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Die wundersame Kreditschöpfung der privaten Banken

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21 Jul , 2018  

Schon vor 400 Jahren begannen englische Goldschmiede, indem sie die Goldmünzen ihrer Kunden verwalteten und eine Art Urkunde auf sie ausstellten (auf der die Menge des eingelagerten Goldes angeschrieben war) und diese dann als Quasi-Geld weiter verliehen, Papiergeld zu schaffen, ohne dass ihnen weitere Ersparnisse zugeführt wurden. Weil es für die Eigentümer nur noch selten Sinn machte, ihre Goldmünzen direkt einzufordern, konnten die Goldschmiede, die als Vorläufer der privaten Banken zu verstehen sind, mehr Urkunden, die als stoffwertloses Papiergeld fungieren, an bestimmte Empfänger ausgeben als sie selbst Goldmünzen an Vorrat hielten. Profitorientierte Privatbanken versuchten in der Folgezeit das Verhältnis zwischen der Papiergeldmenge und der Menge an Goldmünzen ständig zu vergrößern – dies trifft aber noch nicht ganz den entscheidenden Modus der Bankaktivitäten: Die Geschäftsbanken schaffen nämlich seit geraumer Zeit mit ihren Kreditvergaben sogenanntes Giralgeld, das auf den Bankkonten digital aufgezeichnet wird. Dabei leihen die Geschäftsbanken nicht dasjenige Geld aus, das vorher Kunden bei ihnen deponiert haben, sondern sie produzieren das Giralgeld selbst, indem sie eben Kredite an Kunden vergeben.1 Der Ökonom Mathias Binswanger behauptet sogar, dass die Erfindung der »Geldschöpfung aus dem Nichts« der industriellen Revolution vorausgegangen sei. Unsere Antwort darauf ist zunächst, dass die Banken zwar Giralgeld schaffen bzw. Kredit schöpfen, aber nicht aus dem Nichts, wie es auch Joseph Schumpeter noch annahm, sondern sie schaffen es im Hinblick bzw. im Zugriff auf zukünftige Kapitalvermehrung. Man könnte diesbezüglich von einer Erfindung unter strukturalem Zwang sprechen, den das Kapital setzt.

Dabei ist die Kreditschöpfung keineswegs als ein einseitiger Akt zu verstehen, bei dem etwa ein Demiurg »aus dem Nichts« Geld schöpft, sondern der Kredit bedarf der spezifischen Interaktion zwischen der privaten Bank als Kreditgeber und dem Kunden als Kreditnehmer. Die Geschäftsbanken können Kredit nur dann »schöpfen«, wenn sie für die Ausgabe geeignete Kreditnehmer finden, deren Anzahl von der aktuellen Konjunktur einer Ökonomie abhängig ist, wobei die Banken bei der Kreditvergabe genauestens die Kreditwürdigkeit und Bonität des Kreditnehmer einschätzen (ob die Kreditnehmer zur Rück- und Zinszahlung fähig sind), Sicherheiten verlangen und zum Teil auch überprüfen, wofür die Kunden den Kredit verwenden. Die Schuldner müssen also bei der Kreditaufnahme Sicherheiten vorweisen; man denke an den Hypothekenkredit, bei dem eine Immobilie (in Bezug auf einen bestimmten Kreditbetrag) gepfändet wird und erst nach vollständiger Begleichung der Kreditsumme inklusive der Zinszahlungen durch den Schuldner in dessen Eigentum übergeht. Die Basis der Kreditschöpfung ist hier dann eine schon vorher erbrachte Leistung, die gebaute Immobilie, die die Bank mit einem Preis taxiert. Werden aber von den Kreditnehmern finanzielle Assets als Sicherheiten eingesetzt, dann taucht sofort die Frage ihrer Bewertung und ihrer Komplexität auf. So kann eine Schuldverschreibung einen Kredit zwischen Gläubiger 1 und Schuldner 2 absichern und sie kann dann vom Gläubiger 1 an den Gläubiger 3 und von diesem wiederum an den Gläubiger 4 weitergegeben werden. (Sahr 2017: Kindle-Edition: 5531) Es kommt hier offensichtlich zu langen Verbriefungsketten und -maschinerien, die das Finanzierungspotenzial der Finanzinstitutionen insgesamt gewaltig erhöhen. Für das Jahr 2007 registrierten die Ökonomen des IWF, dass Zahlungsversprechen in der Höhe von 10 Billionen Dollar auf diese Art der Verbriefungsketten zurückzuführen waren. Ist die Sicherheit bspw. eine Staatsanleihe, die impliziert, dass in einem Jahr der Betrag von 1000 Euro und 10 Euro Zinsen zu zahlen sind, und wird diese mittels einer Rückkaufsvereinbarung für einen Monat zu einem geringeren Betrag und zu geringeren Zinsen an einen neuen Investor übertragen, der die Anleihe für 14 Tage wiederum zu einem noch geringeren Preis an ein Dritten verkauft, der sie wiederum für eine Woche noch billiger an einen Vierten überträgt – dann wird hier sofort klar, dass die Sicherheit ihre Funktion tendenziell verliert. Im Fall des Scheiterns des Zahlungsversprechens kann die Staatsanleihe nicht mehr an dessen Stelle gebraucht werden, weil sie sich schlichtweg verdünnisiert hat. Und jedes Kettenglied stellt nun eine neue Gefahr für das Scheitern der ganzen Kette dar, womit man die Risiken nicht wie beabsichtigt minimiert, sondern geradezu multipliziert, das heißt Komplexitätsrisiken zuallererst in Gang setzt.

