und die inskriptive Form sind zwei koordinierte Effekte desselben kinetischen Regimes, das sich in der Geschichte sicherlich verändert. Diese Regime sind weder strikt natürlich, menschlich oder technologisch, sondern eben kinetisch. Das Wort Ontologie kommt aus dem Griechischen und wurde traditionell als das Studium des Seins qua Sein verstanden. Der Logos als etwas, das verändert und arrangiert, gibt aber Gelegenheit, sich einer kinetischen Definition zuzuwenden, einer, die die materielle Aktivität des Selektierens, Arrangierens und Veränderns betont. Die ontologische Praxis ist für Nail eine kinetische Aktivität, die zwei getrennte aber zugleich verbundene Gesten oder kinographische Aktionen herausstellt: Deskription und Inskription. Die Ontologie ist deskriptiv in dem Sinne, dass sie etwas aufliest und etwas aus dem bisherigen graphischen oder materiellen Arrangement bewegt, sie ist inskriptiv, insofern sie ein neues graphisches Arrangement erschafft. Eine ontologische Deskription ist deshalb keine Reflexion oder Repräsentation des Seins in sich selbst im Denken, vielmehr ist sie kreativ und aktiv. Die Deskription ist ein System von Markierungen und Zeichen, die auf einer Oberfläche der Inskription arrangiert sind, letztere ein Prozess des Einschreibens deskriptiver Markierungen und Zeichen auf einer aufzeichnenden Oberfläche. Deskription und Inskription sind zwei Seiten desselben Dings. So wie die Deskription nicht-repräsentativ ist, so ist die Inskription nicht-instrumentell, vielmehr haben inskribierte Oberflächen wie Tablets ihre eigene materiell-kinetische Struktur, die neue Bewegungen in die Welt setzen. Die Ontologie ist damit die graphische Bewegung von Zeichen und Oberflächen, die eine Regime der Bewegung kreieren, eine reale materielle Kreation bzw. eine reale Praxis und Performanz.

Nail teilt seinen Text in zwei Texte, der erste fokussiert die Ontologie der Bewegung, die er „Kinology“ nennt, der zweite fokussiert die deskriptiven und inskriptiven Bewegungen der ontologischen Praxis selbst, was er „Kinography“ nennt.

In der Theorie der Bewegung geht es im wesentlichen um drei Konzepte: Das erste, von dem die anderen beiden Konzepte abhängen, handelt davon, dass das Sein durch flows oder kontinuierliche Bewegungen komponiert wird, die sich miteinander kreuzen und Konfluenzen bilden, um sich schließlich auf sich selbst zurückzuwerfen und Falten zu bilden. Das zweite Konzept handelt deshalb von den Falten, wobei die kontinuierlichen Kreuzungen und Falten eine relative kinetische Stabilität hervorbringen. Die Falten können dann zusammen in einem zirkulatorischen System auftreten, das sie als ein Set von kinetischen Synchronien ordnet und aufrechterhält. Das dritte Konzept handelt also vom Feld der Zirkulation.

Im Zweiten Buch, das wir nur ansatzweise diskutieren, geht es um die Geschichte der Ontologie, die Nail in vier Phasen einteilt (prehistoric, ancient, medieval und modern), denen wiederum vier Konzepte entsprechen (Raum, Ewigkeit, Kraft und Zeit), welche die dominanten Deskriptionen ihrer Zeit werden. Und in diesen Epochen gibt es wiederum bestimmte Technologien der Inskription (Sprache, Schrift, Buch und Typographie), um die Deskriptionen aufzuschreiben. Nail unterteilt weiterhin eine kinetische Theorie des Raums, die durch eine zentripetale Bewegung von der Peripherie zum Zentrum entsteht, eine kinetische Theorie der Ewigkeit, die durch eine zentrifugale Bewegung vom Zentrum zur Peripherie entsteht, eine kinetische Theorie der Kraft, die durch eine Bewegung der Spannung entsteht, und eine kinetische Theorie der Zeit, die durch eine elastische Bewegung entsteht.

Das Sein ist in Bewegung wie auch die ontologische Praxis in Bewegung ist. Bevor Nail zur Theorie der Bewegung selbst kommt, diskutiert er seine Differenzen zur Ontologie des Werdens (Deleuze), zur Bedeutung des philosophischen Realismus und zum historischen Materialismus. Wir kommen hier direkt zu den Problemen eines transzendentalen Realismus, den minimalen ontologischen Bedingungen für die aktuelle Emergenz der historischen Gegenwart. Für Nail handelt es sich hierbei um einen minimalen Realismus. Wenn es eine transzendentale Struktur der aktuellen Ontologie der Bewegung geben kann, dann muss das historische Sein zumindest minimale kinetische Attribute besitzen, die die Bewegung selbst sind. Flow, Falte und Feld. Wenn diese kinetischen Attribute nicht vorhanden sind, dann riskiert man es, einen seltsamen ex nihilo Ursprung der Bewegung selbst anzunehmen. Das Transzendentale ist somit eine minimale reale ontologische Struktur des historischen Seins, als eine wichtige unter vielen Transzendentalien. Aber hierbei handelt es sich nicht einfach um einen simplen anthropologischen oder historischen Konstruktivismus, da das Sein nicht nur jetzt in Bewegung für uns ist, vielmehr war das Sein unter anderen Namen schon immer in Bewegung. Die transzendentalen Bedingungen der ontologischen Praxis selbst als einer kinetischen Praxis wurden bis heute laut Nail nicht verstanden, insofern sie in bestimmten historischen Phasen anderen Gesichtspunkten wie der Zeit untergeordnet wurden. So beschreibt Sloterdijk sein Sphärenbuch als Sein und Raum, Badiou interpretiert Ereignisse als ewige Wahrheiten, für Deleuze ist die Frage des Werdens immer eine Frage der Kräfte und Heidegger führt die ontologische Vorherrschaft der Zeit vor.

Für Nail erfordert jedoch das Verständnis der gegenwärtigen ontologischen Praxis eine kinetische Reinterpretation der historischen transzendentalen Strukturen der Vergangenheit, die in der Gegenwart insistieren. Die verschiedenen historischen historischen Namen für das Sein (Raum, Ewigkeit, Kraft und Zeit) besitzen daher eine bisher verdeckte kinetische Struktur und Dimension. Um diese zu lüften, bedarf es eines methodologischen Tricks. Nur wenn man die Ontologie der Gegenwart versteht, kann man zu einer zukünftigen Ontologie zu gelangen sowie zu einer historischen Ontologie. So sind Vergangenheit und Gegenwart wie zwei Seiten eines Möbius Bandes, eine Seite ist transzendental historisch, insofern sie durch verschiedene frühere Felder der Zirkulation geordnet wird, und eine andere Seite ist transzendental real, insofern alle früheren Felder der Zirkulation Aspekte des ontologischen Frameworks der Gegenwart werden, in diesem Falle der Bewegung. Der transzendentale Realismus erhält daher paradoxe Namen wie historische Ontologie oder ontologische Geschichte. Dem steht die Metaphysik oder der Konstruktivismus entgegen. Die Metaphysik reduziert das Sein zu einer ahistorischen und nicht transzendentalen Deskription qua Sein, während der Konstruktivismus das Sein auf transzendentale Strukturen wie Sprache, Gesellschaft, Denken etc. reduziert. Während die Metaphysik keine transzendentalen Strukturen kennt, gibt es im Konstruktivismus nur anthropologische transzendentale Strukturen. Wie auch immer, in beiden Fällen ist das Sein statisch, entweder als nicht veränderbare Essenz oder als unerreichbares Außen für den Menschen. Für den transzendentalen Realismus, so Nail, gibt es hingegen eine Multiplizität von mutierenden Transzendentalien (anthropologisch und nicht anthropologisch), die jeweils eine reale Dimension der Realität beschreiben.

Kant sollte als erster sowohl die Metaphysik und den Empirismus kritisieren, aber er beschränkte das Transzendentale auf das Bewusstsein und schnitt es damit von der Bewegung, der Materie und dem Sein ab. Der transzendentale Realismus hingegen verfügt über sechs Thesen zum Transzendentalen: 1) Das Transzendentale ist keine Bedingung der Möglichkeit, weil es aktuelle Dinge geben muss, die ein immanentes Feld beschreiben, von dem aus begonnen werden muss. Transzendentale Relationen sind deshalb extrinsisch und nicht intrinsisch. Bevor es Falten gibt, die gemäß ihrer Grade des Flusses in einem Feld angeordnet sind, gibt es kein präexistierendes Feld, das sie ordnet, sondern nur ungeordnete Flows. Mögliche Bedingungen sind deshalb eine idealistische Abstraktion. 2) Das Transzendentale ist keine empirische Bedingung, da dessen Bedingung selbst nicht empirisch sein kann. Ansonsten gäbe es keine Differenz zwischen Bedingung und Bedingtem. 3) Das Transzendentale ist keine universelle Bedingung. Wenn das transzendentale Feld kinetisch und aktuell ist, dann ist es notwendigerweise historisch und kann deshalb nicht universell sein, da noch nicht alle Geschichte zu Ende geführt ist. 4) Das Transzendentale ist keine idealistische oder subjektive Bedingung. Für Kant gibt es nur eine Art des Transzendentalen, das Bewusstsein, aber eine solch anthropologische Proposition kann die historischen und materiellen Bedingungen der Emergenz der transzendentalen Strukturen selbst nicht erklären. Kant fällt in eine ahistorische ex nihilo Kreation eines anthropozentrischen transzendentalen Ego zurück, das seine materielle und nicht-menschliche Emergenz nicht historisieren kann. Postrukturalismus und Poststrukturalismus fallen laut Nail in dieselbe Falle. 5) Das Transzendentale ist eine reale Bedingung. Wenn es keine Unterscheidung zwischen Sein in sich selbst und Sein für sich selbst gibt, dann ist jedes Transzendentale ein realer Anteil, eine Dimension oder lokale Region des Seins selbst. 6) Das Transzendentale ist kinetisch. Wenn eine transzendentale Bedingung die Regeln oder die ordnenden Relationen zwischen empirischen Dingen beschreibt, dann sind die Relationen keine Dinge, sondern im strikten Sinne kinetische Relationen, insofern Bewegung weder ideell noch empirisch ist. Es handelt sich um einen kinetischen Prozess, durch den die Dinge selbst geordnet werden. Die Bewegung der Dinge ist diesen selbst immanent, aber nicht auf sie oder unsere Perzeption von ihnen zu reduzieren. Kinetische Transzendentalien existieren somit nicht apriori, sondern sind emergente materielle Strukturen, Patterns und Zirkulationen, immanent zum kinetischen Prozess, der sie produziert.

Der transzendentale Realismus beschreibt die Strukturen und Prozesse der Bewegung, aber was ist in Bewegung? Es ist die Materie, die in Bewegung ist, und welche Materie in Bewegung ist und ontologisch indeterminiert bleibt, zeigt sich im kinetischen Prozess der Materialisierung. Die ontologische Vorherrschaft der Bewegung zeigt also, dass die Materie selbst ein kinetischer Prozess ist, der auf empirische oder metaphysische Substanzen nicht reduzierbar ist. Nail spricht immer von Materie-in-Bewegung. Dabei ist die Materie kein passives Objekt der ontologischen Repräsentation oder Anschauung, sondern etwas Produziertes und Produzierendes, das durch Bewegung bewirkt wird und dabei die ontologische Praxis selbst inkludiert. Dieser Prozess-Materialismus steht im Gegensatz zu einer empirischen Definition der Materie als eine diskrete, determinierte oder probabilistische Substanz, insofern das Sein in Bewegung ist und damit das substanzielle Sein der Materie (Atome, Partikel, Felder etc.) historisch offen und ein interaktiver Prozess bleibt. Dabei sind die Beschreibungen und Verteilungen der Materie real und immanente Prozesse ihrer Materialisierung, also keine Ideen über die Materie. Materie ist also keine Substanz, sondern ein nicht determinierter kinetischer Prozess, der in und durch kontinuierliche Bewegung erscheint. Diese Thesen beziehen sich auf einen realen historischen Materialismus, in dem die Deskriptionen reale praktische und performative Konstruktionen der Materie-im-Prozess sind. Man weiß längst, dass Materie Quantenfelder in kontinuierlicher Bewegung sind, der historische Name für kontinuierliche Prozesse der Materialisierung. Der Materie mangelt es als fluktuierende und gefaltete topologische Oberflächen an nichts, sondern sie wird in verschiedene Regionen verteilt, in denen der Prozess des Einfaltens und des Entfaltens auftritt. Materie ist ein nicht determinierter und relationaler Prozess. Es gibt keinen atomistischen und diskreten Körper, der nicht intern in Bewegung und im Fluss ist.

Der Prozess-Materialismus erkennt, dass die Materie wie die Quantenfelder nicht auf diskrete und statische Dinge zu reduzieren sind, vielmehr ist die Materie kreativ, instabil und in konstanter Bewegung, sie ist zudem nicht komplett beobachtbar, vorhersehbar oder messbar, und ist daher nicht aktuell im klassischen Sinne. Materie ist zuletzt stochastisch und bewegt sich in emergenten Patterns einer konstanten Konjunktion. Dabei sind die ontologischen Beschreibungen selbst materielle Aktionen, wobei die Materie ein offener Prozess von Bewegung bleibt, in dem organische Materie von anorganischer Materie emergiert.

Im den folgenden Teilen wenden wir uns ausführlich der Theorie der Bewegung mit ihren Komponenten flow, fold und field zu.

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Die Barbarei der Beschäftigung – Vom Produzenten zum Konsumenten von Arbeit https://non.copyriot.com/die-barbarei-der-beschaeftigung-vom-produzenten-zum-konsumenten-von-arbeit/ Mon, 28 Sep 2020 07:54:42 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13807

Oben habe ich argumentiert, dass bis in die 1970er Jahre hinein die gesellschaftliche Vermittlung über die Arbeit von einer wechselseitigen Abhängigkeit von Kapital und Arbeit geprägt war. Diese beruhte darauf, dass das Kapital in seinem Drang zur Verwertung auf lebendige Arbeit angewiesen war, während die Eigentümer der Ware Arbeitskraft vom gelingenden Verkauf eben dieser Ware abhingen, um leben zu können. In der Epoche des fiktiven Kapitals hat sich jedoch dieses Verhältnis grundlegend verändert. Nicht nur ist durch die Dritte industrielle Revolution massenhaft lebendige Arbeit überflüssig gemacht worden, entscheidender ist noch, dass sich der Schwerpunkt der Kapitalakkumulation von der Vernutzung von Arbeitskraft in der Produktion von Gütermarktwaren hin zum Vorgriff auf zukünftigen Wert verschoben hat. Dadurch ist das Kapital in seiner Selbstzweckbewegung in einem ganz neuen Sinn selbstreferentiell geworden. Zwar verbleibt der Vorgriff auf zukünftigen Wert, der im Hier und Heute kapitalisiert und akkumuliert wird, innerhalb der Logik und Form der Warenproduktion; denn er wird ja durch den Verkauf einer Ware erzeugt, nämlich durch den Verkauf eines Eigentumstitels, der den Anspruch auf eine bestimmte Summe Geld und deren Vermehrung verbrieft. Aber die Verkäufer dieser Eigentumstitel sind keinesfalls irgendwelche Arbeitskräfte, die das Versprechen auf eine Arbeitsleistung in zehn oder zwanzig Jahren verkaufen, also eine Art langjährigen Vorschuss erhielten, deren Einlösung im Ungewissen bliebe; es sind vielmehr die Funktionäre des Kapitals selbst, in erster Linie die Banken und andere Finanzinstitutionen, die sich gegenseitig die verbrieften Ansprüche auf zukünftigen Wert verkaufen und damit fiktives Kapital erzeugen und akkumulieren. In dieser Hinsicht ist das Kapital also tatsächlich vollkommen selbstbezüglich geworden; die Ware, die zusätzliches gesellschaftliches Kapital repräsentiert, entsteht innerhalb der Sphäre des Kapitals selbst.

Umgekehrt bedeutet das nun aber, dass die Verkäufer der Ware Arbeitskraft ihre Verhandlungsmacht weitgehend verlieren. Nicht nur können sie ohnehin angesichts der voranschreitenden Produktivitätsentwicklung und der Globalisierung jederzeit durch Maschinen oder durch billigere Konkurrenten irgendwo auf der Welt ersetzt werden; viel entscheidender noch ist aber, dass ihre Ware nicht mehr die Basisware der Kapitalakkumulation ist. Daraus ergibt sich ein strukturelles Ungleichgewicht. Für die übergroße Mehrheit der Weltbevölkerung ist die gesellschaftliche Vermittlung über die Arbeit immer noch insofern zentral, als sie hier und heute ihre Arbeitskraft oder ihre Arbeitsprodukte als Ware verkaufen müssen, um im Gegenzug dafür am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben zu können, also um die benötigten Konsumtionsmittel zu kaufen. Dagegen bleibt zwar auch das Kapital auf die gesellschaftliche Vermittlung über die Arbeit bezogen; denn es hat sich ja keinesfalls aus dem Universum der Warenproduktion verabschiedet. In dem Maß wie das Kapital durch den Vorgriff auf künftige Wertproduktion akkumuliert, also die Resultate möglicher Arbeit in der Zukunft vorwegnimmt, befreit es sich aus seiner Abhängigkeit von der heutigen Arbeitskraftverausgabung und den Verkäufern der Ware Arbeitskraft.

2.Die Phänomenologie

Und die Arbeit ist überall, jederzeit. Wenn die Unterdrückung absolut ist, gibt es keine Muße, keine “Freizeit” mehr. Der Schlaf wird überwacht. Der Sinn der Arbeit ist dann die Zerstörung der Arbeit bei der und durch die Arbeit. Wenn aber, wie es in manchen Konzentrationslagern vorkam, Arbeiten darin besteht, im Laufschritt Steine zu einem Ort zu schleppen, sie aufzutürmen, um sie dann, immer noch rennend, wieder zum Ausgangspunkt zu bringen … Dann kann die Arbeit nicht mehr durch irgendeine Sabotage zerstört werden, wenn sie bereits dazu bestimmt ist, sich selbst zu vernichten. Trotzdem behält sie ihren Sinn; nicht nur den Arbeitenden zu zerstören, sondern, unmittelbar, ihn zu beschäftigen, ihn zu fixieren, ihn zu kontrollieren und ihm gleichzeitig das Bewußtsein zu geben, daß Produzieren und Nicht-Produzieren ein und dasselbe sind, ebenfalls Arbeit ist … Blanchot

Maurice Blanchot zum Arbeitslager

Ist die heutige Situation nicht etwas ähnlich? Es gibt in den zumeist prekären Arbeitsverhältnissen eine große Anzahl sinnentleerter und sogar unter kapitalistischen Gesichtspunkten unproduktive Beschäftigungen, die Graeber als Bullshitjobs bezeichnet1, und die, egal, ob sie mit langem Warten, bei dem nichts passiert, oder unerträglicher Arbeitshetze verbunden sind, komplementär zur ubiquitären Zirkulationslogik des Kapitals verlaufen (Hauptsache die Arbeit zirkuliert als Beschäftigung); Die affektiv besetzte, blitzartige Schnelligkeit, die man im Umgang mit digitalen Geräten und Medien zu pflegen hat, erwartet man oft auch im Umgang mit Personen, Objekten und Materien, und diese Attitude wird heute, wird sie bezahlt, als Beschäftigung getarnt. Nonstop-doing ist hip und angesagt, auch wenn es noch der allerletzte Blödsinn ist, der ausgeführt wird, zumindest sollte ein wenig spiritueller Profit aus der Beschäftigung entspringen, wofür der wuchernde Hobbysektor vom Baumarkt bis zur FKK-Oase, der Boom der therapeutischen Wellness- und Freizeitbeschäftigungen mit ihren Patchworks selbststeigernder Aktivitäten und die spirituelle Wohlfühlindustrie vom Tantra über das Yoga bis hin zum Thai Chi die affektiven Steilvorlagen geben, wobei monetäre Profite aus solchen Tätigkeiten meist nur vermittelt gezogen werden.

In der industriellen Arbeit ging es immer auch darum, den Arbeiter (als variables Kapital) einzustellen, dessen Wert seiner Arbeitskraft niemals mit der Arbeit, die er leistete und die Mehrwert für das Kapital schuf, identisch war. Heute aber ist der Beschäftigte (nicht der Arbeiter) immer öfters nicht mehr in erster Linie der Eigentümer einer Arbeitskraft, die sich aus Vermögen, Fähigkeiten, Qualifikationen und Potenzialen zusammensetzt und die der Eigentümer auf dem Arbeitsmarkt anbietet und für eine gewisse Zeitspanne vermietet, um damit als ein Produzent zu fungieren, der neben der Ausübung von (Mehr)arbeit, die durch seine Arbeitskraft gewährleistet ist, noch als Freizeitmensch existiert. Als moderner Konsument von Arbeit oder als Kunde von Arbeit (bei der Arbeitsagentur für Arbeit) gilt der Beschäftigte heute hingegen als Humankapital im 24/7Modus bzw. als ein Halter eines Selbst-Portfolios, das mit beruflichen, sozialen und emotionalen Kompetenzen (nicht Qualifikationen) aufzufüllen und ständig zu verbessern ist, wobei ein Gespür für günstige Gelegenheiten und Optionen in den Jobs zu entwickeln und die Chancenspekulation geradezu anzunehmen ist, damit der Beschäftigte, in die Sprache der Ökonomie übersetzt, als ein ständig zu verbesserndes Konglomerat von verschiedenen kleinen Kapitalsorten gelten kann, ja vielmehr noch, der Beschäftigte ist dieses Konglomerat, das er für die Arbeitsagentur als Kunde durch den Nachweis von kleinen Wertpapieren, die seine Beschäftigungsgeschichte und -fähigkeit dokumentieren, glaubhaft verkörpern muss. Als Konsument von Arbeit ist er zugleich das kleine Kapital x, das er als spekulatives Kompetenzkonglomerat in seiner angeblichen Nicht-Austauschbarkeit oder Singularität gefälligst zu steigern hat, so lauten zumindest die neoliberalen Imperative, aber er bleibt dabei immer auch ein Profil, das ihm von Unternehmen, sozialen Medien und Arbeitsagenturen zugeschrieben wird, ein zwischen Konsolidierung und Vielseitigkeit oszillierendes Produkt. Dabei bleibt der Konsument in einen volatilen Arbeitsprozess (training for job) eingebunden, den man zeitweilig sogar »Leben« nennt. Händeringend, soweit es einen gewissen Status erreicht hat, sucht das Kompetenzkonglomerat nach seinen stets auffrischbaren Talenten sowie nach einem Alleinstellungsmerkmal, das of course in seinem (nie zu aktualisierenden) Potenzial liegt, es in ferner Zukunft einmal zu verkörpern, während es doch gänzlich den Techniken des Plusquamperfekt eines »Es wird gewesen sein« unterworfen bleibt, Techniken, die am laufenden Band die Zukunft in Vergangenheit umwandeln.

Die Lohnarbeit muss heute eine besondere Paradoxie aushalten. Zum einen ist die Arbeit eine allgemeine Tugend, die sich in das Leben einschreibt.. Alles ist Arbeit geworden, sei es Körperarbeit, Beziehungsarbeit, Sexarbeit, Trauerarbeit etc. Wirklich freie Zeit wird damit zum zu einem Zustand, den man auf jeden Fall vermeiden sollte. Zum anderen nimmt die Bedeutung der Arbeit als Beruf und Berufung ab, sodass nur der Job und die Beschäftigung bleiben, womit ein Arbeitsleben häufig genug als die Ansammlung nächstbester Gelegenheiten gilt, ohne die Chance, seine Erwerbsbiographie als gelungenes Leben erzählen zu können (Sennett). Ferner haben immer weniger Menschen Zugang zu einem Job, der ihnen eine halbwegs angenehme Existenz sichert. Und schließlich hängt über beinahe Allen, die ihre Arbeitskraft verkaufen, die Furcht vor der Arbeitslosigkeit, Dann wäre eben noch zu fragen, warum die Leute ihre Bullshit-Jobs gerade als solche gar nicht begreifen.

Grundsätzlich gilt es zu sagen, dass Marx das subjektiv orientierte Konzept der Entfremdung später im Kapital durch das Konzept der Extraktion von Mehrwert ersetzt hat, die man subjektiv so ohne weiteres nicht erfährt, denn die Trennung von notwendiger Arbeit und Mehrarbeit ist nicht sichtbar. Der Mehrwert wird aber notwendig durch das Kapitalverhältnis evoziert.

An die Stelle des Produzenten, der sich im Laufe der kapitalistischen Historie zumindest für gewisse Lebensphasen von seiner Internierung in der Fabrik sowie von der kompletten Rechtlosigkeit in Sachen Freiheit emanzipiert hatte, der also immerhin die Freiheit besaß, seine Arbeitskraft an Märkten anzubieten, tritt heute zunehmend der Beschäftigte bzw. der Konsument von »Arbeit«, der an diese Tag und Nacht gekettet wird. Während der potenzielle Produzent am Arbeitsmarkt als Arbeitskraft ein Angebot verkörpert, stellt der Konsument von Arbeit für die Agenturen, die Arbeit vermitteln, die verkörperte Nachfrage dar, wobei die Arbeitskraft an den Arbeitsmärkten permanent designt und gehandelt, gecoacht und gecastet wird; sie wird nun zum flexiblen Modus für das Businessmodell einer Arbeits-Design-Industrie, welche der Arbeitskraft das Permanent-Casting verordnet. Und selbst wenn heute der Produzent seine Arbeitskraft noch verausgabt, ist sie an ihm insofern tendenziell gestrichen, als er sich nicht mehr allein über einen Produktions-, sondern überdies als Konsument von Arbeit über einen Kaufakt definiert. Und je weniger heutzutage angesichts der Automation und der exzessiven Zunahme von Bullshit-Jobs den Beschäftigten die Notwendigkeit von Arbeit noch zu vermitteln ist, desto stärker soll die Nachfrage nach Arbeit zum ubiquitären Modell gerinnen, was auch heißt, dass man die potenziellen Produzenten über die Jobcenter und die diversen privaten Vermittlungsdienste in die Rolle des Konsumenten von »Arbeit« versetzt.

Der flexible Arbeitsmarkt ist heute zum großen Teil durch die prekäre Dienstleistung charakterisiert, welche unter anderem die Bundesagentur für Arbeit anbietet, die aber die Beschäftigung eigentlich nur dann vermitteln kann, wenn sie auch vorhanden ist, was ohne weiteres auch vorausgesetzt wird. Folgerichtig müssen dann eben die Arbeitslosen für ihre Arbeitslosigkeit auch selbst verantwortlich sein, was wiederum einschließt, dass es sich bei ihnen zumeist um faule oder redundant arbeitsunwillige Subjekte handelt. Entkräftet man nun diese Behauptung mit Fakten/Zahlen, dann bleibt nichts als die fehlende Arbeit übrig. Und exakt dieses Fehlen der Arbeit muss die Bundesagentur für Arbeit als ihre »Dienstleistung am Arbeitsmarkt« ständig bearbeiten, indem sie die fehlende Arbeit wundersam in eine Arbeit in Potenz transformiert. Und nimmt man weiterhin an, dass die Arbeit vielfach prekäre und unterbezahlte Arbeit ist, wobei die Beschäftigten entweder potenziell zu Tode gehetzt und gemobbt werden oder reinen Beschäftigungstherapien unterworfen sind, so wird das Fehlen von Arbeit niemals fehlen.

Um es zu wiederholen, die Bundesagentur für Arbeit hält trotzig daran fest, dass es an Arbeit nicht fehlt, womit das Fehlen der Arbeit selbst zur Arbeit wird.2 Egal welche Arbeit von der Agentur angeboten wird, sie zirkuliert nun scheinbar selbst als potenzielle Ware (die klassische Verkennung, die in der Verwechslung bzw. Gleichsetzung der Arbeit mit der Arbeitskraft besteht), die sich aber meistens nur noch zeitlich befristet aktualisiert, wobei auch die potenzielle Beteiligung der Kunden an der Suche nach Arbeit längst keine Garantie mehr dafür ist, dass eine aktuelle Beteiligung an der Arbeit aus ihr resultiert. Wenn Arbeitslose zu Kunden von staatlichen oder privaten Arbeitsvermittlungsagenturen mutieren, dann kommt darin gerade eine weitere Verkehrung ins Spiel: Arbeitslose, die per definitionem Produzenten ohne Arbeit sind, werden potenziell zu Konsumenten, zu Käufern von Arbeit. Daraus folgt, dass die Arbeitslosen als Nachfrager von Arbeit gleichzeitig die Unternehmer ihrer selbst sind, die scheinbar ihre eigene Arbeit einkaufen. Sie haben auf jeden Fall ihr kleines Kapital X zu vermehren, und da dieses außer ihrer Potenz Arbeitskraft zu sein, meistens gleich Null ist, kam die Bundesagentur auf Arbeit eines Tages auf die schlaue Idee, dieses kleine Kapital X aufzubessern, Kennwort »Ich AG«, hat diese Bemühungen aber mehr oder weniger schnell wieder aufgegeben. Der prekäre Beschäftigte sollte nun am eigenen Leib erfahren, was Verantwortung und Unternehmertum heißt, damit er sich mit den Opfern, die Staat und Kapital für ihn erbringen, endgültig identifiziert, um die Staatsapparate und Unternehmen aus ihrer rechtlichen und sozialen Verantwortung zu entlassen.

Den Kaufakt von Arbeit muss der prekär Beschäftigte im Laufe seines Joblebens ziemlich häufig wiederholen, sodass Faktoren wie Fortbildung, Performancepotenz, Wissenserwerb und Verbesserung der Qualifikation und der Kompetenz auf Dauer gestellt sind, womit folgerichtig ein wucherndes Beratungs-, Trainings- und Weiterbildungsangebot an den Arbeits- und Coachingmärkten entsteht. Dabei haben wir es hier mit der Logistifizierung eines Beschäftigungs-Mobilitätsregimes zu tun, das darin besteht, die richtige Menge an Arbeitskräften, mit den richtigen Kompetenzen und Qualifikationen, zum richtigen Zeitpunkt und zu den richtigen Kosten an den richtigen Ort zu vermitteln, wobei dafür ein permanentes Tracking der Bewegungen der Arbeitskräfte stattfinden muss, um dieser Art der just-in-time Produktion gerecht zu werden, und dies betrifft insbesondere auch die to-the-point-Migration, (Logistische Grenzlandschaften 54), bei deren Management eine Logistik der Wartezeiten, umfassende Überwachung, Steuerung und Verhinderung von Friktionen gefordert sind.

Das meistens am Bildschirm erworbene Wissen resultiert in einem fluktuierenden Informationswert (des Konsumenten von Arbeit), wobei dieser Konsument mit der Arbeitskraft eines klassischen Produzenten, der mit einem standortgebundenen und für eine spezifische Fertigung konstruierten Maschinenpark konfrontiert ist, nur noch wenig zu tun hat. Das neue Paradigma der Beschäftigung ist der Computer, der mobil und flexibel und in ein Netzwerk integriert ist. Um erfolgreich zu sein, muss man heute in fast allen Berufsbereichen vernetzt sein, denn nur so kann man Investoren anziehen, die das eigene humane Investitionskapital fördern und voranbringen. Durch den Einkauf und die Anwendung von affektiven und sozialen Kompetenzen sowie beruflichem Wissen, das den Beratungs-, Coaching- und Weiterbildungsprogrammen entsprungen ist, scheinbar bestens informiert, muss der Konsument von Arbeit zum flexiblen und attraktiven Verkauf seiner selbst unbedingt imstande sein, gerade indem er ständig eine Art von Assets erwirbt, nämlich Zeugnisse, Urkunden, Gutachten, Arbeitsverträge, Zeitgutscheine, Steuererleichterungen etc., die er wie auch seinen Ausweis bei jeder Vorstellung vorzulegen hat.

Die Arbeitskraft wird in manchen Berufen weiterhin verausgabt, aber ihr symbolischer Stellenwert, der durch das erkämpfte Recht auf Arbeit repräsentiert wird, ist weitgehend gestrichen. An seine Stelle tritt also der Informationswert des Konsumenten von Arbeit, der durch Coachingskompetenz, den durch Bildung und Ausbildung erworbenen Wert, das Performance-Selbst-Portfolio und den genetischen Code gekennzeichnet ist. In dieser vierfachen Konnotation des Informationswerts besteht das kleine Kapital x, das die Informationsverarbeitung der Kompetenzen und des eingekauften Wissens beim Selbstverkauf deckt. Jetzt zeigt sich, ob der Konsument von Arbeit als ein sich selbst informierendes Netzwerk funktioniert oder eben nicht. Über die Anerkennung der Assets wird dann der Kaufakt abgewickelt, sofern denn der Konsument von Arbeit über einen attraktiven Informationswert verfügt (und eventuell auch über die nötige Kaufkraft). Und sollten sich dann seine Assets durch einen Arbeitsvertrag aktualisieren, dann ist er als Leiharbeiter zur Beschäftigung hinreichend mobilisiert. Die Assets beinhalten wie alle Finanzanlagen eine Potenz, die sich hier allerdings lediglich als Beteiligung an der Arbeit bzw. als Beschäftigung aktualisiert. Wird ein Asset dann auch aktualisiert, dann muss als Arbeit alles hingenommen werden, denn unzumutbare Arbeit gibt es laut der Bundesagentur für Arbeit nicht. Gelingt allerdings die Aktualisierung des eigenen Informationswerts nicht, spricht der Markt das Urteil, das besagt: Das Entstehen von Arbeit durch ihr Fehlen schlug fehl.

Die Leih- und Zeitarbeit stellt das permanente Entstehen (und Verschwinden) von Arbeitsplätzen auf Dauer, womit nichts weiter als die Arbeitslosigkeit verschwinden soll, sodass die Zeitarbeit zwar Zwischenzeiten ohne Arbeit, aber eben keine Arbeitslosigkeit mehr kennt. In diesen Zwischenzeiten ohne Arbeit wiederum zirkulieren die Assets ohne Unterlass in der Form von Bewerbungen durch die privaten und staatlichen Agenturen, denn zwar ist die Zeitarbeit befristet, aber die Bewerbungszeit ist es eben nicht, sodass also die Assets am Arbeitsmarkt Jahre oder fast das ganze Leben zirkulieren, aber es sind ja keine verlorenen Jahre, weil die Assets, die von den Agenturen gehandelt werden, (angeblich) stets zur Verbesserung des eigenen Informations- und Kompetenzwerts dienen. Es dürfte nun klar sein, dass der Konsument von Arbeit ein Risiko-Subjekt ist, und wenn er seinen in Assets investierten Informationswert für eine Zeitlang oder auch für immer unter Wert verkauft, dann ist eben das sein Pech, denn ausgerechnet im »Leih- und Zeitarbeitsspiel mit Gewinn und Verlust« gibt es keinerlei Versicherungsansprüche.

Und um es weiter zu führen, Arbeitslosenhilfe ist nur dann ein Recht, wenn das Recht auf Arbeit vorausgesetzt ist. Es wurde von den Produzenten und ihren Organisationen in langen Klassenkämpfen unter Berufung auf die weltbildende Potenz der industriellen Arbeitskraft erkämpft, die heute am Konsumenten von Arbeit gestrichen ist, womit eigentlich auch das Recht auf Arbeitslosenhilfe entfällt und letztendlich konsequenterweise zu Hartz4 transformiert wurde, das einem Paniklabor mit einem Almosen (das Strafrecht in das Sozialrecht einführt) gleicht, für das selbstverschuldete Unglück, das ja eigentlich nur dem zufällt, der jede von der »Modernen Dienstleistung am Arbeitsmarkt« vermittelte Arbeit für unzumutbar hält. Der Hartz4 Empfänger hat auf dem offiziellen Arbeitsmarkt nichts zu suchen, auf dem es eine hochqualifizierte, akademische, privilegierte Lohnarbeiterklasse, das heißt die abgesicherte Kernbelegschaft der großen und mittleren Unternehmen und das zum Teil selbständige und zumindest phasenweise gut verdienende Prekariat gibt. Der Rest der Bevölkerung befindet sich im Niedriglohnsektor oder hält sich auf dem Level einer staatlich subventionierten und/oder staatlich erzwungenen Beschäftigung oder fällt ganz aus der Beschäftigung heraus, was das Unglück nur noch vergrößert.3 Ein Teil des überflüssigen Rests wird als Hartz4 Empfänger gemeinerweise noch in die Zwangsarbeit verwiesen, in der die Beschäftigung selbst das geringfügige Einkommen ist, da ein von der Arbeit unabhängiges Grundeinkommen weiterhin strikt abgelehnt wird. Zwangsarbeit heißt permanente Mobilisierung für die Arbeit. Und auf eines ist dabei noch hinzuweisen: Die scharf abgegrenzte Aufteilung zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit (Arbeitslosigkeit als Kehrseite der Beschäftigung), die auf ein ganz anderes Akkumulationsregime zurückgeht (Standardisierung und Kontinuität der Produktion, mithin Stabilität und Kontinuität der Beschäftigung), hat sich in ein immer engeres Ineinandergreifen von Perioden der Anstellung und Perioden der Arbeitslosigkeit gewandelt. Dass die Arbeitslosigkeit strukturell geworden ist, besagt nicht, dass Millionen von Menschen auf einen unbefristeten Vertrag warten, vielmehr arbeiten sie, während sie gleichzeitig als arbeitslos gemeldet sind. Arbeitslosigkeit ist nunmehr Teil der Norm der Anstellbarkeit. Arbeitslos zu sein bedeutet, verfügbar und sofort einsetzbar zu sein, und zwar nicht für einen unbefristeten Vertrag, sondern für einen befristeten Vertrag mit einer Laufzeit. (Lazzarato)

Wenn größere Teile der Arbeit, im speziellen Hilfsarbeiten, vom Einkommen nicht ganz abgekoppelt werden dürfen, geraten sie zum Dienst, der nicht in der Arbeit selbst besteht, sondern in der vom Staat befohlenen Unterwerfung zur Arbeit. Als solcher ist der Dienst heute ein Dienst an der Arbeit, der sich in der Pflichtarbeit ausdrückt. Diese ist de facto Arbeitsdienst. Und je weniger der Dienst noch Dienst an der Arbeit ist, desto mehr mutiert er zum Dienst an der Kompetenz und Information mittels Aufsaugen, Bearbeiten und Speichern derselben. Dabei wandert die Information in den Körper und seine kognitiven Vermögen hinein und wird mit der Dienst(leistung) tendenziell identisch. Die Nachfrage nach Arbeit, die objektiv fehlt, wird zur Nachfrage nach dem, was an ihre Stelle tritt, sie wird zur Nachfrage nach dem, was die Arbeit ersetzt: Kompetenz, Information, Automation und Digitalisierung. Deshalb muss immer leistungsfähigere Software bereitstehen, um die Daten- und Informationsströme mit den Körpern, den Affekten und den Hirnen von Dividuen zu verschalten, wobei diese durch die in die digitalen Programme encodierten Steuerungs-, Regelungs- und Feedback-Prozesse regelrecht in Haft genommen werden, weil eine Rückverfolgbarkeit jeder einzelnen Aktion und die Antizipation von weiteren Aktionen in die zirkulierende Logik der Informationsströme eingebaut ist.

Die transitive Normierung des Verhaltens, das heißt die volle Integration der Akteure in Systeme, in der sie lediglich als zu erfassende und zu verwertende Punkte in Netzwerken fungieren, wird recht eigenartig durch den Konsum der Angebote der Enhancement-Industrien supplementiert, die es wiederum ermöglichen, sämtliche Kräfte der Selbststeigerung im Sog von Performanzaktivitäten wie eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Der Kompetenz-, Fitness- und Wellness-Status wirkt hier wie »systemisches Doping«, das jede Menge von positiven Placeboeffekten bereithält. Im gleichen Maß, in dem der neue Konsument von Arbeit, tendenziell arbeitslos, sein Arbeitslos als Vollzug einer Dienstleistung affirmiert, er sein prekäres Angeeignet-Werden sich fortlaufend selbstverantwortlich mit aneignet, scheint die dem klassischen Arbeitsvertrag immanente Erpressung aufgehoben, als gäbe es da aus dem Nichts heraus ein endlos kreativ und performativ anwendbares Arbeitsvermögen, als sei der Dienstleistende die Reinkarnation der Vergöttlichung von positivierender Arbeit und Kompetenz. Darin ist auch reflektiert, dass der Verlust der Arbeit für die Dividuen heute als Katastrophe aufscheint, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abgewendet werden muss – wenn kein Mensch mehr an die Arbeit glaubt, erst dann wird der Glaube an ihre Notwendigkeit universell. Konnte Marx noch ganz trocken konstatieren, dass der Arbeiter nicht für sich, sondern für das Kapital produziert, um damit wirklich jede Apotheose, welche die Arbeit zum Idol erhebt, auszuschließen, so wird mit der kreativen Selbstkonfiguration durch den Kauf von Arbeit, die von der beständigen Konsumtion von Coaching-, Casting- und Enhancement-Programmen stilvoll begleitet wird, eine wirklich unheimliche Genussfreude an der (digitalisierten) Arbeit wiederentdeckt, deren Propagandisten beständig ausposaunen, dass es sich bei den in die informierenden Netzwerke integrierten Personen tatsächlich um die Verkörperung kreativer Mit-Teilungen und Singularitätsvorführungen handele - anstatt einfach zuzugeben, dass diese Personen nach wie vor meistens Befehlsempfänger sind, die sich unter Umständen im Team auf einer unteren oder mittleren Ebene des Unternehmens gegenseitig die Befehle geben. Als Maßstab für die Effizienz im Team gilt die Macht der Gruppe über den Einzelnen. Die Beschäftigten fangen an, sich gegenseitig zu kontrollieren und zu kritisieren - oder sie helfen einander, die Arbeit trotz widriger Umstände zu erledigen, oft auf Kosten der eigenen Freizeit und Gesundheit. Das führt zu einer enormen Arbeitsverdichtung und Arbeitszeitverlängerung, weit über die tariflich vereinbarten oder sogar gesetzlich erlaubten Arbeitszeiten hinaus. Es handelt sich um selbstorganisierte Teams, die wenige Vorgaben darüber bekommen, wie sie ihre Arbeit auszuführen haben, aber dennoch die von den Unternehmen vorgegebenen Gewinnerwartungen zu erfüllen haben. Das Management gibt immer mehr Verantwortung an die Beschäftigten ab, möchte aber weiterhin die Kontrolle über sie beibehalten. Dafür steuert man nun indirekt, indem eine sogenannte Umwelt eingerichtet wird, auf die die Teammitglieder unternehmerisch reagieren sollen und müssen. Im Unternehmen werden nun künstlich Marktstrukturen abgebildet: Die Beschäftigten werden in teilautonomen Unternehmenseinheiten, Business-Units und Profitcentern organisiert, die sich jeweils auf dem unternehmensinternen wie -externen Markt behaupten müssen. Damit wird durchgesetzt, dass sie als Maßstab für die Bewertung des Sinns ihrer Arbeit das im Kapitalismus geltende Kriterium zugrunde legen: den Profit beziehungsweise die Kosteneinsparung. Nach und nach übernehmen die Beschäftigten einige Unternehmerfunktionen.

Die Arbeit, die als industrielle Arbeit (in den Metropolen) zunehmend verschwindet, bleibt als Mangelware und als Beschäftigung, die als Amphetamin und Tranquilizer zugleich verabreicht wird, erhalten. In der Folge muss man der Arbeit, die in der Tat nicht mehr Arbeit, sondern Beschäftigung ist, welche entweder im Warten oder wahlweise in übelster Hetze besteht, eine Schönfärbung besonderer Art beimischen, sie wird nämlich zur Selbstverwirklichung und -steigerung umgeschrieben, ein Euphemismus, den nicht nur diejenigen, die einmal in den Genuss einer Maßnahme des Jobcenters kamen, sondern auch diejenigen, die einem ganz normalen Job im Büro nachgehen – eine beängstigende Konvulsion aus Mobbing, Hetze und lähmender Langeweile zugleich, als sinnentleerte Betriebsamkeit – nur als einen schlechten Scherz begreifen können. Tun sie das nicht und zeigen etwa auch noch ansatzweise delinquentes Verhalten, dann extrahieren heute Data-Science Engines aus dem Web und anderen Quellen Daten und Signale, die genau dieses abweichende Verhalten anzeigen, und damit wird man ganz schnell zu einem Arbeitsrisiko, das auf einem Risikoindex eingeordnet wird, sodass das Unternehmen und sein Management schon mal präventiv eingreifen und das personifizierte Risiko einfach mal vor die Tür setzen. Weil die meisten Beschäftigten das Abweichende nicht tun, müssen sie zur Strafe ihre eigene Beschäftigung als Selbstverwirklichungsprojekt konsumieren, die Höchststrafe, die das Kapital für derart zusammen geprügelte Subjekte, denen selbst noch die Arbeit im Schweiße ihres Angesichts verwehrt bleibt, bereithält.

