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Was heißt Determination-in-der-letzten-Instanz? (20 Punkte)

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27 Jun , 2015  

1) Für Laruelle kreist die Philosophie immer um Dualitäten oder Differenzen, Sein-Anderer, Theorie-Praxis, ontisch-ontologisch etc.

2) Laruelle verlässt dieses Terrain, um seine Denkkraft ganz in die Lösungen des Problems des Einen zu investieren, oder genauer als ein irreversibles Denken in-Einem oder gemäß-dem-Einen zu entwickeln, das dem Einen folgt.

3) Wenn Laruelle das Reale und das Eine identifiziert, dann versucht er das Reale von jeder Determination durch das Sein zu befreien.

4) Das Eine ist einfach gegeben (gegeben-ohne-Gegebenheit), weil es nichts mit der Welt zu tun hat. Aber was hat die Welt mit ihm zu tun?

5) Wenn das Eine sich nicht selbst problematisiert, dann heißt dies noch lange nicht, dass es nicht in einer einheitlichen Weise partizipiert. Und zwar als negative Möglichkeit, die transzendental gesetzt ist.

6) Das Eine ist nun eine negative Möglichkeit, die für jede Greifbarkeit von Objekten und für die Rigorisität des Denkens steht, für das Objekt, das aufhört empirisch oder für das Denken, das aufhört philosophisch oder wissenschaftlich zu sein.

7) Determination lässt sich verknappt folgendermaßen darstellen: Das Axiom der Determination beinhaltet bei Laruelle eine einzigartige (originelle) Kausalität, die irreversibel ausgehend vom Einen immer auch Zwei oder Dualität bleibt, ohne dass es jemals zur Synthesis kommt. Es gibt hier weder eine Differenz noch irgendeine Art der Koexistenz oder irgendeine Art von Austausch zwischen Eins und Zwei zu vermelden, der Eins, die Zwei ist, oder der Zwei, die Eins ist. Die Determination ist irreversibel, die Eins ist immer nur Eins, sogar in „Relation“ mit der Zwei (Eines heißt 1+1=1), und die Zwei formt eine Zwei mit der Eins nur aus ihrer Perspektive als Zwei heraus.

8) Den Begriff Determination in der letzten Instanz (dli) hat Louis Althusser Engels entlehnt, von dem der Begriff in einer viel zu empirischen Art und Weise konzipiert und daraufhin mit einem Modell der Kausalität vermischt wurde, das onto-regional, physikalisch und chemisch war.

9) Laruelle fordert – in einer weiteren Absetzung von Althusser – die real-transzendentale Konzeption der dli. Das Axiom der dli hat Laruelle zufolge einheitlich-prinzipiell zu sein, aber zugleich besitzt es eine gewisse Zweitrangigkeit, i.e. es ist als Theorem in einer ganz eigenen Art und Weise insuffizient. 

10) Determination-in-der-letzten-Instanz sollte man keinesfalls im Sinne einer ultimativen deterministischen Fundierung, sondern als eine Unter-Fundierung verstehen, wobei das »Unter« keine tiefere (logische) Ebene bezeichnet, sondern eher ein Generikum, das eben gerade kein Letztes im logischen oder temporalen Sinne anzeigt. 

11) DLI im Sinne von Laruelle ist als eine zersetzte philosophische Entscheidung zu verstehen, die die immanente Kausalität des Realen anzeigt.

12) Der Organon der dli, dessen essenzielle Funktion die Kraft-des-Denkens ist – die noetische oder transzendentale Komponente von dli – stimmt mit der radikalen primacy des Realen über das Denken überein, wobei das Denken allerdings seine relative Autonomie beibehält.

13) Determination ist beileibe kein auto-positionaler Akt, etwa eine kritische transzendental-kantianische Operation, die die Vorherrschaft der Determination über das Determinierte zementiert. Umgekehrt gilt es zu beachten, dass es gerade das Determinierte, das Reale als materiell-ohne-Determination, ist, das die Determination formt. 

14) Das Determinierte-ohne-Determination impliziert keine Infrastruktur im empirischen oder regionalen Sinn, sondern erfordert die reale Immanenz der Infrastruktur, und sichert dadurch ihre Fähigkeit zu determinieren. 

15) Dli ist kein ontisches, sondern ein transzendentales Konzept. 

16) Weder exteriore Gründe noch die Identität, wie sie von der Dialektik als Synthesis von Widersprüchen konzipiert wird, können Gründe abgeben, die der dli gemäß sind, vielmehr ist dli als realer Grund durch Immanenz und durch das Wissen seiner eigenen Syntax determiniert, seiner eigenen Kausalität. Dies funktioniert über einen Prozess, den Laruelle Klonen nennt. 

17) Relationen wie die zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften sind nur als Objekte für Axiome zu verstehen, die der DLI hinzugefügt werden. Dies impliziert, dass der Marxismus nur ein Modell für den Nicht-Marxismus ist.

18) Das Gegegensein des Objekts X exisiert nun zweifach, erstens als gegeben-ohne-Gegebenheit oder sagen wir radikal immanent und zweitens als gegeben-durch-Gegebenheit, und letzteres besteht im Modus kapitalistischer Transzendenz und der relativen Autonomie des Überbaus. 

19) Letztendlich gibt es aber immer nur einen Modus, ohne dass es je zur Synthetisierung der beide Modi kommt. Der erste Modus bestimmt unilateral den zweiten Modus, während Dli einen transzendentalen (keinen realen) Gebrauch von der kapitalistischen Transzendenz macht.

20) Es gibt also das Paar Determination und Determination-in-der letzten Instanz (Klonen) und die Identifikation des letzteren mit Marxens Konzept. Zu beachten ist, wie der neuerliche Bezug Laruelles auf die Quantentheorie dli modifiziert oder sogar kippt.

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