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Laruelle und der Marxismus

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6 Apr , 2017  

Der Nicht-Marxismus deutet für Laruelle eine Theorie mit n-unilateralen Seiten an, d. h., jede dieser Seiten ist in der letzten Instanz in Bezug auf das Reale zu setzen, sodass man endlich damit aufhören sollte, den Marxismus bilateral oder dialektisch oder gar topologisch zu begründen. Das universelle Denken der Nicht-Standard-Philosophie und des Nicht-Marxismus erfordern eine transzendentale Theorie (Hypothese, Axiom und Theorem) und einen experimentellen »Empirismus« (Deduktion und Test) der tausend möglichen Quellen, wobei letzterer von der Unilateralität in der letzten Instanz zu konzipieren ist. (Laruelle 2015: 80f.) Nach Ansicht Laruelles hatte Marx als Nicht-Philosoph zumindest im Ansatz eine transzendental-axiomatische Theorie entwickelt, die universell, nicht-empirisch und nicht-intuitiv ist, und er hatte damit einen kommenden Platz für innovative Wissenschaften geschaffen.1  Im Marxismus sieht Laruelle eine neue Wissenschaft, für die auch Philosophie benötigt wird. Er schreibt: »Its global scientific model is mechanics, with algebraic and Darwinian fringes; its philosophical model is a certain overturning of Hegel; its object is history and societies in history.« (Laruelle 2013: 214) Der Nicht-Marxismus wiederum behält Laruelle zufolge vom Marxismus bzw. historischen Materialismus die Favorisierung der Wissenschaften gegenüber der Philosophie bei, das Konzept der letzten Instanz, das generische Verständnis der Geschichte als Welt und Kapital, die Fusion von Theorie und Massen in der Form der Quantentheorie und des Gelebten des Subjekts und schließlich die Dualität von Basis und Überbau in der Form des Welle-Teilchen-Dualismus. (Ebd.:215)

Marx hatte nach Auffassung Laruelles letztendlich etwas anderes als die ständige Rekalibrierung seiner eigenen Theorie im Sinn (obgleich sein Werk durchaus als produktive Baustelle zu betrachten ist). Der spezifische Modus einer permanenten Korrektur betrifft heute die postmoderne Kreuzung der wissenschaftlichen Disziplinen, die man gerne »Interdisziplinarität« nennt, oder die endlose Fortsetzung der Dekonstruktion inklusive ihrem äußerst sanft vorgetragenen autoritären Gestus des Alles-in-der-Schwebe-Haltens, der vor allem die Philosophie selbst immer weiter am Leben erhält.

Man sollte laut Laruelle endlich damit aufhören, den Marxismus mit philosophischen Begriffen zu verbessern – wie dies der westliche Marxismus über Jahrzehnte hinweg immer wieder praktiziert hat – , oder ihn zu dekonstruieren oder wahlweise zu intensivieren versuchen, um ihn in letzter Konsequenz zu etwas zu machen, das entlang der zeitgemäßen Anforderungen des linken akademischen Publikums kommuniziert oder das von diesem gar strukturalisiert wird. Stattdessen ist es längst an der Zeit, den Marxismus zumindest, was seine philosophische Seite betrifft, radikal zu verarmen bzw. zu reduzieren, um ihn mittels einer voluntaristischen Verknappung der (philosophischen) Begriffe neu zu konzentrieren und daraufhin wieder schwach zu universalisieren, und dies in Richtung einer wissenschaftlich-philosophischen Typologie, die minimal-transzendental zu sein hat (sie folgt eher einer neuen Konzeption der Wissenschaften als der Philosophie). Für Laruelle bedeutet dieses Postulat auch, dass die Nicht-Standard-Philosophie gegenüber dem Marxismus indifferent bleibt, während umgekehrt der Marxismus durch die Nicht-Standard-Philosophie durchaus modifiziert werden kann.

