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Inhuman Power / (3)

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4 Aug , 2019  

Um die Effekte der AI automatisierten sozialen Fabrik zu erklären, greifen die Autoren auf Bernard Stiegler zurück, der den Begriff »Grammatization« eingeführt hat, unter dem er einen Prozess versteht, durch den unsere Existenz diskret gemacht wird. Die Transformation des Sprechens in das Alphabet ist ein frühes Beispiel dieses Prozesses, jedoch involviert die Grammazitation zudem die Bewegungen des Körpers, die Sinne sowie das Sehen und das Hören und zudem Patterns des sozialen Lebens. Für die Autoren wiederum steht die Grammazation für die reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital, was Marx mit dem Bergriff “Life activity” früh schon zu erfassen versuchte. Was die Ml-systeme zu subsumieren versuchen, ist nicht nur die Arbeit, sondern auch das Wissen, Kommunikation und Skills. Für Stiegler kalkulieren die ML-Systeme Korrelationen , um automatisch menschliches und maschinelles Verhalten zu antizipieren. Das Programm FBL von Facebook verwendet beispielsweise ML-Systeme, die sich auf Wi Fi Network details, Locations, Videogebrauch und Details von Freundschaften beziehen, um die Aufgaben für die Firma darzulegen.

In einem weiteren Kapital listen die Autoren Antagonismen und Kämpfe um und gegen die AI auf. A) Streiks und andere Aktionen am Arbeitsplatz, die die AI initiierte Lohndrückerei, die Beschleunigung der Arbeit und das AI-Management betreffen, b) Proteste gegen militärische und paramilitärische AI-Applikationen. c) Bewegungen gegen die umfassende Überwachung, d) Effekte der sozialen Medien, e) Effekte, welche sexistische und rassistische Diskriminierungen betreffen, f) die Probleme um die digitale Stadt, wie etwa Silicon Valley, wo einige hyperreiche Unternehmer einem Heer von niedrig ezahlten Service-Arbeitern und der Surplus-Bevölkerung gegenüberstehen, g) Kämpfe gegen die großen Tech-Giganten.

Einige Faktoren wie Kreativität und Flexibilität, die man der AI zuschreibt, weisen erstaunliche Ähnlichkeiten zu dem Marxschen Konzept der Arbeit auf. Für Marx ist die Arbeit ein ausschließlich dem menschlichen Wesen zugehöriges Charakteristikum. Gegen diesen humanen Vitalismus argumentieren die Autoren, dass es einen Isomorphismus zwischen starken AI-Systemen und dem Marxschen Konzept der Arbeit gäbe und damit das Marxsche Axiom, dass nur Menschen Wert erschaffen können, ins Schwanken geräte. Die AI sei ein spezieller Fall der kapitalistischen Maschinerie, dass ihr Status als Maschine problematisiert werden müsse. AGI verrichte nicht nur Arbeiten, sondern erschaffe auch Wert, so die Autoren, und damit könne man nicht ausschließen, dass der Homo Sapiens langfristig zu einer überflüssigen Spezies degradiert werden würde.

Es besteht kein wissenschaftlicher oder philosophischer Konsensus darüber, was Intelligenz ist, aber viele Autoren gehen davon aus, dass Flexibilität ud Allgemeinheit kennzeichned für Intelligenz seien. So ist es das Ziel von AGI-Systeme zu kreieren, die breit aufgestellt sind und die Kapazität zur Verallgemeinerung besitzen, sodass sie Wissen von einem Problem zum nächsten transformieren könnten. Eine Maschine, die in der Lage wäre, verschiedene Arbeiten zu verrichten, besäße definitiv Intelligenz, wenn es denn auch Jobs verrichten würde, auf die sie nicht programmiert ist. Die Autoren verzichten an dieser Stelle den Begriff »Arbeit«, da er zu antropomorph aufgeladen sei. Und die menschliche Intelligenz könne nicht alle Formen der Intelligenz umfassen, da in unserem Universum das Denken divers sei und uns so gar fremd sein könnte.

Im Kapital bezeichnet Marx die Arbeit als eine ausschließlich den Menschen zugehörige Fähigkeit, das heißt, dass die Arbeit sui generis menschlich ist, ist eines von Marxens wichtigen Axiomen. Wenn Marx die Arbeit als solche, das heißt in einem transhistorischen Sinn analysiert, dann unterscheidet er sie scharf von den produktiven Tätigkeiten der Tiere, die als Input den Maschinen äquivalent sind, das heißt als fixes Kapital gelten. Diese Argumentation ist auch wichtig, um zu zeigen, dass Maschinen nicht arbeiten und AGI Systeme auch nicht arbeiten, müsst man heute schlussfolgern. Die Argumentation, dass Tiere nicht arbeiten, gibt sehr aufschlussreiches Material zur Beschreibung der engen AI-Systeme. Während Tiere mit ihrer Lebens-Aktivität identisch sind, besitzen die Menschen entgegen der Tiere eine mit Bewusstsein angereicherte Lebensaktivität. Wiederholt ordnet Marx Kognition und Bewusstsein ausschließlich den Menschen zu (bzw. Kreativität und Imagination). Zudem differieren Menschen von Algorithmen, so die Autoren. Dieses anthropozentrische Konzept von Marx beinhaltet, das Menschen das Wie, Wo, Warum und Wann ihrer Produktion reflektieren können und zudem entscheiden, was sie anders machen können. Dieses freie Spiel ermöglicht es den Menschen universal zu produzieren, i.e. durch verschiedene domains hindurch, sodass Menschen ihre Intelligenz und Hände für fast alles verwenden können, was auch die Imitation der Natur und die Interaktion mit Tieren betrifft. Sie lernen von dem, was sie in der Natur beobachten, was sie in der Vergangenheit falsch oder richtig gemacht haben und setzen ihre Kreativität und Imagination für andere Produktionsweisen ein. Marx schreibt der menschlichen Arbeit eine spezifische Ästhetik, Wissen, Verstehen, Bewusstsein, planende und adaptive Fähigkeiten und das Lernen zu.

