Gosse

Das Elend mit den Marx-Schulen, Marx-Tagungen, Marx-Büchern etc.

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29 Okt , 2017  

Nach 3 Tagen Marx-Herbstschule fühle ich mich furchtbar depressiv. Der erste Tag war todlangweilig, der zweite der beste aber trotzdem mäßig (Castro-Varela und Dhawan haben das Elend erträglich gemacht; irgendwie auch eine Form von Carearbeit… auch wenn sie das gar nicht so intendiert haben), der dritte Tag war zum … ich müsste dafür eine Triggerwarnung aussprechen (aber trotzdem noch besser als der erste Tag). Den vierten Tag spar ich mir. Uff.

Als besondere Zugabe gab es mehrere mikrosexistische und mindestens einen mikrorassistischen Zwischenall (psychoanalytisch ließe sich von Symptomen sprechen) bei den Diskussionen. Erwartbarerweise war das Marxpatriarchat und das ihm anhängende Hegelpatriarchat sehr präsent. Irgendwie wäre es intellektueller, da einer emotionalen Militanz zuschlagbar, gewesen, eine der Referent*innen wäre bei den entsprechenden Wortmeldungen ausgerastet, vom Podium runtergesprungen und hätte einen der besagten Typen im Namen des Feminismus, der Sexualität (jene, die dabei waren, wissen ganz genau, was ich meine), der in Lagern getöteten PoCs/Migrant*innen, der Subalternen oder sonstwas verprügelt und dabei entsprechende Parolen geschrien. …

Was will ich damit sagen? Nun, es fehlt einfach der Todestrieb und dessen Subversion. Die Referent*innen hatten auch merklich stellenweise überhaupt keine Lust so richtig da zu sein. Again hätten die namenlosen Leichen zahlloser Blogs, Tumblr, FB-Accounts usw. ( = die ganzen bereits im kreditiven Vorschuss ermordeten Reproduktionsintellektuellen, die die Arbeit derjenigen mit Namen und Existenz multiplizieren, rezipieren, kritisieren und weiterentwickeln) wahrscheinlich einen interessanteren Job gemacht. Rein schon aus Gründen des Todestriebes. Besonders seltsam war die Szene mit der/dem “Hairdresser”, die im Effekt selbst ein dezentes migrantisch-klassistisches Othering re/produziert hat, was bei mir einmal mehr Fragen bzgl. institutioneller Wissenschaft und dem unendlichen Ekel, die diese bei mir hervorruft, aufwirft. Wahrscheinlich war es auch jene Institutionalisierung, die für die Lustlosigkeit der Referent*innen gesorgt hat. Überarbeitung und so.

Was bleibt, ist der Wunsch und die hyperreale Fantasie meinerseits, dass Castro-Varela, Dhawan, Reuschling, Cooper und Co. mich doch eines Tages in Grund und Boden für diesen bzw. aufgrund dieses Facebookpost/s kritisieren. Sie dürfen mich auch übel beschimpfen, gerne auch mit nicht besondes emanzipatorischen Schimpfwörtern – Hauptsache Todestrieb. Hauptsache das Reale kommt endlich durch. Hauptsache wir alle müssen in Zukunft solche schlimmen Veranstaltungen nicht mehr ertragen. Nur über das Verprügeln würde ich vorher gerne nochmal reden wollen, da ich eine detaillierte Auflistung möchte, die begründet, warum meine Arbeit, mein Diskurs schlechter sein soll als der von mit Titeln und Positionen ausgestatteten Intellektuellen, die zwar sogar manchmal aus der Arbeiter*innenklasse kommen, ihr aber nicht mehr angehören.

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