Es gibt den weitverbreiteten Irrtum, dass die Geschäftsbanken reine Finanzintermediäre seien, die sich das Geld von Kunden zu einem bestimmten Zinssatz ausliehen und exakt nur diese ausgeliehenen Geldsummen dann selbst zu allerdings höheren Zinsen weiter verleihen würden, oder etwa wie ein Logistikunternehmen funktionierten, das Geldkapital an verschiedene Orte verschöbe. Vielmehr aber sind die privaten Banken als Generatoren von zukünftigen Zahlungsversprechen zu verstehen, womit sie zuallererst Potenziale für alle möglichen wirtschaftliche Vorgänge eröffnen. Was die privaten Banken als Kredit ausgeben, das beruht nicht auf bestimmten Verbindlichkeiten (Einlagen der Kunden und Sparer), auf deren Grundlage sie dann Kredite vergeben, und das heißt, dass die Geschäftsbanken keine reinen Geldvermittler sind, die lediglich die Potenz eines Kredits, der auf den Ersparnissen der Kunden beruht, für sich ausnutzen. Sie könnten dann umso mehr Kredite vergeben, je mehr in einer Volkswirtschaft gespart würde und insoweit die Ersparnisse der Wirtschaftsakteure auch auf ihren Bankkonten landeten. Alle privaten Banken könnten dann in einem Land insgesamt nicht mehr Kredite vergeben, als die Kunden bereit wären, ihnen an Ersparnissen zur Verfügung zu stellen. Der Ökonom Mathias Binswanger schreibt dazu: »Die Banken wären dann vergleichbar mit einer Blutbank in einem Krankenhaus. Die Bank müsste ihren Kunden dann genau wie eine Blutbank von Zeit zu Zeit mitteilen: »Leider haben wir im Moment keine Ersparnisse mehr, aber Sie können sich in eine Warteliste eintragen, und wir benachrichtigen Sie dann, wenn wieder Ersparnisse bei uns eingetroffen sind.«2 (Binswanger 2015: Kindle-Edition: 330) Dank der Kreditschöpfung der privaten Banken können jedoch neue Investitionen, höhere Beschäftigung und Konsumausgaben und zusätzliche Staatsausgaben finanziert werden, ohne dass vorher in einer Ökonomie entsprechend gespart wurde, vielmehr ist das Sparen selbst als ein Effekt der Kreditschöpfung zu verstehen und bildet eine Forderung, die entweder eine Verbindlichkeit oder ein Asset impliziert. Der Kredit ist also nicht einfach ein Resultat ökonomischer Aktivitäten, sondern umgekehrt kreiert er bestimmte ökonomische Aktivitäten, er fungiert als Katalysator für Investitionen und Innovationen, für Beschäftigung und Einkommen. Geben aber die privaten Banken im Verhältnis zum Warenangebot und zu den Leistungen einer Volkswirtschaft zu viel Kredite aus, dann kann dies tatsächlich inflationäre Entwicklungen nach sich ziehen, während die Einschränkung des Kreditvolumens zu deflationären Prozessen führt. Die Deflation erhöht die Kosten und den Wert der Schulden, womit sie vor allem den Haltern von Assets, den Kreditgebern und den Finanzinstitutionen nützt. In einer überschuldeten Ökonomie führt die Verringerung der Kredite zu einem sinkenden Angebot an Geld, womit der reale Wert des Geldes steigt und damit auch seine Bedeutung, während die Verbindlichkeiten und Schulden nicht mehr als Geld realisiert werden können.

Für ihre Kreditvergabe benötigen die Geschäftsbanken also keineswegs die Ersparnisse der Kunden, vielmehr besteht ihre »Produktivität« in der Bewirtschaftung der in die Zukunft weisenden Zahlungsversprechen bzw. dem Schöpfen von Krediten, mit denen sie nach Maßgabe ihrer eigenen Kalkulationen, Risikobewertungen und Spekulationen unter anderem möglichst gewinnorientierte Investitionen und Produktionsprozesse von Unternehmen finanzieren und in die Wege leiten. Damit findet keine bloße Umverteilung von Geldmitteln statt, sondern die Geschäftsbanken operieren selbst als ein wesentlicher, das Wachstum generierender Faktor der Kapitalakkumulation einer Volkswirtschaft und sie können damit auch auf der Ebene des »Realkapitals« das Wachstum stimulieren und vorantreiben. Müssten zusätzliche Investitionen hingegen durch mehr Ersparnisse finanziert werden, dann würde dies kein Wirtschaftswachstum erlauben, da höhere Ersparnisse zu einem entsprechenden Rückgang der Nachfrage und der Investitionen führten und von daher auf das Wachstum kontraproduktiv wirkten. Ersparnisse und Konsumtion sind invers aufeinander bezogen, und die Konsumtion ist wiederum proportional auf das Einkommen bezogen, das in der Produktion erzeugt wird. Schließlich ist es die finanzierte Produktion, die dafür sorgt, dass die Ersparnisse mit den Investitionen koinzidieren.3 Das ist die Antwort von Keynes auf das Say`sche Gesetz. Die Finanzierung der Investitionen rein durch Ersparnisse wäre nämlich ein Nullsummenspiel, das nur zur Umverteilung von finanziellen Ressourcen führen würde. Um hingegen ökonomisches Wachstum zu erzeugen, müssen die Investitionen höher als die Ersparnisse sein, wobei zusätzliche Investitionen eben durch die Kreditvergaben der privaten Banken angeschoben werden können. Keynes sieht ganz deutlich, dass die Ersparnisse den Investitionen nicht vorausgehen, sondern dass umgekehrt höhere Investitionen zu höheren Ersparnissen führen und zwar unter der Voraussetzung, dass die privaten Banken zusätzliche Kredite zu ausgewogenen, das heißt zu relativ niedrigen Zinsen vergeben, womit sie zudem auch neue Nachfrage kreieren, durch die das Investment schneller als die Ersparnisse und die Konsumtion schneller als das Einkommen wächst.4

