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Kommunismus oder Barbarei

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24 Okt , 2016  

»Ob den Linken das nun gefällt oder nicht: Sie waren früher alle Marxisten. Zumindest hat keiner gegen dies Etikett protestiert. Hätte er, würde man ihn kennen, denn er wäre aufgefallen. Heute sind die vielen Marxisten alle verschwunden. Warum wird dieser Umstand nicht als erklärungsbedürftig empfunden?«

»Aber es ist, als seien die vertriebenen Intellektuellen nicht bloß des Bürgerrechts, sondern auch des Verstandes beraubt worden. Denken, die einzige Verhaltensweise, die ihnen anstünde, ist in Mißkredit geraten. Der »jüdisch-hegelianische Jargon«, der einst aus London bis zur deutschen Linken drang und schon damals in den Brustton von Gewerkschaftsfunktionären übertragen werden mußte, gilt jetzt als vollends überspannt. Aufatmend werfen sie die unbequeme Waffe weg und kehren zum Neuhumanismus, zu Goethes Persönlichkeit, zum wahren Deutschland und anderem Kulturgut zurück. Die internationale Solidarität habe versagt. Weil die Weltrevolution nicht eintrat, seien die theoretischen Gedanken nichts wert, nach denen sie als Rettung aus der Barbarei erschien. Jetzt, da es wirklich so gekommen ist, da Harmonie und Progressionsmöglichkeit der kapitalistischen Gesellschaft sich als die Illusion entlarven, die die Kritik der freien Marktwirtschaft seit je denunzierte, da trotz und wegen des technischen Fortschritts die Krise, wie vorausgesagt, permanent geworden ist und die Nachfahren der freien Unternehmer ihre Stellung nur durch Abschaffung der bürgerlichen Freiheit behaupten können, jetzt preisen die literarischen Gegner der totalitären Gesellschaft den Zustand, dem sie ihr Dasein verdankt, und verleugnen die Theorie, die sein Geheimnis aussprach, als es noch Zeit war. Daß die Emigranten der Welt, die den Faschismus aus sich erzeugt, gerade dort den Spiegel vorhalten, wo sie ihnen noch Asyl gewährt, kann niemand verlangen. Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen. Die englischen Gastfreunde von heute machen bessere Erfahrungen als Friedrich mit dem Lästermaul Voltaire. Mag das Loblied, das die Intellektuellen auf den Liberalismus anstimmen, oft schon zu spät kommen, da die Länder rascher in totalitäre sich umwandeln, als die Bücher Verleger finden, sie geben die Hoffnung nicht auf, daß irgendwo die Reformierung des westlichen Kapitalismus glimpflicher sich abspielt als die des deutschen und gut empfohlene Freunde doch noch eine Zukunft haben. Aber die totalitäre Ordnung ist nichts anderes als ihre Vorgängerin, die ihre Hemmungen verloren hat. Wie alte Leute zuweilen so böse werden, wie sie im Grunde immer waren, nimmt die Klassenherrschaft am Ende der Epoche die Form der Volksgemeinschaft an. Der Mythos der Interessenharmonie hat die Theorie zerstört; sie hat den liberalistischen Wirtschaftsprozeß als Reproduktion von Herrschaftsverhältnissen vermittels freier Verträge dargestellt, die durch die Ungleichheit des Eigentums erzwungen werden. Die Vermittlung wird jetzt abgeschafft. Der Faschismus ist die Wahrheit der modernen Gesellschaft, die von der Theorie von Anfang an getroffen war. Er fixiert die extremen Unterschiede, die das Wertgesetz am Ende reproduzierte.«
Max Horkheimer: Die Juden und Europa, 1939

Zur eigenen politischen Biographie verhalten die hiesigen Intellektuellen sich neuerdings wieder mal, als stünden sie schon um Papiere an, wobei im Unterschied zu 1939 nur unklar ist, ob sie sich für ein US-Dauervisum oder für ein Amt im großdeutschen Staat bewerben. Vorbeugend sorgen sie sich rückwirkend und hoffentlich vergebens um ihre Zukunft in der veränderten Welt. Zwar ist es so, daß Marx, Horkheimer, Adorno, Fanon seit Jahren in den Regalen verstauben und eigentlich niemand Sehnsucht zeigt nach der revolutionären Umwälzung der kapitalistischen Gesellschaft. Nichtsdestotrotz fordern lauter mustergültig Resozialisierte einander reihum dazu auf, von den verhängnisvollen alten Irrtümern abzulassen. Durch ihr Verhalten bestätigen sie freilich erst die verpönte Theorie, welche sie durch die Praxis dementierten, als sie sich noch zu ihr bekannten. Sie liefern den lebenden Beweis für die platteste Version der These, wonach das gesellschaftliche Sein das Bewußtsein bestimmt. Die neue Geistigkeit, die altes Bildungsgeschwätz recycelt und langsam aber sicher völkisch wird, weil sie vom Klassenkampf ums Mehrprodukt nichts wissen will, seit die Eliten aller Länder sich gegen die Masse der Bevölkerung in räuberischer Absicht verschworen haben, ist materialistischer Determinismus auf eine fast schon lachhaft offensichtliche Weise.

