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LiPumas “The Social Life of Financial Derivatives” (7)

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1 Dez , 2017  

Die Trinität Ereignis, Typus und Totalität konstituiert Momente der Objektivierung, die wiederum erzeugt wird, um die Prozesse der Zirkulation zu beschleunigen. Wenn es einen Anker beim spekulativen Kapital gibt, dann ist es die Feier des Risikos, gemessen in der Volatilität des Derivats bezüglich des values at risk. Hinsichtlich der Subjektivierung greift LiPuma auf die Habitus Theorie von Pierre Bourdieu zurück und bemerkt, dass je mehr symbolisches Kapital für die Anerkennung in einem bestimmten Feld benötigt wird, desto mehr spezifische Arbeit wird auch zur Gestaltung der Karriere gebraucht. Die Arbeit transformiert zum Epizentrum des Selbst. Dies wird noch durch eine Sichtweise vorangetrieben, die das Unternehmen mit der Selbstproduktion gleichsetzt. In der Finanzindustrie wurde in den letzten Jahrzehnten definitiv ein neues Regime der Arbeit geschaffen. Es gibt einen Strom von Arbeit, der sich von der Produktion hin zur Zirkulation bewegt und dies in Richtung eines spekulativen, kurzfristigen, moralisch indifferenten und ökonomistischen Arbeitsregimes.

Der Habitus referiert auf eine Realität, in der die Agenten, die ein soziales Feld bewohnen, gerade durch ihre Teilnahme am Feld notwendigerweise bestimmte Dispositionen, Sensibilitäten, Wertehiearchien und generative Schemata des Denkens annnehmen. Die Agenten verkörpern den Habitus des Feldes in einer Art und Weise, die durch die Simultaneität und die Eingliederung des Kognitiven und des Körperlichen bestimmt ist. Dabei befinden sich die Finanzunternehmen in einem quasi schizophrenen Status, einerseits bedürfen sie der Kollaboration, andererseits auch der Konkurrenz und das intern.

LiPuma spricht von einer vollkommen monetarisierten Subjektivität. Es geht um die Evolution eines spezifischen sozioökonomischen Modus der Arbeit, dessen cutting edge, das im derivativen Trader verkörpert ist, in der Kreation und Valorisierung einer Subjektivität liegt, die auf der permanenten Akquierierung von Geld basiert. Die wichtige Frage besteht hier darin, wie die kulturellen und ökonomischen Bedingungen eine spezifische Struktur des Wünschens schaffen, mit der das Geld als generatives Symbol für alle anderen Ambitionen steht. Wie führt die Ziffer des Geldes zu einem indexical icon, welches das Selbstwertgefühl und das Selbstverständnis einer Person bestimmt, oder wie wird sie zur psychischen Trophäe eines gewinnenden Teams, sodass die Generierung von Geld zur ausschließlichen Motivation der Arbeit wird? Der Wunsch der Akteure nach Geld und der Glauben, dass Geld das entscheidende, wenn nicht einzige Objekt des Wunsches ist, das alle anderen Motivationen überschreibt, erscheint als rational, weil die Sozialgeschichte der Finance sowohl den Wunsch (Gier) als auch seine Interpretation (animal spirits) naturalisiert und normalisiert hat. Für diejenigen, für die das Geld einzig geltend für ihr Selbst ist, gibt es nie genug Geld. Was die derivative Finance geleistet hat, das besteht einfach darin, diesen Modus der Subjektivität zu valorisieren, indem er mit der Liquidität des Marktes und der Spekulation als einem sozialen Gut verbunden wurde. Für die Integration des Habitus gibt es drei Phasen zu vermelden, nämlich die Abtrennung der Agenten vom normalen Leben, eine Tradition, die auf der Verkörperung eines neuen Ensembles von Ideen und Dispositionen besteht, und die Einführung der Akteure in neue Wissenssysteme. Die Lebenszeit der Angestellten wird nun zum Teil des Unternehmens und bestimmt über die Wünsche und das Glück der Einzelnen. Es wird eine unhinterfragte Loyalität zum Unternehmen und bis in das scheduling hinein ein Wille unterstellt, immer erreichbar sein, wobei das Smartphone als ein „iron link“ funktioniert, der einen an den Job anbindet. Gleichzeitig werden die Angestellten in ihren Bankhäusern kaserniert, indem man beispielsweise in-house Restaurants schafft, in denen man sie isoliert, damit sie nur noch untereinander agieren. Firmeneigene Car-Services, die als Privileg verkauft werden, aber gleichzeitig dazu dienen, die Arbeitszeit zu verlängern, kanalisieren die Geographie des Lebens. Freunde außerhalb der Banken werden durch solche ersetzt, die innerhalb der Banken fungieren. Die meisten Bankhäuser blockieren inzwischen für ihre Mitarbeiter den Zugang zu den sozialen Medien. Die Message besteht hier darin, dass die Akteure nur dann die volle Monetarisierung ihrer Subjektivität erlangen können, wenn sie sich von sozialen Umgebungen fernhalten, die ihre Arbeit stören könnten.

