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„Sie haben uns soviel gestohlen, dass sie uns sogar unsere Angst gestohlen haben“ – Volksaufstand in Chile (deutsch/english)

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27 Okt , 2019  

Chile hat in den letzten Tagen einen Aufstand von beispiellosem Ausmaß erlebt. Beginnend mit der Erhöhung der Ticketpreise für die U-Bahn breitete sich der Aufstand schnell aus und zielte auf das gesamte System ab – in einem Land, das seit dem Putsch von Pinochet 1973 ein Labor für den härtesten Neoliberalismus ist und wo die Ungleichheiten zu den massivsten der Welt gehören. Während die rechte Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen und eine Ausgangssperre eingeführt hat, während das Militär zum ersten Mal seit dem Ende der Diktatur 1990 auf den Straßen patrouilliert, haben wir ein Treffen mit einem unserer Gefährten in Chile durchgeführt, um die Situation zu erörtern. Er erklärt die Herausforderungen der aktuellen sozialen Explosion, ihre Zusammensetzung, ihre Kampfmethoden und ihre Resonanz auf die parallelen Aufstände in Südamerika.

Chile erlebt Volksaufstände von einer Intensität, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Was war der Auslöser für den Aufstand?

Auslöser für den Aufstand war der Kampf gegen den Preisanstieg der Metro in Santiago. Ein Journalist der Agence France Presse, der immer noch ein guter Rechercheur ist, hat gerade erst festgestellt, dass die U-Bahn von Santiago de Chile die umfangreichste in Lateinamerika ist und dass die Hauptstadt durch Verkehrsstaus völlig überlastet ist. Es wäre angemessener zu sagen, dass diese Bewegung, die von prekären Studenten und Gymnasiasten initiiert wurde, typisch für eine Situation ist, die von der italienischen Autonomia Operaria durch das Konzept der militanten Untersuchung analysiert wird. In einer Zeit, in der die gesamte Stadt zur Fabrik geworden ist, und damit der gesamte städtische Sozialraum an der Wertschöpfung beteiligt ist, ist es nur logisch, dass der Metropreis zu einem radikalen Thema in den Kämpfen wird. Wenn wir an die Bewegungen der letzten Jahre in Südamerika denken, können wir einen Vergleich mit den Kämpfen 2013 in São Paulo anstellen und behaupten, dass es in dieser Stadt kaum öffentliche Busse gibt. Ähnlich wie in Brasilien begann die Bewegung mit einer militanten Gruppe, die von Arbeiterparteien und Gewerkschaften unabhängig war und sich von der Hauptstadt auf andere Großstädte im ganzen Land ausbreitete. Das Überraschendste ist die Geschwindigkeit der Ausdehnung des Bewegungsablaufs im chilenischen Fall. Am Freitag begann er in Santiago. Am Samstag wurde er in allen großen Städten des Landes, von Nord bis Süd, implementiert.

Wie wurde der Kampf gegen die steigenden Beförderungspreise zu einem weit verbreiteten Aufstand?

Diese Formen zeitgenössischer Kämpfe, bei denen die Metropole selbst zum politischen Gegenstand wird, sind in Chile in den letzten Jahren zunehmend präsent. Dies ist sicherlich nicht der erste Versuch, das “Recht auf die Stadt” in Chile zu politisieren, sei es in Santiago oder anderswo. Andere frühere Kämpfe haben bereits stattgefunden, mit ähnlichen Ergebnissen. Ebenso sind Aufstandspraktiken hier nicht neu. Und wir müssen uns an den Mut der feministischen Aktivistinnen angesichts der polizeilichen Repression erinnern, sei es während der feministischen Bewegung 2018 oder auch während des 8. März dieses Jahres. Wenn es diesmal eine soziale Explosion von solcher Tragweite gibt, dann liegt einer der Gründe meiner Meinung nach in den neuen, viel offensiveren Kampfformen, die seit dem ersten Tag in Santiago entwickelt wurden.
“Sie haben uns so viel gestohlen, dass sie sogar unsere Angst gestohlen haben” – Volksaufstand in Chile.

Welche Formen des Kampfes werden praktiziert?

Die Bewegung begann mit der Idee eines “massiven Betrugs” (“evasión masiva”) an mehreren Metrostationen in Santiago, um diese Preiserhöhung zu kritisieren. Die Idee ist einfach und erinnert uns natürlich an die Selbstreduktionspraktiken der italienischen Settanta: Wenn die U-Bahn zu teuer wird, werden wir nicht mehr dafür bezahlen, und dafür werden wir mit einige Hundert Menschen so eindringen, dass kein Wachmann uns am Betreten hindern kann. Aber angesichts der Unterdrückung verwandelte sich die Selbstreduktion schnell in Sabotage und Bruch. Vitrinen, Verteiler und kaputte Anzeigen, Infobildschirme wurden auf die Schienen geworfen, dann Feuer in U-Bahn-Stationen sowie in mehreren Bussen gelegt.

Wir sehen die Kontinuität zwischen Selbstreduktion und Sabotage: Wenn wir die Prekärsten von der Benutzung der U-Bahn ausschließen, und wenn die U-Bahn nicht für alle ist, ist sie also für niemanden bestimmt und muss zerstört werden. Die Ablehnung der Einschränkung der eigenen Handlungsoptionen führt direkt zur Sabotage. Von diesem Moment an ging alles weiter. Die gegen die Aktion in der U-Bahn eingesetzte Polizeiaktionen führten zu Unruhen. Die Unruhen führten zu Angriffen und Plünderungen von Supermärkten. Auch die Demonstrationen am nächsten Tag in den verschiedenen Städten des Landes lösten Unruhen und Plünderungen aus, auf die der Staat mit der Verhängung des Ausnahmezustands in allen diesen Städten und der anschließenden militärischen Ausgangssperre reagierte.

