Endgames [Part3]

Nun also ein paar durchsichtige Bauernopfer, Figuren aus der zweiten und dritten Reihe, die bei der Beschaffung von “Masken” eigentlich nur das systemimmanente Prinzip der Gewinnmitnahme realisiert haben. Das eigentliche politische Personal und ihr Narrativ bleiben unangetastet. Nach tausenden von Toten in den Alten- und Pflegeheimen in diesem Winter. Als im Frühjahr 2020 kein Ausnahmezustand, kein “lockdown” in Schweden ausgerufen wurde und es dort in den Alten- und Pflegeheimen zu vielen Toten infolge der Corona Pandemie kam, war hierzulande die moralische Entrüstung groß. Von ganz linksaußen über Ditfurth bis ins Herz des politischen Apparates schallte es “Mörder”, jetzt sind die vielen Toten hierzulande zwar einige kritische Nachfragen wert, aber mehr auch nicht.

Die “linksradikale” Blase arbeitet sich an den Querfront Ansammlungen ab, jeder bescheuerte Autokorso bekommt mehr Aufmerksamkeit als die Tatsache, dass der Staatsapparat es trotz eines halben Jahres Vorlaufs und der Verfügbarkeit von verlässlichen Schnelltest es nicht geschafft oder für nötig befunden hat, eine engmaschige Teststrategie in den Einrichtungen zu implantieren, die viele Einträge und damit viele Tote verhindert hätte.

Und während wir hier nun in den fünften Monat der bedingten Wohnhaft eintreten, “Verweilverbote” an der frischen Luft, Maskenpflicht in Grünanlagen und ähnliche völlig sinnfreie und autoritären Eingriffe in das gesellschaftliche Leben zur “neuen Normalität” gehören, geniesst die Berichterstattung über Schweden Seltenheitswert oder es werden realitätsverdrehende Berichte lanciert, “die Schweden seien jetzt auch zur Vernunft gekommen” und auf den “europäischen Weg” eingeschwenkt. In Wirklichkeit liegt die Übersterblichkeit in Schweden für 2020 nicht signifikant höher als hierzulande, die Anzahl der Menschen die an Covid19 sterben liegt derzeit bezogen auf die Einwohnerzahl in dem Bereich, in dem sich viel europäische Länder bewegen, so auch die BRD. Einige Länder mit sehr restriktiven Maßnahmen haben sogar wesentlich mehr Tote zu beklagen bezogen auf die jeweilige Einwohnerzahl.

Und dies angesichts der Tatsachen, dass die Schulen in Schweden ebenso wie die Geschäfte und Gastronomie, von einigen Einschränkungen abgesehen, durchgängig geöffnet geblieben sind, es bis heute keine Verpflichtung zum Tragen von Masken gibt, sondern erst seit kurzem eine Empfehlung zum Gebrauch derselben in den Stoßzeiten im ÖPNV und in Räumlichkeiten von Arbeit und Konsum, wo es schwierig ist Abstand zu halten. Es auch dort zwei Parlamentsbeschlüsse zum Corona Ausnahmezustand gab, die Regelungen aber bisher nicht angewendet wurden.

Wenn es an dieser Stelle Sinn macht, noch einmal auf die Entwicklung in Schweden einzugehen, dann nur deshalb, weil das Ausbleiben von den beschriehenden Katastrophenszenarien dortzulande deutlich macht, dass das hier gesetzte Narrativ ebenso wie die politische Klasse samt ihrer Experten eigentlich obsolet geworden ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Spahns “Wir werden einander noch viel verzeihen müssen” wohnt die gleiche klägliche Erbärmlichkeit wie Mielkes “Ich liebe euch doch alle” zugrunde. Eine politische Elite im Endgame, trotz einer allumfassenden Sicherheitsarchitektur.

Im Wochentakt fegen weiter die Aufstände durch die Welt, über Nacht sind in Paraguay Hunderttausende, manche sprechen von Millionen, auf den Straßen, Bulleneinheiten fliehen panisch im Steinhagel, Angriffe auf Infrastruktur und Regierungsgebäude, Wohnsitze von politisch Verantwortlichen werden belagert. Eine Woche lang Riots im spanischen Staat nach der Inhaftierung von Pablo Hasél, im Libanon werden seit einer Woche wichtige Überlandstraßen von wütenden Demonstranten blockiert… Um nur einige Schlaglichter zu benennen.