Und ein solcher Konsum der Arbeit gleicht heute oft genug der Verschrottung von Arbeit, sodass noch der Imperativ der Arbeit entfällt, weil die neuen Stachanows des vulgären Hedonismus und der affektiven Kompetenz keine Befehle mehr brauchen, um ganze Arbeit (an sich) und für die anderen zu leisten, sie benötigen lediglich den gefühlvollen und einfühlsamen Hauch, den Anschub, den der Coach oder Leader ihnen beständig einflößt.

Und diese Strafe setzt sich in der Freizeit fort; bekanntlich beginnt der Ernst des Lebens – untrennbar vom Spaß am Leben - in der Freizeit, in welcher nicht nur das Konglomerat aus Produkten, Affekten und Events, sondern der Konsum im Loop konsumiert werden will. Bezeichnungen wie Freizeitindustrie, Wellnesszentrum, Freizeitpädagogik und Ähnliches weisen auf die Zugehörigkeit der Freizeit zum Geschäft hin, wobei Freizeit und Arbeit in Konkurrenz zueinander um die höchste Anerkennung buhlen, womit es im Leben eben nicht mehr nur darauf ankommt, möglichst viel gearbeitet, sondern auch reichlich Freizeit im Rahmen angeblich hochindividualisierter Erlebniswelten konsumiert oder genossen zu haben. Das gilt insbesondere für die Eliten und den einkommensstarken Teil der Mittelklasse, die wie aufgelöst in ihrem Singularitätswahn und Einzigartigkeitsexzess die Freizeit und Arbeit ständig miteinander vermischen und beides unter den Glanz der Kreativität stellen, Menschen, die rundherum glücklich mit ihrer Art der singulären Selbststeigerung sind, während der größere Teil der Bevölkerung selbst in den westlichen Wohlfühloasen des Westens das Abartige der täglichen Beschäftigung nur so leidlich erträgt, um irgendwie hin zu den kostbarsten Wochen des Jahres zu gelangen und den Urlaub zu genießen, das heißt in irgendwelchen Hotelbunkern im Süden nur leidlich herumzulungern, das heißt unter der Aufsicht und Anleitung von professionellen Fachkräften, Coachs und Entertainern zu stehen, die einem Tag und Nacht beibringen, wie man zu tanzen, Gymnastik zu machen, zu essen und den Beischlaf auszuüben hat. Wolfgang Pohrt schreibt dazu: »Das harte Faktum, daß das Kapitalverhältnis seinem historischen Zweck gemäß die Lohnarbeiter in überflüssiges Menschenmaterial verwandelt, in nutzlose Esser, die man in den armen Ländern verhungern lassen kann, während sie in den reichen Ländern als Unterstützungsempfänger halbwegs bei Laune gehalten werden müssen, dies harte Faktum also wird dabei mit viel ideologischem Weichspülmittel behandelt, und am Ende des Weichspülwaschgangs, den mache als Umdenken, andere als Etikettenschwindel bezeichnen, hat sich wie seinerzeit die Putzfrau zur Raumpflegerin das simple Zeittotschlagen beispielsweise in selbstverantwortliche Identitätsfindung verwandelt.« Pohrt ein hauch von nerz.186

Und wenn selbst noch die Linke ein letztes Mal die Arbeit, die in den angesagten Kreisen längst Kreativarbeit heißt, als die Selbstverwirklichung des Individuums verstanden wissen will, dann befindet man sich ganz und gar nicht in der Nachbarschaft von Marx, sondern man befindet sich im Sog der Lebensphilosophie einer nicht zu Tode zu kriegenden Jugendbewegung, die wiederum im Sog des Aufgesogen-Werdens innerhalb eines Pools von »interessanten Optionen« auf permanente Durchsetzung von kulturellen Novitäten setzt, mit denen denen das aufgeblähte Selbst aufstiegswilliger kleiner Spießer sich der Illusion von Einzigartigkeit, im Neuspeech Singularität, Unverwechselbarkeit und Genialität hingibt, etwas, was das aller Macht beraubte Exemplar heute unbedingt braucht, um nicht gegen den täglich erlittenen Mix aus lähmender Langeweile und stressiger Beschäftigung eine lebenstherapeuthische Fachkraft aufsuchen zu müssen, die einem zwei und zwei zusammenrechnet, dass nämlich zu Schöner Wohnen, Gepflegter Trinken und Gesünder Essen auch noch die kreative Arbeit hinzukommen muss, sonst könne man nicht glücklich und zufrieden sein, sondern bleibe der sinnentleerte Hedonist, vor dem einem, das muss man hinzufügen, niemand gewarnt hat. Und so verbindet sich die Freiheit, aus angeblich Nichts etwas Neues zu schaffen, mit dem Zwang in den diversen Attraktivitätswettbewerben ständig kreativ sein zu müssen, und je mehr alle kreativ sein müssen, desto weniger können es die Einzelnen noch, aber weil sie es weiter krampfhaft versuchen, entsteht eine Welt der Pseudo-Originalität, der Fakes und der Plagiate, die vor allem eines zeigt: Dass es trotz der millionenfachen Erfindungen und dem Überfluss von Waren mit angeblichem Einzigartigkeitscharakter nichts mehr zu erfinden gibt. Und je schneller das Objekt heute verfällt, desto mehr muss es mit einer kreativen Idee aufgebrezelt werden, vom kreativen Obstkuchen über den kreativen Wandschmuck bis hin zum kreativen Selbst, das man an den Arbeits- und Aufmerksamkeitsmärkten als das kleine Kapital x vermehren, anlegen oder einfach auch mal bei einer Beratungsfirma kaufen kann. Es kommt hier aber nicht, wie Seeßlen/Metz meinen, zur Zerstörung alter Bedeutungen und zu ihrem Ersatz durch neue Bedeutungen, was sie surreal nennen, sondern der energetisch produzierte Bedeutungsüberschuss verweist einzig und allein darauf, dass bedeutet werden muss, was bedeutet wird, ist vollkommen gleich-gültig. Aber noch jede Bedeutung muss kapitalisiert werden.

Dabei zerfasern heute selbst noch die weniger fragilen Lebens- und Arbeitsentwürfe an der Allgegenwart der Einschnitte, mit denen das Leben, die Beschäftigung und die Generierung des Surplus immer schneller jenseits einer chronologischen Zeit in Intervalle geteilt, gepresst und wieder verstreut oder rekombiniert und damit Kontinuität durch eine Art indeterminierten Aufschubs ersetzt wird, – wahrlich ein anhaltender Schwebezustand einer spekulativen Zeit, mit der auch das Nie-zu-Ende-Kommen lebenslangen Lernens und Investierens perpetuiert wird. Es kommt zu einer immer tieferen Fragmentarisierung der Arbeitszeit und der Lebenszeit, und beide Zeiten bleiben eingespannt in den Prozess einer rasenden, deterritorialisierenden Rekombination, in der beispielsweise die Arbeit für eine Woche, einen Tag oder eine Stunde abgerufen werden kann, womit die Beschäftigung fraktal und rekombinant gerät. Die digitale Arbeit ist fragmentiert; das Dividuum – selbst eine geteilte und zelluläre Form – erfährt in den digitalisierten Produktionsprozessen eine rekombinante Fragmentierung in zellulären und zugleich rekombinierbaren Segmenten. Es geht hier nicht nur darum, dass die Arbeit selbst prekär wird, sondern es kommt in den Arbeitsprozessen fortwährend zu Teilungen, unter Umständen zur Auflösung der Person als ein unifizierter produktiver Agent, als Arbeitskraft. Es ist ganz klar, als Zellen der produktiven Zeit können die Dividuen in den punktuellen und fragmentierten Formen der Arbeitsprozesse ständig neu mobilisiert, angereizt und rekombiniert werden. Wir haben es mit einem immensen Anwachsen einer depersonalisierten Arbeitszeit zu tun, insofern das Kapital immer stärker dazu übergeht, anstatt den Arbeiter, der acht Stunden am Stück arbeitet, verschiedene Zeitpakete zu mieten, um sie dann just in time zu rekombinieren (Out- und Crowdsourcing) – und dies eben unabhängig von ihrem austauschbaren und damit mehr oder weniger zufälligen Träger. Auch das »Selbst« fluktuiert nun als fluides Rest-Ego und wird in immer neuen Relationen rekombiniert, und diese Formierung gleicht einem Kaleidoskop, »das bei jedem Schütteln ein neues Muster zeigt.«10 Diese Art der weit über die Arbeitsbeziehungen hinausreichenden spasmischen Rekombination der Beschäftigung wird heute auch in den diversen sozialen Netzwerken geleistet. In der Meisterung des Beschleunigens und Entschleunigens, des Dehnens und Aufschiebens, der Kompression und des Resettings von Zeitplänen, werden für die Beschäftigten auch erweiterte Möglichkeiten hergestellt, mit nicht-chronologischen Strömen des Geldes Surplus für das finanzielle Kapital zu generieren. Voraussetzung dieser Art der Surpluserzeugung, die mit der Verschuldung einhergeht, sind sowohl niedrige Löhne als auch prekäre Arbeitsformen, bei denen die Beschäftigten sich konstant an nicht vorhersehbare Arbeitszeiten und an volatile Löhne anpassen müssen, nicht zuletzt an das Hebeln ihrer Schulden, sodass sie in nicht determinierte und unvorhersehbare Zeitströme geradezu hineingezogen werden.

In der Share Economy wiederum kontrollieren und steuern die digitalen Interfaces, die man heute Plattformen nennt, die Arbeit auf einem ganz neu strukturierten Arbeitsmarkt. So unterscheiden sich die Fahrer und Fahrradkuriere neuer Plattformen wie Uber von den abhängig Beschäftigten der traditionellen Unternehmen dadurch, dass sie selbst eine Dienstleistung anbieten, wobei die Mittel, um die Dienstleistung, die eine App der Plattform ihnen vermittelt, auszuführen, selbst aufzubringen sind, seien es das Auto oder das Fahrrad und auf jeden Fall das Smartphone. Was also während der Ausführung der Dienstleistung verschlissen wird, ist das Eigentum der Fahrer und Kuriere. Dabei stehen die Fahrer, denen beispielsweise Uber ermöglicht, Fahrgäste aufzunehmen, unter strikter digitalisierter Kontrolle und sind auch räumlich dazu gezwungen, den Algorithmen der Plattform zu folgen. Die Routen, die sie fahren, werden nämlich durch das GPS diktiert, während ihre Effizienz, Verfügbarkeit sowie ihre Interaktion mit den Fahrgästen Gegenstand ständiger Bewertungen ist, die dann weiterhin bestimmen wie, wann und wo die Fahrer zum Einsatz kommen.

Dabei fungieren die Fahrer und Kuriere nicht als offiziell Beschäftigte, sondern sie sind gegenüber den Unternehmen der Plattformen private Vertragspartner. Weit davon entfernt eine Alternative zur prekären Arbeit anzubieten, oszillieren diejenigen, die den Service für die Kunden letztendlich bereitstellen, im Spannungsfeld zwischen den restriktiven Bedingungen der Lohnarbeit und dem Risiko der Selbstständigkeit. Damit sind die Anbieter von Dienstleistungen, welche die Angebote der Plattformen nutzen, zwar von den Repressionen der Lohnarbeit, aber auch von den mit ihr einhergehenden sozialen Garantien befreit (weil die Plattformen keine Sozialabgaben zahlen). Solchermaßen scheinen sie das Epitom neoliberaler Subjekte darzustellen. Zumindest verschwindet die persönliche Abhängigkeit von einem Chef, der einem Arbeitsalltag mit allerhand Befehlen versüßt, denn mit den Organisatoren der Plattform haben die Fahrer nämlich wenig zu tun, selbst im Notfall ist es kaum unmöglich, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Es ist also scheinbar den Fahrern selbst überlassen, wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten, aber sie dürfen eben während der Arbeit niemals zu langsam werden und sie müssen unbedingt mit der Konkurrenz mithalten, und deshalb gilt es einfach komme was wolle auf das Pedal zu treten.

Die Unternehmen stocken den Stundenlohn für die effektivsten ihrer Fahrer immer etwas auf, was aber nichts anderes heißt, als dass durch die permanente Überwachung und die automatisierte Auswertung der Performance der Fahrer die Konkurrenz, der Vergleich und die Skalierung auf Dauer sichergestellt sind. So bemisst sich bei den selbstständigen Fahrern der Verdienst an der Anzahl der ausgefahrenen Lieferungen. Und das erhöht für gewöhnlich auch die Risikofreude während des Fahrens und damit wie nebenbei auch noch die Nachfrage der Fahrer nach den Leistungen der Unfallversicherung; die ansteigenden Versicherungsprämien reflektieren den Mut zum Risiko, was wiederum die Leistung der Fahrer beflügelt, denn auch das Geld für die Unfallversicherung muss von ihnen verdient werden. Wenn in einer Schicht keine Bestellungen eingehen, kriegen die Fahrer zwar keinen Lohn, aber ihre Arbeitszeit verwandelt sich dafür bruchlos in freie Zeit. Weil die Kuriere aber mit dieser freien Zeit überhaupt nichts anfangen können und auch nicht wollen – wer will sich schon durch den lähmenden Zeitbrei des Alltags fressen - sind folgerichtig nicht nur die wirklich stressigen Schichten bei den selbstständigen Fahrern die beliebtesten, sondern diese verlangen andauernd auch noch nach neuen Schichten. So sorgen die Fahrer in der Regel ganz zuverlässig für die sogenannte Markträumung und melden darüber hinaus aufgrund eigener fehlender finanzieller Mittel andauernd weiteren Bedarf nach Arbeitsschichten an und steigern damit die Nachfrage nach den Kurier-Arbeitsplätzen, weswegen der Algorithmus mit jedem Update die finanziellen Bedingungen für seine Nachfrager weiter verschlechtern kann, was nun aber keineswegs dazu führt, dass die Nachfrage spürbar nachlässt.

Für viele Theoretiker sind die großen Plattformen nichts weiter als die Assemblage kommerzieller Verträge zwischen einer »principal authority«, die im Namen des Unternehmens Verträge abschließt, und einer Multiplizität von Agenten, die selbstständig für die Unternehmen Dienstleistungen bereitstellen. Die Plattformen multiplizieren somit Partnerschaften, die auf rein kommerziellen Begegnungen basieren und aufgrund derer für Dritte Serviceleistungen ohne geregelte Arbeitsverträge und Lohnarbeiter angeboten werden. (Nach wie vor ist es aber einer Reihe von Unternehmen in verschiedenen Branchen kaum möglich, ohne die Einstellung von Lohnarbeitern zu produzieren.) Schließlich sind die neuen Anbieter von Dienstleistungen aber nicht nur von ihrer eigenen geleisteten Arbeit, sondern auch von ihrer Einbindung in Netzwerke abhängig, die durch Ratings und Rankings und andere Ordnungsverfahren strukturiert sind, und das heißt auch, dass die Ausbeutung ihrer Arbeitsressourcen und ihr Risikomanagement letztendlich vom Kredit abhängen, der durch positive Ratings begünstigt wird und dessen Akkumulation ihnen unbedingt gelingen muss. Deshalb bedarf die eigene Arbeitsleistung sowie die Anpreisung der Skills im Zuge der Selbstvermarktung andauernd der positiven Bewertung und der Anerkennung durch die Kunden, die sich in Scores, Likes, Freunden und Followers manifestiert, und diese Bewertungen zu optimieren, ist eine wichtige Aufgabe, die es für einen Fahrer zu erledigen gilt. Und die Akkumulation des »reputational capitals« muss unbedingt einen effizienten Kreditscore zur Folge haben, um auch das Vertrauen von Banken und Versicherungen zu erlangen. Die Nachhaltigkeit der Operationen der Serviceanbieter hängt damit wesentlich stärker von der Zustimmung der Kreditgeber und Sponsoren ab als von dem von neoliberalen Ideologen in den Vordergrund gestellten Unternehmerethos oder dem zu steigernden Preis des Humankapitals, wobei die Sponsoren meistens finanzielle Spekulanten sind, die für die Extraktion und die Prognosen bestimmter Ressourcen und Rohstoffe (in diesem Fall die Verhaltensweisen von Usern) auf digitalen Maschinen beruhende Produktionsmittel einsetzen, die der gewinnbringenden Verhaltensmodifikation der Kunden dienen, welche wiederum ohne die totale Kontrolle der Fahrer nicht zu erlangen ist, sodass diese heute beispielsweise auch auf Facebook von spurenlesenden Maschinen verfolgt werden.

Auf den Webpages der Plattformen, auf denen sich Anbieter der Dienstleistungen und ihre Kunden miteinander austauschen können, weisen die Plattformen ihren Serviceleistenden ein spezifisches Set von kontinuierlich zu bewertenden Assets zu, welche die Serviceleister wiederum als Teil ihres »reputational capitals« kombinieren, verschieben und managen müssen. Dabei sehen manche Theoretiker im Management des »reputational capitals« schon die Hauptressource, welche die fahrenden Akteure unbedingt zu managen und zu kultivieren haben, um in der Hierarchie aufsteigen oder schlichtweg überleben zu können. Am Ende werden Dienstleistende wie Fahrer oder Kuriere schließlich selbst eine Facebook-Hyperpage führen müssen, auf der die verschiedenen Empfehlungen von Freunden, Mentoren, Kreditgebern, Sponsoren, Kunden und Serviceprovidern dokumentiert sind. Diese offenen, durch Algorithmen designten Profil-Portfolios, ermöglichen es erst, die Attraktivität und Vertrauenswürdigkeit einer Person darzustellen, ihren reputationalen Wert zu bestimmen und damit ihre Fähigkeit für eine Arbeit, eine Kreditlinie oder eine Partnerschaft auszuweisen. Offensichtlich müssen die privaten Asset-Manager nun selbst auf ihr eigenes »reputational capital« spekulieren oder sie müssen den Spekulationen anderer folgen, aber sie werden dazu auch bis in ihre geheimsten Wünsch verführt oder angeleitet, indem sie komplexen und doch schwer nachvollziehbaren Verhaltensmodifikationsmaschinen unterworfen sind, das heißt in der Black Box operierenden Algorithmen oder automatisierten Protokollen, die nicht nur das Arbeitsverhalten, sondern selbst noch die Ausbreitung von Emotionen über die Plattformen zu lenken versuchen. (zuboff)

Wenn es schließlich dazu kommt, dass die Zeit der Arbeit und die Zeit der Nichtarbeit durch keine exakte Grenze mehr getrennt sind, dann besteht auch zwischen Beschäftigung und Nichtbeschäftigung kein wesentlicher Unterschied mehr. Deswegen kann Paolo Virno in aller Überspitztheit schreiben: »Die Arbeitslosigkeit ist unbezahlte Arbeit; die Arbeit ist dann ihrerseits bezahlte Arbeitslosigkeit. Mit gutem Grund lässt sich also genauso gut behaupten, dass man nie zu arbeiten aufhört, wie man sagen kann, dass immer weniger gearbeitet wird.« Paolo Virno weist damit auf den Sachverhalt hin, dass der Kunde der »Modernen Dienstleistung am Arbeitsmarkt« längst schon dem von Günther Anders als »Automationsdiener« titulierten Subjekt oder dem von Baudrillard beschriebenen »Arbeitsmannequin« entspricht, das die nicht vorhandene Arbeit simuliert, als ob sie vorhanden wäre, oder trotz der zu viel vorhandenen Arbeit handelt, als ob diese gar nicht vorhanden wäre. Eine weit verbreitete Form der Beschäftigung, die ganz in maschinelle Komplexe integriert ist, ist heute die des Beschäftigungsmannequins, das in bestimmten Zyklen die Tätigkeit des Wartens oder Tastendrucks ausführt, der in Abhängigkeit von einer anderswo programmierten Abfolge eines maschinellen Feedback-Systems erfolgt. So besteht die Wendigkeit, Cleverness und Schnelligkeit des heutigen Dividuums, ein Prozak und Ritalin-Mutant, vielfach im niederschmetternden Warten, im Warten darauf, den roten Knopf drücken zu dürfen, während die Entscheidung anderswo längst schon abläuft oder gefallen ist, nämlich in den rekursiven Schleifen des maschinellen Systems selbst Wenn es kein Außen zur Beschäftigung gibt, zum Unternehmen, dann gibt es nicht etwas wie Arbeit und Vergnügen, Müdigkeit und Erholung. Die Beschäftigung wird personell, und das Personelle ist schon der Job. .In diesem Sinn hat die Unterdrückung eines begrenzten Arbeitsraumes, gekoppelt mit der Entwicklung neuere Technologien, definitiv die Art und Weise verändert, wie wir Bezüge zu unserem Körper und dem der anderen herstellen. Die Einfügung der Arbeit in die personelle Sphäre konstituiert nicht nur eine Modifikation der ökonomischen Logik, oder eine Transformation der Ordnung des Symbolischen, sondern eine affektive Transformation des Körpers.

Diese Art von abgrundtiefer Trostlosigkeit (der Beschäftigung) bedarf seltsamerweise einer ganzen Reihe von Bedingungen hinsichtlich der Entlohnung und Kontrolle, sei es die individuelle Führung von Zeitkonten, die Protokollierung der Länge von Telefonaten, die penible Aufzeichnung von Meeting oder das ausführliche Studium von Compliance-, Sustainability- und Controll-Kompendien, alles in allem Methoden, welche die Hetze am Arbeitsplatz nur noch verstärken. Es gibt die ADHS erzeugenden Tätigkeiten, bei denen die Zeit, in der sich die Büroangestellten mit verschiedenen Aufgaben beschäftigen müssen, notorisch durch die Kommunikation qua Telefon, Fax, E-Mail unterbrochen wird, wobei die Zeiten dieser Unterbrechungen oft länger als die der Aufgabenerledigung sind. Die Unterbrechung, die auf den Rhythmus der Informationsflüsse in den Kommunikationsnetzwerken zurückzuführen ist, suspendiert zum Teil die Zeit der Aufgabenverarbeitung. Mit der Ubiquität der Propaganda der Arbeit kommt es zudem zur Kolonialisierung der Wochenenden, der späten Abende, ja sogar der Träume, bis die Beschäftigten schlussendlich nicht nur einen Job haben oder einen Job performen, sondern der Job selbst sind.

Da die neuen Managementmethoden mit ihrer wuchernden neobuddhistischen Semantik ständig das Wort »Performance« in den Mittelpunkt ihrer Strategien rücken, scheint für die Beschäftigten der Unterschied zwischen Leistung, Casting und purer Angeberei, die durchaus auch eine Maßnahme zur Selbstmodifizierung sein kann, tendenziell aufgehoben. Entscheidend ist nicht mehr allein das Produkt oder die Qualität der Arbeit, sondern die als Supplement zugefügte Performance, bei der man alle möglichen Rollen auskosten darf, vom Ethiker bis zum Bösewicht, die Performance darf nur nicht zu weit gehen und dem Unternehmen schaden, dann handelt man sich nämlich einen Verweis ein. Der Performance muss wiederum ein Profil zugewiesen werden, das die Potenziale aufzeigt, die die (angebliche) Besonderheit eines Beschäftigten ausmachen und die im Betrieb systematisch simuliert und letztendlich sogar gefordert wird. Dieser Pseudo-Unterschied, der einen Unterschied macht, ist in das betriebliche System fest eingeschrieben.

Fremdsingularisierung und Selbstsingularisierung verzahnen sich ineinander wie ein tadellos funktionierender Reißverschluss. (Reckwitz 3441) Gerade diese Spannung, welche die Performanceaktivitäten bis auf Messers Schneide vorantreibt, führt nicht nur zu nicht-linearen Phasen des Karriere-Machens, das durch das Vernetzungspotenzial, Profilsteigerung, Matching und Kompetenzen bis zu einem gewissen Maß beeinflussbar ist, sondern auch zu dem allseits gefürchteten Karrierestress, der von der Angst lebt, dass der eigenen Leistung, die ja wie »Kapital« behandelt werden soll, nicht die supplementäre Performance entsprechen könnte (oder umgekehrt), so dass man sich letzten Endes gezwungen sieht, die eigene Leistung mit der Performance gleichzuschalten was wiederum heißt, dass zur leidigen Erledigung der Aufgaben noch die Darstellung der Aufgaben hinzutritt. Diese generalisierte Performativität, die mit dem Ideal der Kreativarbeit eng verschweißt ist und unaufhörlich Selbsterfindung und gleichzeitig Selbststeigerung propagiert, kreiert bei Erfolg den funktionellen Psychopathen, der das mit ADHS behaftete Subjekt in sich einschließt, und bei Misserfolg entfaltet sich eben das depressive Subjekt. Zudem generiert die Beschleunigung des Informationsaustausches oft genug weitere Pathologien, weil die Beschäftigten in den Büros oft einfach nicht in der Lage sind, die immensen und ständig steigenden Mengen an Informationen, die über die Computer, Smartphones, Screens und elektronischen Tagebücher wie gefräßige Parasiten in die Hirne eindringen, noch zu prozessieren. Man reagiert darauf mit einer weiteren Beschleunigung der Kommunikation, arbeitet so gut es geht zügig an Lösungen und wenn etwas nicht klappt, dann entspannt man am besten, so das Script der Coaches, für ein paar Minuten in den kleinen, pseudo-exotischen und warmherzigen Wohlfühloasen der Büros unter künstlichen Palmen oder läuft eine Runde auf dem Laufband im Fitness-Room des Unternehmens.

Dass die Angestellten noch zusätzlich damit beschäftigt sind, sich die Readymades der neobuddhistisch inspirierten Coachingdiskurse und andere Soft Skills anzutrainieren, um so etwas wie eine Gemeinschaft der sozial kompetenten und zugleich die Eigentätigkeit und Eigenverantwortung einfordernden Akteure gerade im Bürobetrieb herzustellen, wo jenseits der Gängelungen des Fabriksystems Lohnarbeit auch weiterhin das bestimmende Prinzip darstellt, das lässt einen wirklich aufhorchen, denn längst reicht ein höflicher Ton oder ein kurzes taktisches Gespräch, dem jede Tendenz zum »Du« oder zur Überkommunikation zuwider ist, nicht mehr aus, um die Zusammenarbeit im Büro unter Bedingungen, die man sich wahrlich nicht selbst ausgesucht hat, zu erleichtern. Längst benutzen die großen Unternehmen Datensoftware, die das Verhalten der eigenen Angestellten mittels der Durchsuchung des Internet nach deren Datenspuren aufarbeitet und vorhersagt. Daraufhin ordnen die Maschinenlernmodelle gewisser Software-Firmen die Angestellten des Unternehmens einem Risikoindex zu, wobei die auf dieser Basis getroffenen Vorhersagen über das Verhalten der Angestellten mit den tatsächlich stattfindenden Personalfluktuationen im besten Fall identisch sein sollen. So kann das Management des Unternehmens durch den Kauf der Informationen und Vorhersageprodukte über die eigenen Angestellten präventiv eingreifen, wenn es denn eine aktive Personalpolitik betreibt. Aber das ist nur die maschinell-objektive Seite des Spiels, zu dem die subjektive Verfasstheit der Beschäftigten hinzukommen muss.

Das geschickte Surfen auf den Wellen der Beschäftigung verlangt für die Angestellten nach Ausdauer und Geschmeidigkeit im Modus auto-operativer Wendigkeit, um überraschende Optionen im Job sofort wahrzunehmen oder schnelle Entscheidungen auszuführen, um quasi unvermittelt neue Aufgaben zu übernehmen, es verlangt den spielerischen Opportunismus als Handlungsmaxime, mit der man sich stets gegenüber einer Vielzahl von Möglichkeiten offen hält, um die beste, die sich gerade anbietet, zu ergreifen, oder, um eine Option, ohne zu zögern, zugunsten einer besseren Gelegenheit fallenzulassen; so gebietet diese Art des perfromativen Surfens die Ausformulierung eines zynischen Interesses, mit dem oft genug dieselben Aussonderungen, die andere vornehmen, als bedauernswerte, aber doch unvermeidliche Deformationen diffamiert werden. Dieser Form der Beschäftigung korrespondiert eine volatile Subjektivität, die bis an die Grenzen der insbesondere digitalen Mobilität ausgedehnt wird, um noch jeden affektiven und monetären Surplus einfahren zu können. Bernhard Stiegler kritisiert in diesem Kontext äußerst scharf eine heute vorherrschende Mentalität (des funktionellen Psychopathen), die er mit »I-don’t-give-a-fuckism« umschreibt, eine generelle Attitude der organisierten Verantwortungslosigkeit. Und je intensiver die Mitarbeiter eines Unternehmens sich aufgrund eines zeitweiligen, aber zugleich uneingeschränkten Einverständnisses den betrieblichen Regeln, Programmen und Dispositiven aussetzen und sich derer zugleich bedienen – inklusive der kybernetischen Feedback-Mechanismen, die kein dummer Gesinnungsstaat mit seinen Organen und Apparaturen der Überwachung und Kontrolle je erfinden könnte, weil eigentlich kein aktueller Bedarf nach ultraharter Ausforschung, Bespitzelung und Inhaftnahme von Agenten der Unzufriedenheit besteht (und diese Überwachung doch präventiv stattfindet) –, desto stärker schillert erst die Variationsbreite der individuellen Optionen und der Performance im betrieblichen Feld auf. So bleiben heutzutage die Büroangestellten dem halbherzigen und doch pflichtbewussten Sich-Einbringen in den Büroalltag gerade aufgrund ihres quälenden Opportunismus, der noch den geringsten Vorteil auszunutzen versucht, jederzeit verpflichtet, ohne dass da unbedingt eine knallharte Arbeitsanweisung bestehen muss, und dies geschieht im Rahmen einer operativen Steuerung und Optimierung der eigenen Person, was wiederum im besten Falle die 100%ige Identifikation mit den Unternehmenszielen voraussetzt oder verlangt. Hierin übernimmt die doch eher raunende Gemeinschaft der Betriebsangehörigen das Geschäft einer therapeutischen, sekundären Kontrolle, welche die primäre, durch die kapitalistische Ökonomie inszenierte Kontrolle des Lohnarbeiters und des Prekären flankiert und vervollständigt.

Es ist ja nicht so, dass die Mitarbeiter in den Büros unmittelbar sichtbar dem terrorisierenden Kommando einer Zentrale unterliegen, stattdessen sind sie in flexible technologische Kontrollsysteme und horizontale Gruppen-Dispositive eingelassen, die sowohl ihre eigene Effektivität, ihren Status, ihre beruflichen und emotionalen Kompetenzen und operativen Aufgaben als auch die der anderen Mitarbeiter zum Teil auch auf den Bildschirmen jederzeit abrufbar halten. »Online« zu sein kondensiert die hegemoniale Arbeits- und Lebensform, ständig mobile und mobilisierbare Verfügbarkeit im Kontext einer flexiblen Normalisierung ist die Arbeit selbst, die sich die Beschäftigten zusätzlich mit dem Konsum von Erlebniswelten, Wellness- und Fitnessprogrammen antrainieren, bis sie die Beschäftigung im Zuge einer permanenter Rekursion mit den Maschinen quasi reibungslos inkorporieren. Mittels Mikrotechnologien, Laptops und Smartphones, die man meist sitzend bedient, werden die Mitarbeiter einer modularen Logik folgend ständig in diejenigen Informationsströme eingebaut, die in den Netzwerken der Unternehmen zirkulieren. Unaufhörlich mobilisierbar und potenziell rund um die Uhr abrufbar bleiben die Angestellten mental angeregt, um während der Arbeitszeit aufgeregt in Real-Time auf die Fluktuationen der Informationsflüsse zu reagieren, die ständig über ihre Bildschirme flimmern. Im Rahmen der technowissenschaftlichen und psychologistischen Dispositive, Programmierungen und Konstruktionsprinzipien gibt es heute kaum noch einen Arbeitsplatz, der nicht permanent auf Evaluierung gestellt und zugleich nicht auf das kreative Potenzial und die Performancefähigkeit von Dividuen und Projektgruppen hinterfragt würde, um dann abermals evaluiert, das heißt auf neue Performance-Potenziale hin untersucht zu werden, aber dies eben weniger aufgrund des totalitären Drucks eines Leaders, sondern die Evaluation bleibt meistens eingebunden in das Team; und kein Team, das nicht nach Aussprachen, Ansprachen und Absprachen qua anglizierter Sprachspiele verlangt, von denen Wittgenstein nicht im Schlaf geträumt hätte. Mitten im Team schwirrt dann aber doch der Leader, der beispielsweise geradezu enthusiastisch in einer Art Aktionskunst eine Power-Point-Präsentation kommentiert, damit sich alle ein Bild vom Unternehmen, vom Produkt oder dem Projekt machen können. Selbstverständlich trägt der Leader keine Krawatte und auf dem lässigen, offenen, weißen Freizeithemd glänzt auf Herzhöhe das Logo der Firma, das grau gefärbte Haar mit weißen Strähnen und das kleine Schlangen-Tattoo im Nacken verraten aber auch ein ganz klein wenig Individualismus, der aber, wenn es darauf ankommt, ganz in den Dienst des Teamgeistes gestellt wird. Wie im Fußball will man angeblich nur dem Team helfen. Diese Situation perpetuiert sich noch bis in die Haarspitzen des Unternehmens, wenn zeitgenössische Chefs sich betont locker geben, den Mitarbeitern das Du geradezu aufdrängen und notorisch behaupten, ihre Betriebe würde eine wunderbar flache Hierarchie und eine fast schon kosmologische zu deutende Wellness-Atmosphäre durchziehen, während die Chefs im gleichen Atemzug ihre Mitarbeiter mobben, aus reiner Schikane oft von den Informationsflüssen abschneiden, sie mit krankmachender Arbeit überhäufen oder sie durch die diversen Abteilungen jagen. Statt wie früher strategisch vorzugehen, besteht die Aufgabe der Manager heute darin, die Fehleranfälligkeit und Langsamkeit menschlicher Entscheidungen im Vergleich zur algorithmisch ablaufenden Prozessen zu verringern, nur um die algorithmische Technokratie am Laufen zu halten. Die Manager sind dabei selbst völlig deskilled, um als skrupellose Vollstreckungsorgane der Unternehmen und als soziale Polizei in der Organisation selbst tätig zu werden. Sie geben keinerlei Richtungen vor und haben auch keine Erklärung für die Richtung, die das Unternehmen gerade einschlägt, sind dabei höchst flexibel, offensiv und defensiv zugleich, mobbend, aufheiternd und verletzend, fokussiert und scheinbar unsicher, das heißt clever, und letztlich sind sie darauf beschränkt, den Imperativen des Shareholder-Value-Systems wiederzugeben und den Vorgaben minutiös zu folgen, die Mitarbeiter anzuspornen, ihnen aber auch mal schön die Meinung zu geigen, alles natürlich nur im Rahmen der kreativen Teamarbeit und zum Wohl des Teams versteht sich. Wer gut im Fertigmachen von Schlappschwänzen ist, der hat heute Zukunft.

Die Performance der Beschäftigten und deren Valorisierung zielt ganz und gar nicht, wie Reckwitz etwa annimmt, auf die Entwertung des Durchschnittlichen, sondern der Durchschnitt richtet sich nun nach seinen eigenen Amplituden aus, die durch das Team, den Leader und das jeweilige Projekt, an dem man gerade arbeitet, konfiguriert werden. Indem die Leader vor allem verstärkende Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen versuchen sowie die Begeisterung für neue Aufgaben, für eine weichgespülte Toleranz und taktische Freundschaft, für Opportunismus und Schlagfertigkeit, die Fähigkeit, sich im und vor dem Team zu präsentieren, kann man das Ganze als Potenz verkaufen. Der projektorientierte Beschäftigte, der sein Ego im Fundamental-Casting herrlich auf der Bühne des Büros präsentieren kann, auch wenn sich die obsessive Suche nach dem Ego als die Suche nach einem Gespenst entpuppt, vielleicht noch nach einem virtuellen Ich, das dem anpassungsfähigen Subjekt seltsamerweise deckungsgleich ist, kann der Narration des Casting nur folgen, wenn Coaching und Casting sich gegenseitig bedingen.

Das Ethos, das sich aus Opportunismus, Kreativität und sozialem Engagement zusammensetzt und sich heideggerianisch als Gerede oder systemdeutsch als Singularitätsspiel oder Kommunikation artikuliert, ein Ethos, über das jedes Bewerbungsevent heute hinlänglich Auskunft gibt, wird beständig neu verhandelt bzw. austariert, ohne dass ein Coach, der in seiner Funktion als Unternehmensberater eher einem postmodernen Wanderprediger gleicht, es ständig ausdrücklich zu empfehlen hätte. Dennoch bleibt der Coach in seiner besonderen Art des Clowns eine nicht unwichtige Figur, neben dem manchmal sogar der Manager als der Remixer oder DJ der postindustriellen Produktion verblasst. Seeßlen 97 Im Rahmen der geforderten und bereitwillig auch vollzogenen und vor allem sehr operativ-gesprächigen, kreationswütigen und performancegeschwängerten Zwangsharmonisierung wird mit Hilfe eines Pseudo-Sadismus, das heißt insgeheim gegenseitiger Verachtung sowie dem paradoxen Interesse an aktiver Passivität, ein Kampf aller gegen alle geführt, der die Intensivierung des Ressentiments sowie des Erlebens, das ja im Gerede keinerlei Referenz mehr kennt, im Prozess eines öffentlichen Absonderns von Meinung zur Folge hat. Dabei werden im Büro alle Stufen des geselligen Austauschs ausprobiert, vom gemeinschaftsfördernden und zugleich den Leistungswillen des Einzelnen herauskitzelnden Spiel, den berüchtigten flachen Hierarchien und der Vermischung von Arbeit und Freizeit, über die Förderung der Konkurrenz, dem Abwatschen der Versager und der Überwachung von jedem durch Jeden bis hin zum gemeinsamen Konsum leistungssteigender Drogen, Amphetamine und Vitamine. Aber am Ende ist sich jeder selbst der Nächste. »Clever ist«, schreibt Wolfgang Pohrt, »wer es versteht, sie (die anderen) für sich einzunehmen oder sie hereinzulegen. Wer es nicht versteht, ist der Dumme.«

Der absolute Automat verschiebt die Arbeitswelt von der Manpower hin zur Brainpower. Wie es am Anfang der Industrialisierung zu einer Verkopplung von Hand und Maschine kam, so werden heute das Gehirn und die Maschine in einer neuen Ökonomie verkoppelt, die Stiegler “Iconomy” nennt. Diese Transformation involviert eine transduktive Relation, wobei die Produktion nicht länger auf der Arbeitszeit, sondern auf der Maschinenzeit basiert. Schon mit der Verkopplung von Hand und Maschine ist es die letztere, die wirklich arbeitet, und sie tut das blind und automatisch, womit man diesen Prozess kaum noch als Arbeit beschreiben kann, insofern diese immer auch eine Öffnung enthält, während die serielle und automatisierte Produktion immer abgeschlossen ist. Insofern sind die Produkte dann ready-made Waren.

Es geht heute um die Frage, ob die (angebliche) Eskalation der Produktivität, die mit der automatisierten Produktion erreicht wird, in freier Zeit oder in befreiter Arbeit münden soll.4 Wenn die Automation die Zeit generell befreit, wie vermeiden wir es dann, dass diese befreite und damit verfügbare Zeit eine verfügbare Gehirn-Zeit wird, eine Zeit, die nicht mehr an die Television, sondern an Google, Amazon und Facebook angebunden ist. Die Netzwerke der sozialen Medien erschaffen eine Realität, die real ist, aber als eine Technologie der Unmittelbarkeit kann man keine Befriedigung bekommen, obwohl wir sie gerade lieben wegen ihrer Trennung von der Jetzt-Zeit. Sie sind soziale Drogen für diejenigen, die das Humane wollen, das irgendwo in Zeit und Raum lokalisiert ist. Es ist der Pseudo-Andere, mit dem die User sich connecten, nicht der radikal Andere oder der Fremde oder gar reale Andere. Wir arbeiten uns an der Schwäche und Vagheit ab, um die Ausstellung des eigenen Selbst voranzutreiben, aber egal wie stylish, aggressiv, verzweifelt oder diplomatisch die Promotion des Selbst auf den dominanten Medien-Plattformen ist, sie bleibt Teil der Logik der Medien: Die Message ist die Leere.

Befreite Zeit muss befreite Arbeit sein, wobei dabei von der Energie und ihrem Potenzial nicht abstrahiert werden darf, Hand, Gehirn und Energie müssen verbunden werden. Heute sieht es ganz anders aus. Maurizio Lazzarato schreibt: »Um wachsende Einnahmen der Finanzinvestoren zu gewährleisten, muss die Verfügbarkeit für prekarisierte und mangelhafte Beschäftigung wie auch für schlecht entschädigte Arbeitslosigkeit, für Austerität wie auch für »Reformen«, total sein. Arbeit zu verweigern heißt heute, diese Verfügbarkeit zu verneinen, welche die Finanzialisierung gerne hätte, und zwar ohne Limits und Gegenleistung. Die Verweigerung der Arbeit unter den Bedingungen gegenwärtiger Ausbeutung zu praktizieren bedeutet, neue Modalitäten des Kampfes und der Organisation zu erfinden, um nicht nur die ererbten Rechte der historischen Kämpfe gegen die Lohnarbeit zu erhalten, sondern um auch und vor allem neue Rechte durchzusetzen, die an die neuen Modalitäten der Ausbeutung von Zeit angepasst sind, Formen der Solidarität zu konstruieren, die in der Lage sind, die Enteignung von Wissen und Savoir-faire zu verhindern, sowie zu vermeiden, dass die Modalitäten der Produktion von den Erfordernissen finanzieller Valorisierung diktiert werden, der sich weder Kunst noch Kulturindustrien entziehen können.« Es muss außerhalb des unerträglichen Systems der Beschäftigung wieder nach Tätigkeiten im Marx`schen Sinne gesucht werden, die nachhaltigen Reichtum schaffen und die Lohnarbeit zugunsten des Wissens, das heute ganz in Maschinen materialisiert ist, abschaffen, aber eines transformierten Wissens, insofern die Zeit gerade durch die Arbeit der De-Automatisierung befreit wird, um eine freie Zeit der Transindividuation zu erreichen, und zwar im Sinne des otiums oder der sholhe, einer Muße, neuen Techniken des Selbst und der Anderen, und das heißt, für sich selbst und durch den Anderen zu arbeiten. Dazu bedarf es einer organologischen Revolution, der Erfindung neuer Instrumente des Wissens und der Publikation, eine epistemische und epistemologische Revolution, und dies kann dann eben nicht auf die Ausweitung des Dienstleistungssektors oder die Kreation neuer Jobs oder auf ein minimales Grundeinkommen reduziert werden, das der Kapitalisierung, dem Markt und dem Geld unterstellt bleibt. Reichtum ist Zeit und Zeit muss auch für Unterbrechungen zur Verfügung stehen, weil sie den Quanten-Sprung für psychische und soziale Individuationen liefert, die wiederum durch Transindividuationen formiert und metastabilisiert werden. Diese Zeit der Unterbrechungen ist wichtig, um eine neue Form der Arbeit zu erfinden, die sich von der Entropie unterscheidet und die Negentropie fördert, eine energeia, eine Passage hin zur Aktion, wobei Energien wie die fossile Energie immer nur eine Bedingung für die neotische Energie sein können, nicht diese selbst.

Spekulative Zeit, Verschuldung und Klassenpolitik

Viele der linken kritischen Soziologen, angefangen bei Richard Sennett bis hin zu Elena Esposito, behaupten übereinstimmend, dass die Zukunft sich immer in einer gewissen Distanz zur Gegenwart befände, sie damit eigentlich gegenüber dem Hier und Jetzt geschützt sei und deshalb in der Gegenwart als ökonomische Ressource nicht an den Märkten gehandelt werden sollte. So zerstöre der spekulativ ökonomische Gebrauch der Zukunft in der Gegenwart, den man gerne auch als De-Futurisierung bezeichnet, die Zukunft als ein offenes Potenzial und als einen Raum für Möglichkeiten. In der Tat hat die Kreditaufnahme etwas von einer Schließung der Zukunft. Schulden sind eine Forderung auf zukünftige Produktion und Leben, und da man in Zukunft also Schulden zu zahlen hat, ist die Zukunft in gewisser Weise abgeschlossen. Ein Student, der 200 000 Euro für ein Studentendarlehen zurückzahlen muss, weiß genau, dass seine Zukunft vorstrukturiert ist. Der konstante Bezug auf die Zukunft bringe zudem eine Gegenwart hervor, die zum einen von jedem narrativen Potenzial abgeschnitten sei und zum anderen auch keine Form von Sicherheit mehr bieten könne. Es gibt allerdings auch Soziologinnen, die widersprechen und behaupten, dass genau die exzessive Orientierung an der Zukunft, wenn sie als getrennt von der Gegenwart gedacht werde, die Gegenwart nicht zerstöre, sondern vielmehr eine nicht enden wollende Gegenwart und einen Verlust von Zeithorizonten erzeuge.