Welche Art von repressiver Reaktion hat der Staat durchgeführt?

Dies ist vielleicht eines der überraschendsten Dinge an diesem Ereignis, und zwar im Hinblick auf die Geschwindigkeit seiner Expansion. Mit der Ausrufung des Ausnahmezustands und dann einer militärischen Ausgangssperre delegiert der rechte Präsident Piñera die Wiederherstellung der (bürgerlichen) Ordnung direkt an die Armee und nicht nur an die Polizei. In einem Land wie Chile, das für immer von 15 Jahren Diktatur von General Pinochet geprägt ist, hat dies eine ganz besondere Bedeutung. Es scheint mir, dass dies eine gefährliche Option ist, denn die Rechte in Chile ist, wie in anderen postdiktatorischen Ländern (z.B. Spanien), das direkte Kind der ehemaligen Diktatur. So wie die Politiker der Volkspartei in Spanien ehemalige Frankisten sind, die zum Zeitpunkt des Sturzes des Regimes plötzlich herausfanden, dass sie nun konservative Demokraten waren, so besteht die chilenische Rechtspartei im Wesentlichen aus Ex-Pinochisten. Einige der Minister von Piñera waren u.a. die wichtigsten Führer für das “Ja” im Referendum von 1988, d.h. Politiker, die gegen die Entlassung Pinochets und gegen die Rückkehr zu einem parlamentarischen demokratischen Regime kämpften.

Folglich bedeutet der Einsatz der Armee in dieser Situation natürlich, die Bevölkerung mit den gleichen Methoden wie beim Putsch von Pinochet 1973 zu bedrohen und zu verdeutlichen, selbst Teil dieses Putsches gewesen zu sein. Das kann für die Rechte gefährlich sein, denn wie in Spanien gab es bisher eine Form der Übereinstimmung zwischen den Ex-Pinochisten und der Linken.

Die Rechte hörte in den späten 1980er Jahren auf, faschistisch zu sein und die Macht mit der Linken zu teilen, und die Linke hörte auf, revolutionär zu sein, und gab alle Pläne auf, die Verbrechen der Diktatur zu verfolgen. Darüber hinaus hat sie die Pinochet-Verfassung von 1980 akzeptiert, die noch in Kraft ist.

Heute die Armee einzusetzen, bedeutet, diesen Konsens zu brechen und die scheinheiligen Haltungen zu konterkarieren, die zum Glauben an die aufrichtige demokratische Umwandlung der chilenischen Rechten geführt haben. Um mit dieser Strategie zu siegen, versucht die regierende Rechte, sich als zwischen den Randalierern und Plündern auf der einen Seite und den ehrlichen Bürgern auf der anderen Seite befindend darzustellen, d. h. diesen Aufstand zu kriminalisieren. Wir sind nicht gewillt zu sehen, wie die permanente Ungerechtigkeit gegenüber eines großen Teils der Bevölkerung in den Unruhen zum Ausdruck kommt, und wir machen sie zu einer einfachen Frage der Kriminalität. Dies erinnert uns an die Haltung des Sarkozismus zur Zeit des Aufstands der Vororte in Frankreich im Jahr 2005. Ich denke, es ist eine riskante Entscheidung für die Regierung in einem so ungleichen Land, aber mit Medienpropaganda kann es eine Weile funktionieren.

Welche sozialen Segmente sind am stärksten mobilisiert?

Die Beantwortung dieser Frage hilft, die repressive Strategie des Staates zu verstehen. Wie viele zeitgenössische Aufstände ist die Bewegung interklassistisch. Sie reicht vorerst von der fortschrittlichen Mittelschicht über Arbeiter und prekäre Arbeiter, Studenten und Gymnasiasten bis hin zum Lumpenproletariat. Und es ist diese Realität, die für viele lateinamerikanische Länder typisch ist, die diese Bewegung bestimmt, sowohl in ihrer plötzlichen Ausbreitung als auch in der militärischen Unterdrückung. Die Revolte begann mit prekären Jugendlichen, Studenten und Gymnasiasten. Eine linke Mittelschicht unterstützt sie ebenso wie die eher traditionellen Militanten der Arbeiterbewegung. Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Handlungsmöglichkeit durch organisierte Arbeiter wird meiner Meinung nach entscheidend sein, um dem Versuch der Kriminalisierung und Entpolitisierung der Revolte durch die Rechte entgegenzuwirken. Der Sieg dieser bereits historischen Bewegung hängt wahrscheinlich zum Teil davon ab. Das Vorhandensein oder Fehlen anderer Kampfnetzwerke in dieser Situation wird ebenfalls entscheidend sein, ich denke insbesondere an feministische Gruppen und Mapuche-Kämpfer oder Mapuche-Unterstützer (die Mapuche sind die wichtigste indigene Gemeinschaft, die immer mit dem chilenischen Staat für die Anerkennung ihrer Rechte und gegen die Enteignung ihres Landes gekämpft hat). In dem Wissen, dass es in Arbeiterinnen- oder prekären Organisationen, im feministischen Kampf und zur Unterstützung der Mapuche oft dieselben Menschen gibt, da man zum Beispiel eine feministische Arbeiterin in Solidarität mit den Mapuche sein kann.

