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Bagatellen einer Zeitenwende

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3 Apr , 2020  

Anfang

Der neue Verordnungsstaat war gerade im Anrollen und die offiziellen Dementis kündigten die Aktion an. Keine Ausgangsperre, hieß Ausgangsperre morgen oder übermorgen. Wir schließen die Bars nicht, nämlich erst ab Dienstag, hieß dann, wir schließen sie heute, also am Samstag den 14.3.2020. Da das Gerücht schon rumging, ab in die Kneipe. Irgendwann kommt die Ordnungsmacht. Ohne Dekret, nur mit einem völlig unspezifischen Auszug aus dem Seuchengesetz und mit der Anordnung, innerhalb einer Stunde, den Laden zu räumen. So begann hier die sanfte Quarantäne. Die Tage drauf wurde eine umfangreiche Kontaktsperre verhängt, die Gesellschaft in den Gips gelegt, also spricht man einer Freundin gegenüber von Diktatur. Erstauntes Gesicht und ironiefreie Antwort: „Aber wir dürfen doch noch zu zweit spazieren gehen.“

Tempelhofer Feld

Bei einem der nun gehäuften Spaziergänge ein Blick über das Feld. Überall verwirrte Zombies. Friedlich. Die Polizei wacht moderat, alle sind artig. Selten mehr als 2 Leute. Sitzen zu zweit ist auch verboten, wird aber flexibel gehandhabt. Schach spielen geht zum Beispiel nicht. In der Hasenheide ist der Einsatz etwas strenger. Denn das Tempelhofer Feld ist die Zukunft unserer Parkkultur, dort sollen wir hin. Sobald man jemanden trifft, den man ein wenig kennt oder kannte, muss man feststellen, das der Mensch dem Menschen ein Virus geworden ist. Abstand.

Sozialkontrolle

Man lädt jemanden zu Essen ein und der sagt, dass die neuen WG-Regeln ihm das verbieten, wegen der sanften Quarantäne, die man zu 100% befolge. Schon ein Klogang nach einem Spaziergang, ist nur unter bösen Blicken der Mitbewohner möglich. Etc. pp. Eine Bekannte will beim obligatorischen Spaziergang über das Tempelhofer Feld den obligatorischen Mindestabstand einhalten. Nicht weil sie es will – schiebt sie vor – sondern weil ihr Mann es will. Etc. pp.

Hausarrest

Die Wirkungen des verschärften Hausarrest konnte man jüngst an den Bildern von Julian Assange beobachten, der wie ein Höhlenmensch aus der unfreiwilligen Quarantäne gekrochen kam, als er – Ecuador ist eingeknickt – dann doch den Ungeheuern übergeben wurde. Aber dies Schicksal wird in dieser Härte nur einige treffen. Daher soll man einschränken. Übertreibungen sind heuer nicht gewünscht und selbst Provophilosoph Zizek fordert eine differenzierte Sprache ein: Die meisten werden ihr Leben weiter leben dürfen, wie sie es kennen. Sie haben es in Grundzügen schon vorher so gelebt. Und spazieren dürfen wir ja noch.

Gedächtnis

Ein anderer sagt, der Rewe öffne doch wie immer. Auf insistierenden Widerspruch hin – es gibt inzwischen Einlassbeschränkungen, Paranoiaabstand und Plexiglasverschalungen für Kassiererinnen – nur Lavieren. Die tiefere Wahrheit seiner sachlich falschen Aussage ist, dass wir im Augenblick leben. Schon am vierten Tag wirkt das neue Regime so, als wäre es immer gewesen.

„Als erstes hatte es die spektakuläre Herrschaft darauf abgesehen, die Kenntnis der Geschichte im allgemeinen zu beseitigen, angefangen mit fast allen Informationen und allen vernünftigen Kommentaren zur allerjüngsten Vergangenheit. Eine so flagrante Evidenz bedarf keiner weiteren Erklärung. Das Spektakel organisiert meisterhaft die Ignoranz dessen, was passiert, und unmittelbar darauf das Vergessen von dem, was trotzdem hat ruchbar werden können. Die größte Bedeutung kommt dem zu, was am verborgensten ist.