Unabhängig bezüglich der Affirmation der einzigen radikalen transzendentalen Setzung, die die Nicht-Standard-Philosophie mit dem Primat des Realen vornimmt, kann es für Laruelle auch keinen Nicht-Marxismus geben. Der nicht-euklidischen Philosophie – ein anderer Name für die Nicht-Standard-Philosophie – sollte deshalb ein nicht-euklidischer Marxismus adäquat sein, der auf Grundlage der Affirmation des Realen den universellen nicht-marxistischen Kern erfindet – nicht den des Marxismus, sondern einen Kern, der ausgehend vom Marxismus und für ihn produziert wird, wobei der Nicht-Marxismus den Marxismus selbst als Symptom und Modell, im Generellen als Material behandelt. (Laruelle 2015: 67f.) Der gegenwärtige (westliche) Marxismus enthalte, so Laruelle, einfach zu viel Philosophie und es fehle definitiv ein rigoroses Denken, ja selbst Marx mangele es an vielen Stellen an einem rigorosen Denken, das seine wesentlichen Kriterien eben nicht der Philosophie, sondern der Instanz X entnähme, die allein durch Immanenz einen Grund (Grund durch Identität und Immanenz und nicht immanenter Grund) besitze, der gerade heute die Macht des Nicht-Marxismus radikal anzeigen, i. e. eine nicht-marxistische Praxis des Marxismus ausweisen könne.

Laruelle fasst in seinem Buch Introduction to Non-Marxism die bis heute fortwuchernde Problematik um die Fehler des Marxismus folgendermaßen zusammen (ebd.: 11ff.):

1) Es gibt keine Fehler des Marxismus, sondern in seiner diskontinuierlichen Geschichte gibt es lediglich eine Anzahl von Symptomen von Fehlern. 2) Die Umstände oder die Konjunkturen des Nicht-Marxismus umfassen das marxistische Konzept der Umstände und Konjunkturen plus die Fehler des Marxismus. 3) Die einzelnen Objekte des Marxismus unterstehen bis heute immer noch der Vorherrschaft der philosophischen Doktrin. Hingegen besteht das das wissenschaftliche Objekt des Nicht-Marxismus im Kapital mit all seinen Facetten. Das universelle Objekt des Nicht-Marxismus umfasst wiederum den »Kapitalismus« plus das Set seiner philosophischen Repräsentationen, i. e. den universellen Kapitalismus im radikalen Sinne und seine Synthese mit der Philosophie unter der Schirmherrschaft der Welt. 4) Der Nicht-Marxismus fordert eine reale Identität von Wissenschaft und Philosophie, die als Science-Fiction konstruiert werden muss und insbesondere die hegemonialen Ansprüche der Philosophie in ihre Schranken verweist. Unter der heutigen Vorherrschaft der dialektischen Synthese von Wissenschaft und Philosophie nimmt die Philosophie nämlich ihren Platz zweimal ein, einmal als Partei oder Teil (innerhalb der Dualität) und ein weiteres Mal als Richter (innerhalb einer ternären Struktur), das heißt als Term der Synthesis und als Synthesis selbst. Dies lehnt Laruelle rundherum ab. 5) Schließlich fordert der Nicht-Marxismus eine einheitliche Theorie des Marxismus, mit der er die radikale Absetzung von der Dialektik betreibt. Und dies ist für Laruelle allein mit der Ausarbeitung des Begriffs der Determination-in-der-letzten-Instanz (DLI) möglich, der Unifizierung von Wissenschaft und Philosophie in der letzten Instanz. Es geht aber nicht darum, die beiden Disziplinen – wie dies der Dialektische Materialismus und in gewissem Maße auch der Historische Materialismus, der ja selbst noch viel zu philosophisch ist, praktiziert haben – allzu schnell zu identifizieren, sondern Laruelle fordert dazu auf, beide Disziplinen gemäß dem Realen zu entwickeln, gemäß einer Immanenz, die geklont werden kann, wobei hier die Wissenschaft gegenüber der Philosophie klare Vorteile besitzt.2