Eine der südamerikanischen Besonderheiten ist die Existenz und zahlenmäßige Bedeutung eines “Lumpenproletariats”, wie Marx sagte, oder eines “Subproletariats”, wie Pasolini sagte, d.h. einer noch ärmeren sozialen Schicht als die Arbeiter, weil sie nicht so sehr in ein festes Lohnsystem integriert ist. Der Begriff “Lumpen” wird in Chile häufig verwendet, um sie zu bezeichnen, und ist kein Ausdruck von Marxisten allein. Er ist natürlich abwertend. Der Versuch der Rechten zu kriminalisieren, besteht darin, einen Widerspruch zwischen ehrlichen, fleißigen Bürgern einerseits und andererseits der Sabotage durch prekäre Jugendlicher, Studenten, Gymnasiasten und der Plünderung von Geschäften durch “lumpenhaften” Gesellen zu kreieren. Ich glaube, dass es dieser Widerspruch ist, auf dem die Strategie der Rechten mit der Kriminalisierung der Bewegung beruht, und die Verschärfung dieses inneren Widerspruchs der Arbeiterklasse ist der einzige Weg, wie sie sich dem Konflikt vom Hals schaffen kann Die Bedeutung dieses Themas und seine Komplexität sollten nicht unterschätzt werden.

Aus der Sicht des sozialen Bewusstseins gibt es zwischen dem Proletariat und dem Subproletariat ebenso große Unterschiede wie zwischen Arbeitern und Managern in Europa. Ein Proletarier fühlt sich in seinem sozialen Bewusstsein von sich selbst so weit von einem Subproletarier entfernt, wie sich ein Ingenieur von einem Manager unterscheiden würde. Es gibt das gleiche Missverständnis zwischen ihnen, und oft den gleichen Klassenrassismus. Mit der Ausnahme, und das erschwert die Analyse natürlich, dass in einem neoliberalen Land, in dem die Arbeit keinen wirklichen Sozialschutz hat, die Grenze zwischen beiden oft verschwimmt. Man kann ein Proletarier gewesen sein und nach einer Entlassung ein Subproletarier werden, oder ein geborener Subproletarier sein und ein Proletarier werden, wenn man einen festen Job in einer Fabrik annimmt.

Infolgedessen ist in den Arbeiterklassen oft der eine der „Subproletarier“ des anderen. Einige Arbeiterviertel fürchten sich davor, von Subproletariern in der Nachbarschaft geplündert zu werden, während das Nachbarquartier die anderen als Proletarier betrachtet und daher Angst vor ihnen hat. Sicher ist, dass die Praxis der Plünderung eine gängige Praxis von Unterproletariern in Südamerika, wie auch in den Vereinigten Staaten ist. Und wenn man weiß, dass der Wiederverkauf gestohlener Haushaltsgeräte viel mehr einbringt als das durchschnittliche chilenische Gehalt, kann man schnell den Grund für diese Praxis erraten. An sich ist sie nicht spezifisch für soziale Unruhen. Sie wird jedes Mal vorgefunden, wenn es bei schweren Erdbeben in Chile zu einem massiven Stromausfall kommt. In dieser Situation der Naturkatastrophe erklärt der Staat im Allgemeinen den Ausnahmezustand, um diese Diebstähle zu verhindern, wie er es heute tut. Das ist die Strategie der Rechten: Den Menschen glauben zu machen, dass dieser populäre und spontane Aufstand letztlich nichts anderes ist als eine natürliche, übliche Katastrophe in einem Land, das sich entlang einer seismischen Bruchlinie erstreckt. Und so ist die Lösung für diese Katastrophe, Plasma-TV-Diebe und Supermarkt-Brandstifter zu bestrafen. Nur, dass das Erdbeben dieser Woche sozial ist. Die tektonischen Platten, die kollidieren, sind die antagonistischen Klassenbeziehung.

Und bis heute gibt es aus politischen Gründen keine militärische Ausgangssperre, jedenfalls seit dem Versuch Pinochet zu liquidieren durch die Revolutionäre der FPMR (Manuel Rodriguez Patriotic Front, eine illegale bewaffnete Gruppe der chilenischen Kommunistischen Partei) in den 1980er Jahren.

Was sind die Parolen, die Botschaften, die Menschen zusammenbringen?

