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REISE DURCHS ROYA-LAND – Die Folgen des Klimawandels im Kaffeeanbau und wie Kooperativen dem begegnen.

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27 Mrz , 2018  

Die Roya de Cafe (Kaffee-Rost) ist eine immer wieder zyklisch auftretende Pilzkrankheit (Hemileia Vastatrix), die die Blätter der Kaffeeplanzen angreift und zu erheblichen Ernteverlusten in den letzten Jahren führte. Begünstigt durch den Klimawandel, Nina-Effekt, Temperaturanstieg und Starkregen-Ereignisse verbreiteten sich diese Royapilz-Sporen, begünstigt durch starke Winde, mit großer Geschwindigkeit durch Mittelamerika und Mexico. Ausgangspunkt war Südamerika (Siehe dazu Artikel ´Adios Arabica´ aus ILA Beilage Kaffeeklatsch Nr.37 auf www.cafe-cortadora.de)

Die Gesamternte in Mexico brach von ehemals 6.2 Millionen Sack im Jahr 1999/2000 auf 2.2 Millionen Sack im Jahr 2015/16 ein. Verstärkt auch durch den Preisverfall und die zurückgehende Anbaufläche von 762 tausend Hektar auf 680 tausend Hektar.

Mexico war einmal der größte Bio-Anbieter auf dem Kaffeeweltmarkt. Doch gerade der kleinbäuerliche und kooperative Bioanbau wurde infolge mangelnder Gegenmittel besonders heftig betroffen. Die Agrarbehörde SAGARPA reagierte nur langsam und forcierte zusammen mit der Kaffeefirma AMSA, die für Nestle einkauft, den Anbau von resistenten Sarchimor und Marsellesa Varietäten. Sie sind aber für den gehobenen Markt nicht geeignet und treiben dadurch die Anbauer in die Hände AMSA und NESTLE, d.h. in den schlechtpreisigen Markt. Die Anbauer kommen dadurch nicht einmal auf die Investitionskosten! Laut der Zertifizierungsorganisation CERTIMEX wurden auch div. Roya-Bekämpfungspakete verteilt, die aber nicht für den Bioanbau zugelassen sind. Einige Kooperativ-Verbände haben mit homeopathischen Mitteln Erfolge erzielen können. CERTIMEX bietet entsprechende Kurse an. Die Kooperativen in Chiapas haben damit ihren Anbau zum Teil stabilisieren können. Die Hauptwelle der Roya geht jedoch weiter in Richtung Norden und hat z.B. im Gebiet Cordoba/Veracruz komplette Ernten und Anbau zerstört.

In Oaxaca beginnt man bei der Kooperative Michiza Yeni Navan mit der komplett Renovierung der überalterten Cafetales. So werden in der Sierra Norte im Ort San Miguel Yotao und Tenatze mit Unterstützung eines Technikers der Uni UNAM Chapingo/Veracruz diverse neue Varietäten in unterschiedlichen Höhenlagen getestet:

Untere Zone bis 1200m: Geisha, Kaffa, Bourbon, Oro Azteca, Colombia, Costa Rica, Sarchimor

Obere Zone ab 1200m : Geisha, Bourbon, Kaffa, Caturra, Criollo, Mondo Novo, Fruto Cuadrado, Pacamara

In der untersten heissen Zone wird nun verstärkt Kakao, Pfeffer und Zimt angebaut. Außerdem gibt es eine Regenwürmerzucht und eine Steigerung der Düngung. Der Ingeniero von Chapingo meinte, dass die Roya-Krise auch eine Chance für die Kaffeebauern sei: sie würden nun anstatt nur  Kaffee zu pflücken auch mehr über Anbautechnik und Agrarökologie lernen. Ähnliches sagte auch der Experte von CERTIMEX, denn im Bioanbau gibt es eigentlich nur ein zugelassenes Spritzmittel, das vom Weinbau her bekannte Kupfersulfat, auch Bordeaux-Brühe genannt. Oder eben homeopathische Mittel und Micro-Organismen sowie teure Stabbakterien-Präparate wie z.B. Royano.

Bei der Coop Cesmach in Jaltengo/Chiapas hat man mit Homeopathie Erfolge erziehlt. Ebenso bei den Coops San Fernando, Maya Vinic und Tzeltal-Tzotzil in den Altos von Chiapas. In den oft halb zapatistischen Comunidades wurden auch neue Varietäten getestet:

Catimor, Guarnica, Oro Azteco, Costa Rica 95, Geisha.