Für Laruelle gibt es weiterhin ein seltsames Rätselraten um die Fehler des Marxismus, seien es seine empirischen, soziologischen, ökonomischen oder philosophischen (theoretischen und praktischen) Fehlleistungen, wobei die Kritik am Marxismus oft gerade von Intellektuellen mit einem gewissen Ressentiment aufgeladen wird, heute insbesondere von solchen, die eine hypermoderne Gesellschaftsheorie zu kreieren versuchen, welche den zeitgemäßen ästhetisch-theoretischen Geschmack des akademischen Publikums treffen soll. Zur Problematik der wissenschaftlichen Fehlleistungen des Marxismus gibt es folgendes zu sagen: Es war bekanntermaßen Popper, der, um wissenschaftliche Irrtümer beurteilen zu können, das (letztendlich metaphysische) Kriterium der Falsifikation angab. Der Hypothese, die Universalität beansprucht, muss im Experiment sui generis widersprochen werden können, und das macht für ihn das eigentlich Affirmative der Wissenschaft gegenüber jeder Form der Metaphysik aus. (Ebd.: 13) In diesem Kontext hätte dann der Marxismus bis heute, insofern er stärker in der Tradition der Verifikation steht, die Geschichte und die Ideenwelt viel zu oft gespiegelt oder kopiert; er affirmiert seine Hypothesen als relativ adäquat den weltlichen Phänomenen gegenüber und versucht diese zu allem Unglück noch zu verifizieren. (Ebd.) Und noch jede philosophische These tendiert Laruelle zufolge stärker zur Verifizierung als zur Falsifizierung. Die Objekte des philosophischen Marxismus waren zwar nie unmittelbar mit der Realität deckungsgleich, wie dies etwa die positiven Wissenschaften fordern, sondern das Sein (als Materie) war sein herausragendes Objekt, und dennoch versuchte zumindest der philosophische Marxismus ständig auf der Ebene des Konkreten affirmativ (das Proletariat führt die Geschichte zu einem korrekten Ende) zu intervenieren. Der Marxismus in der Version des Arbeitswertlehre hat das Proletariat nicht nur messianisch aufgeladen, sondern er hat das Proletariat als ein Mittel benutzt, um die Kritik des Kapitalverhältnisses durch die Ideologie der Arbeit, die gleich der Philosophie des variablen Kapitals ist, abzuschwächen. Und dies setzt sich noch fort im Ekel gegen die Forderung nach einem Grundeinkommen, in der Rebellion gegen die für die Produktion angeblich unnützen Rentiers, die nur vom Handel mit Wertpapieren leben und auf das Recht des Zinses pochen. Letztendlich bleibt mit der Konzeption der transhistorischen Logik der Arbeit der Gebrauchswert erhalten, indem die Arbeit sui generis als der Selbsterzeugungsprozess des Menschen begriffen wird, ein Prinzip, das durchaus mit der Denkfigur des Hegelschen Weltgeistes konkurrieren kann. Folgerichtig wird auch das Politische rein als die Potenzierung des ökonomischen Antagonismus begriffen, der das Resultat der kapitalistischen Exploitation des Arbeiters ist. Als Philosophie besitzt der Arbeitswertmarxismus keine eigenen Objekte, er ist eher ein dualistisches Spiel von Positionen und Objektivitäten, er konfusioniert andauernd seine praktische Transformationskraft, die eigentlich von nie da gewesener historischer Wirksamkeit sein soll, mit philosophischer Transzendenz qua der eingeforderten Heilskraft des Proletariats, die unter Umständen im »sozialen Arbeiterstaat« (Kautsky) oder dem ideellen Gesamtlohnarbeiter endet, der vom »ideellen Gesamtkapitalisten« (Engels) kaum noch zu unterscheiden ist. Ein entscheidender Fehler des Marxismus liegt für Laruelle darin, dass man sich tatsächlich vorstellte, er hätte eine spezielle Philosophie – den dialektischen Materialismus und selbst noch den historischen Materialismus – geschaffen, deren Gebrauchswert darin bestünde, die theoretischen Mittel zu liefern, um die ganze Menschheit qua Proletariat, das die reale Aufhebung oder Zerstörung der Arbeiterklasse betreibe, zu befreien, einem Proletariat, das die Menschheit in das Land der Gleichheit, der Gerechtigkeit und der Freiheit führe, aber zumindest in der Übergangsphase noch eines starken Staates bedürfe, der den organischen Zusammenhang von Planung, Organisation und Bewusstsein stifte und damit als Instrument gelten könne, das den Weg zum Kommunismus freimache.3

