Clubkommission und Sicherheitskonzepte

Die Sicherheitsmechanismen hätten gegriffen, prahlt die Berliner Clubkommission. Was bleibt am Ende bei einer total verblödeten, idiotischen Techno-Freizeit-Kultur: Sicherheit.

In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag
lassen sich die Freizeitklienten im ganzen Land auf spektakulärsten Feierkurs
hochtunen; Unterhaltungs- und Entertainmentindustrie verpacken
die Massen dicht an dicht in die Clubsarkophage, in betäubende und fast
tödlich betörende Räume für ausgelebte und unausgelebte Triebschicksale.
Ist der Elite- bzw. Subjekt-Status der nomadisierenden Nachtgänger im
Zuge der totalen Demokratisierung der Nachtkulturen nicht schon längst
in Frage gestellt? Sind diese postheterotopen Räume, die einerseits den Assemblagen
einer nach und nach verblassenden Popkultur angehören, andererseits
immer wieder aus dem modulatorischen Kontinuum, in denen
sich die Feierpopulationen in eigenen Biotopen reduplizieren, herausbrechen,
nicht längst eisernen Normen bzw. der Normalisierung unterworfen?
Die Redundanz der Gespräche (Frequenz und Resonanz), mit der Eheoder
Beziehungsprobleme, Bürokatastrophen oder Weltschmerz verhandelt
werden, nimmt dramatisch ab, je tiefer und abgründiger die
deterritorialisierende Nachtmaschine in die Gespräche eindringt und je
subtiler und organischer diese ihre unsichtbaren Machtfelder ausweitet und
objektiviert. Ein Mahlstrom von unbenennbaren und unsichtbaren Kräften
(die Dynamik einer Geschäftswelt, die sich aus Clubbesitzern, postindustriellen
Zuhältern, Sexindustriellen und -consultants, DJs etc. zusam

mensetzt) verhandelt die semio-emotionalen und psychosomatischen Kalkulierbarkeiten
der Masse und die schwer zu kalkulierende Unruhe Vereinzelter
aus, was wiederum nur logisch ist, weil die Spirale des Image-
Processing nur funktioniert, wenn die Akteure unentwegt damit beschäftigt
sind, sich in die Schleife der Befriedigung bzw. des Begehrens von mikropolitischen
Prozessen einzuklinken, wo der sexuelle Blick (blicklose
Augen) vielleicht nur die Andeutung des am nächsten Tag schon niedermachenden
Blickes ist, der dann mit zwingenden Gründen hantiert; die
Anmache ist vielleicht nur ein quengeliges Verneigen, der erste flüchtige
Kuss vielleicht nur eine beleidigte Schwärmerei, währenddessen man schon
längst voraus blickt, um neue Kräfte für das Geldarrangement zu sammeln,
die einen selbst flüssig und den Partner ins Minus stellen. Geldautomaten,
Skulpturen der Verheißung, befinden sich heutzutage an jeder Straßenecke,
um den Eintritt in die Nacht zu ermöglichen. Diese Form der Interaktion
mit dem Geldautomaten ist zugleich eine Datenerfassungsvorgang, wobei
die Dateneingaben vor allem Marketingagenturen und bestimmten Unternehmen
der Produktionsentwicklung dazu dienen, neue Wünsche und
Bedürfnisse zu produzieren. Die Autopoiesis des Systems, das in der Rückkopplungschleife
qua Datenerfassung Produkte und Waren herstellt, lebt
von einer Interaktion, mit der sich die Konsumenten stets in das Spektakel
einkaufen.

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