Lisa Adkins zieht in ihrem Buch Time of Money zur Eingrenzung des Problems der Zeit erstaunlicherweise die soziologischen Schriften von Pierre Bourdieu heran, der davon ausgeht, dass die Zukunft nicht durch Möglichkeiten charakterisiert wird, die eintreten mögen oder auch nicht und sich zudem durch eine Distanz zur Gegenwart auszeichnet, sondern dass vielmehr die Zukunft im Hier und Jetzt immer schon präsent ist, obgleich dies so nicht erfahren wird. Adkins verweist zur Illustration dieser These auf das Fußballspiel, bei dem eine kommende Spielsituation nicht einfach nur möglich ist, sondern in der Konfiguration des Spiels im Jetzt gewissermaßen schon anwesend ist.

Die Einschreibung der Zukunft in die unmittelbare Präsenz ist aber nicht einfach durch die aktuelle Praxis gegeben, sondern wird für Bourdieu in der Beziehung zwischen Habitus und Welt konstituiert. Die sozialen Felder sind in ihrer Logik nur dann erkennbar und dauerhaft, wenn es Agenten gibt, die mit ihren prä-reflexiven Dispositionen und Habiti in ihnen operieren. Diese Dispositionen beinhalten Routinen und Gewohnheiten, die die Gegenwart aufrechterhalten, aber auch praktische Antizipationen der Zukunft vornehmen, womit diese schon als objektives Potenzial oder als Spur in das unmittelbar Gegebene eingeschrieben sind. So zeigt auch schon das gegenwärtige ökonomische Feld eine kalkulierbare Zukunft an, weil die Agenten in ihm mit ihren Routinen agieren und diese eben auch eine Basis für praktische Antizipationen bilden. Für Bourdieu impliziert diese Erkenntnis aber keinen positiven Bezug auf das rationale Kalkül des Risikomanagements der Neoklassik, weil die praktischen Antizipationen der Zukunft eher unbewusste und zugleich kollektive Habiti und Strukturen voraussetzen, die den rationalen Agenten immer wieder out of line stürzen können. Für Bourdieu ist die Praxis nicht etwas, was in der Zeit stattfindet, sondern sie (wie eben auch die Ereignisse) erzeugt Zeit, i. e. Praxis ist Temporalisierung.

Im industriellen Kapitalismus - und hier ist laut Adkins nicht Bourdieu, sondern Thompson heranzuziehen - war die abstrakte Arbeitszeit die Einheit, auf die sich der Tausch stützte, und deshalb galt: Zeit ist Geld. Die Profitraten waren auf die Geschwindigkeiten innerhalb der Produktionsprozesse bezogen und ökonomische Ereignisse (abstrakte Arbeitszeit) wurden in den Einheiten der Uhrzeit gemessen, das heißt in quantitativen, homogenen und umkehrbaren Einheiten der Zeit, deren äußeres Maß das Geld war. Als Zeitform verläuft die Uhrzeit exogen zu den Praktiken und Ereignissen, sie ist eine externe Messung von ökonomischen Ereignissen, die als Produktionsraten, Profitraten, Arbeitszeiten etc. definiert werden. Die ökonomischen Ereignisse produzierten keine Zeit, sondern fanden in der Zeit statt. An dieser Stelle verfehlt Bourdieu die spezifischen Charakteristika einer exogenen Uhrzeit, allerdings werden seine Aussagen zur Zeit bei der Analyse des heutigen Finanzsystems wieder interessant, insofern die gegenwärtigen finanziellen Praktiken auf die Diffusion des hegemonialen Status der Uhrzeit als eine Form der Zeit verweisen, mit der Ereignisse in einem Fluss fortlaufen, in dem der lineare Verlauf von der Vergangenheit über die Gegenwart hin zur Zukunft fließt. Diese Diffusion betrifft auch die Frage des Kredits.

Die Expansion der ökonomischen Kapazitäten von Unternehmen, Haushalten und Staaten, mit denen all diese heute ihre Kreditschulden zu schultern vermögen, bedarf des Ausbaus einer Reihe von institutionellen Arrangements. Insbesondere die sozialdemokratischen Regierungen unterstützten in den 1990er Jahren unter dem Label »Kreativität und Eigenverantwortlichkeit« die Transformation von weiten Teilen der Bevölkerung in Schuldner, denen über das Kreditkartensystem und den leichteren Zugang zu Krediten die Möglichkeit gegeben wurde, sich in das Finanzsystem zu integrieren, um Surplus für das finanzielle Kapital zu erzeugen, womit nicht nur das Potenzial zu weiterer Beschäftigung, sondern auch die eigene Solvenz ständig berücksichtigt werden musste, wollte man ein einigermaßen »normales« Leben leben. Egal, ob es sich um einen kurzfristigen Job, einen Hypothekenkredit oder um die Teilnahme an irgendeiner Start-up-Initiative handelte, es ging um die Kreation eines neuen »Investees«, der rund um die Uhr damit beschäftigt ist, seine Vertrauens- und Kreditwürdigkeit für Investoren und Unternehmen herzustellen, das heißt, der ständig auf der Suche nach neuen Projekten ist. Von daher unterscheidet er sich vom typischen Lohnarbeiter im Fordismus, der von langfristigen Arbeitsverträgen und staatlichen Sozialleistungen lebte, aber er unterscheidet sich auch vom selbstverantwortlichen Unternehmer des kleinen Kapitals x. Wenn die Investees für die Steigerung ihrer finanziellen Attraktivität an den Märkten selbst verantwortlich sind und dabei ständig auf ihre Beschäftigungskapazität und Solvenz getestet werden, dann müssen die Regierungen darum bemüht sein, in die Ausbildung und Weiterbildung ihrer Bürger zu investieren, sodass diese zumindest die Rückzahlungen ihrer Kredite leisten können, darüber hinaus sollten sie auch noch für zukünftige Zahlungsmodalitäten trainiert werden. Gleichzeitig müssen Arbeitslosenversicherungen dahingehend transformiert werden, dass die Empfänger von Sozialleistungen permanent in »return-to-work« Programme getrieben und für die Aufnahme von Krediten fit gemacht werden. Um ein staatliches Territorium für finanzielle Investoren attraktiv zu halten, so tönten die sozialdemokratischen Regierungen in den 2000er Jahren, bedürfe es nicht nur der Reduzierung der Kapital- und Unternehmenssteuern, der Deregulierung der Arbeitsmärkte und der Sicherstellung der intellektuellen Eigentumsrechte, sondern es gelte ständig auch den finanziellen Wert (das Kreditierungspotenzial) der eigenen Bevölkerung einzuschätzen. Dies alles gilt es für Territorien zu leisten, die politische Gebiete sind und sich seit den römischen Rechtsgrundsätzen aus terra und terror zusammensetzen.

Nach der Finanzkrise von 2008 wurden die Infrastrukturen des Finanzsystems weiter ausgebaut. Das Floaten der Zinsraten und des US-Dollars hatte längst die Beziehung zwischen Zeit und Geld, präziser zwischen der Zeit und den Profitaussichten auf Staatsanleihen erneuert. Die Zeit wird nun selbst Teil der neuen Finanzinstrumente und ihren Operationen und ist damit ein Ereignis in sich selbst. Und die digitalisierte Kalkulation bietet heute zudem die Möglichkeit, die Relationen zwischen zukünftigen Zeitpunkten in der Zeit zu kalkulieren. Sie generiert neue Profitmöglichkeiten hinsichtlich der Kalkulation zeitlicher Beziehungen und erhöht damit die Profitabilität der finanziellen Sicherheiten und anderer Finanzinstrumente.

Damit ist auch eine Transformation in der Materialität der verschiedenen Assets und Derivate angezeigt. Insofern diese als diskrete ökonomische Objekte in der Zeit miteinander verbunden und durch die Zeit gemessen und damit neue Profitpotenziale geschaffen werden können, lassen sie sich als ein Kontinuum der Momente verstehen. Das Floaten der Preise und die Volatilität der Assets erfordert den Handel mit temporalisierten Sicherheiten, die sich nicht in der Zeit bewegen, sondern selbst temporale Formen sind und gerade deshalb kapitalisiert werden können. Die Zeit wird nun selbst zum »Objekt« der Innovation und der Imagination und dieser Sachverhalt verdichtet sich in der Feststellung: Geld ist Zeit. Es geht hier für nicht nur um die Kapitalisierung der Zukunft, sondern auch um die Transformation der Zeit selbst. An den Derivatmärkten mutieren die finanziellen Objekte selbst zu Formen der Zeit, wobei die Zeit dieser Objekte durch die Techniken und Praktiken der Finanzmärkte konstituiert wird, Praktiken, welche die Zeit der Derivate für innovative Strategien, die der Kreation von Profiten dienen, öffnen. Somit haben Derivate ihre eigenen zeitlichen Profile, Gegenwarten und Zukünfte, die offen für ständige Rekalibrierung sind. Um es kurz zu sagen, Derivate und Sicherheiten sind selbst als Formen der Zeit zu verstehen. Und Derivate zeigen auch an, dass die lineare Zeit, bei der auf die Vergangenheit die Gegenwart, und auf diese die Zukunft folgt, an Bedeutung verliert, vielmehr ereignet sich die Zukunft, wenn auf sie mittels Derivaten spekuliert wird, in gewisser Weise sogar vor der Gegenwart.

Eine aufschlussreiche Manifestation des operationalisierten spekulativen Zeitkomplexes sind also die Derivate. Sie sind zentral für die finanzielle Spekulation, und sie sind spekulativ in dem Sinne, dass sie den unbekannten künftigen Preis einer Kapitalanlage und die damit verbundenen Risiken nutzen, um Gewinne im Verhältnis zum gegenwärtigen Preis zu erzielen. Wie Elena Esposito anhand der Derivate aufzeigt, werden die Ungewissheiten der Zukunft dazu benutzt, um Preise in der Gegenwart zu bilden, und so wird die übliche Zeitstruktur von Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft außer Kraft gesetzt. Der Derivatehandel ist ein klares Beispiel dafür, dass Profite nicht nur auf der Grundlage der Produktion und der Ausbeutung der Arbeitskraft mittels Maschinen, welche einer Geschichte der Investition folgen, produziert werden. Diese Methoden gehören zu den traditionellen industriellen Akkumulationsmodellen, in denen eine Fabrik gebaut, Arbeiter eingestellt und bezahlt werden, Maschinen gekauft und Rohstoffe zu einem bestimmten Preis verarbeitet werden, ein Produkt hergestellt wird und dann zu einem Preis, der höher als die Kosten ist, verkauft und somit ein Profit erwirtschaftet wird. All dies bedeutet, dass Profite durch die Produktion zustande kommen, die in der Vergangenheit stattgefunden hat und deren Produkte dann auf dem Markt verkauft werden. Der Tausch des Produkts stellt den Abschluss einer Produktionskette dar, die schon geschehen sein muss. Beim Derivatmodell wird dagegen ein Preis in der Zukunft, die erst noch stattfinden muss, antizipiert, und diese zukünftige Eventualität, die unbekannt ist, wird operationalisiert, um Profite in der Gegenwart zu erzielen – auf der Grundlage, das sei wiederholt, einer Zukunft, die unbekannt und noch keine Wirklichkeit ist. Derivate sind eine Art von future-mining, ein Vorgriff auf die Zukunft aus der Gegenwart, und diese Ausbeutung der Zukunft verändert wiederum die Gegenwart, die nun nicht mehr diejenige ist, von der man ausgegangen ist. Die Konstruktion einer spekulativ konstruierten Gegenwart macht die Gegenwart sozusagen aktiv zu einer Vergangenheit. Dies muss nicht unbedingt präemptiv in dem Sinne sein, dass man etwas eliminiert, um dem vorzubeugen, was geschehen könnte, vielmehr werden die Operationen der Preisbildung der Derivate selbst modifiziert, insofern die nahe Zukunft als Bedingung der Operation berücksichtigt wird. Die Zukunft verändert damit auch die Gegenwart, noch bevor sie stattgefunden hat. Damit erodiert das lineare Schema der Zeit, während zugleich die Öffnung der Gegenwart auf die Zukunft einer Transformation unterliegt.

In diesem Kontext gilt die Spekulation als ein produktiver, regulierender »Impuls«, der das Problem der Unsicherheit in die Logik der Governance des Risikos einführt. Während der klassische Liberalismus daran interessiert war, die Unsicherheit der Zukunft zu diskontieren, lotet der Neoliberalismus die Grenzen des Kalkulierbaren, des Unkalkulierbaren und des Unvorhersehbaren aus, um nun auch noch diese »chaotischen« Zeitverläufe zu monetarisieren. So interessiert sich der Neoliberalismus wesentlich stärker für die Finanzialisierung/Kapitalisierung als für die Kommodifizierung, beschäftigt sich intensiver mit den Projekten und Aussichten eines Investments als mit dem unmittelbaren Nutzen der Konsumtion; er ist mehr der ungleichgewichtigen Spekulation als der Stasis des Gleichgewichts zugeneigt. Diese Art der Beschäftigung mit der Zeit findet man in der klassisch liberalen Ökonomie und der Neoklassik nicht.

Adkins behandelt schließlich auch die Austeritätspolitik unter Gesichtspunkten, die bisher meistens außer Acht gelassen wurden, nämlich als eine polit-ökonomische Strategie, mit der die Schuldenökonomie ausgedehnt und erweitert wird, und daraus folgend die Produktivität der Bevölkerung zur Generierung von Mehrwert inmitten der Bewegungen und Ströme des Geldes gesteigert werden kann. Im Konkreten bedeutet dies auch eine Senkung der Staatsausgaben, die zu Lasten der einkommensschwachen Bevölkerungsteile und derjenigen führt, die keinen Zugang zu finanziellen Assets haben und sich auch deswegen verschulden müssen. Die Austeritätspolitik inkludiert also eine klassenspezifische Put-Option, welche inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung gerade auch in den kapitalistischen Kernländern auszuüben hat. Diese Politik bevorzugt nicht einfach nur die Reichen und die Finanzeliten, sondern im speziellen diejenigen, die im großen Stil Zugang zu den Finanzmärkten und den Assets haben oder über letztere als Eigentum verfügen, seien es Hypothekenverträge, Kredite und Derivate.

Um dies zu verstehen, kommt Adkins auf die Genealogie der Expansion des Finanzsystems seit den 1970er Jahren zurück, das a) die finanziellen Institutionen und deren Instrumente explodieren ließ, b) nicht beschäftigungsintensiv war, und c) in steigendem Maß und in nachhaltigen Dosen in das alltägliche Leben der Bevölkerungen integriert wurde. Nicht nur die Banken, Hedgefonds und finanziellen Eliten operieren nun in den finanziellen Feldern, um spekulative Gewinne mit dem Handel von Assets zu erzielen, sondern zunehmend sind die Mittelklasse und selbst die einkommensschwachen Schichten zu Zwecken des reinen Überlebens in ihrem Alltag gezwungen, sich in die finanziellen Felder zu integrieren. Somit müssen sie das Alltagsleben als einen Raum für finanzielle Investments gestalten und konfigurieren, womit die spekulative Rationalität nach und nach in das finanzielle Alltagsleben einwandert.

Und damit wird auch das Geld als Zirkulationsmittel und Wertmaß transformiert, indem es selbst als eine spezifische Ware (Kapital als Ware) mit sich selbst vermittelt ist und in dieser spezifischen Bewegung finanziellen Surplus generiert, beispielsweise in der Form der Versicherung von Einkommensströmen, die aus Konsumentenkrediten, Hypotheken und anderen Schulden bestehen (und den Verträgen zwischen Haushalten und den finanziellen Institutionen, die sie versichern) und damit indirekt die Haushalte mit den Operationen an den globalen Finanzmärkten »verlinken«. Wenn das Geld als eine Kapital-Ware fungiert, dann verliert es seine Funktion als Wertmaß bzw. als allgemeines Äquivalent und transformiert zum Wert in sich selbst, der neue Kapazitäten und Attribute besitzt, man denke etwa an die Zuschreibung von Preisen und Zinsraten an Kredite und Anleihen, wobei jene Attribute in eine Vielzahl von Variationen gebündelt und daraufhin gehandelt werden können, wobei die Möglichkeiten zur Bündelung zumindest virtuell endlos sind. So ist der Wert nicht gegeben, bevor er nicht signifiziert ist, und diese Signifikation ist nicht passiv und repräsentativ, sondern sie ist performativ – sie wird getrieben von der Projektion und Aktivierung des Möglichen. Wenn die Kreation von fiktiven Formen eine temporale Dynamik erzeugt, in der es möglich wird, virtuelle Forderungen zu aktualisieren, dann funktioniert die Aussicht auf Aktualisierung als ein immer wieder zurücktretender (virtueller) Horizont, der per se nicht eingeholt werden kann (Lacans object a).

Adkins schreibt, dass Derivate etwas in Bewegung setzen würden und dies auch gerade im Bezug auf Konsumentenkredite und Hypothekenverträge so zu sehen sei. Und selbst noch Einkommensströme, die von anderen Aspekten des alltäglichen Leben herrühren, wie etwa Studentendarlehen, Rechnungen für Mobiltelefone, Rechnungen der Haushalte für Wasser und Elektrizität etc. würden als Inputs in neue Finanzinstrumente eingespeist und somit seien selbst noch ahnungslose Haushalte mit ihren kleinen Einkommen inzwischen über Kettenreaktionen vermittelt vom Handel der Derivate an den globalen Finanzmärkten abhängig. Randy Martin hat dies als die »Finanzialisierung des alltäglichen Lebens« bezeichnet. Dabei werden die verschiedenen Formen alltäglicher Kreditierung zu neuen Finanzinstrumenten wie CDOs (Verbriefung; Bündelung verschiedener Kreditformen) gebündelt, dann auf einige wenige Attribute (Preise) heruntergebrochen, um in vielfältigen Kombinationen an den Finanzmärkten gehandelt zu werden.

Heute, insbesondere in den USA, sind Zinsen, Gebühren auf Hypotheken, Kreditkarten, Studenten-Darlehen etc. eine Komponente des Profits der finanziellen Unternehmen und zählen für deren Anstieg mit verantwortlich. Dabei ist die Kreditvergabe an Haushalte jedoch qualitativ verschieden zu der an industrielle und kommerzielle Unternehmen: Die Haushalte leihen Geld aus der Perspektive des Gebrauchswerts, um ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, wie Wohnen, Erziehung, Gesundheit und Konsumartikel, während die Unternehmen aus der Perspektive der Kapitalzirkulation und der Extraktion von Mehrwert Kredite aufnehmen. Kommt es hier also tatsächlich zu einer doppelten Ausbeutung der Haushalte? Die Zinsen, die die Lohnabhängigen an die Banken zahlen, repräsentieren ein Sinken des Werts der Arbeitskraft. Das Argument gegen die These, dass die finanziellen Unternehmen die Arbeiterklasse finanziell ausbeuten, indem sie einen Teil des Lohns entwenden, kann folgendermaßen expliziert werden: Wenn eine Quelle des finanziellen Profits der Schnitt in die Löhne ist, dann gibt es zwei gegensätzliche Implikationen. Entweder erhalten die Arbeiter ein Nettoeinkommen unter dem Wert der Arbeitskraft, wenn die Zinsen gezahlt werden oder die Abzüge sind Teil des Werts der Arbeitskraft, die benötigt werden, um die sozial notwendigen Güter und Dienstleistungen zu kaufen, wozu es eben der Kreditaufnahme bedarf. Im ersten Fall würden die Abzüge ein niedrigeren Wert der Arbeitskraft mit der Zeit zur Norm machen, Im anderen Fall, wenn die Arbeiter nicht unter dem Wert der Arbeitskraft bezahlt würden, würden die Kosten der Konsumentenkredite und Hypotheken ein Teil der regulären Löhne sein, welche die Arbeiter bezahlt bekommen. Wir werden sehen, dass es noch eine dritte Möglichkeit gibt.

Die materielle Prekarisierung der Beschäftigung macht es für größere Teile der Bevölkerung notwendig, Kredite aufzunehmen, um beispielsweise Zugang zu Häusern zu erlangen, das Studium fortzusetzen und bestimmten Konsumwünschen nachzukommen oder einfach zu überleben. Und für Kreditaufnahmen muss man Sicherheiten nachweisen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann müssen, um die Solvenz nachzuweisen, zumindest Perspektiven (steigender Marktwert des Hauses) oder Reputation, die darin besteht, dass bspw. durch den Lohn der Kredit zurückbezahlt werden kann, nachgewiesen werden. Die neoliberalen Reformen trugen dazu bei, die Individuen, die vom utilitaristischen Kalkül den eigenen Nutzen bzw. das Einkommen zu maximieren, besessen sind, in finanzialisierte Subjekte zu überführen, die ihre eigene Wertigkeit auf die kontinuierlich zu bewertenden Assets verschieben, um das kleine Kapital x zu maximieren.

Die Verschuldung bestimmter Bevölkerungsteile durch »alltägliche Kredite« steht in einem speziellen Verhältnis zum Lohn, der in seinen verschiedenen Ausformungen zunehmend kontingent wird und sich den durch die Gewerkschaften erkämpften Standardisierungen entzieht. So wird also die Lohnarbeit per se unsicher, sporadisch und unvorhersehbar (und damit auch der Wert der Arbeitskraft). Zudem stagnieren die Reallöhne in den letzten dreißig Jahren. Damit können viele Haushalte nur noch durch die Erhöhung der Schulden ihre ökonomische Reproduktion sichern. Unter den Bedingungen provisorischer und zeitlich befristeter Arbeitsverträge, der Austeritätspolitik und stagnierender Löhne müssen die Haushalte niedriger und mittlerer Einkommen ihre Schulden heute einfach erhöhen, womit sie durch die Zahlung von Zinsen zur Expansion und Multiplikation der Extraktion eines Surplus, der durch Geld und Finance generiert wird, beitragen. Im Januar 2019 kommt es laut einer repräsentativen Umfrage des Kreditvergleichsportals Smava bei 18 Millionen Deutschen zu finanziellen Schwierigkeiten und deswegen zur Aufnahme von Dispokrediten, deren durchschnittliche Zinsen laut Bundesbank bei 8,29 Prozent liegen.

Die Verstärkung der Kritik an der selektiven Macht der finanziellen Investoren gegenüber der der ausbeutenden Kapitalisten heißt nicht, dass die Ausbeutung der Arbeitskraft zurückgegangen wäre, im Gegenteil, in Unternehmen, die insbesondere für die Shareholder aufgestellt werden, müssen die Manager weiterhin strengstens darum bemüht sein, die Arbeitskosten zu reduzieren und die Produktivität zu erhöhen. Aber es sind nicht die neuen Formen des Unternehmensmanagements, die zum Großteil für den Transfer der Einkommen von der Arbeit hin zum Kapital verantwortlich zu machen sind, im Gegenteil, für die Stagnation der Reallöhne und den Abbau des Sozialstaats ist die »Rating power« der finanziellen Investoren verantwortlich zu machen. Der Wegfall legaler und administrativer Bestimmungen, welche die Zirkulation des Kapitals über nationale Grenzen hinweg (als auch die der finanziellen Aktivitäten) befreiten und die Kreation neuer Formen der Assets, Derivate, ermöglichten, führte dazu, dass hauptsächlich die Händler der finanziellen Liquidität die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie die ökonomische Attraktivität nationaler Territorien beurteilen und bewerten. Die Akkreditierung als Form der Bewertung des Kapitals ist nun zu bestimmen.

In typisch neoliberaler Manier wird argumentiert, dass man damit die Bürger dazu anhielte, die Disziplin und das Management des eigenen Lebens als das eines Projekts autonom und selbstverantwortlich zu verstärken. Und die Frage der Kreditwürdigkeit betrifft auch Individuen, die sich nicht mehr auf langfristige Jobs und staatlich garantierte Sozialleistungen verlassen können, da die Unternehmen und Staaten, die selbst von der Evaluation der Finanzinvestoren abhängig sind, keine langfristigen Arbeitsverträge und ausreichenden Sozialleistungen mehr anbieten können, sodass die jobsuchenden Individuen sich selbst bewertbar machen müssen, etwa durch gutbezahlte fachbezogene Kompetenzen, Flexibilität und ausreichendes Networking. Ihre Möglichkeit, einen Job zu finden, wird nun stärker durch den Kredit, der dem »Humankapital« zugeordnet wird, als durch kollektive Verträge beeinflusst.

Die Erhöhung der persönlichen Schulden und die daraus erfolgende Abhängigkeit von spezifischen finanziellen Risiken ist aber nur ein Teilaspekt des finanziellen Regimes der Akkumulation, darüber hinaus sind heute die Haushalte immer stärker auch von den Einkommen und Löhnen der Frauen abhängig, egal wie volatil oder prekär nun diese Einkommen sind. Frauen werden zunehmend in den postfordistischen Arbeitsmarkt gedrängt und integriert, sei es als Lohnarbeit im Bereich der sozialen Fürsorge und der Pflegedienste, sei es als prekär bezahlte Tätigkeiten im häuslichen Bereich. Ein neues institutionalisiertes Modell der Erwachsenen-Arbeit hat das alte fordistische Modell der Familie ersetzt, ersteres ist ein Modell, bei dem in der Tendenz alle Erwachsenen an die Beschäftigung gebunden oder zumindest in die konstante Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten integriert werden sollen. So sind gerade Frauen Mehrfachbelastungen ausgesetzt – kurzfristige Beschäftigung oder Lohnarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung – und generieren, wenn die geringen Löhne die Verschuldung notwendig machen, selbst eine kleine Investitionstätigkeit im Bereich des Haushalts und der sozialen Reproduktion. Gerade durch diese Mechanismen wurde die Familie im Postfordismus wieder neu erfunden und zugleich reorganisiert, und zwar in Richtung einer Neuinszenierung der Eigenverantwortlichkeit und der damit einhergehenden Anbindung an das Finanzsystem. Während im Fordismus die heterosexuelle Familie als Ort der Reproduktion insbesondere der männlichen Arbeitskraft sowie der Erzeugung von Konsumnachfrage fungierte (plus den Zuwendungen des Sozialstaates), transformiert im Postfordismus die Familie in eine sich selbst genügende ökonomische Einheit und/oder in einen Bereich des kleinen Investments, wenn sich sich durch private Schulden reproduzieren und mittels eines Set von ökonomischen Verantwortlichkeiten, die stets an die Finanzmärkte gebunden sind, operieren muss. Somit mutiert selbst noch die Familie zu einem kleinen Unternehmen, in dem nun auch die Frauen im Zuge der Redefinition der sozialen Reproduktion den Imperativen der Beschäftigung unterworfen sind. Für den Postfordismus ist die Feminisierung des Überlebens essenziell. Und oft genug fungieren die Löhne der Frauen als eine Art Leveraging und der »Spekulation«, um dann als Familie bei den Banken und anderen Kreditinstitutionen Zugang zu versicherten Kreditformen zu finden, die das alltägliche Leben der Haushalte gewährleisten, und dies gerade auch hinsichtlich der Finanzierung von Leistungen, die bisher vom Staat oder von den Kapitalisten übernommen wurden.

So sind heute die Löhne dermaßen volatil, dass sie als variable Ausgangsbasis für den Zugang zu Krediten und Hypotheken dienen, für die dann regelmäßige Zahlungen und Zinsen zu leisten sind. Die Löhne korrelieren nun mit der Verschuldung der Haushalte, die mit der Kreditaufnahme und in wenigen Fällen mit dem Kauf von Wertpapieren auch ein kleines Kapital x generieren können. Oder, um es anders zu sagen, die Arbeiter und Angestellten müssen selbst – wenn auch in sehr beschränktem Maß - mit ihrem alltäglichen Geld spekulieren, um monetär etwas in Bewegung zu setzen. So sind die Haushalte dann nicht nur von den Löhnen abhängig, sondern auch davon, was diese Löhne als Bedingung der Kreditaufnahme leisten können. Das Finanzsystem treibt damit die Haushalte regelrecht in die neoliberale Risikoproduktion hinein und dies betrifft heute eben auch die Haushalte niedriger und mittlerer Einkommen. Damit werden die Haushalte in spezifisch asymmetrischer Weise abhängig von den Fluktuationen der Preise an den Finanzmärkten. Wohnung, Regeneration, Erziehung und Gesundheit – Bereiche der sozialen Reproduktion, für die der Sozialstaat im Fordismus noch seinen Beitrag geleistet hatte – sind nun finanzialisiert, wobei die Haushalte, indem sie ihre soziale Reproduktion durch Kreditaufnahme sichern, weitere Risiken eingehen müssen. Damit ist eine neue Topologie der Anbindung der Bevölkerung an das finanzielle Risiko in Szene gesetzt. Wenn es an dieser Stelle um Fragen der Gerechtigkeit geht, dann sollte man sich nicht länger nur auf die Umverteilung der Einkommen konzentrieren, sondern eben auch auf die Frage der Verteilung der finanziellen Risiken.

Das Problem der Zeit der vertraglich geregelten Schulden von Haushalten und Personen muss ausführlich analysiert werden, wenn man die Integration der Bevölkerung in die Schuldenökonomie und die Erweiterung der Potenziale der Bevölkerung, ein positives Risikomanagement leisten zu können, verstehen will. Dies bedarf wiederum des Verständnisses der Logik der Spekulation als ein spezifisch historischer Modus der Kapitalakkumulation und der sozialen Organisation. Dabei geht es zum einen um den quantitativen Anstieg der privaten Schulden in den kapitalistischen Kernländern, zum anderen um die zukünftigen Einkommensströme, die aus den vertraglich geregelten Schulden resultieren, sowie um ihre Anbindung an gegenwärtige Akkumulationsstrategien des Kapitals, das heißt an die Produktivität der Schulden bezüglich der Generierung des Surplus via Geld und Finance. Potente Kreditgeber wie die Banken inkorporieren heute ein strukturelles Machtverhältnis, gerade wenn es um ihre Position innerhalb der Verschuldungskreisläufe der Haushalte geht, die wiederum als Kreditnehmer oft keine andere Wahl haben als sich zu verschulden. Wenn Marx die Arbeiter als Lohnsklaven bezeichnet hat, dann muss die Verschuldung als eine asymmetrische Relation verstanden werden, in der die kleinen Schuldner nichts weiter als Schuldensklaven sind.

Gewöhnlich wird die zeitliche Dimension der Verschuldung auf das Versprechen der Kreditnehmer bis zur Tilgung des Kredits Zahlungen (inklusive Zinsen) zu leisten und damit auf die Schließung einer offenen Zukunft für die Kreditnehmer reduziert, die dann keine Möglichkeiten mehr besitzen, bestimmte Potenziale der Zeit zu nutzen. Entgegen die darin angelegte Vorstellung, dass Schulden eine Destruktion der Zeit, die Vernichtung der Möglichkeiten in der Gegenwart und der Zukunft nach sich ziehen, will Adkins darauf hinaus, dass die Schulden heute eher auf ein generatives Moment in der Zeit verweisen. Damit wird die Logik der Rückzahlung der Schulden auf die Logik der möglichen Zahlungen verschoben, und die Bewegung der Zahlungstermine und -fristen, die einer Logik der Wahrscheinlichkeit entspricht, verschiebt sich hin zu einer Logik des Möglichen. Diese Logik bindet das verschuldete Subjekt an eine Zeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich nicht mehr in einer linearen Relation zueinander befinden, vielmehr sind die Zeiten nun offen für jede Art der Mischung und der Revision. Diese Form der Zeit nennt Adkins »spekulative Zeit«, und diese ist an die Logiken des Geldes und der Finance gebunden und im Speziellen an den Prozess der Verbriefung von Krediten (CDO), der für das finanzielle Kapital neue Möglichkeiten der Extraktion von Profiten geschaffen hat, wobei dies eben nun auch mittels der Kapitalisierung der Einkommensströme der Haushalte geschieht. So gesehen inhäriert die Verschuldung der einkommensschwachen Bevölkerung auch eine neue Ordnung der Zeit, in der die Produktivität der Bevölkerung bezüglich der Generierung von Mehrwert – aus den Strömen des alltäglichen Geldes – maximiert werden soll. Diese Reorganisierung des Sozialen bedarf spezifischer Modi und Praktiken, wobei die Architektur der Schulden wiederum bestimmte zeitliche Rhythmen, Sequenzen, Patterns und Sensationen verlangt.

Schulden enthalten also eine temporale Relation, sie werden durch die Zeit mit definiert: Sie erfordern das Versprechen, zu einer Zeit zu zahlen, die noch nicht erreicht ist, nämlich in der Zukunft, und damit erfolgt zugleich auch die Zurückstellung der Gegenwart zugunsten einer vertraglich geregelten Zukunft, die bekannt ist, noch bevor sie eintritt. Bezüglich der Zeit operieren Schulden also mit einer doppelten Bewegung: Das Versprechen zu zahlen, inkludiert Aufschub und Antizipation. Es ist davon auszugehen, dass das ökonomische Überleben der Mehrheit der Bevölkerung in den kapitalistischen Kernländern heute von der Schuldenökonomie abhängig ist. Maurizio Lazzarato hat schon vor einigen Jahren angemerkt, dass zunehmend größere Anteile des Lebens in die Schuldenökonomie hinein gesogen werden, sodass finanzielle Risiken und finanzielle Kosten letztendlich das ganze Leben durchqueren. Gegen Lazzarato wendet Adkins allerdings ein, dass Schulden eine Komplexität besäßen, die nicht auf den Verlust an (offener) Zeit und Aneignung zu reduzieren sei, das heißt auf eine datierte Zeit der Rückzahlungen, die ein punktiertes und gleichförmiges Subjekt einfordere, ein Subjekt, das Sanktionen vermeide, indem es pünktlich Rückzahlungen leiste.

Dies ändert sich nämlich mit der Finanzialisierung der Schulden bzw. der Existenz des Kalküls der verbrieften Schulden (CDOs, die sich aus Konsumentenkrediten und Hypotheken zusammensetzen). Die Securitization/Verbriefung von Krediten besteht darin, verschiedene vertraglich abgesicherte Schulden zu sammeln, zu bündeln und in liquide Assets zu verwandeln, die dann an den Finanzmärkten gehandelt werden können. Dies hat nicht nur zu neuen Möglichkeiten in der Kreation des Surplus für das finanzielle Kapital geführt, sondern auch die Möglichkeiten der Realisierung von Renditen, die in Hypotheken und Konsumentenkrediten verborgen sind, erhöht. Damit werden die »alltäglichen« Kredite in die Kapitalmärkte hineingezogen. Und damit werden auch die Zahlungsfristen und -pläne der Schulden transformiert, die jetzt nicht mehr gleichförmig, regulär und sequentiell, sondern flexibel, variabel und anpassungsfähig sind. Es lassen sich die Schedules für Rückzahlungen dehnen, verlangsamen, beschleunigen, reorganisieren und zurücksetzen. Sowohl die variablen Zahlungsräume zur Rückzahlung als auch die Kalkulation der Kreditvergaben werden nicht mehr auf einen zukünftigen Endpunkt ausgerichtet, an dem die Schulden dann endgültig getilgt sind, sondern sie sind auf den laufenden und den möglichen Service von Schulden, also in Richtung von möglichen, zukünftigen Zahlungen anstatt von Rückzahlungen bezogen. Somit sind Kredite, Hypotheken und andere Schulden der permanenten Adaption ausgesetzt und zudem mit Optionen aufgefüllt, sodass beispielsweise einer Zeit der Zahlungen mit hohen Zinsen eine Befreiung der Zahlungen für eine bestimmte Periode folgen kann.

Auch die Vergabe von langfristigen Krediten ist nicht mehr allein an die Indexierung zukünftiger und wahrscheinlicher Lohnzahlungen gebunden (ausgehend von bekannten Löhnen in der Gegenwart), stattdessen untersucht man die Löhne und Einkommen stärker auf Potenziale und Möglichkeiten hinsichtlich einer generellen zukünftigen Bedienung von Schulden. Anstatt weiterhin von der Kalkulation des Wahrscheinlichen, die der möglichst exakten Projektion von der Gegenwart in die Zukunft dient, auszugehen, bezieht sich das Kalkül der versicherten Schulden auf die Kalkulation möglicher Zukünfte. So wird die Zukunft nicht von einer bekannten Gegenwart aus entfaltet, vielmehr wird die Gegenwart durch kommende Zukünfte saniert, die eintreten können oder auch nicht. Damit werden zugleich Ressourcen von der Zukunft in die Gegenwart transferiert, von Zukünften, die bisher noch nicht eingetreten sind oder nie eintreten werden. Man ersetzt die statistische Kalkulation der Wahrscheinlichkeit durch die algorithmische Anordnung des Möglichen, von der aus neue Praktiken in Gang gesetzt werden sollen. Rouvory und Stiegler haben im Kontext der Analyse einer neuen Form der algorithmischen Governance der post-aktuellen Realität schon früh darauf hingewiesen, dass es heute nicht mehr um die Kalkulation der Wahrscheinlichkeit gehe, sondern darum, im Voraus schon dasjenige zu berücksichtigen, was der Wahrscheinlichkeit entflieht und damit den Exzess des Möglichen erst möglich macht. Auch der Staat bedient sich der neuen Methoden und Techniken, das Mögliche zu modellieren, etwa mittels Software, Risikomanagement, biometrischer Verfahren und des privaten Consultings. Diese Techniken ermöglichen eine neue Form der algorithmischen Governance und der Macht, die ganz auf mögliche Zukünfte ausgerichtet ist und mittels präemptiver Maßnahmen agiert. Man liest nun Spuren, die von möglichen Zukünften hin zur Gegenwart führen.

Die Produktivität der Schulden basiert nicht nur auf der Akkumulation von Profiten, die auf Schulden bzw. Zinsen rekurriert und in fixierten Blöcken der zukünftigen Zeit bezahlt werden, sondern auf der Akkumulation von Profit, die durch den Handel mit Schulden in der Zeit funktioniert, wofür man vertraglich fixierte Einkommensströme, die Gewinne und Verluste der Schuldenaufnahme und die »Wetten« auf diese Gewinne und Verluste benötigt, das heißt bezüglich des letzteren das Herunterbrechen der Kredite auf wenige Attribute und daraufhin das Bündeln, Auspreisen und Handeln dieser Attribute innerhalb der durch das Risiko bewerteten Tranchen. Diese experimentelle Behandlung der Schulden wird nun selbst zur Profitquelle. Profite resultieren für das finanzielle Kapital unter anderem aus dem Handel mit Derivaten, der Restrukturierung von Schulden und der Auktionen mit Krediten, CDOs und CDS.

Die spekulative Zeit ist eine Zeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht in einer prä-determinierten Relation oder Linearität stehen, sondern die in einem Kontinuum von Bewegung, Transformation und Entfaltung prozessiert. Die Zukunft kann hier nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Vergangenheit zugreifen. Die Gegenwart und ihre Relationen zur Vergangenheit und Zukunft können wiederum innerhalb einer Aktion einem ständigen Reset unterworfen werden. Vergangenheit und Gegenwart können in die Zukunft und Zukunft und Gegenwart in die Vergangenheit geschoben werden. Und die Flüsse dieser nicht-chronologischen Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte inklusive ihres Resettings und ihrer Reorganisation, ja sogar ihrer Suspension, können ohne Weiteres einer Vermehrung von Profiten dienen. Die Zeit der versicherten Schulden und Profite insistiert in einer nicht-chronologischen und indeterminierten Bewegung der spekulativen Zeit.

In dieser Zeit und im speziellen im Kontext der ökonomischen Produktivität muss die Akkumulation via Schulden (die wechselnden Schedules der Schulden von Personen und Haushalten, die sich verzögern, beschleunigen und reorganisieren lassen) erfolgen. Der am Kalender orientierten Zeit der Rückzahlung wird nun die kalendarische Zeit der Zahlung hinzugefügt, die das Subjekt an die nicht-determinierte Zeit der Spekulation bindet. In dieser Zeit werden finanzielle Aktivitäten mobilisiert und intensiviert; es ist eine Zeit, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem kontinuierlichen Fluss der Revision befinden. So jammert das finanzialisierte Subjekt jetzt nicht länger über die Leere der Zeit, den Verlust der Zukunft oder der zeitlichen Orientierung, sondern dieses Subjekt ist jederzeit bereit die Rekalibrierungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft freudig in Angriff zu nehmen. Und dieses Subjekt hat nicht zu wenig, sondern gewissermaßen zu viel Zeit übrig, nämlich die des Ereignisses und des nicht-chronologischen Flusses der Zeit.

Die Zeit des versicherten Schulden schreibt in die Gegenwart die spekulative Zeit ein. Dies inkludiert keine Praktik der Temporalisierung, wie Bourdieu noch annimmt, sondern eine Praxis der Spekulation, welche selbst noch die Kapazitäten der Bevölkerung bezüglich möglicher Zahlungen über ganze Lebenswelten hinweg maximieren soll. Denn der Prozess der Securitization inkludiert ein Rewriting des sozialen Lebens der Bevölkerungen, die nun unweigerlich in das Finanzsystem und seine Risikoproduktion integriert werden: Der Kreditwürdigkeit von Teilen der Bevölkerung wird die erweiterte Logik der Zahlung des Möglichen hinzugefügt.

Um es zu rekapitulieren: Adkins macht die Transformationen im Finanzsystem seit den 1970er Jahren an der Entwicklung neuer Finanzinstrumente, der Verbriefung insbesondere von Krediten, der Austeritätspolitik und der Integration der Bevölkerung in die Finanzkreisläufe fest. Daraus zieht sie weitere Schlussfolgerungen: An den Finanzmärkten hat sich nach Bretton Woods das Verhältnis von Zeit und Geld verändert, es wurde eine radikale Temporalisierung der Securitization in Gang gesetzt, deren Profitmöglichkeiten eben auch in der Bewirtschaftung der Zeit liegen. Die Austeritätspolitik führt zum immer weiteren Ausbau der Schuldenökonomie, wodurch die Produktivität der Bevölkerung hinsichtlich der Generierung von Surplus via der Bewegungen und Ströme des Geldes gesteigert werden kann. Selbst die langfristigen Finanzierungsstrategien haben das »alltägliche Geld« in die Finanzkreisläufe integriert. Und die Aufnahme von Krediten wird auch für einkommensschwache Bevölkerungsanteile immer dringender notwendig, um überhaupt noch ökonomisch überleben zu können. Dies führt zu einer Restrukturierung der Klassenrelationen und des Sozialen insgesamt, bis hin zu der Einführung von neuen alltäglichen finanziellen Praktiken, die allesamt durch spekulative Mechanismen infiziert sind. Insbesondere die Reduzierung und Stagnation der Löhne treiben die Haushalte in die Schuldenökonomie hinein, in der sie gezwungen sind, auf ihre reduzierten Einkommen zu spekulieren.

Wenn Arbeiter und Angestellte wegen ihrer zu niedrigen Löhne (um ihre soziale Reproduktion zu sichern) Kredite aufnehmen müssen, dann handeln sie quasi ihre Löhne, um Zugang zu Geld zu bekommen, das etwas in Bewegung setzen kann, das heißt die Löhne beziehen sich auf Eigenschaften des Geldes, die noch nicht vorhanden sind, aber ungenutzte Potenziale frei setzen können. In der Tendenz kann nun selbst noch der Arbeiter ein kleines Investor-Subjekt werden, das vermittelt über Verbriefungen Zugänge zu Assets besitzt (bspw. über Versicherungen). Wie Derivate von den ihnen unterliegenden Basiswerten, so können Löhne bis zu einem gewissen Maß vom Wert der Arbeitskraft abgetrennt werden, um als Basis für Verschuldungsexzesse zu dienen. Um darauf eine Antwort zu geben, müsste eine neue linke spekulative Politik ins Auge gefasst werden, die sich auch um die Rechte und Bedingungen derjenigen Beschäftigten kümmert, die via Kredit Geld in Bewegung setzen müssen.

Wenn sowohl die Lohnarbeit als auch die Reproduktion des Lebens zunehmend prekär werden, dann besteht für viele Arbeiter und Angestellte die Gefahr, in subproletarische Bereiche der Reproduktion abzurutschen. Die tragende Rolle der Lohnarbeit, die in den produktiven industriellen Produktionsprozessen stattfindet, schwindet in den westlichen Kernländern zunehmend. Damit steigt der Anteil derjenigen, die ohne reguläre Lohnzahlungen im Kontext der Prekarisierung der Arbeit auskommen müssen. Für Adkins besitzen selbst ein Großteil der Löhne dieselbe Rationalität wie die neuen Formen der Finanzinstrumente. Die Stagnation und die Reduktion der Reallöhne sind ein kennzeichnender Faktor der Zeit des Postfordismus.

