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Nicolas Chamfort , Georg Christoph Lichtenberg und die Blüte des europäischen Aphorismus

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21 Sep , 2017  

Der berühmte Witzkopf Chamfort pflegte zu sagen: Ich habe drei Klassen von Freunden: Freunde, die mich lieben – Freunde, die sich nicht um mich bekümmern – und Freunde, die mich verabscheuen. – Sehr wahr.“

Georg Christoph Lichtenberg

Wo Lichtenberg einen Spaß macht, liegt ein Problem verborgen.“

Johann Wolfgang Goethe

Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt er doch nichts als seine eigene Biographie.“

Friedrich Nietzsche

 

Im folgenden Vortrag geht es um die Untersuchung des Aphorismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anhand zweier prägender Protagonisten der Gattung. Nicolas Chamfort, der 1741 wie Blaise Pascal in Clermont-Ferrand zur Welt kommt, steht dabei schon in einer Tradition, die sich seit der Neuzeit vor allem in La Rochefoucauld, aber auch in Pascal und Montaigne manifestierte. Darauf folgten ein La Bruyère, Vauvenargues, Fontenelle und der Zeitgenosse Chamforts – Rivarol – anders in Deutschland, wo Georg Christoph Lichtenberg überhaupt erst den Grundstein der Gattungsgeschichte legt. Als Chamfort als Hauslehrer des Grafen von Eyck früh in die deutschen Lande nach Köln kommt, notiert er: „Ich wüßte nicht, wozu ich weniger taugte als zu einem Deutschen.“ Aus dieser Erfahrung reift abermals der Entschluß: „Nun zu uns beiden, Paris“ und er benennt sich kurzerhand in Sébastian Roch Nicolas de Chamfort um, nachdem er als Sébastian Nicolas von seiner wahren Mutter Jaqueline Cisternes de Vinzelles, die schon anderweitig verheiratet war, und dem einfachen Domherrn Pierre Nicolas als illegitimes Kind abgeschoben wurde – eine Kränkung, die man aber immer mitdenken muss, ohne sie zu über- oder unterschätzen. 1750 kommt er erstmals nach Paris, um wiederholt einer der besten Schüler Frankreichs zu werden – als er aus der Enge des kirchlichen Schulalltags entkommen will, erwägt er nach Amerika zu fahren, um dann festzustellen : „Wie wäre es, wenn wir uns selbst erkundeten, bevor wie die Welt erkunden ?“ Die Antwortversuche zu dieser Frage verführten Chamfort fast folgerichtig zum aphoristischen Denken, das er in seinen Fragmenten und Salongesprächen auslebte, weniger in seinen zeitlebens veröffentlichten eher mittelmäßigen literarischen Werken. Immerhin bescherten ihm aber einige Abhandlungen und Theaterstücke (am bekanntesten wohl „Mustapha et Zéangir“) eine kleine Apanage des bourbonischen Königshauses in Höhe von 1200 Francs jährlich , die Mitgliedschaft in der Académie Française und einigen Applaus der zeitgenössischen Gesellschaft ein, in deren Salons er lange brillierte und das Leben als Abenteurer der Freiheit, als unabhängiger Lebemann, ausgekostet hatte – Wuthenow bezeichnet die subtile Hochkultur der Salongespräche als einen Stil, der sich seit La Rochefoucauld in der Gesellschaft, le monde, entwickelte und „der die Unverschämtheit delikat, die Provokation höflich, die Vernichtung geistvoll erscheinen läßt“ – und die damit auch im scharfen Kontrast zur deutschen Stubengelehrsamkeit stand.

Chamforts Blick ist glasklar und hellsichtig, er hat alle Illusionen selbstironisch überwunden und lacht über seine eigenen Schwächen und die Comédie Humaine – für die Konservativen gilt er als Revolutionär und für die Progressiven als Misantroph und Menschenfeind – bei den Antipoden der französischen Aufklärung – Voltaire und Rousseau sorgte der junge Autor Chamfort gleichsam für Begeisterung – so wird er wie die Gattung Aphorismus den offenen gesellschaftlichen und denkerischen Widersprüchen gerecht.

