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Veranstaltung: Bedingungsloser Grundbesitz und Derivate-Kommunismus

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20 Sep , 2017  

Termin: Montag, 6. November 2017, ab 20 Uhr n.h.m.Z.

Ort: NGBK Berlin, Oranienstrasse 25, 10999 Berlin
Im Veranstaltungsraum, 1. OG

Ein Abend in Berlin mit Vorträgen von Achim Szepanski und Anna Newspeak.

 

//Vortrag Anna Newspeak// Bedingungsloser Grundbesitz

Die naturalisierte Konstruktion der Differenz von Erwerbs- und Sorgearbeit (Arbeit und Tätigkeit, Produktion und Reproduktion usw.) unter der absoluten Herrschaft der ersteren ist in Gänze für die nontologische Trauerarbeit zurückzuweisen. Stattdessen gilt es, ausnahmslos alles zu bezahlen, also dem denaturalisierten Weltwertverhältnis zuzuschlagen, und zwar unter der alles umfassenden Voraussetzung der Warewerdung des Geldes (des ökonomischen Kapitals und weiter jeder Kapitalsorte) für alle anderen Signifikanten/Waren, die in Geldform rutschen um sich fortan als (negatives) Kapital zu bewegen. Die Kombination aus Geschichtlichkeit und Bewertung, um die es hierbei entscheidend gehen muss um nicht in bewertungslosen Geschichtslosigkeiten (Gebrauchswert, Bedürfnis, Eigenversorgung, Subsistenz, Urkommunismus, Abschaffung des Geldes als differänzieller Bewegung und Bewertung, aber auch dem Monetären von Anfang an zugrundeliegende Bewertungslosigkeit durch sich selbst als Maßstab setzende Letztvermittlung ohne Vermittlung als In-Bezug-Setzung zu anderen Waren/Signifikanten in Geldform) zu landen, sorgt für den strukturellen Befreiungsschlag, der einhergeht mit der Entmachtung der hegemonialen Weltäquivalenzkette (sozusagen aller Kapitale, in mouffeisch-laclauischer Diktion allen “Hegemonien”; in derridistischer Diktion allen “Präsenzen”), dem Bedingungslosen Grundbesitz des ökonomischen Kapitals (und aller anderen Kapitalsorten, wobei wir über deren BGB-Form kaum etwas wissen), dem Bedingungslosen Grundeinkommen des ökonomischen Kapitals (und aller anderen Kapitalsorten, wobei wir auch über deren BGE-Form kaum etwas wissen), einem ökonomischen Derivatekommunismus (als komplette Neuaufteilung und Neuvoluminisierung aller bisheriger Derivatvolumina unter allen negativen Differenzen der Welt zwecks Entteleologisierung und Denaturalsierung der verkauften Zukunft bzw. Zeit; wobei natürlich nach und nach auch Derivatekommunismen für alle anderen Kapitalsorten zu verwirklichen sind und das von Suhail Malik proklamierte Archederivat all dem vorausgeht), unter allen negativen Differenzen im Disversum vergesellschafteten negativ-differänziellen Geld-, Kredit- bzw. Dendit- und Derivat- bzw. Nerivatschöpfungs- und -vernichtungs”rechten” bzw. -möglichkeiten, einem negativ-destineränziellen Weltmarktun-/gleichgewicht zwischen Produktionssphäre und Reproduktionssphäre bzw. zwischen reellem “Geldkapital” (de-realisiert-aktualisiertes bzw. arte-fakto-actu-virtualitäres Kapital; alle Vermögen, Einkommen und Preise – und das sogar wieder für alle “Kapital”arten, wobei wir hier noch weniger wissen), fiktivem Kapital (in aktualisierender-virtualisierender bzw. arte-fakto-actu-virtualitärer De-Realisierung befindlichem “Kapital”; alle fiktiven Vermögen, Einkommen und Preise – und das sogar auch wieder für alle “Kapital”sorten, wobei wir hier noch viel weniger wissen) und synthetischem “Kapital” (in virtualisierend-aktualisierender bzw. arte-fakto-actu-virtualitärer De-Realisierung befindlichem “Kapital”; alle synthetischen Vermögen, Einkommen und Preise – und das wiederum für alle “Kapital”sorten, wobei wir hier weniger als nichts wissen). Da wir jedoch mit dem negativen Derivat – dem Nerivat – anfangen müssen, um den “Nerivatekomminusmus” (der Fehler ist Absicht: das Kommen des Minus bzw. der Subtraktion) als Pesipalismus (negativer “Kapitalismus” der Unwertverunwertung des Minders als Minderwert, Contrafit, Nins, Subminus, Dedite, Abitrage, Deseignorage etc.) der Foraminifederalogie in der FORS-Simulation, einer disversalen Parallelwelt, aufzusetzen, fangen wir auch mit der Foraminifederation als Ableitung einer Ableitung an, in der sich das Archenerivat als ein in conclusio umgerechnet rund 1 Billiarde Euro schwere Neuverkettung von Raum und Zeit formiert.