Wenn jeder jeden mahnt, zu unterlassen, was keiner tut oder künftig tun will, heißt der Appell, daß die Vergangenheit frisiert werden soll. Es reicht den vormals Linksradikalen nicht, daß sie mit dem Alter wurden, was sie sind; sie wollen kraft Einsicht und freiem Entschluß geworden oder noch besser schon immer gewesen sein, was gesellschaftlicher Druck und eigene Nachgiebigkeit aus ihnen machten. Gemeinsam mit dem früheren Gegner feiern sie ihre eigene politische und moralische Niederlage als strahlenden Sieg der Vernunft. Wenigstens auf seine Schlauheit will man sich was einbilden können, wenn man schon sonst zur Selbstachtung keinen Grund mehr sieht. Deshalb legen die Konformisten Wert darauf, als Ketzer zu erscheinen. Je lauter einer mit den Wölfen heult, desto lieber mag er sich dabei als Tabubrecher und Querdenker bewundern. Je älter das Rezept, desto penetranter spielt sich sein Anpreiser als Neuerer auf.

Als hätten ergrünte Linke nicht immer schon vom Ausverkauf ihrer Überzeugungen und Prinzipien gelebt, rät etwa Vordenker Hubert Kleinert seinen Parteifreunden nun zur Hergabe von Dingen, die sie längst nicht mehr besitzen. »Gesinnungspazifismus und Menschenrechtsuniversalismus, die basisdemokratischen Illusionen wie die Selbstverwirklichungsimpulse sollen dabei ebenso auf der Strecke bleiben wie jene >schlechten Achtundsechziger-Traditionen namens Rechthaberei und Dogmatismus<«, faßt die »FAZ« (1.12.92) Kleinerts Empfehlungen zusammen. Nachträglich deklarieren sie den Opportunismus zum Programm. Der zukunftsweisende Sinn des Tricks besteht darin, das Mitläufertum in Gesinnungstäterschaft zu verwandeln, weil der neue Staat Leute braucht, die zum Jagen keiner tragen muß. Das Ziel ist erreicht, wenn im »Spiegel« (1/93) ein Frankfurter Soziologieprofessor beweisen darf, daß in den linken Intellektuellen Talente schlummern, neben welchen das von Schönhuber verblaßt. Der Volksfreund auf dem Lehrstuhl zeigt Verständnis für den Zonenmob, der sich angeblich die Multikulti-Moral der BRD nicht aufdrängen lassen wolle:

Gegen diese moralische Fremdbestimmung wehren sich die jugendlichen Gewalttäter stellvertretend für das Volk. Die eigentlichen Adressaten des Protests sind weit weg, in Bonn. Der Westen selbst, in seiner Dünkelhaftigkeit, ist nicht greifbar und ansprechbar. So ziehen die Enttäuschten dorthin, wo er seinen Geßlerhut aufgepflanzt hat, Symbol seiner Fremdherrschaft: ein Asylbewerberheim… Pragmatische Maßnahmen allein helfen jetzt wohl nicht mehr. Gefordert sind symbolische Akte. Solidarität mit den Bedrohten und Zusammenstehen gegen die Gewalt ist das eine. Änderung des Grundgesetzes und bedingte Schließung der Grenzen das andere. Das Volk sieht darin auch eine Anerkennung seiner selbst. Auf dieser Grundlage kann man über Einwanderung reden. Vielleicht muß dazu erst eine Generation von Politikern und Intellektuellen heranwachsen, die das eigene Volk unverkrampft annimmt, anstatt es auf immer anderen Altären des Nationalismus und des Sozialismus, des Multikulturalismus und des Universalismus zu opfern.

Daß er im »Spiegel« nur wiederkäut, was seine Bremer Standesgenossin Sibylle Tönnies am 23.12.92 in der »FAZ« ausgespuckt hatte – den erklärten Willen der Elite zur Verbrüderung mit dem Mob im Namen der völkischen Einheit – hindert den Kathederfaschisten nicht daran, als Einzelgänger zu posieren. Das Phänomen einer Masse ohne deren äußeres Erscheinungsbild stellt sich unter Intellektuellen dergestalt her, daß zahllose Autisten simultan von sich selber sagen: Ich bin der einsame Rufer in der Wüste, ein unabhängiger Geist mit Mut zur eigenen Meinung. Die hämmert man sich um so brutaler ein, je schwerer sie den Verstand beleidigt. Nur fünfmal oder fünfzigmal etwa von der Zivilgesellschaft statt vom Spätkapitalismus zu sprechen, genügt den Umschülern nicht, wenn sie beflissen die neuen Vokabeln pauken, durch deren Gebrauch die Anpassungswilligen öffentlich ihre Wendigkeit bekunden. Fünfhundertmal aufsagen müssen die Kandidaten ihren Spruch, denn das Prinzip der Propaganda wie der Autosuggestion ist die unermüdliche Wiederholung.