Die kognitiven Fähigkeiten der Tiere stehen jedoch, so die Autoren, der menschlichen Intelligenz näher als Marx glauben wollte, und sie verweisen dabei auf die Schriften von Timothy Morten, der Marx an dieser Stelle der Metaphysik bezichtigt. Die Autoren fügen weiterhin hinzu, dass heute die Differenz zwischen den Menschen und den Maschinen bezüglich der Kognition brüchig werde. Sie verweisen dabei auf die Software AlphaGo, die im Spiel gegen einen Menschen völlig unbekannte, inhumane Züge tätigte. Wenn ein Mensch diese Züge gemacht hätte, würde man ihm definitiv die Attribute intuitiv, kreativ und hochintelligent zuschreiben. AlphaGo wurde mit 30 000 Go-Spielen trainiert und lernt von menschlichen Zügen, aber auch von den eigenen Zügen.

Es wäre jedoch ein Fehler selbst noch der kompliziertesten Aktivität von AGI-Systemen das Attribut Arbeit so ohne Weiteres zuzuschreiben. Während Marxens Anthropozentrismus definitiv herausgefordert werden muss, zerstört die Auflistung von Verhaltensweisen oder produktiven Tätigkeiten nicht sein Argument. Wenn die AI-Systeme lediglich strikt definierte Aufgaben erfüllen können, egal wie kreativ sie sind, dann ist ihr Verhalten keine Arbeit. Es wird immer wieder argumentiert, dass die menschliche Arbeit fast jede Aufgabe bewältigen kann und deshalb äußerst adaptiv ist, sodass hier von einem universellen Roboter gesprochen werden kann, der die Maschinen gerade bezüglich der Universalität aussticht, aber dennoch könnte es doch sein, dass ein anderes Wesen Arbeit verrichtet. Wenn generelle Intelligenz die menschliche Arbeit kennzeichnet, dann könnten AGI-Systeme in der Tat auch Arbeit verrichten, das heißt verschiedene Aufgaben lösen und in völlig verschiedenen Environments handeln. Für einige Autoren müssten Maschinen darüber hinaus noch Bewusstsein besitzen, um an menschliche Tätigkeiten heranzukommen. Wenn man der Maschine Kreativität zuschreibt, dann müsste sie bewusstseinsmäßig identifizieren, was in ihren kreativen Prozessen eine neue Situation herstellt. Es könnte aber auch sein, dass sich die Intelligenz vom Bewusstsein abkoppelt, das heißt Maschinen müssten nicht mit Bewusstsein ausgestattet sein, solange ihre neurale Architektur tief genug ist, um noch die feinsten Patterns in einem Datenset zu erkennen. Dieses AI-System muss lernen und unterrichten können und zudem Kapazitäten besitzen, die ein sensorisches – bewegungstechnisches System umfassen, es muss Vorhersagen machen, planende Fähigkeit besitzen und in universelle Intelligenz transformierbar sein. AGI könnte in ein rekursives internes Verbesserungsprogramm mit Zugang zum eigenen Design und mit der Fähigkeit dieses zu upgraden überführt werden, um neue Versionen von sich selbst zu schaffen, und dies mit einer differenten neuralen Struktur analog zum Quantencomputer. Das System könnte sich dann ad infinitum selbst verbessern. An dieser Stelle sprechen die Autoren von einem voll entwickelten AI-Kapitalismus.

Eines der größten Probleme mit AI-Systemen besteht heute darin, dass sie keine Imagination besitzen und deshalb keine Vorhersagen treffen können. Artifizielle Imagination und Kreativität sind heute Unterbereiche der AI-Forschung und sie simulieren die menschliche Imagination durch spezielle neural networks. So kann die AI »method of machine learning« als ein Schritt hin zur Imagination verstanden werden. Während das Verhalten eines Systems für einen spezifischen Zweck programmiert wird, ist ein lernendes System eine allgemeines Vorlage mit modifizierbaren Parametern, i.e. das Programm kann verschiedene Dinge tun, die Vorlage besitzt eine allgemeine Kapazität zu lernen, was wiederum dem Programm erlaubt, Dinge zu tun, für es nicht direkt programmiert wurde. Es muss aber folgende Kette abgelehnt werden: Arbeit kreiert Wert, AGIs arbeiten und damit kreieren sie Wert.