Hierzu eine kleine erste Reihe von Aphorismen :

Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.“

Man muß verstehen, die Dummheiten zu begehen, die unser Charakter von uns verlangt.“

Es gibt wenige Laster, durch die man sich seine Freunde so verscherzen kann wie durch große Vorzüge.“

Der verlorenste aller Tage ist der an dem man nicht gelacht hat.“

Chamfort bediente die klassischen Themen der Moralisten wie die Rolle der Leidenschaften, das große Thema Freundschaft und die Entwicklung der Gesellschaft, die er scharf kritisierte, in der aber auch glänzender Mittelpunkt war – und er erweitert die Themenpalette der Vorgänger vor allem um soziale Akzente :

Die Gesellschaft besteht aus zwei großen Klassen, die einen haben mehr Essen als Appetit, die anderen mehr Appetit als Essen.“

Es ist unbestreitbar, daß es in Frankreich sieben Millionen Menschen gibt, die Almosen verlangen, und zwölf, die außerstande sind, sie ihnen zu geben.“

Es werden Bücher über die Interessen der Fürsten geschrieben, die besonders studiert werden sollen – war jemals die Rede vom Studium der Interessen der Völker? “

Beachtet man, daß es das Ergebnis der Arbeit und Aufklärung von dreißig oder vierzig Jahrhunderten gewesen ist, 300 Millionen Menschen, die über den Erdball verstreut sind, an einige dreißig Despoten auszuliefern, von denen der größte Teil unwissend und dumm ist und deren jeder noch von drei oder vier Verbrechern gelenkt wird, die zuweilen auch noch töricht sind: was soll man von der Menschheit denken und was von ihr für die Zukunft erwarten ?“

Der Adel vermittelt zwischen dem König und dem Volk … Ja, wie der Jagdhund vermittelt zwischen dem Jäger und dem Hasen.“

Die soziale Frage tritt immer mehr in den Vordergrund und so engagiert sich Chamfort auch folgerichtig in der Französischen Revolution, wo er vor allem brillante Reden für Mirabeau geschrieben hat – auch der Appell : „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ stammt von ihm und nicht von Lichtenbergs südhessischen Nachbarn Georg Büchner, Lichtenberg selbst bezeichnete die Französische Revolution als „Experimentalphysik“ und bringt Menschheitshistorie auf den kritischen Punkt: „Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloß.“

Lichtenberg bleibt im Blick auf die Revolution im Nachbarland aber immer ein präziser Beobachter, der ein sehr differenziertes Bild zeichnet, so vermerkt er positiv zum Sprachbewußtsein: „Die Französische Revolution hat durch die allgemeine Sprache, zu der es mit ihr gekommen ist, nun eine gewisses Wissen unter die Leute gebracht, das nicht leicht wieder zerstört werden wird.“

Und Lichtenberg hat dabei sicherlich auch den Sprachvirtuosen Chamfort auf dem Radar, dem diese Einsicht als Revolutionär nicht verwehrt blieb : Der Preis, den Chamfort für sein kritisches Engagement für die Unterpriviligierten zahlte – er war auf Seiten der Jakobiner, Mirabeau und den Girondisten – war nach Gefangennahme und Selbstmordversuch nicht weniger als sein Leben – aber das waren ihm seine Festigkeit, sein Charakter und seine Unabhängigkeit wert, so heißt es :

Wer keinen Charakter hat, ist kein Mensch, er ist nur eine Sache.“

Die Natur hat mir nicht gesagt: Sei nicht arm, noch weniger : Sei reich, sondern sie ruft mir zu : Sei unabhängig !“

Es gibt eine Art von Freude in Verbindung mit dem Mut, sich über das Glück hinaus zu wagen. Das Geld zu verachten, heißt einen König entthronen: hier liegt der Reiz.“

Diese intellektuelle Freiheit macht sein aphoristischer Werk zeitlos : wenn er nüchtern formuliert : „Mit Rosenwasser macht man keine Revolution“, dann könnte man auch an Mao denken : aber schon die Führer der Französischen Revolution haben ihre Irrtümer mit dem Exil oder der Guillotine bezahlt – Chamfort als intellektueller Kopf – als Redenschreiber für Mirabeau – bezahlte mit Gefängnis und Selbstmord im Zuge der Terreur unter einem Robespierre – eine unfeine Ironie der Geschichte, dass man ausgerechnet den ehemaligen Royalisten Robespierre den Unbeugsamen, Unbestechlichen nannte, Chamfort hätte dieses Etikett sicher eher zur Ehre gereicht, er charakterisiert Robespierre trefflich: „Der Mann ist gefährlich. Er glaubt alles, was er sagt.“

Das Umfeld seines ersten Gefängnisaufenthaltes schildert Arnaud eindrucksvoll: “Hinter dem anmutigen Namen der „Madelonnetes“ verbirgt sich ein schmutziges Gefängnis in der Nähe des Temple, das bis zum 10. August Dirnen und Falschmünzern vorbehalten war. Riesige Fleischhunde bellen im Hof, Wächter sind bei den Blitzableitern postiert, an deren Spitze eine rote Mütze hängt. Jede Zelle enthält vier Reihen mit drei ungezieferverseuchten Strohsäcken … Die Aborte laufen über, die giftigen Ausdünstungen begünstigen Pest – und Pockenepidemien. Man versucht zwar die Luft zu reinigen, indem man Essig auf glühende Schaufeln schüttet; aber Chamfort, der schon in den Klubs keine Luft bekam, leidet unsägliche Qualen. Ohne Bäder, Medikamente und Luft wird er in die schlimmsten Tage seiner Krankheit zurückgestoßen.“