Absurde, an Orwells Brave New World erinnernde Züge nehmen die Bemühungen der Neusprech übenden Intellektuellen an, weil sie ihre Vergangenheit umarbeiten. Sie eliminieren jenen Teil, der aus den Erinnerungen vom Alltag aufgeriebener und desillusionierter Leute an jene kurze Zeit bestand, in der sie die Kraft hatten, zu wollen und zu wünschen. Man nahm es früher dankbar hin, einmal revolutionäre Ideen besessen zu haben, und tröstete sich über den Verlust hinweg mit der Ausrede, es habe kein Herz, wer mit 20 nicht Kommunist war, und keinen Verstand, wer mit 40 immer noch einer ist. Die Lüge half, die Resignation ohne Verbitterung zu ertragen.

Mit solcher Toleranz ist es vorbei, weil der Gesellschaftszustand keine Sentimentalitäten duldet. Als Idol für die Jugend der gebildeten und der begüterten Stände mochte der Kommunismus im Westen durchgehen, solange es noch den Ostblock gab. Seit dessen Zusammenbruch aber ist der Kommunismus keine romantische Sehnsucht mehr, die ihre Schönheit verlöre, wenn sie in Erfüllung ginge. Er ist, wie die Gegenprobe zeigt, erwiesenermaßen die einzige realistische Alternative zur totalen Barbarei. Daß er zugleich die unwahrscheinlichste Alternative ist, widerspricht dieser Behauptung nicht. In einer Wüste zufällig Wasser zu finden ist schier aussichtlos, trotzdem hat der Umherirrende keine andere Chance.

Nur Geisteskranke werden über solche Gewißheit vorbehaltlos jubeln können. Von Abenteuern in fernen, fremden Ländern zu träumen, die man nach menschlichem Ermessen nie bereisen wird, ist ein Gefühl. Ein völlig anderes ist es, wenn man plötzlich vor der Abreise steht. In diesem Moment aufzugeben kann richtig sein, wenn die realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu zwingt. Doch brauchen Intellektuelle weder Helden oder Kämpfer zu sein, wofür auch immer, noch physische Tapferkeit vor dem Feind zu beweisen. Die einzige Art Mut, die man von ihnen verlangen kann, besteht darin, die Wahrheit zu denken und zu sagen, wenn damit keine unmittelbaren Gefahren für Leib und Leben verbunden sind. Die simple und offenkundige Wahrheit heute ist, daß selbst der von kapitalistischer Bedrohung und deutscher Verwüstung entstellte Kommunismus im Ostblock ein Segen war und sein Zusammenbruch eine Katastrophe.

Wenn diese Wahrheit von den Intellektuellen geleugnet wird, ohne daß sie dabei unter Zwang stünden, so mag dies auch damit zusammenhängen, daß jene, die Anfang der 70er Jahre vom Sozialismus beigeistert waren, mittlerweile in einem Alter sind, wo das bürgerliche Subjekt – und dessen spätkapitalistischer Abklatsch erst recht – in einem mentalen Formtief steckt. Wie es sich äußert und woher es stammt, haben Adorno und Horkheimer erforscht und den Normalfall in der »Dialektik der Aufklärung« beschrieben, unter dem Titel »Gezeichnet«:

Im Alter von 40 bis 50 Jahren pflegen Menschen eine seltsame Erfahrung zu machen. Sie entdecken, daß die meisten derer, mit denen sie aufgewachsen sind und Kontakt behielten, Störungen der Gewohnheiten und des Bewußtseins zeigen. Einer läßt in der Arbeit so nach, daß sein Geschäft verkommt, einer zerstört seine Ehe, ohne daßdie Schuld bei der Frau läge, einer begehtUnterschlagungen. Aber auch die, bei de-nen einschneidende Ereignisse nicht eintreten, tragen Anzeichen von Dekomposition. Die Unterhaltung mit ihnen wird schal, bramarbasierend, faselig. Während der Alternde früher auch von den anderen geistigen Elan empfing, erfährt er sich jetzt als den einzigen fast, der freiwillig ein sachliches Interesse zeigt.