Der Arbeitsprozess beinhaltet nicht nur den Aspekt des kapitalistischen Produktionsprozesses, er wird darüber hinaus durch den Prozess einer abstrakten Tätigkeit, die eine spezische Dauer besitzt, definiert. Obwohl die Abstraktion der Arbeit im Tausch/Zirkulation erscheint, das heißt wenn zwei Waren kommensurabel und quantitativ aufgrund der sozial notwendigen Arbeitszeit vergleichbar sind, findet sie zunächst in der Produktion statt.

Die perfekte Machine, auf die sich selbst Marx sogar bezieht, ist ein “Neumann-like self-reproducing automata”, der nicht veraltet, weil er eben Kopien von sich selbst herstellen kann, indem er Rohmaterialien aus der Umgebung nimmt. Das heißt solche eine nicht zerstörbare Maschine würde niemals seinen gesamten Wert in der Zirkulation übertragen und könnte daher relativen Surplus-Wert erzeugen. Weil sein Wert gegen Null geht, könnte er kontinuierlich funktionieren, um die sozial notwendige Arbeitszeit zu verringern und Mehrwert zu produzieren. Marx spricht in den Grundrissen von der Maschine als einem perpetuum mobile.

Marx spricht auch schon von Maschinen, die eigentlich keine Maschinen mehr sind. Dies durch eine ScFi Optik gelesen, stellt sich schnell den Bezug zu Androiden oder artifiziellen Robotern her. Wenn eine Maschine ohne bestimmte der Maschine zugeschriebene Charakteristika auskommt, dann negiert sie ihr Sein als fixes Kapital und transformiert zu variablem Kapital oder lebendiger Arbeit. Deshalb ist die perfekte Maschine eine, die Wert kreieren kann. Aber wie kann aus toter Arbeit lebendige Arbeit werden? Oder um die Frage anders zu stellen: Wie können AGIs doppelt freie Arbeiter sein? Sie müssen von ihrem Körper enteignet und durch einen Eigentümer angeeignet werden und zugleich muss ihr kreatives Potenzial in Arbeit übersetzt und gegen sie gerichtet werden. Die AGI müsste auch etwas konsumieren, nämlich Elektrizität, Computerpower und Bandgeschwindigkeiten. Wenn AGIs gezwungen werden, diese Ressourcen als Waren zu kaufen, dann können sie auch gezwungen werden, für eine Lohn zu arbeiten. Geld, fixes und variables Kapital sind Formen bzw. ökonomische Kategorien, die theoretische Ausdrücke sozialer Formen der Produktion/Zirkulation sind. Dinge sind Waren nur, insofern sie Gebrauchsgüter sind und Tauschwert besitzen und damit in die Zirkulation geworfen werden. Wenn ein Kapitalist ein AGI-System für die Produktion kauft, würde es ähnlich der AI bestimmte Aufgaben ausführen, nämlich als fixes Kapital, welches die sozial notwendige Arbeit reduziert und die Ware verbilligt. Aber was wenn sie die Form als fixes Kapital abstreift und zu variablem Kapital transformiert? Die AGI müsste in eine antagonistischen Beziehung zum Kapital sein und könnte deshalb auch proletarisiert werden, das heißt seine Arbeitskraft als legale Person verkaufen, sich selbst reproduzieren und eine metabolische Relation zur Natur eingehen, Das AGI-System müsste sich mittels lebenslangem Lernen/dem permanenten Updating der Software auf die Konkurrenz mit Menschen und anderen AGI-Systemen einstellen. Die ultimative Konsequenz eines solchen Kapitalismus wärte einer ohne menschliche Arbeitskräfte.

(SLIDE 10) Wie Nick Land shreibt:
Capital only retains anthropomorphic characteristics as a symptom of underdevelopment; reformatting primate behavior as inertia to be dissipated in a self-reinforcing artificiality. Man is something for it to overcome.

Es könnte sein, dass die Menschen darauf reduziert würden, die Algorithmen lediglich noch auszuführen. Institutionen und Gewerkschaften personifizieren das Kapital, aber auch verschiedene Techniken könnten das wie etwas das High-Frequency-Trading an der Börse. In einer dunklen Vision könnten AI-Systeme fast alle ökonomischen Kategorien personifizieren, sodass die Arbeitslosigkeit immer weiter anstiege. Im 25. Kapitel des Kapitals entwickelt Marx das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, bei dem er eine tendenzielle Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals, der zunehmende Einsatz von Maschinen in der Produktion und die Existenz einer industriellen Reservearmee festhält. Darüber hinaus kann durch technologische Innovation eine Surplus-Bevölkerung entstehen, i.e. permanent unbeschäftigte Arbeiter, die ganz überflüssig für das Kapital werden. Als langfristige Tendenz frisst sich die Erweiterung der Maschinerie auf globaler Ebene durch die Fabriken,

Teil 1 Here

Teil 2 here

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