EconoFiction

The Time of Money (Review) 1

By

23 Sep , 2018  

Wir besprechen hier in aller Ausführlichkeit das neue Buch von Lisa Adkins “The Time of Money” 

Der Logik der Spekulation wohnt eine spezifische Rationalität inne, die mit einer außergewöhnlichen Form der Zeit korreliert, einer nicht-chronologischen Zeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht linear verlaufen, eine Zeit, die für eine konstante Revision offen ist. Zukünftige Ereignisse können nicht ohne Weiteres prognostiziert werden, sondern entfalten sich in unvorhersehbarer Weise. Entlang einer nicht-chronologischen und  indeterminierten Zeit werden heute vielfach finanzielle Strategien einzig und allein mit dem Ziel geschaffen, einen Surplus mittels Geld und Finance zu erzeugen – es sind nicht-lineare Rhythmen und Zeiten, welche die soziale Ordnung durch die Logik der Spekulation hervorbringen. (Es gilt als gesichert, dass im Kapitalismus spezifische Zeituniversen die Arbeitenden und ihre Aktionen organisieren, um sie in Richtung einer Erhöhung der Produktivität zu lenken.)

Es war die mechanische Uhr, die die Lebensformen und Handlungen der arbeitenden Bevölkerung koordinierte, die Arbeiter in der Fabrik organisierte und disziplinierte, um Mehrwert aus der Anwendung ihrer Arbeitskraft zu ziehen und zugleich die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Die Zeit der Spekulation gibt heute hingegen eine Reihe soziotechnischer Instrumente vor – Verträge, Schedules und Zeitpläne – um die Bevölkerung und ihre Praktiken nicht nur bezüglich der Arbeitszeit, sondern während der gesamten Lebenszeit an einen finanziellen Modus der Akkumulation zu gewöhnen, bei dem der Surplus aus den Geld- und Geldkapitalsströmen generiert wird. Obgleich es dazu weiterhin zumindest prekärer Arbeit bedarf, ist die Generierung des Surplus jetzt in erster Linie von Geldströmen abhängig, die nicht direkt mit der Arbeit verbunden sein müssen. Es gibt jetzt neue Formen und Praktiken der Verschuldung zu vermelden, die die Maximierung der produktiven Kapazitäten um die Geldströme herum organisieren, man denke dabei an volatile Löhne, persönliche Kredite, Hypotheken und andere Formen persönlicher Schulden.

Das spekulative Kapital “intendiert” die Maximierung der Produktivität von Populationen hinsichtlich der Generierung des Surplus, der aus den vielfältigen Modulationen der nicht-chronologischen und indeterminierten Bewegungen oder Strömen des Geldes entsteht. Es ist längst mehr allein der Lohn, sondern es sind die alltäglichen Zahlungen der Haushalte, die ihre Existenz sichern, von den vertraglich abgesicherten Zahlungen, Kreditkartenzahlungen und anderen Zahlungen, welche die Haushalte an die Finanzinstitutionen tätigen müssen. Diese alltäglichen Zahlungen sind zudem Teil der Generierung von fluiden Assets in der Form der Securities an den globalen Finanzmärkten. Es gilt hier unbedingt die asymmetrische Koproduktion zwischen den Haushalten und dem finanziellen Kapital zu berücksichtigen.

Und dabei geht es nicht mehr nur um die Einbindung der Lebens- und Finanzierungsstrategien in die standardisierte, homogenisierte und auf Gleichgewicht bedachte Zeit der mechanischen Uhr, sondern um das nicht-determinierte, asynchrone und unvorhersehbare Universum der spekulativen Zeit. Diese Zeit inkludiert die unaufhörliche Adaption an das Mögliche des Geldes. Während die Zeit der mechanischen Uhr die produktiven Kapazitäten der arbeitenden Bevölkerung erweiterte, um diese an einen spezifischen Modus der Produktion und Akkumulation zu binden, der direkt auf die Extraktion des Mehrwerts aus dem arbeitenden Körper ausgerichtet war, bindet die Zeit des Geldes bzw. das spekulative Zeituniversum die prekär Beschäftigten und ihre Aktionen in jeder Lebenssituation an einen Modus der Akkumulation, der auf der Basis der Generierung des Surplus (aus den Operationsweisen der Geldkapital- und Geldströme) funktioniert. Die Arbeit selbst wird jetzt innerhalb der Verlaufsformen von unvorhersehbaren Events organisiert; und die “Reformierung” des Welfare-Systems hin zu einem spezifisch prekären Workfare-System benötigt eine Politik, die sich analog der nicht-determinierten Bewegungen und Ströme des Geldes, die der Logik der Spekulation unterworfen sind, entfaltet. Es ist dies die Politik der Prävention.

Fortsetzung folgt.

Foto: Bernhard Weber

print

, , , , , ,

By