Vor zehn Jahren bereits verlieh in Frankreich ein Staatspräsident, seitdem der Vergessenheit anheim gefallen, damals aber auf der Oberfläche des Spektakels schwimmend, naiv der Freude Ausdruck, die er bei dem Gedanken empfand, dass »wir heute in einer Welt ohne Gedächtnis leben, in der, wie auf der Wasseroberfläche, ein Bild unaufhörlich das andere jagt«. Für den, der an der Macht ist und an der Macht zu bleiben versteht, ist dies freilich genehm. Das Ende der Geschichte ist für jeden Machtapparat von heute ein angenehmes Ruhekissen. Es garantiert ihm absolut den Erfolg aller seiner Unternehmungen oder zumindest die Nachricht des Erfolgs.“

Liebste tschöh

Nationaltheater Belgrad. Sie singen nun nicht mehr zusammen, sondern alle getrennt mit ihrem Mobile Microphone und am Ende ergibt sich dank Mischtechnik doch der Partisanenkitsch, Bella Ciao. „Partisanen, ick will dabei sein, / Liebste tschöh, Liebste tschöh, Liebste tschöh mit Ö“. Ein Lied, das gerade viel gesungen und inszeniert wird. Auch die Bamberger singen es jetzt. Solidarität mit Italien. Das Lied wird dabei unmittelbar benutzt um #socialdistancing zu propagieren, die erste Parole der neuen Welt. Der Faschismus wurde 1923 in Italien erfunden. Heute singt er Partisanenlieder.

Zahlen

Die Stunde der Zahlen hat geschlagen, eine jagt die nächste. Und sie treffen auf eine Bevölkerung, die nicht rechnen kann und daher nicht merkt, dass es die Mathematiker schon auch nicht können und die Journalisten und Politiker nicht wollen. Hilflos erklärt ein Statistikprofessor, was denn nun gezählt wird und was der Nenner ist. Keine Chance.

Verordnungen

Die Dekrete dieser Tage neigen dazu, sich zu widersprechen. Es werde keine Ausgangssperre geben, hört man, sondern Kontaktverbot. Man dürfe natürlich für bestimmte Sachen noch raus. Also doch eine Ausgangssperre. Nur nicht total. Einkaufen und so darf man, und es gibt Hofgang auf den Tempelhofer Feld. Die ganze Welt ein Tempelhofer Feld, die ganze Welt ein Gefängnishof. Zu zweit sogar ohne Mindestabstand. Aber nicht im Sitzen hört man später, vielmehr nur im Gehen. Oder mal kurz auf die Bank, das geht schon, schreibt der Parkanweisungszettel für das Tempelhofer Feld. Aber eben nicht Schach, das hatten wir schon. Oder hat der Polizist da überzogen. Aber gut, so eine Dame ist schon ein Virusüberträger. Eine Familie ist nach Hegel eine Person und immerhin diese Bestimmung kommt im Notstand wieder ins Gedächtnis. Dürfen sich aber jetzt zwei Familien treffen, sagen wir mit je 2 Kindern? Das wären dann 8 Virenzentren auf einmal, darunter 4 Ratten. Der Bulle entscheidet gemäß seiner Logik oder der seines Teamleiters. Morgen kommen andere Regeln.

Logik

„Die Auflösung der Logik ist, gemäß den fundamentalen Interessen des neuen Herrschaftssystems, mit verschiedenen Mitteln betrieben worden, die operierten, indem sie sich stets gegenseitig Beistand leisteten. Mehrere dieser Mittel entstammen dem technischen Instrumentarium, die das Spektakel erprobt und popularisiert hat. Andere rühren eher von der Massenpsychologie der Unterwerfung her.

Der Fluss der Bilder reißt alles mit sich fort, und wiederum ist es ein anderer, der nach seinem Gutdünken dieses vereinfachte Resümee der sinnlich wahrnehmbaren Welt regiert; der bestimmt, wohin dieser Strom zu fließen hat und der den Rhythmus dessen angibt, was darin zur Geltung kommen soll, als ständige willkürliche Überraschung, keine Zeit zum Nachdenken gewährend und völlig unabhängig von dem, was der Zuschauer davon verstehen oder denken mag. In dieser konkreten Erfahrung der permanenten Unterwerfung liegt die psychologische Wurzel der allgemein vorherrschenden Zustimmung zu dem, was da ist, Zustimmung, die darauf hinausläuft, ihm ipso facto hinreichenden Wert zuzusprechen.