Die Parolen über die Preiserhöhungen bei der U-Bahn wurden sehr schnell durch eine allgemeine Kritik am Neoliberalismus ersetzt, lange bevor die Regierung diese Erhöhung zurücknahm, um die Bevölkerung zu beruhigen. Dies ermöglicht es uns, die nationale Dimension dieser Bewegung zu verstehen, denn es gibt nur in Santiago und Valparaiso eine Metro, und nicht in den anderen Städten des Landes. Die einfache Tatsache, dass sich dieser Kampf in 24 Stunden auf alle Großstädte ausbreitete, zeigt also, dass sich die Bevölkerung in diesem speziellen Fall des Metropreises sofort wiedererkannte. Sie verstand sofort, dass dies nur ein weiteres Phänomen der Ausbeutung des neoliberalen Kapitalismus war, der seit dem Sturz von Allende und Volksfront alles in diesem Land beherrscht. Dies ist wichtig, weil es ein gemeinsames Bewusstsein für die Ausbeutung aller Städte dieses riesigen Landes nahelegt, in dem die geografischen Lebensstile so unterschiedlich sind, von der nördlichen Wüste bis zur Arktis, und auch wenn die Regionen recht starke kulturelle Unterschiede aufweisen. Darüber hinaus ist Chile wie Frankreich ein stark zentralisiertes Land, und doch ist der Unterschied zwischen der Hauptstadt und den Provinzen nicht zu groß. Im Gegenteil, die Provinzler reproduzierten die Bewegung sofort in ihren Städten und auf ihrer eigenen Ebene. Es gibt also ein gemeinsames Klassenbewusstsein der Ausgebeuteten in ihrer sozialen Vielfalt und ihren Widersprüchen, das sich quer durch das ganze Land zieht. Der Aufstand war sicherlich in allen großen Städten stark: Valparaiso, Concepción, Valdivia usw., aber besonders in den nördlichen Städten wie Iquique und Antofagasta, die zu den ärmsten Regionen des Landes gehören.

Die gemeinsamen Slogans nach den Aktionen an der U-Bahn von Santiago drücken die allgemeine Kritik am chilenischen Neoliberalismus, die tägliche Verwerfung durch ihn, die Verweigerung der Menschenwürde im Hinblick auf die Korruption der Eliten aus. Es gibt also alle Gründe für die Kritik an diesem neoliberalen System, und es gibt viele: Soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Vetternwirtschaft, weit verbreitete Unsicherheit der Arbeit, wirtschaftliche Ausbeutung, radikale Ungleichheit beim Zugang zur Gesundheit, Bildung, extraktivistische Wirtschaft, die die Natur zerstört und nur Ruinen hinterlässt, usw.

Das gesamte neoliberale chilenische System als Ganzes und das mit der Rückkehr der Demokratie entstandene politische System werden abgelehnt. Eine der explizitesten Parolen ist: “No es por 30 pesos, es por 30 años” – “Es geht nicht um 30 Pesos (die Preiserhöhung bei der U Bahn), sondern um 30 Jahre“. “30 Jahre”, das ist die Zeit seit 1989, die Zeit der Rückkehr zur Demokratie und des von mir bereits erwähnten Konsens zwischen den Ex-Pinochisten und der Linken. Dies ist in der Tat ein politisch-ökonomisches System, das hier kritisiert wird. Ebenso ist ein weiterer der besonders schönen Slogans, den wir auf den Straßen hören: “nos quitaron tanto que nos quitaron hasta el miedo” – “Sie haben uns so viel gestohlen, dass sie sogar unsere Angst gestohlen haben”.

Einige ältere Menschen machen es deutlich: Sie danken den jungen Menschen für ihre Revolte und für die fehlende Angst, die sie angesichts eines postdiktatorischen Systems, das die vorherige Generation gelähmt hat, empfinden. Diese Angst, die junge Menschen verloren haben, wird heute bei der Mobilisierung der Streitkräfte gezielt eingesetzt. Da die Militärdiktatur eine Art psychologisches Massentrauma ist, ist der Einsatz der Armee gegen die Demonstranten ein Versuch, das Trauma zu wecken, Angst und Zensur wiederzubeleben. Auf diese Ängste haben die Balkone heute so reagiert, wie sie es während der Diktatur in den 1980er Jahren getan haben: mit dem “cacerolazo”, dem Konzert von Töpfen und Pfannen, echten Percussions, die von einem Gebäude zum anderen reagieren, um dem Militär verständlich zu machen, dass man, wenn man während der Ausgangssperre nicht aus dem Haus darf, dennoch seine Opposition und seine Unterstützung für die Demonstranten auf der Straße zeigt.

Welche möglichen organisierten Kräfte gibt es innerhalb des Aufstands? Wie sind linke Parteien, Gewerkschaften und revolutionäre Gruppen positioniert?

Abgesehen von den Studenten und prekären Kämpfern, die am Ursprung dieser Bewegung stehen, scheinen alle mit der Arbeiterbewegung verbundenen Fraktionen nur noch in theoretischen Welten zu leben und konnten sich ein solches Ereignis nicht vorstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Organisatoren der ersten Aktionen gegen den Preis der U-Bahn heute ebenfalls von den Ereignissen überrollt sein werden. Selbst diejenigen, die eine solche Bewegung wollten, konnten sich solche wichtigen Konsequenzen nicht vorstellen. Es gibt jedoch einen wichtigen Punkt, und der folgt aus dem vorherigen Punkt, die sozialdemokratischen Linken, die das postdiktatorische Chile mit geschaffen und mitverwaltet hat, wird bisher genauso wenig beachtet wie die Rechte. Selbst linke Wähler sagen es: Es war die Mittelmäßigkeit der Reformen von Bachelet, die zum Sieg von Piñera führte. Die Sozialdemokraten sind für die aktuelle soziale Katastrophe mitverantwortlich.

Wie schwingt der chilenische Aufstand mit den Massenkämpfen im restlichen Lateinamerika zusammen? Ecuador, Kolumbien, Brasilien…

Dieser Punkt ist sehr wichtig und gibt uns eine Vorstellung von der Dynamik der Kämpfe in einem globalisierten Kapitalismus. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass sich Aufstände nicht nach einem diffusionistischen Modell entwickeln: Sie verbreiten sich nicht wie eine Flüssigkeit über einen neutralen Raum, sondern sie schwingen von einem Land zum anderen, wie Harmonien in der Musik. Wir sind nicht in Marin Karmitz’ Coup pour coup , sondern in Gérard Griseys Partials.