Schauen wir uns den Vorgang der Kreditschöpfung etwas genauer an. Wann immer eine Geschäftsbank entscheidet, dass ein Kunde kreditwürdig ist (er muss Sicherheiten halten und am besten das Potenzial zu zukünftiger Kapitalverwertung besitzen), wird ihm ein Kredit gegeben und damit ein bestimmter Geldbetrag auf seinem Konto gutgeschrieben. Diese Einlagen, sofern sie aus der Kreditvergabe selbst entstehen, nennt man Giral- bzw. Buchgeld, das als Zahl per Tastendruck (man spricht deswegen auch vom Keystroke-Kapitalismus) auf einem Konto angeschrieben wird und mit dem heute zumeist nur noch elektronische Zahlungen abgewickelt werden.5 Verliehen werden also digitale Geldzeichen, die das Giralgeld repräsentieren und als Zahl auf Girokonten angeschrieben werden und seitens der Kreditnehmer immer auch einen Anspruch auf (staatliches) Bargeld inhärieren, und zwar unter der Voraussetzung, dass sie das vertraglich fixierte Versprechen abgeben, in einer bestimmten Zeitfrist zuzüglich einer bestimmten Zinsrate (der Preis des Kredits) den Kredit zurückzuzahlen. Wenn die Geschäftsbank einen Kredit gewährt, hat sie das Geld, das für sie eine Verbindlichkeit darstellt, an den Kunden unmittelbar zu liefern und sie besitzt zugleich ein Asset, insofern sie über einen gewissen Zeitraum Zinsen kassiert, während der Kunde auch ein Asset/Guthaben auf seinem Bankkonto besitzt, aber auch die Verbindlichkeit eingeht, den Kredit plus Zinsen zurückzahlen zu müssen. Diese bilanziellen Beziehungen sind essenziell für das Verhältnis von Gläubigern und Schuldnern. Die auf den Kredit zurückzuführenden Guthaben auf den Konten der Schuldner kann man als »fiktive Depositen« bezeichnen, da sie nicht von den aktuellen Geldbeständen abhängen, über die eine private Bank gerade verfügt. Es ist falsch, wenn der französische Ökonom Francois Chesnais das Giralgeld als fiktives Kapital bezeichnet. (Chesnais 2016: 84) Fiktives Kapital nennt man eher ein Wertpapier, das an den Finanzmärkten gehandelt wird und einen Preis besitzt, der eine Funktion der Zinsraten und der Erwartungen seitens des Käufers des Wertpapiers ist. Dies stimmt nicht im Falle von Bankkrediten, die ja in den Bilanzen der privaten Banken bleiben. Nur wenn Giralgeld/Bankkredite für die Zahlungen der Halter von handelbaren Wertpapieren genutzt werden, transformieren sie zu fiktivem Kapital.6

Mit der Kreditvergabe hat die Geschäftsbank auf der Aktivseite ihrer Bilanz eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden, der auf der Passivseite die Einlage des Kunden als eine Verbindlichkeit der Bank gegenübersteht, wobei diese, und das ist der entscheidende Punkt, aber gerade nicht durch eine Zahlung seitens der Bank ausgeglichen wird, vielmehr entsteht Giralgeld einfach durch die Kreditvergabe der Bank, indem diese ihre Assets (Rückzahlungsversprechen des Schuldners) und Verpflichtungen (gegenüber dem Schuldner) auf beiden Seiten der Bilanz ausdehnt. Es wird damit kein anderes Konto der Bank oder ein externes Konto um den vergebenen Kreditbetrag verringert, vielmehr kann die Bank ihre Kredite stets mit ihren eigenen Zahlungsversprechen bezahlen. Über die gesamte Laufzeit des Kredits bleibt das Versprechen der Bank, den gewährten Kreditbetrag auszubezahlen, ein Versprechen, und nur wenn der Kunde Teile des Betrags als Bargeld abhebt, muss die Bank ihre Barreserven verringern. (Vgl. Seiffert 2014: 89f.) Die Bank bucht auf der Aktivseite ihrer Bilanz ein Darlehen ein und auf der Passivseite bzw. dem Girokonto des Kreditnehmers eine zahlenmäßig identische Gutschrift. Während also auf der Passivseite der Bankbilanz die Verbindlichkeit als Einlage aus der Kreditvergabe erscheint, ist auf der Aktivseite die Bilanzsumme um einen Betrag gestiegen, der in etwa dem Kredit entspricht (minus Reserven). Im Fachjargon heißt dies »Bilanzverlängerung«. (Vgl. Schreyer 2016: 33f.) Die Verbindlichkeit taucht in der Bilanz der Bank schlichtweg auch als »Kundenguthaben« auf. Die Frage, ob bei der Buchung des Betrages dieser von einem anderen Konto abgezogen wird, was zur Reduktion anderer Größen in der Bilanz – entweder der Reserven (Teilreserve-Theorie) oder anderer Mittel führt (Bank als Finanzintermediär) – kann also verneint werden.

Für den Kunden der Geschäftsbank sieht die Sache folgendermaßen aus: Zwar hat er nun die kreditierte Geldsumme zur freien Verfügung, das heißt er kann, zumindest als Unternehmer, den Gebrauchswert des Geldes zur Erwirtschaftung eines Mehrgeldes nutzen, zugleich bestehen aber entsprechende Schulden gegenüber der Bank. Damit agieren sowohl die Bank (Kreditgeber) als auch der Kunde (Kreditnehmer) in der Rolle des Gläubigers und des Schuldners. Während der Kunde ein neues Guthaben in Empfang nimmt und zugleich den Ausgleich der Schulden verspricht (Gläubiger und Schuldner der Bank), fungieren auch die privaten Banken als Schuldner (sie schulden dem Kunden die Zahlungen) und als Gläubiger, letztere, weil sie ein eigenes Zahlungsversprechen qua Giralgeld schaffen und damit auch Zinsen kassieren. In und mit den Kreditakten attestieren sich die Geschäftsbanken und die Kunden wechselseitig ihre Kreditwürdigkeit. (Sahr 2017: Kindle-Edition: 3729). Wir sind nun längst an Verkettungsstrukturen angelangt, in denen es um die permanente Herstellung, Verknüpfung und Terminierung von Zahlungsversprechen bzw. Versprechungsverhältnissen geht.