Was das Denkvermögen der heutigen Bevölkerung anbetrifft, so ist klar ersichtlich, dass die Hauptursache für dessen Dekadenz darin zu finden ist, dass keiner der im Spektakel gezeigten Diskurse Platz für eine Antwort lässt; und gesellschaftlich gebildet hatte sich die Logik nur über den Dialog. Eine weitere Ursache ist, dass mit dem wachsenden Respekt vor dem, was im Spektakel spricht und für wichtig, reich und glänzend, für die Autorität schlechthin gehalten wird, sich bei den Zuschauern die Neigung breitmacht, genauso unlogisch wie das Spektakel sein zu wollen, um einen individuellen Abglanz dieser Autorität zur Schau zu tragen. Schließlich ist Logik nicht so einfach, und niemand hat sie ihnen beibringen wollen. Ein Drogensüchtiger studiert nicht Logik: zum einen, weil er sie nicht braucht, und zum anderen, weil er nicht mehr die Möglichkeit dazu hat. Diese Trägheit des Zuschauers ist ebenfalls die jedes x-beliebigen intellektuellen Kaders, die des schnell herangebildeten Spezialisten, der in allen Fällen versuchen wird, die engen Grenzen seiner Kenntnisse dadurch zu kaschieren, dass er dogmatisch irgendein Argument wiederholt, hinter dem eine unlogische Autorität steht.“

Prognose

Das verschärfte Massensterben wird auch diesmal ausbleiben, aber das normale Sterben weitergehen. Niemand hat vor, in Zukunft genug Krankenhäuser zu bauen, damit sie nicht ständig überlaufen, oder sofort überall auf der Welt wenigstens die leicht vermeidbaren Krankheiten auszurotten. Und dann – wie sieht das Leben aus, wenn die Leute merken, daß die Wirtschaftskrise den Virus überlebt? Wie wird die Arbeit in Zukunft organisiert? Welche Rolle spielt der Staat. Schön wird es sicher nicht, das neue Akkumulationsregime. Aber das ist gegenwärtig niemanden klar, weil selbst die Verfügenden es höchstens in Grundzügen kennen. Aber die Verfügten täten gut daran, das wenigstens zu beobachten. Europa wird aber damit leben müssen, dass es abgewertet wird. Griechenland kennt das ja schon.

Obligatorische Distanzierung

Jetzt ist man schnell ein Virusleugner, wenn man – natürlich völlig dilettantisch – einige Gemeinplätze der Virologie studiert und diskutiert, wie sie eben von der liberalen virologischen Opposition immerhin angebracht werden und wurden. Wenn man eine solide Datenbasis für hysterische Entscheidungen einfordert, ist man schon so einer. Oft sind die, die einen der Virusleugnerei beschuldigen, selbst in kollektiven Märchen befangen, sie interessieren sich nicht für die Realität der Viren. Gesunder Körper wird durch ein auftretendes Supervirus zersetzt. Keiner denkt an Rosenberg bei solchen Illusionen. Man hat ja schon die Grippeimpfung nicht diskutieren können und so hilft in der gegenwärtigen Grippepanik kein Argument. Man bekommt auch selten ernste Gegenargumente zu hören. Wir hatten das ja schon oben: Logik entsteht im Dialog und Unlogik ist das Gebot der Stunde. Daraus folgt der Abbruch der Gespräche beinahe zwingend. Natürlich kann man noch miteinander reden. Es darf nur nicht allzuviel Bezug der Worte bestehen. Und dann haben wir letztlich immer den Tod verdrängt, und nun tauchen krude Vorstellungen darüber auf.

Aber, das sei doch auch gesagt: Wenn es jetzt eine besonders starke Grippe wird und tatsächlich das in den vergangenen Dekaden stark reduzierte Gesundheitswesen der eigentlich reichen Länder zusammenbricht – und es ist lokal tatsächlich teilweise zusammengebrochen -, also, selbst wenn die von den Statistikern so benamste Übersterblichkeit dank der Königsgrippe stark anwächst, so ist alles hier Gesagte dennoch im wesentlichen richtig: Mit solchen Leuten will man keine ernsthafte Pandemie durchstehen, wie man mit ihnen auch keine ernsthafte Wirtschaftskrise durchstehen kann. Und letztere immerhin leugnet niemand.