Im finanzialisierten Postfordismus sind die Löhne aber nicht ausschließlich durch ihre Stagnation, sondern auch, und dies eben in engen Grenzen, durch ihre Volatilität und weiterhin durch Unsicherheit gekennzeichnet. Der schleichende Abbau des Sozialstaates verschärft (Gesundheit, Pflege, Bildung, Wohnung etc.) die Krise der sozialen Reproduktion. All diese Faktoren haben im Zusammenspiel mit stagnierenden Reallöhnen die Lücke zwischen den real verfügbaren Einkommen und dem, was zum Leben benötigt wird, erweitert. Für unsichere Löhne sind heute die Nullstunden-Verträge beispielhaft, die keine spezifische Arbeitszeit und Lohnhöhe mehr ausweisen und eine permanente Bereitschaft zur Arbeit einfordern. Man denke des Weiteren an die vielen Formen von Verträgen, die außertariflich sind. Gleichzeitig hat sich der Schuldenservice der Haushalte erhöht: Hypotheken, Kredite und Studentendarlehen haben die Form besicherter Kredite angenommen, die durch spezifische Finanzinstrumente in Derivate(CDOs) transformiert und an den Finanzmärkten gehandelt werden. Damit wird die Produktivität der vertraglich geregelten Schulden für den Prozess der Akkumulation zentral. Zudem dient die Kreation des verschuldeten Konsumenten als »Lösung« für stagnierende Löhne und hat das Lohnarbeitsverhältnis selbst verändert. Dabei kommt es zur kontinuierlichen Messung der Verschuldung und ihr Anstieg wird durch die steigende Einkommen-Schulden-Relationen auch empirisch bestätigt, wobei das Augenmerk stärker auf die steigenden Schulden als auf die Entwicklung der Löhne gelegt wird. Unter den Bedingungen der expandierenden Verschuldung werden die Arbeiter also nicht nur durch das Lohnarbeitsverhältnis ausgebeutet, sondern auch durch ihre Anbindung an die Banken und andere Finanzinstitutionen via Kreditierung an die Surplusproduktion des finanziellen Kapitals gebunden.

Die Umstrukturierung des Steuerstaats hin zum Schuldenstaat hat zwei Konsequenzen: Einerseits sind institutionelle Investoren (Pensionsfonds, Versicherungen und Hedgefonds) immer auch darauf bedacht, in ihren Portfolios sichere Finanzanlagen wie Staatsanleihen zu halten, zum anderen ermöglichen die dadurch in die Staatskassen gespülten Gelder den Regierungen bestimmte staatliche Serviceleistungen aufrechtzuerhalten, obgleich die Bürger schon in den 190er Jahren gewarnt wurden, dass der Sozialstaat so nicht mehr aufrechtzuerhalten sei und transformiert werden müsse. Die Kombination einer wachsenden Kreditierung des Staates bei gleichzeitiger Senkung der Steuern führte in dieser Zeit schon schnell zu wachsenden Defiziten in den Staatshaushalten, was wiederum die Kreditgeber beunruhigte. Den Regierungen blieb damit keine Wahl, einen immer größeren Anteil ihrer Budgets für die Zurückzahlung von Schulden zu verwenden, womit die sozialen Serviceleistungen weiter eingeschränkt werden mussten. Da die wachsenden Defizite auch die Zinsraten auf Staatsanleihen ansteigen ließen, musste ein zusätzlicher Weg gefunden werden, um diesen Prozess zumindest zu verlangsamen. Dieser bestand darin, den privaten Haushalten nahezulegen, den Staaten in der Politik der Verschuldung zu folgen und immer größere Teile der Reproduktionskosten durch die Aufnahme von Krediten zu finanzieren. Die Bürger sollten sich also so weit wie möglich selbst verschulden. Die Bedingungen für die private Kreditaufnahme zu erleichtern, war damit zum einem Mittel geworden, um die Steuern niedrig zu halten, den Lebensstandard der Bürger abzusichern und den Weg in die Verschuldung der privaten Haushalte weiter zu öffnen.

Selbst die Finanzkrise veränderte diese Politik der Staaten nicht wesentlich. Zusätzlich wurde durch ein massives Deficit Spending des Staates das Bankensystem gerettet und die Kosten wurden auf die Bevölkerungen abgeschoben, indem die Austeritätsmaßnahmen verstärkt und gleichzeitig die private Verschuldung nach wie vor gefördert wurde. Während die Emission von Staatsanleihen die sinkenden Steuereinnahmen kompensieren sollte, dienten die Konsumentenkredite dazu, das Wachstum des staatlichen Defizits zu limitieren. Wolfgang Streeck spricht an dieser Stelle von der Transformation des Schuldenstaats in den Konsolidierungsstaat, wobei die Konsolidierung bisher aber kaum gelingt, sodass zukünftige Generationen nicht ohne weiteres von den Systemen der Verschuldung befreit werden können. Die Bailouts der großen Banken hat das noch einmal eindrücklich bestätigt. Nach der Politik des »too big to fail« wird weiterhin intensiv nach privaten Investoren gesucht und dies führt zu drei Tendenzen: Senkung der Kapital- und Unternehmenssteuern, Schleifung der sozialen Programme und öffentlichen Dienstleistungen und eine weitere Flexibilisierung der Arbeitsmärkte.

Aus Steuerzahlen wurden Kreditgeber für systemisch insolvente Gläubiger. Die die Bevölkerung treffenden Austeritätsmaßnahmen machten diese dann endgültig zum lender of last resort. Die Finanzinstitutionen gingen aber gleich in die Offensive und streuten ihre Furcht vor den schlechten Bedingungen der Accounts ihrer Retter in deren Ressorts hinein. Und da dies auch die Staaten betraf, hatten die Regierungen nichts besseres zu tun als, die Ressourcen für soziale Programme und Dienstleistungen dramatisch zu reduzieren. Indem nun die Regierungen die fiskalische Konsolidierung zu ihrer Hauptaufgabe machten, um das Vertrauen an der Finanzmärkte sicherzustellen, verlagerten sie eben nicht nur den Transfer von Geldern zur Rettung des Finanzsystems, sondern machten die Steuerzahler zu einem dritten Player, der auf alle Ewigkeit die Refinanzierung des Bankensystems im Krisenfall übernehmen soll. Für die Steuerzahler selbst hieß dies auf Grundlage der Kürzung der Sozialleistungen weitere Kredite aufzunehmen, und zwar genau bei denjenigen, die gerade von ihnen gerettet wurden. Nach der Krise gingen man also sehr schnell zu den »normalen« Beziehungen zwischen Gläubigern und Schuldnern zurück.

1Oft geht es um Bullshit-Jobs , die Graeber eher von der subjektiven Seite fasst, weil die Jobs von den Beschäftigten hauptsächlich als entfremdet und nutzlos wahrgenommen werden. »Eine erfolgreiche Revolution würde heute mehr Betriebe abschaffen als unter ›Arbeiterkontrolle‹ stellen.« (Loren Goldner

2 In den deindustrialisierten Kernzonen des Kapitals ist die industrielle Arbeitskraft zu einer Mangelware geworden. Die industrielle Arbeit wurde und wird bekanntlich vielfach durch Automation und informationelle Dienstleistung ersetzt, wobei letztere, wenn sie auch automatisiert wird, wieder verschwindet. Empirisch ablesen lässt sich dies daran, dass seit den 1980er-Jahren der stoffliche Produktionsausstoß – also die Masse an produzierten Waren – weltweit um ein Vielfaches gesteigert Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitskräfte in den Kernsektoren der Weltmarktproduktion deutlich zurückgegangen ist. Daran änderte auch die Erschließung neuer Produktionssektoren für den Massenkonsum nichts, denn diese werden von vorneherein nach den Vorgaben der Prozessautomatisierung organisiert. In der Konsequenz wird die Welt in einer rasant wachsenden Flut an Waren ertränkt – mit der Folge einer beschleunigten Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen – Waren, die aber eine immer geringere Masse an Wert repräsentieren, weil sie mit immer weniger Arbeitskraft produziert werden können.

3 An den Universitäten ausgebildete Lohnabhängige, die über keine Produktionsmittel verfügen, bilden die privilegierte Lohnarbeitsklasse, die im Zuge der Digitalisierung noch anwachsen wird. Eine zweite Gruppe bilden Arbeiter und Angestellte mit mittlerer Qualifikation in überwiegend ausführenden Arbeitstätigkeiten. Diese Gurppe verteidigt defensiv das ihr verbliebene Sozialeigentum gegen die »da oben«, aber auch gegen Konkurrenz aus dem prekären Sektor. Am Ende der Hierarchie steht eine neue Unterklasse, die kaum die Mittel hat, ihre ökonomische Lage kollektiv zu verändern. Es handelt es sich um prekär und informell Beschäftigte, Langzeiterwerbslose, Migranten und Flüchtlinge, Obdachlose und total Ausgeschlossene. Sie leben entweder von Hartz4 und werden auf den Überlebenshabitus eingeschworenen oder sie leben ganz auf der Straße. Diese Gruppe bildet 15 Prozent der Bevölkerung. Sie ist nicht mit dem auf unsichere Beschäftigung angewiesenen Prekariat identisch. Das Prekariat wiederum rekrutiert sich aus den verschiedenen Klassenfraktionen und durchzieht diese auch,, bildt aber auch eine eigene Gruppe .

4 Eine voll automatisierte Gesellschaft, in der die Beschäftigung nicht mehr existiert und die Löhne nicht mehr Quelle der Kaufkraft sind, womit der Produzent/Konsument verschwindet, erfordert einen neuen Prozess der Redistribution, der jedoch nicht lediglich die effektive Nachfrage, sondern auch die Zeit betrifft, sodass der neue Formen des Wissens vom Sozialen geschaffen werden können. Die Produktion des Wissen benötigt Zeit, die Zeit des Schlafs und des Traums sowie die Tageszeit, um in und mit ihr zu agieren, zu reflektieren und die guten und schlechten Träume und Tagträume zu ordnen, um sie daraufhin zu materialisieren und zu übersteigen und um zu kämpfen. Wir müssen die Zeit befreien, um wieder zu entscheiden, indem wir uns selbst in neue Zyklen der Transindividuation einbringen, die durch Träume geformt werden, und indem wir ihren Bifurkationen folgen, welche die Automation de-automatisieren. In einer Ökonomie, in der die Beschäftigung dramatisch zurückgeht (Zizek spricht davon, dass heute schon 80% der Weltbevölkerung für das Kapital nutzlos sind) und der »wesentliche Wert« das Wissen ist, muss man über das Recht zu wissen und das Gesetz des Wissens nachdenken, und zwar als Funktion der Konzeption jeder produktiven Funktion, die der Macht der De-Automatisierung sui generis innewohnt. Dies führt zur Frage nach der Beziehung von Gesetz und Arbeit, wobei das Problem der Arbeit als Frage nach der Interpretation neu gestellt werden muss, weil es ansonsten der Unterschied zwischen Fakt und Gesetz verschwindet.

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Climate change is a weapon of primitive accumulation https://non.copyriot.com/climate-change-is-a-weapon-of-primitive-accumulation/ Sat, 26 Sep 2020 08:57:27 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13803

Climate change is a weapon of primitive accumulation 

Climate change has disproportionately negative effects on poorer countries and people of color, and disproportionally positive effects on receiving countries that benefit from hyper-exploitable and precious labor – what I call a ‘reserve climate labor army.’ This asymmetry is the result of a long history of capitalist colonialism and racism, which continues now through the bordered management of migration. Thus, contemporary global migration cannot be reduced to merely natural climatic causal explanations (Hulme 2011). The figure of the ‘climate refugee’ is never simply fleeing climate change but is doing so under postcolonial conditions of geopolitical violence and racism. The term ‘climate refugee’ itself serves to cover over the real kinopolitical conditions of social circulation at work that make such populations vulnerable to displacement in the first place. 

Climate change is a weapon of primitive accumulation, or what I would call ‘expansion by expulsion,’ because it expands Western power by forcibly expelling people from their previous patterns of motion and appropriating them into its own conditions of social reproduction. This expulsion is fourfold: migrants lose the right to their land and homes (territorial expulsion), they lose their right to full civic participation (political expulsion), they lose their right to legal status (juridical expulsion), and they lose their right to the means of production or subsistence (economic expulsion). This fourfold expulsion is the necessary condition for the direct appropriation of vulnerable and cheap migrant bodies and for the expansion of capitalist eco-racism. 

Nationalism, xenophobia, and racism also play a structural role in the process of primitive accumulation because they socially devalorize and thus cheapen the labor and lives of migrant workers. If migrants arrived but were not thoroughly racialized and discriminated against, their labor would be too valuable for capitalist investment to bother appropriating them in the first place. Thus, capitalism wields climate change under a triple condition of eco-colonialism: 1) the historical origins of recent climate change are in colonialism itself (oil from Africa, industrial production from slavery, and so on); 2) colonized populations and indigenous people are disproportionately forced to move because of climate change; and 3) these same populations are racialized as dangerous barbarian boat people upon arrival (Moore 2016; Goldberg 2017; Giuliani 2017). 

But climate change, like primitive accumulation, is not just about the dispossession and appropriation of people and cheap labor. It is also about the direct appropriation of cheap or free land. The two go hand-in-hand and have done so since before the rise of capitalism (Nail 2015). At the same time that climate change displaces people, it also opens up previously occupied lands, waters, and forests to new privatized extractive and/or constructive industries. As the climate changes, previously inaccessible areas will be opened up for expanding new markets (supplied with abundant cheap labor), including new security markets for new borders, fences, walls, drones, and all the rest. (Think of the privatization and gentrification of New Orleans after Hurricane Katrina.) In other words, climate change might not mean the end of capitalism but might in fact herald its rebirth or second wind. 

If capitalism loves disaster, why should we think climate change will necessarily mean the end of capitalism (Klein 2007)? If anything can be commodified, there is no absolute natural limit to capitalism, only relative limits to profit. We are most certainly at the cusp of one of these limits today, which Jason Moore attributes to ‘the tendency of the ecological surplus to fall’ (Moore 2016). Everything and everyone that could be appropriated easily (oil, slaves, old-growth forests, etc.), was gobbled up during colonialism. The workers who are left today want more money and more rights. The minerals left are more expensive to extract. This is why capitalists have increasingly retreated to financial speculation. If only there were a way, the capitalist dreams, to somehow cheaply dislodge huge numbers of people from their land, devalorize their labor, and appropriate it. 

In other words, if climate change did not exist, it would be necessary for capitalism to create it. Lucky for it, it does, because it did. Migrants today ‘form a disposable industrial reserve army, which belongs to capital just as absolutely as if the latter had bred it at its own cost’ (Marx 1976, 784). 

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What is Object Oriented Ontology? What is Actor Network Theory? What is the Philosophy of Movement? https://non.copyriot.com/what-is-object-oriented-ontology-what-is-actor-network-theory-what-is-the-philosophy-of-movement/ Fri, 25 Sep 2020 07:40:17 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13798

What is an object? One interesting way to avoid the problem of getting the subject and object back together to secure knoweldge is by not introducing the division in the first place. What if everything was only objects? We could then think of the subject as a highly composite type of object. Before proposing my own kinetic theory of the object I would like to consider the strengths and weaknesses of two major theories of the object. In these theories, instead of dividing the world up into subjects and objects, they divide it up into objects and their relations.

Relational Ontology

One version of this approach is called “relational ontology.” In this view, an object is nothing other than the set of all its relations with other objects. In one popular version of this theory called, “Actor Network Theory,” relationships are primary and objects emerge as nodes from pre-existing networks. Objects are what they do, or how they act through their distributed networks. In a relational ontology, there is no such thing as an object that is unrelated to other objects. 

            Furthermore, in this view, there is no pre-given hierarchy among objects. Relations can always shift around and become different. Objects have no static essences because it is the wider network that defines and differentiates them from one another. This is all true with or without humans. Objects are born and die, but network patterns, as such, do not because they precede and exceed all objects. What then is the source of change and novelty in the networks if it is not the objects themselves? How could networks change without objects that move? 

            One answer to this question comes from another kind of relational ontology called, “vitalist new materialism.”[i] In this view, relations are “vital,” “virtual,” “forces” that create “changes” in relations without any material movement in objects.[ii] Its proponants do not call this a “static” view of objects but it is still a view that erases motion or kinetic change in favor of virtual or relational change.[iii] The French philosopher and founder of Actor Network Theory, Bruno Latour, for example, rejects the “static” view of architecture, but instead proposes to replace it with a theory of “successive freeze-frames that could at last document the continuous flow that a building always is.”[iv] However, Graham Harman, who we will discus next, is correct to say that this “freeze-frame model of time simply multiplies the problem of stasis, then tries to solve it by the fiat of claiming that all of these standalone instantaneous moments are linked by something called a ‘trajectory.’”[v]

            But before getting into the differences with my own approach, let’s look at one final non-movement-based theory of the object.

Object Oriented Ontology 

In “Object Oriented Ontology,” everything is objects and relations. Similar to the relational view of objects, this view agrees that objects are connected together in networks of changing relations, with or without humans. However, for object oriented ontologists, objects are not reducible to their relations. Objects are “discrete,” “stable,” “unknowable,”[vi] “things-in-themselves” with “definite boundaries and cut-off points.”[vii] Each object is “vacuum-sealed” off from others and contains within it a secret or “withdrawn essence”[viii] that is “singular” to it alone.[ix] Graham Harman, a founder and proponent of this theory, describes it as a kind of Kantianism without a subject—everything is an unknowable object in-itself.[x]     

            Harman disagrees with the objectivists because he says they “undermine” objects by reducing them to what they are made of (matter and particles). He also rejects the constructivist and relational views because he says they “overmine” objects by reducing them to their network of relations. The typical explanation given by the sciences, he says, “duomines” objects by claiming that they are just components of larger objects, which also have their own components.                                      

            The worry of the object ontologist is that by defining the object purely by its relations with others, the object itself is explained away by something else. The “real essence” of the object in-itself would be lost behind the appearance of its fluctuating relations. Therefore, the only way to protect the essence and reality of objects, in this view, is to “vacuum-seal” an “unexpressed reservoir”[xi] of the object off from all its relations with others.[xii]

            How does this theory account for changes in objects? Harman splits the object into two parts. One part changes along with its relations while the other part has “hidden volcanic energy that could … lead it to turn into something different.”[xiii] This is why Harman criticizes relational ontologies for not being able to account for change. “Unless the thing holds something in reserve behind its current relations, nothing would ever change,” Harman says.[xiv] In this view, the essence of objects is the source of all change and motion, but only every now and then. “Stability is the norm”[xv] because mostly objects are “aloof [and] do not act at all: they simply exist, too non-relational to engage in any activity whatsoever.”[xvi]

            However, as much as Harman claims that the essences of objects do not have “an eternal character,”[xvii] and can even be “transient,”[xviii] and accuses relational theories of being “static,”[xix] he also ultimately admits that the hidden parts of objects “transcend” the world and do not engage in any activity whatsoever.[xx] Since movement, as I understand it, requires activity of some kind, object ontology’s eventual position is still one of immobility and stasis. So even though Harman says that change can come from something that has “no action whatsoever,” such a metaphysical belief amounts to a violation of every known law of physics.         

MOVING OBJECTS

What then is the philosophy of movement and how does it offer us a new way forward that overcomes the limits of the previous theories? The philosophy of movement is a kind of process philosophy. This means that instead of treating objects as static forms, it treats them as metastable processes. Some of movements are small and iterative and allow the object to remain relatively stable like a river eddy. Other movements are more dramatic and can either destroy or transform objects like a turbulent rain storm.   

            By contrast, the theories above define the object according to some kind of stasis. As such, they are unable to theorize the movement, novel transformation, and emergence of objects completely. Let’s look quickly at the limits of each of just two of these theories and then see how the philosophy of movement compares. 

            The problem with objectivism is that it treats objects as if they were unchanged by the conditions of their discovery and observation. This view ignores the history, relations, and agency of objects and treats them as entirely passive. But if they are merely passive how could they possibly emerge alongside others or affect observers?

            On the other hand, the problem with constructivism is that if the object is nothing other than what humans think or say about it, it is also robbed of all its agency and activity to affect others. If objects are incapable of their own movement and novelty then how do they emerge and change? Constructivism is also forced to posit a radical difference between human subjects and natural objects that leaves it trapped in its own world. 

            At least relational theories of objects reject this division and acknowledge that objects act through their relations. The problem, however, is these relations by preceding and exceeding objects fully determine them. Where then is the agency and motion of the object? How can the object introduce novel and generative motions into such relations? For Latour, the relations that constitute objects are, by definition, completely determinate and mappable. Changes in relations do not originate from the movement of objects or their materiality but occur like a series of sudden “freeze-frames” in the networks. 

            Finally, although object oriented ontology tries not to reduce objects to unchanging essences, social constructions, or relations, it saves the object only by completely sacrificing it. In the end, we are told the essence of the object completely transcends the world and is cut off from any relation to it. The core contradiction of this theory is that the essence of objects is the source of all change and motion and yet does not act or move in any way. It is ultimately a philosophy of immobility and static change.[xxi]        

            These theories of the object could not be more different, and yet they all try and explain the movement of the object by something that does not move (an essence, a mental/social representation, a flat relationality, or a completely inactive essence). The problem here is that these theories start with some kind of division either between subject and object or between object and relation.

            What is different about the philosophy of movement? The key difference is that instead of trying to explain movement by something else, it starts from the historical statement that “there is nothing in the universe that is not in motion.” This is a falsifiable claim. If it is experimentally proven wrong, I am prepared to concede my position and explore the philosophical consequences of the alternative. 

            From this perspective, I agree with Harman that objects are singular and irreducible to their determinate parts or relations. However, for me, this is because the movements of matter that comprise objects are not fundamentally determinate. Matter, or what physicists would more precisely call “energy,” at its smallest level is “indeterminate fluctuations.” These fluctuations are not particles, substances, or objects, and cannot be directly observed or known. Saying objects are “reducible” to indeterminate energy makes no sense. There is no determinate “something” that is at the heart of the reduction.  

            Movement, in this sense, is “indeterminate movement” and relations are “indeterminate relations.” The indeterminate movement of matter, in my view, has no higher or exterior causal explanation, or at least there is no experimentally verified one, or hint of one yet. That is not to say that there aren’t theories that try to interpret it away.[xxii] However, at the moment, I am putting my philosophical wager behind the real possibility that ongoing indeterminate movement is a fundamental feature of nature. When Lucretius put the indeterminate swerve of matter at the heart of his philosophy in the first century BCE commentators balked for centuries, but now its established science. 

            How might an object oriented ontologist respond to this alternative? Graham Harman has already responded to the idea of quantum indeterminacy in a recent article on the work of the physicist, Karen Barad. There he writes that “undermining treats individual objects as too shallow to be the truth and seeks to replace them either with a micro-army of tinier things or a primordial lump of indeterminate flux.”[xxiii] In response to this I would say two things. First of all, for Barad, and myself, objects are just as “true” as quantum fields and the idea of “replacement” makes no sense since objects are made of fields. Obviously field theory does not explain poverty, and no one thinks it does, so this too is an irrelevant point. Second, there could literally not be anything less like a “primordial lump” in the entire universe than indeterminate flux. One of the most important events in the history of science was the discovery that matter/energy is not a substance and has no fixed a priori properties. Lumps are undifferentiated, but indeterminate fluctuations are the processes of differentiation that create and sustain all differences. Harman, in my opinion, has misunderstood the meaning of quantum indeterminacy and fluctuation in a way that invalidates his objection to Barad and myself.   

            It may sound like a small shift in starting points to go from stasis to movement, but it makes a huge difference. The theories above have a method that follows uniquely from its starting point and so does a movement-oriented theory of objects. Therefore, if we want a theory of the object that can make sense of its movement, emergence, and novelty, these first options will not work. Instead of assuming from the outset that the world is either made of, or can be explained by, something immobile and unchanging and then trying to account for motion and process—the kinetic theory of the object inverts this logic. It begins from the historical discovery of quantum flux and then try and explain the emergence of scientific knowledge given this new starting principle. 

            The philosophy of movement offers a new kind of process philosophy distinct from older models of process based on vital forces, as in the philosophy of Henri Bergson, or on static strobe-like “occasions,” as described by Alfred North Whitehead.[xxiv] My term for this third kind of process philosophy is “process materialism” or “kinetic materialism.”[xxv]

            If an object is not an essence, idea, or relation, then what it is, according to a process philosophy of movement? In the kinetic theory of the object we need look no further than the kinetic origins of the word “object,” from the Latin ob– (“against”) + iaciō (“I throw”). The object is a fundamentally kinetic process. It is something thrown into motion and turned against or looped around itself. It is a fold. Instead of a discrete, vacuum-sealed atom, objects are much more like continuous processes that folds back over themselves, making larger and more complicated knots. The object, as its Latin origins suggest, is not a discrete or static block in space and time a kinetic process.


[i] I have in mind here especially Jane Bennet, Vibrant Matter (Durham: Duke University Press, 2010), and Thomas Lemke’s critique of her metaphysics of relations in, “An Alternative Model of Politics? Prospects and Problems of Jane Bennett’s Vital Materialism,”Theory, Culture & Society, May 17, 2018, 1–24. “To put it in an old-fashioned vocabulary: Bennett endorses an ‘idealist’ account of materialism.” “To put it bluntly: there is a lack of materiality in this vital materialism.” But also Manuel De Landa, Assemblage Theory(Edinburgh: Edinburgh University Press, 2016) and Bruno Latour, Reassembling the Social (Oxford: Oxford University Press, 2005). Here is not the place to engage an entire literature review and critique of various relational positions, since I have already treated them elsewhere in Being and Motion, Chapter 3 and at length in Christopher N. Gamble, Joshua S. Hanan & Thomas Nail (2019) “What is New Materialism?,” Angelaki, 24:6, 111-134.

[ii] Here I also have in mind the work of other process philosophers like Henri Bergson, Gilles Deleuze, and Alfred North Whitehead whose work is of great interest and inspiration to me and

whose theories are perhaps closest to my own. However, my own “kinetic process philosophy” diverges from each of them on a number of important central points whose full explanation requires its own careful chapter-length treatment and review that would be redundant to reproduce here since it is already published as chapter three of Thomas Nail, Being and Motion (Oxford: Oxford University Press, 2018). 

[iii] For a critique of the idea of change without motion see chapter three of Thomas Nail, Being and Motion (Oxford: Oxford University Press, 2018). 

[iv] (La-tour, Yaneva, 2008: 81).ardeth#01_interni.indb   11628/08/17   14:12

[v] Buildings are not Processes: A Disagreement with Latour and Yaneva, 117

[vi] Graham Harman, Immaterialism (Polity Press, 2106), 13.

[vii] Graham Harman, Immaterialism (Polity Press, 2106), 15.

[viii] “Object-Oriented Ontology” (OOO)—a term coined by Graham Harman, and defines a theoretical commitment to thinking the real beyond the human experience. As such the reality of matter is never something anthropocentric, experienced or relational, but always something which “withdraws.” This leads Harman, like Badiou to affirm what they call “a new sort of ‘formalism.’” Timothy Morton similarly argues against “some kind of substrate, or some kind of unformed matter” in favor of infinitely withdrawn essential forms. Cited in Thomas Lemke, “Materialism Without Matter: the Recurrence of Subjectivism in Object-Oriented Ontology.” Distinktion. 18.2 (2017): 133-152. See also Carol A. Taylor, “Close Encounters of a Critical Kind: A Diffractive Musing In Between New Material Feminism and Object-Oriented Ontology,” Cultural Studies, (2016) 16(2), 201-212. 

[ix] Graham Harman, Immaterialism (Polity Press, 2106), 16.

[x] Graham Harman, Immaterialism (Polity Press, 2106), 27-29.

[xi] http://www.rhizomes.net/issue30/harman.html

[xii] Graham Harmon, “On Vicarious Causation,” in Collapse II, 211.

[xiii] http://www.rhizomes.net/issue30/harman.html Inside are “explosive undercurrents belonging only to individual things, withdrawn from full expression in the world.”

[xiv] (Harman 2009: 187)  cited in lemke

[xv] Immaterialism pg. 16  

[xvi] https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjlwN7SpJ7rAhVaAp0JHb0RBbMQFjAHegQICRAB&url=https%3A%2F%2Ftidsskrift.dk%2Fnja%2Farticle%2Fdownload%2F23057%2F20145%2F&usg=AOvVaw1eUKaPW3tsBnMcFIvvEqVP

[xvii] (Immaterialism 47)

[xviii] “everything has an autonomous essence, however transient it may be,”immaterialism, 16

[xix] http://www.rhizomes.net/issue30/harman.html

[xx] Harman says “I would like to volunteer OOO to serve as a model of what they [Bruno Latour Albena Yaneva] and call static architecture.” Harman, “Buildings are not Processes: A Disagreement with Latour and Yaneva” 

[xxi] Latour and Harman are “secular occasionalists” who believe that change occurs discontinuously without material movement. For Latour it is the networks that change discontinuously and for Harman it is the objects that change discontinuously.  “In this way, Bruno Latour is the first secular occasionalist: the founder of what I have called vicarious causation.” prince of networks, pg 115 

            I am not the only one to describe Harman’s theory of change as static. See Shaviro, in speculative turn. “Harman accounts for change by appealing to the emergence of qualities that were previously submerged in the depths of objects; but he does not explain how those objects came to be, or how their hidden properties got there in the first place.” p.285 the speculative turn Shaviro’s piece. “Harman’s entities, in contrast, do not spontaneously act or decide; they simply are. For Harman, the qualities of an entity somehow already pre-exist; for Whitehead, these qualities are generated on the fly. Harman, as we have seen, discounts relations as inessential; his ontology is too static to make sense of them.” (287) spec. turn shaviro.

            For a critique of OOO’s theory of change see also: Object-Oriented Ontology and Its Critics 

C.J. Davies The Problem of Causality in Object-Oriented Ontology 

https://doi.org/10.1515/opphil-2019-0010

            See also Lemke, article materialism without matter. 

            I also thank Christopher N. Gamble for talking through OOO’s static ontology with me. 

[xxii] See Sean Carroll’s latest book.

[xxiii] http://www.rhizomes.net/issue30/harman.html

[xxiv] For a more detailed account of the differen

[xxv] See Being and motion

taken from here

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In the Eye of the Storm: A Report from #Kenosha https://non.copyriot.com/in-the-eye-of-the-storm-a-report-from-kenosha/ Thu, 24 Sep 2020 09:09:15 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13795

Report from Hard Crackers on the Kenosha uprising on the first several days of the uprising following the police shooting of Jacob Blake.

Originally published by Hard Crackers on September 7, 2020.

What’s so simple in the moonlight by the morning never is.

Bright Eyes

The night of the shooting, bands of armed white men dotted the landscape before we even arrived in Kenosha. Police roadblocks along I-94 barred easy access to the small Wisconsin city and forced us off the highway early, to hack it through backroads. Passing through sleepy, darkened suburbs miles from any sign of protest or rebellion, we were struck by the silhouettes of men armed and outfitted for combat, alongside makeshift checkpoints and roadblocks, and an otherwise eerie quiet. These would-be vigilantes were in for a boring night. By the time ours was over, though, we’d have seen comrades gunned down in the street by an armed vigilante operating with the explicit approval of the local police, and the tiny Midwestern city of Kenosha become a fierce political battleground for the unfolding political crisis in the United States.

For the two evenings before Kyle Rittenhouse murdered two demonstrators and injured a third, Kenosha had been something entirely different. Immediately following the barbaric shooting of Jacob Blake, locals quickly took the streets. After initially gathering around the location of the shooting, a crowd formed in Civic Center Park in front of the Kenosha County Courthouse. A video from earlier in the day showed an officer getting a brick to the head. When we arrived, this antagonistic tone, and the willingness to fight back, had only grown. It was a tribute to summer’s enduring spirit of open revolt. What began with the mass response to the murder of George Floyd would not be ending any time soon.

As in Portland, the downtown courthouse became the central focus of anger. As centers of white supremacist “justice” and punishment of the poor, where extortionate fines and fees are collected, callous sentences meted out, and lives destroyed to nourish a class of parasites who live off the so-called “justice system,” courthouses are obvious targets in themselves. Before the rebellion, Kenosha was perhaps most famous for the 2004 murder of Michael Bell, a white man, which brought considerable public attention to the Kenosha Police Department’s internal culture of covering up for cops who kill, and even led to a bipartisan bill requiring outside agencies to review police killings in Wisconsin. Another scandal a decade later furnished an inside look at its rotten business of “justice” in the lakeside city, when, in a rare move, Wisconsin’s Supreme Court investigated Kenosha District Attorney Robert Zapf’s withholding evidence that Kenosha PD Officer Kyle Baars had planted evidence on one of the defendants in a murder trial, including a bullet. The final report of the court’s investigator depicts in stark language a police department covering up evidence planting all the way up the chain of command to the chief, and a district attorney playing along. Similarly, a 2015 scandal surrounding Officer Pablo Torres shooting two people in ten-days under suspicious circumstances – the latter, fatally, on his first day back after going on leave for the former – ended with Torres exonerated by none other than DA Zapf and promoted to detective. These are only the stories that grabbed headlines, there must be countess more. And while it’s unlikely these insults were needed – on top of the injury of daily violence and degradation under American policing and courts – to single out the courthouse for attack following the shooting of Jacob Blake, they provide all the more evidence that we shouldn’t ask why Kenosha and places like it go up in flames, but should wonder instead what took so long.

Approaching the courthouse we saw sanitation trucks engulfed in flames, galvanizing and exciting the crowd. The police’s attempt to block the roads by commandeering the city’s infrastructural resources had backfired. Instead, it later proved a strategic asset as an appropriated barricade for the protestors. People graffitied the walls of the courthouse, and were met with cheers of encouragement. Minutes later the building was covered in slogans, including “Be water, spread fire” and “They kill us because they fear us, honor the dead.”  We then watched as the courthouse windows were smashed and someone threw a large cement brick through the door. These acts enlivened the crowd, and if any voices called for “peace,” “nonviolence,” or “de-escalation,” we didn’t hear them over the clamor for vengeance.

More and more people were showing up to the park. Some went right to the courthouse, where protesters passed out surgical masks to protect the participants from Covid and identification. Others posted up in the windowsills of the high school across from the courthouse, taking part by being present. Passengers hung out of windows of passing cars bumping music, providing a soundtrack for the frenzy. People were filling in the nearby streets. No age or race monopolized the gathering’s composition.

Back at the courthouse, the escalation continued. Molotov cocktails exploded around the building. While the crowd loved this, the police did not. A small band of cops emerged to extinguish the flames, while others approached, clad in riot gear, firing “less-than-lethal” munitions, such as tear gas, rubber bullets, and flash bang grenades. Like many sleepy towns across the US, Kenosha revealed an astonishing supply of military equipment, including multiple armored military vehicles commonly known as BearCats.

Two armed protesters stood directly in front of the first BearCat to arrive until it backed away. Approaching again, the police fired on the crowd. The protestors responded with rocks and fireworks from behind the torched sanitation trucks. As the night wore on it became clear that the police could do little else than protect the courthouse. Sensing this, the crowd directed its attention to the property in the immediate vicinity. To the west of the courthouse, protestors took down the Dinosaur Discovery Museum’s large outdoor dinosaur statue, amid the kind of debate and ad hoc deliberation which would recur at many sites of destruction. The high school’s windows were smashed and graffitied. The used car lot to the southeast then went up in flames. It was almost 3 am when we left the crowd, which had gathered to watch the blaze. A fire like that acts as a smoke signal; we knew there would be more tomorrow.

By the second night Kenosha was national news and the National Guard had been called in amid great fanfare. But the people were undeterred. The crowd returned to the courthouse, now protected by a line of combative riot police and BearCats. The protesters were also prepared. There were significantly more masks in the crowd, but this was only the minimum preparedness. We saw shields and umbrellas, along with helmets, goggles, and other protective gear. Laser pointers menaced the band of cops guarding the courthouse. We even saw Portland inspired leaf blowers to combat the tear gas. The global crowdsourcing of essential protest gear – from Hong Kong to Santiago and countless places in between –  allowed many of us to protect ourselves and those around us from police violence.

It seemed at first like the night was going to be a long battle at the courthouse. The police repeatedly fired rubber bullets and tear gas, and made near constant use of the LRAD. One of us took a rubber bullet directly to the torso from point blank range, and nearly two weeks later, a sizeable bruise remains alongside lingering pain. Volunteers ferried chunks of concrete and brick back and forth from the ruins of a nearby church, and eager revelers broke large pieces into small to hurl at the police line. But this band of well-equipped police was able to hold a large angry crowd at bay, and spare the courthouse the fate that befell Minneapolis’s Third Precinct three months ago. Thus repelled, however, the crowd hit the streets.​​​​​​​

The courthouse may have been the real prize, but like the night before, the large multiracial crowd was willing to settle. It dispersed from the courthouse and unleashed on the city the fury it was unable to visit upon the police and courts. The few cars that survived at the nearby used car lot torched the night before were immediately smashed to bits and set afire, as if it were unfinished business. Businesses were smashed open, and their shelves emptied. The atmosphere was positively carnivalesque and almost wholesome. One woman walking by with an armful of stuff said “I don’t even know what I took!” Much ink his been spilled drawing upon abstruse philosophy and political theory to justify looting, but we find it an act that speaks for itself and doesn’t need us to chase after and rationalize it. As looting spread along with arson and general mayhem, groups of teenagers knocked over lampposts along the route of a jovial yet ferocious riot. The sound of glass breaking was ubiquitous. “Some people can sound like cars,” writes Kuwasi Balagoon. “Some can imitate a fire engine. But to hear the sound of glass breaking, glass must be broken.”

It was somewhat bittersweet to see businesses like low-end used car lots and small boutiques smashed up and set on fire. Alfredo Bonanno likens the earliest eruptions of insurrectionary violence to “a blow of the tiger’s claws that rips and does not distinguish” – while leaving the task of distinguishing to organized revolutionaries. But even making such allowances, we must ask ourselves: what was being smashed and looted? Knowing what we do about America’s fucked up justice system and suffocating structural racism, it’s tempting to imagine many of the revelers were smashing up nothing less than an open air prison, patrolled by the pigs who shot Jacob Blake, administered by the rotten court system that wastes the lives of young people of color with no hesitation, and defined by the kind of stupid everyday interpersonal violence that accompanies life under such a tyrannical regime.

Accordingly, the flame that burned the hottest was the Department of Correction’s probation and parole office, which went up in a great plume of smoke that was like perfume to our nostrils. “Get the PO building!” someone called out as the crowd approached. The mood was exuberant. Graffiti scrawled on the building rhetorically calling to “abolish” it was superseded in short order by an act of proactive abolition. We can only imagine how many hours of people’s lives have been wasted by this probation and parole office, with its sadistic punishment thinly veiled by the trappings of humanist “rehabilitation.” Perhaps with this in mind, revelers wasted no time in reducing it to a smoldering pile of rubble. Good fucking riddance!

From the outside, these scenes must have seemed dreadfully dangerous to anyone living nearby, much less out on the street. This relies on two common misconceptions about riots. The first is that rioters often target the personal residences so cherished by working white people whose entire lives are sunk into their homes – hence, the brave sentinels we beheld outside town standing guard against a largely imaginary threat. The second is that riots are pure lawlessness and hence dangerous to be in or around, perhaps especially – in the imaginary of the average Fox News viewer – for white people. This could not have been further from the reality we experienced in the eye of the storm. The mood was festive and people worked together across the lines of race, gender, and age. There was a kind of overriding ethics. Imperatives issued from all sides: “Stop filming!” and “Don’t burn that one, there’s an apartment above!” At one store a group of armed men told the crowd to keep moving: “Not this store…but I don’t care if you hit the one down the street!” For the most part these were obeyed, and the only interpersonal violence we saw involved people unwilling to stop taking incriminating photographs.

Requests rang out – “Someone burn this one! Someone better burn this one!” – as locals found a more direct means of settling grievances than leaving a bad Yelp review. In this vein, many of the places which elicited excitement included the predatory paycheck loan office. Similarly, revelers smashed open a bank with great enthusiasm, but finding no money, contented themselves with setting a fire inside. Outside, the crowd attempted to break open an ATM. A few helpful volunteers emptied the clips of their guns onto it from close range, but no money was found. Cars driven by revelers snarled traffic, with one brave driver refusing to budge for a police BearCat, and instead drove as slow as possible to allow a crowd to escape a hail of pepperballs (paintballs filled with pepper spray) that ricocheted off apartment buildings – the only attack on residential property we saw that night!

The rioting Monday night ended when the crowd ran out of city to ransack and allowed itself to grow thin enough that the police felt comfortable moving in, firing pepperballs and forcing the crowd to scatter down alleys and into backyards. As small groups took off in every direction, we forfeited the advantages of numbers which had kept the police at bay for hours, as the power of the collectivity degenerated into the curse of the monadic individual. From there the evening became a dispiriting game of cat and mouse between heavily armored police vehicles and small bands of retreating revelers on foot. Hotly pursued by a BearCat, we ducked behind a house near the courthouse to change our clothes. The house’s owner, a younger Black man, emerged to see what we were doing – armed with an AR-15 and pistol strapped to his leg, clad in a bulletproof vest. When we told him what we were doing, he relaxed and told us we were welcome. He watched out for us while we changed, and told us when the coast was clear. Despite this oasis in a fraught terrain, we were nonetheless isolated and vulnerable. The magic spell of the riot was broken. But almost unbelievably, when the smoke from dozens of structure fires had cleared, there had only been six arrests. It’s amazing the shit people can get away with when you roll with a big enough crowd!

The following night, the night of the shooting, a call had gone out on Facebook for wannabe militia types to play Call of Duty in real life. We witnessed tense standoffs all night, with an ad hoc militia a few dozen strong pointing their weapons at protesters. The scene immediately preceding the shooting was a three-way showdown between police BearCats trying to clear the street, militia clustered around a gas station, and a crowd, smaller than the previous night but nonetheless dedicated, testing the limits of the possible against the threat of live fire.  We saw incredible courage on the part of a multiracial crowd staring down and even clashing with armed paramilitary who were pointing guns at all of us with great fear in their eyes. It must have been the first time many of them tried this kind of shit on American soil, but we don’t doubt that some, like the police clad in their military costumes, brought with them experience terrorizing poor people of color abroad.

Ironically, the militia types tended to function as an armed version of the liberal “peace police” you meet at many leftist demonstrations. They rhetorically presented themselves as allies of the movement but defenders of private property, and were willing to intercede forcibly on the behalf of objects, even if it put human lives at risk. They stood guard over piles of rubble, extinguished dumpster fires, and guarded businesses they had no connection to. Interestingly enough, one of them told us to “go burn down the police station, we’d be fine with that.” We didn’t get a chance to find out if this was a bluff. After a series of tense skirmishes in which their weapons were pointed at unarmed people, and threats exchanged from both sides, the militia’s zealous protection of other’s businesses proved, as many of us had guessed, to be a pretext for opening fire. The story of the shooting is well documented and has since been dissected from every angle. But in the heat of the moment we had no idea what was going on. Shots echoed – lots of them. A seemingly unrelated motorist pulled up and sprayed some of us in the face with a fire extinguisher. A crowd gathered around the body of Joseph Rosenbaum, attempting to provide first aid, as a group of young Black women cried that he was already dead. We heard other shots which turned out to be the shooting death of Anthony Huber, and the wounding of Gaige Grosskreutz. At the time it sounded like an all-out attack from all sides.

While the right-wingers had been the only ones flaunting their weapons during skirmishes throughout the night, once the shooting began, guns appeared in the hands of many of the young locals. It’s unclear if any of them shot back. The small crowd of heroes who chased down the gunman or provided emergency care to the victim were in the minority however. Most folks either pulled out guns for self-defense, or just retreated and scattered down side streets, or both.

The journey back to the car was far more terrifying than any of the BearCat chases from the previous nights. We didn’t have that far to go, but the echoes of gun shots ringing from who knows where made every space of open terrain feel like unwelcomed exposure. After crossing an empty lot we hid behind the side of a car only to see a lone white man driver spot us, pull his car around and stop right by the car we were hiding behind. To our left an armed Black man was walking towards us with a determined gait. We kept moving. We didn’t feel any kind of fight or flight response – we felt present, alert. Thinking was for later, movement was for now.