Die Giralgeldschöpfung bedeutet, dass die Grenzen der Kreditvergabe zunächst ganz im Risikomanagement der Geschäftsbanken liegen. Dies wird auch durch empirische Analysen bestätigt. Der Ökonom Richard A. Werner hat untersucht, ob eine Geschäftsbank, wenn sie einem Kreditnehmer Geld zur Verfügung stellt, diesem die Geldmittel von anderen Konten (innerhalb oder außerhalb der Bank) überweist. (Werner 2017) Dabei kommt er zu dem Resultat, dass die Geschäftsbank das dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellte Geld eben nicht von weiteren internen oder etwa externen Konten überwiesen hat, sodass sowohl die Teilreserve-Theorie als auch die Finanzintermediär-Theorie verworfen werden müssen. Stattdessen hat die Bank das Giralgeld neu kreiert, indem sie es schlichtweg als eine Einlage auf das Konto des Kreditnehmers bucht, obwohl auch eine solche Einlage von Seiten des Kunden oder anderer Kunden gar nicht stattgefunden hat. Es wird der Kreditbetrag lediglich zweimal bilanziert bzw. angeschrieben, nämlich als als ein Rückzahlungsversprechen des Schuldners und als Schulden der Geschäftsbank dem Kunden gegenüber.7 Neue Kredite können dann als Sicherheiten wieder in den Prozess der Kreditschöpfung eintreten und damit weitere neue Kredite erschaffen.8 Auch der Kauf von Wertpapieren (die die Bank sich als Vermögen anschreibt) ist unter der Rubrik Giralgeldschöpfung bzw. als ein mittelloser Kauf zu subsumieren, wenn die Wertpapiere mit Giralgeld gekauft werden, das es bisher noch nicht gab.

Bei der Rückzahlung des Kredits durch den Kunden vermindert sich die Geldmenge Rate um Rate wieder um die entsprechenden Beträge, wobei das vom Kunden eingezahlte Geld vom Bankguthaben abgezogen, ohne dass ein anderes Konto gleichzeitig um diesen Betrag erhöht wird. Die Verbindlichkeit des Kunden verringert sich also um den denselben Betrag wie die Forderung der Bank. Während der Laufzeit des Kredits kommt es meistens nur zu wenigen oder zu gar keinen Barauszahlungen an die Kunden, sodass die Kreditvergabe bis zum Ende des Kreditvertrags ein Zahlungsversprechen der Bank bleibt, das mit der Rückzahlung des Kredits Rate für Rate wieder aufgelöst wird. Es liegt hier schon eine Begrenzung der Kreditschöpfung vor, und zwar in den (allerdings geringen) Bargeldreserven, die die Geschäftsbank halten muss, um den Barabhebungen nachzukommen. Gerät die Geschäftsbank allerdings in eine Vertrauenskrise, dann könnten viele Kunden gleichzeitig hohe Bargeldsummen einfordern, die die Geschäftsbank zu zahlen gar nicht in der Lage ist, weil sie das Bargeld nicht direkt vorrätig hat – sie ist damit aber noch nicht insolvent, sondern lediglich illiquide, wenn sie denn noch Vermögenswerte (und Forderungen) besitzt, die sie mit geringer Verzögerung verkaufen kann oder erfüllt bekommt. Die Geschäftsbanken können für die Bargeldaufnahme auch auf die Zentralbank zurückgreifen, indem sie dort Wertpapiere hinterlegen, die von der Zentralbank als Sicherheit akzeptiert werden. Ein großer Teil der Vermögenswerte der Geschäftsbanken sind jedoch Forderungen, die nicht ohne Weiteres von der Zentralbank als Sicherheit akzeptiert werden, weil sich relativ illiquide Anlagen wie Immobilien, Anleihen, Kredite etc. nicht schnell genug als Geld flüssig machen lassen. Zudem würde in Krisensituationen der massenhafte Verkauf von Wertpapieren und Immobilien durch die Geschäftsbanken die Preise an den Finanzmärkten einbrechen lassen.

Die Geschäftsbanken realisieren während der Laufzeit der vergebenen Kredite Gewinne, die man im Fachjargon »Seigniorage« bezeichnet und die aus der Differenz zwischen dem »Wert« des geschöpften Giralgeldes und den Herstellungskosten resultieren. Die Gewinne der Geschäftsbanken (in den Lehrbüchern werden an dieser Stelle nur die Zentralbanken erwähnt) entstehen also dadurch, dass man Kredite gewährt und den Kreditnehmern Guthaben auf deren Konten gutschreibt, wofür Zinsen verlangt werden. Durch die Kreditschöpfung selbst entstehen keine Gewinne, sondern exakt dann, wenn eine Bank Zinsforderungen stell. Dafür muss die Bank lediglich die Bonität des Kreditnehmers prüfen, das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Tilgung und Zinszahlung leistet. Von der Brutto-Seigniorage (Zinsen) werden die Herstellungskosten abgezogen, insbesondere administrative und infrastrukturelle Kosten, die mit der Zirkulation des Geldes verbunden sind (Gebäude, Software, IT-Infrastrukturen und Löhne, bei der EZB zusätzlich die Druckkosten für Papiergeld). (Häring 2016: 138)9

Zeigen wir die Kreditschöpfung an einem Beispiel, das von vornherein den Interbankenmarkt einbezieht. Vergibt die Geschäftsbank 1 an einen Kunden A einen Kredit, der auf dessen Konto gutgeschrieben wird, und veranlasst dieser eine bargeldlose Zahlung auf das Konto des Kunden B bei der Geschäftsbank 2, dann verzeichnet die Bank 1 einen Zahlungsausgang und die Bank 2 einen Zahlungseingang. Diese beiden Zahlungsflüsse rechnen die Geschäftsbanken Tag für Tag auf speziellen Interbank-Kreditkonten ab, wobei es mittelfristig zu einem Ausgleich der Differenzen auf diesen Konten kommt. Wenn aber nun die Praxis der Kreditvergaben zwischen Banken stark abweicht, bspw. bei einer Bank mehr Forderungen gegenüber Kunden entstehen als bei einer anderen Bank, dann kommt es zu ungleichen Zahlungsströmen zwischen den Banken, die ihre Interbank-Kreditkonten beeinflussen und damit auch ihre jeweiligen Gewinne. Es ist nun nicht mehr der bankinterne Eintrag Forderung/Verbindlichkeit gegenüber Kunden, sondern es sind die Einträge Forderungen/Verbindlichkeiten zwischen mindestens zwei Banken, die hier dann für die Veränderungen in den Geldflüssen wesentlich sind. (Seiffert 2014: 46f.) Es muss hinzugefügt werden, dass die Geschäftsbanken ihre bargeldlosen Zahlungen gegenseitig nur annehmen, weil diese durch Zentralbankguthaben gedeckt sind, die wiederum so gut wie Bargeld sind.

