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Marxsche Theorie und Imperialismus

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14 Aug , 2015  

Dieser Beitrag von John Milios und Dimitris P. Sotiropoulos ist von grundlegender Bedeutung für die marxistische Wirtschaftstheorie. Zum einen verweist er auf die strategische Bedeutung des Begriffs des Gesamtkapitals, der gegenüber dem des Einzelkapitals, das nur als ein Fragment des Gesamtkapitals gilt, logischen Vorrang besitzt.  Zum anderen nimmt er Lenins Analyse der imperialistischen Kette und die Frage der Einbindung der Staaten (als ideelle Gesamtkapitalisten) und des nationalen Gesamtkapitals in diese Kette wieder auf.  Am Rande auch die marxistische Weltmarktanalyse der 1970er Jahre, wie sie u.a. von Christel Neusüss und Klaus Busch geleistet wurde. Dies ist insofern von Bedeutung, als gegen die Position eines globalen Empires von Negri/Hardt die These vertreten wird, dass es bis heute zu keinem ökonomisch einheitlichen Weltmarkt gekommen ist. Stattdessen modifiziert die national bestimmte organische Zusammensetzung des Kapitals und seine Produktivität (als Ausdruck des nationalen Gesamtkapitals) ständig die Funktionsweise der Konkurrenz der Kapitale auf dem globalen Markt, wodurch die Unterschiede der Produktivität, der Wachstumsperspektiven und der nationalen Profitraten zunächst reproduziert werden. Dennoch müssen sich die ökonomischen Ungleichgewichte der Nationen in der Tendenz ausgleichen, wenn einzelne Nationen nicht insolvent gehen wollen. Somit besitzt der internationale Wettbewerb keineswegs die Tendenz, die Kapitale der weniger wettbewerbsfähigen Länder zu eliminieren, er treibt stattdessen ihre Modernisierung und Restrukturierung voran. Der internationale Wettbewerb stellt für das Kapital keine Gefahr dar, vielmehr ist er eine Bedingung für seine Reproduktion. Der Weltmarkt “mischt” die nationalen Gesamtkapitale und ihre Staaten zu einem politisch-ökonomischen Gefüge, und zwar entlang der wechselnden Produktivität der beteiligten nationalen Gesamtkapitale. Angesichts der neuen Weltmarktbedingungen, man denke an die Währungskriege, die Eurokrise, das Flottieren der Risiken an den globalen Finanzmärkten erscheint es für die marxistische Wirtschaftstheorie dringend geboten, aktuelle Analysen vorzulegen.

 

Achim Szepanski

 

Originalbeitrag hier

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