Fundstück

„Der menschliche Leib ist von Natur sterblich. Krankheiten können daher nicht ausbleiben. Warum wird der Mensch erst dem Arzte unterworfen, wenn er erkrankt, und nicht, wenn er gesund ist? Weil nicht nur die Krankheit, weil schon der Arzt ein Übel ist. Durch eine ärztliche Kuratel wäre das Leben als ein Übel und der menschliche Leib als Objekt der Behandlung für Medizinalkollegien anerkannt. Ist der Tod nicht wünschenswerter als ein Leben, das bloße Präventivmaßregel gegen den Tod? Gehört freie Bewegung nicht auch zum Leben? Was ist jede Krankheit als in seiner Freiheit gehemmtes Leben? Ein perpetuierlicher Arzt wäre eine Krankheit, an der man nicht einmal die Aussicht hätte, zu sterben, sondern zu leben. Mag das Leben sterben: der Tod darf nicht leben.“ (Karl Marx: Debatten über Preßfreiheit und Publikation der Landständischen Verhandlungen, Rheinische Zeitung, Nr. 132 vom 12. Mai 1842)

Sprache

Wir sind nun eine Herde. Herdenimmunität ist in aller Munde. Am Ende besteht die Frage darin, ob wir Lämmer oder Ziegen sind. Auch Durchseuchung der Gesellschaft findet man.

Liebe

Während die Zeitung Zeit noch online für eines ihrer lächerlichen Bücher mit dem Titel „Sex, der glücklich macht, kennt keine Normen“ wirbt, verkündet das New Yorker Department of Health:

„Hab Sex mit dir nahen Leuten. Du bist dein sicherster Sexpartner. Masturbation wird das COVID-19 nicht verbreiten, besonders wenn du vor und nach dem Sex deine Hände (und alle Sexspielzeuge) wenigstens 20 Sekunden mit Seife und Wasser wäschst. Der nächst sichere Sexpartner ist jemand mit dem du lebst. Naher Kontakt – inklusive Sex – nur mit einem kleinen Kreis von Leuten zu haben, hilft das COVID-19 an seiner Ausbreitung zu hindern. Du solltest nahen Kontakt – inklusive Sex – mit allen Leuten außerhalb deines Haushaltes vermeiden. Wenn du Sex mit anderen hast, habe so wenig Partner wie möglich.“

Ehe

Die Pärchen werden jetzt verquickt, endlich ziehen sie zusammen, endlich sind sie monogam. So manche Hölle entwickelt sich, manche Trennung wird vorbereitet. Alle sorgen sich um eine Zunahme der häuslichen Gewalt in Marzahn. Aber die Mittel der Mittelklasse, sich das Leben zu vermiesen, sind auch nicht ohne.

Die Alten

Das alles passiert wegen der Solidarität mit den alten Menschen. Hört man überall. Wirtschaftskrise++? „Den alten Mitbürgern zuliebe.“ Die mag jetzt endgültig keiner mehr besuchen? „Aber doch nur zu ihrem eigenen Schutz!“ Derweil gehen Anweisungen oder Richtlinien an die operierenden Ärzte rum: Wer wird noch behandelt und wer nicht.

Traumdeutung

Die Yogameister sagen ja schon länger, wir Europäer atmen zu schlecht. Jetzt machen sich alle Sorgen um Intubation. Die Welt als Beatmungsanlage. Aber warum meldet sich kein Freudianer zu Wort und entschlüsselt den Sinn der neualten Atemnot? Plötzlich identifizieren sich alle mit den alten Menschen. Plötzlich sind wir alle alt und es stimmt ja, dass Europa sehr alt ist. Die alten Menschen selbst – das ist ja bei Projektionen üblich – werden nicht gefragt. Der wahre Grund der Panik dürfte das ungelebte Leben in der Vergangenheit sein, gepaart mit einer nun beginnenden politökonomischen Krise und Umwälzung großer Ordnung. Die Angst vorm Virus ist die Rationalisierung. Die letzten Freudianer müßten also auch über den Grund der Hysterie reden und so schweigen sie lieber.