We tried to drive away from all the gun fire, but even this proved difficult. When we finally found a way out we pulled over to rest by a park. We were about to head out when a bunch of cars turned down the street ahead of us. They just kept coming. We thought maybe traffic was being diverted down this street, but that didn’t make any sense. One car turned around and the Black driver yelled something at us. Though we were unable to make out what it was he said it was enough for us to know we were unwanted. We turned around so as to not disturb what we were now terming a caravan. We’d gone a few blocks and were stopped at a red light when an SUV with multiple Black passengers approached us. “What were you doing back there?” the driver asked us through the window. “What are you trying to do?” We let them know we were just trying to head out of town, that we had gotten lost. “We’re on your side,” we added. Just then a big truck with two huge flags – “Join or Die” and the thin blue line  – drove up to the light and took a right. “Like, we are not with them,” we told the driver. After quickly eyeing us one last time the SUV ran the red and sped off to the right in what seemed to be hot pursuit.

In hindsight, there was a stark difference between how the police and the militia managed the crowd. The police, largely hanging back in their BearCats and episodically firing gas, flash grenades, and pepper balls, rallied the crowd a la Portland to hurl objects, shout taunts, fortify behind dumpsters and other tactical barricades found in the street, and otherwise hold their terrain. By contrast, one militia man opening fire accomplished what the police could not, and dispersed a large crowd and initiated a game of cat and mouse like the night before, only with far more police and National Guard troops posted in the dark, and fewer of us. Since the rebellion kicked off in late May we have witnessed a tactical maturation in the streets, especially around the need to “stick together!”, as the command is often echoed across crowds thinning and becoming vulnerable to police assault. However, the shooting served to disperse much of the crowd. It’s up for debate whether this is a good thing, or whether we need to socialize a collective practice of holding ground amid gunfire. This will be a difficult discussion between cities facing these questions, and will require most of all that bravado be left at the door.

We returned the following night. We had to. Kenosha was on edge. The crowd was the smallest yet and heavy with press who flocked like vultures to the scene of carnage. There were at least thirty cameras in a crowd of roughly 100. Two groups of inexperienced organizers feuded for the direction of the march, led the same chants we’ve heard for countless hours all summer, in marches that drag on uneventfully for hours until all but the most dedicated slink off and go to bed. The previous nights’ tactical militancy seemed a million miles away. Sensing no threat to order, the cops and Guard troops stayed out of the streets and staged in the dark nearby. The energy was gone. We paused at the spots of each murder for a moment of silence, and heard from Anthony Huber’s grieving partner. Her words were a powerful homage to a man we had walked alongside the night before, and who died facing down a mass shooter armed only with a skateboard.

After some disagreement over where to march, we set off for “where the rich white people live, to wake them up!” At roughly midnight we undertook an impromptu noise demo in a wealthy Kenosha neighborhood, shining lights in windows and a few brave young men even knocking on doors. The mournful vibe became festive and the procession wound up feeling cathartic. Most interestingly, the militia were nowhere to be seen. While many of our comrades imagined this to be a great victory for them, it’s possible to imagine the opposite… had the soldier boys gotten more than they bargained for? Still, the energy was much different. We chanted the same left chants over and over again, led by two groups of organizers who vied for leadership over the dwindling march. When we stopped at an intersection, a now ubiquitous ritual of formulaic BLM protest marches, one of the groups yelled at us to let the cars pass.

A subsequent shooting in Portland has raised the specter of recurrent gun violence between tiny groups on both sides, sure to skew toward young men, free of pressing financial and familial commitments, and alienating to just about everyone else. Having seen the carnage in Kenosha up close, we are convinced this is the wrong path. But what is the alternative? How can we build active self-defense against armed fascists and the state, without falling into the trap of making our primary political activity an engagement with these forces of repression on their preferred terrain? The answer cannot be resolved on paper, but we can say for sure it will be guided not by what we want to destroy, but what we want to build: communities of solidarity, inclusivity, and radical equality, based on human needs and not the dictates of profit.

This is not to say violence is not necessary. Americans can scarcely resolve disputes over parking spaces without resorting to violence, never mind a radical reconfiguration of society from the bottom-up. We therefore solemnly renounce nonviolence. But we hold that the very humanist tendencies which make many of us useless with guns and ammo are our real weapon, and must be used to formulate an alternative vision of sociality which we both espouse and practice, as we help usher in the new world growing within the shell of the old. This is of course an abstraction, and can only be made concrete in practice. Only consistent engagement in the moment on its own terms, coupled with ruthless critique, can orient our steps through the fraught terrain ahead, in which the fog of war hangs heavy and low.

For better or worse, however, we found no such ambiguity in the revelry of the Kenosha Rebellion. In it we beheld the simple beauty of people standing up for themselves, taking great risks in common, caring for one another, and developing a shared ethics in the streets and on the fly. The new world seemed so close, if only we could keep it going long enough to progress from destruction to creation. But driving out of Kenosha, all was still, save for the occasional silhouette of a rifleman ready to mete out deadly violence against the specter of Black and white revolt now broadcast in living rooms across white flight America. And what remains of the unity we experienced on the streets? Is it lying in wait for its next opportunity to pop up, like the proverbial old mole burrowing deep below our feet? Or will it, devoid of conscious human will acting to forge coherence and consistency over time, linger on in memory like a pleasant dream shared by so many who nonetheless awoke condemned to the state of powerless alienation our society calls individuality? And if this is so, what forms of organization can sustain the dynamic development of a full-fledged insurrection over time, without becoming a fetter to its unfolding?

In the proverbial morning after, it has been surreal and disorienting to behold the Kenosha Rebellion, extracted from its familiar context on dimly lit streets we came to know so intimately, and spread across headlines and cable news the world over. Seeing Trump’s ghoulish figure cutting shadows across the terrain that belonged so totally to the people in the throes of righteous revolt seems like nothing short of the desecration of a sacred space. Looking back to an experience increasingly convoluted by all that has happened since, our experiences in Kenosha increasingly appear like a distant memory, a jumble of exhilaration and heartbreak. Accordingly, we find it ever more difficult to know how to feel in its wake, much less to feel it. Perhaps euphoria and trepidation countervail to produce a dull flatness of affect in which we have been mired since the flames went out. More likely, the profound and radical ambivalence which characterizes the present conjuncture is expressing itself through us. It’s hard to know quite what to make of what happened there and what it portends for the months and years ahead. Far from the eye of the storm, where all was so clear, the chaos of American life makes less and less sense with each passing day.

 Dedicated to the memories of  Joseph “JoJo” Rosenbaum and and Anthony Huber. Rest in power, comrades!

taken from here

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Auto-Position and Being-in-One (Being-According-to-the-One) https://non.copyriot.com/auto-position-and-being-in-one-being-according-to-the-one/ Thu, 24 Sep 2020 08:18:28 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13789

The highest formal act of the philosophical Decision through which philosophical faith in the real enables the latter to be posited as the Real in an illusory way. It is consequently the real cause of the appearance of philosophy. Auto-position as real of the transcendental Unity proper to philosophy is that which prioritizes the vision-in-One.

The formal trait of auto-position is structural and completely exceeds the presence of this concept in Fichte (Self=Self). Not only the transcendental One—the peak of philosophical knowledge—but whichever concept (cf. Deleuze) is itself posited or is in a state of pairing, doubling, self-survey…Philosophizing is concentrated in the inasmuch and the as [l’en tant que et le comme], in the repetition of a more or less differentiated Same. This trait forms a system with philosophy’s no less structural debt to perception as its point of departure and to transcending it as its essential organon. Object and objectivity, phenomenological self and disinterested and philosophical self, consciousness of object and self-consciousness, transcendent One and transcendental One, all philosophy repeats itself because it copies itself. This is the activity of philosophical faith and this faith itself.

​The vision-in-One supports the specific faith-in-the-real of philosophy, i.e. the philosophical hallucination of the Real. But this support is still nothing but a partial condition which is completed through a different suspension, the unilateralization of the transcendental One, of the divided One of philosophy. This suspension is performed by the transcendental Identity which the vision-in-One clones on the basis of the former. Auto-position (its sufficiency, its desire for mastery, its violence) is annulled while non-philosophical thought renounces every idealism so as to be allowed-to-be determined-in-the-last-instance by the Real. Hence the characterization of non-philosophical a prioris as non-auto(decisional, positional, donative, etc.). Concretely, the vision-in-One dismantles the importance of any dyad. The object is seen-in-One or dualyzed on a noetic and transcendental side and on a noematic content on the other side which is the reduction of this object to the state of occasion.

​Being-in-One (Being-According-to-the-One)

​In the order of phenomenal instances, Being takes “third” place after the One-in-One and transcendental Identity, or second in the order of the (non-)One, between the One and the equivalent of Being (the experience or given of philosophy): it is the transcendence or nonautopositional Distance of the force (of) thought. If understood in a broad, for example Heideggerian, sense, we shall say that it is decomposed into transcendental Identity and a priori Identity which then correspond to their respective symptoms which are transcendental being or being proper (philosophically convertible with the One) and division or duality which are, for example, the Intelligible (Plato) or Intentionality (Husserl), etc.

​Being or more precisely the existent is primarily one of the transcendentals (alongside the one, the multiple, the true, the good, etc.) and the support of the other transcendentals which are its predicates that, as such, are in it by essence. ​They add nothing real to it and form ontological knowledge, knowledge without reality if not specularity. When the existent is understood on the basis of the meta which makes it the transcendens par excellence and the meta- thematizes as such in turn, together they form “Being” insofar as it is distinguished or differentiated from the existent now assigned to functions of the empirical pole of ontological Difference. Difference (being of the existent, existent of being [etre de l'etant, etant de l'etre]) is then speculative and ontology is primarily ignorant of the existent fulfilled as speculation. The becoming-speculation of ontology takes on its divided-doubled structure by the meta- which adds nothing to the existent but relates it to itself as existent. This doublet or this auto-position of the existent, and thus also of Being, is the heart of the speculative or non-naive experience of philosophy.

Heidegger tried to reunite in “Being” as ontological Difference (with the existent) the multiple significations and modalities of Being which philosophy had elaborated and dispersed. There is then no concept not only more general and more transcendent, but also more enveloping than that of Being and then its own unity and provenance (sense, truth, locality, etc.). Heidegger confirms the telos of every philosophy, even if Being is his principal object (Being qua Being) and its element, even if it is an originary-transcending, an ekstatico-horizontal and temporal opening, a “rift” and “clearing,” (Heidegger), or even a void and a pure multiple (Badiou). A law of essence wills that the concepts of “being” be inseparable from the duality of a division and from a more or less divided, indeed disseminated, horizon; from a multiple and a void without which it is unthinkable. Hence Heidegger’s effort to simultaneously protect nothingness, the void, the nihilist “vapor” and to deliver them from Being by “barring” it in a nonmetaphysical way. But nothing of this touches upon philosophy, upon its effort to think itself and discharge itself from the metaphysics which cannot avoid positing Being as a presupposed which has primacy not only over the Existent but also over the One which it affects from its own division, and partially over the Other.

​In non-philosophy, the nomination “Being” is still possible but under the reserve of its universalization of-the-last-instance. It only intervenes in the nomination and formulation of nonphilosophical instance via a mode of separation or abstraction of the axiomatic type: the Onewithout-Being, outside-Being, etc. But it is possible to elaborate a “non-ontology” taking general metaphysics and ontology–autoposition, either speculative or not, of Being–for material: a theory of Being such as it is cloned on the basis of Being as such. The instances of which it is the philosophical symptomatic indication decompose the totality of functions which it has fulfilled through becoming: on the one hand pure transcendental Identity, whose symptom is the One as convertible with Being or intricated with it, or ordered in it: on the other hand, a priori Identity, i.e. transcending here reduced to its phenomenal nucleus of Exteriority or non-autopositional Distance. Together they are the “force (of) thought” which henceforth takes the place of Being or is Being-in-One.

The most extensive suspension of metaphysical authority is this: Being is determined or given inthe-last-instance-in-One. “In-the-last-instance” because it must be–as force (of) thought–cloned ​from philosophical and metaphysical Being. The “question of Being” is attached to philosophy and transformed into a problem capable of resolution according-to-the-One. As non-ontology, non-philosophy secedes from the “first science of Being” or, better yet, radically effectuates it by making of Being-according-to-the-One, and not “as One,” the object of a science in effect first but having lost the priority of metaphysics because this science is “divorced” from the One, which indeed is not the object of a first science but determines it. Finally, the statements of nonontology, cloned from ontology under the effect of the One-in-One, are knowledges said of Being-in-One-in-the-last-instance or related to the force (of) thought.
excerpt from the book: Dictionary of Non-Philosophy by ​François Laruelle

Translated by Taylor Adkins

taken from here

Foto: Bernhard Weber

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Der funktionelle Psychopath – Wahn von der Stange (erweiterte Fassung) https://non.copyriot.com/der-funktionelle-psychopath-wahn-von-der-stange-erweiterte-fassung/ Tue, 22 Sep 2020 11:10:39 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13784





Der funktionelle Psychopath – Wahn von der Stange

Die seit dem Jahre 1980 im Zuge der neoliberalen Transformationen stattfindenden Umstrukturierungen waren es auch, die das finanzialisierte Risikosubjekt in die Individuen introjizierten, womit der autoritäre Charakter und der narzisstische Typus schleichend, aber doch in einer kurzen historischen Zeitspanne abgelöst wurden, wobei das finanzialisierte Subjekt den narzisstischen Charakter übersteigt, erweitert und transformiert, bis es schließlich den funktionellen Psychopathen verkörpert, der allerdings nicht mit dem klinischen Bild des Psychopathen verwechselt werden darf, obgleich gerade die Repräsentanten der herrschenden Klasse (Manager, Anwälte, Broker, Politiker, Ärzte etc.) diesem Bild doch inzwischen manchmal gefährlich nahe kommen. So ist der Beobachtung des Psychologen Götz Eisenberg durchaus zuzustimmen, dass heute die meisten Psychopathen keineswegs in den Psychatrien einsitzen, sondern frei auf der Straße herumlaufen und zu allem (Un)Glück die von ihnen selbst gefeierte Erfolge in ihren jeweiligen Berufen nachweisen können. Funktionelle Psychopathen operieren in ihrem Alltag meistens hyper-effizient und besitzen Eigenschaften wie unbedingte Fokussiertheit und eine übersteigerte Egozentrik, zudem den unaufhörlichen Hang zur Optimierung der eigenen Selfishness, die von einer subtilen Profilierungsartistik bis hin zur mörderischen Skrupellosigkeit reicht, sie mobilisieren die Anteilnahme anderer als ihr ureigenes Privileg, das rein der eigenen Gewinnoptimierung und dem endlosen Streben nach Singularität dient, welche wiederum aus den Angeboten der Marketingindustrie für die Bezieher höherer Einkommen zusammengeschustert ist; sie leben die Unaufrichtigkeit, die Korruption und das herrische Auftreten bis in die Haarspitzen hinein, bleiben dabei aber eine vielseitige und experimentierfreudige Persönlichkeit, und dies alles geschieht angeblich im Rausch völliger Spontaneität, deren Fleisch gewordene Realität heute in ungefähr das Kunstprodukt Donald Trump darstellt. Im Weißen Haus weiß angeblich noch nicht einmal der innere Kreis, was Trump im nächsten Moment tweeten wird, es herrscht die rein kurzfristige Dezision als Chance zum clownesken Narzissmus und zugleich zur Unaufrichtigkeit, die bei Trump anscheinend das innere Wachstum immer weiter befördert, den Überfluss jenes Selbst, das noch seinen letzten Furz als eine wenn auch niederträchtige Kreativität verkaufen will. Das über alle Medien hinweg erfolgreich und zugleich hysterisch zirkulierende Seelenwunder ist heute die psychopathische Authentizität, die dem Erfolgreichen den inneren Lebensraum öffnet und freigibt, ihn aber in gewisser Weise auch kolonisiert, aber nicht zu weit einengt, sondern ihm weiterhin die Möglichkeit gibt, sich als Selbstversicherer des eigenen Seelenlebens bei sich selbst anzustellen, ein Dienst, dessen Endlosigkeit den gewünschten Lebenssinn quasi im Takt eines Fließbands hervorbringt. In der Tendenz will jetzt noch jeder zum Egokraten seines Selbst werden.

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Stiegler and Lacan — No Relation? https://non.copyriot.com/stiegler-and-lacan-no-relation/ Tue, 22 Sep 2020 06:35:58 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13772

I won't bring up Lacan on Monday. But the non-encounter between Stiegler and Lacan recently struck me as important and I wanted to try to unravel the mystery...

Stiegler wrote frequently about technology and technical objects. But how does he compare to one of the key object theories, psychoanalysis? Surprisingly Stiegler's object theory was only partially psychoanalytic. What do I mean by "partially"? First it is clear that Stiegler was deeply influenced by Freud. References to Freud appear in almost every Stiegler book. Yet at the same time Stiegler had almost no relationship to Lacan. How to characterize the non-relation between Stiegler and Lacan?

From Freud Stiegler adopted the notions of narcissism, desire, and drive. Recall Stiegler's text on "loving oneself and loving others" reprinted in the English book titled Acting Out, where Stiegler works through the problem of primordial narcissism. "I call 'primordial narcissism' that structure of the psyche which is indispensable for functioning, that part of self-love which can sometimes become pathological, but without which any capacity for love would be impossible" (39). The book Symbolic Misery, vol 1 picks up on the theme of narcissism originally articulated in the previous text. And almost every book and article that follows contains numerous references to Freud.

On Lacan, however, Stiegler wrote almost nothing. Hunting for Lacan in Stiegler, a handful of brief references pop up here and there. Beyond simple references or footnotes, I remember only a few passages where Stiegler engages with Lacan for more than a sentence or two: in Taking Care on the mirror stage, and in States of Shock on the thing [das Ding]. I'm sure there are other passages I've overlooked, but the larger point holds: Stiegler had essentially no relation with Lacan. I find this surprising particularly since Stiegler was so invested in the operations of desire and enjoyment, as well as the intricacies of language and symbols, although perhaps not "the symbolic" in Lacan's sense.

In fact there's little evidence that Stiegler read Lacan much at all. I'm exaggerating of course; Stiegler certainly must have read Lacan more generally. Still, the citations are few. We know Stiegler was fond of at least one Lacan book, The Triumph of Religion, Preceded by Discourse to Catholics first published in French by Seuil in 2004, because he cited Lacan's "Discourse to Catholics" a few times. Still, I suspect that these few citations exacerbate rather than resolve Stiegler's non-relation with Lacan. The "Discourse to Catholics" is an odd text on the Lacan bookshelf, not the canonical Écrits, not Lacan's endlessly fascinating seminars a good eight of which were already published in French by the mid 1990s. Sometimes non-canonical esoterica indicates a discerning eye. In Stiegler's case it feels a bit random.

Desire, objects, symbols, the psyche, Freudianism, failure and lack--to a distant observer, Lacan seems like a plausible fit for Stiegler. So why not? The words fault and default [faute and défaut] play an important role in Stiegler's first and most important book, Technics and Time 1: The Fault of Epimetheus. In that book translators Richard Beardsworth and George Collins rendered Stiegler's défaut in English frequently as "default" but also often using the neologism "de-fault" in an attempt, as they put it, to accentuate "the play between 'default' and 'fault,' but also the connotations of 'failure,' 'lack,' 'mistake,' 'deficiency,' and 'defect' which inform Stiegler's use of the French term" (280n12). Was Lacan's "lack" too similar to his own project for Stiegler to embrace it?

Fault and lack seem to be related, at least from one perspective. Yet for Stiegler these two notions were relatively incompatible. Fault is of course a question of value if not also guilt or culpability--more evidence of Stiegler's metaphysical if not also moral posture. Yet for Lacan lack was fundamentally about the incompleteness of language and thus about limit and finitude. Lack is a sort of failure, that's true, a failure of totalization. But when Lacan described the subject via lack, he was making no normative judgment. Stiegler's fault, by comparison, is distinctly Old Testament. His fault is normative. His fault is the fall of man.

Even if fault and lack were misaligned, Stiegler still harbored a faint interest in Lacan. He was enticed by the neologism "extimate," where Lacan aimed to reverse the definition of "intimate" as close, familiar or innermost into something more alienated or externalized. Stiegler never provided many clues but I suspect that he was drawn to Lacan's "extimate" because of an interest in objects as exteriorizations, in objects as "the extensions of man." For instance, in the first volume of Qu’appelle-t-on panser?1 Stiegler made two brief references to Lacan's extimate as exosomatic or external to the body. A prosthetic was less an intimate appendage, Stiegler thought, than an extimate one. A pharmakon might be integral to the human body but only because it has been alienated from it, that is, made extimate.

For similar reasons Stiegler was also taken by the German term das Ding (meaning "the thing" and often contrasted with the object), referenced by Lacan but also going back to Freud's Project for a Scientific Psychology.(Heidegger also wrote an essay titled "The Thing" in his book Poetry, Language, Thought.) The locus classicus for Lacan is his Seminar 7, particularly the first half where he discussed das Ding and differentiated the object from the thing. Eventually the thing faded into the background for Lacan, while the object, as objet a, remained a central element in his theory of libidinal economy.

While Stiegler addressed das Ding and even mentioned Lacan by name, it's unclear if Stiegler meant anything more by the term than as a synonym for "object" (which it most certainly was not for Lacan). Here too hopes for a Stiegler-Lacan encounter are dashed. Stiegler's What Makes Life Worth Living contains a whole chapter on das Ding, but really no treatment of Lacan. "What is this Thing?," Stiegler asked, before postponing his encounter with Lacan for a future book. "We will not here conduct the thorough reading of texts by Freud and Lacan that such a question calls for--but this will be the subject of La Technique et le Temps 5: La guerre des esprits" (62). Later it would be delayed even further, from volume 5 of Technics and Time to volume 6, today a moot point as the remaining volumes remain either unwritten or unpublished.

So despite his attraction to Freud, Stiegler had a life-long allergy to Lacan. Interestingly, on more than one occasion it was Deleuze who waylaid any potential interest. "I myself, however, propose a slightly discordant reading of Lacan’s analysis," Stiegler admitted at one point, before confessing that his reading was "slightly closer to Deleuze" (States of Shock,98). A revealing footnote in Taking Care also sheds some light on the mystery. "This défaut, this impasse, is not a lack," Stiegler contended, wrestling his signature concept away from that of Lacan. "I am closer here to Deleuze than to Lacan" (217n5).

Deleuze or Lacan? The question echoed occasionally through Stiegler's mind, and when it did he picked Deleuze every time. Stiegler picked Deleuze, particularly the late Deleuze of the "Postscript on Societies of Control," where Deleuze's skepticism toward capitalism and industry reached its apogee. Consider Stiegler's position on the relation between technology and the symbolic: "Our epoch is characterized by the seizure of the symbolic by industrial technology" (Symbolic Misery 1, vii). Such a sentiment would not be alien to the control-society Deleuze. But for Lacan I'm not so sure. Lacan certainly made reference to industrial technology in his discussions of the symbolic, and his Seminar 2 held in the years 1954-1955 was on computers and cybernetics, among other things. Yet Lacan's symbolic was always somehow above or below or beyond the machinations of capitalism or industry. Indeed capitalism was for him but one particular configuration of the symbolic order. Lacan spelled this out late in life in an enigmatic but suggestive lecture in Milan on May 12, 1972, where he reshuffled the components of the "four discourses" from his 1969 Seminar 17 to make room for a fifth, the discourse of the capitalist. Capitalism was, thus, an iteration of the symbolic order, not the other way around.

Deleuze is admittedly an odd source of inspiration for any discussion of the symbolic, even if Stiegler makes it work somehow. For Lacan, the symbolic always entailed castration due to the adoption of language. Yet for Deleuze the symbolic order mostly doesn't exist. And castration certainly doesn't. Or when he addresses the symbolic, Deleuze does so through the ebb and flow of territorialization and deterritorialization. Stiegler's writings on the "symbolic and diabolic" are emblematic in this regard. In his books Symbolic Misery 1 and Technics and Time 3, Stiegler discusses the symbolic and the diabolic--etymologically connected for Stiegler as "sym-bol" and "dia-bol"--not through the Lacanian structures of castration and lack, but through the more Deleuzian logics of composition and decomposition.

What does Stiegler lose by shunning Lacan? Perhaps Stiegler was too focused on the materiality of technology and not enough on its structural conditions. Was he too locked into the "extensions of man" to recognize the autonomous logic of objects? Here I am reminded of the famously unsmiling Greta Garbo at the outset of Ninotchka, a dour Bolshevik in Paris (thank you Hollywood!) surveying the accomplishments of capitalist engineers. "I'm interested in the Eiffel Tower from a technical standpoint," Garbo announces dispassionately. A technical marvel indeed, we also know that the Eiffel Tower is a symbol, a symbol of Parisian love and romance. But so too the tower is one of the great phalluses of world architecture, hence the comic undertone of Garbo's desexed and deadpan delivery. Wouldn't Stiegler be this same kind of Parisian voyager, focusing on the "technical standpoint" and missing the phallus?

I once quipped that Deleuze can't really be critiqued or overhauled, only forgotten. But what of Stiegler? Perhaps the best way to intervene in Stiegler's work--perversely, importantly--is not to forget him but to analyze him, to make him into the Lacanian that he never was. Here I mean analyze in a literal sense. To analyze Stiegler would be to take his "industrial technology" and re-sanctify it as a Tower, to allow the object to speak as a symbol.

Panser is a tricky word. Translator Daniel Ross has rendered this title as What Is Called Caring?, which seems best to me albeit imprecise. The allusion here is to Heidegger's What Is Called Thinking?, the French translation of which, Qu'appelle-t-on penser?, is identical to Stiegler's Qu’appelle-t-on panser? in all but a single vowel.

taken from here

Foto: Bernhard Weber

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Deconstruction and Non-Philosophy https://non.copyriot.com/deconstruction-and-non-philosophy/ Mon, 21 Sep 2020 06:34:07 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13758

In order to determine the characteristics of non-philosophy, we frame it in opposition to an image of an established paradigm: Deconstruction (as suggested by Jean-Luc Nancy in La deconstruction du christianisme).1 We comment on this image, we add to it, we transform it. It is a simple image of Deconstruction, one that speaks for itself independently of all textual techniques or mechanisms, yet it allows for an easy comparison with non-philosophy: it allows us to identify clearly their different objectives and respective methods. In the text below, the first number refers to the various themes of Deconstruction and non-philosophy that are compared; the second, which is always binary, refers first to Deconstruction (1), and then to non-philosophy (2). 21.1 Deconstruction gives itself a notion and its context, a text and its corpus, a set of doctrinal beliefs (Christianity, for example), in such a way that these givens spontaneously present themselves as “philosophical” assumptions. Deconstruction is thus auto-donational. It supplies both the material to be de​constructed and the method of deconstruction, the latter of which is derived from this material and therefore affected by a symptom of otherness that has yet to be determined. These givens, or assumptions, are examined from both the exterior and the interior.3 They are subjected to a partial authority, examined like an objective topology or mechanism that is spontaneously given or assumed. The subject is himself or herself a constitutive component of the system under investigation, albeit only partially. In order for something like philosophy to appear, exteriority or meta-language—two concepts that are themselves philosophical, through and through—are the necessary conditions.

1.2 The non-philosophical subject gives itself, or rather lets itself be given, a notion and its context, a system. It is a radically immanent donation. If, therefore, a meta-language is still necessary, it should not be considered to be constitutive of this immanence (but rather as, for example, a hallucinatory authority), without running the risk of it taking the form of the operations that the subject itself carries out on the given.4 Deconstruction is not the only way that exterior and interior are able to organize themselves.2.1 We consider deconstruction as a composition of terms or parts that mutually hold themselves together like a tightly knit system, but without any apparent or explicit play between the parts. This system ensures an a priori principle of “logocentric” enclosing or foreclosing. 

2.2 First of all, the given to be examined is not a textual constitution that supplies its own principle of enclosure, which is in itself textual. It is not to be examined from the outside or from above with authority as though it were an organization of parts assumed to be self-sufficient or given in and for them​selves. The system to be examined is indeed constituted, but it is not just any textual system. Rather, it is philosophy as a system of thought, specifically as a principle of enclosure that cannot in any way be reduced to its texts. Above all, the system is a material constitution, for it is immanently given prima facie or a priori (in the vision-in-One). Because of its theoretical or phenomenal status, the constitution is both a material and a symptom. It is not an essential or fundamental point of departure that has authority over itself, nor is it an assumed and self-legislating symptom that needs to be deconstructed. The primary and immanent exclusion of all authority (not only “objectifying” authority but authority in the form of “actualization” or “realization,” or a “doubly objectifying” authority that posits the thing itself as independent or as being [étant]) amounts to the impossibility of a transcendental or metalinguistic account of radical immanence (which is nevertheless capable of thinking [itself] axiomatically or without reflexivity). This is the vision-in-One. The system’s a priori condition of being-given [être-donné] is the Whole that—even if it is indeterminate, imaginary, or illusorily self-sufficient—is identified as philosophizable. The philosophizable does not appear out of nowhere, since it comes in and as the form of a unilateral Outside specific to immanence. 

​3.1 A system that is subjected to the partial authority of a subject, for which meta-language has at least some constitutive effect, is predisposed to dis-assembly en pointillé—that is, to a rightful, proper disassembly—if it is not already disassembled. The text already includes within itself a first deconstruction, a deconstruction that has taken place prior to the intervention of any subject, which only needs to be resumed or revived by an additional act of otherness, by a supplementary work of writing. Greek otherness—the otherness of an opposite, an antonym, black vs. white—cannot exist without the need for a Judaic otherness5—the otherness of an alien script, or an infinite God compared to its finite creation. Judaic otherness is the eternal supplement to the Greek. Finally one last variation: Deconstruction as “Christian” (Nancy),6 a blend of Greek and Judaic alterity. ​

3.2 What is primary is not the spontaneously given text with its spontaneous self-deconstruction, but rather its being-given a priori as material reduced in its philosophical sufficiency by the vision-in-One. The given to be re-deconstructed is not the self-deconstructive spontaneity of a system but the phenomenon of (the system of) philosophy itself, a system that exists prior to all implied deconstruction or the possibility of a textual deconstruction. The basis of non-philosophy is neither Greek nor Judaic, nor is it the exaggerated and excessive conjugation of the two. It is pre-eminently “Christian,”7 a Christianity that is not simply the blend of its Greek and Jewish precursors, and therefore non-Christian in the non-philosophical sense of “non-,” which consumes Christianity.8​4.1 The system subjected to Deconstruction is rendered possible to the point of its own suspension or impossibilization. The system’s deconstruction is a way of showing what it truly was, a way of making its fundamental principles and presuppositions appear. The system’s deconstruction balances the possibility and the impossibility of the text, which are the same. This sameness is nevertheless unbalanced. It is an unbalanced balance that is always refined and adjusted by equilibrium. 

4.2 Acting as an a priori, the vision-in-One is another combination of the possibility and the impossibility of philosophy. Its impossibility is immanent or radical, its possibility—or its a priori givenness as phenomenon—is unilatness as phenomenon—is unilateral and therefore a complete Stranger to auto-donational philosophy. The Stranger remains immanent. The balance between possibility and impossibility in the vision-in-One is an immanent equilibrium, which is not evened out ​by equilibrium. It is the Grand Midi of Man. The vision-in-One acts according to a radical unbalance, one without return, and it never ceases to come as Stranger or Messiah, as a permanent struggle against the philosophical spontaneity of the world. Thus we uphold and maintain that philosophy is given to subjects as the object of their struggle. We avoid the spontaneous and empirical self-donation of philosophy as a signifier to which access is only granted and assured by Writings and Texts—that also is to say by religion and perhaps religious sophism—because subjects have a rightful and legitimate access to philosophy as the object of their struggle. They have this access even without taking into account the aporias of entry, exit, and return.​5.1 Deconstruction consists in establishing play “between” the parts, in making them move in relation to each other. This relation between parts is absolute because of the supplement of an absolute Other. Deconstruction consists in undoing the enclosure or the foreclosure of a system without breaking it, in unbinding the organization of the set, in weakening the disposition [systase] of the system (Heidegger), in making disseminated strangeness appear.


​5.2 Non-philosophy does not emphasize otherness or differences; it does not compound them through différance, and does not content itself with establishing play while conserving the deconstructionist’s ex machina authority (which amounts to the same thing as enclosure). It does not add to nor subtract from the immanent deconstruction of the thing (of texts); rather, it substitutes unilateralism for difference (différance), the structure of the immanent existingStranger for differing, and it breaks the enclosure, at least for the Real. If in the best of philosophical cases there is pure difference—a signifier in contrast to nothing, not even another signifier nor one that is absolutely removed from the chain, a “Greco-Judaic” signifier we could say—then there is a pure otherness that delimits, not in opposition to immanence (which has no limit), but a One-limitation that is opposed to the system as its possibilizing impossibility.  6.1 Since it does not come from any identifiable space, the play of distances in a deconstructed system cannot be attributed to any particular or unique part that would constitute an origin; such a part is precisely the point of effervescence or condensation of play, not a source. Difference (différance) appears to emerge from the core of the deconstructed system, as an unlocatable, at ​once internal and external to the system, but finally external a second time, as an exaggerated otherness, a relative-absolute Greco-Judaic alterity, which is therefore twice external. Deconstruction is a supplement to Greek logic. It initiates the dominance of metalinguistic exteriority and logocentric enclosure relative to philosophical phenomena, but continues to situate itself in the last instance to this dominance.


​6.2 Unilateralism has another structure than the one provided by an exaggerated and doubled otherness. It is indeed otherness, but in a unique sense. It is a unidirectional otherness. It is immanent without being relative to immanence. It is the “vision” in the vision-in-One, a unique intentionality driven by a single impulse, like a drive that renders philosophy impossible precisely because it expresses philosophy as the philosophy [“la” philosophie]. Unilateralism acts as a radically immanent One-Stranger that does not itself come from the system, nor from its immediate exterior like an enclosure beyond an enclosure, nor even from further afar like an otherness with Judaic emphasis. It comes from Nowhere and has No Time, the One-Stranger is utopic and uchronic, that is to say it is celestial (and not extra-terrestrial) and eternal (and not outside of time). It consists of an operation that is not internal/external but immanent in itself and therefore heteronomous for philosophy. This Outside is an immanent a priori, which makes an a priori understanding of the philosophizable unknown to and impossible for philosophy.


​7.1 Duality, because there always is one, takes the form of a Judaic supplement of otherness graphed to and integrated in a Greek or weak otherness. It is a duality that begins in anonymity and transcendence, one that never ceases to be anonymous except as Judaic excess, except as its characterization as “Autre homme” (Levinas), or as “epekeina” [beyond].


7.2 It is philosophy that is dualyzed, not the Real itself. Duality belongs to the Real, which is immediately non-anonymous because it is Man, and it belongs to the transcendental subject. Man is a unilateral duality, without a divided One, whether in its capacity as Real or as subject. We cannot say that the subject is a supplement to Man’s Real. The subject is Real via the cloning of its essence, and the Real is subject when it is occasionally solicited by sufficient or non-reduced philosophy. The dyad undoes the system-form in two ​unilateral temporalities. The philosophy-form is not a simple effect, as deconstruction would have it; it is, on the contrary, divided (transcendental-real and transcendental-empirical). Therefore there are two phases to the dualysis of philosophy: 1) Unilateral identity suspends, a priori, its sufficient form, or neutralizes it. This is the effect of the Real’s impasse toward philosophical material; 2) This non-operation that results from the suspension of philosophical sufficiency is then treated as the condition that prepares the ground upon which dualysis disassembles, takes apart, or decomposes, this time strata by strata, the very structure of the philosophical system. This system has never been an indeterminate nor simply textual assembly, but rather a complex or transcendental structure (in order to call upon a “transcendental signified” to be deconstructed, the structure of the transcendental must be known). We therefore distinguish between the suspension that gives rise to the hallucination of philosophy and its deconstruction, and a new type of deconstruction or disassembly that acts not on the parts of the system but on the system’s subjective or transcendental structure. Philosophy, a structure larger than logocentrism and larger than the text, is suspended a first time by the Real that gives it its a priori unilateral character and heightens its sufficiency. Philosophy is then suspended a second time by the strata-by-strata dismemberment of the very structure that was committed to the system. The operation of the dyad is purely oriented toward the structure of philosophy’s transcendental system (and toward each of its parts as they express or condense the structure of which they are a part), but only as an operation that is materially given a priori as an intuition or as an immanent Outside. For the system or for its parts, the operation of the dyad appears as a heteronomous subject or Stranger. The non-philosophical dyad signifies a one-way otherness, and is therefore lacking any sense, encountering sense only as a symptom.

8.1 Deconstruction is not destruction or annihilation but a “taking apart” (Abbau, Heidegger) or a disassembling. However this disassembling is not a mechanical operation (this is the paradigm’s insufficiency) but a spectral slipping. It leaves the parts of the system or even the system itself in a spectral state where the “play” is a form of différance that operates neither from part to part (as sign) nor from part to system. Deconstruction is a staggered and deferred starting-over of tradition as a whole, which is each time taken on in totality. Tradition is not destroyed in order to be restructured or perpetuated. ​To deconstruct is neither to identify constituted materials, nor to find a way out of them into some external space, but rather a means to transmit them. It is an un-bearing, an offsetting, of tradition. 8.2 Non-philosophy leads to a philo-fiction9 that consists not so much of disassembling an assumed and given system in a spectral dimension, but which rather starts by presenting the system as given under the auspices of human Identity10 (an identity that is unknown and foreign to the system), and describes what is deduced as “deconstruction” from the structure of the philodeconstruction” from the structure of the philo” from the structure of the philosophical system. On the one hand, the operation is less a spectralization of reality, less a real supplement to its idealization, and more a radical fiction, an evacuation of any mixed solution for a unique and simple unilateralization. On the other hand, the operation acts on the fundamental structure of philosophical systems. From there it eventually acts on the structure of the textual system, rather than starting with the text and then moving on to philosophy (there exists a distinct structure of philosophy apart from all textuality). 9.1 Coming from the interior and the exterior, play is an archi-possibility from which textual constitution is derived. The text conserves its own constitution as aberrant and unsuited, as if the text existed as already deconstructed en pointillé or as a spectre.9.2 Non-philosophy does not conserve philosophy or its structure, whether incomplete or misused, thinned out and spectral, ghostly and hidden by the supposedly given system. It is a philo-fiction and it has certain characteristics of the spectre. It is immanent in its principle, and penetrates and encompasses the system, finding subtle support in each of its parts, brushing up against them where necessary without lingering, settling, or becoming attached. Yet, the philo-fiction is never simply hidden or covered by the philosophical system. It is not the role of non-philosophy to unearth the philo-fiction that was always already there. For the Real there is no philosophical appearance, only a hallucination that philosophy has identified or produced; for the non-​philosophical subject however, there is a transcendental illusion that is already more consistent. Ubiquitous in its cause, philo-fiction penetrates and encompasses all systems, each time at a point that is no longer nodal but unilateral. For the non-philosophical subject, the philosophizable a priori constantly threatens to reclaim its sufficiency and to “recharge” from its philosophical pretenses; it hides the real a priori and confirms spontaneous philosophy. Philosophy perpetually wants to claim the philo-fiction as just more philosophy. But all bets are off; the Lived-life is resilient, the inalienable Real cannot be forgotten, for it does not cease to resist any more than the subject (transcendentally radicalized) is able to forget itself in the struggle. The outcome of non-philosophy is a radical Lived-life of hallucination and illusion. The immanent Lived-life is unforgettable without the need for an absolute memory or a memory refashioned by operations and then reconstituted. It is the real condition of salvation such that it engages a task and maintains the subject, head above the world.

Let us generalize toward contemporary philosophy. Non-philosophy places philosophy in a radical state; it takes phenomena as they are given a priori in the human or real state, as they are given in their immanent identity, and therefore given a priori unilaterally or by the Other. Non-philosophy does not impose an everyday structure or a system of knowledge, whether linguistic or mathematic and based on the “set.” The linguistically rendered text or the ontological knowledge based on the set have to be given as unilateral identity, at the risk that they revert to particularity or Judaic exceptionality, or to a materialistic void and its corresponding idealism; they have to be given as Other rather than in their own sufficiency. There is no preconditioning set that allows for an immediate and tautological reading of mathematical knowledge, nor is there a textualization that allows for an immediate and violent or raw deconstruction. In both cases, we open the door to a practice that is burdened with empiricism and therefore theoreticist and spontaneous or violent and raw, a practice that has forgotten to radically “phenomenalize” the given and in its place has substituted a transcendent phenomenon, in other words a philosophical one. By placing both cases in a state of radical identity, a series of transformations is released. These transformations move from the suspense of sufficiency to the breaking-up of the structure of the philosophical system that was invested in each part of the play. The enclosure is not simply logocentric, nor is it simply quantifiable or calculable, rather is it always duplicity or double enclosure. This is the principle of a “non-denon-deconstruction” (of a construction of deconstruction within an immanent and a priori intuition: a philo-fiction), or a togetherness or ensemblisme (in the sense of real identity “en”/“in” semblance), both of them real and transcendental, and destined to relieve and replace the transcendent or ex machina divides, whether these divides are linguistic or mathematical. 

​Non-philosophy is not just a new experience of Man or of the subject, one that sets itself apart from contemporary thought and the way it honours the philosophical paradigm. Non-philosophy demands a new theoretical practice. Instead of taking as given the text—as well as the signifier, the set, desire, or power—as transcendent empiricals conveying, more or less secretly, religious determinations (not only “transcendental signifiers”) that are unjustified except by a certain lazy philosophical rush, non-philosophy places them in a radical state where they are no less ontological than linguistic, scientific, etc. What is actually given as phenomenon or foundation upon which thought can be based? All philosophy partakes in the magic act that transforms the empirical into absolute, and the absolute… into absolute. We ask how the empirical is itself given to us, given to the philosophical subject, and how does this philosophical subject know that he or she has rightful access to language or mathematics? Does the subject speak? Is she a mathematician? Without doubt, but if his or her knowledge is immanent to these activities, what relation, what non-relation does he or she have, as a subject, to this immanence?  ​

Translated by Nicholas Hauck

taken from here

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notes on boredom https://non.copyriot.com/notes-on-boredom/ Sun, 20 Sep 2020 13:15:40 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13768

Nietzsche invents a typology of boredom, in which boredom is initially a positive sign for the life of the scholar, while the ordinary thinker flees from boredom and seeks diversion with his participation in the entertainment machines, fashion, music and art, travel or sports, all the codings or symbolic-communicative conceptions of meaning that serve to integrate the masses.

The “good” boredom, on the other hand, resembles a state of uncertainty that oscillates between formless perception and the need for shaping. One sees his philosophy professor in front of oneself, the one with a soft voice and well-tempered sound, who explains that Heidegger probably foreboded that the ontological-existential mood of the man as a fearful-being-to-death in the modern syncretic difference cultures tips over into what the professor calls a boredom-being-to-death.

The consumers of our metropolises do not seem to be eaten up by fear, but rather, despite the 24-hour entertainment or possibly the consumption of extreme sports, to which he also counts his car races, bored or hard-bitten, exhausted by the insured repetitive structures of daily routine, but at times also wonderfully amused again, from Internet-supported Ballermann [1] sex to pit stop sex at the peak of wealth, for example in the Flavio-Briatore class; all in all, these consumers suffer from the pleasure and the far too many possibilities – the possibility as the hardest drug? The death drug? -; at the same time, the consumers go for a walk through shopping malls at abysmal boredom and often the “good” boredom turns into trivial frustration even for people and here and there pops up again in excesses of violence, or one lets cloning, plastic surgery and doping become attractive advanced technologies, not to forget telematics, computer science and network industry, which, in addition to globalized partner search, avatar stuff and dirty chatting, enables the self-construction of a Second Life, such as the establishment of imaginary brothels where sex users, having become “men”, invite arbitrarily modelled partners to sex parties, bathing in the complex moods of an implicit unconscious, the moods of getting bored with something and being bored with something.

Radical mediocrity has implemented these layers for all of us. It remains questionable whether the bored and at the same time highly amused subjects are able to register that third, deep and fundamental layer that Heidegger at least assumed, the emptiness at the heart of a “risk society” that is constantly trying to secure or insure itself. And if a person can no longer stand boredom, he turns against himself or turns into the actionism of hyperactive, self-disciplined, teaching and learning, that is, practicing subjects. One thinks of the paradox of a crying or laughing robot. Excessive excitability is the antithesis of boredom, with pendulum movements being the unifying bond, an ubiquitary form of trying to come to terms with the emptiness of the “risk society”, which at the same time corresponds to its abundance. Excitability manifests itself in all kinds of addictions or leads to network dependencies, in the bracket, the relation of repetitive patterns of pseudo-ritorial behavior and control. But do we already live in a world beyond meaning? No, rather the superabundance of meaning.

