Taylor Swift existiert nicht

Das “Reden über alles”, das sich wie ein Gewitter über dem Massenpublikum entlädt, ist eine besondere Form der Gefrässigkeit und überlebt durch permanentes Abschweifen. Es mutiert zu etwas Gespenstischem. Wir finden uns auf einem flachen, horizontalen Gelände, wo einst Berge waren. Die Dritte Person, sei es der Verräter, der Parasit oder der Bote, ist verschwunden oder drückt sich lediglich in der ersten Person aus. Aber es ist nicht mehr möglich, den millionenfachen Selfie-Gesichtsausdrücken überhaupt etwas zuzuschreiben. Je mehr Techno eine Modulation der Maschinen ist, desto mehr verlangen seine Konsumenten nach dem Selfie- Gesicht namens DJ. Damit Sie den Neo-Popstar sehen können, müsste er sein Gesicht aber in einen Liquidator tauchen. In diesem Moment könnten Produzent und Konsument vergessen zu atmen, als ob die Luft sie nicht mehr bräuchte. Es wird nicht nur Filmaufnahmen von diesem Ende, sondern vom Ende von allem geben, und wir sehen sie schon jetzt, und ihr hervorstechendstes Merkmal ist ihre offensichtliche Unfähigkeit, einen Schluss zu ziehen. Vielleicht gibt es irgendwann nur noch das Filmmaterial und niemanden mehr, der es sich anschaut, was natürlich der Witz daran ist; aber die Light-Version, die der Pop ist, der absurderweise nach dem immer Mehr verlangt, wird immer sein Publikum finden, denn was ist er anderes als unsere eigene Langeweile angesichts des Spektakels dieses nie endenden Endes.

Die Menschheit ist so gelangweilt von sich selbst, dass er Popmusik wie einen Softdrink einsetzt, um zu hören, was sie tut, die Songmasse ist gigantisch, die Ausbeute langweilig, vorhersehbar, erbärmlich. Die Konsumenten nicken das ab. Es ist, als würde man Milliarden von Metronomen zuschauen, was durch das Wissen, dass jedes einzelne glaubt, lebendig zu sein, nicht weniger, sondern mehr ermüdend wird. Die Konsumenten ernähren sich von Taylor Swift, Instagram und Pornos, wie ein Tiefseeschwamm, der sich vom Plankton der simulierten Sozialität ernährt, das von oben herabschneit. Ihre mörderische Agonie besteht darin, dass sie insgeheim vollkommen zufrieden sind. Stell dir das Wahre vor, das die ganze Energie des Falschen absorbiert hat: dann hast du die Simulation. In ihr verschwimmen die Neo-Popstars wie Wasser im Wasser, das verschwindet. Und der Konsument baut sich mit Pop im Fahrstuhl ein Zuhause, passt sich der Realität an und am Wochenede wird er vom Unbehagen des Vagabundierens heimgesucht wie von einer verpassten Gelegenheit. Das Ende vom Lied ist der Club-Besuch. Die virtuelle Musik-Welt ist neurotisch bis an den Rand der Implosion.

Das Schicksal des Musik-Konsumenten ist es, real oder virtuell mit seiner Umgebung zu verschmelzen, zu verschwinden, ohne es zu spüren, ewig so weiterzumachen, weil die Langeweile dem Leben zuvorkommt – Langeweile als das tönende Leichentuch einer maßgeschneiderten Unsterblichkeit. Konsumenten sind die Eschatologie der Nichtexistenz des Todes. Wir sind Affen, die ihre Greifschwänze einer neuen Verwendung zugeführt haben: Ohne unsere Angst vor dem Fallen besteht keine Notwendigkeit, dass sich die Schwänze noch an die Welt klammern, stattdessen schlingen sie sich um unsere Kehlen und töten uns mit Musik, die ohnehin nicht mehr von dem zu unterscheiden ist, was keine Musik ist.

Und als Symptom gewinnt eine Taylor Swift das Rennen um die Gunst des Publikums. Sam Kriss schreibt in einem Blogbeitrag:

Das ist es, was Taylor Swift von all den anderen weißen Mädchen-Popstars ihrer Kohorte, den Katy Perrys und Miley Cyrusedie ihr vor einem Jahrzehnt ebenbürtig waren und die, wer weiß, vielleicht vielleicht sogar noch irgendwo leben: Im Gegensatz zu ihnen hat sie sich nie sexualisiert. Die anderen taten sehr gehorsam alles, um sich begehrenswert zu machen, in der Annahme, dass das Begehren eine unbegrenzte Ressource sei: das ist es nicht. Sie werden bemerkt haben, dass die Fans von Taylor Swift in einzigartiger Weise unfähig sind, zu erklären was sie eigentlich an ihr mögen. Nur, dass sie ihre eigenen Texte schreibt, dass das alles so persönlich und nachvollziehbar ist, dass sie so sehr sie selbst istAber die Felsen, die sich lautlos im Raum drehen, sind auch sie selbst. Dieses Jahr begannen Nachrichtenagenturen zu berichten, dass Menschen, die die Eras-Tour von Taylor Swift live gesehen hatten, mit einer seltsamen, lokal begrenztenAmnesie: Nach dem Konzert stellten sie plötzlich fest, dass sie sich nicht an bestimmte Dinge, die passiert waren, erinnern konnten. Sehr unheimlich! Die BBC holte einen Psychologen hervor, um zu erklären, dass diese Amnesie durch zu viele überwältigende Stimuli in zu kurzer Zeit verursacht wird, als dass das Gehirn sie richtig verarbeiten Das ist offensichtliches pop-psychologisches Geschwafel von einer Person, der keine Ahnung hat, wie ein Gehirn tatsächlich funktioniert. Nein: Du erinnerst dich nicht an irgendwelche bestimmte Ereignisse des Konzerts, weil es keine bestimmten Ereignisse gab.