Zu Beginn ist er geneigt, die Entwicklung seiner Altersgenossen als widrigen Zufall anzusehen. Gerade sie haben sich zum Schlechten verändert. Vielleicht liegt es an der Generation und ihrem besonderen äußeren Schicksal. Schließlich entdeckt er, daß die Erfahrung ihm vertraut ist, nur aus einem anderen Aspekt: dem der Jugend gegenüber den Erwachsenen. War er damals nicht überzeugt, daß bei diesem und jenem Lehrer, den Onkeln und Tanten, Freunden der Eltern, später bei den Professoren der Universität oder dem Chef des Lehrlings etwas nicht stimmte? Sei es, daß sie einen lächerlichen verrückten Zug aufwiesen, sei es, daß ihre Gegenwart besonders öde, lästig, enttäuschend war.

Damals machte er sich keine Gedanken, nahm die Inferiorität der Erwachsenen einfach als Naturtatsache hin. Jetzt wird ihm bestätigt: unter den gegebenen Verhältnissen führt der Vollzug der bloßen Existenz bei Erhaltung einzelner Fertigkeiten, technischer oder intellektueller, schon im Mannesalter zum Kretinismus. Auch die Weltmännischen sind nicht ausgenommen. Es ist, als ob die Menschen zur Strafe dafür, daß sie die Hoffnungen ihrer Jugend verraten und sich in der Welt einleben, mit frühzeitigem Verfall geschlagen würden.

Machtlosigkeit gegen den normalen Verfall aber ist kein Freibrief dafür, ihn eigens zu forcieren, indem man den Verrat vorsätzlich begeht. Vor einem Jahr etwa hat Hermann L. Gremliza in einem Interview erläutert, warum der Zusammenbruch der Sowjetunion der falsche Anlaß und der falsche Zeitpunkt für gestandene Männer im Westen ist, ihrer Jugendliebe zum Kommunismus zu entsagen. Sinngemäß: Der Kommunismus, als er noch an der Macht war, hat es den Linken leicht gemacht, ihre Meinung radikal zu überdenken und zu ändern. Anlaß zum Übertritt in die CSU gab es oft genug: Überfall auf die Tschechoslowakei, Archipel Gulag etc. Wer aber damals nicht konvertierte, soll sich heute nicht mit neuen Einsichten melden. Selbst wenn sie echt sind, bedeuten sie nichts, denn sie entbinden keinen davon, die Konsequenzen früherer Irrtümer zu tragen. Fällt ihm nach der Entmachtung des Kommunismus erst auf, daß er dessen Grundsätze idiotisch fand, muß er die Kröte schlucken. Nur solange sie bei Kräften sind, kann man sich von Überzeugungen, Personen, Gruppen trennen. Sind die Eltern im Altersheim, ist der Zeitpunkt für die Emanzipation von ihnen verpaßt. So hat amüsanterweise der unerwartet schnelle Zusammenbruch des Ostblocks im Westen manchen Bund fürs Leben geknüpft. Da strampeln die Linken sich wie die Wilden ab, um vom Kommunismus loszukommen, und führen sich dabei wie die alten Kommunisten auf, denen von oben mal wieder ein Richtungswechsel verordnet wurde. Am Ende sehen sie wie Joschka Fischer aus, dessen Physiognomie die vielen Metamorphosen nicht vertrug.

Kaum weniger gruselig als Fischer im Fernsehen freilich ist die Vorstellung, es liefen irgendwann alle, die es damals taten, wieder im Che Guevara-Look herum, und sie riefen dabei die alten Parolen: eine Gespensterparade, ähnlich der, zu welcher die Königstreuen und die Frommen neuerdings im Ostblock aufmarschieren. In welchem Gefrierfach, fragt man sich, haben diese lebenden Mumien die letzten 40 oder 70 Jahre gesteckt, und wer hat sie dann alle auf einmal wieder aufgetaut. Zur gleichen Frage könnte einmal Anlaß geben, wer Gremlizas Überlegung als Verhaltensrezept nimmt: Da bleiben welche 20 Jahre dem Kommunismus treu und tapern vielleicht irgendwann wieder über den Roten Platz und krächzen mit greiser Stimme die Internationale.

Fürs Festhalten an den alten Überzeugungen sich zu entscheiden bedeutet heute ferner, daß man sich einer Situation aussetzt, wie sie Hannah Arendt aus der NS-Zeit beschreibt:

Gewiß war es nicht leicht, dem Druck eines Alltagslebens standzuhalten, das von den Doktrinen und den Praktiken der Nazis völlig durchdrungen war. Die Situation eines Nazigegners ähnelte dem Schicksal eines normalen Menschen, der zufällig in eine Nervenheilanstalt gesteckt wird, in der alle Insassen an ein und derselben Wahnvorstellung leiden: Unter solchen Umständen wird es schwierig, seinen eigenen Sinnen noch zu trauen. Und es bestand die dauernde Belastung, sich gemäß den Regeln der kranken Umgebung verhalten zu müssen, die schließlich die einzig greifbare Realität war, in welcher es sich ein Mensch niemals leisten durfte, den Orientierungssinn zu verlieren. Diese Situation verlangte ein hellwaches Bewußtsein der gesamten eigenen Existenz, eine Aufmerksamkeit, die niemals in die automatischen Reaktionen zurückfallen durfte, mit denen wir den Alltag meistern. Daß solche automatischen Reaktionen ausbleiben, rührt hauptsächlich von der Angst vor einer falschen Anpassung her.