Der Marxismus und seine Fehler sind nur in der letzten Instanz dasselbe bzw. gerinnen zu Formen einer Kombination, die irreduzibel auf einen der Terme ist. Der Marxismus ist untrennbar von seinen Fehlern, wie er aber zugleich mit seinen Fehler nicht identisch ist. Seine Fehler liegen laut Laruelle weniger in der nicht gelungenen Realisierung einer Theorie als in seinen transzendentalen Illusionen, die er ständig der Philosophie entnahm und bis heute noch entnimmt. (Ebd.: 15f.) Diese Illusionen können keineswegs allein durch die Instanzen der Theorie korrigiert werden, hingegen ist für die nicht-marxistische Theorie als »letztes« Kriterium der Korrektur das Reale, das radikal Immanenz anzeigt, anzunehmen; das Reale fungiert als Grund in-der-letzten-Instanz, der sui generis jede rigorose Theorie und jede reale Praxis determiniert. Zudem sollte die x-beliebige Adjustierung des Marxismus hinsichtlich einer »Teilnahme« an neuen wissenschaftlichen Theorien eher vermieden werden – er sollte stattdessen selbst als wissenschaftliches Material behandelt werden, um mit den Methoden des Nicht-Marxismus neue Gelegenheiten/Situationen/Umstände zu kreieren, die aber nicht unbedingt empirisch beobachtbar sein müssen, vielmehr in ihrer Performativität universell zu verstehen sind. Und dies ist nur mithilfe der Erfindung von Axiomen möglich, die ohne jeden direkten Bezug zu den historisch-philosophischen Begriffen bleiben, wie man sie gemeinhin im aktuellen Marxismus als determinierend annimmt. Eine neue Konjunktur des Nicht-Marxismus muss sich zwar auf die Kombination »Marxismus und seine Fehler« zu beziehen, ist aber auf beide Terms irreduzibel. (Ebd.: 15) Wenn es ein durchdringendes Problem im (philosophischen) Marxismus gibt, dann ist es der praktische und theoretische Mangel an antikapitalistischer Radikalität, der seine Positionen und Definitionen auszeichnet, die weiterhin keine nicht-kapitalistische Kritik des Kapitals und keine nicht-weltliche Kritik der Ideenwelt ermöglichen. Der Marxismus gebärdete und gebärdet sich zwar nicht ganz wehrlos gegenüber der Geschichte, sondern er war und ist es gegenüber der Kapital-Welt (bezüglich derer die Geschichte nur ein Modus ist), und dies ist so, weil er bis heute zu sehr der philosophischen Ideenwelt verpflichtet bleibt. Mit seiner Marxismuskritik geht es Laruelle um die Konstruktion einer neuen theoretischen Kausalität, die für die Erfindung des Nicht-Marxismus steht, ja sogar für eine Wiederholung des Marxismus, aber wenn schon, dann für eine Wiederholung-ohne-Rückkehr, und dies heißt, dass der Nicht-Marxismus sich im Marxismus nicht mehr selbst erkennen kann, oder anders gesagt, er ist viel zu heterogen zu seinem Symptom, insbesondere, wenn er dieses durch die theoretischen Mittel des Uni-versellen denkt, die wesentlich radikaler als die des Marxismus sind.