Bei einem Geldabfluss von der Geschäftsbank 1 zur Geschäftsbank 2 hat erstere Schulden gegenüber der letzteren, während für die Geschäftsbank 2 der Geldbetrag ein Guthaben darstellt. Gleichzeitig finden jedoch auch Zahlungseingänge auf die Konten der Geschäftsbank 1 statt, sodass es in der Tendenz zu einem Ausgleich der Schulden und Guthaben der am Zahlungsverkehr beteiligten Geschäftsbanken kommtauf der Gesamtebene exakt dann, wenn alle Geschäftsbanken Kredite in gleicher Höhe bereitstellen und von allen Kreditnehmern Überweisungen in gleicher Höhe an die jeweiligen Geschäftsbanken stattfinden. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Salden der Konten im täglichen Geschäft der Banken aber ständig schwanken, werden sich die Differenzen jedoch über längere Zeitabschnitte in der Tendenz ausgleichen. Die Geschäftsbanken verhandeln zudem untereinander zulässige Differenzen (Kreditrahmen) in den Salden aus und auch dies wird auf den Interbank-Kreditkonten dokumentiert. Die Banken gewähren sich zudem gegenseitig Interbankenkredite, wobei diese kurzfristig und niedrig verzinst sind.10 Bei anhaltenden Zahlungsdifferenzen sind die Geschäftsbanken dazu verpflichtet, die unterschiedlichen Geldbeträge auszugleichen. Damit kommt dann allerdings ein neuer Kontentyp ins Spiel, nämlich das Zentralbankkonto, wobei jede Geschäftsbank gesetzlich verpflichtet ist, ein solches Konto bei der Zentralbank des jeweiligen Landes zu halten und auf diesem müssen Gutschriften (Zentralbankgeld/Geldmenge M0) der Geschäftsbanken in bestimmter Höhe vorhanden sein. Die Geschäftsbanken erhalten diese Gutschriften von der Zentralbank über die Einreichung von Wertpapieren und durch Kredite.

Mit der Kredittilgung findet ein Schreibprozess statt, der das Giralgeld verringert. Dafür stellt der Kreditnehmer entsprechende Geldbeträge auf seinem Konto bereit, die daraufhin von der Bank abgezogen werden. Dabei kommt es natürlich auch wieder zu Zahlungsflüssen zwischen den verschiedenen Geschäftsbanken. Führen die beteiligten Banken Kredittilgungen in gleicher Höhe durch, wobei im Vorfeld dieselben Geldsummen zwischen den Banken dafür überwiesen wurden, dann neutralisieren sich Gutschriften und die Schulden auf den Interbank-Kreditkonten. Je größer der Anteil der internen Überweisungen bei einer Bank ist, desto unabhängiger ist diese Bank von anderen Geschäftsbanken.11

Wenn die Geschäftsbank 1 mehr Kredite vergibt als die Geschäftsbank 2, dann entstehen hier auch schon die ersten Probleme. Bezahlen die Kreditnehmer der Geschäftsbank 1 mit dem Kredit nämlich Rechnungen, die Überweisungen an Geschäftsbank 2 zur Folge haben, dann wird es ein Ungleichgewicht auf den Interbank-Kreditkonten der beteiligten Geschäftsbanken geben und Geschäftsbank 1 muss unter Umständen mit Zentralbankgeld diese Differenz ausgleichen, was den Kontostand auf ihrem Zentralbank-Konto senkt. Die Geschäftsbanken sind verpflichtet auf den Zentralbankkonten bestimmte Geldsummen zu halten (obgleich diese der eigenen Kreditschöpfung nachgeordnet sind) und dies zwingt sie, Sicherheiten zu hinterlegen (Wertpapiere, Edelmetalle, Vermögensgegenstände) sowie der Zentralbank Zinsen bei einer Kreditaufnahme zu zahlen, die jedoch eher niedrig sind. Wenn also eine Geschäftsbank übermäßig Giralgeld durch Kreditvergabe schöpft und gleichzeitig einen ständig höheren Abfluss an Giralgeld durch Überweisungen hat als ihr Giralgeld zufließt, so ist sie gezwungen regelmäßig (zu besichernde) Zentralbank-Kredite aufzunehmen, wobei das Geld auf die Zentralbankkonten anderer Banken fließt. Die Geschäftsbank könnte nun zwar ihre Zinssätze für die Kreditvergaben erhöhen, was zu einem Rückgang der Menge ihres Kreditgeschäfts, aber eventuell doch zu höheren Zinseinnahmen führte. Die Konkurrenz zwischen den Banken lässt dies aber auf Dauer nicht zu. Oder die Bank steigert die Anzahl ihrer Kunden, damit wieder ein Gleichgewicht der Giralgeldflüsse zwischen den Banken hergestellt wird. Und je mehr Kunden eine Bank hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Giralgeld intern in der Bank zirkuliert, sodass keine Transaktionen auf die Interbank-Kreditkonten oder die Zentralbank-Konten erforderlich sind.