Wilhelm Reich

Am 3. November 1957 in einem US-Gefängnis gestorben. Die offizielle Todesursache lautet auf Herzversagen.

Nochmal Guy Debord

„Das Spektakel ist heute mit Gewissheit stärker als zuvor. Was tut es mit dieser zusätzlichen Stärke? Bis zu welchem, zuvor von ihm nicht erreichten Punkt ist es vorgedrungen? Welches sind, mit einem Wort, zurzeit seine Operationslinien? Das unbestimmte Gefühl, dass es sich hierbei um eine Art Blitzinvasion handelt, die die Leute dazu zwingt, ein äußerst verschiedenes Leben zu führen, ist mittlerweile weit verbreitet, wird aber eher wie eine unerklärte Veränderung des Klimas oder eines anderen natürlichen Gleichgewichts empfunden; eine Veränderung angesichts derer die Ignoranz lediglich weiß, dass sie nichts zu sagen hat. Hinzu kommt, dass viele darin eine, im Übrigen unvermeidbare, zivilisatorische Invasion sehen und sogar Lust haben, daran teilzunehmen. Wozu genau diese Eroberung dient und welchen Weg sie geht, wollen sie lieber nicht wissen.“ (Kommentare zur Gesellschaft des Spektakels, 1988)

China

Himmlisch war und ist die Propaganda in China. Erst steigen die Fälle durch systematische und exponentiell gesteigerte Molekulartests des Blutes. Dann gibt es einen Lockdown. Und keine Tests mehr und dadurch keine Neuansteckungen. Sofort wird gemeldet: Großer Erfolg. Die sich an sich ja angeblich wild verbreitende und angeblich sehr tödliche Seuche ist sofort unter Kontrolle. Die Sache ist so dumm, dass keiner lacht. Entweder müsste in China ein fortgesetztes Massensterben verschwiegen werden oder eben ein durchsichtiges Propagandamaneuver. Aber man hört eher, dass sie ihre Industrie langsam wieder ankurbeln und sich über das dank Saudiarabien doch sehr billige Öl freuen.

Korrektur

Die Zeitung Bild fragt: „Werden wir jetzt von Virologen regiert?“ Doch der Schein trügt. Es sind nicht Virologen, sondern einige von ihnen – an vorderster Front in Deutschland der unsympathische Drosten. Der hatte schon die Schweinegrippe erfunden und läßt sich gerade von der Herrschaft einspannen. Andere leisten schüchtern Opposition. Wodarg, ein Ehrenmann. Und in seinem Gefolge gibt es immerhin einige Videonachrichten anderer Virologen, Panikforscher, Epidemologen, Statistiker. Genannt sei noch die “in ihrer Ehre als Virologin” gepackte Prof. Dr. Karin Mölling, die sich früh bei Radio 1 äußern durfte – natürlich nicht ohne obligatorische Distanzierung bzw. Triggerwarnung: „Sofern das Interview den Eindruck erweckt hat, dass radioeins die Coronakrise verharmlost, möchten wir uns ausdrücklich dafür entschuldigen“. Einige aus der Masse lassen sich von solcher Gegeninformation sogar kurz aus der Ruhe bringen und so kursieren solche Videos oder Audios einen Augenblick im Netz, bis das Spektakel reagieren muß. Drosten sagt ohne Distanzierung des NDR, daß Wodarg irrt. Punkt. Alle sagen, dass Drosten gut argumentiert hat und schon ist die Totalität wieder geschlossen. Wodarg gilt für irre. Allein, dass er mit Eva Hermann redete… nachdem die FAZ ihn ablehnte. Andererseits gibt es auch international anerkannte Stimmen, die ähnlich argumentieren. Die jetzt noch ungültigen Argumente werden möglicherweise in der Hinterhand gehalten, falls man das Volk darüber informieren muß, dass es genauso plötzlich wie es zu „leben“ aufhören, dann auch wieder zu „leben“ anfangen muß. Die von Drosten eingeführte Wellenform bekommt jetzt einen neuen Sinn. Schreckensnachricht und Entwarnung oszillieren. Wo nicht diskutiert wird, kann man die Argumente beider Seiten als Begründung für Dekrete nehmen. Und so empfiehlt ein Teil der virologischen Opposition das verschärfte Tragen von Masken. Aber wer will das?