Für Laruelle kann also allein eine nicht-marxistische Wiederholung-ohne-Rückkehr die von manchen Marxisten immer wieder inszenierte ideologische Komödie einer philosophischen Rückkehr zum Marxismus wie auch die Tragikkomödie seiner Dekonstruktion vermeiden. (Ebd.: 67) Der Nicht-Marxismus will dem Marxismus weder entfliehen, noch will er zu ihm zurückkehren, er geht einfach zu ihm hin und bietet ihm eine unverblümte Geste der Radikalisierung an, die keineswegs anstrebt, eine grundlegende Trennung ihm gegenüber zu betreiben, sondern lediglich anführt, dass man weder zum Kern des Marxismus zurückfinden, noch den Marxismus andauernd erneuern muss. Nur wenn der Nicht-Marxismus als eine Theorie, die gemäß dem Realen operiert, seine eigene fiktionale Ausarbeitung erfährt, kann er den Marxismus selbst als sein Symptom begreifen und damit zugleich als eine Interpretation des Realen und als eine Praxis der Transformation gelten. Es erscheint Laruelle vollkommen sinnlos, den Marxismus verbessern, reformieren oder re-philosophieren zu wollen, allenfalls präsentiert sich der Nicht-Marxismus als eine emergente Wiederholung des Marxismus (gemäß dem Realen in der letzten Instanz). Der Nicht-Marxismus will rigoros (eine Form der Theorie, die ausschließlich auf ihrem realen Grund ruht) und uni-versell sein (nicht partikular wie die Philosophie und nicht regional wie die Wissenschaften, sondern eine unifizierte Science-Fiction – Theorie als Philosophie und Wissenschaft zugleich). (Ebd.: 70f.) Er fordert den Marxismus auf, radikal mit dem Empirismus zu brechen, wie auch mit jeglichen philosophischen Begrenzungen oder illusorischen Ambitionen, eine neue Menschheit zu erschaffen, indem man das Proletariat als das Subjekt der Geschichte konstruiert. So hat der klassische Arbeiterklassen-Marxismus im Zuge einer Teleologie der Geschichtsvollstreckung das Proletariat als Träger einer historischen Mission und die kommunistische Partei als Träger der geschichtlichen Wahrheit imaginiert.

1 Die Axiome des Nicht-Marxismus bestimmt Laruelle als leer, formalisiert, bar jeder Intuition und auch befreit von empirischen Objekten – die Axiome sind transzendental oder relativ zu den Objekten. (Ebd.) Damit ist schnell einzusehen, dass das Transzendentale, wie es Laruelle verwendet, weder als ontologisch noch als epistemologisch oder als kantianisch zu verstehen ist, sondern es bezeichnet den Status der Theorie, insofern sie ihre eigene Praxis gemäß dem Realen verrichtet und damit zugleich die Form von Aspekten oder Klonen annimmt.

2 Es war Heidegger, der darauf hingewiesen hat, dass der Dialektische Materialismus keineswegs bloß mit der Behauptung aufwarte, dass alles nur Stoff sei, sondern die metaphysische Bestimmung hinzufüge, der gemäß alles Seiende oder die Materie als Material der gesellschaftlichen Arbeit zu verstehen sei.  Diese metaphysische Bestimmung des Wesens der Arbeit und der Materie sei in Hegels Phänomenologie des Geistes als Vergegenständlichung des Wirklichen durch das menschliche Subjekt schon angelegt gewesen. In der Tat hatte Marx in den Frühschriften diese Position im wesentlichen noch beibehalten. Die Intervention von Althusser in den 1960er Jahren, die sich gegen den humanistisch-existentialistischen Marxismus Sartres richtete, zielte auf die Darstellung des Bruchs im Denken von Marx (zwischen seinen Frühschriften vor 1845, insbesondere den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten und den sog. Spätschriften ab 1857). Dieser Bruch wird allerdings von Heidegger nicht wahrgenommen, stattdessen lässt er Marx unter der Ägide Hegels als einen naiven Humanisten erscheinen.

3 Auch für Badiou lassen sich Arbeiterklasse und Proletariat nicht identifizieren. Während die Arbeiterklasse durch das Feld der sozialen und ökonomischen Positionen und Rollen definiert wird, fällt dem Proletariat als einer aktiven, destruktiven Kraft die Aufgabe zu, die jeweiligen Objekt-Platzierungen zu vernichten. Das Proletariat übernimmt für Badiou, zumindest was seine frühe Phase betrifft, die historische Mission der Destruktion eines strukturellen Feldes, in dem die Verteilung von ökonomischen und sozialen Plätzen stattfindet.

Laruelle (2013): Anti–Badiou: On the Introduction of Maoism into Philosophy, Bloomsburg.

  • (2015): Introduction to Non-Marxism.Minneapolis.

For: Bernhard Weber

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