Ein klarer Fall also, wie es scheint. Nur ist die Situation des einzigen Normalen unter tausend Irren äußerlich von der des einzigen Irren unter tausend Normalen nicht zu unterscheiden. Vom Naturell her ist der Nazigegner den schrulligen Käuzen verwandt, die unbeirrt von der Gegenwart 40 Jahre lang Royalisten blieben. Der Unterschied ist nur, daß die Nazigegner recht hatten. Der Klärung der Frage, wer heute recht hat, sollen die folgenden Fragmente dienen.

Die Linke und der Ostblock

Die Linke, schrieb SPD-Funktionär Peter Glotz in der »FAZ« (20.11.92), müsse »ihre psychischen Hemmungen gegenüber Wirtschaftsindividualismus, Handelsgeist und der Figur des Unternehmers überwinden«. Forscher, kühner sollten die Genossen sein, aber nicht im Kampf gegen den Klassenfeind. Mehr Temperament sollten sie vielmehr bei der Umarmung des Gegners zeigen, denn: »1989 wurde die These, eine Kollektivwirtschaft sei der kapitalistischen ökonomisch überlegen, endgültig widerlegt.«

Da möchte einer mit der Zeit gehen. Aber die ist ihm voraus, und er kommt zu spät. Während Glotz Kohls Vertrauen in die Überlegenheit der freien Marktwirtschaft zur Nachahmung empfiehlt, fängt Kohl gerade an, sich für den Staatsinterventionismus zu erwärmen. Während der Sozialdemokrat mit dem Eifer des Frischbekehrten das Kapital als ökonomischen Weltmeister aller Klassen rühmt, meint ein Kapitalist wie der Bahn-Chef Heinz Dürr zur Lage in den neuen Bundesländern: »Die Marktwirtschaft hilft uns hier kurzfristig nicht mehr weiter.« (»Stuttgarter Zeitung«, 4.12.92). Die »Zeit« (5.12.92) titelt: »Das Vertrauen in den Markt verblaßt.« Und während im Feuilleton der »FAZ« unter der Rubrik »What´s left?« am 3.12.92 ein Altlinker meinte: »Die europäische Linke hat sich längst mit dem Kapitalismus versöhnt«, waren im Wirtschaftsteil des Blattes am 28.11.92 schon Zweifel angemeldet worden, ob der Kapitalismus in Rußland funktionieren werde:

Doch die Erwartungen wurden enttäuscht: die Produktion wurde nicht angekurbelt, sondern fiel in wachsendem Tempo, der Rubel trieb in die Hyperinflation, Löhne und Renten fielen immer weiter hinter den Preisgalopp zurück. Dringend nötige Investitionen blieben aus, weil die Bedingungen dafür nicht geklärt sind. Sehr hohe Einkommens- und Mehrwertsteuern führten zu einer gigantischen Kapitalflucht und Steuerhinterziehung. Wirtschaftskriminalität, Verbrechen und Korruption bis in die höchsten Etagen der Macht hinauf stiegen sprunghaft. Viele Betriebe, vor allem in der Industrie, stehen still. Es droht eine Massenarbeitslosigkeit. Immer breitere Kreise der Bevölkerung versinken in Armut und Elend.

Tatsache ist, daß seit dem Zusammenbruch des Sowjetregimes sämtliche Produktionsziffern ständig sinken. Bald dürften in der GUS Verhältnisse herrschen wie in den ärmeren Ländern der Dritten Welt. Deren Elend hat bestimmt nicht der Sozialismus verschuldet, weil es dort keinen gab. Es ist Produkt der gleichen kapitalistischen Entwicklung, der wenige Länder ihren großen Reichtum verdanken. Wenn diese wenigen reichen Länder sagen, der Kapitalismus habe ihnen Vorteile gebracht, ist das ebenso richtig wie trivial. Wenn sie deshalb aber den Kapitalismus zum überlegenen ökonomischen Modell erklären, kann ein Räuber auch behaupten, daß sein Beruf der einträglichste sei. Für ihn selber ist er das, für die ausgeraubten Opfer sicher nicht.

Eine ähnliche Position wie Glotz vertritt Enzensberger. Mit Weizsäcker, als dessen »persönlicher Gast«, auf Staatsbesuch in Mexiko, äußerte er sich über die Lage in Südamerika und wurde in der »FAZ« (26.11.1992) mit der Feststellung zitiert, das kubanische Experiment sei »politisch und wirtschaftlich gescheitert« – eine Formulierung, die man unter Linken häufig hört.