Aber selbst hier in seiner Schlußepisode zeigt er eine gewisse Grandezza, wenn er sein alter ego M. anekdotisch erzählen läßt : „Ich vermag mir selbst genug zu sein, sagte M., und wenn es darauf ankommt, kann ich wohl auch ohne mich, damit meinte er, daß er ohne Wehmut sterben würde.“

Nietzsche erkennt in Chamfort letztlich die beste Seite der Revolution : „Gesetzt, Chamfort wäre damals um einen Grad mehr Philosoph geblieben , so hätte die Revolution ihren tragischen Witz und ihren schärfsten Stachel nicht bekommen : sie würde als ein viel dümmeres Ereignis gelten und keine solche Verführung der Geister sein.“ Nietzsche sieht in Chamforts Genie eine „wollüstige Gedrängtheit“, seine zeitgenössischen Ärzte einen Überschuß an Lebenssäften. Nietzsche feiert ihn als einen Menschen „reich an Tiefen und Hintergründen der Seele, düster, leidend, glühend – ein Denker, der das Lachen als Heilmittel gegen das Leben nötig fand“. Sein Aphorismenbuch hat „vielleicht von allen Büchern der Welt am meisten die Kraft des Zitterrochens: zucken zu machen.“

Friedrich Schlegel schreibt treffenderweise: „Chamfort war, was Rousseau gern scheinen wollte: ein echter Zyniker, im Sinn der Alten mehr Philosoph als eine ganze Legion trockner Schulweisen. Obgleich er sich anfänglich mit den Vornehmen gemein gemacht hatte, lebte er dennoch frei, wie er auch frei und würdig starb, und verachtete den kleinen Ruhm eines großen Schriftstellers. Er war Mirabeaus Freund. Sein köstlichster Nachlaß sind seine Einfälle und Bemerkungen zur Lebensweisheit, ein Buch voll gediegenem Witz, tiefem Sinn, zarter Fühlbarkeit, von reifer Vernunft und fester Männlichkeit, und von interessanten Spuren der lebendigsten Leidenschaftlichkeit, und dabei auserlesen und von vollendetem Ausdruck : ohne Zweifel, das höchste und erste seiner Art.“

Albert Camus begrüßt in einem Vorwort zu einer Ausgabe der Maximen von 1944 einen Willen, der stets bereit ist, den Preis für seine Überlegenheit zu bezahlen, eine Härte den anderen und sich selbst gegenüber, ein Ideal verzweifelter Heiligkeit, gipfelnd in einem Abenteuer, „das ebenso blutig sein kann wie die gewaltigsten Eroberungen“.

Camus bezeichnet Chamforts Aphorismenbuch metaphorisch als „Roman des Verweigerns, der Bericht einer Verneinung von allem, die bis zur Selbstverneinung geht, ein Vorlauf zum Absoluten, der sich vollendet in der Wut des Nichts.“

Nietzsche irrt sich allerdings in seiner Ressentiment-These, wenn er reduktionistisch analysiert: „Aber der Haß und und die Rache Chamforts haben ihre Wirkung geübt.“ – Chamfort fehlt freilich das Belehrende, das Eifernde, die zuweilen laute Stimme Nietzsches – das sind aber Argumente für Chamfort. Chamfort ist vielleicht der vekannteste Moralist mit der größten Substanz auf kleinstem Raum – er wurde in der Rezeption an den Rand gestellt – der Zugang zum Pantheon wurde ihm verehrt – und er hätte sich wohl sogar darüber gefreut und sich dort nicht wohl gefühlt – dafür hatte er posthum wohl die besten Leser, die man sich nur vorstellen kann.