The future of our technological self-manipulation by digitalization, biogenetics and the production of prosthesis only seems senseless to us if we want to measure it within the horizon of our ideas of what a meaningful universe is. At the same time, capitalism, as the first socio-economic system, has de-totalized meaning; capitalism can adapt to any culture, any religion, in the course of a flagging nihilism, because the only thing that counts is the reality of profit-maximizing markets & networks in the sense of the production of meaning. In times of Junk News, Junk Food, Junk Money and Junk Selfishness, the universal camera follows every celebrity and their imitation not only into the bedroom, but also into the bathroom and toilet. We do not watch television, we live with television. Economically, capitalism is at the end of the payment chain with national debt and consumer credit, culturally it has reached the flaccid phase of nihilism, and politically it resembles a madhouse. Its implosion of power, however, does not bode well in view of the mentally affective state of its inhabitants.

translation by enoughisenough

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Nochmal zur Zeitenwende https://non.copyriot.com/nochmal-zur-zeitenwende/ Sun, 20 Sep 2020 11:25:13 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13764

Die Abwehr von Verschwörungstheorien ist gegenwärtig nur die Abwehr, überhaupt strukturiert über ökonomische, militärische und politische Prozesse nachzudenken. Man verpaßt so die Geschichte und ihre Wendepunkte, denn die Geschichte ist selbstverständlich voller Verschwörungen, vollzieht sich nicht von selbst. Und man verabschiedet sich von jedem Gedanken, sich vielleicht selbst gegen diese Welt zu verschwören. Oft sind die Ziele sogenannter Verschwörungen kaum verborgen, da man bei größeren Heimlichtuereien mindestens das Resultat sieht. Die meisten Verschwörungen heißen dabei schlicht Politik. Aber es gibt natürlich viele kleine, oft versteckte Manöver innerhalb der großen Konflikte der Zeit. Im einzelnen sind sie oft schwer nachzuweisen, da sie eben verborgen sind. Populär wurde etwa der Zusammensturz dreier Hochhäuser am 11. September 2001. So unwahrscheinlich die offizielle Verschwörungstheorie auch sein mag, es ist nicht unmittelbar wichtig, welche der alternativen Theorien die Sache besser faßt oder ob doch plump die offizielle Meinung stimmt. Unabhängig davon war der schon vorher geplante Effekt das Homeland Security und die US-Invasion erst Afghanistans und dann doch noch des Irak. Was zählt da die Frage etwa, ob WTC 7 wegen einiger Trümmer urplötzlich in sich zusammensackte, als wäre es fachgerecht gesprengt worden, oder ob es eben doch fachgerecht gesprengt wurde. Das ist nur die Frage, ob die Herrschaft sich ihre eigenen Anlässe gegebenenfalls gezielt schafft oder ob die mehr oder weniger zufällig Anlässe ausnutzt.

Worauf es aber ankommt, ist der Hintergrund dieser Kriege und der neuen Sicherheitsbehörde. Man erinnere sich, dass nach dem 2. Weltkrieg der Dollar – gedeckt vom Gold – Weltwährung wurde und zugleich ein relativ statisches System fester Wechselkurse zu dieser Ankerwährung bestand. Nixon hat 1971 die Goldbindung fallen gelassen, nachdem die reale wirtschaftliche Entwicklung einen gehörigen Druck auf die politischen Wechselkurse ausübte. 1973 ist dann dieses System vollständig kollabiert. Man begann seither, von einer Hegemoniekrise der USA zu reden. Der Dollar blieb aber die Referenzwährung. Der Welthandel und insbesondere der Ölhandel liefen über ihn und die USA konnten durch ihre einmalige Stellung gigantische Defizite aufhäufen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der folgenden Sprengung des Irak 1991 schienen die USA sogar mächtiger denn je. Aber das wurde zunehmend unterminiert. China war im Kommen und auch Russland wurde Jelzin los. Indien, Brasilien. Südafrika... Und auf die BRICS folgten dann noch die MIST (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei). Nicht zu vergessen, dass auch der Euro ein imperialistisches Projekt ist, um den Dollar als Weltgeld herauszufordern. Es ist nicht, dass die USA absolut ins Hintertreffen geriet, aber die amerikanische Hegemonie stand unter keinem guten Stern mehr, der Rest rückte nach. Und den Irak hatte man eben nur gesprengt, die reguläre Armee des Irak wurde dazu in einer berühmten Panzerschlacht vernichtend geschlagen. Aber als General Schwarzkopf dann vor Bagdad stand – er hatte, wie er prahlte, die Armee verlustfrei durch die Wüste geführt –, da kam der Rückzugsbefehl. Die USA ahnten, dass sie keinen Frieden mehr gewinnen würden, und überließen es Saddam Hussein, die Scherben zusammenzukehren. Es folgte eine 12-jährige Belagerung. Das brachte aber nichts ein und die sonstige Welt wurde derselben zunehmend müde. Der Irak kündigte an, die Ölgeschäfte künftig mit Russland und Europa zu machen und in Euro abzuwickeln. Darauf wurde er in einer militärisch leicht zu gewinnenden Schlacht abgesetzt. Demokratie sollte im Irak eingeführt werden. Das ist längst vergessen. Die USA schaffen kein nation building mehr und spielen im heutigen Irak eine untergeordnete Rolle.

2008 gab es eine Weltfinanzkrise. In Wahrheit kam China gut über dieselbe hinweg, es war eher eine Krise des NATO-Raums. Aber die Krise drohte trotzdem, alle in den Abgrund zu reißen, was dann kostspielig verhindert wurde, indem man das alte System nochmal stabilisierte. Keiner behauptete damals, dass die grundlegenden Probleme gelöst worden seien, und eines der grundlegende Probleme ist eben der Dollar als Weltgeld, obwohl die ökonomische Substanz dieser Funktion zunehmend fragwürdig wurde. Ewig jedenfalls kann sich die USA seine Defizite nicht leisten, ohne dasss es zu einem Beben kommt. Genauer war die durch die 2008er-Krise konkret gestellte Frage die, wie man möglichst schrittweise den Dollar als Weltwährung los wird. Das ist kein Geheimnis. Die UNO selbst schreibt in einem Papier 2010: „Eine neues weltweites Reservesystem könnte geschaffen werden, das nicht länger auf dem US-Dollar als einziger maßgeblichen Reservewährung beruht. Der Dollar hat bewiesen, kein stabiler Wertspeicher zu sein, was eine Voraussetzung für eine stabile Reservewährung ist.“ Die konkrete Idee einer neuen Reservewährung ging dabei auf den damaligen Chef der chinesischen Zentralbank Zhou Xiaochuam zurück, der dafür 2010 von Foreign Policy auf Platz vier der wichtigsten Denker gesetzt wurde – for holding the world's economic fate in his hands. Zhou hatte am 24. März 2009 eine viel beachtete Rede zur Reform des internationalen Finanzsystem gehalten. Und so symbolisch dieser Angriff auf den US-Dollar war – Dmitry Medvedev hatte sogar einige symbolische Münzen prägen lassen und auf dem Gipfel der G8 vom 8. bis 10. Juli 2009 in L'Aquila (Italien) präsentiert –, es gab zugleich einige Chancen, diesen Wechsel herbeizuführen. Die zum Opportunismus neigende Finanzwelt war in Form von IMF-Chef Dominique Strauss-Kahn nicht ungewogen, und Muammar al-Gaddafi trollte auf gewohnte Weise, indem er sein Projekt des libyschen Golddinars als einseitige Vorwegnahme des von Zhou vorgeschlagenen System vermarktete. Der Stichtag wäre der 26. Mai 2011 auf dem G8 Gipfel in Deauville (Frankreich) gewesen. Aber die Geschichte geht nicht gerade. Die USA widersetzte sich handfest, Strauss-Kahn wurde am 14. Mai 2011 als Sittenstrolch verhaftet und Libyen aus der Luft bombardiert, auf dass einige Milizen nach Tripolis marschieren können. Einen Friedensplan für Libyen gab es schon gar nicht mehr ernsthaft. Die anvisierte Währungsreform war jedenfalls vorerst vom Tisch. China und Russland waren perplex, beschlossen aber darauf, die Entscheidungsschlacht zu wagen: Assads Syrien würde nicht fallen.

Die USA war zu diesem Zeitpunkt bereits politisch gespalten und weltpolitisch in der Defensive. Die Spaltung dreht sich nämlich um die Frage, ob man weiter und mit verstärkten Militäreinsätzen die Hegemonie der USA behauptet. Hillary Clinton et al. wollten dafür das Regime im Iran stürzen, aber Obama nahm mit diesem Schurkenstaat Friedensverhandlungen auf. Also beschloss man als Kompromiss, wenigstens die syrische Regierung zu stürzen, den wichtigsten Verbündeten des Iran. In einer umfangreichen verdeckten Operation wurde ein sunnitischer Djihad bewaffnet. Leading from behind war Obamas Losung. Von den USA koordiniert, genauer wohl von Leuten wie David Petraeus oder John Allen, beteiligten sich zahlreiche Staaten, und die Sache wäre auch erfolgreich gewesen, wenn eben Russland und China nicht umgekehrt Assad gestützt hätten. Und wenn die USA sofort direkter eingegriffen hätte, aber Obama nutze die Kompromißformel Leading from behind für den von ihm – im Gegensatz zu großen Teilen seines Apparat – anvisierten Rückzug aus dem Nahen Osten. Wichtige Posten der Armee und der CIA wurden diskret gesäubert, Clinton verließ sein Kabinett am 1. Februar 2013 und am 14. September 2013 kam es zu einem faktischem Frieden mit dem syrischen Regime. Nennenswerte amerikanische Infanterie war eh nie vorgesehen gewesen, aber jetzt verzichtete die USA auch auf entscheidende Luftunterstützung des Djihad. (Am 14. Juli 2015 folgte das Friedensabkommen mit dem Iran.) Als dann Russland Ende September 2015 direkt in diesen syrischen Miniweltkrieg eintrat, war die Sache entschieden. Das war der Wendepunkt der US-amerikanischen Hegemoniekriege. Trump hat diese Unterstützung Assads begrüßt und wurde dann sogar 2017 Präsident. Ein guter Teil des inszenierten Geheuls gegen Trump kam von der Fraktion, die verloren hatte und im Grunde zurecht Trump als russischen Agent verdächtigte. Seine Parole, Make America Great Again, ist Ausdruck der eingestandenen Niederlage. Geordneter, also gestreckter Rückzug ist die Devise. Er folgt da Obama nach, die Spaltung der US-amerikanischen Politik ist seither nur deutlicher.

Indem wir an das Ende einer Reihe verlorener US-Kriege gekommen sind, wird sich die letztinstanzlich von der US-Armee künstlich erhaltene wirtschaftliche Dominanz der USA nicht aufrechterhalten lassen und es wird eine Neuordnung geben. Die Entwicklung der von Russland übernommenen OPEC lässt grüßen und alle Welt schaut jetzt auf Chinas neue Seidenstraße. Diese Umstrukturierung nimmt die Form von wahrscheinlich begrenzten Wirtschaftskrisen an. 2008 war die Welt noch von der Krise überrascht worden. Man weiß nicht, ob China wirklich überrascht war. Jedenfalls ist seither klar, dass man dafür sorgen muss, dass die USA in eine tiefe Wirtschaftskrise geraten können, ohne gleich die Welt mit in den Abgrund zu ziehen. Sie müssen sich der inneren Restrukturierung widmen, Industrie zurück holen, Armut verwalten, den Bürgerkrieg verhindern. Homeland Security und Einsatz der Nationalgarde im Inneren.

Gerade haben wir wieder eine Wirtschaftskrise enormen Ausmaßes. Die geschichtliche Besonderheit dieser Krise besteht dabei darin, dass sie freiwillig ausgelöst wurde, auf Initiative Chinas. Es handelt sich um eine politisch gewollte Wirtschaftskrise, nicht um eine spontane Zusammenbruchskrise. Geordneter Shutdown der Produktionsketten, angehaltener Atem auf der ganzen Welt. Man gibt allgemein einer Molekülverbindung die Schuld an dieser Krise, das ist aber Schein. Es ist einfach besser, die Krise einem außerökonomischen und auch außerpolitischen Fatum anzulasten als einem scheiternden westlichen Kapitalismus. Wir werden nun durch allerlei Maßnahmen auf einen Great Reset vorbereitet. Aber wie wird die rebootete Welt aussehen? Die allgemeine politische Parole unserer Zeit ist die sogenannte multipolare Weltordnung, also noch keine neue Hegemonialmacht, sondern gleich mehrere. Dazu eine Reform der UNO und des IMF. Die Frage der Reservewährung ist ungeklärt. Ein Topf mit den wichtigsten Währungen, verwaltet von einer internationalen Institution? Eine Kryptowährung? Einige erhoffen sich von der Multipolarität eine neue Friedensära. Das wäre etwas neues, eine Neuordnung ohne großen Krieg. Es ist letztlich der Traum eines neuen, wenigstens relativ stabilen Weltakkumulatiomsregimes auf Grundlage der 4. industriellen Revolution. China immerhin hat kein Interesse an einem kompletten Zusammenbruch der USA, und so könnte es eine Weile klappen. Eine Art Ultraimperialismus von rivalisierenden Blöcken, die sich einigermaßen in Schach halten.

Aber dieses Regime muss sich erst herausbilden und beweisen. Neuformierung der Bündnisse, die partielle Entflechtung der Welt in mehrerer Großräume wird diskutiert, lokale Kriege an deren Grenzen stehen an oder deren Vermeidung, Militärpolizei, Luftbombardierungen, digitale Überwachung, staatliche Kontrolle der Akkumulation. Vielleicht bald eine schrittweise Abwertung des Dollars? Zumindest kommen jetzt einige Karten auf den Tisch, während die Bevölkerung draußen bleibt. Eine kontrollierte Bevölkerung ist das A und O bei solch einem Kassensturz, zumal einige über den Ausgang überrascht sein könnten, da der Westen durch die alte Weltordnung über sein produktives Maß hinaus lebte und bequem geworden ist. Denn in jeder Wirtschaftskrise wird laut Fetisch gerufen, und wenn China dazu den Gong schlägt, zittert irgendwann selbst die deutsche Exportwirtschaft. Die Industrie wird dann neu gewogen, kleine Unternehmungen stehen verschärft auf dem Prüfstand, aber siehe Wirecard: auch große Unternehmen. Dann gibt es immer auch Sektoren, die sich freuen. Amazon schlägt den analogen Einzelhandel, Big Pharma setzt ihre molekulare Weltsicht durch. Im Ganzen aber freut sich die chinesische Industrie. Es ist schwer zu prognostizieren, was am Ende herauskommt. Aber der ehemalige Westen wird sich anstrengen und an seiner produktiven Basis arbeiten müssen. Gerade Europas Perspektiven sind eher düster, da es mit dem Dollar und der NATO groß war und mit beiden versinken könnte, tiefer als die USA. Aber ein reorganisiertes Europa könnte sich auch mit Russland verbinden. Vielleicht ein wenig programmieren lernen, Netzwerktechnik, GPS? Als erstes wahrscheinlich die Geburt des neuen Europas der Vaterländer aus dem Geist des vereinigten Grenzschutz.

Der Choc vom März sitzt jedenfalls tief, und der Nebel wird sich erst noch lichten müssen, damit wir die allgemeine Tendenz besser verstehen, die im Grunde offen vor aller Augen liegt. Nicht auszuschließen auch, dass es zunächst weitere Chocs geben wird, da sie uns für unerwartete Änderungen der Welt empfänglich machen und auch die Anpassungsleistung und Disziplin der jetzt buchstäblich Vereinzelten ermöglichen, die doch diese neue Welt aufbauen sollen oder deren Armut von dieser Welt verwaltet werden soll. Die durch solche Chocs erzeugte Angststarre macht uns fügsamer, und indem sie sich dann wieder löst auch flüssiger So kann vielleicht die Energie freigesetzt werden, die eine ernste politökonomische Umstrukturierung benötigt, vorausgesetzt, es tauchen politische Kräfte auf, die diese Energie nutzen können.

taken from here

Foto: Bernard Weber

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Rendering Marxism Real and Intelligible 

Marxism may have “lacked” the Real and tied its fate to the history-world. It may have consequently lacked the theory according-to-the-Real of this history-world. These are not just some “observations,” but a new style of theoretical hypotheses. They assume a “program” as much as they imply that program.

Compared to whatever philosophy’s past was, whether metaphysical or Marxist, philosophy as interpretation (herme-neutics), position (differential), correction (Marxist), decision in general, or whatever, can only but want to render itself more concrete and more intelligible, more real and better elu-cidated. This has been the case ever since Parmenides gave the definitive formulation being and thinking are the Same. What is important is the double action, this divided effect of philosophy on itself. Non-Philosophy, on the other hand, aban-dons this duality in order to deduce, not thought, but the trans-formation of thought, from the Real. And the Real is neither being nor thought, at the most it is a negative possibility for the concreteness of the object and rigor of thought, for the ob-ject that ceases to be empirical or the thought which ceases to be separately philosophical or scientific. ​Marxism is “realized” or “made concrete” by philosophy in several complementary ways: 1. By bringing Marxism a real ground that it was assumed to be lacking, since materialism is seen as an abstraction by philosophical idealism. However, from a larger and more encompassing [englobant] philosophical point of view, it does not at all lack the real, of which it has its own kind—this is an ​illusion bound up with the struggle of philosophical positions. It is only from a non-philosophical point of view that Marxism really lacks an identity and the Real as identity, it is from this perspective alone that it is an abstraction in a new sense, as is every philosophy. But we can only say that the materialist break lacks the “idealist” sort of Being and ground that it expressly intends to do without. Rather than replace it with a more philosophical “real,” we instead propose to identify the kind of non-philosophical Real that this philosophical real merely indicates in a symptomatic way. 2. By specifying and determining its efficacy for various situations, its revolutionary, critical, and transforming power of intervention [force d’intervention]. From this perspective, Marxism intends to effectively realize what every philosophy, even idealist ones, believes philosophy to be able to do: transform the world, no longer through meaning and interpretation, but at last to change the world practically. We propose here to accentuate this aspect by maintaining the reality and (relative) autonomy of the superstructure, of the object of its practice, rather than by deducing the superstructure in an idealist way from the infrastructure (i.e., from the existence close to the nature of society): consequently maintaining the consistency and the reality (not only “material”) of every “ideology” and every form of knowledge, like those of the object that it imperatively needs. Moreover, to axiomatically conceive a sufficiently universal Real in order to open the mode of immanence within it onto this reality of the superstructure, its now relative autonomy. So it is urgent to deregionalize the “infrastructure,” but also to undo how it has been made fundamental, to recognize in its Marxist form a model in the axiomatic and not philosophical sense, of the immanent Real, the identity of which is by definition more than a singularity—the universal in flesh-and-blood (the “universal,” as we will write it). ​3. Finally, it is equally urgent to identify what kind of order Determination-in-the-last-instance (DLI) really is, seeing if it must be understood dialectically or with a dialectical complement, or if it must be understood outside of every dialectic and even outside of every form of philosophical order. This is the condition for the universality of this “syntax.” The few indications Marx and Engels provided for this subject may only be worthwhile as symptoms in order to extract the radi-cal concept, meaning the real kernel of DLI rather than its “rational kernel” (which can only be a philosophical artifact). ​In other words, within the Marxist DLI there is nothing lacking philosophically. At any rate, DLI is unintelligible for reasons that are philosophical twice over: at first, unintelligible as the ultimate mechanism of transcendence, a motor of Philosophical Decision, and then unintelligible a second time as a materialist break which truncates this mechanism and amputates a part of itself. By contrast, we are looking for Marxist DLI—it is a concept clearly displayed or radicalized— a third form of unintelligibility where it would be unintelligible even for the terms of unintelligibility internal and proper to philosophy, thus of an unintelligible intelligibility within the terms of the thought-world. 

Unified Theory of Marxism

​There are several transformations of Marxism’s axioms that are necessary in order to rid Marxism of the philosophical antinomies and insufficiencies that paralyze its concept. For example (because there are many more): ​1. A uni-versalization of the concept of “base” or infrastructure, a uni-versalization of its real kernel and immanence in the form of a radical immanence of the last-instance foreclosed to every superstructure, so that here again the content of the infrastructure in the Marxist sense no longer appears except as a symptom and a limited model of this “real base” in a new sense. This new “real” is the presupposed that must suspend the philosophical antinomies of Marxism (which is better than “resolving” them). ​2. A syntactic uni-versalization, consequence of the radicalization of the “real base”: the axiomatization of the causality known as “determination-in-the-last-instance,” which must be understood as the non-ontological causality and in particular as non-materialist causality of the Real(’s)-immanence, and as the critique in actuality of material causality (and not only formal or final causality).​3. A “unified theory” of science and philosophy, recognized as one of Marxism’s essential but aborted projects. This is the condition for comprehending its historical form as a specification of this uni-versal scheme that we are calling non-Marxism. 4. A unification of other antinomies like theory and poli- tics, theory and practice, science and ideology, a unification that is every bit as immanent or in-the-last-instance. This is not a synthesis, fusion and confusion, but only identifications in-the-last-instance. Non-Marxism has no criteria for a choice between Marx and his tradition, between revolution and the ontology of the individual, between infinite rectification and permanent revolution, between class consciousness and taking a stand [prise de parti], etc. Non-Marxism does not take place among these antinomies or these opposed interpretations, but within the Real that unifies these antinomies in-thelast-instance within their theory, treating the whole tradition as a possible domain of available objects and properties. 5. A withdrawing from philosophical sufficiency through the theoretical reduction of philosophy to the radical immanence of its real base. It implies the distinction of philosophy’s structure and its sufficiency or pretension with regard to the Real. In this sense—as a pretension to the Real—it is more than an ideology, it is a hallucination but one which possesses a consistency or an objective reality, that of the “World.” The concept of ideology, even “material ideology,” is too general and unitary. Philosophy is the principle form, universal in its transcendent way, of every regional form of knowledge [savoirs régionaux] but it is what we are treating as the universal concept, this time in the radical sense of the word, of the superstructure. ​6. A mutation within the concept of the “(historical) science of ideology,” which must become even more of a universally “transcendental science” that is identically scientific and philosophical, a mutation of the form-world or philosophy, consequently of the thought-world (which encompasses [englobe] the regional forms of knowledge as they are drawn directly from philosophy, because they are “philosophizable” or pertain to the universalized concept of “ideology”).So we are not changing the general kind of hypothesis (the Real determines in-the-last-instance the theory that is adequate to it), but we mean to extract the theoretical (non-dialectical) kernel and primarily real (non-transcendent) kernel by transferring this hypothesis onto a terrain other than that of society and history, onto the terrain of the Real as radical immanence whose structure of “productive forces” is only a symptom still specified within the conditions of the thought world (of capital and philosophy reunited). It is important to recall the probable axis of Marxism as an emergent and universal theoretical style: on the one hand the determinationin-the-last-instance of theory by the Real (against the idealist interpretations of theory), on the other hand the immanent unification of philosophy and science (against the syntheses through supplementary philosophical axioms). From this perspective the distinction between HM (science of history) and DM (philosophy of science) is a theoretical catastrophe that is philosophical in essence and reestablishes an old hierarchy and a poorly elucidated distinction. But the discovery of the Real is necessary (and the discovery of theory as determined by the Real rather than by politics) in order to see the scope of philosophy’s resistance and worldly incorporation [englobement] and in order to bring an end to the vacillation of sometimes deciding for Self-Consciousness, and sometimes deciding for the Structure, sometimes for the Auto-interpretation, sometimes for Praxis, etc. This discovery is necessary in order to repeat the Marxist style in a radical way outside of the idealism (including materialism) of the thought-world. “Marxism”—it is necessary to keep this general proper name—is a theoretical discovery that Marx did not have the theory of (this is Althusser’s thesis). But this theory can only be formed through another discovery, one which can certainly no longer be the discovery of Structure and the Unconscious, but instead is the discovery of the condition of every emergence determined by the Real as Radical Immanence of-the-last-instance. Marx discovered in a practical way the unified theory of history-society, but restricted it right away to this object. He did not understand it as a specification of more universal axioms, the theoretical sense of which has not been laid out. He only discovered it inside, not only of this or that philosophy (this is the materialist break), but inside the primacy of philosophy, which subsists within the break. NonMarxism only grasps the “principle” of a universal theory, the axioms and theorems of which can later be specified in the restricted conditions of the thought-world. Complementarily, we must explain the global failure of this limited form, not only by the particular practical and theoretical limitations imposed by history and globalized capitalism, but by the nature of its fundamental axioms which are co-determined by the thought-world itself. It is not only the materialist break that is histrionically [théâtralement] enveloped within Hegelian idealism, it is also the unified theory that is, as enveloped, prevented from taking place within philosophy. 

Marxism, a Miscarriage, a Material, a Symptom, a Limited Model

Non-Marxism consists in uni-versalizing in-the-last-instance the scientific and philosophical formulas of Marxism and in suspending the ultimate validity of their representative form or more widely their form of the thought-world, while nevertheless conserving this validity as a simple material. There are several ways to consider Marxism under the general heading of “materials” according to the non-Marxist point of view: 1. As a premature and “miscarried” form, if you will, of nonMarxism; it is not contradictory to affirm its objective reality or consistence, and its aborted character at the same time. 2. Also the possibility of “repeating” Marxism, meaning cloning it, producing a clone with this material. 3. As a symptom that non-Marxism is condemned to use and so it is given the radical concept of symptom. 4. Finally, as a limited and particular model of non-Marxism, or something that has validity only within—or perhaps at the limit of—the thought-world.The specific rigor of Marxism is the search for the unilaterality of theory according to a real immanent base. But its insoluble contradiction, internal as a birth defect or an ir- retrievable malformation—which moreover gives it a kind of objective consistency—is the hurried effectuation, in a glob- ally philosophical mode, of this experience of the Real and the form of thought that it demands. Marx has, so to speak, poorly understood (or understood it in a “hasty” way under the influence of philosophy) the radical meaning of the new theoretical genre that he came close to. Unified theory is understood by Marx in a dominant mode, by nature philosophical, even when Marx meant to be scientific, rather than unified theory being understood as a real unification through its cause in-the-last-instance. This haste (worldly, capitalist-andphilosophical) caused Marx to short-circuit the conditions for a real “last-instance” and left his thought between miscarriage, symptom, and model, according to the aspect of the theory taken into account. So Marxism is: 1. a limited form of a unified theory, a theory under philosophical domination, where science and philosophy are not equal and not equally determined by the Real within a non-philosophy; 2. a nontranscendental science (not real in-the-last-instance), realized prematurely under a philosophical form; 3. a substitute (the HM/DM break) for philosophical essence (where DM anticipates and retcons [rétrospecte] HM), fills in for the absence ​of a uni-versal unified theory, which the science of history would only have been a mode of. A repetition, in a nearly really immanent base, which is therefore a uni-lateral repetition, is possible however and can be delivered—a second birth—as non-Marxism, while these givens will be transformed into symptoms and models. ​We are not putting forth historical hypotheses on the constitution of the Marxian doctrine and the Marxist tradition (following what political and theoretical crises?), we take them holistically [globalement] with their pretensions and their heterogeneity as a symptom of a status that is inseparably theoretical and experimental (its failures). If Marxism is in fact important for philosophy, this importance can only be seen from our perspective through a non-Marxist posture. A philosophy of Marx, for Marx, neo-Marxist, etc., can only be allowed as a simple enrichment of the materials or objects of non-Marxism. This is a symptomatic formation in two senses: in the banal sense of the word and in a more profound sense, only the non-Marxist perspective can make Marxism its symptom, as Marxism ceases to be read according to itself in order to be itself in its radicalized form. What is given as Marxism is instead an originally compromised philosophical sufficiency and themes or operations which announce non-Marxism, but without its radicality. ​The elaboration of non-Marxism modifies the axioms, but first the axioms that relate to the fundamental themes that are just as symptomatic here: real base, infra/superstructure duality, determination-in-the-last-instance, science and philosophy, the “three sources.” And to themes seemingly more secondary “aspects,” “sides,” “supports,” “instances,” “theses,” etc. Many of the symptoms we undoubtedly could interpret in the Hegelian style, or the structuralist one, but that already bear witness to a philosophical strangeness that it is necessary to follow rather than avoid. As long as we are willing to take a moment to receive it, let us say as an “affect” rather than as a weak form of the dialectic, a post-Hegelian figure, it manifests a kind of primary irreducibility and philosophical regression in which the interpreters refuse its chance. Is the duality of principle instances, for example, a “topographical metaphor” as topological idealism would like to believe? Without a doubt one is allowed to see a basic materialism, but this materialist duality must be conceived as immanent and (not only or primarily) as transcendent, spatial, drawn up and constructed according to the order of the World.Or even: the Marxist position within philosophy is the symptom of a more universal (uni-versal) posture than philosophy, this uni-versality marks its true “difference,” its extraordinary identity.Concerning all of these points, the essential symptoms for non-Marxism are apparently provided by HM rather than DM. On the other hand, understanding HM as a simple specified form in the history of an axiomatic that is uni-versal (and transcendental, not formal) otherwise than the Marxist one is apparently a permanent and “performative” critique of DM, at once of the “new materialism” and the revised dialectic that it needs. These appearances are not false but, more precisely, the fundamental concept of syntax which serves as a symptom for us is DLI, proper to HM, while what serves for us as a symptom of the concept of the Real is that of “matter” and its immanence, proper to DM. From our perspective, HM and DM are indissociable since a complete comprehension of philosophy’s structure is demanded, a structure which is always the association of these two complementary, or sometimes supplementary, dimensions. A single theory unifies here in an immanent way, outside of every division or antinomy, the two forms of materialism that it treats as materials. Non-Marxism does not “overcome” them within their dialectical unity, it unifies them by bringing them back to a cause-through-immanence. Marxism is here suspended, not absolutely, but in its philosophical sufficiency alone. Generally suspended and reduced to the state of materials from which we are producing a nonMarxism, Marxism becomes one of the dimensions of nonMarxism and a particular interpretation given by it. Marxism therefore necessarily becomes the object of a special repetition, we will call this special repetition “uni-lateral” and not “bilateral” or absolute. On the whole, the entirety of its axiomatic system is uni-laterally displaced by the function of determination (a function held by non-philosophy) in the “occasional” cause; by the place of a general theory and first philosophy, not of a simple “superstructure,” but of a unified theory, though regional or specified by the limited conditions of history and society. We will not confuse a specific effectuation of universal unified theory (which non-Marxism is) and a limited theory, philosophical in a dominant way (as Marxism spontaneously is). 

Marxism’s Philosophical Side

In general, though not to say without exception, the problem of the existence of a “philosophy of Marx,” indeed a “Marxist philosophy,” that has been presented and is to come remains posited inside philosophy itself. It is true that philosophy is present and interwoven in all of his works. This compromise with philosophical sufficiency does not at all save him, on the contrary, it only saves his “textuality.” In the work of the postmoderns, the “ideological” generality of the text has become the required reference so as to abstain from posing the problem of the “identity” (of Marxism) and so we are supposed to believe we are going to get rid of “totality” through these means. ​These two theses—1. There is no philosophy of Marx, only a Marxist usage of philosophical concepts and categories; 2. But Marx is decisive for philosophy—are correct though equivocal. They can take on a meaning that is strictly philosophical itself, because the “new materialism” and the critique of idealism expressed there are in the end recovered for the benefit of an ultimate philosophical authority. Or re- covered by another practice of philosophy, but this other practice, resulting from a materialist break, is too weak and too narrow to take up a global transformation of philosophy. Materialism, even a “new” one, is only an anti-philosophical or anti-idealist thesis, which needs a complement of a generally idealist-philosophical practice of concepts. The absence of philosophy then remains measured by the presence of its older particular forms and has an effect only on them. The philosophical circle is undoubtedly broken, but it is not abolished. At best the new categories forged by Marx serve to transform their old forms. Without it being a matter of an explicit auto-interpretation of these categories (always shifted, displaced in relation to themselves), it remains a more general and englobing circle of auto-interpretation that cannot be identified except under more radical conditions. ​As for what we have all too often believed, that Marxism has not been read as the philosophy it deserves to be, it nevertheless is one through and through, without then being only one. Even if philosophy is only one of Marxism’s “aspects,” it is only repressed by materialism. It is philosophy not only through its Hegelian references, the most apparent, but much more profoundly through its repressed Platonic roots, and remembered only recently—we will return to this issue. ​Marxism does not lack philosophy, it is simply a philosophy that is at once auto-mutilated and hetero-mutilated by the impact of science and politics, an impact it “loads” the autodivision proper to philosophy with. In fact, if not a systematic philosophy, within Marx there is at least some philosophy but, more fundamentally still, a constitutive remainder of philosophical sufficiency. ​So as to formalize the style of this co-belonging, we may say that Marxism maintains an internal and external relation with philosophy, a relation that belongs to philosophy’s congenital idealism. It is undoubtedly a nonphilosophical practice of philosophy on the whole, but the formula is ambiguous, overly general and liable to take on a final idealist sense. This is still an interpretation of “transformation,” it is not a transformation and it is more than a transformation of “transformation.” An interpretation of “practice,” not a practice and more than a practice of “practice.” Moreover, the more critical usages of Marx often significantly ignore the critical import of contemporary philosophy, for example that of deconstruction, which could have provided a warning concerning the unfathomable philosophical resistance, told of its power, of its ruses inaccessible to a simple materialist break. It is true that in order to “unify” revolutionary materialism and deconstruction, without simply “deconstructing” materialism or falling back into a philosophical synthesis, it is necessary to straight away exit the one, the other, and their being blended together. “Transformation” and “practice” cease to be the ultimate forms of (auto-)“interpretation” when the new materialism itself is related—in a manner altogether more rigorously Marxist—no longer to itself but to a heteronomous cause, tearing it finally from the constituent philosophical horizon. Philosophical Decision, cut off by itself and by something other than it (politics), still engenders materialism and once again renders Marx’s thought “decisive,” as the philosophers say, “for the thinking of our time.” The heterogeneous game of Marxism within or with philosophy, and of philosophy within or with Marxism, cannot confront the problem of its most fundamental axioms and above all the still philosophical status of its axiomatic type (“theses”).

Philosophical Normalization

​As materialism appears to defy the philosophical Reason that enables it to identify with idealism (the congenital idealism of Philosophy-with-a-capital-P), so many philosophers find it unintelligible and set out, as we mentioned, to make it “admissible.” There are innumerable attempts to render materialism philosophically acceptable: recently, for example, by existentialism (Sartre), through structure (Althusser), by the transcendental phenomenology of auto-affective life (Henry), through the transindividual as synthesis of the collective and the individual (Balibar), by the deconstruction of its “spectres” (Derrida), through contractuality and metastructure (Bidet). So many philosophies destined to supply it with a supplement of intelligibility and concreteness, of some anti-abstraction. Spinoza, Kant, Hegel, Nietzsche, Heidegger, etc., are perhaps like Noah’s cloak intended to cover this apparent lack of philosophy, an original incompetence that is itself philosophical. ​The thought that can be found within Marx has, for exam- ple, allowed for two unilateral excesses at the extreme limits. On the one hand, but not only, the Marxist-Leninist tradition that claims to enrich this thought and adapt it philosophically to the demands of “proletarian struggles,” providing it with the philosophy the proletariat needs. Hence a build-up of the transcendence (revolution, class struggle, taking a stand, and inversely, self-consciousness) of axioms that are generally taken from the philosophies of the day (Hegel, Kant, Nietzsche, Heidegger) or from the dominant ideologies (structuralism, Lacanianism, etc.). On the other hand, at the opposite extreme, the unconditional refusal of Marxism-Leninism, the return to the immanence of Marxian texts or, more profoundly, of the individual or labor power (Michel Henry). Sometimes worldwide revolution, world-communist, sometimes the textual and overcautious economy of contemporary thinkers who believe they can save a thought from being disowned by history by returning to its texts. A median solution consists in inferring, from the sketches and traces of a philosophy scattered even in texts, a philosophy for Marx, salient points of a thought in the process of emerging. A philosophy for Marxism can undoubtedly always be worked out in competition with DM, which is too easily declared foreign to Marx. But why return to these “idealist” schema (in a large sense)? So that it is at least materialist and at any rate intends to “leave philosophy?” They are normalizations and reappropriations, but also deviations. The philosophical normalization of Marxism, begun with Marx, is its principal deviation, more than a simple deviation, it is precisely the normalization of its non-philosophical style. The philosophical history of Marxism is that of a war of appropriation, of idealist reconquest, while its real history is that of its failure, its violence and what is undoubtedly joined with it, its theoretical incompleteness that motivates philosophical desire. We intend to maintain that neither Marx nor his interpreters have, at bottom, put forth the problem of philosophy and that Marxism is then still an interpretation of the World that adds to the thought-world rather than transforming it. Marx is a “nonphilosopher” by the strict measure that philosophy can always deny itself in the form of materialism—as far as that goes. This is a sense of “non-philosophy” that is scarcely weaker and less servile than the postmodern. As for its philosophical normalizations, they come back to represent it, to dissolve its “heretical” effects within an image of thought, to reject them as unintelligible whereas they are only philosophically unintelligible and their specific intelligibility must be invented. Does non-Marxism intensify it? re-affirm it? Rather, it radicalizes this emergence that returns to the thematic of “exiting philosophy” (Ausgang) through a non-philosophical practice of philosophy. 

Non-Marxist Practice of Philosophy 

How can the opaque heart in more than one account of Marxism be elucidated? Rather than adding philosophical axioms to the opacity of determination-in-the-last-instance and the opacity of its real conditions of performation, filling in this philosophical void, this void which is philosophy itself, with the repeated attempts to proliferate neo-Marxisms meant to nuance Marxism and make it tolerable, it is a matter of returning to its simplicity and its minimal character, and above all returning to the radicality of its axiomatic and understanding that it is at least a line of flight outside of philosophy, and undoubtedly more. Rescuing Marxism from metaphysics is effectively an illusion as long as it is not rescued from philosophical sufficiency itself, belief in the Real and desire for the Real. This is Marxism’s divided and uneven history, its doctri- nal multiplicity, this is the salvage efforts that have given rise not only to political and historical causes (more profoundly they are causes of philosophy itself) but also its dialectical essence so as to appear as if it were the best while really being the worst. Marx wanted to practically transform philosophy and intervene in the World. But the idea of this transformation is itself philosophical and worldly. The philosophy-world is not in itself really able to be transformed and it is only able to be transformed for the subject, which is the “Stranger”—being the real content of the “proletariat” and “class struggle”—and transformed for its account alone. It is more than a correction of these concepts within the same problematic that it needs, maybe more than an overhaul of the problematic—an abandonment, we will see, of the “problematic”—and of its philosophical sense to the benefit of the “unified theory.” But what is still more radical than the overhaul is the change of terrain. Furthermore: this is the same acquisition of a terrain upon the non-place of philosophy. Or better still: this is the being-given (of) terrain rather than the givenness of a new terrain. And it is, on the other hand, the axiomatic acquisition of a new object, the thought-world as the unification of capitalism and philosophy. Marxism has a meta-Marxist dimension, a supplementary philosophical duplication, which is the element of all these corrections, improvements, rejuvenations, renewals, etc. But for the other terrain of the radical Real, foreclosed to theory, it is possible to identify within the jumble of heteroclite categories of the Marxist tradition (vulgarly interpreted as “imaginary Marxisms”) the uprightness of a rigorous theoretical intention for the innermost unification of science and philosophy, the invention of a new kind of thought. ​In order to identify this “posture,” it is not necessary to add postulates to what already exists, to philosophically complexify Marxism and include it within a more general structure that is always assumed to be first. We propose a minimalism or a simplification, better yet: an impoverishment of Marxism. Philosophical enrichment is the process of all the post-Marxisms and all the overhauls, a process which responds to a unique and double slogan that is, as we know, of a philosophical nature: make Marxism more concrete, make it closer to the singularity of the individual, to the singularity, to the “real” of history; make it also more intelligible by importing scientific and, above all, philosophical elements. In its generality, this double slogan could also be, as we have seen, that of non-Marxism, but it gives it a non-philosophical sense and realization. Non-Marxism is not, in particular, the substitution of a new philosophy as a better foundation for an old one. Marxism already possesses its philosophy, it has all too much of it. And it is the global position and the usage of this philosophy that it is a matter of evaluating, as encompassing [englobant], the materialist break and later, on the basis of this material, as a simple support [apport] inside this new theory. Non-Marxism’s wager is that these philosophical appropriations, among other less coherent and polished ones, lack non-Marxism’s specificity which is to be a theory of existent forms of knowledge unified by the Real itself as Determination-in-the-last-instance. Let us try to think these aspects of Marxism together, each in its place and without one dominating the other. We will give up on once again grounding it in “reason” and in the “dialectic,” in “structure” and in “life,” which runs the risk of spreading the evil, namely this trait of being premature or hasty which did not leave Marxism enough time to perform its “idea,” if we can put it that way, or its “Telos.” Not thinking Marxism’s position but radicalizing its own invention of a theoretical posture of an unknown type, nothing less than its “accomplishment….” If there is a non-philosophical practice of philosophy, it cannot only be a political practice, but more universally a real practice of philosophy. How do we make philosophy a simple contribution [apport], equal to the others, with its sufficiency removed from it, if not by determining it in-the-last-instance by the Real which is as non-political as it is non-scientific and non-philosophical? The non- cannot have any other “content” except that of the radical immanence of the Real or strictly following from it, without being a relation of negation to philosophy itself and co-determined by it (or by class struggle, etc.). We will invert—at least—the usual approach of a philosophical appropriation of Marxism. Rather than completing Marxism through axioms drawn from the tradition, in general from transcendence or the thought-world, from thought-as-capital, we will instead disappropriate every constitutive relation to philosophy (but not its materials, symptoms, and models), i.e., every relation to it that is itself philosophical. 

