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GiletsJaunes am 9. Februar in Paris

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11 Feb , 2019  

Übersetzung der Ereignisse in Paris am 9. Februar von den Genoss*innen von Paris Luttes:  https://paris-luttes.info/manifs-sauvages-et-emeute-11644?lang=fr Dort findet ihr auch wunderschöne Bilder.

„Samstag, 9. Februar – 14 Uhr: Die Demo läuft schon seit einer Weile, aber besser spät als nie haben wir uns uns entschieden mitzulaufen! Dank der Kontakte in der Demo können wir schnell die Gelben Westen in der Rue de Rennes an der Metrostation St-Placide treffen. Erste Bemerkung: Die Demo befinden sich außerhalb der eingereichten Route. Die Bullen sind massenhaft in der Umgebung anwesend und blockieren einige Straßen, scheinen jedoch nicht in der Lage zu sein, dieses wilde Demo in die richtige Richtung zu leiten. Die Atmosphäre ist eher festlich, die Menge ist sehr unterschiedlich. Wir sprechen mit einem Genossen von der CGT: Es ist sein erster Samstag neben den Gelben Westen. Am Anfang widerstrebend wegen der Anti-Gewerkschaftshaltung der Bewegung, aber die Repressionen der letzten Wochen und die autoritäre Haltung der Regierung überzeugten ihn für die Demo zu mobilisieren.

In Montparnasse angekommen, demolieren Demonstranten eine Bank unter dem Applaus der Menge. Die Demo nimmt dann die auf dem Boulevard de Montparnasse angemeldeten Route kurz wieder auf, was aber nicht verhindert das kapitalistische Ziele angegriffen werden. Es ist schwierig, die Anzahl der Personen zu schätzen, die zu diesem Zeitpunkt anwesend sind. Es muss kurz nach 15 Uhr sein und die Menge ist sehr beeindruckend. Ein dichter und kontinuierlicher Strom von Demonstranten kommt aus der Rue de Rennes, um den Boulevard zu betreten. Sehr schnell beschließt die Demo erneut, die angemeldete Route zu verlassen, und verwandelt sich in eine wilde Sponti, indem sie auf der Straße von Vaugirard links abbiegt. Von da an beginnt ein echtes Riot Festival: Banken, Versicherungen, Immobilienagenturen. Es ist kein Polizist mehr in Sicht. Die Riots werden von den Demonstranten weitgehend unterstützt, die Häufigkeit antikapitalistischer Parolen wird intensiviert. In diesem Moment erleben wir ziemlich überraschende Szenen. Auf jeden Fall ein Beweis dafür, dass unsere Slogans jetzt jenseits militanter Kreise ein Echo finden.

Bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Bullen. Paris wird zu einem Aufstandstheater. Die Fernsehkanäle zeigten viele Bilder eines brennenden Autos,  mit dem Hintergrund des Eiffelturms. Auf der anderen Seite zeigten sie wenig von der unglaublichen Atmosphäre, die in diesem Moment herrschte: Aufruhrszenen, aber mit Hunderten von Touristen in der Mitte, von denen sich einige mit den Gelbwesten für „Selfies“ versammelten. Ein paar hundert Meter weiter  gingen Familien immer noch ruhig mit ihren Kindern umher, ohne sich um die großen Gas- und Rauchwolken oder die Detonationen von Granaten am Fuße der Eisernen Dame (Anmerkung: Eiffelturm) zu sorgen. Schließlich formiert sich eine weitere Demonstration und läuft die Avenue Kleber in Richtung Etoile. Viele Schaufenster gehen zu Bruch, Luxusautos werden in Brand gesetzt. Kurz nach der U-Bahnstation Boissière stürzen Dutzende von Bullen überall umher und beschießen den hinteren Teil der Demo mit Tränengas. Dies ist der Moment, in dem wir aussteigen.

In jedem Fall können wir eine ziemlich positive Einschätzung dieses Tages ziehen: Trotz der Gewalt der Bullen (eine Person verlor eine Hand), sind wieder Tausende von Menschen auf die Straße gegangen. Es ist schwierig, eine genaue Schätzung vorzunehmen, aber die von der Regierung angegebene Zahl (4000) ist wirklich lächerlich. Es gab so viele, wenn nicht mehr Personen als während des zweiten Aktes, als dieselbe Regierung in Paris 10500 Menschen zählte (laut Beobachtern 14500) Die Strategie, die angemeldete Route zu verlassen, war ein voller Erfolg, der es erlaubte, bestimmt zu demonstrieren ohne eine Zeit lang Polizisten zu sehen, in einer großartigen Atmosphäre! Im Gegensatz zu Gerüchten die im Umlauf waren, zeigten sich die Faschos nicht.  Am selben Tag wurden sie auch von der Demonstration in Lyon geprügelt, eine ihrer Hochburgen.  Neue Menschen scheinen sich der Mobilisierung anzuschließen, näher an der Gewerkschaftswelt und traditionellen sozialen Bewegungen. Bis nächsten Samstag, zu einem weiteren Aktionstag.“

taken from here

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