Und Nietzsche spielt hier zweifellos im deutschen Sprachraum neben Schopenhauer, Schlegel und Seume, aber auch schon Lichtenberg eine Hauptrolle – beim Vorwurf des Ressentiments übersieht Nietzsche fahrlässig die Qualität Chamforts, das soziale Unrecht, die Korruption und die Dummheit des sich auflösenden Hofstaates zu erkennen, die vom Ärgernis zur gesellschaftlichen Gefahr geworden sind, so schreibt der stolze Chamfort ganz bescheiden :

In Frankreich scheint jedermann geistreich zu sein. Die Erklärung ist leicht gegeben: weil hier alles eine Folge von Widersprüchen ist, genügt die geringste Aufmerksamkeit, um diese sichtbar zu machen und zwei widersprüchliche Dinge zusammenzustellen. Das ergibt ganz natürliche Gegensätze, und wer sie gefunden hat, der erscheint als geistreich. Erzählen heißt schon Grotesken berichten. Ein schlichter Berichterstatter wird zum guten Spötter. So wird auch eines Tages der Historiker als satirischer Autor erscheinen.“

Damit bekennt sich Chamfort zum aphoristischen Denken, das die Widersprüche denkerisch aushält, ohne sie dialektisch zu überwinden, eine fragmentarische Dialektik, die wenn man so will für eine radikale, kritische Offenheit seiner Philosophie spricht. Und das ist vielmehr das Gegenteil von Ressentiment, wie sie Nietzsche und auch Claude Arnaud in seinem detailreichen Buch „Chamfort – Die Revolution, der Adel und die Frauen“ für Chamfort zu Unrecht reklamieren.

Und diese Freiheit und Unabhängigkeit des Charakters schlägt in seiner aphoristischen Prosa durch, die anmutig und elegant im Schmerz errungen wurde. Chamfort konnte nicht mehr einfach nur der „honnête homme“, der gebildete Edelmann der Gesellschaft sein, nein er avanciert zum Widerpart der Gesellschaft, er wird Außenseiter, Rebell und Revolutionär, sein Rückzug wird aber ein Angriff gegen die falsche, korrupte Ordnung der Gesellschaft, die die soziale Frage ignoriert und damit zum gesellschaftlichen Sprengstoff befördert – das wäre einem La Rochefoucauld nicht in den Sinn gekommen, bei La Bruyère gibt es schon eher solche Ansätze. Auch Rivarol, der bisweilen als Chamforts kleiner Bruder genannt wird, erkennt soziale Schieflagen, zieht aber daraus keine revolutionären Schlüsse, sondern wird Royalist. Interessanterweise gibt es einige Aphorismen, die sowohl Chamfort als auch Rivarol zugeschlagen werden – der bekannteste davon : „Die Armen sind die Neger Europas.“ Chamfort macht es sich auch mit dem Scheitern der Revolution nicht einfach, das Scheitern macht ihn nicht blind und er klagt die alten Herrscher und Eliten an:

Man hätte ein Viertel der Zeit und der Mühe, die darauf verwandt wurden, die untersten Klassen zu verdummen, dazu benutzt, sie aufzuklären, setzen wir voraus, man hätte ihnen nicht einen unverständlichen und unsinnigen Katechismus der Metaphysik in die Hand gedrückt, sondern statt dessen einen gewählt, der die ersten Prinzipien der Menschenrechte und Pflichten enthielt, die auf diese Rechte gegründet sind, man wäre erstaunt, zu welchem Ziel sie auf diesem Wege gelangt wären.“

Chamfort individueller Weg ist freilich ein anderer und er geht ihn noch einen Schritt weiter:

Hat man die Übel der Natur kennengelernt, so verachtet man den Tod; lernt man die der Gesellschaft kennen, so verachtet man das Leben.“

In der Welt strebt alles, mich herabzuziehen, in der Einsamkeit ist alles bestrebt, mich zu erhöhen.“

Chamfort schöpft aus dem Schmerz Distanz und Illusionslosigkeit, in dieser Haltung ist der Gegensatz von Leben und Tod aufgehoben, es bleibt letztlich die Negierung, es gibt Dinge, zu denen er sich nicht mehr äußern will und kann, er ist den Weg des Denkens weitergegangen – er fängt an, wenn die anderen aufhören zu denken – das Ziel gipfelt freilich in der bitteren Erkenntnis : es taugt nicht, es lohnt nicht. Eine bittere Erkenntnis, die auch mit einer galanten Krankheit aus den Hochzeiten seiner Salonfeiern, wo er auch als erotischer Verführungskünstler zu glänzen verstand, zu erklären ist, der Syphillis als Lebensbegleiterin.

Bei Lichtenberg heißt es ähnlich desillusionierend, aber distanzierter zur schlechten Gesellschaft: „Wie hat es Ihnen in dieser Gesellschaft gefallen? Antwort: Sehr wohl, beinah so sehr als auf meiner Dachkammer.“

Und zur Grundskepsis im Verkehr mit Menschen: „Wahrhaftes unaffektiertes Mißtrauen gegen menschliche Kräfte in allen Stücken ist das sicherste Zeichen von Geistesstärke.“

Aber hier geht Chamfort noch einen Schritt weiter – die Eigenliebe als Wille zum Leben ist bei ihm untergegangen in dem „Schiffbruch meiner Anteilnahme an den Menschen überhaupt“, er geht hier auch Schopenhauers Weg des Künstler-Heiligen, der den blinden Willen zum Leben verneint, ohne allerdings wie Schopenhauer in der Verneinung einseitig zu verharren – er philosophiert auf einem pessimistischen Weltbild ins Offene, das aber ungeschminkt und kritisch beleuchtet wird .