Damit gibt es auch schon eine erste Antwort auf die Frage: Warum bemühen sich Banken überhaupt noch um Kunden, wenn sie doch anscheinend doch »aus dem Nichts« Giralgeld schöpfen können? Banken sind zunächst an möglichst vielen Kunden interessiert, auf die hohe Geldsummen von den Kunden anderer Banken überwiesen wird, weil ihnen damit Reserven zufließen, für die sie ansonsten einen Zins zahlen müssten. Bei den Überweisungen der Geschäftsbanken untereinander, die auf dem Interbankenmarkt stattfinden, sind sie auf Reserven bei den Zentralbanken angewiesen.12 Die Konten der Geschäftsbanken, die diese bei den Zentralbanken halten, dienen als Clearing System zwischen den Geschäftsbanken, i. e. die Geldflüsse, die zwischen den Geschäftsbanken fließen, werden dort verrechnet. Allerdings muss nur die Differenz zwischen den gegenseitigen Überweisungen an einem Tag über Reserven beglichen werden. Ein Verlust von Kundengeldern führt zu einem neuen Bedarf an Reserven, die sich die Bank nicht umsonst verschaffen kann, denn sie muss für die Reserven Leistungen erbringen, indem sie entweder Wertpapiere an die Zentralbank verleiht oder sich das Geld von anderen Banken leiht. Der Abfluss von Kundengeldern und fehlende Kundenkonten wirken sich also durchaus negativ auf die Profitabilität der Banken aus. Da heute aber die Zinsen der Zentralbank bei Null liegen und die Geschäftsbanken in Reserven geradezu schwimmen, hat das Interesse der privaten Banken an den Kundengeldern stark nachgelassen. Auch hier gilt wieder anzumerken, dass es einen Unterschied zwischen Eigenkapital und Reserven gibt, der sich darin ausdrückt, dass fehlende Reserven zu einem Liquiditätsengpass bei den Banken führen, den heute die Zentralbank meistens sofort behebt, während die Vernichtung von Eigenkapital zu ihrem Bankrott führt.

Zwischen den Geschäftsbanken zirkuliert das von ihnen selbst geschöpfte Giralgeld. Wenn eine Bank die Differenz der Zahlungen, die ihre Kunden veranlassen, positiv gestaltet, dann muss die Differenz zwischen den Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen bei einer anderen Bank negativ sein. Gegenseitig sich ausgleichende Summen können auch zu Gewinnen bei beiden beteiligten Banken führen (Entnahmen). Seiffert subsumiert diese Vorgänge unter dem Begriff der »strukturell bedingten kooperativen Giralgeldschöpfung«. (Seiffert 2014: 46ff.) Im Gegensatz dazu sprechen wir hier nicht von kooperativer Giralgeldschöpfung, sondern von konkurrenzbedingter Kreditschöpfung, die bei den privaten Banken den Zwang zur Innovation neuer finanzieller Instrumente im Rahmen der komplexen international verwobenen Vernetzungsketten ständig anheizt. Da bei jeder Geschäftsbank tagtäglich in hoher Anzahl Zahlungseingänge und -ausgänge stattfinden, besitzen die Zahlungen zwischen den Banken über längere Zeit die Tendenz sich auszugleichen. Das ist Teil des Konkurrenzkampfes zwischen den Banken. Es ist davon auszugehen, dass die Banken bis zu einem gewissen Grad im gleichen Modus agieren, indem sie bspw. hohe Geldsummen für den Kauf von Wertpapieren und Derivaten einsetzen, welche wiederum ihre Kreditvergaben und ihre Entnahmen steigern können. Und gerade dies führt dann wieder zu neuen Ungleichgewichten bezüglich der Zahlungsflüsse der Banken. Über den Konkurrenzkampf, der unter anderem auf den Interbank-Kreditkonten aufgezeichnet wird, werden Ausgleichsbewegungen in Gang gesetzt, die wiederum von neuen Ungleichgewichten konterkariert werden. Diese Bewegungen funktionieren anders als die Ausgleichsbewegungen zur Herstellung der Durchschnittsprofitraten, in die industrielle und kommerzielle Unternehmen, Branchen und Sektoren involviert sind. Und auch der Profitmechanismus ist hier ein anderer als bei den industriellen und kommerziellen Unternehmen. Wenn Geschäftsbanken unter anderem durch die Kreditschöpfung Renditen erzielen können, so sind sie auf »konventionelle Profite«, die sich aus der Bewirtschaftung der Differenz zwischen Umsätzen und Kosten ergeben, nicht angewiesen. Es geht letztendlich für eine private Bank darum, im Rahmen der dargestellten Mechanismen einen möglichst hohen Anteil an sämtlichen innerhalb einer bestimmten Zeitperiode möglichen Gewinnen aller Geschäftsbanken, die unter anderem aus der Vergabe von Krediten entstehen, abzuschöpfen. Allerdings darf eine Geschäftsbank bei der Jagd nach Extraprofiten nicht zu weit nach vorne preschen, ansonsten gerät sie selbst in Gefahr. Die Konkurrenz der Geschäftsbanken, die sich an den Geld- und Kapitalmärkten zeigt, wirkt stets auch disziplinierend, sie ist quasi-transzendental gesetzt. Und es sind nicht nur die großen traditionellen Finanzinstitutionen, die an diesen Prozessen partizipieren, sondern auch die Banken multinationaler Autokonzerne und die Banken anderer Konzerne wie etwa Siemens sind hier integriert. Es muss allerdings angemerkt werden, dass es durchaus auch kooperative Aspekte in den Relationen zwischen den Banken gibt, wenn sie sich etwa gegenseitig Kredite geben und sich damit sowohl als Schuldner als auch als Gläubiger ähnlicher Summen akzeptieren (rekursiver Kredit), um weitere Zahlungsflüsse wechselseitig zu ermöglichen. (Sahr 2017: Kindle-Edition: 6215) Es können diese wechselseitig vergebenen Kredite heute sogar als Pfand bei der Zentralbank hinterlegt werden.

Um das Problem noch einmal anders zu formulieren: Überweist eine Bank 1 nach einer gutgeschriebenen Kreditaufnahme von 100 000 Euro auf das Konto des Kunden A diesen Betrag auf das Konto des Kunden B bei der Bank 2, dann kann diese einen neuen Kredit vergeben, da sie ja ein Guthaben von 100000 Euro besitzt, das mit Zentralbankgeld gedeckt ist. Was die Bank 1 hier an Kreditschöpfungspotenzial verliert, das gewinnt die Bank 2 hinzu. Der Verdacht, dass es die Banken nur darum geht, möglichst hohe Einlagen zu halten, taucht an dieser Stelle auf. Dann hätten Sparkassen in der Tat relative Vorteile gegenüber Großbanken wie etwa der Commerzbank und der Deutschen Bank. Zum ersten kommt es aber immer wieder zu den schon dargestellten Ausgleichsbewegungen zwischen den Banken: Wenn eine Bank permanent zu hohe Kredite vergibt und damit mehr Giralgeld bei ihr abfließt als ihr zufließt, dann muss sie am Geldmarkt in immer stärkerem Maß als Kreditnehmer auftreten. Dies kann dazu führen, dass andere Banken das Vertrauen in ihre Zahlungsfähigkeit kritisch einschätzen oder gar verlieren und dann ihre Kreditvergabe an die Bank einstellen. Entscheidend bleibt in diesem Kontext der Begriff des finanziellen Gesamtkapitals und die entsprechenden Konkurrenzmechanismen. 13 Zum zweiten besitzen die Großbanken aufgrund des hohen Grads ihrer nationalen und internationalen Vernetzung einfach die wesentlich solventeren Kreditkunden.