Es ist sicher, dass der Aufstand in Ecuador ein entscheidendes Element der chilenischen Bewegung ist. In nur einer Woche schafften die mobilisierten Ecuadorianer eine vom IWF geforderte Erhöhung des Benzinpreises ab. Angesichts des Ausmaßes, in dem der IWF Lateinamerika und insbesondere Chile beherrscht hat, überraschte dieser ecuadorianische Sieg viele Menschen auf dem Kontinent und gab jungen Chilenen höchstwahrscheinlich viel Mut, sowohl bewusst als auch unbewusst. Die Klassenzusammensetzung, der Lebensstandard, das politische und wirtschaftliche System Ecuadors unterscheiden sich stark von denen Chiles, die Bedeutung der indigenen Gemeinschaften, die 35% der Bevölkerung ausmachen und sozial stark organisiert sind, ist beispielsweise mit der Situation der Mapuche nicht vergleichbar.

Aber Ecuador hat gezeigt, wie ein offensiver Kampf siegreich sein kann, außerhalb der Parteiorganisationen der Linken und sogar genau gegen sie. Auch in Ecuador war ein Bündnis zwischen verschiedenen sozialen Gruppen siegreich, ländliche indigene Gemeinschaften, Studenten, die organisierte Arbeiterklasse, etc. Und ich glaube, dass diese Logik des Zusammenschlusses verschiedener sozialer Gruppen, jenseits der internen Widersprüche der Arbeiterklasse, in den Köpfen der chilenischen Militanten präsent ist. Es ist genau dieses Klassenbündnis, das die Rechte mit ihrer Kriminalisierung und ihrem Versuch, sich zwischen Proletariern, Unterproletariern, prekären Schülern – Gymnasiasten usw. zu spalten, brechen will. Infolgedessen ist die aktuelle chilenische Herausforderung enorm. Ein kurz- oder langfristiger Sieg oder eine Niederlage der Rebellen hätte direkte Auswirkungen auf den gesamten Kontinent. Bis zu einem gewissen Grad ist der Verzicht auf das Metro-Preisgesetz bereits ein begrenzter, aber echter Sieg. Soziale Niederlagen sind in Lateinamerika (und anderswo) so weit verbreitet, dass kein Sieg zu viel ist. Es bleibt abzuwarten, ob ein taktischer Sieg zu einem strategischen Sieg führt.

Die chilenische Bourgeoisie ist sich all dessen bewusst. Sie hatte bisher sicherlich keine Schwierigkeiten, ihre eigene Macht zu erhalten, und immer bessere Bedingungen für die Ausübung dieser Macht, aber sie weiß, dass die Chance der ecuadorianischen Resonanz Chile zur aktuellen und vorübergehenden Front der sozialen Kämpfe gemacht hat. Sie kämpft nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle Bourgeoisien des Kontinents, die ihre Verbündeten sind. Stellen Sie sich eine solche Bewegung morgen in Argentinien oder in Brasilien gegen Bolsonaro vor. Das muss die chilenische Bourgeoisie vermeiden, und Piñera hat es heute in seiner Anti-Delinquenz-Propaganda sehr deutlich gemacht: “Wir befinden uns im Krieg mit einem mächtigen Feind (….) und in diesem Kampf dürfen wir ihn nicht verlieren”.

Der Unterschied besteht darin, dass der von ihm benannte “Feind” nicht die ausgebeuteten und geplünderten Arbeiterklassen sind, sondern eine imaginäre “kriminelle Organisation”, die nur durch eine staatliche Handlung gerechtfertigt werden kann. Je mehr wir einen geeigneten und legendären Feind erfunden haben, desto mehr überzeugen wir uns von der Notwendigkeit eines Krieges. Wo mächtige kriminelle Organisationen ein Land wirklich dominieren und nicht nur Haushaltsgeräte stehlen, wie in Mexiko, wirkt der Staat viel zaghafter.

Was sind deiner Meinung nach die möglichen Folgen der Mobilisierung?

Der Kampf geht weiter, es ist sehr schwierig, das Ergebnis vorherzusagen. Dies hängt von Faktoren ab, die noch nicht bestimmt sind. Sicher ist, dass die Unterdrückung enorm ist und auf Einschüchterung abzielt. Während heuchlerische Journalisten sagen, sie verurteilen massenhafte Gewalt, um vorzugeben, die Legitimität friedlicher Aktionen zu unterstützen, hat keiner von ihnen gezeigt oder berichtet, wie friedliche Demonstrationen und andere Sit-ins am Sonntagnachmittag durch Gewalt der Polizeikräfte unterdrückt wurden, und zwar noch vor der Sperrstunde. Glücklicherweise zirkulieren diese Informationen in sozialen Netzwerken, aber es ist nicht sicher, ob dies ausreichend ist. Für die nächsten Tage können wir wohl Breton zitieren: „Wir haben die Hoffnung, zur Lösung eines ungelösten Problems beizutragen”.

Anmerkung: Dieser Beitrag erschien am 21.Oktober 2019 auf „ACTA – Partisan*e*s dans la Metropole“. Die Übersetzung erfolgte ziemlich in Eile und mit eigentlich unzureichenden Sprachkenntnissen, sie war mir aber eine Herzensangelegenheit, denn ohne Zweifel wird in Chile gerade Geschichte geschrieben und dieser Text dürfte einiges zum tieferen Verständniss der dortigen sozialen Revolte beitragen.