RKI, WHO

Alle guckten gebannt auf Naziskins in den 90ern. Jetzt guckten sie alle gebannt auf den sogenannten Rechtspopulismus. Die allgemeine Faschismusparanoia war der Möglichkeit eines neuen Faschismus nach dem Niedergang des Staatssozialismus geschuldet. Aber die Akteure wurden nie richtig bestimmt. Keiner hat ans RKI gedacht oder die WHO. Ansonsten haben wir hier natürlich Bundeswehr, Sondereinsatztruppen der Polizei, Bereitschaftspolizei, Polizei, Ordnungsamt, Technisches Hilfswerk, Feuerwehr, medizinisches Personal, nicht zu vergessen: die Bevölkerung in all ihren Berufen… Auch Hitler brauchte die SA erstmal kaum und eher im Vorspiel gegen die heute allerdings inexistente KPD. Aber sollte man Personal für extralegale Drecksarbeit brauchen, lassen die sich schnell rekrutieren, und da könnte das eine oder andere der jetzt sporadisch bestehenden Nazinetzwerke ggf. helfen. Ansonsten sollte man wirklich an das RKI und die WHO denken. Vielleicht auch an die Bill & Melissa mit ihrer schon seit Jahren verbreiteten Virusparanoia.

Geopolitik vulgo Verschwörungstheorie

Und warum nicht ein wenig wirre und stets falsche Verschwörungstheorie wagen. Aus der Vorvergangenheit klingt noch die Stimme der Frontfrau der Globalisten im Kopf nach: I want you to panic. Greta Thunfisch ist nun verschwunden, die Panik wird nun durch den Virus induziert, nicht durch das marode Klima. Auch Schulstreiks der jungen Klimaretter sind nun schwieriger geworden. Im Grunde ist der Virus die Antwort der Antiglobalisten auf die Klimahysterie der Globalisten. Xi hat ihn benutzt, um sein himmlisches Mandat in Wuhan umzusetzen, Trump nutzt es, um die Demokraten auflaufen zu lassen. New York und die Westküste sind im Lockdown und verkaufen das als Opposition gegen Trump. Der Virus soll die längst entschiedene Wahl doch noch umentscheiden. Der Witz ist, dass die Antiglobalisten die Globalisten mit ihren eigenen Waffen schlagen, letztere können sich dem Angebot nicht entziehen, das ihrem bisherigen Psychologie- und Propagadamuster entspricht. Sie müssen die Panik verbreiten, die Maßnahmen treffen, die ihren Abgang beschleunigen. Der vorgetäuschte Liberalismus der Antitrumpianer blamiert sich auf die eine oder andere Weise und die schon jetzt entschiedene Wahl kann eigentlich verschoben werden: Leute wie Trump und Bolsonaro, Salvini und wer noch alles werden sich am Ende darauf herausreden können, sie hätten ja nie an die dann möglicherweise statistisch widerlegte Gefährlichkeit des Virus geglaubt, und das Restrisiko wäre dann doch andererseits mit den neuen Möglichkeiten des Crowd-Control bequem unter Kontrolle gebracht worden. Vorbild Wuhan, wo man die unverfrorensten statistischen Lügen mit den unverfrorensten Massnahmen verband. Und nun kommen auch die ersten entwarnenden Studien (1) (2): Es wären halt doch viel mehr Infizierte gewesen und die Sterberate des Virus nicht höher als bei anderen dieser Grippeviren. Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und unter uns, diese Studien sind viel wissenschaftlicher als das Gerede von Drosten et al.

Greta Thunfisch

Greta Thunfisch selbst wiederum behauptet auf diesem Instagram, sie hätte diese Königsgrippe. Zwar habe sich sich fast gar nicht krank gefühlt – „I almost didn’t feel ill – und getestet wurde sie auch nicht, aber da sie nun immer schon wollte, daß wir uns einigen sogenannten Experten unterwerfen, sagt Greta jetzt: „Folgt den Ratschlägen von Experten und euren örtlichen Autoritäten und #StayAtHome“. Jetzt wo der autoritäre Kern ihrer Rede offen liegt, versteht man auch endgültig die Quarantäneelterngeneration, die ihr zuklatschte.