Wo liegen nun bei der Schöpfung von Giralgeld (und der Realisierung von Gewinnen) für die Banken die Grenzen? Die erste Limitierung besteht darin, dass die Banken die Gewinne, die aus der Kreditschöpfung entstehen, nicht direkt bei der Ausgabe/Anschrift des Kredits kassieren, vielmehr werden sie erst über die Laufzeit des Kredits realisiert, wenn die Kreditnehmer nämlich regelmäßig Zinsen zahlen und die Kredite tilgen. Kann ein Kreditnehmer nicht mehr zahlen, kommt es zu Verlusten bei der kreditgebenden Bank (Verlust von Zentralbankgeld und der Gegenwert des Kredits), wobei zu beachten ist, dass der Kreditnehmer für eine gewisse Zeit zumindest Geld in die Zirkulation gebracht hat. Auf das Gesamtkapital der Banken bezogen bedeuten Verluste, dass die Verbindlichkeiten der Banken ihre Kreditforderungen übersteigen.14

Man unterscheidet an dieser Stelle weiter zwischen Grenzen, die durch die Mechanismen der durch die Konkurrenz der Unternehmen beeinflussten Kreditschöpfung selbst entstehen, und denen, die durch die Dokumentation der durch die Kreditschöpfung entstehenden Zahlungsströme in den Bilanzen der Banken auftreten. (Seiffert 2014: 51ff.) Zu den Begrenzungen des ersten Modus zählen folgende: 1) Die den konjunkturellen Zyklen der Ökonomie entsprechende Anzahl der Kreditnehmer und das monetäre Potenzial ihrer Nachfrage nach Giralgeld sowie das Volumen der verfügbaren Wertpapiere und Sachanlagen an den Finanzmärkten. Die privaten Banken bleiben, auch wenn sie über die Mechanismen der Beeinflussung der Zinsraten, der Kreditierung und der Veränderung des Geldangebots enormen Einfluss auf die industriellen Investitionen, auf andere ökonomische Aktivitäten und auf die Beschäftigung haben, von der ökonomischen Potenz der Kreditnehmer abhängig, die darin besteht, die Schulden begleichen und Sicherheiten hinterlegen zu können, was immer auch eine Frage der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes und der Weltökonomie insgesamt ist. Und verwenden die privaten Banken zu wenig Aufmerksamkeit auf die Regulierung ihrer Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen, dann sind gefährliche Situationen bis hin zur Insolvenz nicht auszuschließen. 2) Zu hohe Differenzen in den Zahlungsströmen zwischen den Geschäftsbanken führen zu weiteren Begrenzungen. Vergibt nämlich eine Geschäftsbank im Vergleich zu anderen Geschäftsbanken zu viele oder zu hohe Kredite und/oder kauft Sachanlagen und Wertpapiere in zu hohen Summen, dann muss sie mit Schulden auf den Interbank-Kreditkonten rechnen, da es nun zu stärkeren Abflüssen von Zahlungen gegenüber den eingehenden Zahlungen kommt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Größe einer Geschäftsbank und der entsprechende Grad ihrer nationalen und internationalen Vernetzungen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Kreditschöpfung hat.

Hinsichtlich der Buchführungs- und Regulierungsvorschriften, an die die Geschäftsbanken sich zwingend halten müssen, ist von folgenden Grenzen auszugehen (Ebd. 94ff.): 1) Es gibt Mindestreservevorschriften. Die gesetzliche Mindestreserve ist der Betrag, den die Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Zentralbank halten müssen. Die Mindestreserve wurde von der EZB für den Euroraum auf 1% festgelegt, bezogen auf die Höhe der Kundeneinlagen mit einer Laufzeit bis zu 2 Jahren und den von einer Bank ausgegebenen Schuldverschreibungen bis zu 2 Jahren. (Ebd.) Die banktechnischen Mindestreserven, die auf den Kassenbestand bezogen sind, bestimmt die Bank selbst. Allerdings werden die Mindestreserveerfordernisse heute weitgehend durch die Bargeldbestände gedeckt, die die Banken ohnehin halten würden. Zudem ist zu beachten, dass die Reserveguthaben nicht vor der Kreditschöpfung, sondern erst im Nachhinein nachgewiesen werden müssen, wobei die privaten Banken sich die Reserven entweder auf dem Interbankenmarkt oder heute auch ganz problemlos bei der Zentralbank beschaffen können. Die Zentralbanken können es sich im Interesse eines reibungslosen Ablaufes der Kreditschöpfung und bezüglich der Vermeidung von Insolvenzen heute gar nicht mehr leisten, Reserveausgaben an die Geschäftsbanken zu verweigern, sind diese doch bei einer Verknappung oder bei drohender Illiquidität gezwungen, rasch ihre Aktiva zu verkaufen, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Marktpreise von Wertpapieren und Derivaten und damit auf die Bilanzen anderer Unternehmen (nicht nur der Finanzunternehmen) hat. Somit hat sich die Mindestreservepolitik der Zentralbanken an den Geschäftspraktiken der privaten Banken zu orientieren und ist letztendlich davon abhängig. Und damit stellen die Reserven, die die Geschäftsbanken halten müssen, eigentlich keine Grenze für ihre Kreditvergaben mehr dar, womit auch der Geldmultiplikator (der Prozentsatz, den die Banken als Depositen halten müssen, um Kredite zu vergeben), keine bedeutende Rolle mehr spielt. Reserven sind heute für die privaten Banken vor allem eine Ressource, um die Clearing-Prozesse untereinander (der Ausgleich der Guthaben und Verbindlichkeiten am Ende eines Tages am Interbankenmarkt ) am Laufen zu halten.