Sebastian Lotzer, den 26.10.2019


Chile has experienced an unprecedented uprising in recent days. Starting with the increase in ticket prices for the metro, the uprising spread rapidly and targeted the entire system in a country that has been a laboratory for the toughest neoliberalism since the Pinochet coup in 1973 and where inequalities are among the most massive in the world. While the right-wing government declared a state of emergency and introduced a curfew, while the military patrolled the streets for the first time since the end of the dictatorship in 1990, we held a meeting with one of our companions in Chile to discuss the situation. He explains the challenges of the current social explosion, its composition, its fighting methods and its response to the parallel uprisings in South America.
Chile is experiencing popular uprisings of an intensity that has not existed for decades. What triggered the uprising? The trigger for the uprising was the fight against the price increase of the Metro in Santiago. A journalist from Agence France Presse, who is still a good researcher, has just discovered that the Santiago de Chile subway is the most extensive in Latin America and that the capital is completely overloaded by traffic jams. It would be more appropriate to say that this movement, initiated by precarious students and high school students, is typical of a situation analyzed by the Italian Autonomia Operaria through the concept of militant investigation. At a time when the entire city has become a factory, and thus the entire urban social space is involved in value creation, it is only logical that the metro price should become a radical theme in the struggles. If we think of the movements in South America in recent years, we can make a comparison with the struggles in São Paulo in 2013 and claim that there are hardly any public buses in this city. Similar to Brazil, the movement began with a militant group that was independent of workers’ parties and trade unions and spread from the capital to other major cities throughout the country. The most surprising thing is the speed of the expansion of movement in the Chilean case. On Friday it began in Santiago. On Saturday it was implemented in all the major cities of the country, from north to south.
​How did the fight against rising fares become a widespread uprising? ​These forms of contemporary struggles, in which the metropolis itself becomes a political object, have become increasingly present in Chile in recent years. This is certainly not the first attempt to politicize the “right to the city” in Chile, be it in Santiago or elsewhere. Other previous struggles have already taken place, with similar results. Likewise, insurgency practices are not new here. And we must remember the courage of feminist activists in the face of police repression, be it during the feminist movement in 2018 or during the 8 March of this year. If there is a social explosion of such magnitude this time, one of the reasons, in my opinion, is the new, much more offensive forms of struggle that have been developed in Santiago since day one.
“They stole so much from us that they even stole our fear” – popular uprising in Chile.
What forms of struggle are practised? The movement began with the idea of a “massive fraud” (“evasión masiva”) at several metro stations in Santiago to criticize this price increase. The idea is simple and of course reminds us of the self-reduction practices of the Italian Settanta: if the subway becomes too expensive, we won’t pay for it anymore, and we will invade with several hundred people so that no security guard can prevent us from entering. But in the face of oppression, self-reduction quickly turned into sabotage and rupture. Showcases, distributors and broken displays, information screens were thrown on the rails, then fires were set in subway stations and in several buses.

We see the continuity between self-reduction and sabotage: if we exclude the most precarious from using the subway, and if the subway is not for everyone, it is not for anyone and must be destroyed. The rejection of the restriction of one’s own options for action leads directly to sabotage. From that moment on, everything went on. The police actions used against the action in the subway led to unrest. The riots led to attacks and looting of supermarkets. The next day’s demonstrations in the various cities of the country also triggered unrest and looting, to which the state responded by imposing a state of emergency in all these cities and the subsequent military curfew.
What kind of repressive reaction has the state carried out? ​This is perhaps one of the most surprising things about this event in terms of the speed of its expansion. With the declaration of a state of emergency and then a military curfew, right-wing President Piñera delegates the restoration of (civil) order directly to the army and not just to the police. In a country like Chile, which is forever marked by 15 years of General Pinochet’s dictatorship, this has a very special meaning. It seems to me that this is a dangerous option because the rights in Chile, as in other post-dictatorial countries (e.g. Spain), are the direct child of the former dictatorship. Just as the politicians of the People’s Party in Spain are former Frankists who, at the time of the fall of the regime, suddenly found out that they were now conservative democrats, so the Chilean right-wing party is essentially made up of ex-pinochists. Some of Piñera’s ministers were, among others, the main leaders for the “yes” in the 1988 referendum, i.e. politicians who fought against Pinochet’s dismissal and against his return to a parliamentary democratic regime. ​Consequently, the deployment of the army in this situation naturally means threatening the population with the same methods as in the 1973 Pinochet coup and making it clear that it was itself part of the coup. This can be dangerous for the right, because, as in Spain, there has been some form of agreement between the ex-Pinochists and the left. The right stopped being fascist and sharing power with the left in the late 1980s, and the left stopped being revolutionary and abandoned all plans to prosecute the crimes of the dictatorship. It also accepted the 1980 Pinochet Constitution, which is still in force.

