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Konstitution und Klassenkampf

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7 Feb , 2019  

Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf
Bemerkungen zur Akkumulation und Krisentendenz des Kapitals

„Die menschliche Revolution, die Emanzipation der Gattung ist nicht mehr möglich über die personalisierende Enthüllung der herrschenden Klasse, die immer überwuchert wird von den Apparaten, die ihre Herrschaft aufrechterhalten; sie ist nur möglich über eine Denunziation der Dinge, des im Spätkapitalismus produzierten Schunds, in denen die Verhältnisse sich kristallisieren. Wenn Entfremdung und Verdinglichung heute Kategorien sind, deren Gültigkeit für den Kapitalismus zweifelhaft wird, so muss das notwendig in einer wesentlichen Veränderung der Warenform gesucht werden. Deren Elemente, Gebrauchswert und der an dessen Naturalform usurpativ erscheinende Wert, müssen in eine qualitativ veränderte Konstellation getreten sein. Die Warenform, in der der Gebrauchswert tendenziell schon stets abstirbt, die zur Allegorie wird, trägt die Tendenz zur Zersetzung in sich. Ohne diese wäre die immanente Krisentendenz des kapitalistischen Akkumulationsprozesses, sich selbst zu unterbrechen, nicht möglich gewesen. Das Stadium der immanenten Selbstzersetzung der Warenform zugunsten des totalitären Tauschs ist erreicht, nicht nur hat endgültig die Verpackung über das Produkt gesiegt – der Gebrauchs wert ist zerstört -, wir konsumieren Reklame, wenn wir essen und trinken, und ernähren uns doch davon (Nivellation des Marktes).
Wir müssen die Dinge denunzieren, um die Menschen für deren Genuss zu befreien. Die Dinge aber, die keine sind, sind die Institutionen – objektiver Ungeist. Auch der Begriff der Charaktermaske wurde ausgelöscht, hinter den Masken stecken keine Gesichter mehr; dieser Marxsche Begriff des zur Funktion seines produktiven Privateigentums herabgesetzten Individuums ist polemisch an der Ideologie von dessen Autonomie, der der privaten Persönlichkeit, orientiert. Die gibt es nicht mehr – ebenso wie Anpassung zur Mimesis ausgehöhlt wird. Destruktion des Ichs.“

„Die geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation führt mit Notwendigkeit den Untergang einer zwar geschichtlichen, aber ihren geschichtlichen Charakter permanent revozierenden Gesellschaftsformation herbei – sie führt mit Notwendigkeit zur letzten Krise des Systems, an der es unvermeidlich zerbricht. Damit führt Marx durchaus keine objektivistische Auffassung von den Naturgesetzen der kapitalistischen Entwicklung ein; denn die Krise, aus der der Kapitalismus keinen Ausweg mehr weiß, führt nicht ohne Zutun der Unterschichten in den Sozialismus, sondern etwa in ein dem neuen Stand der Produktivkräfte zwar an gemessenes, aber barbarisches Herrschaftsverhältnis, einen industriellen Faschismus. Automation ist Kapitalvernichtung; sie bedeutet vom geschichtsphilosophischen Begriff der Produktivkräfte her, die das Kriterium für die objektive Möglichkeit der Machbarkeit der Geschichte dar stellen, dass die Menschen von Arbeit befreit werden können; es könnten aber auch die Arbeiter abgeschafft und zu einem Heer von beherrschten und dem Wohlwollen des Herrschaftsapparates ausgelieferten Rentnern werden.“

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