Richtig ist zwar, daß man heute dem südamerikanischen Elend eine lange Lebensdauer voraussagen kann und dem gelungenen kubanischen Versuch, es zu beheben, eine kurze. Aber wenn jemand an einem Buch schreibt, und er wird dabei umgebracht, ist er kein gescheiterter Autor, sondern ein ermordeter. Scheitern bedeutet, aus eigener Schuld eine Leistung nicht erbringen zu können, die man sich vorgenommen hat oder die von einem erwartet werden darf. Weder hat Kuba allein gegen die USA und den Rest der Welt bestehen wollen, noch kann man dies von ihm verlangen.

Dennoch war einmal die Behauptung richtig, daß die kubanische Revolution gescheitert sei. Wie das sowjetische ist das kubanische Regime gescheitert, wenn man es an seinen revolutionären Ansprüchen mißt. Zweifellos war der autoritäre Wohlfahrtsstaat kein »Verein freier Menschen«, zweifellos konnte dort von einem »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen« keine Rede sein. Solche linksradikale Kritik aber setzt eben den Anspruch voraus, dessen Berechtigung Enzensberger bestreitet.

Gibt man die Idee des Sozialismus auf, kann man Kuba auch nicht an ihr messen, und verzichtet man auf diesen Maßstab, sieht die Bilanz ganz anders aus. Dann bleibt lediglich die Frage, ob ein Regime eine dauerhafte Gesellschaftsordnung herstellen und diese den Menschen ein erträgliches Leben ermöglichen kann. Daran gemessen sind Christentum, Kapitalismus und Demokratie von Chile und Peru über Kolumbien bis Mexiko katastrophal gescheitert. Daran gemessen ist das »kubanische Experiment« ökonomisch und politisch ein beispielloser Erfolg. In Kuba erreicht die Lebenserwartung das gleiche Niveau wie in den reichen westlichen Ländern, im übrigen Lateinamerika beträgt sie rund die Hälfte. Die Menschen sind arm, aber sie haben ein Dach über dem Kopf und zu essen.

Gerade die Undogmatischen, die stets betonen, daß keine abstrakte Idee das Leiden konkreter Menschen rechtfertigen kann, müßten dies zu würdigen wissen. Enzensberger aber argumentiert, wie wenn ihm egal wäre, ob die Menschen krepieren oder nicht. Der flexible Freigeist entpuppt sich als Dogmatiker von der unerbittlichsten Sorte, darin den übelsten Stalinisten verwandt. Seine Kritik an Kuba faßt die »FAZ« zusammen: »Viele Intellektuelle hätten im übrigen immer nur >die Oberfläche< gesehen: So hätten sie zwar das für Lateinamerika beispielhafte Schulwesen gelobt, sich dann aber nicht mehr gefragt, was das Regime seinen Bürgern denn an Lektüre >gestatte<. Gedankenfreiheit habe das kommunistische Regime niemals zugelassen.«

Angesichts des materiellen Elends der Massen im übrigen Südamerika wirft Enzensberger also Kuba vor, daß es die Lesewünsche der Intellektuellen nicht hinreichend befriedigen wolle. Wenn das die Alternative zum herkömmlichen Materialismus ist, was unterscheidet diese Alternative dann vom Kretinismus?

Sicher ist Enzensberger hier ein extremer Fall. Gegen die kommunistischen Regimes lassen sich Vorwürfe erheben, die berechtigt sind. Warum aber fälschen die Linken, wenn sie Systemvergleiche ziehen, heute immer die Bilanzen? Warum stellen sie, obwohl sie es besser wußten, dem Sowjetregime die Opfer des Stalinismus in Rechnung, ohne dem Kapitalismus und der Demokratie in Rechnung zu stellen, was beide an Opfern seit dem 18. Jahrhundert gefordert haben: unter den Arbeitern, die in der Fabrik und im Bergwerk verkamen; unter den Arbeitslosen, die am Elend starben; unter den Revolutionären, die massenhaft umgebracht, inhaftiert und deportiert worden sind; unter den Kolonialvölkern, die ausgebeutet, beraubt, versklavt und massakriert wurden; in zwei Weltkriegen und im deutschen Faschismus schließlich? Warum wird der deutsche Faschismus weder dem Kapital noch der Demokratie zugerechnet, wohl aber der stalinistische Terror dem Sozialismus?