Wir befinden uns derzeit in einem Übergangsprozess, in dem die soziale Konfliktualität im Ausnahmezustandmodus mit der zukünftigen generalisierten Post Covid Revolte verschmilzt. Bilder, Schatten, Ahnungen, Andeutungen, taktische Angriffe und Rückzüge, Riots und Erhebungen, die sowohl als aufständische Manöver auf dem Terrain, dass der Ausnahmezustand erschafft, als auch als

Erkundung des zukünftigen Terrains der Auseinandersetzung begriffen werden können.

Es ist jedoch möglich, dass der Krieg gegen das Virus, der ein ideales Instrument zu sein scheint, das die Regierungen viel leichter als einen echten Krieg nach ihren eigenen Bedürfnissen dosieren und lenken können, wie jeder Krieg damit endet, dass er aus dem Ruder läuft. Und vielleicht werden die Menschen an diesem Punkt, wenn es noch nicht zu spät ist, noch einmal den unregierbaren Frieden suchen, den sie so leichtfertig aufgegeben haben.”

Giorgio Agamben: Krieg und Frieden

Schien der Linken am Beginn der Maßnahmenorgie noch das Ende des Neoliberalismus, ja die Möglichkeit einer neuen, gerechteren Weltordnung aufzuscheinen, so wünscht sie sich nun wie so viele doch nur in das alte, schreckliche “Zuvor” zurück. Das ewige kleinere Übel. Die ewige deutsche Sozialdemokratie. Zwei Piekser und dann einfach weiter machen, sinnfreie und ohnmächtige Kampagne für Kampagne, Event für Event. Ein bißchen Identität, ein bißchen Karriereleiter, ein bißchen Partizipation. Dabei moralisch belehrend und geschichtsvergessen. Eben sozialdemokratisch. Doch es wird kein zurück ins Davor geben, und dies wird sich auch nicht in dem Verschwinden von den fetischisierten Masken und dem Abhalten der Fusion manifestieren, sondern in jener Nachkriegsordnung, der Ordnung nach dem Krieg gegen das Virus, jener Ordnung, in der der soziale Krieg in der Brutalität des Ausnahmezustandes für immer eingeschrieben ist. Ein Krieg IM – NACH dem Krieg. Eine Dichotomie. Oder anders gesagt, das Ende des Zeitalters der Epochen, der Eintritt in das orwellsche “Krieg ist Frieden”, der Eröffnung der neuen Fronten im Endgame, der einzigen verbliebenen “Epoche der Ewigkeit”, hinter der das Ende der Menschheit aufscheint.

In der notwendigen Härte der Formierung zur Absicherung der Privilegien gegen den Ansturm des Surplus Proletariats, das immer weitere Teile der Weltbevölkerung umfassen wird. Wie man das ganze nennen wird ist zweitrangig, Agamben sprach vom “kommunistischen Kapitalismus”, “das neue Regime”, dass “den unmenschlichsten Aspekt des Kapitalismus mit dem grausamsten Aspekt des Staatskommunismus verbinden wird, indem es die extreme Entfremdung der Beziehungen zwischen den Menschen mit einer noch nie dagewesenen sozialen Kontrolle kombiniert.”

Ich würde die Begrifflichkeit des “grünen Faschismus” bevorzugen, weil im Angesicht der Klimakatastrophe, die keine Krise in dem Sinne, das sie vom System zu managen wäre, darstellt, sondern darüber hinausweist, also keine Krise des Kapitalismus, sondern der Geschichte selbst darstellt. Wenn der Bundesvorsitzende der Grünen im Chor mit dem Misanthropen Lauterbach angesichts des Pandemie Ausnahmezustandes frohlockt, dieser habe die Blaupause für die Zukünftigkeit der Regierbarkeit der Klimakatastrophe gezeichnet, so ist das nur der billige populistische Abklatsch jener Endgames Strategien, die gerade in den entscheidenden politischen und militärischen Think Tanks mit dem Background der neuesten Erfahrungen des Pandemie Ausnahmezustandes geupdatet werden.

Und wir? Darunter, unter dem oben skizzierten geht es nicht, macht alles keinen Sinn. Entweder auf der Höhe der Zeit, der Entwicklung oder die Zeit nutzen um ein paar letzte Gedichte zu hinterlassen. Im brennenden Haus, wie Agamben sagen würde.

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