Hinzu kommt die Erzeugung des Wettbewerbs, die auf nichts anderes abzielt als auf die Produktion von Profit, was die Fixierung auf das Geld als dem einzigen Maß für den Wert des Selbst noch verstärkt. Die unerbittliche Fokussierung auf das Geld normalisiert und naturalisiert diese Fixierung. Hierin sieht LiPuma ein Ritual verkörpert. Die Finance pflegt die Weltsicht, dass im Raum der Zirkulation alle Personen wie die Assets selbst kontingent und disponibel sind. So werden gerade Personen aus den höheren Ebenen ständig verschoben, von den Banken in die Hedgefonds, von den Regierungen in Banken usw. LiPuma beschreibt das finanzielle Feld als ein Venn-Diagramm, das sich aus einem Set von Kreisen mit verschiedener Größe zusammensetzt, Kriese, die inhärent durchlässigsind und sich extensiv überlappen. Sozial resultieren daraus dichte Netzwerke von miteinander verbundenen finanziellen Beziehungen.

In den Finanzorganisationen selbst herrschen Gegensätze, sodass es durchaus sein kann, dass die Trader eines Hauses gegen Produkte wetten, welche die Broker den Klienten ihres Hauses verkauft haben. Trader sehen wiederum die Quants als Nerds, denen jeder Spirit zum Traden fehlt. Es gibt eine Volatilität in diesen Beziehungen selbst, die Spannung zwischen einer Personifizierung eines mathematischen Modells, das nur den rationalen Agenten kennt, und dem in der realen Zeit lebenden Trader, der Informationen sammelt, die das mathematische Modell nicht bereithält, und der hypersensibel für die Intensität und die Größenordnung der Wellenbewegungen der Preise und der Volatilität ist.

Das finanzielle Feld und die Arbeitsplätze im speziellen sind institutionell auf die Kompression der Zeit bezogen, insoweit die Deals unter hohem Druck fabriziert, ausgetragen und realisiert werden.

Für diejenigen, die ganz in die Finance integriert sind, hat die Abwicklung einer Deadline nach der anderen zur Folge, dass die Uhr und Kalender als Feind erscheinen, und auch dies exemplifiziert noch einmal die Kompression der Zeit. Die Unternehmen programmieren ihre Mitarbeiter darauf, dass sie die Geschwindigkeit der Transaktionen unhinterfragt hinnehmen, und zwar als Index des Werts der Arbeit und des Vertrauens und der Untergegebenheit dem Unternehmen gegenüber. Die zeitliche Struktur des finanzielle Arbeitsplatzes garantiert, dass die Akteure kaum noch freie Zeit besitzen, noch nicht einmal ihre Erfolge genießen können, egal wie die Qualität ihrer Performance ist. Das zentrale Moment liegt hier auf der Exploitation des Momentums, dem sofort die Liquidation des Momentums folgt. Dem widersprechen auch die Theorien von den animal spirits nicht, die selbst tief im Glauben an einen rationalen Agenten verwurzelt sind.

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