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These nights are for Alexis – Ein anderer 6. Dezember in Athen

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13 Dez , 2019  

Der diesjährige Jahrestag der Ermordung von Alexis verlief in Athen in vielerlei Hinsicht anders als in den letzten Jahren, was sowohl am politischen Kontext als auch an neuer taktischer Feinjustierung der antagonistischen Splitter lag.

Seit dem Regierungsantritt der neuen rechten Regierung sind zahlreiche besetzte Häuser in Athen geräumt worden, die Repression richtete sich vor allem gegen von Flüchtlingen/Migranten besetzte Häuser. Aufstandsbekämpfungseinheiten sind seitdem fast ständig in Exarchia präsent, es gab einiges an Bullenterror gegen die Bewohner des Viertels und auch gegen bekannte linke Projekte, wie z.B. das K*Vox. Großspurigen Propaganda Attacken, „man werde in Exarchia aufräumen“ folgte dann ein Ultimatum an die besetzten Häuser, dass am 5. Dezember auslief.

Am Abend des 5. Dezember versammelten sich dann 2000- 3000 Leute zu einer Demo in Athen, die relativ unspektakulär verlief und alle warteten gespannt auf den nun folgenden Tag. Am Mittag des 6. Dezember dann die mittlerweile traditionelle Demo der Studenten und Schüler, vorneweg ein „schwarzer Bock“ von um die 500 Leute, mit Abstand dann der Rest der Demo, bedauerlicherweise angeführt von der stalinistischen KKE Jugend.

Zur eigentlichen Hauptdemo fanden sich dann um die 10.000 Menschen zusammen, die größte Demo zum 6. Dezember der letzten Jahre. Viel Schwarz und Schutzausrüstung, Helme, Feuerlöscher, praktische dicke Fahnenstangen mit kleinen schwarzen Fähnchen. Es ging eine Runde durch die Innenstadt und dann nach Exarchia. Dort (für griechische Verhältnisse) begrenzte Zusammenstöße, Steine, Molotows, einige eher symbolische Barrikaden. Die Bullen waren Herr der Lage und es gab etliche Festnahmen und Übergriffe.

Aber als sich nun der Gegner anschickte zu frohlocken und die Kommentare über den Niedergang der Staatsfeinde für die Morgennachrichten schon geschrieben waren, tauchten wie von Zauberhand in zahlreichen Stadtteilen von Athen gut organisierte Gruppen auf, die ihr Zerstörungswerk in Angriff nahmen. Be water my friend. Von HongKong lernen, heißt siegen lernen. DerHồ-Chí-Minh-Pfaddes 21. Jahrhunderts sind militante flashmobs, Angriffe auf die Infrastruktur, die Blockade strategischer Logistikpunkte. Noch vor dem Morgengrauen wurden am 7. Dezember 30 staatliche und kapitalistische Ziele in 13 verschiedenen Stadtteilen Athens angegriffen.


“Wenn wir angreifen können, müssen wir unfähig scheinen, wenn wir unsere Kräfte nutzen, müssen wir untätig scheinen, wenn wir in der Nähe sind, müssen wir den Feind glauben lassen, dass wir weit weg sind, wenn wir weit weg sind, müssen wir ihn glauben lassen, dass wir nahe sind. Werfe Köder aus, um den Feind zu anlocken. Täusche eigene Unordnung vor und zerstöre ihn dann. Wenn er an allen Punkten sicher ist, sei auf ihn vorbereitet. Wenn er in überlegener Stärke ist, weicht ihm aus. Wenn er reizbar ist, versucht, ihn zu reizen. Gib vor, schwach zu sein, damit er arrogant wird. Wenn er sich beruhigt, gönne ihm keine Ruhe. Wenn seine Kräfte vereint sind, trenne sie. Greif ihn an, wo er unvorbereitet ist, erscheine dort, wo du nicht erwartet wirst.”