Using the army today means breaking this consensus and thwarting the hypocritical attitudes that have led to the belief in the sincere democratic transformation of the Chilean right. In order to win with this strategy, the ruling right is trying to present itself as being between the rioters and looters on the one hand and the honest citizens on the other, in other words to criminalise this uprising. We are not willing to see how the permanent injustice towards a large part of the population is expressed in the riots, and we make it a simple question of crime. This reminds us of the attitude of Sarkozism at the time of the uprising of the French suburbs in 2005. I think it is a risky decision for the government in such an unequal country, but with media propaganda it can work for a while. Which social segments are most mobilized? ​Answering this question helps to understand the repressive strategy of the state. Like many contemporary uprisings, the movement is interclassist. For the time being, it ranges from the progressive middle class to workers and precarious workers, students and high school students to the lumpen proletariat. And it is this reality, typical of many Latin American countries, that determines this movement, both in its sudden spread and in military oppression. The revolt began with precarious youth, students and high school students. A left middle class supports them as well as the more traditional militants of the workers movement. In my opinion, the presence or absence of the possibility of action by organized workers will be crucial to counteract the attempt by the right to criminalize and depoliticize the revolt. The victory of this already historical movement probably depends in part on it. The existence or absence of other fighting networks in this situation will also be decisive, I am thinking in particular of feminist groups and Mapuche fighters or Mapuche supporters (the Mapuche are the main indigenous community that has always fought with the Chilean state for the recognition of their rights and against the expropriation of their land). Knowing that the same people often exist in workers’ or precarious organizations, in feminist struggle and in support of the Mapuche, since one can be a feminist worker in solidarity with the Mapuche, for example. ​One of the South American particularities is the existence and numerical importance of a “lumpenproletariat”, as Marx said, or a “subproletariat”, as Pasolini said, i.e. an even poorer social class than the workers, because it is not so much integrated into a fixed wage system. The term “rags” is often used in Chile to describe them, and is not an expression of Marxists alone. It is, of course, derogatory. The right’s attempt to criminalize is to create a contradiction between honest, hard-working citizens on the one hand, and sabotage by precarious youth, students, high school students, and the looting of businesses by “ragged” journeymen on the other. I believe that it is this contradiction on which the strategy of the right is based with the criminalization of the movement, and the intensification of this internal contradiction of the working class is the only way in which it can get rid of the conflict The importance of this subject and its complexity should not be underestimated. ​From the point of view of social consciousness, there are just as great differences between the proletariat and the subproletariat as there are between workers and managers in Europe. A proletarian feels in his social consciousness of himself as far removed from a subproletarian as an engineer would from a manager. There is the same misunderstanding between them, and often the same class racism. With the exception, and this makes analysis more difficult, of course, that in a neoliberal country where work has no real social protection, the border between the two is often blurred. You can have been a proletarian and become a subproletarian after dismissal, or be a born subproletarian and become a proletarian if you take a permanent job in a factory. ​As a result, in the working classes often one is the “subproletarian” of the other. Some working-class neighborhoods fear being plundered by subproletarians in the neighborhood, while the neighborhood considers the others as proletarians and is therefore afraid of them. What is certain is that the practice of looting is a common practice of subproletarians in South America, as well as in the United States. And when you know that reselling stolen household appliances earns much more than the average Chilean salary, you can quickly guess the reason for this practice. In itself, it is not specific to social unrest. It is found every time there is a massive blackout in Chile during a major earthquake. In this situation of natural disaster, the state generally declares a state of emergency to prevent these thefts, as it does today. That is the right-wing strategy: To make people believe that this popular and spontaneous uprising is ultimately nothing more than a natural, common disaster in a country that stretches along a seismic fault line. And so the solution to this disaster is to punish plasma TV thieves and supermarket arsonists. Just that this week’s earthquake is social. The tectonic plates that collide are the antagonistic class relationship. ​And until today there is no military curfew for political reasons, at least since the attempt to liquidate Pinochet by the revolutionaries of the FPMR (Manuel Rodriguez Patriotic Front, an illegal armed group of the Chilean Communist Party) in the 1980s. What are the slogans, the messages that bring people together? ​The slogans about the price increases for the subway were very quickly replaced by a general criticism of neoliberalism long before the government withdrew this increase to reassure the population. This allows us to understand the national dimension of this movement, because there is only a metro in Santiago and Valparaiso, and not in the other cities of the country. The simple fact that this fight spread to all the major cities in 24 hours shows that the people immediately recognised themselves in this particular case of the metro price. It immediately understood that this was just another phenomenon of the exploitation of neoliberal capitalism, which has dominated everything in this country since the fall of Allende and the Popular Front. This is important because it suggests a common awareness of the exploitation of all the cities of this vast country, where geographical lifestyles are so different, from the northern desert to the Arctic, and even if the regions have quite strong cultural differences. Moreover, Chile, like France, is a highly centralized country, and yet the difference between the capital and the provinces is not too great. On the contrary, the provincials immediately reproduced the movement in their cities and at their own level. So there is a common class consciousness of the exploited in their social diversity and contradictions that runs throughout the country. The uprising was certainly strong in all the big cities: Valparaiso, Concepción, Valdivia, etc., but especially in the northern cities like Iquique and Antofagasta, which belong to the poorest regions of the country. ​The common slogans after the actions on the subway of Santiago express the general criticism of Chilean neoliberalism, the daily rejection by him, the denial of human dignity in view of the corruption of the elites. So there are all kinds of reasons for criticising this neoliberal system, and there are many: Social injustice, corruption, nepotism, widespread insecurity of work, economic exploitation, radical inequality in access to health, education, extractivist economy that destroys nature and leaves only ruins, etc. ​The entire neoliberal Chilean system as a whole and the political system created with the return of democracy are rejected. One of the most explicit slogans is: “No es por 30 pesos, es por 30 años” – “It’s not about 30 pesos (the price increase of the subway), but about 30 years”. “30 years” is the time since 1989, the time of the return to democracy and the consensus between the ex-pinochists and the left that I have already mentioned. This is indeed a political-economic system that is being criticized here. Another of the particularly fine slogans that we hear in the streets is the same: “nos quitaron tanto que nos quitaron hasta el miedo” – “They stole so much from us that they even stole our fear”. ​Some older people make it clear: they thank young people for their revolt and for the lack of fear they feel in the face of a post-dictatorial system that has paralyzed the previous generation. This fear, which young people have lost, is now being used to mobilize the armed forces. Since the military dictatorship is a kind of psychological mass trauma, the use of the army against the demonstrators is an attempt to awaken the trauma, to revive fear and censorship. Today, the balconies have reacted to these fears in the same way as they did during the dictatorship of the 1980s: with the “cacerolazo”, the concert of pots and pans, real percussions that react from one building to the next to make the military understand that if you are not allowed to leave the house during the curfew, you still show your opposition and support for the demonstrators on the street. What are the possible organized forces within the insurgency? How are left parties, trade unions and revolutionary groups positioned? ​Apart from the students and precarious fighters who are at the origin of this movement, all the factions associated with the workers movement seem to live only in theoretical worlds and could not imagine such an event. It is very likely that the organizers of the first actions against the price of the subway will also be overwhelmed by the events today. Even those who wanted such a movement could not imagine such important consequences. However, there is one important point, and that follows from the previous point, the social democratic left, which co-created and co-administered post-dictatorial Chile, has been ignored as much as the right. Even left-wing voters say it: it was the mediocrity of Bachelet’s reforms that led to Piñera’s victory. The Social Democrats are jointly responsible for the current social catastrophe. How does the Chilean uprising resonate with the mass struggles in the rest of Latin America? Ecuador, Colombia, Brazil… This point is very important and gives us an idea of the dynamics of struggles in a globalized capitalism. It has been known for some years that riots do not develop according to a diffusionist model: they do not spread like a liquid over a neutral space, but swing from one country to another, like harmonies in music. We are not in Marin Karmitz’ Coup pour coup , but in Gérard Griseys Partials.