Dadurch haben zapatistischen Coops profitiert, sie hatten ja besonders unter der Roya zu leiden, weil bekanntlicherweise alle staatlichen Hilfen abgelehnt werden. Auch wurde die Roya-Pest bei den Juntas de Buen Gobierno vor Jahren völlig falsch eingeschätzt und gesagt, sie würden das Problem einfach wegwischen – die Folge waren heftige Ernteverluste. Inzwischen hat sich aber auch hier die Situation verbessert und es wird zu neuen Exporten in neuen Strukturen dieses Jahr kommen. Einige Coops haben es wie z.B. J´Amtelitik nicht geschafft und mussten schließen. Ebenso Fiech, diese aber aus administrativen Fehlplanungen und Verfehlungen im Bio- und Fairtrade-Handel.

Klimawandel und Agrarökologie waren auch Themen auf dem zapatistischen Kongress ConCiencias por la Humanidad in San Cristobal im Dezember 2017. Es gab diverse Vorträge von US-Wissenschaftler/Innen, die über den Strukturwandel in der Lebensmittelproduktion und die Folgen des Klimawandels im Mais-Anbau Mexicos referierten. Die Problematik und Folgen sind dieselben wie im Kaffeeanbau: Sie sind eine der Hauptgründe für die immer größere Migration in die großen Städte und nach Nordamerika.

In El Salvador sind die Bio-Anbauer ebenso hart betroffen. Es gab Ernterückgänge von 80- 90 % und einige Coops wie z.B. Santa Adelaida fingen wieder an zu spritzen und gaben dem Bioanbau die Schuld an dem Roya-Desaster. Auch die Hauptlieferkooperative Las Lajas für den Biokaffee La Cortadora ist betroffen. Ein Grund: die überalterten Cafetales, die nun mühsam mit teuren Krediten renoviert werden müssen. Ein Hektar kostet ca. 6000 $ US Dollar und die Verschuldung und das Risiko sind hoch. Selbst Oikokredit, ein alternativer Kreditgeber , lehnte die Förderung ab: Die Aussichten sind zu schlecht. 20-25 Jahre wird es nach Aussagen von Las Lajas dauern, bis sie wieder die alte Exportrate von 25-30 Containern haben. Zur Zeit sind es nur 3-4 ! Immerhin wird seit 2013 renoviert und 292 Manzanas (1 mz=0,7 Hektar) wurden bis 2017 u.a. mit Pacas und der resistenten Sorte Cuscatleco neu bepflanzt. Bei der Coop Acproa im Norden El Salvadors geht man einen anderen Weg. Sie wollen konventionell produzieren und für sie sind neuen resistenten Sorten wie Cuscatleco, Sarchimor, Catimor, Lempira zu schlech, was die Qualität und den Geschmack angeht. Sie setzen auf Bourbon, Pacamara, Pacas und Geisha. Viel versprechen sie sich von einer neuen Kreuzung aus Guatemala zw. Sarchimor und Pacamara: Cafe Catorce. Die Nachbarcoop Agasacare geht den anderen Weg in Richtung Bioproduktion,  sie hat ein Ecobeneficio(Kaffeeverarbeitung) mit reduziertem Wasserverbrauch. Die Abwässer werden weitergenutzt für die Bocashi-Pilz-Produktion und sie suchen eine Finanzierung für die Bio-Zertifizierung. Beide Coops sind Teil des Redaprodare im Naturpark Montecristo, die seit Januar 2018 mit dem Naturpark Bayrischer Wald ein Partnerschaftsprojekt zur Borkenkäferbekämpfung haben. Auch eine Rösterei ist Teil davon und nimmt der Coop Agasacare einen Teil der Ernte ab,  und sobald sie Bio zertifiziert sind, können sie auch Teil des Cafe La Cortadora werden. Sehr erfolgversprechend ist auch das Projekt Bioamigo, das Biodünger und Pestizide mit deutscher finanzieller und cubanischer technischer Förderung herstellt und vertreibt.

In Honduras wurde der Kaffeeanbau sehr stark gefördert und sie sind nun neben Peru einer der Hauptanbieter für Bio-Kaffee. Aber ausgerechnet bei der resistenten Sorte Lempira 90 macht sich im Dep.Olancho seit Mitte 2017 eine Abart des Royapilzes breit. Die Anbauer von Marcala, welches nahe zu El Salvador liegt, sind gewarnt und bereiten sich auf Schlimmeres vor. Ein Teil des Cafe La Cortadora kommt von der dortigen Coop Combrifol.

Alle weiteren Informationen zu El Salvadors Kooperativen findet Ihr auf unserer Seite

www.cafe-cortadora.de

Die Infos zum zapatistischen Kongreß bei Enlace Zapatista:

http://enlacezapatista.ezln.org.mx/

Jan Braunholz

Kaffeekampagne El Salvador

Kaffeekampagne Mexico

 

Foto der coop michiza / oaxaca-mexico von xanpictures

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