Interessanterweise lernt Georg Forster Chamfort in seiner Rolle als National-Bibliothekar im aufständischen Paris kennen: „Ich gestehe, daß es mir wohl tut, unter Engländern zu sein und ihren ruhigen Freiheitssinn statt des überspannten hiesigen Fanatismus zu genießen. Warme Empfindung und kalte Überlegung ist das Los dieser glücklichen Menschen, da hingegen bei den meisten Franzosen das Herz Eis ist und nur der Kopf glüht. Freilich gibt es auch Ausnahmen. Ich habe kürzlich den Bibliothekar Chamfort kennengelernt, von dessen Bekanntschaft ich mir viel „verspreche.““

Ein Loblied auf die Engländer, daß man weniger von dem Jakobiner Georg Forster, der in der Mainzer Republik engagiert war, als vom Naturwissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg erwartet hätte – der verließ seinen Göttinger Lehrstuhl nur zweimal – nach England – wo er Georg Forsters Vater Johann Reinhold , der Weltumsegler war, 1775 traf und blühte bei seinen Kontakten zum englischen Hof und diversen Salon-Unterredungen regelrecht auf – wiewohl er mit Kant und Goethe korrespondierte, konnte er der Enge der Göttinger Welt nur schwer entfliehen und litt unter der deutschen Provinzialität.

Lichtenberg wird 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt als 17. Kind des protestantischen Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg geboren und hat damit genau so viele Geschwister wie Chamforts Salon-Freund Antoine de Rivarol. Zeitlebens litt Lichtenberg unter einer schmerzhaften, rachitischen Wirbelsäulenverkrümmung, einer Kyphoskoliose, die für seinen Buckel und seine geringe Körpergröße von knapp 150 cm verantwortlich war – er war damit ca. 30 Zentimeter kleiner als der einstmals überaus attraktive Chamfort – Lichtenberg litt außerdem zeitlebens an ständigen Asthma-Anfällen.

1770 wurde er Professor für Physik, Mathematik und Astronomie, 1780 Ordinarius für Physik. Lichtenberg führte die ersten Blitzableiter in Göttingen ein und nannte sie „Furchtableiter“. Außerdem entdeckte er auch die nach ihm benannten Lichtenberg-Figuren (dabei geht es um Resultate elektrischer Hochspannungsentladungen auf oder in isolierten Materialien – ein ähnliches physikalisches Prinzip, das heute noch bei modernen Elektrogeräten wie Fotokopierern angewendet wird) Ab 1784 war er stärkster Zulieferer für den Göttinger Taschencalender, wo er seinen Vermieter und Professorenkollegen Johann Erxleben entlastete – unter anderem sind hier seine satirischen Beschreibungen der Hogarthschen Kupferstiche und seine Sticheleien gegen Lavater erschienen, aber auch skurrile Artikel über chinesische Bräuche und erste Damenmoden. 1793 fragte Lichtenberg „Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?“ und trug auch so aufklärerisches Denken unter die Leute.

Sein philosophisches und literarisches Hauptwerk waren allerdings seine Sudelbücher, in denen er mit genauen und sensiblen Reflexionen, Gedanken, Beobachtungen und Wortspielen zum Gründer der deutschen Aphoristik wurde. Zum von ihm selbst in deutschen Landen eingeführten Blitzableiter schreibt Lichtenberg: „Dass in den Kirchen gepredigt wird, macht deshalb den Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.“ Karl Kraus formulierte über 100 Jahre später: „Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Mißtrauensvotum gegen die Kirche.“ Lichtenberg starb 1799 in Göttingen und hinterließ 8 Kinder und seine Frau Margarethe Kellner, seine ehemalige Haushälterin, mit der er sechs Jahre in wilder Ehe verkehrte – seine Fruchtbarkeit war also nicht nur aphoristischer, satirischer und wissenschaftlicher Natur – Nachfahren waren der Politiker Georg Lichtenberg und der Hannoversche Kultusminister Carl Lichtenberg.

