Die Guten und die Bösen

So wird der Herbst nicht laufen, wie es Politiker, die nur ein Schatten ihrer Funktionen sind, wollen: Die Beschwörung eines gemeinschaftlichen Geistes, einer neuen Volksgemeinschaft, die in Opferbereitschaft für das Gute zusammensteht. Am liebsten würden sie noch ein Recht auf das Gute einfordern, diese frommen Seelen, die auf ewig die Guten sind. Die für den Weltfrieden ein Minute kürzer duschen, diese erbärmlichen und ressentimentgeladenden Guten, die gegen das Böse, das nun in Putin verkörpert ist, ihren schmierigen Wertediskurs zu Lumpenpreisen verkaufen. Und die das Gute so gehässig wie noch nie an den Mann zu bringen versuchen. Die ihre eigenen Gewalttaten nicht nur, wie das Covid-Regime gezeigt hat, auf einmal und im Ganzen als Schockstrategie durchsetzen, wie das schon Machiavelli anempfohlen hat, sondern sie angeblich nur zum Wohle des Volkes ausüben, das sie dann jahrelang einsperren. Hauptsache ihr Terror hat einen guten Ruf. Aber jede ihrer Aktionen ist einen Lachanfall wert.

Sie haben den Glauben auf auf die Schrumpfform reduziert, ihr Glaube, dass sie für sie für immer die Guten sind. Den sie bei jeder Gala ausstellen, nur, weil dem nicht so ist. Diese Psychopathen des Guten, die uns, wie K. Dick sagt, alle wieder zu Patienten machen.

Die geistlos den Diskurs der Menschenrechte delirieren, fromme, schwache, nutzlose Werte, die auf dem aufklärerischen Glauben an die natürliche Attraktion des Guten beruhen. Dabei wird dieses Gute, so Baudrillard, dieser ideale Wert protektionistisch, erbärmlich, negativ und ressentimentbehaftet aufgefasst. „Als Minialisierung des Bösen, als Gewalt-Prophylaxe und Sicherheit. Als herablassende und depressive Kraft des guten Willens.“

Gleichzeitig müssen sie, egal ob es Putin oder das Virus ist, auf eine biblische Weissagung des Bösen immer wieder zurückkommen, das Böse, das hier nur dazu dient, dass das System jede Begrenzung des Exzesses des Gleichen und seiner Kontrolle aufgeben kann. Diese endlosen Idolatrien und Machtanfällee haben natürlich Wirkungen. Das Böse kommt jetzt tatsächlich nur noch als Katastrophe zurück.

Recht auf Arbeit, auf das Leben, am besten noch das Recht auf das Gute. All diese lächerliche Gerede in Termini des Rechts und der Werte. Diese Simulationen des Exorzismus, die sich noch einmal aufmachen, den Teufel auszutreiben, der wie sie selbst schon längst verschwunden ist. Deswegen können sie in ihren aspetischen Systemen des Gleichen qua des Gleichen nur in delirierenden Simulationen wiederauferstehen, aber immer kommt das Böse wie zum Beispiel das Virus zumindest als Katastrophe zurück. Dann wird das System noch psychotischer in seinem Sicherheitswahn. Das System, das ist die Psychose des Gleichen. Der Exzess des Gleichen ist das letzte Prinzip eines ansonsten prinzipienlosen Systems, dessen politische Funktionsträger nurr noch eine erbärmliche Mischung aus Zombie und Gutmenschentum zustande bringen, während die letzten Menschen an der Börse eine Runde Poker spielen.

Aber auf symbolischer Ebene hat Putin wie damals der Ayatollah längst gewonnen, auch wenn es bei letzterem klarer war.

Der ganzen Welt gegenüber hatte der Ayatollah nur eine Waffe zur Verfügung, die, obwohl sie keine materielle Realität hatte, die absolute Waffe zu sein schien: das Prinzip des Bösen. Die Verneinung aller westlichen Werte – des Fortschritts, der Rationalität, der politischen Ethik, der Demokratie und so weiter. Durch den westlichen Konsens, das hat Baudrillard gezeigt, wurde Khomeini zum Empfänger der Energie des Bösen, der satanischen Energie des Verworfenen, des Glamours des verfluchten Anteils. Er allein hielt die Tribüne, weil er allein, ähnlich wie Putin heute, das machiavellistische Prinzip des Bösen gegen alle anderen aufrechterhalten hat, weil er allein bereit war, das Böse auszusprechen und das Böse zu exorzieren. Seine Überlegenheit war für Baudrillard klar, die darin bestand, das Böse zu beschwören, das für die Guten nicht besteht, weil sie jede Spur von Negativität durch den herrschenden virtuellen Konsens erstickt haben. Die sich wie im Kindergarten eine Welt naiver Sentimentalität und Speichelleckerei gegenüber dem System zusammenbasteln, in der das Ein-Euro-Duschen als ein Zeichen der Erlösung aufscheint.

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