Discovering the Identity of Marxism

The first appearance of a thought may not be the least re- fined, the least inhuman, even if it is the most tragic. Maybe a special repetition, a uni-lateral one, without reciprocity, is necessary in order to explain it without deferring to it. Something like a eugenics of theory might be possible precisely because man as presupposed radical real excludes the possibility of eugenics for humanity’s benefit. Marxism can give the impression that it is a theoretical composite, contradictory, and poorly formed from various contributions that have been constructed by a philosophical position itself at the limits of self-contradiction. Maybe it will have to be a myth so as to tell of its birth—but this myth already exists, it is the philosophy or form of the thought-world. However, our non-Marxist task is also, identically, to find the internal law of this apparently poorly implemented assemblage. Its condition is this and only this: Marxism is not recognized but cognized: it is discovered rather than rediscovered. There will be effects of recognition and reappropriation (Marxism as the assumed “anticipation,” “germ,” etc., of non-Marxism), but these are objective appearances produced necessarily by the resistance of the thought-world. The Identity-(of)-Marxism is only given as if it were in the mode of an objective appearance from its beginning, through the laborious and “intersected” conditions of its birth. Now that we know the ruses and strengths of philosophy even better after Hegel, as sufficient-for-the-Real and not only as a doctrine and particular thought, we can better appreciate its theoretical specificity and deliver ourselves from this objective misunderstanding, to various degrees that are more or less subtle: a relation of Marxism to philosophy that would be essential, whatever the sense of causality, albeit only for Marxism over philosophy. Non-Marxism can make an occasion, a symptom, and model from the thousand imaginary, paleo-, neo-Marxisms, and those Marxisms yet to be born. The identity of a real base foreclosed to the existing and nonexistant Marxisms is postulated by non-Marxism under precise theoretical conditions. As if the “infrastructure” was radically foreclosed to every action of the “superstructure,” from which we posited the conditions and have drawn all the effects. At bottom it is a matter of dismantling the Principle of Sufficient Marxism not through history, capital, and philosophy altogether but, on the contrary, through a non-sufficient conception of the real base and infrastructure, which we will explain, is an ontological non-sufficiency which does not contradict its being-foreclosed to the superstructure, to the contrary. Aporias, suffering, desire and resentment, the entire game of the impossibility of history must be eradicated, ​at least from its real conditions, and expelled from history itself and from the thought-world. So for non-Marxism it is not a question of claiming to install itself at the heart of the same impossible “identity” that Marxism wanted, it is not a question of believing itself to be capable of defying its failure and finally realizing what it had intended to do and where it had failed. This is why it is not its failure that motivates us and makes us think in this way and through this style. This is only an occasion and a conjuncture and, Marxism being definitively lost for history, it would no longer have more to it than being a function of the World’s object and material for a thought coming from elsewhere than history.Non-Marxism assumes then the abandonment of several philosophically minded operations upon the most general postulates: deconstruction, reconstruction, renovation, neoMarxisms, dialectization, the crossbreeding with the human sciences, etc. All of these projects are of course possible but prolong the same transcendental illusion so long as they are not themselves ordered by a Real and by a uni-versality of the non-Marxist type. To reconstruct, to deconstruct, to reform, etc., Historical Materialism, in particular by conserving the same philosophical presuppositions of materialism and the dialectic, are attempts at disguising destined to return a second time, in a comic role, the hero now free from a tragic history. Projected from their foreclosure, the discovery of the Real and the syntax that accompanies it, the specificity of its theoretical style, does not redivide it, nuance it, displace its decisions, or complexify its axioms. The classic question from the neo-Hegelians to Althusser—how do we break with Hegel?—must be formalized and universalized by nonMarxism: how do we break with Philosophy-with-a-capital-P itself as sufficiency rather than as a particular doctrine (be it no more distinctive than that of Hegel)? Even this question is still too philosophical; it does not make Marxism a solvable and “scientific” kind of problem. Marxism still presents itself as an interminable question rather than as that which deduces itself from axioms: be it the Real or radical immanence, as a presupposed that is not confused with organic labor power or subjectivity, what then results for Marxism, what will become possible out of Marxism for the “stranger-Subject” (the real core of the “proletariat”)? The real presupposed must be as capable of giving Marxism itself in an immanent way as a theoretico-political formation that originally has something of the thought-world’s nature.But what should be understood by the radical being-given of Marxism? That it is precisely a simple occasion uncovered or emerging from the being-manifest or being-given (meaning radical or without-an-operation-of-givenness) (of) the “last instance.” ​excerpt from the book: INTRODUCTION TO NON-MARXISM/ Chapter 2 by ​François Laruelle

Translated by Anthony Paul Smith/Univocal

taken from here

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Notiz zur Langeweile https://non.copyriot.com/notiz-zur-langeweile/ Sun, 20 Sep 2020 08:18:07 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13756

Nietzsche erfindet eine Typologie der Langeweile, in der die Langeweile zunächst ein positives Zeichen für das Leben des Gelehrten ist, während der gewöhnliche Denker vor der Langweile flieht und Zerstreuung mit seiner Teilhabe in den Unterhaltungsmaschinerien sucht, Mode, Musik und Kunst, im Reisen oder im Sportbetrieb, all den Codierungen bzw. symbolisch-kommunikativen Sinnstiftungen, die der Integration der Masse dienen. Die »gute« Langeweile gleicht dagegen einem Schwebezustand, der zwischen formloser Wahrnehmung und dem Bedürfnis nach Gestaltung pendelt. Man sieht da gerade seinen Philosophieprofessor vor sich, denjenigen mit leiser Stimme und wohltemperiertem Klang, der erklärt, dass Heidegger wohl ahnte, dass die ontologisch-existentiale Stimmung des Man als ein Ängstlich-Sein-zum-Tode in den modernen synkretischen Differenzkulturen in das umkippt, was der Professor ein Gelangtweilt-Sein-zum-Tode nennt. Die Konsumenten unserer Metropolen, erscheinen ihm keinesfalls von Angst zerfressen, sondern trotz des 24-Stunden-Entertainments oder womöglich des Konsums von Extremsportarten, zu denen er übrigens auch seine Car-Races zählt, eher gelangweilt oder abgebrüht zu sein, ausgelaugt durch die versicherten Wiederholungsstrukturen  der täglichen Routine, aber phasenweise auch wieder köstlich amüsiert, vom internetgestützten Ballermann-Sex bis zum Boxenstopp-Sex an der Reichtumsspitze, etwa in der Flavio-Briatore-Klasse; alles in allem leiden diese Konsumenten unter dem Vergnügen und den viel zu vielen Möglichkeiten - die Möglichkeit als die härteste Droge? Die Todesdroge? -; simultan gehen die Konsumenten zu abgrundtief schlechter Langeweile durch Shopping-Malls spazieren und oft gerinnt die »gute« Langeweile selbst bei Leuten zur trivialen Frustration und taut hier und da in Gewaltexzessen wieder auf, oder man lässt Cloning, plastische Chirugie und Doping zu attraktiven Spitzentechnologien avancieren, nicht zuletzt Telematik, Informatik und Netzwerkindustrie, die nebst globalisierter Partnersuche, Avatarkram sowie Dirty-Chatting die Eigenkonstruktion eines Second Life ermöglicht, etwa die Einrichtung imaginärer Bordelle, wo die Sexuser, ganz »man« geworden, beliebig modellierte Partnerinnen oder Partner zu Sexparties einladen, badend in komplexen Stimmungen eines implizit Unbewussten, den Stimmungslagen des Gelangweiltwerdens von etwas und des Sichlangweilens bei etwas. Die radikale Mediokrität hat uns allen diese Schichten implementiert. Fraglich bleibt, ob die gelangweilten und zugleich stark amüsierten Subjekte in der Lage sind, jene dritte, tiefe und fundamentale Schicht, die Heidegger zumindest angenommen hat, zu registrieren, die Leere im Herzen einer "Risikogesellschft", die permanent versucht sich abzusichern oder zu versichern. Und wird die Langeweile von einer Person nicht mehr ausgehalten, so wendet sie sich gegen sich selbst oder schlägt in den Aktionismus von hyperaktiven, sich selbst disziplierenden, lehrenden und lernenden, also übenden Subjekten um. Man denkt an das Paradox eines weinenden oder lachenden Roboters. Die übermäßige Erregbarkeit ist der Gegenpol zur Langeweile, wobei die Pendelbewegungen das einigende Band sind, eine ubiquitäre Form des Bemühens, mit der Leere der "Risikogesellschaft", die zugleich ihrer Fülle entspricht, auszukommen. Die Erregbarkeit manifestiert sich in allen möglichen Spielarten von Süchten oder mündet in Netzwerk-Abhängigkeiten, in der Klammer, der Relation von Wiederholungsmustern pseudorituellen Verhaltens und der Kontrolle. Aber leben wir damit schon in einer Welt jenseits des Sinns? Nein, eher der Überfülle von Sinn. Die Zukunft unserer technologischen Selbstmanipulation qua Digitalisierung, Biogenetik und Prothesenherstellung erscheint uns nur sinnlos, wenn wir sie innerhalb des Horizonts unserer Vorstellungen dessen, was ein sinnvolles Universum ist, messen wollen. Zugleich hat der Kapitalismus als erstes sozioökonomisches System die Bedeutung enttotalisiert; Kapitalismus kann sich im Zuge eines erschlaffenden Nihilismus jeder Kultur anpassen, jeder Religion, denn allein das Reale der profitmaximierenden Märkte & Netzwerke im Sinn von Sinnproduktion zählt. In Zeiten von Junk News, Junk Food, Junk Money und Junk Selfishness folgt die universelle Kamera jedem Prominenten und dessen Abklatsch nicht nur bis in das Schlafzimmer, sondern auch bis in das Badezimmer und die Toilette. Wir schauen nicht Fernsehen, wir leben mit dem Fernsehen. Ökonomisch ist der Kapitalismus mit Staatsverschuldung und Konsumentenkredit ans Ende der Zahlungsketten, kulturell in der Erschlaffungsphase des Nihilismus angelangt und politisch gleicht er einem Irrenhaus. Seine Machtimplosionen lassen allerdings angesichts des geistig-affektiven Zustands seiner Bewohner gar nichts Gutes erwarten.

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Financialization:Market Discipline or Capital Discipline? https://non.copyriot.com/financializationmarket-discipline-or-capital-discipline/ Sat, 19 Sep 2020 08:44:57 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13753

John Milios/ Dimitris P. Sotiropoulos

A crucial aspect of nearly all contemporary approaches to imperialism is the idea that the domination of neoliberalism and of the globalized financial sector of the economy produces a predatory version of capitalism, a capitalism that inherently tends towards crisis.

read here

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10 Fear Factors: Warum die Krise noch richtig eskalieren könnte https://non.copyriot.com/10-fear-factors-warum-die-krise-noch-richtig-eskalieren-koennte/ Fri, 18 Sep 2020 12:45:00 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13748

taken from Ajour Magazin

Die Welt steuert auf eine wirtschaftliche Krise gigantischen Ausmasses zu, auch wenn das Thema wieder etwas aus der öffentlichen Diskussion verschwunden ist. Was passiert, wenn die staatlichen Stützungsmassnahmen auslaufen? Was bedeutet es eigentlich, wenn Teile der Wirtschaft für mehrere Monate eingefroren werden. Ein Überblick über 10 Gefahrenherde, die die Krisen vertiefen könnten.

Wenn das Geldmachen blüht, bringt es neben Reichtum auch ungeheures Elend hervor. Wenn das Geschäft aber einbricht, eskaliert das Elend. Genau das scheint nun auf uns zuzukommen: Die Weltbank hat ihre bereits düsteren Wirtschaftsaussichten vom April nochmals deutlich nach unten korrigieren müssen. Die globale Wirtschaft schrumpft demnach 2020 um fast 5 Prozent. In den hochentwickelten Ländern soll das Bruttoinlandprodukt (BIP) – in dem die Wirtschaftsleistung gemessen wird – um volle 8 Prozent einbrechen.

Die grosse globale Krise ab 2007 war deutlich weniger verheerend, die Folgen aber katastrophal: Die Arbeitslosenzahlen schossen in die Höhe. Sozialausgaben wurden vielerorts zusammengestrichen. Die arbeitende Bevölkerung ganzer Länder wie etwa in Griechenland wurde ins Elend gestossen. Während die politischen Spannungen vielerorts zunahmen, eskalierte in der Ukraine ein Krieg, der bis heute andauert.

Angesichts dessen kann einem die wirtschaftliche Perspektive den Angstschweiss auf die Stirn treiben. Das World Food Programme (WFP), eine humanitäre Institution der UNO, hat bereits vorausgesagt, dass die Zahl der akut Hungerleidenden bis Ende 2020 weltweit um über 80 Prozent auf 270 Millionen ansteigen wird.

Es gebe verschiedene Faktoren, deren Entwicklung sich noch nicht bestimmen liesse, schrieb die Weltbank, als sie die düsteren Zahlen veröffentlichte. 10 Gefahrenherde sind hier aufgeführt und kurz erklärt. Sie könnten die Wirtschaftsentwicklung nochmals deutlich beeinträchtigen und die Eskalation des Elends beschleunigen.


1. Die Pandemie

Täglich werden zum Corona-Virus neue Studien publiziert und neue Nachrichten veröffentlicht, die vor allem Fragen aufwerfen. Überträgt sich das Virus über Aerosole? Welche medizinischen Folgen können leichte Infektionen haben? Welche Organe sind betroffen? Kann man ein zweites Mal infiziert werden? Was heisst das für eine Impfung? Fest steht: Wir wissen noch immer sehr wenig über das Virus und darum auch über die Entwicklung der Pandemie.

Deshalb kann auch niemand sagen, was im Winter, wenn sich die Menschen wieder mehr in Innenräumen aufhalten, genau passiert. Es könnte sein, dass die Fallzahlen nochmals in die Höhe schiessen und dass die Kranken und Toten die Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen, wie das Erhebungen nahelegen (Grafik). Darauf hin könnten auch nochmals harte Schutzmassnahmen nötig werden, welche weitere Schäden verursachen würden. 

Die Grafik deutet auf einen Zusammenhang von Covid-Todesfällen und dem Einbruch der Wirtschaft hin: Die vertikale Achse zeigt die registrierten Covid-Toten pro Million Einwohner*innen. Die horizontale Achse den Einbruch des BIP.

Grafik: Our World in Data
Daten: European CDC, Eurostat, OECD und individuelle nationale Statistiken


2. Die Konkurswellen

Die BIZ, die Dachorganisation der Zentralbanken, rechnete aus, dass 2017 über 12 Prozent aller Firmen in den wichtigsten hochentwickelten Nationalökonomien sogenannte Zombies waren: Sie überleben nur, indem sie sich immer weiter verschulden. Überhaupt ist die Verschuldung von Firmen – aber auch der Haushalte und der Staaten – in schwindelerregender Höhe. Insgesamt soll die Schuldenlast, von der die Firmen einen Drittel tragen, im Frühling rund 258 Billionen Dollar betragen, wie das Institute of International Finance (IIF) berechnet hat. Das ist deutlich mehr als die Weltwirtschaft in drei Jahren leistet.

Das kann gut gehen, solange die Profite sprudeln und die Firmen damit ihren Schuldendienst leisten können. Die Credit Suisse hatte aber schon 2019 gewarnt, dass sich die Zahlungsausfälle häufen würden, wenn sich das Wirtschaftswachstum stärker abflache. Derzeit erleben wir keine Abflachung, sondern einen regelrechten Einbruch: Mancherorts ist das Geschäfts auf Eis gelegt und gewisse Branchen wie die Gastronomie oder der Tourismus dürften noch länger mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben.

Noch werden viele Firmen mit Hilfe von staatlichen Massnahmen über Wasser gehalten. Viele Analyst*innen sagen aber: Wir werden im Herbst eine Welle von Unternehmenspleiten sehen. Der Wirtschaftsdienst Bisnode D&B warnte gar vor einem «Konkurs-Tsunami». Das wird Folgen haben. Der US-Zentralbanker James Bullard gab kürzlich zur Financial Times zu Protokoll: «Eine Welle von grösseren Unternehmenspleiten könnte in eine Finanzkrise münden».

Die Anzahl der Konkurseröffnungen in der Schweiz. Im Jahr 2020 (die rote Linie) wurden bis jetzt weniger Konkurse registriert, als in den drei Jahren zuvor. Das dürfte vor allem auf die staatlichen Massnahmen zurückzuführen sein. Wenn diese auslaufen, wird sich das Ausmass der Verwüstung erst zeigen.


Grafik: Kanton Zürich
Daten: Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB)


3. Die Finanzkrise

Das sieht auch Deutschlands höchster Bankenaufseher so: «Die Institute müssen mit Kreditausfällen rechnen, vermutlich in mehreren Wellen – trotz der milliardenschweren Hilfsprogramme», sagte Felix Hufeld letzthin im Hausjournal seines Instituts. Die grosse Ratingagentur Standard & Poor’s, welche die Kreditwürdigkeit von Schuldner*innen bewertet, rechnet damit, dass bis Ende 2021 Kredite in Höhe von 2,1 Billionen Dollar ausfallen werden – 228 Milliarden Dollar davon sollen in Westeuropa anfallen.

Diese Ausfälle müssen die Banken mit eigenen Mitteln kompensieren, sonst müssen sie Konkurs anmelden. In der Krise nach 2008 hat sich gezeigt, wie schnell das gehen kann. Die damit verbundene Unsicherheit und Vertrauensverluste können zudem zu einem Lawineneffekt führen, der den Geldmarkt austrocknet und die Finanzinstitute an den Rand des Zusammenbruchs drängt. Dies wird dadurch verschärft, dass im Finanzsystem einige Zeitbomben in Form von komplexen, kaum durchschaubaren Finanzprodukten lauern.

S&P Global hat bis Ende Juli 2020 bereits 1190 Mal die Kreditwürdigkeit von Firmen herabgestuft. Das sind nur 136 Downgrades weniger als die Rekordzahl von 1326, die im im Banne des globalen Finanzkrise im Gesamtjahr 2009 erreicht wurde.


Grafik: Reuters
Daten: Standard and Poor’s Global


4. Die «Wertberichtigung»

Die Börsen bilden derzeit weder die reellen Wirtschaftsperspektiven ab, noch die drohenden Gefahren. Sie befanden sich nach einem harten Einbruch im Frühling in einer regelrechten Himmelfahrt (zeigten aber kürzlich wieder etwas nach unten). Das hat viel mit einer «Erzählung» – einem regelrechten Märchen – in Investor*innenkreisen und wenig mit den Entwicklungen an der ökonomischen Basis zu tun: Offenbar glauben die Anleger*innen, dass kein weiterer Lockdown ansteht und vor allem auch dass die Zentralbanken mit ihrem vielen Geld alles retten. Die Zentralbanken haben seit dem Lockdown mit ungeheuren Summen die Finanzmärkte stabilisiert.

Nun sind aber viele institutionelle Investoren – die grossen Fische wie Pensionskassen, Versicherungen und Kreditinstitute mit eigenen Analyseabteilungen – vorsichtiger geworden. Sie gehen offenbar davon aus, dass sich die «Erzählung» irgendwann der reellen Entwicklung anpassen wird: Das hiesse, dass die Kurse wiederum in die Tiefe purzeln. Das könnte zum einen finanzielle Probleme für jene nach sich ziehen, die auf steigende Kurse gewettet haben. Zum anderen würde es die Geldaufnahme – etwa durch die Ausgabe von Aktien – erschweren, weil die Investor*innen ängstlicher und zurückhaltender werden.

Der MSCI World Price Index bildet die Kurse von rund 1600 Aktien aus 23 Industrieländern ab. Der Tiefpunkt des Index wurde am 23. März 2020 erreicht. Damals legte die US-Zentralbank ein gigantisches Massnahmepaket vor und signalisierte, dass sie alles tuen würde, um die Kurse zu stützen.

Grafik erstellt auf Financial Times


5. Die Lieferketten

Die Weltwirtschaft ist ein dichtes Geflecht von Liefer- und Verwertungsketten. In einem Kraftfahrzeug etwa stecken laut Drive Sustainability, einem Zusammenschluss von führenden Autoherstellern, rund 30’000 Komponenten. Diese bestehen aus unzähligen unterschiedlichen Rohmaterialen, die rund um den Globus abgebaut und verarbeitet werden. Jedes etwas komplexere Produkt enthält Bestandteile, die um die Welt gekarrt wurden: Einerseits weil bestimmte Rohstoffe nur in bestimmten Ländern vorkommen, andererseits aber vor allem auch, weil damit Geld gespart wird. Wenn nun eine der Liefer- oder Verarbeitungsstationen ausfällt, dann leidet die Produktion des Endprodukts erheblich oder fällt gar aus.

Darum schauen Ökonom*innen mit grosser Sorge auf die Entwicklung der Pandemie und auf die Lockdowns in den verschiedenen Ländern. Mitte Mai führte der deutsche Verband BME eine Umfrage unter seinen fast 10’000 Mitglieds-Firmen durch: Die Hälfte der Teilnehmenden gab an, dass ihre Geschäftsaktivitäten durch Probleme in den Lieferketten stark bis kritisch beeinträchtigt seien. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vom Juli sagten 38 Prozent der Firmen in Deutschland, dass sie aufgrund der Pandemie nach neuen Lieferant*innen suchen würden – eine überwiegende Mehrheit davon will auf lokale Lieferant*innen setzen oder zumindest in der EU Ausschau halten. Das dürfte neben wirtschaftlichen auch politische Auswirkungen haben.

Das Elektrofahrad Pedego Conveyor wird mit Teilen aus der ganzen Welt produziert. Neun Länder liefern Vorprodukte, die hauptsächlich in Vietnam zusammengesetzt werden.

Grafik: World Bank Group; World Development Report 2020


6. Der Konjunkturdämpfer im Vorfeld

Die Pandemie wäre auch für eine vitale kapitalistische Weltwirtschaft eine riesige Herausforderung gewesen. Doch sie traf auf eine Welt, die schon länger in einer latenten wirtschaftlichen Klemme steckte. Die Zentralbanken pumpen seit über einem Jahrzehnt enorme Mengen an Geld in die Märkte, um das System am Laufen zu halten. Und dennoch hatte sich erst kürzlich die Aussicht wieder eingetrübt.

Vor der ersten Schreckensprognose nach dem Pandemieausbruch hatte die Weltbank ein «langsames Wachstum» vorhergesehen. 2019 war die Weltwirtschaft noch um 2,4 Prozent gewachsen und für das laufende Jahr gingen die Weltbank-Ökonom*innen von einer ähnlichen Entwicklung aus. Das ist das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise. In diese Stockung fällt nun auch noch die krasse Reduktion der Wirtschaftsleistung durch Pandemie und staatliche Massnahmen.

Der Kapitalismus ist aber auf Wachstum angewiesen: Die einzelnen Unternehmen versuchen ihre Produktion möglichst auszudehnen und Marktanteile zu erzielen, um ihre Profite zu vergrössern. Damit das insgesamt halbwegs gut gehen kann, braucht es ein entsprechendes Wachstum der Märkte. Sonst kommt es irgendwann zu Bereinigungsprozessen: Entwertungen, Konkurse, Arbeitslosigkeit und Folgen, wie wir sie in grossem Ausmass zuletzt nach 2008 beobachten konnten. Auf eine solche Bereinigung, wie sie im Kapitalismus periodisch sektorenübergreifend erfolgen muss, steuerte die Weltwirtschaft vermutlich schon vor der Pandemie zu.

Das Wachstum der globalen Wirtschaft von 1960 bis 2018 in Prozent. Der Schnitt lieg in den «goldenen Jahren» von etwa 1950 bis 1973 deutlich höher als danach. Das Wachstum des globalen BIP im kurzen Zyklus nach der Krise von 2008 zeigt geringe Ausschläge und stieg – ausser im Jahr direkt nach dem Crash – kaum Mal über 3 Prozent.

Grafik erstellt auf worldbank.org
Daten: Weltbank


7. Der Zyklus und die Krisentendenzen

Die kapitalistische Wirtschaft entfaltet sich in Zyklen: Perioden mittlerer Lebendigkeit, Prosperität, Überproduktion, Krise und Stagnation folgen aufeinander. Dabei sind die Krisen Prozesse, in denen die kapitalistischen Widersprüche gewaltsam ausgeglichen werden und aus denen das Kapital in neuer Zusammensetzung gestärkt hervorgehen kann. Die Wachstumsraten nach 2008 waren aber nicht besonders hoch und es wird unter marxistischen Ökonom*innen darüber diskutiert, ob nicht bereits 2008 eine tiefe Krisenphase angefangen hätte und ob nicht die Zentralbanken mit ihrem vielen Geld die Ausgleichung der Widersprüche zumindest teilweise blockierten.

Der Grund für die konkreten Kriseneinbrüche ist immer ein historisch spezifischer, der sich meist aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Aber es gibt eine generelle Tendenz, die Krisen notwendig macht: Eine tendenziell sinkende Profitrate. Die Profitrate ist der wichtigste Antrieb für den Kapitalismus: Firmen produzieren, um Geld als Profit zu verdienen. Dieses wiederum wird zum Teil reinvestiert, wenn neue, noch grössere Profite winken. Damit wird auch die Nachfrage angetrieben – weil Investitionen zugleich Nachfrage nach Maschinen, Rohstoffen etc. erzeugen und mehr Lohnabhängige für die Produktion angestellt werden. Eine tiefe Profitrate muss noch keine Krise erzeugen, zumal es Gegenmassnahmen wie Lohnkürzungen gibt. Bei einem wirtschaftlichen Einbruch geraten aber dann mehr Firmen in Probleme, wenn ihre Profitraten bereits tief waren.

Die zyklische Entwicklung der Grosshandelspreise in Gold umgerechnet. Die grau unterlegten Flächen stehen für Krisenphasen, in denen erst die Preise einbrechen: Deflation. Dies ist in akuten Krisen ein Zeichen von Überproduktion von Waren (ein Aspekt genereller Überakkumulation) bei der zuviel an Waren auf beschränkte geldvermittelte Nachfrage trifft.

Grafik
Anwar Shaikh; Capitalism. Competition, Conflict, Crises


8. Die Mehrwertproduktion

Wieso sich die Konjunktur bereits vor der Pandemie eingetrübt hatte, erklären bürgerliche Ökonom*innen meist mit externen oder psychologischen Faktoren. Dabei geht es um das innerste des Kapitalismus: Die Produktion von Mehrwert und dessen Verteilung als Profite an die Unternehmen. Der Mehrwert ist längerfristig überhaupt die Basis für das, was dann verteilt werden kann. Zustande kommt er, wenn sogenannte abstrakte Arbeit verausgabt wird. Wenn nun durch die staatlichen Massnahmen die Arbeitsstunden massiv runtergefahren wurden, dann trifft dies auch die Produktion von Mehrwert.

Die International Labour Organisation (ILO) ging Ende Juni davon aus, dass im zweiten Quartal 2020 die weltweite Arbeitszeit um 14 Prozent niedriger ausfallen würde, als im Vorkrisenquartal. Das entspricht 400 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen bei einer 48-Stunden-Woche, so die UN-Sonderorganisation. Das ist nicht nur für die Betroffenen fatal, sondern bewirkt auch einen krassen Rückgang der Mehrwertproduktion. Die Folge wird sein, dass sich eine kleinere Mehrwertmasse auf weniger Kapitale, also weniger Firmen verteilt. Die längerfristigen Effekte, nämlich Konkurse und Arbeitslosigkeit, lassen sich an den neusten Zahlen erst erahnen. Die wirklichen Auswirkungen werden sich zeigen, wenn die Staatsmassnahmen auslaufen.

Die Einbussen an Arbeitsstunden im ersten und im zweiten Quartal 2020. Aufgeschlüsselt in Weltregionen und in Länder mit unterschiedlichen Einkommensniveaus.

Grafik: International Labour Organisation (ILO)


9. Die internationalen Verwerfungen

Solange das Geschäft läuft, teilen sich die Profite auf die Kapitale auf, die darum konkurrieren. Wenn es aber harzt, verwandelt sich die Konkurrenz in einen Kampf der feindlichen Brüder. Sind die Einbrüche zu hart, dann werden die politischen Akteur*innen der nationalen Standorte versuchen, ihre Kapitale schadlos zu halten – auf Kosten anderer Kapitale. Die Mittel: Strafzölle, Sanktionen, politische Drohungen. Die zunehmende Eskalation zwischen den USA und China ist nur der grosse Rahmen, in dem sich die vielen kleineren Konflikte und Rivalitäten entfalten. Es ist keine besonders wagemutige These, dass sich Angela Merkel angesichts des möglichen Ausmasses – im Gegensatz zu 2008 – für die «Solidarität» in der EU eingesetzt hat. Wenn der Weltmarkt auseinanderzubrechen droht, ist auch der Exportweltmeister auf Verbündete angewiesen.

Die politischen Verwerfungen, die «Schutzzölle» und der Rückgang des Welthandels kosten Geld. Bürgerliche Ökonom*innen tendieren zur Überschätzung der Effekte von Globalisierung und Freihandel. Zwei Zahlen deuten dennoch an, dass es um viel geht. Als Trump das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU torpedierte, rechneten Forscher*innen im Auftrage der Europäischen Kommission nach: Die EU sollte ohne Abkommen etwa 119 Milliarden Euro und die USA rund 95 Milliarden Euro pro Jahr weniger erwirtschaften können, während die übrige Weltwirtschaft 100 Milliarden Euro verlieren sollte. Huawei, das im Zentrum der Angriffe der USA steht, hat kürzlich von Oxford Economics ausrechnen lassen, was allein sein Ausschluss aus den 5G-Netzen kosten würde: Zusatzkosten von rund 3 Milliarden plus BIP-Einbussen bis 2035 von etwa 40 Milliarden Euro sollen für die europäischen Länder zu Buche schlagen.

Der Trade Openess Index setzt den Anteil des Imports und Exports eines Landes ins Verhältnis zu dessen Wirtschaftsleistung. (türkis: Deutschland, rot: China, blau: USA). Der globale Index stieg nach 1945 relativ steil an, nachdem er zwischen 1914 und 1945 – der Zeit der Weltkriege – gesunken war. Der erste grosse Knick nach unten ist nach dem globalen Finanzcrash von 2008 zu verzeichnen. Die Alternative zur wirtschaftlichen Globalisierung ist derzeit nicht die solidarische Wirtschaft, die die globalisierungskritische Bewegung erhofft hatte, sondern nationalistisches Hauen und Stechen.

Grafik: Our World in Data
Daten: Feenstra et. al. (2015), Penn World Tables


10. Die Kämpfe und die Instabilität

Die Lage wird aber nicht nur international instabil, sondern auch im Inneren der von der Krise betroffenen Staaten. Die Krise wird grössere und kleinere Verlierer*innen hervorbringen und so wird sich auch die Lebenssituation der Lohnabhängigen rund um den Globus unterschiedlich stark verschlechtern. So etwas erzeugt nicht zwangsläufig Kämpfe für ein besseres Leben, sondern kann auch in Nationalismus und Reaktion umschlagen, aber es legt die Grundlage dafür, dass Menschen nicht mehr weitermachen wollen wie bislang.

Man muss sich zugleich nicht nur in Erinnerung rufen, dass es während der Pandemie hier und da Widerstand gab, sondern auch, dass 2019 eine veritable Welle von Kämpfen über den Globus schwappte. Diese wurde durch die Massnahmen und die Paralysierung durch die Pandemie erst mal gedeckelt. Diese Welle könnte aber wieder anrollen, wenn sich der bleierne Teppich etwas lüftet. Das würde die Kapitale viel Geld kosten und die Krise vertiefen. Es ist zugleich ein Kampf darum, wer welche Anteile an den Krisenkosten tragen muss.

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Elections, State: Instruments of expropriation. https://non.copyriot.com/elections-state-instruments-of-expropriation/ Thu, 17 Sep 2020 07:58:08 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13744

Elections

Democracy and its instrument of choice are based on citizens handing over their powers to representatives or delegating them to a professional group that decides on their behalf. This implies a misjudgment, because only because the representatives exist does the represented group exist, which in turn creates its representatives as representatives of the group. (Bourdieu 2013: 24) These representatives are members of a corresponding bureaucratic organization and are given a mandate by it. Basically, a political party does not function differently from the church; in both, the delegates who become ministers or secretaries represent the usurpation of seats as a service to the organization and to those who delegated them. And if the minister wants to be recognized as legitimate, he must create a demand for his product. By supposedly being absorbed by the people, the politician makes himself the people, erases himself and thus becomes everything. The individual merges into a legal entity, which in turn makes those who are nothing but themselves into nothing, because they do not speak for the people, do not speak in their name, while the representative who speaks for the people is everything. Bourdieu calls this an oracle effect. Bourdieu recognizes in the delegation to the political professionals an expropriation, because with the election the citizen leaves all power to them. It is only through abstention or non-election that the citizen can offer immanent resistance within the framework of representative democracy, and often this is the only possibility for the subclasses, because they do not have the education or the political resources to intervene in political debates at all, so that their very silence can be understood as revenge on a system that excludes them per by including them. It is precisely their apathy that must be seen as an unconscious protest against the monopolization of politics in the state apparatuses.

Elections require that a multitude of heterogeneous and often excluding discourses, which emerge in the context of conflicting class habits, interests and strategies, be condensed into a singular act, that things be decided in an electoral act for which thousands of political disputes are needed in permanence. Real political influence of different groups is not only limited, but the citizen stripped of his interests, desires and desires recognizes with the election that all influence is delegated to professional elected officials who function within an office or apparatus.

In this process, the parties in a political field that they jointly occupy feel a certain competition with one another, although their influence is not primarily measured by their political position, but rather by their ability to mobilize the largest possible, heterogeneous electorate, which also forces each party to be fuzzy from the outset in order to get a certain clientele behind them. The hegemonic political opinion that a party represents is a guiding principle that can be put into practice precisely when the group it mobilizes through its symbolic activities is larger and more powerful. (Ibid.: 149) At the same time, a harmony of political dispositions is to be created by those who disseminate political opinions and those who receive and affirm them, whereby in the last instance the political relevance of opinions, ideas and political positions lies in the strength of a party that can mobilize them. In the opinion polls, which increase at election time, if not become epidemic, there is a questioning of what has already been formulated, without even the slightest consideration of the production of the formulation behind which class strategies are hidden.

The election is part of a political market that is by no means directed by an invisible hand, but where the professionals and representatives of the privileged classes, in particular, formulate offers that are distributed through advertising, the media, television and the Internet to those represented, who consume the electoral act, inasmuch as their political decision-making capacity is diluted to a single syncretic drawing that puts to decision things that would reasonably require thousands of questions, problems, conflicts and debates. Ultimately, the relationship between electoral behavior and social class is suspended in the election; rather, by its own logic, the election is "an instrument for blurring conflicts and antagonisms. (Ibid.:254) With the elections, the majority recognizes that their influence on concrete political decisions is zero, decisions that are determined by the representative-democratic form of choice between exchangeable parties, are hit by a professional technocratic caste, to the exclusion of and against the population, which is to be kept in the democratic game with a minimum of opportunities and rights, including the welfare state.

The State

We take Bourdieu's lectures on the state here as a foil, not because we think that this analysis represents the non plus ultra of leftist theory of the state, but because Bourdieu emphasizes the relative autonomy of the state by analyzing it as a field and thus turning away from over-simplified functionalist analyses such as those found in traditional Marxism. The construction of the state is a fiction, even an illusion, because it can only exist if people believe in it, but if they believe in it, then this fiction becomes powerful. The state attains its strength when it is recognized as a matter of course, the genesis of which no one questions anymore. From this point of view, the state is the organized realm of trust values, the organized trust or organized belief in a collective fiction that is recognized by faith as real and precisely because of this becomes real. The state is always also a collective fiction that exists, but does not exist as one believes. (Bourdieu 2014: 78) The state articulates itself as the point of view of all points of view, or as Bourdieu says with Leibniz, as the "geometric place of all perspectives". The state is thus to be understood under this aspect as a deification, as a secularized church. For this, it must make it credible that it is the standpoint without a point of view, which is constantly and tediously demonstrated in the daily dreary spectacles of the general. It is the effect of the state to instill in people the belief that it is self-evident, so that the question of the state no longer even arises.

Democracy always implies the definition that the official opinion is the opinion of everyone, or at least of those worthy of having an opinion. To do this, one must also be able to play with the rules of the game created and controlled by the state, precisely by paying the highest tribute to the game that is the state through this game with the rules of the game. This includes the respect, politeness and decency exercised by the subclasses towards the officials, towards the authorities, who articulate the obligatory and fictitious "we", making them believe that they are speaking only for this we. "Where it is said today: the opinion polls are for us, it was said earlier in another context, God is for us". In other words, parties produce a discourse, and above all the belief in the universality of their discourse, by producing phantoms, Germany, security, foreign exchange, social justice, the people, freedom, etc., and they call this democracy, which is welded together by the belief in the phantoms. From this point of view, democracy is an accumulated and concentrated phantom-ness in the state, which represents itself as the logic of things. This requires an official discourse or speech that circulates within the institutions, the administration, the instances and the state. The state is the space of circulation of the official speech, public opinion (plus television and media), order, mandates, and ultimately the place of a universal power still officially recognized in protest. This power has been understood over long periods of public debate as a consensus, overlooking the fact that the holders of the general good are also those who have access to public goods. The state breaks off the discourse on phantoms by appropriating them and concentrating them, that is, by declaring certain phantoms to be a natural necessity - it and only it shows that meaning is equal to sound and sound equal to meaning, that its elected officials are in possession of good manners and the exquisite, official way of speaking. At this point one would have to ask the question what would happen if there were no longer a central place, and thus the state monopoly on naming would be subject to a random principle, whereby each actor would retain the right to his own perspective, and thus the state as the geometric place of all perspectives would be taken ad absurdum.

The state is the place from which the official speaks. The population ultimately agrees on this, because at any given moment the state is not only inscribed in the political field, but in the minds of the people. It is not the population that empowers the state, but the state, by means of statistics, produces the population by simultaneously granting citizenship to individuals, i.e. the state as a set of authorities, administrations and services of a territorial unit produces the state as a set of citizens within a territorial unit. (Ibid.: 70) (In most cases, cause and effect are misunderstood at this point, as if the state as organized and represented population were the origin). The opposition state-civil society, which is often presented as an opposition, can thus be set as a continuum that ensures a specific distribution of access to the material, collective and public resources with which the name state is indicated.

Bourdieu writes: "In other words, the state is not a block, it is a field. The administrative field as a particular sector of the field of power is a space structured according to the oppositions associated with specific forms of capital, with different interests". (Ibid.: 48) Field here means that its constitution through implicit regularities, habits, rules and sanctions is like a quasi-game of immanent moments that are constantly being brought into play anew. The state is a battlefield in which one is victorious when one has perfect mastery of the immanent rules of the game. Whoever does not bow to the rules of the capitalist state is either included or excluded, in the best case both. The immanent rules usually remain unspoken, but they are always brought back into play through punishments and sanctions. The constraints under which the game is played are themselves products of the game. (Ibid.: 177) The structural analysis of the game is thus also always that of its struggles and its becoming.

The state, which does not represent a subject (it does nothing), develops through the processes of concentration and monopolization of different types of capital, which it manages and regulates as a kind of metacapital. (Ibid.: 329) The state as the owner of metacapital is a field within which the actors struggle to own a capital that gives power over the other fields. (Ibid.: 348) The differentiation of the field of power begins in the 12th century and extends beyond the French Revolution. Power is first concentrated and then differentiated into a network of dependencies, thus creating the field of power. The differentiation of the curia regis and the clash between king and parliament are the historical culmination points of a process that Bourdieu shows in the practice of using the royal seal as an establishment of mutual relations of control. "The state is "that sector of the field of power that can be called the 'administrative field' or the 'field of public administration'" and that "is defined by the possession of the monopoly of legitimate physical and symbolic power" (ibid.: 18). The birth of the state is historically linked to the defeat of the king, who can only retain his power by renouncing absolute power. (ibid.: 527).

The state concentrates and monopolizes not only physical, but above all symbolic capital. Thus the accumulation and concentration of symbolic capital becomes the decisive aspect of the genesis of the state, indeed the state is the "central bank of symbolic capital" (ibid.: 222), the symbolic power that determines legitimate culture through the production and canonization of certain social classifications, which is now enforced nationally and by state authorities (ibid.:404). This also includes the monopolization of language by the state, inasmuch as it constitutes an official language through law, school and university, certainly a historical coercive measure, which consists in the normalization of language and the subjects using it, who thus renounce their own or radical perspectives in order to legitimize the equivalence of all perspectives or the universal interchangeability of all points of view. The process of monopolization goes hand in hand with universalization, whereby it is the professionals who have the prerogative of the universal precisely by monopolizing it. This process of appropriation takes the form of concentration and unification, subordinating the local, regional and dispersed to a universal standard, such as the consensus and the metric system. At the same time, one is constructed as a citizen, and this means that one is quantified, coded and classified by means of state statistics, one is given a state identity. As a citizen you are your passport. In this context, Bourdieu examines the relationship between social space, fields and the state. He writes: "The construction of the state as a relatively autonomous field that exercises a power that causes the centralization of physical violence and symbolic violence, and thus forms a deployment of struggles, is inseparably linked to with the construction of a unified social space, which is his territory". (Ibid.: 223f.) These unification processes are those of language, of measures and weights, even of speech.

In long agonizing processes of concentration, which emanate from military power and the tax system, the state appropriates precisely the capital of physical violence that arises from it, i.e., the process of concentration is simultaneously a process of separation (it expropriates the population from power and thought); the state monopoly on the use of force, which, however, cannot do without the state's appropriation of symbolic capital, thus forms on the basis of historical expropriations. The state was created, so to speak, in a long coup d'état that established once and for all that there is a single legitimate and dominant standpoint that is the yardstick for all other standpoints. In exaggeration, Bourdieu speaks of the state as an organized criminal gang extorting protection money, as we know it from Chicago, i.e. it is not so different from the state. Bourdieu summarizes: 1. the state is an extortion gang, but not only that. 2. it is a legitimate extortion gang. 3. a legitimate blackmail gang in the symbolic sense.

Bourdieu understands the development of the state as a process of integration and homogenization, as a productive instance of objectification: "The state is closely linked to objectification and to all objectification techniques: it treats social facts as things, people as things-it was Durkheimian long before Durkheim. (Ibid.: 377) Unification and integration are inseparable from expropriation, inasmuch as knowledge and skills related to local values and measures are now devalued. Thus universalization goes hand in hand with the concentration of universality. This transition also characterizes the transformation from the local market to the national market, whether on an economic or symbolic level. Precisely the latter level is an effect of the power associated with the institution of the state, and this effect consists in a naturalization, a doxa, based on relatively arbitrary presuppositions made at the time the state was created. (Ibid.: 208) Here the institution exists in objectivity and subjectivity, in things and brains, as Bourdieu says. By existing in the objectivity of the rules and in the mental structures, the institution disappears. (Ibid.: 209) The state can then play with the so-it-is effect, an extremely violent action of the state that is imposed on the population and which it must accept without ifs and buts. The state thus always closes the space of possibilities, especially that of resistance.

And what must be taken into account is that the processes of homogenization, standardization and unification through which the state makes itself a state, go hand in hand with the processes of its reproduction. (Ibid: 219) School-leaving qualifications, nation, education or orthography are generated and reproduced as forms of misjudgement. The state (A) as administration, apparatus, ministries, even as a form of government produces the state (B) as territory and as the totality of citizens, not the other way around, as is often assumed. State (A) is formed by forming state (B) through the recognition relationships of the citizens. Bourdieu conceives of the differentiations that simultaneously exist in the state not as functionalist, but rather as conflictual differentiations of power. This is where the differentiation of the legal field comes into play. Historically, the institution of the jurists was early on parliament; they received a royal authority to uphold the law, and "this is the worm that penetrates the fruit" (ibid.:578).

State and Fascism

The AfD currently dominates the election campaign, having succeeded in publicly replacing the opposition between rich and poor with the opposition of Germans versus foreigners, and all major parties are more or less aligning their policies accordingly. With their tireless warning against the AfD, the enlightened wing of the German people shows one thing above all else: they are determined to carry on as before, to pull together in their small country and close both eyes to the world outside, except to imagine it as a cheap vacation paradise and a garbage dump for their own goods, in social amnesia, to accept every institution to which one submits as a matter of course and, above all, to understand anything that disturbs, be it AfD, as a cause for mental indigestion, which could possibly lead to a further increase in depression and a sharp rise in admissions to closed institutions in two years' time. The ascription of racism to the AfD alone conceals the racism of the majority. In order to dominate the refugee, one must integrate him and at the same time turn him into a camel driver or, alternatively, into a potential criminal, into racially despised dominated. For the refugee, integration means imitating the German. This was and is the misunderstood idea of German education: to educate a monkey.

The state can universalize the categories of perception within the boundaries of its territory by constituting a population whose members possess the same categories of perception after they have gone through and suffered the same conditioning and inoculation of certain procedures by the state, for example, the school that gives them common principles of perception and division. The so-called national character, which is by no means the same as citizenship, but which Germans always mix with it, is the result of certain inoculation procedures, all of which amount to sublimated racism. In contrast to the national character, the citizen is a purely juridical entity that exists insofar as it maintains relations of rights and duties to the state, whereas the nation is considered an ethnocultural entity that can be defined by law but is clearly distinct from citizenship. The citizen is anyone who is recognized as such by a constitution; he or she need not have any special characteristics linked to blood or origin, as is assumed by popular racism.

If the masses are constituted as a nation, then this is a specific process which George Mosse described exactly in his book "One People, One Empire, One Leader. For Mosse, National Socialism is merely the borderline case of democracy, pushing the indoctrination of homogeneous collective ideas, which can always be observed in democracies, to the extreme. (Ibid.: 606) The preaching of power is here related to the irrationalism of a fascist mass policy, which makes a unity that only exists on paper tangible, so to speak. The general will is presented as collective emotion. The Nazis extended the process of constructing a unity of emotion to an entire people and pushed it to the extreme of annihilation. It is a rapid increase of tendencies that can be found in certain democratic procedures and ceremonies. Deleuze and Guattari have sharply criticized democracy in all its collaborations, usually calling it the cousin of totalitarianism. The nation now congeals into the imaginary incarnation of the people, a national self-representation based on what unites the people: language, history, homeland, blood, etc.

Bourdieu, Pierre (2013): Politik. Writings on Political Economy 2

(2014): About the state.