Lichtenberg gehörte mit besagtem Forster, mit Lessing, den Humboldts und Kant in seiner Sonderrolle als Aufklärer über die Aufklärung zu einer kleinen, feinen Gruppe deutscher Aufklärer von europäischem Rang – anders als Forster ist Chamfort aber Lichtenberg schon zu Lebzeiten bekannt. (siehe vorangestelltes Zitat). Wiewohl er Chamforts Hauptwerk aus dem Nachlaß freilich nicht gänzlich kennen konnte – wahrscheinlich kannte Lichtenberg den Franzosen aus der Klio, einem Organ des deutschen Jakobinismus – eine erste deutsche Werkausgabe von Chamfort gab es aber immerhin schon 1797, gut ein Jahr vor Lichtenbergs Ableben. Und auch das haben Chamfort und Lichtenberg neben ihren fast identischen Lebensdaten (hier: 1741-1794, dort 1742-1799) gemeinsam – ihr Hauptwerk wurde erst aus dem Nachlaß und nach dem Absterben der beiden Protagonisten veröffentlicht – Chamforts maximes et pensées, caractères et anecdotes wurden 1795 von Pierre Louis Ginguené herausgegeben, Lichtenbergs erste Werkausgabe erschien von 1800-1806. Und es gibt noch eine kuriose anekdotische Gemeinsamkeit – sowohl bei Lichtenberg als auch bei Chamfort gingen erhebliche Teile des Lebenswerkes verloren – hier wie dort komische Kurzgeschichten und Romanfragmente – wohl in erster Linie durch Diebstahl. Beide arbeiteten zudem auch als Journalisten – Chamfort unter anderem während der Revolution bei der Gazette National de France, Lichtenberg wie erwähnt beim Göttinger Taschencalender. Beide verdanken nicht zuletzt auch den ihnen eigenen Krankheiten und einer Überdosis Schicksal ihren seismographisch genauen Blick auf die Abgründe der menschlichen Existenz und auf gesellschaftliche Verwerfungen. Beide Großmeister setzen starke sensualistische Akzente und sind offen für die große Frage des Nihilismus – mit dem sie geistreich flirten – ohne sich von ihm über den Tisch ziehen zu lassen – schließlich wollen sie die Frage nicht einseitig erledigen und aufgeben.

Die allergrößte und wichtigste Gemeinsamkeit von beiden ist aber ihr aphoristischer Weltzugang – in Frankreich wurde und wird Lichtenberg sogar als Chamfort allemand gehandelt und geadelt. So schreibt Lichtenberg zum bewußten Umgang mit der Gattung, die zwischen Spontaneität und Genauigkeit (aber auch Philosophie/Literatur/Wissenschaft, Metaphysik/Nicht-Metaphysik, Mikrokosmos/Makrokosmos, Freiheit/Determinismus, Anschaulichkeit/ Abstraktion, Einfall/Klärung, Semiotik/Rhetorik, Analyse/Synthese, (Inter-)Subjektivität/ Objektivität und anderen Paradoxa und Antinomien) changiert und vermittelt: „Es gibt Materien in der Welt, die sich am füglichsten in Registern, andere die sich in Noten, wieder andere, die sich fast alleine in Dedikationen sagen lassen. Andere nehmen sich im Vorbeigehen gesagt am besten aus.“

Damit widerspricht Lichtenberg dem Forschungsirrtum von Requadt und Müller, die ihn als naiven Aphoristiker führen vorab – als Gattungsgründer des Sprech-Schreibens im deutschen Sprachraum kannte er sowohl die englischen, italienischen und vor allem französischen Wurzeln der Gattung sehr wohl – wiewohl er zu seiner Milchstraße von Einfällen neue Wege beschreiten mußte, wie eine kleine fast klassische Auswahl beweist :

Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Lebens.“

Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.“

Die Superklugheit ist eine der verächtlichsten Arten von Unklugheit.“

Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es kling hohl, ist das allemal im Buch?“

Wie geht’s, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie sie sehen, antwortete der Lahme.“

Wohin mein Schicksal und mein Wagen mich führt.“

Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“

Und neue Erkenntnisse erweitern auch Lichtenbergs skeptischen Wahrheitsbegriff: „Die Katholiken bedenken nicht, daß der Glaube der Menschen sich auch ändert, wie überhaupt die Zeiten und Kenntnisse der Menschen. Hier zunehmen und dort stille stehen ist dem Menschen unmöglich. Selbst die Wahrheit bedarf zu anderen Zeiten wieder einer anderen Einkleidung, um gefällig zu sein.

Lichtenberg ringt aber noch wie Chamfort und anders als Nietzsche um die Wahrheit – im Mittelpunkt steht „das stets wachsame Mißtrauen gegen Autoritäten, Dünkel, Übertreibung, Vorurteil und Unduldsamkeit “ – die soziale Frage spielt aber anders als bei Chamfort bestenfalls eine Nebenrolle.