Sun Tzu

11 Jahre nach der Nacht, die eine ganze Generation prägte, in der jeder einen Platz in einer schlafenden Stadt einnehmen musste, 11 Jahre danach war unserer Überzeugung nach alles möglich, wenn WUT mit Bewusstheit einhergeht…
Elf Jahre später halten wir den roten Faden eines Aufstandes in unseren Händen und seine Flamme erlischt nicht. Das heißt, dass die Revolte nicht ausgerottet wurde, trotz der Härte der Anti-Aufstandspolitik, die von der staatlichen Gewalt in den ersten Jahren nach dem Dezemberaufstand durchgesetzt wurde. Sie verschwand nicht in dem Elend und der sozialen Verwerfung der “Krisenjahre”. Nicht einmal in den Jahren, in denen man mit “Zuckerbrot” versuchte, sie zu integrieren und effektiver zu unterwerfen als dies mit der repressiven Peitsche möglich war, wurde sie ausgelöscht.

Die Flamme des Aufstandes bleibt auch unter den neuen Kampfbedingungen, die vor uns liegen, eine lodernde Flamme. Bedingung für die Verteidigung gefährdeter Strukturen. Bedingung für einen Gegenangriff gegen den Angriff des Regimes auf unsere Klasse. Ein Gegenangriff, der an jedem Arbeitsplatz, in jeder Nachbarschaft organisiert werden muss.


Der “Kampf der Leute von Exarchia” ist nichts anderes als eine Symbol für die Auseinandersetzung zwischen der Welt der Macht und die Welt des Kampfes. Andernorts zielen „Think Tanks“ mit ihrer Rhetorik der „Gesetzlosigkeit der Orte“ darauf ab sozialen Widerstand brechen, Angst zu verbreiten und Unterwerfung zu organisieren. Auf der anderen Seite ist unser “Exarchia” die Brutstätte des Widerstands im sozialen Bereich.


Das hat uns der Dezember gelehrt. Dass der Aufstand Sauerstoff tankt dadurch, dass er sich ausbreitet. Und wir wissen, dass alles nach den Kämpfen beurteilt wird, die vorgegeben sind, den Kämpfen, die kommen werden.
Der “Ball” wird zurückgeworfen und “Exarchia” verbreitet sich in der ganzen Stadt. Diffundierender Widerstand. Wenn sie dort ihre “Allmacht” erreichen, und genau in diesem Augenblick erwarten sie es am wenigsten. Die Rückkehr der Angst!


Wir haben noch nicht das letzte Wort gesprochen. Und diese Nacht gehörte Alexis!


In der Nacht des 6. Dezember 2019 griffen wir 30 staatliche und kapitalistische Ziele in 13 verschiedenen Stadtteilen unserer Stadt an:


Eurobank und Sklavenitis Bank, Panormou Street, Ampelokipoi


Piräusbank, Korfu Straße, Kypseli


Eurobank Bank, Durres Street, Sepolia


ATM National and My Market, G. Papandreou Street, Zografou


Nationalbank und AB Vassilopoulos, Peace Avenue, Pefki


2 Geldautomaten der Piräus Bank, Pentelis Avenue, Vrilissia


Bank von Piräus, Hondos Centrer, Berska, Man / Maneti und Boss, Agios Ioannis Street, Agia Paraskevi


Club der pensionierten Offiziere, Cholargos


EYDAP, AB Vassilopoulos, Sklavenitis, OPAP und Goodys, Thebes Avenue, Ilion


Kotsovolos, Vouliagmenis Allee, Ilioupoli


Nationalbank, Agios Dimitrios Straße, Brahami


LIDL und JYSK, Iasonidou Street, Elliniko


Bank of Pireus, Marks n’Spencer, Sklavenitis, 2 Sicherheitsunternehmen und ein Sicherheitsfahrzeug, Vouliagmeni Avenue, Glyfada.

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