Welchen Sinn soll man überhaupt in den Reaktionen der Linken erkennen? Auf den Zusammenbruch von DDR und Ostblock haben sie mit Empörung reagiert. Doch nicht über den in der Tat empörend schwachen Abgang der Regimes regten sie sich auf. Was sie entsetzte, waren die Enthüllungen über frühere Untaten, davon hätten sie angeblich nichts gewußt. Dabei wurde nichts enthüllt, was nicht jeder vorher wissen konnte. Neu waren nur die Harmlosigkeit der Ostblockregimes und ihre Schwäche. Alle akute Empörung im Westen muß also der Enttäuschung darüber entsprungen sein, daß der Bösewicht die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllte: daß der Geheimdienst ein Haufen Narren war und die bespitzelte Gesellschaft mit den Spitzeln zusammen eine einzige große Familie; daß statt des Funktionärsluxus die Ärmlichkeit von Wandlitz zum Vorschein kam; daß der terroristische Staatsapparat sich als einer entpuppte, der vor Kerzenhaltern floh. Noske (»der Bluthund«) und Ebert haben in Deutschland auch beim politischen Gegner einen guten Ruf. Honecker wird von allen verfolgt oder verachtet. Was ihn von Ebert und Noske unterscheidet, ist, daß an ihren Hände eine Menge Blut klebt, aber an seinen keines.

Die Linke und die Kritik

Ganz gleich, ob es um Stasi, Honecker, DDR allgemein, Jugoslawien oder den Untergang der Sowjetunion geht: Der Standpunkt gemäßigter »FAZ«-Kommentatoren unterscheidet sich von dem der Ex-Linken allenfalls um Nuancen oder in der Begründung.

In der Asylfrage etwa sind die besonnenen Pragmatiker aller Richtungen sich einig, daß der ungeregelte Zustrom aufhören und durch eine Einwanderungsregelung ersetzt werden müsse. Der ganze Asylstreit sei, wie er geführt werde, deshalb ein Streit um Kaisers Bart. Die »FAZ« vom 9.12.92: »Auch die Asyldebatte wurde auf beiden Seiten als realitätsblinder Gesinnungskampf geführt.« Habermas polemisiert in der »Zeit« vom 11.12.92 gegen die »FAZ« und schreibt: »Die Rede vom >Mißbrauch< des Asylrechts verschleiert den Umstand, daß wir eine Einwanderungspolitik brauchen, die für Immigranten andere rechtliche Optionen öffnet.« Die »FAZ« vom 11.12.92 verteidigt sich gegen Habermas mit der (zutreffenden) Behauptung, »daß sie (die »FAZ«) immer wieder daran erinnert hat, daß der deutsche Asylstreit eine Art von Realitätsflucht ist angesichts globaler Migration«, und daß in dieser Zeitung oft genug zu lesen war, »daß es eigentlich um Einwanderung gehe«. In der »FAZ« vom 28.12.92 wiederum bildet sich Böll-Preisträger Hans Joachim Schädlich viel auf seine vermeintliche Verwegenheit ein, wenn er ins gleiche Horn tutet: »Anstatt allseits über die Möglichkeiten zur Einschränkung des Asylrechts zu reden, hätte vielleicht der Mut zu der unpopulären Aussage aufgebracht werden müssen, daß Deutschland längst ein Einwanderungsland ist und demzufolge eine Einwanderungsgesetzgebung mit klarer Quotenregelung braucht, damit Einwanderungswillige nicht den schmalen Weg über das Asylrecht gehen müssen und als sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge diffamiert werden dürfen, die das Asylrecht mißbrauchten.«

Keinem dieser pedantischen Erbsenzähler fällt ein, daß es absurd sein könnte, mit dem wichtigtuerischen Gehabe des Verantwortungsträgers den Oberlagerverwalter spielen zu wollen, weil man zu Einwanderungsregelungen und Zuzugsbegrenzungsklauseln und Asylrechtsbestimmungen nur eine vernünftige Haltung einnehmen kann: die von Harpo mit dem Visums-Stempel auf der Glatze des Grenzbeamten in der Schlußszene von »Die Marx Brothers auf See«. Also wer kommen will, soll kommen.

Eine Folge solcher Anpassungsleistungen ist, daß die Ex-Linken langweilig, banal und überflüssig werden. Auf eine andere hat neulich Alexander Gauland hingewiesen, in der »FAZ« vom 16.11.92. In seiner Rezension von Joschka Fischers neuem Buch »Die Linke nach dem Sozialismus« gab er zu bedenken: »Als die Erinnerungen Albert Speers erschienen, wurde in vielen Rezensionen die Frage gestellt, ob späte Reue und Einsicht nicht besser im stillen geübt werden sollten.« Hat der Mann nicht recht? Angenommen, es wäre wirklich alles falsch, was die linken Intellektuellen gedacht hatten: Sollten sie dann von der berufsmäßigen Denkerei nicht besser die Finger lassen?

Gegen diesen Vorwurf wird eingewandt, daß der Mensch ein Recht auf Irrtum und bessere Einsicht habe. Natürlich hat er das. Aber die Einsicht entbindet ihn nicht davon, die Konsequenzen begangener Irrtümer oder Fehler tragen zu müssen. Wenn ein Schrankenwärter die Schranke zu schließen vergaß, muß er einsehen, daß er schusselig ist. Daß er sich dann einen anderen Beruf sucht, ist das mindeste, was man von ihm erwarten darf.