Auch wenn sich laut Lichtenberg vom Wahr-Sagen besser leben läßt als vom Wahrheit sagen, hat er die Wahrheit hier noch – auch wenn er es schlimm genug findet, „dass heut zu Tage die Wahrheit ihre Sache durch Fiktion, Romane und Fabeln führen lassen muß.“

Radikaler ist Lichtenberg in seiner Sprachphilosophie: „Wir kennen nur allein die Existenz unserer Empfindungen, Vorstellungen und Gedanken. Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt. Zu sagen Cogito ist schon zu viel, sobald man es durch Ich denke übersetzt. Das Ich anzunehmen, zu postulieren ist praktisches Bedürfnis.“

An anderer Stelle resigniert über den Grenzen der Sprache: „Ich denke, oder eigentlich, ich empfinde hierbei sehr viel, das ich nicht auszudrücken im Stande bin, weil es nicht gewöhnlich menschlich ist, und daher unsere Sprache nicht dafür gemacht ist. Gott gebe, daß es mich nicht einmal verrückt macht.“

Andererseits plädiert Lichtenberg für einen sensualistisch-pragmatischen Umgang mit der Sprache: „Die simple Schreibart ist schon deshalb zu empfehlen, weil kein rechtschaffener Mann an seinen Ausdrücken künstelt und klügelt“ und bei allen Menschen von Geist wird man „eine Neigung finden sich kurz auszudrücken, geschwind zu sagen, was gesagt werden soll.“

Und das tut der Mann von Geist mit einem ausgewiesenen Selbst- und Widerstandsdenken, das dem aphoristischen Denken inne wohnt, Requadt schreibt: „Die Geistesverfassung … gründet sich in dem Verzicht auf absolutes Wissen, wie es die Systemphilosophen beanspruchen, er (also Lichtenberg) ist unsicher, von philosophischer Neugierde getrieben. Er vermag kein System aufzubauen, das durch seine Folgerichtigkeit den Intellekt befriedigen würde, da die vita communis das Alltagsleben, dem Erfahrungsdenken die Tatsachen nur verstreut darbietet.“

Ein bloßer Launen-, Stimmungs-, und Perspektivenwechsel entblößt unumstößlich erscheinende Allerwelts- und Schulphilosophie-Weisheiten als vorläufige Bequemlichkeitsverabredungen mit geringer Halbwertzeit.

Lichtenberg schreibt: „Laß dich nicht anstecken, gib keines andern Meinung, ehe du sie dir anpassend gefunden hast, für deine aus; meine lieber selbst.“ – oder: “Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen als wenn man gar keine Meinung hat.“ Und an anderer Stelle: „Man empfiehlt Selbst-Denken oft nur um die Irrtümer anderer beim Studieren von Wahrheit zu unterscheiden. Es ist ein Nutzen, aber ist das alles? wie viel unnötiges Lesen wird uns erspart. Ist denn Lesen studieren? Es hat jemand mit großem Grunde der Wahrheit behauptet, daß die Buchdruckerei Gelehrsamkeit zwar mehr ausgebreitet aber im Gehalt gemindert hätte. Das viele Lesen ist dem Denken schädlich. Die größten Denker, die mir vorgekommen sind, waren gerade unter allen den Gelehrten, die ich habe kennen gelernt die, die am wenigsten gelesen hatten. Ist denn Vergnügen der Sinne gar nichts?“

Sich auf Bacon berufend feixt Lichtenberg gegen die deutsche Systemphilosophie: „Es ist gewiß etwas sehr Charakteristisches in dem Deutschen ein paar Erfahrungen sogleich in ein System zu ordnen, dieses tut der Engländer nicht. Nichts hindert den Fortgang der Wissenschaften mehr, wie schon Bacon und hundert andere gesagt haben.“

Immer wieder geht es Lichtenberg darum neue Blicke durch die alten Löcher zu werfen, der Abbau von Vorurteilen und Ressentiments eröffnet neue Möglichkeiten und stärkt Konjunktiv und Optativ – auch Robert Musil gehört so zu den Lichtenberg-Freunden.

Heinz Krüger, Adorno-Schüler schreibt : „Aphoristisches Denken bricht den Absolutismus der Erkenntnisprinzipien; nicht etwa diese selber, denn es erkennt ja die allgemeinen Gesetze des Verstandes und der Vernunft an als „negative Bedingung aller Wahrheit“, aber es umgreift sie, macht sie zum Widerpart, um den dogmatischen Anspruch der Logik, daß die Wahrheit schließlich zu wissen sei, paradox oder unglaubhaft erscheinen zu lassen.“