Obligatorische Distanzierung II

Das, was wie eine Verschwörung aussieht, kann auch die Resultante lauter einzelner Neurosen sein. Jeder ist sich selbst verrückt und schwups ist auch das Ganze verrückt. Marx, Kapital, Band 1, Kapitel 4. Oder auch: Die NWO (Neue Weltordnung), das sind wir alle, Greta wird nicht bezahlt und macht es dennoch. Aber es sei doch angemerkt: Es gibt schon auch die Politik. Die Politiker verstehen in der Regel wohl auch nur soviel von Politik wie die Virologen von den Viren. Trotzdem findet der Autor dieser Bagatellen, daß Xi, Trump und Putin bislang fachlich unterschätzt wurden. Sie wissen besser Bescheid, als gerade etwa Merkel und ihr Stab. Letztere hatte auch ihre Zeit und war schon gut, aber jetzt, da sie schon länger außer Kurs gesetzt wurde, wirkt sie nicht mehr bei der Sache. Macron immerhin hat in einer wichtigen Rede vor seinen Botschaftern am 27. August letzten Jahr die Richtung angezeigt (Rußland) und jetzt mehr Schneid. Johnson wieder ist der ruhigste Europäer. Sein Brexit bekommt jetzt die virale Bestätigung.

Europa

Russland leistet Seuchenhilfe in Italien. Mit der Umsetzung ist das russische Verteidigungsministerium beauftragt worden.

Kommender Kompromiß

Da Globalisten und Antiglobalisten dann doch einfach nur spektakuläre und schlechte Ausdrücke für verschiedene Formen der gleichen Herrschaft sind und beide Formen der gleichen allgemeinen Dynamik unterliegen, werden sie sich einigen und kongruieren. Die Technokratie wird sich durchsetzen, selbst Trump bald alt aussehen, der Merkel ähnlicher, als einem lieb war. Integriertes Spektakel. Die momentan etwas gespaltene Elite der USA wird doch zusammenarbeiten und sofort durchgreifen, spätestens sollte es zu Unruhe kommen. Überhaupt gibt es den alten Gegensatz von Demokratie und Diktatur nicht mehr und so auch nicht den Gegensatz etwa von Demokraten und Republikanern, Freihändlern und Protektionisten, Google und Koch-Brüder und was einem sonst so einfällt. Schon der elende Gegensatz zwischen Brexitern und Remainern im Vereinigten Königreich war nur möglich, weil man die bemerkenswerten Plünderungen von 2011 vergessen wollte.

Flatten the curve

Die neue, sich erst kristallisierende Herrschaft wird dann den Virus vergessen und den Ausnahmezustand behalten. Angewendet allerdings nach dem neuen Flatten-The-Curve-Prinzip, immer schön in großen oder kleinen Dosen. Nie zu viel davon und nie zu wenig. Stets lokal dosiert und immer wieder mit temporären Lockerungen und immer mit den Verweis auf die eigene Sicherheit. Neue Viren können auch wieder auftauchen, Hygiene wird sicher zunehmend wichtig, aber die wahren Viren sind natürlich die Eruptionen des Sozialgefüges. Die Arbeitslosenstatistik oder etwa die Eroberung des Arc de Triumphe durch gelb bekleidetes Volk. Da war doch was in Ferguson?