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Commodity, Money and Capital https://non.copyriot.com/commodity-money-and-capital/ Wed, 16 Sep 2020 06:01:22 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13738

Under the aspect of the juxtaposition of commodity and money, Marx speaks in the first three chapters of Kapital Bd.1 of the commodity as a commodity form. If the development of value itself is addressed here at the same time, he speaks of the value form. In this context, he is then concerned with "following the development of the expression of value contained in the value relationship of commodities from its simplest inconspicuous form to the dazzling form of money" (MEGA2, II/6, 81). The simple Marxian value expression "a quantity y of commodity A is worth a quantity x of commodity B" indicates the following. 1) Two quantities of a material utility value are related here. 2) These quantities are qualitatively different products. 3) At the same time it is presupposed that these products are considered equivalent within a specific relation, which Marx grasps as an equality relation or as a value relation, the latter being at the same time the expression of value (commodity A expresses its value in the utility value of commodity B), which, however, must not be understood as an equation. 4.) The value of commodity A is expressed in the value expression b(a) by the units of the utility value of commodity B. 5) Reversibility is possible here, so that a new function a(b) to be defined arises. (Cf. Quaas 2016: 07)
Concerning the last point, the axiom of symmetry, which allows the representation of the equivalence relation of classical goods, proves to be necessary. With this, however, the positional changes of the goods A and B in the expression of value are at least virtually given, whereby none of the goods A and B can, however, update itself simultaneously in both positions (relative value form and equivalent form).1 With this, Marx already addressed questions of measurement and size of value, which leads to the following distinctions with respect to the determinations of the goods: There is a) the concrete product (utility value), b) the concrete product, which is understood as the material carrier of a quantity (commodity), c) the abstract quantity state associated with the product (value quantity), d) the type of quantity under which the quantity state is subsumed (value), and e) the numerical expression of the abstract quantity state (price). (Schlaudt 2011: 260)
Now Marx, if one wants to follow the majority of Marxist theorists, has no problems whatsoever in finally arriving at the form of money within the analysis of the form of value over several transitions - from the simple form of value to the extended and general form of value. Still logically located before the money form, the general value form is characterized by a single general equivalent, in which all goods express their value (they are now always in the position of the relative value form). Money, as far as it represents the general equivalent, does not lead to money as value, but first to a very specific form of value, namely the form of money. However, the stringency of Marx's representation of value forms, the form of money and money is quite controversial among Marxist authors. At least, according to the position of Michael Heinrich, which we share, no money commodity is necessary as a value mirror of all goods, because Marx shows that in the general form of value an exclusive value form must indeed confront the goods, but this representational form must by no means assume the real form of a commodity, because this would mean confusing the purely formal character of the secondary utility value (it serves purely for expression), in which the goods express their value, with the primary utility value characteristics of the commodity excluded as the general equivalent. (Henry 1999a: 233)2
The exclusion of a general equivalent, which functions as money, must be constantly repeated and at the same time consolidated in order to ensure stability in an economy, but that this must be done with the embodiment of money by gold can be safely denied. Rather, one must assume in principle that it is not gold that gives money its value, but conversely, it is money that gives gold its economic value. And this too points to the fact that money needs no reference whatsoever to a money commodity.3 According to Marx, the first function of money is precisely that money, as the general equivalent, is the (external) measure of goods. The measure function of money is here indicated in a medial and functional sense (and not represented by the full-value metal money or a money commodity), whereby the abstract measure of money is to be distinguished from the scale (price), which is applied to different entities and contains metric and ordinal differences, which are written down qua numbers. (Mau 2017: 57) The relation of money and number implies here the establishment of a connection between equality (measure) and difference (scale).
For the Greek economist John Milios, money only makes up the commensurability (of the goods among each other), but it does not invent it. (Milios 2004) At the same time, however, money possesses the (weak) potential to be immediately exchangeable into any form of utility value. And thus, even before the commodity enters circulation, it is already related to money and is at least potentially a price (but it must still be sold to realize the price). For Marx, the price is the expression of the value of the commodity in money, or, to put it another way, the price form updates the distributability of the product quantities in the monetary form. Marx, like Keynes, by the way, insists on the endogenous character of money, the importance of which is by no means merely to act as a universal medium of exchange that mediates between supply and demand and facilitates transactions on the markets 'by lowering transaction costs.
However, the problem around the forms of value is somewhat more difficult to solve: In order to demonstrate the lack of stability of economic form-constitution, when it takes place purely on the level of the value form, Marx introduces a fourth value form in the first edition of Capital to represent this problem. He writes: "The general equivalent form always comes to one pair as opposed to all other pairs; but it comes to each pair as opposed to all others. But if each pair of goods contrasts its own natural form with all other goods as a general equivalent form, then all goods exclude all from the general equivalent form and therefore exclude themselves from the socially valid representation of their values" (MEGA II/5: 43). The fourth value form, which Marx introduced in the first edition of capital and deleted again in the second edition, indicates that the derivation of money from premonetary value forms must fail. In the fourth value form, namely, the commodity that takes the place of the general equivalent excludes all other commodities from the equivalent form, whereby the place of the general equivalent can be taken by any commodity, so that all commodities exclude all from the general equivalent form. Thus the fourth value form remains conceptually un- or under-determined like all other value forms. This means that there is neither a valid numéraire1 nor a general validity of money or the economic stability of an economic context, which takes place purely through the development of value forms.
Money is to be understood as something fundamentally non-contentual (it is non-material; it is therefore more of an un-thing than a thing, and it always exists as a form also qua representations), whereby all goods as all contents are opposed to it; and thus the goods are not money and money is not goods. (Cf. Bockelmann 2004: 180f.) The indifference of money towards the goods does not mean indifference here, but aims further at the fact that the qualitative variety of goods is reduced by their relation to money to purely quantitative relations among themselves, i.e. that the goods are without exception related to money as economic quantities (price) and are then considered equal among themselves exclusively in this relation. The fact that money has no content points to the fact that money is not to be understood as an embodiment of abstract wealth (for example as a money thing or as a money commodity), rather it remains in all its materializations a disembodied body, i.e. the object (in itself) or an abstract media form. Thus gold, coins, paper bills, numbers and bits and bytes can easily represent money, and this also means that no gram of value is stored in money.
Thus, as a social mediator, money has no content, while all content is opposed to it as a quantity of goods, whereby all content here means that the goods are elements of a quotient set whose property is characterized by equivalence (symmetry, reflexivity, transitivity),2 a property that is empty to a certain extent, which in turn refers to the special purely quantitative reference to money. Despite their separation, money and commodity are always abstract, i.e. without referring to concrete performances, related to each other, so that the commodity is also defined by its relation to money as well as the latter also by its relation to the commodity (the relation is external to its relation); commodity and money are related to each other in so far as on the one hand the one forms existence for the other (but commodity and money must first be separated in order to transform themselves in buying and selling, namely from commodity into money and from money into commodity) and on the other hand commodity and money are parts of the reproduction process of capital. (MEW 25: 335) But at the same time commodity and money are the negation of the respective other, i. e. money is by its reference to the good just non-goods as the good is in its reference to money just non-money.
In relation to capital, commodity and money are always already latent capital, whereby the integration of commodity and money is produced via the virtual value, which really exists in the components commodity and money. The virtual structure (value) is immanent in its effects, according to Althusser's definition of structural causality. Here, the reason is not absent, but is repeated by the effects in a non-representative and non-similar way. Commodity and money cannot exist autonomously, but neither is the relationship to each other primary; rather, they are dependent on the special relation of capital and value. Thus, the transformation of values into prices is not a quantitative but a conceptual matter. Values as such cannot be measured quantitatively; rather, values are measured by the form of their appearance, that is, expressed in prices; their expression is always mediated by money.
Capitalist money (in its first two functions as a measure and a means of circulation) acquires its validity as a marker referring to purchasing power, inasmuch as money is already "socially" recognized as a writing system and as a social fact as a result of a-thematic rules that are followed quasi automatically by the economic actors, and is so desired that it includes the expectation of the desire of others. Money is thus linked to the promise, if not the certainty (in view of an open future), that one will get something, whatever, in return. It is precisely the lack of content or the indeterminacy of money, not to refer to concrete services or goods, that makes up the functionality and potency of money here. And thus money itself has a weak active power. In a certain sense, it is also characterized as symbolic money (the name alone is enough to indicate its social effectiveness) and for this reason, in history, a not quite arbitrary material, gold, is used to embody it (rarity, necessary divisibility and durability of the material, etc.). Today, however, money exists to a large extent as a promise of payment written or digitized in the balance sheets of commercial banks, as a promise to accept money to pay debts (credit). Giral money, too, is then of course not to be understood as a commodity, but as a specific social relation (Sahr 2017: Kindle-Edition: 500), whereby it must be taken into account, however, that money does not merge with the function of credit, as some credit theorists such as Aaron Sahr assume. We will come back to this later.
Money does not only passively claim the function of the general equivalent or measure (of commodity values), but it also incorporates the weak and underdetermined power of a validity (underdetermined, in so far as it is capital in the last instance that causes the power of money; weak, because it represents the capital relation with its validity), which also characterizes its function, as if it had ever already attained the function of validity. It can do this because its first two functions - measure (it measures the productivity of capital and labor) and means of circulation - are themselves results of capital as a self-referential movement. Money functions as a reliable social fact within a socio-economic context (capital as a total complex) that has the potential to integrate any monetary transaction and promise of payment. As such, money realizes a kind of objectified social relationship.3
By virtue of its objective validity, money is potentially "to have everything" (just as all obligations can be settled), precisely because it remains independent of the concrete means of satisfying needs and desires and at the same time is freed from the immediate power of disposal over products and services, and this corresponds on the one hand to its validity as capitalist money and on the other hand to its peculiar positioning vis-à-vis (capitalist) goods. With regard to the former, it is a matter of a representation function, because validity is not effective in itself, but always for something else, i.e. the validity of money explicates the structure of the representation of an "absent", namely of capital and value. (Strauß 2013: 129f.) Money is regarded as the representation of capital/value, insofar as this in turn appears as causality in the effect (commodity and money) alone. As part of economic reality capitalist money realizes quite explicitly validity, which is indicated by its convertibility or potential purchasing power (the exchangeability of money for goods), and this is not a substantial property of money, but arises precisely from its specifically weak power and its relation to goods, which in turn bring money itself to bear as a price. This relational aspect between money and commodities, which implies a socio-economic construction that is completely independent of the material properties of money, is not quantifiable.
The theoretical position of conceiving of money purely as a medium of exchange does not take into account that in complex capital relations other forms and functions of money always come into play. When Marx speaks of money as a "social relationship", this means that money has already achieved a supporting stability, a high degree of trust and a high degree of distribution within the capitalist economy, i.e. that it is generally accepted, desired and acknowledged, or, to put it another way, that it has an inherent deep network quality that refers to comprehensive and yet fragile and at the same time interdependent socio-economic relations and for this very reason plays an important role in the reproduction of the capital economy. In order to be considered capitalist money, which is much "more" than just a numéraire, i.e., to which the excess of capital is already inscribed and which is thus related to deep money and capital markets, a highly developed and densely networked payment and credit system must also be available so that all money transactions, credits and promises of payment can be efficiently processed and, in particular, instructions for future payments and promises of payment (capitalization) can be realized. Capitalist money does not have to have a 100% stable value standard as a measure (value standard is not equal to value), but the value standard must not be too volatile either, otherwise its asset protection quality or its function for credit becomes problematic (inflation/deflation). A capital system, which is characterized by the differentiation into credit-financed capital investments, fictitious and speculative capital, needs a relatively stable valuation standard (function of fictitious money), which is related to the general equivalent as measure and to the transmissibility of money (means of circulation, in which the measure is practically realized), whereby a number of further monetary functions have not yet appeared here at all - value storage means, means of payment or repayment of the credit, withdrawal of the money supply as treasure, money as capital etc. (Cf. Bahr 1983: 406)4 What financial theory adds to the money functions is that in the capital markets money serves as a measure of the gap between the liquidity or price of an asset and its liquidation value (monetization of the asset), a gap that is measured by money. In general, the financial markets have the property of being liquid in so far as the pricing of assets takes place on them, which are not immediately converted into money. In the event of a financial collapse, there is simply not enough money to realize or liquidate all assets, or, to put it another way, not all debts can be repaid. Approximately 97% of the "money" in the UK economy today circulates exclusively in the financial sector, while only 3% is paper money and fiat money (the latter is lent as capital to companies and individuals operating in the so-called real sector). The capital economy could not be kept sufficiently efficient without ensuring sufficient and at the same time flexible operationality of all these monetary functions briefly mentioned here.
The validity of money always marks a separation of money from commodities, which means that money is open to a development that aims at multiplication in primary potency. This potency for multiplication is not given with the exchange or circulation of money, but it presupposes the capital relation. How can this be justified provisionally? Money, as a general equivalent and as a means of circulation, intrinsically possesses no value, it cannot store any value; rather, the "value" of money consists in nothing other than the presence of the capital relation, which, according to Marx, can be written down with the formula G-W-G`. (The value of money as capital consists, as far as its optionality is concerned, precisely in the fact that capital offers the possibility of either holding money as cash or using it as security, or of using it for relatively safe investments or finally for speculation). The "substance" of capital, which Marx developed in capital conceptually as the processual utilization of capital, is formed by the equality and at the same time the purely quantitative difference (G differs from G in purely quantitative terms). The value is now to be understood as virtuality related to the capital relation.5 Capital as capital (as an end in itself) can function as a spiral-circulatory movement only if it dominates the capitalist sphere of production and integrates it into the monetary circulation G-W-G, if it functions as monetary capital implemented in the capital relation itself. The exploitation of labor or the extraction of surplus value in production constitutes a necessary condition for this movement.6 Capital is set as a quasi tautological relation to itself (equality), so that only the quantitative difference G-G, i.e. the multiplication (of money), counts: Because within this relationship capital has the unconditional capacity to set itself as an end in itself in the process of multiplication, it is at first immoderate.7 (With the concept of total capital, however, the immoderateness of (individual) capital is again put on the leash, inasmuch as limits are set to it by the movement of competition). The famous formula G-W-Gmeans that the surplus is injected as quantity into the tautological chain G-G. The hyphens of the formula G-W-G refer to a special kind of mediation, which for Marx is given with the purchase and application of a specific commodity by capital in production, namely the labor force, which updates in production as labor the difference between its exchange value (its reproduction costs) and its utility value, which consists in producing an added value reified in commodities that goes beyond its reproduction costs, whereby with the realization of the produced goods in circulation, as inscribed in the formula G-W-G, there is more money than at the beginning.8 The process in which money realizes more money thus requires production, in which capital extracts added value from labor (it creates more value than is necessary for its reproduction). Capital is thus to be understood as a specific social relation, which is expressed in the spiral movement of an increase of money,9 its only sense as a moving relation leading from money to surplus money being in differential quantity, or, to put it differently, this relation is a unilateration capable of quantitative addition.10 Capital must satisfy the determination of the purely quantitative surplus, which, however, always remains scarce, or, to put it another way, scarcity is here purely motivated by the surplus, and this precondition generally distinguishes Marxist theory from all economic definitions of scarcity (infinite needs versus limited goods) and even from the more experienced system-theoretical definitions in the wake of Luhmann, in which scarcity is presented as an economic artifact, with which access to something makes further access to something less likely. Instead, accesses make further accesses possible. To put it another way: capital is axiom/law, which defines that the meaning of the relation G-W-G first of all contains a more, which is lacking. (Schwengel 1973: 294f.) The presupposed signifier (money), to express it in the words of linguistics, without, however, proposing a linguistic capital theory here, points to an invisible signifier (surplus), which is indicated in further surplus-containing signifiers (money' ). The signifier of the surplus, which is contained in the chain of signifiers of (advanced and realized) money and yet remains invisible, is indicated in more and more signifiers representing the signifier of the surplus, i.e. we are dealing with a non-equivalent sliding figure, which can be attributed as follows:
G G'.G' G'' etc. etc., whereby one should think of G' in the lower left corner as an arrow to G' in the upper right corner - above the chain of money signifiers, below the driving forces of money signifiers.
A strange kind of un-equation, which takes place here beyond a mere bourgeois distribution of the surplus product. Not the exchange of equivalents, but the abstract surplus (value, exchange value, surplus) is to be understood as the constitutive functioning of capital. The concept of "monetary surplus" conditions here sui generis the (bourgeois) concept of surplus value, insofar as the latter has completely emancipated itself from content, and this state of affairs implies, as a purely formal sliding process, the systemic "lack", the "lack" of surplus or the famous immoderateness of capital.

This means that a definition of scarcity based on Lacan or a representation of the economy oriented on the explication of scarcity, whether conceived as contingent or non-contingent, is excluded from the outset. The immoderateness (as anticipation of the more) of capital, or more precisely the more, dominates the lack and not the lack the more. In this procedure capital as an absolute process not only sets itself to itself, yes, as an autoreferential system it sets itself to its environment and therefore only attains its peculiar ultra-stability, which cannot be separated from its cyclically moving susceptibility to crisis. (Schwengel 1973: 201) Contrary to the exclusive foundation of surplus value in the exploitation of the living labor force, we also assume the possibility of a mechanical, an algorithmic, and generally a surplus value that arises through the exploitation of differences that result in the pure addition of the more.
The surplus value of money implies on the one hand the differential repetition of the production of surplus value as a quantitative variation, on the other hand the self-referential setting (determination) of capital, which, however, does not lead to a fixed result and can only have a definite effect by permanently pushing the multiplication forward. (Ibid.) Marx speaks at this point of the "restless movement of profit" (MEW 23: 168). The circulation of money as capital is an end in itself; it is not aimed at individual profit, but at the mode of the restless movement of profit. As a settlement, the money surplus sui generis is compatible with the quantified repetition, which must be expansive for capital, which means nothing other than that the capitalists do not simply want to realize more money than they have invested in the production process, but they must do it again and again, driven by competition on a spirally growing scale, and collide with other competitors who do the same. Thus, added value is a kind of (invisible) instance that "decides" at once on the instruction for future multiplication, and this takes place via the strategies of profit-driven, price-setting and cost-reducing companies that always try to penetrate the most profitable areas and sectors of the economy, thus forcing them to push productivity and technological change.11 To summarize it briefly Capital involves settlement and repetition in the context of quantitative multiplication. Settlement implies the destruction of any fixed result qua a potentially circulating structure (virtualization) and repetition implies the binding qua a potentially fixable circulation (actualization). And both the setting and the repetition are per se bound to the goal of achieving more.
In the analysis of capital, a virtual simultaneity or superposition of commodity, money, capital (and monetary capital) must be assumed from the outset, and this in relation to the a priori of total capital. Commodity and money, if they are understood as integrative functions of the capital process, in which the starting point of money is at the same time the point of its return increased by a surplus, are to be understood as commodity capital and as monetary capital. (MEW25: 335) If money, in its function as a means of payment, mediates the process of capital (credit), it is capital. (ibid.: 459) The superposition is also already present in the primary functions of money - they overlap and are intertwined with the increase of capital. Frank Engster writes: "Monetary functions are developed linearly in capital, but the first monetary function (measure) enters through its second as a medium of exchange, and both are, as it were, overlapped by the capital movement G-W-G' and are included in it. (Closest 2016: 159) To consider the restriction that Marx, like any other writer, must make - if one disregards the poetics that make non-linear writing possible - is to always think along with him during the linear process of representing the concept of capital, simultaneity and superimposition, or, to put it even more pointedly, to read the three volumes of capital quasi from the back, and thus not starting from the commodity form or the money form, both of which are often enough understood as germ forms (the ascent from the abstract to the concrete), but from total capital, the quasi-transcendental total process of the reproduction of capital. In this process, the individual capitals must necessarily comprehend what is objectively12 given from the outset - they must, in fact, replicate the a priori of value-added production that is given by total capital, and at the same time, they must also understand their interdependence and, by and comprehensive networking in and through the competition, and this under the exclusive condition of having to achieve at least an average profit rate. 13
If capital has the capacity to set itself as an end in itself in an excessive, growth-oriented and spiral-shaped movement (the circle is a special case of the logarithmic spiral, namely a spiral whose growth is equal to zero) - the starting point here is in a certain sense the end point and vice versa - then, as a sui generis monetary process, it dominates the sphere of production comprehensively in order to integrate it into the primary "monetary circulation and distribution" G-W-G'. (Cf. Sotiropoulos//Milios/Lapatsioras 2013a: 43) At this point we would like to point out that we do not at all understand capital as a subject or as an automatic subject (it does nothing), but this subjectivity is inscribed in the grammar of language, and it is difficult to overcome it. Production, allocation, distribution (the distribution of profits), circulation and productive consumption, in terms of their integration (both structural and temporary), must therefore necessarily be considered as functions of the monetary economy of capital (and its metamorphoses), as its phases, aspects and moments. In this context, economic growth is a necessary process, but it is subordinate to the exploitation of capital.
In Capital Vol. 2, Marx starts out from three cycles of industrial capital, namely monetary capital, productive capital (constant and variable capital) and commodity capital, summarizing the entire cycle of capital in the process formula G - W (PM, AK) … P … W' - G'. In addition to the production time (P), this cycle comprises two phases of circulation, namely the preparation time (G-W) and the realization time (W-G). Marx thus uses the term circulation not only for the two phases of the sale and purchase of goods, but also for the entire duration of the capital turnover, which thus also integrates production. Marx then speaks of the total circulation time of a given capital. (MEW 24: 154) The entire circulation of capital is the circulation of monetary capital, in so far as it structures, represents and integrates the circulatory movements, more precisely the spiral movements of capital, more comprehensively, just as it implies disturbances within the circulations, in so far as it itself functions as a center that is ever shifting.14 (MEW 24: 31ff.) This formula of monetary circulation of capital is the primary mechanism of the capital economy, which constantly accompanies and includes the production of goods as production-for-profit and production-for-circulation. Although, as Marx notes (MEW 25: 406), monetary capital is also a moment of passage of the entire process of the reproduction of capital, once capitalization is set as the formation of fictitious capital, i.e. for Marx the most developed form of capital, then all qualitative differences of the industrial and commercial individual capitals, their production processes and their goods are erased in relation to it. Marx writes: "…And all capital is, according to its expression of value, monetary capital. (Ibid.: 406) Foreign or own monetary capital is the motor for industrial enterprises, which buy goods (means of production, buildings, energy, raw materials, software etc.) and rent workers, so that products enriched with added value can be produced and also realized, so that it comes to the new formation of monetary capital. Machinery, energy, products or production processes are not capital in themselves.15 Marx showed that the above formula is the decisive expression of all economic relations that are proportional to capital, and this of course includes production, which functions as a purely functional process, a process of producing profit. Capital ever already binds the production process to its monetary metamorphoses or to the (monetary) total circulation, i.e. production is to be understood as a function and phase of the circulation of capital (in the second comprehensive sense), the general form of which can be described by the following formula G-W-P-W'-G'.
Accordingly, the logic of capital applies a priori to each individual capital. And thus every capitalist enterprise has to be considered equal to every other one, and this equivalence refers to the enterprise as a structural-functional "place" of capital, where every capitalist acts, on the one hand, structurally as a kind of trader who buys goods with borrowed money or as the owner of money (input of the enterprise) in order to sell a produced output with profit, and, on the other hand, as a manager who balances the production processes and coordinated to make them more effective. And the prices are determined in a company not only to achieve a monetary output higher than the monetary input of a given period, but to realize at least an average profit rate on the markets.
If we now extract the most important cycle from the permanently running capital metamorphoses of money, goods and productive capital, namely the movement of money capital itself, then at least two capital subjects are present in it. The place of capital is doubly occupied, namely by the money capitalist and the functioning capitalist, so that in the analysis of capital one cannot abstract from the existence of the interest-bearing capital or credit from the outset. Marxist economists from Greece have developed the following diagram (Sotiropoulos/Milios/Lapatsioras : 8):

The money capitalist (A) is the owner of money capital and/or creates credits, i.e. moves promises of payment, securities and debts (shares, bonds, securities etc.). If specific transactions and/or the transfer of promises of payment to the acting capitalist (B) take place, these include his contingent promise (contingent, despite the provision of securities) that he will make payments in the future, while at the same time transferring to him the right to use the money capital (G) of the money capitalist (A) under specific conditions (e.g. payment of interest and repayment of the loan) for a certain period. If the company is listed on the stock exchange, then the acting capitalists (B) correspond to the managers of the company and the money capitalists (A) correspond to the legal owners (besides the lending banks). The functioning capitalist (B) uses the money (G) as money capital to buy the necessary means of production and raw materials, to rent labor and to organize the production process with the aim of generating profit.
This has the following consequences: 1) The places of capital are occupied in parallel by the financial and by the functioning capitalists, rejecting Keynes' morally inspired distinction between a good and productive class of capitalists, located within the enterprises and directing the production processes, and an externally and parasitically acting class of reindeers, which seeks exclusively monetary profits.16 2) Fictitious capital and speculative capital are forms of capital. Prices here are to be understood as the result of the capitalization of promises of payment. 3) The financial mode of capitalization - promises and demands for the appropriation of a future surplus - opens up a terrain in which any flow of income and returns tends to be related to fictitious and speculative capital and can be multiplied within its flows. 4) There is an increase in credits not created by the banks. Risk management, which can be diversified into solvency, interest rate, liquidity and credit risks, is at the heart of the financial system and its decision-making problems. (ibid.)
The industrial system and the financial system, although they are in some respects separate from each other on an economic-logical level, possess a whole series of important mutual interdependencies; in fact, with regard to speculation, there is initially no fundamental difference between productive investment and financial speculation, insofar as not only the purchase of shares or securities, but every investment in the capitalist production process involves a speculative moment. A distinction must then be made here not so much in terms of the concepts of financial speculation and industrial production, but rather in terms of the instruments, time periods and risks of speculation itself. The speculative surplus value is sui generis a value without value, it is the zero point of the value that rises or falls, + and - , with both symptoms oscillating around zero again and again.
Moreover, it can be assumed that today all great capitalists tend to become money capitalists. These are not only bankers who lend to companies, but also rich individuals who buy stocks and bonds, the directors of large companies, the managers of large investment funds and other financial companies. The money capitalists also include the new oligarchs from Eastern Europe, China and other emerging markets, the owners of large software and technology companies and the nouveau riche who have simply moved up without leaving any significant traces in the history books of their class. (See Norfield 2016: Kindle Edition: 1498)


(For a further explanation of the concept of capital, we refer to the French philosopher François Laruelle, who, in his conception of non-philosophy, when he speaks of "unilateral duality", generally first assumes that two or more terms and their relations are always determined by the one term. This is the principle of idempotency: 1+1=1. The second term and the relation between the first and the second term are immanent to the one term, or, to put it differently, the second term is the clone of the first term, but at the same time the second term keeps its contingency, as far as the first term does not postulate the second term absolutely, but just radically (and therefore can not be determined by the second term). Notice, that this kind of causality always rather points to a relation between two or more events or relations and not between two or more things.For a conceptual determination of capital, this could now mean analyzing it in the context of a unilateral "logic", i.e. analogous to the figure of "unilateral duality": two terms - the first term stands for the capital relation and the second term encompasses the events and relations derived from it - are not synthesized by a third term - as is often assumed in Marxism, by abstract labor or value - but the first term (capital as logic and as relation) uni-laterally determines the second term (the third term etc.). ) and the resulting relations, divisions and constellations between the terms. Both the second term (it stands for commodity, money, production, labor, circulation, credit, forms of capital etc.) and the relation between the first term and the second term (relation as capital circulation: money - money capital and functioning capital - commodity-production-ware 'money') are immanent to the first term (capital). This determination is the immanent mode or 'logic' of capital, where capital is to think as a logical construction and as a relation at the same time as virtual total capital or as the transcendentality of capital. With respect to the total capital, here the connecting effects between the effect entities have to be examined without referring to an organizistic or to a Hegelian conception of totality (we refer here to Latour's rejection of the relation part and whole, cf. Latour 2017: 168, without, however, fully sharing his theoretical approach); rather, the effects have to be related to the concept of quasi-transcendental total capital. Total capital is not to be thought of as a unifying system, but as a determining and at the same time virtual potentiality, without following a plan, not even in the sense of the Invisible Hand of Adam Smith. A mathematical approach to this conception is the vectorial notation, where the single subsets are written as coordination of a vector x in a n-dimensional mathematical space G`. (cf. Quaas 2016: 215) The mathematical notation, however, ultimately remains an approximation, inasmuch as the virtual capacity of capital sui generis transforms the mathematical space. It is a derivative of time. )

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The Uprising in Colombia: “An Example of What Is to Come” https://non.copyriot.com/the-uprising-in-colombia-an-example-of-what-is-to-come/ Tue, 15 Sep 2020 06:50:08 +0000 https://non.copyriot.com/?p=13731

The streets of several Colombian cities have erupted into conflict in the last two days in response to the brutal police murder of 43-year-old Javier Ordóñez, a lawyer and father of two in Bogotá, the nation’s capital. Ordóñez was peaceably drinking in the street in front of his friends’ apartment when police arrived and, without provocation, beat him and tased him 11 times. By the time he arrived at the hospital, after a further beating at the police station, he was already dead.

Video captured by Ordóñez’s friends and shared widely on social media sparked widespread protests in Bogotá, Cali, Medellín, Bucaramanga, Popayán, Ibagué, Barranquilla, Neiva, Tunja, and Duitama. In Bogotá alone, 56 police substations, called CAIs (Comandos de Atención Inmediata) were damaged, most of them burned. Although mainstream news is reporting eight people killed by police or paramilitaries on the first night, images circulating in Colombia on Thursday claimed 10, all but one of whom have been identified. The numbers of wounded vary by source. The New York Times claimed that a further 66 had suffered bullet wounds the night of September 9, with over 400 wounded in total.

Colombia has an intense history of violent state and paramilitary repression, which has only intensified during the pandemic. Under current president Ivan Duque, widely seen as a continuation of former president Álvaro Uribe’s corrupt narco-administration, the Colombian government has failed to uphold its side of the peace accords with demobilized guerrilla forces, and murders and disappearances of activists, dissidents, and revolutionaries have increased significantly.

In the following report and interview, we explore the background and implications of the latest chapter in a global wave of revolts against police and state repression. For more information on social struggles in Colombia and other parts of Latin America, consult Avispa Midia and PASC, the Colombia Solidarity Accompaniment Project, both of which contributed to this article.

September 10, 2020: 10 people murdered, Bogotá, Colombia. Justice and stop the genocide.

Background: The 2019 Paro Nacional

On November 21, 2019, taking inspiration from the Chilean revolt and uprisings across South America, broad swaths of Colombian society took to the streets. The protests, which often took a militant tone and lasted roughly a month, were not over any one specific grievance but in response to multiple factors that had made life in this war-torn country unbearable. Duque’s government was trying to push through an unpopular packet of austerity measures, students were demanding better funding for education, and murders of activists, Indigenous people, and ex-guerrillas by the state or paramilitaries had increased.

The month-long mobilization came to be called the paro nacional or national strike. More than the duration, its significance lay in the fact that it was the first time in decades that anyone had seen such an autonomous mass mobilization. For years, militant resistance had been monopolized by specialized, armed guerrilla groups such as the FARC (Revolutionary Armed Forces of Colombia—People’s Army, the ) and the ELN (National Liberation Army). The strike represented the return of more generalized street confrontation that lent itself to much broader participation.

“The police protect us? NO, the cops repress, mutilate, rape, and kill.”

A Year of Revolt in South America

Colombia’s paro nacional should be seen in the context of the movements shaking other South American countries at the time. While the Chilean insurrection lasted longer and reached further in terms of self-organization and militancy, Ecuador, Peru, Bolivia, and Paraguay all saw widespread protests in 2019. In Bolivia, a complex and highly charged conflict led to a bloody coup by right-wing Christians.

As in Colombia, there were several longstanding causes behind the mobilizations. Latin America has suffered astronomical rates of violence and inequality for decades—really, for centuries. Thanks to austerity policies, the brunt of recent economic stagnation has been intentionally forced on the most marginalized.

The examples of revolt in other South American countries, as well as from Hong Kong and beyond, helped spark the month of protest in Colombia late last year. The new tactics popularized in Hong Kong and Chile were reflected in Colombian rebels’ effective use of the primera linea shield bloc tactic.

Chile’s months of unrest, which were only halted by the pandemic, provided an inspiring horizon for those in South America and around the globe. On the other end of the scale, the nightmare that Bolivia has lived over the past year is a sobering reminder that political coups and openly racist regimes pose as much of a threat as ever. The stakes are high, as Colombians know all too well from years of state and paramilitary violence.

A demonstrator in Bogotá uses a spray can to fan the flames of a burning police station on September 10. Photo by Nadège Mazars.

Pandemic, Economic Strife, and Repression

Colombia was hit hard by the pandemic—and also by intense, militarized quarantines that most people were forced to violate out of economically induced desperation. In a country in which most people make their living in the informal economy, people were even further criminalized for doing what they needed to do to survive daily.

Already turbulent, daily life got markedly worse. Atrocities passed almost completely ignored. In one case, the state massacred 23 prisoners in La Modelo prison for protesting against squalid conditions and lack of pandemic precautions.

The state and other armed groups have been using the pandemic as cover to increase repression against organizers and resistance movements. When asked about the current revolt, an anarchist in the city of Cali said, “This had been coming for a while. Massacres were happening almost daily. We’re not putting up with it anymore and we’re out in the streets giving it our all.”

The crowd faces off with an ESMAD armored vehicle in Bogotá on September 9.

Parallels with the George Floyd Rebellion

While international solidarity with the US uprising against the police was swift and reached many parts of the globe, in many ways this revolt marks the first real occurrence of the same model in another country. The scale and speed of the response in Bogotá to Ordóñez’s murder has already eclipsed what happened in Minneapolis or Kenosha. This is not entirely surprising in a country roughly the size and population of California that has seen 971 activists, human rights defenders, and ex-guerrillas murdered since the 2016 peace accords.

By all accounts, the protests were chiefly led by young people—of the nine confirmed deaths from the night of September 9, eight of the deceased were between the ages of 17 and 27. Street combatants largely targeted police, police stations, and banks, but destruction was fairly widespread.

It remains to be seen how some of the spontaneous elements of the last two days’ protests will combine with the organized militancy that developed last November and December. In the US, we saw aspects of both the initial wave of rioting in Minneapolis and the “front-line” forms of organization that developed in Portland show up in the same spaces in Kenosha in late August.

Some of the language seen in the streets of Colombia is also similar to the language of the revolt that began with the murder of George Floyd. Beyond the now ubiquitous ACAB, which is tagged everywhere, protesters carried signs declaring “the police don’t protect us.” A smashed-up street billboard was redecorated to read “Nothing is worth more than life.”

Unfortunately, the mainstream Colombian media are already deploying their own version of the dishonest “outside agitator” narrative used to such destructive effect in the US in May and June. A report from RCN Noticias, a Colombian TV news network, stokes fear about highly organized street groups under the direction of guerrilla forces:

“The destruction of 56 CAIs was not a case of isolated incidents but an articulated strategy that was prepared ahead of time, waiting for a trigger. We have details of armed collectives, their preparation to attack, and their recruitment of young people in high schools and universities. This report… reveals a series of cells or neighborhood groups behind the violent protests, dedicated to creating chaos, who take direction from the ELN and from FARC splinter groups.”

After a laughably paranoid explanation of the meaning of “ACAB,” they cut to Colombian Defense Minister Carlos Holmes Trujillo: “This has an international origin. It has an international origin and it is directed against the police of countries all over the world.”

Just like its US counterpart, this false narrative serves to delegitimize protest in the eyes of the populace. In the US, it set the stage for at least part of the population to accept an even more brutal phase of police repression. More Colombian youth will be killed because of the irresponsible and unfounded allegations from these “journalists.”

RCN’s principal shareholder is Colombian billionaire Carlos Ardila Lülle, particularly loathed for his stake in the sugar industry in the state of Cauca, where many Indigenous Nasa people have been murdered for their resistance to monocrop sugarcane agriculture invading their lands. Lülle’s reach extends beyond media and industry to political and narco-paramilitary influence.

There is no coordinated international plot “against the police of countries all over the world.” Who could organize such a thing? Only the extremely wealthy have the resources to pay people to revolt who otherwise would not—and they seek to suppress movements for change, not to catalyze them. The opposite is true: the politicians and police of all the world’s governments coordinate to violently impose the capitalist world order on all of us. There is no secret cabal organizing resistance conspiratorially—the situation has become so dire that revolts are breaking out as a response to the conditions that are imposed on people. If there are parallels between the revolts in different parts of the world, it is simply because the means of repression are so universal, owing to the homogeneity of the global ruling class and the strategies employed by those who comprise it. Police, everywhere, are the front line of this repression.

A burnt out and vandalized police station in Bogotá, destroyed the night of September 9.

September 10: More Protests

Demonstrations continued in Bogotá, Cali, and other cities the night of September 10. According to an independent media activist on the ground in Cali, the ESMAD (Mobile Anti-Riot Squadron), carabineros, mounted police, and military police mobilized heavily—an atypical show of force, especially the use of the military police. Rumors of the additional use of live ammunition against protesters have not been confirmed yet, but there are photos of police pointing pistols at people. Hours after the protest in Cali convened on September 10, a group of protesters was forced to take refuge in the university hospital, where they were surrounded by police for hours, fighting back bravely. By 9 pm, at least 32 people had been arrested, although only seven were identified, according to Medios Libres Cali.

In Bogotá, by 10:30 pm on September 10, human rights organizations had reported 138 confirmed arrests. The number grew throughout the night. Although additional police murders have not been reported, sources documenting the events on twitter described continued beatings, disappearings, and torture of demonstrators.

It seems unlikely that the unrest will die down any time soon.

Interview: An Anarchist from Bogotá

A longtime resident of Bogotá and member of PASC, the Colombia Solidarity Accompaniment Project, provides more context in the following in-depth interview.

—What led up to this?

So the background we’ve seen leading up to the situation in the streets of Bogotá on September 9 and now today, September 10, has to do with longstanding social conflict. The pandemic made more obvious the situation that was already ongoing in terms of poverty, exclusions, huge suburbs full of displaced people… the armed conflict that is still going on, the war against the poor. The war against campesinos by paramilitaries in the countryside is still going on, so there are still waves of displacement of poor people who are stuck in the suburbs. Usually people survive from informal economy… they’ve just spent six months being criminalized just for going out of their houses to buy food. So people are literally dying from hunger; people have been in an unbearable situation for the past months. And the ongoing police brutality, like many other places in the world, is something that upset people, especially the poor people who are always experiencing repression—the jails are full of poor people.

So this definitely has something to do with what happened. On September 9, in the morning, at 4 am, a guy is having a beer with some friends in the street, which is illegal… then the police appear and, according to his friends, the guy says “OK, well, give me a ticket, that’s fine, I’m having a beer on the street, you want to give me a ticket, give me a ticket,” and the police answered “No, there’s no ticket today,” and they started to beat him up and to tase him. They tased him at least 11 times according to the autopsy. Eventually, they took him to the police station, where he was beaten up again, then finally sent to the hospital. When he reached the hospital, he was dead.

And then, even worse than all that, when the family was at their home, with the body, putting out candles and performing their ceremonies, the police officers went around with their tasers in their hands, proud. So that attitude of the police was the spark—people feel oppressed, they feel that their lives are worth nothing, and this is why people went to the street yesterday night.

There was a first call at 5 pm. Many people gathered around the police station. The attitude of the police was really repressive towards the people. That’s how the situation developed into riots. Something like 50 police stations have been burned down. The police used that excuse to open fire against the mass of people—so now we have confirmation of seven deaths and 45 wounded, at least 20 of them by bullets. They literally were given the order to shoot people in the streets, to shoot to kill. So the images we can see in the social networks are really disturbing: police officers, some of them not wearing their police uniforms, and other civilians that, you don’t know if they’re police officers, families of police officers, paramilitaries, or whatever, going after people in the streets in order to shoot them.

This is what happened yesterday night, until late. Right now, it’s September 10; there are more demonstrations in front of the police station, and some people have already been arrested today.

—How would you describe the relationship between this and last year’s *paro nacional?*

So we have to understand that in Colombia for seven years, for ten years, there has been an ongoing mobilization process… the last huge episode was a general strike in November 2019. Because of the end of the year, it stopped, but it was supposed to resume in March 20201—but instead, like people everywhere else on earth, we were stuck at home for six months, because of the pandemic. So there’s a lot of anger, there’s a lot of rage that comes from the frustration of the feeling that people had a few months ago. And also, these ongoing mobilizations of campesinos in the cities have been building a certain type of social fabric—so neighbors know each other because they were going to bang pots together every night throughout the whole month of November and part of December. That social fabric was the foundation for the ongoing mobilization, including what is happening today, too. So we can definitely see a link and a buildup from those situations.

—What has been the role of anti-authoritarians in the uprising?

It’s been really interesting with several of the mobilizations over the past years and especially the last one, the strike—it’s not just what we call here the “organized” folks that go to the streets. “Organized” meaning being in an anarchist federation, being in a union, being in a campesino organization, being in one of the big social movements that are active in Colombia. It exceeds those categories. So you see your neighbor that never organized anything, who is just randomly against injustice, joining the protests that used to be made up only of activists. It’s been interesting to see that change, regarding the kind of people who go to the street—and different people working together, too, anti-authoritarians and people from social movements, Indigenous movements, and to see that bound up all together. In the past month, despite the pandemic, Indigenous movements, campesino movements, and student movements have joined together in something called the March for Dignity—50 to 100 people have been walking from different regions towards Bogotá for two weeks. That drew a lot of support from many people. It has been another element of the background.

A crowd on September 9.

—Do you see connections between this and the anti-police revolt in the US that began in May?

We can definitely see a link between the revolt here and the revolt we’ve seen in the United States. Obviously, there is an issue around systemic racism in the United States and what it means for Black people; Black Lives Matter and the whole sense of that struggle in the United States is not exactly the same here, even if we can see that those who are the most affected by the killing of social leaders, by the wave of massacres that we’ve been seeing in the countryside in Colombia, are Indigenous folks, are Black communities that are organized, that have another way of seeing life, that have community bonds and have another project in life, which is not capitalism. So there are links and there are differences.

But I think the main issue is that the pandemic is just one more example confirming why people cannot stand that system anymore, and people are genuinely revolting against that oppression. This is the main connection, this is what can be learned, this is where we can build bridges in terms of questions like, which world are we dreaming of? Can we dream, can we build a world in which we don’t need jails? Can we build a world in which we don’t need the state? These are the kind of questions—and this is the basis from which we can build those bridges between struggles in the United States and the rest of the Americas, together with Indigenous and Black community struggles.

—What role have paramilitary groups played in the repression?

The Colombian armed conflict is still going on. Basically, the main war against the people didn’t have so much to do with the guerrillas of the FARC—the war is actually a war of the state against its own people, against its own territory, because many communities have another way of life. They don’t want to be dependent on the state, they want to have territorial autonomy, they want to have their own economy, which is not a capitalist economy. So there’s an ongoing war against those concrete existing projects.

And this war plays out through legal measures—there is a legal framing—people are being detained and arrested, there are political prisoners, people are repressed by the police. But paramilitarism is a strategy that the state has always been using as a way to spread terror in the countryside and carry out genocide against ethnic people and also against their projects, against that social fabric. The social fabric itself is the military target of the paramilitary strategy. This is something that has been so deeply woven into Colombian society for so many years that we were not even surprised to see civilians, yesterday night, openly joining the police with guns and helping them out. Because paramilitary activity is so embedded in the practice of the military and the police forces of Colombia for so long that the two are fundamentally linked.

—What does this uprising mean in the larger context of social movements in Colombia and South America?

Several big organizations have been planning how to arrange the return of the general strike. Actually, for September 21. So these riots, this uprising—it’s interesting that it arrives at the moment at which everyone we’ve been seeing being calm through the pandemic, even when the situation was clearly unbearable, was anticipating something. For people who became homeless over the past weeks, the misery to which a huge part of society is condemned is totally unbearable. So everybody has been waiting, awaiting a big uprising. It’s an example of what’s to come.

It’s an example of what’s to come in Colombia, but it’s also an example of what’s to come in the rest of South America. Brazil is in a terrible situation. We’ve seen what’s been happening in Argentina with the police trying to make a sort of coup on September 9, yesterday. So you can see there is a kind of social conflictivity that is growing, and it has to do with the fact that this economic system cannot give us what we need. Now, that doesn’t mean that the results of uprising and struggle will be peace and anarchy… unfortunately, it might also be fascism. But it’s a struggle that has to take place, it’s a struggle that cannot take place only through an uprising, it also has to take place by the development of the social fabric, through the establishment of links, of building different kinds of projects, different alternatives, many of which we already have, while others have yet to be created.

Just to name a few examples of inspiring things that have been happening—during the pandemic, campesino organizations that have autonomous trajectories have been sending tons of food to poor neighborhoods in Bogotá and other cities. We’ve seen similar examples in other parts of South America. And for example, in some of those regions, they have their own security systems—so they have their own guards, but they are unarmed guards. This has been a proposal from the communities for a long time in order to replace the police, to say, you know, we don’t need the police coming from the state—we have our own community structure to ensure safety. The whole idea of the guards that comes from an Indigenous perspective is totally different. They have a stick, but that stick is never used to beat up anyone; it’s a stick that represents collective authority, it is given to someone and can be taken from that person. It is an authority that you give someone to be a guard, temporarily, but that can be taken away from them at any moment, and this is a collective responsibility, to make the community guards work. So we have Indigenous guards, we have guardia cimarrona, the Black community guards, and actually, what’s been called the primera linea, the front line, young folks that have been forming lines of protection in the student demonstrations and the strike, have been in an exchange over the last month with the guards from the rural areas, to get everyone to understand that perspective, to apply it in the cities.

So people are not just participating in an uprising, people are not just fighting against the system—they are also imagining and they are creating new ways and new perspectives for another kind of society. Despite the rage that I can feel right now about all the terrible things we’ve been seeing over the past hours but also the past weeks—I lost count, but over the past month and a half, we’re at something like 15 massacres, 60 people were slaughtered by soldiers or paramilitaries in rural areas—the wave of violence can bring you to total desperation, but we do see that there are inspiring examples for anarchists and anti-authoritarians, or whoever wants to see a world without oppression and without a state, there are things that are filling us with hope.

taken from here

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