Der Aphoristiker besetzt so die Position zwischen nicht-propositionalem Wissen und Nichtwissen, denn so schreibt Schildknecht: „Verschriftlichung bedeutet zugleich immer Entfremdung, Erleben, gefiltert durch die Sprache, also gewissermaßen aus zweiter Hand. Die Veröffentlichung der (verschriftlichten) Privatwelt markiert darüber hinaus einen weiteren Bruch in der Existenzmitteilung des philosophischen Subjekts. Diesem Auseinandertreten von konkret existierenden und stilisierendem, schreibenden Ich kann letztlich nur das Schweigen entgegenwirken.“

Lichtenberg beschreibt die Substantialität des Ichs als kleine systematische Einheit abermals bezweifelnd: „Ehemals zeichnete mein Kopf (mein Gehirn) alles auf, was ich hörte und sah, jetzt schreibt er nicht mehr auf, sondern überlässt es Mir. Wer ist dieses Ich? bin ich und der Schreiber einerlei?“

Nietzsche formuliert dann später nochmals zugespitzt: „Und erst auf diesem nunmehr festen und granitnen Grunde von Unwissenheit durfte sich bisher die Wissenschaft erheben, der Wille zum Wissen auf dem Grunde eines viel gewaltigeren Willens, des Willens zum Nicht-wissen, zum Ungewissen, zum Unwahren? Nicht als sein Gegensatz, sondern – als seine Verfeinerung.“

Ähnlich wie Nietzsche bleibt Lichtenberg immer ein gesellschaftlicher Außenseiter – ein gehobener Salon wie in Frankreich stand beiden zum intellektuellen Austausch an Geist so nicht zur Verfügung. Beide nutzen so das Schreiben noch mehr zum Monolog über Gott und die Welt und schrieben so sprechend die wohl beste aphoristische Prosa im deutschen Sprachraum – gerade auch inspiriert von der reichhaltigen europäisch-französischen Tradition des neuzeitlichen Aphorismus und damit auch eines Nicolas Chamfort.

Im Unterschied zu Chamfort war Lichtenberg vielleicht eher pragmatisch als romantisch veranlagt – auch wenn Lichtenbergs Begeisterung für Jacob Böhme, den deutschen Mystiker, seinen Hang zum Pragmatiker relativiert – der lag dann aber eventuell an seiner zeitlebens bestehenden körperlichen Behinderung – bei Chamfort, der keine Nachfahren hinterlassen hatte, kam die Geschlechtskrankheit über Nacht und veränderte deutlich brutaler seine zwischenzeitlich rauschhafte Lebensart mit dem nachhaltig gärenden Geburtsmakel, der ihn aber trotzdem nicht zum Mann des Ressentiments gemacht hat.

Wo Chamfort das „Ich“ aus Gründen der Aufrichtigkeit gegen sich selbst in die moralistische Geschichte der Psychologie und Philosophie mit einem negativen Unterton einführte, vorher wurden Verallgemeinerungen wie das neutralisierende „Man“ vor allem noch bei La Rochefoucauld bevorzugt : „Ich habe meine Leidenschaften zerstört, so ungefähr wie ein Jähzorniger sein Pferd erschlägt, das er nicht mehr lenken kann“ – da bringt Lichtenberg das gerade gewonnene „Ich“ wieder in Bedrängnis, weil er seine Substantialität im Kern philosophisch bestreitet und einen großen Schritt zum Nihilisten Nietzsche macht: „Cogito ist schon zuviel, sobald man es mit ich denke übersetzt.“

Der General-Skeptiker, Kirchenkritiker und Kulturpessimist Karlheinz Deschner schreibt in seinem Aphorismen-Band „Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln“ (der auf einem oben zitierten Lichtenberg-Aphorismus fundiert) enthusiastisch – wie es auch ein Kurt Tucholsky hätte tun können: „Lesenswerter als alle Offenbarungen: Lichtenbergs Sudelbücher.“

 

LITERATUR

Arnaud, Claude, Chamfort – Die Revolution, der Adel und die Frauen, Berlin 2007.

Chamfort, Nicolas, Früchte der vollendeten Zivilisation – Maximen, Gedanken, Charakterzüge, französisch/deutsch, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Ralph Rainer Wuthenow, Stuttgart 1977.

Egert, Andreas, Vom Werden und Wesen des Aphorismus, Oldenburg 2005.

Lichtenberg, Georg Christoph, Schriften und Briefe, Band 1 und 2, Sudelbücher, herausgegeben von Wolfgang Promies, München 1968.

Schalk, Fritz, Die Französischen Moralisten, Leipzig 1938.

Wuthenow, Ralph Rainer, Wahrheiten über den Menschen – Moralistik und Aphorismus in Europa, herausgegeben von Friedrich Wolfzettel, Heidelberg 2016.

Foto: Bernhard Weber
 

 

 

 

 

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