Skalierung

Und so arbeitet die Ordnungsmacht skaliert. Hier in Berlin, der Stadt der gemütlichen Lämmer, ist der Gips ganz sanft, man setzt auf Einsicht und höchstens die Letzten beißen die Hunde. Es „wundert mich nicht“, sagt der Berlinreporter der NZZ am 29.3., „dass ich ausser im Görlitzer Park keine Polizisten gesehen habe. Fast alle Berliner, so scheint es, sind daheim. Selbst in den öffentlichen Verkehrsmitteln halten die Menschen die Abstandsregeln ein, ganz ohne Polizeipräsenz.“ In den Parks dann doch zur Sicherheit etwas Präsenz: „Zu fünft laufen die Beamten den asphaltierten Weg entlang. Sie beobachten aufmerksam, deuten auf manche Personen im Park, müssen aber nirgends eingreifen. Die Verbote scheinen bei den Menschen angekommen zu sein.“ Aber dann ist man in Berlin „strenger als in Stockholm, wo Menschen noch dicht nebeneinander in Cafés sitzen dürfen“. In Frankreich dagegen zieht man die Zügel etwas straffer. Und Italien und Spanien müssen die Ausnahme mit voller Wucht erdulden. In Italien gibt es auch Gefängnisaufruhr und die permanente Wirtschaftskrise ist dort schon länger recht virulent. In Suhl (Osten von Deutschland) wiederum macht die Polizei ihre alle Nase lang übliche Razzia in einem unter anderen von der Bundeswehr betriebenen Flüchtlingslager, aber diesmal nicht mit Verweis auf wütende Knüppelmuslimverhetzte, sondern wegen illegalem Verlassen der Unterkunft durch einige Jugendliche. Man hatte nämlich über 500 Flüchtlinge in Quarantäne gesetzt. Zur eigenen Gesundheit müssten die Unruhestifter isoliert werden. Einzeln werden sie abgeführt. Jetzt fragen sich die seelenlosen Juristen, ob man sie nicht in ein Justizspital verwahren könnte, obwohl es ja nicht legal wäre, dass zu tun.

Internet

Das Netz ist überlastet. Bekommen wir jetzt das neue chinesische 5G-Netz, mit höherer Bandbreite für den Pornokonsum wie für die Games, für Homeschooling und nun immer wieder flackernde Geschäftstreffen und natürlich nur zufällig für die Überwachung durch die Apparate, die Steuerung von Drohnen?

Ferner entwickelt das RKI „freiwillige“ Apps zur Kontrolle der Begegnungen. Funkzellen sind ungenau, aber mit den GPS-Daten und den neuen Mechanismen der Messung der Eigenbewegung dieser kleinen verfluchten Dinger geht es genau, und man kann jeden Kontakt sofort bestimmen und an einen Zentralcomputer schicken. Natürlich anonym. Andere Länder koppeln die Ausgangsperre an Ampelfarben eines neuen Programms für tragbare Minicomputer, die dem massenhaften Individuum anzeigen, ob es nach Hause gehen muß. Oder ob er noch Transportmittel benutzen darf, einkaufen etc. Der von einer künstlichen Intelligenz berechnete Zustand der App ist dann an automatische Türen gekoppelt. Falls man nicht noch analoge Kontrolleure einsetzt.

In einigen Ländern gibt es auch digitale Pranger. Listen von Leuten, die das Kontaktverbot brechen, im Internet. Man könnte das an Smartphones koppeln.

Alle Videos zum Thema Corona werden von Youtube mit einem Link auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Verblödung versehen. Egal, ob da jemand klickt: Sie machen damit klar, dass sie alle diese Videos auch zensieren können. Dasselbe gilt für Blogs. Flugschriften, Plakate könnten in diesem Ambiente eine Renaissance erfahren.

Auch der Geldverkehr bekommt nun einen sogenannten Digitalisierungsschub, Bargeld wird rar. Damit kommt dessen Funktion als direktes Kontrollinstrument rein in Erscheinung. (Sie war nebenbei Karl Marx im ersten Kapitel des Kapitals noch unbekannt. Gnade der frühen Geburt. Anmerkung: Der Marxist neben mir sagt, ich solle die Grundrisse besser lesen und würde auch diese Funktion irgendwo finden.)

Ausblick

Wie lange der gegenwärtige Drill der Bevölkerung, Stresstest der Vereinzelten und die große Polizeiübung dauern werden, ist unklar. Die Unklarheit ist Teil der Probe. Indem inzwischen die italienische Gesundheitsbehörde den größten Unfug eingestehen muss und auch die Propaganda der Chinesen zu Wuhan durch differenziertere Untersuchungen relativiert wird und also vieles dafür spricht, dass die Epidemie bald für beendigt erklärt wird, könnte auch diese erste Übung bald enden. Aber nicht zu bald. Und die Spuren werden tief sein. Zumal ein Drill den nächsten will.

30.3.2020

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