Mittlerweile geht der Revisionismus der Ex-Linken, ihre »Schlußstrichmentalität«, vielen Rechten zu weit. Die haben keine Lust, ihr Plätzchen mit frischbekehrten Neuankömmlingen zu teilen. Gauland weiter in seiner Fischer-Rezension:

An dem neuen Buch von Joschka Fischer ärgert mich am meisten, daß ich fast mit jedem Satz übereinstimme. Es ist richtig, daß der Sozialismus ein großer Irrtum war und in der früheren Sowjetunion ein riesiges Beinhaus hinterlassen hat… Es ist ebenfalls richtig, daß der Ursprung all dessen schon in der Marxschen Theorie liegt, die fast zwangsläufig Geheimpolizei und Terror hervorbringen mußte. Es ist auch richtig, daß Rußland ohne dieses fürchterliche Experiment heute wahrscheinlich ein entwickeltes Industrieland wäre. Und natürlich hat Joschka Fischer recht, wenn er feststellt, daß das kapitalistische Modell dem sozialistischen überlegen ist… Und natürlich kann man sich mit dem Schlußzitat von Manès Sperber identifizieren, daß es künftig notwendig sein wird, >außerhalb des Absoluten und gegen das Absolute zu leben<. Fischer gibt in seinem Buch allen recht, die die Säulenheiligen der Linken kritisiert haben. Er stimmt Kant gegen Hegel zu, verteidigt Bernstein gegen Marx, beruft sich auf Sperber gegen Lenin, gibt Fest gegen Bloch und Habermas recht und ebenso Bell und Jonas gegen Johano Strasser… Bleibt die Frage, weshalb plötzlich als neue Einsicht verkündet wird, was wir >Rechten< schon immer wußten… Was sollen wir eigentlich von der Urteilsfähigkeit eines Politikers halten, dessen bisherige Analysen alle falsch waren und der dem verdutzten Publikum nunmehr die Positionen des politischen Gegners als neueste Einsichten anpreist?

Muß die gleiche Frage sich nicht die gesamte vom Marxismus geheilte Linke gefallen lassen?

Die Linke und der Marxismus

Ob den Linken das heute gefällt oder nicht: Sie waren früher alle Marxisten. Zumindest hat keiner gegen dies Etikett protestiert. Hätte er, würde man ihn kennen, denn er wäre aufgefallen. Also gab es nur Überzeugte und Mitläufer. Mitläufer ist man, wenn man unter Bedingungen schweigt, wo Schweigen Zustimmung bedeutet. Schweigen bedeutet Zustimmung dann, wenn politisch Nahestehende laut und vehement eine Meinung vertreten. Heute sind die vielen Marxisten alle verschwunden.

Erinnert ihr ungeklärter Verbleib nicht an diverse andere Wunder? Als die Alliierten Nazi-Deutschland erobert hatten, fanden sie dort nur Demokraten vor. Als der Staat gegen die RAF mobil machte, hatten die Befürworter revolutionärer Militanz sich in Gegner jedweder Anwendung von Gewalt verwandelt.

Als es nur Marxisten gab, unterschied man zwischen schlechten Marxisten und guten. Die schlechten waren die anderen: dogmatisch, dumm, autoritär. Sie hingen am Gängelband der KPdSU oder der DKP. Die guten standen in der Tradition von Bloch, Adorno, Horkheimer, Marcuse, Trotzki, Rosa Luxemburg. Sie fühlten sich einsam, schutzlos und verlassen, denn sie besaßen auf dieser Welt außer ihren Büchern keinen Freund und statt eines großen Feindes zwei. Feind Nr. 1 war das Kapital im Westen, Feind Nr. 2 waren die spätstalinistischen Machthaber im Osten.

Oder trug der Intellektuelle, der den tragischen Helden spielte, den Hauptfeind in der eigenen Brust? War es der Zweifel des Zauderers bei der Pferdewette? Die Ungewißheit, welcher Gaul gewinnt? Auf welchen Herrn man setzen sollte? Welcher der beiden Herren der mächtigere war?

Die verabscheuten Machthaber im Osten sind weg. Schön für den besseren Marxismus, sollte man denken. Jetzt kann er richtig loslegen und seine ganze Energie auf die Kritik des Kapitals konzentrieren. Aber keine Spur davon. Mit den schlechten Marxisten sind auch die guten verschwunden. Alle verzichten darauf, Marxsche Begriffe überhaupt noch zu verwenden. Man nimmt sie nichtmal mehr in den Mund. Worte wie Ausbeutung, Mehrwert, Klassenkampf, Revolution, Imperialismus, entfremdete Arbeit, Kapital empfindet man fast als peinlich. Warum wird dieser Umstand nicht als erklärungsbedürftig empfunden?

 

Aus: konkret 02/1993, S. 22ff.

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