It is certain that the uprising in Ecuador is a crucial element of the Chilean movement. In just one week, the mobilized Ecuadorians abolished an increase in the price of gasoline demanded by the IMF. Given the extent to which the IMF has dominated Latin America and Chile in particular, this Ecuadorian victory surprised many people on the continent and probably gave young Chileans a lot of courage, both consciously and unconsciously. The class composition, the standard of living, the political and economic system of Ecuador are very different from those of Chile, the importance of indigenous communities, which make up 35% of the population and are very socially organized, is not comparable to the situation of the Mapuche, for example.

But Ecuador has shown how an offensive struggle can be victorious, outside the party organizations of the left and even against them. Also in Ecuador, an alliance between different social groups was victorious, rural indigenous communities, students, the organized working class, etc., and the social groups of the people of Ecuador were also victorious. And I believe that this logic of the union of different social groups, beyond the internal contradictions of the working class, is present in the minds of the Chilean militants. It is precisely this class alliance that wants to break the right with its criminalization and its attempt to divide itself between proletarians, sub-proletarians, precarious students – high school students, and so on. As a result, the current Chilean challenge is enormous. A short- or long-term victory or defeat of the rebels would have a direct impact on the entire continent. To a certain extent, the renunciation of the Metro price law is already a limited but real victory. Social defeats are so widespread in Latin America (and elsewhere) that no victory is too much. It remains to be seen whether a tactical victory will lead to a strategic victory.

The Chilean bourgeoisie is aware of all this. They have certainly had no difficulties in obtaining their own power and ever better conditions for exercising it, but they know that the chance of Ecuadorian resonance has made Chile the current and temporary front of social struggles. It fights not only for itself, but also for all the bourgeoisies of the continent that are its allies. Imagine such a movement tomorrow in Argentina or Brazil against Bolsonaro. The Chilean bourgeoisie must avoid this, and Piñera made it very clear today in his anti-delinquency propaganda: “We are at war with a powerful enemy (…) and in this struggle we must not lose him”.

The difference is that the “enemy” he names is not the exploited and plundered working classes, but an imaginary “criminal organization” that can only be justified by state action. The more we have invented a suitable and legendary enemy, the more we convince ourselves of the necessity of war. Where powerful criminal organizations really dominate a country and not just steal household appliances, as in Mexico, the state seems much more timid.
What do you think are the possible consequences of mobilization? ​The fight goes on, it’s very difficult to predict the outcome. This depends on factors that have not yet been determined. What is certain is that oppression is enormous and aimed at intimidation. While hypocritical journalists say they condemn mass violence to pretend to support the legitimacy of peaceful action, none of them have shown or reported how peaceful demonstrations and other sit-ins on Sunday afternoons were suppressed by police violence before curfew. Fortunately, this information circulates on social networks, but it is not certain whether it is sufficient. For the next few days we can quote Breton: “We have the hope to contribute to the solution of an unresolved problem”. Note: This post was published on 21 October 2019 on “ACTA – Partisan*e*s dans la Metropole”. The translation was done in a hurry and with a rather inadequate knowledge of the language, but it was a matter close to my heart, because there is no doubt that history is being written in Chile and this text should contribute a lot to a deeper understanding of the social revolt there.

Sebastian Lotzer, 26.10.2019DeepL Translator

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