Ich glaube nicht, dass die Incels jemals ihren eigenen Zustand angemessen beschreiben können, denn ihr Zustand ist eine Maske, die verdeckt, worum es wirklich geht. Genauso wenig glaube ich, dass ein Swiftie jemals hoffen kann, sein Idol angemessen zu verstehen. Taylor Swift ist die formlose Krise der Gegenwart und die Leere, über die alles gesponnen wird.

Foto. Stefan Paulus

The “talking about everything” that erupts like a thunderstorm over the mass audience is a special form of voracity and survives through permanent digression. It mutates into something ghostly. We find ourselves on a flat, horizontal terrain where once there were mountains. The third person, be it the traitor, the parasite or the messenger, has disappeared or merely expresses itself in the first person. But it is no longer possible to attribute anything at all to the millions of selfie facial expressions. The more techno is a modulation of machines, the more its consumers demand the selfie face called DJ. But for you to see the neo-pop star, he would have to dip his face in a liquidiser. At that moment, producer and consumer might forget to breathe, as if the air no longer needed them. There will be film footage not just of this ending, but of the end of everything, and we are already seeing it now, and its most salient feature is its apparent inability to draw a conclusion. Perhaps at some point there will only be the footage and no one left to watch it, which is the joke of course; but the light version, which is the pop that absurdly demands the ever more, will always find its audience, because what is it but our own boredom in the face of the spectacle of this never-ending end.

Humanity is so bored with itself that it uses pop music like a soft drink to hear what it is doing, the mass of songs is gigantic, the yield boring, predictable, pathetic. Consumers give it the nod. It’s like watching billions of metronomes, made more tedious, not less, by the knowledge that each one thinks it’s alive. Consumers feed on Taylor Swift, Instagram and porn, like a deep-sea sponge feeding on the plankton of simulated sociality that swoops down from above. Their murderous agony is that they are secretly perfectly content. Imagine the true that has absorbed all the energy of the false: then you have the simulation. In it, the neo-pop stars blur like water in water that disappears. And the consumer builds a home with pop in the lift, adapts to reality and at the weekend is haunted by the discomfort of vagabonding as if by a missed opportunity. The end of the story is a visit to the club. The virtual music world is neurotic to the point of implosion.

The fate of the music consumer is to merge with his surroundings, real or virtual, to disappear without feeling it, to go on like this forever because boredom precedes life – boredom as the sounding shroud of a customised immortality. Consumers are the eschatology of the non-existence of death. We are monkeys who have put their prehensile tails to a new use: Without our fear of falling, there is no need for the tails to still cling to the world, instead they wrap themselves around our throats and kill us with music that is indistinguishable from what is not music anyway.

And as a symptom, a Taylor Swift is winning the race for the public’s favour. Sam Kriss writes in a blog post:

This is what sets Taylor Swift apart from all the other white girl pop stars in her cohort, the Katy Perrys and Miley Cyruswho were her equals a decade ago and who, who knows, might even still be alive somewhere: Unlike them, she never sexualised herself. The others very obediently did everything they could to make themselves desirable, assuming that desire was an unlimited resource: it’s not. You will have noticed that Taylor Swift’s fans are singularly incapable of explaining what they actually like about her. Except that she writes her own lyrics, that it’s all so personal and relatable, that she’s so much herselfBut the rocks spinning silently in the room are themselves, too. This year, news outlets began reporting that people who had seen Taylor Swift’s Eras tour live were coming down with a strange, localised amnesia: after the concert, they suddenly realised they couldn’t remember certain things that had happened. Very scary! The BBC brought out a psychologist to explain that this amnesia is caused by too much overwhelming stimuli in too short a time for the brain to process it properly This is obvious pop-psychology drivel from a person who has no idea how a brain actually works. No: you don’t remember any specific events of the concert because there were no specific events.

I don’t think the Incels can ever adequately describe their own state, because their state is a mask that obscures what it’s really about. Likewise, I don’t think a Swiftie can ever hope to adequately understand their idol. Taylor Swift is the formless crisis of the present and the void over which everything is spun.

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