 

//Vortrag Achim Szepanski// Derivate-Kommunismus

Die Akzelerationisten und die Linken aller Couleur sind genügsame Sozialdemokraten, die sich damit begnügen, kleinliche Forderungen zu stellen und sich dabei in die Position des Gläubigers zu versetzen, und das alles mit Maß und Anstand. Dagegen gilt es, aus dem Gläubiger-Schuldner-Verhältnis auszubrechen, indem man einerseits den Schuldenstreik einsetzt, andererseits die Forderung liquidiert, sei es, dass man sie bis ins Unendliche übertreibt oder schweigt. Exakt in diesem Schweigen besteht die Rache der Aufständischen. Ist der Kreditkreislauf erst einmal außer Kraft gesetzt, kommt der Derivate-Kommunismus ins Spiel, dessen Optionalitäten nun auf nichts mehr referenzialisieren als auf das Artefakt.

Es gibt generell zwei sich exklusiv ausschließende Linien: Affirmation-Ignoranz-Wert-finanzielles Superkapital versus Negation-Intoleranz-Minus-Wert-Derivate-Kommunismus.

Der Derivate-Kommunismus erfordert die Zerstörung dieser Welt, das heißt zum einen die Zerschlagung des Systems der Lohnarbeit bzw. der Beschäftigung sowie des Systems der prekären, digitalisierten Arbeit, womit auf der Basis der Automation das individuelle Brain und der kollektive Körper wieder de-automatisiert, da heißt einem negentropischen Wissen und einer Arbeit, die neues Wissen hervorbringt, zugeführt werden kann (deswegen halten wir die Frage der Arbeitszeitverkürzung und des bedingungslosen Grundeinkommens für zweitrangig; freie Zeit dient heute nur dem weiteren Konsum von Wegwerf-Gagets). Zum anderen erfordert die Politik der Negation die bedingunglose Zerschlagung aller Formen des fiktiven und synthetischen Kapitals, im konkreten die globale und bedingungslose Enteignung aller Millionäre und Milliardäre – als Unternehmen. Dieses Kapital wird in Derivate umgewandelt, die allerdings nicht mehr in Geld realisiert werden und damit verliert sowohl das Geld als auch das Kapital seine Relevanz. Es beginnt das indefinitive, negative Spiel (Fourier) mit den Derivaten, die auf kommende Derivate bezogen sind, ohne dass eine Synthetisierung qua spekulativem Kapital stattfindet. Dermaßen ist die freie Liquidität eine Option auf den akkumulierten Reichtum im Kommunismus, wobei die derivative Gerechtigkeit nicht nur in der Optionalität auf das historisch schon akkumulierte Wissen und den historisch schon akkumulierten Reichtum, sondern auch in der Optionalität auf den kommenden Reichtum und auf das kommende Wissen besteht. Diese Optionalität wird über Prozesse der psychischen, kollektiven und technischen Individuation hergestellt und ist als eine Transindividuation der Unwahrscheinlichkeiten und der Unterbrechungen negentropisch sui generis.

A-Mathematisch wird der Derivate-Kommunismus folgendermaßen angeschrieben:

Eine komplexe Zahl besitzt zwei Teile: einen realen Teil und einen imaginären Teil, so zum Beispiel 2 + 3i. Wenn man in der Geometrie eine reale Linie zieht und eine imaginäre Linie im rechten Winkel ansetzt, dann kann man die komplexe Zahl als einen Punkt auf dem Graphen (mit seinen zwei Achsen) darstellen. Eine Zahl mit i zu multiplizieren und die Linie im Uhrzeigersinn 90 Grad vom Ursprung zu drehen, das gilt hier als äquivalent. Weiter lässt sich schreiben: 1 * i = 1i, 1i * i = -1 Weil die Quadratwurzel von i -1 ist, so ist n * i * i = n * -1 = -n. Exakt das ist der »Derivate-Kommunismus«. Um ihn kurz und knapp als eine offene Kreisform zu erfassen: Das Reale wird das Imaginäre, das Imaginäre wird das negativ Reale, das negativ Reale wird das negativ Imaginäre, und das negativ Imaginäre wird das Reale (des Derivate-Kommunismus).

 

Jeweils anschließend Diskussion.

Termin: Montag, 6. November 2017, ab 20 Uhr n.h.m.Z.

Ort: NGBK Berlin, Oranienstrasse 25, 10999 Berlin
Im Veranstaltungsraum, 1. OG

Vortragssprache: Deutsch (Lautsprache)

Eintritt: Spende

Weitere Infos:  https://www.facebook.com/events/359001964495549

 

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Achim Szepanski ist ein deutscher Schriftsteller, Musiker und Gründer des Techno-Labels Force Inc. und weiteren Sublabels wie Mille Plateaux oder Ritornell. Seine Aufsätze beschäftigen sich mit der Theorie des Maschinellen, Marx, Adorno, Foucault, Deleuze/Guattari und der Theorie der elektronischen Musik. Zuletzt erschien sein mehrteiliges Werk zu Kapitalisierung und Finance.

Anna Newspeak arbeitet unter anderem zu den Bereichen Marx/Postmarxismen, Wirtschaftstheorie, Poststrukturalismus, Queer Theory, Gender Studies, Intersektionalitätsforschung, Fat and Weight Studies, Lacanismus, Disability Studies, Dekonstruktion, insbesondere auf Derrida spezialisiert, radikale und kommende Demokratietheorie sowie Liquid Democracy, Psychoanalyse, Critical Time Studies, Critical Love Studies und ist Inventor*in der Foraminiferderlogie, der Minderwertforschung und des Bedingungslosen Grundbesitzes (BGB).

Kontakt:
annanewspeak [ett] gmx [dot] de

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