2) Bestimmte Eigenkapitalanforderungen, die heute durch die Vereinbarungen in Basel 3 bestimmt werden. Danach müssen die Banken die auf der Aktivseite der Bilanz angeschriebenen Geldmittel einer Ausfallrisikobewertung unterziehen, und je nach Höhe muss den Positionen auf der Aktivseite ein gewisser Eigenkapitalanteil gegenüberstehen. (Ebd.) Damit sollen die Verluste, die aus dem Aktivgeschäft der Banken entstehen können, abgedämpft werden, sodass sie zumindest in der Lage sind, ihre Verpflichtungen weiterhin zu bedienen. Es müssen heute von den Geschäftsbanken Kredit-, Markt- und operative Risiken unterlegt werden, wobei für erstere die Aktiva aus Wertpapieren, Kreditvergaben und Sachanlagen mit einem Risikogewicht von 0,20 multipliziert werden (die anderen Risiken werden entsprechend der Kennzahlen der ersteren hochgerechnet). Die sich daraus ergebende Summe wird wiederum mit 8% multipliziert.(Ebd.) Allerdings gelingt es den Geschäftsbanken heute immer wieder neue Derivat- und Kreditformen zu erfinden, deren Risiken in den Verordnungen von Basel 3 noch gar nicht repräsentiert sind.

Die Berechnung der Eigenkapitalquote einer Bank verläuft folgendermaßen: Man bestimmt zunächst das Verhältnis zwischen Eigenkapital (Kernkapital bzw. Stammkapital, i. e. da gezeichnete Kapital plus einbehaltene Gewinne und Rücklagen, Ergänzungskapital und Drittrangmittel) und risikogewichteten Aktiva. (Ebd.) Es gibt eine gesetzlich festgelegte Eigenkapitalquote, die »Kernkapitalquote« genannt wird und den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (der Bilanzsumme) der Bank fixiert. Für deutsche Geschäftsbanken gilt seit dem Jahr 2015 eine Kernkapitalquote von sechs Prozent, ab dem Jahre 2019 soll sie um einen Prozentpunkt steigen. Des Weiteren geht man von zwei Prozent Ergänzungskapital aus, sodass die Eigenkapitalquote insgesamt acht Prozent beträgt. Im Gespräch ist auch, dass die Banken konjunkturabhängige Kapitalerhaltungspuffer aufbauen sollen, die von den konjunkturellen Entwicklungen abhängig sind und in der Rezession abgebaut werden können. Auch hier ist wieder zu betonen, dass die Banken weiterhin eine eigenständige Risikogewichtung vornehmen sowie bei der Evaluation der Risiken entweder ihre eigenen bankinternen Modelle oder die Ratings der Ratingagenturen heranziehen können, womit trotz der Einhaltung der nominellen Eigenkapitalquote die Summe ihrer Aktiva weiter anwachsen kann. Man müsste zur Verhinderung solcher Praktiken eine Beschränkung des Leverage bzw. eine Höchstverschuldungsquote einführen, bei der dann die Aktiva ungewichtet einzuführen wären.

Es gilt weiterhin zu berücksichtigen, dass das Eigenkapital der Banken neben den Immobilien, It-Infrastruktur, Software etc. vor allem aus finanziellen Assets besteht, also aus Zahlungsversprechen, und damit ist es von vornherein als ein endogenes Produkt des Bankensektors zu verstehen, das heute allein durch gesetzliche Vorschriften nicht reguliert werden und bspw. durch Aktienemissionen und einbehaltene Gewinne vergrößert werden kann. Im Prinzip schaffen damit die privaten Banken ihre Vermögen bzw. Eigenkapitalbestände selbst. Zudem können sie sich zur Erweiterung ihres finanziellen Handlungsspielraums jederzeit Kredite an den außerbörslichen OCT-Märkten beschaffen, wo die Verträge als Zahlungsversprechen zwischen zwei juristischen Personen geschlossen werden und den regulativen Auflagen staatlicher Behörden weitgehend entzogen sind. Die hier an anderer Stelle besprochenen Verbriefungen gehören auch zu dieser Finanzierungsart. Schließlich gilt es für die privaten Banken hinsichtlich der Elastizität ihrer Kreditpolitik nicht nur den Faktor Knappheit des Eigenkapitals zu berücksichtigen, sondern die Kalkulation der Kreditwürdigkeit derjenigen Schuldner vorzunehmen, die bestimmte Geldbeträge über einen gewissen Zeitraum zu zahlen in der Lage sind, welche für die Banken Profite realisieren und damit das durch die Vergabe des Kredits eingegangene Risiko rechtfertigen. 3) Bestimmte Liquiditätsanforderungen, wobei es stets zu beachten gilt, dass die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung eines Kredites kalkuliert werden muss. 15

Eine weitere Frage schließt sich an diese Problematik an: Warum benötigt man im gegenwärtigen von den privaten Banken und anderen Finanzinstitutionen dominierten Finanzsystem überhaupt noch die Zentralbanken? Es gibt dafür zunächst folgende Antworten: Zum ersten benötigen die Geschäftsbanken Reserven, da die Kunden ständig Bargeld nachfragen (mit dem Anstieg der Menge an Giralgeld steigt auch der Bedarf an Bargeld); für den Bezug des Bargeldes benötigen die Geschäftsbanken die Zentralbank, die das vom Staat geschaffene rechtliche Monopol auf die Erzeugung desselben besitzt. Zum zweiten müssen die Geschäftsbanken zumindest in bestimmten Ländern Mindestreserven halten. (Die EZB hat im Zuge ihrer Politik des »quantitative easing« die Mindestreservequoten aber deutlich gesenkt.) Je mehr Giralgeld die privaten Banken schaffen, desto mehr Reserven müssen sie dann auch bei der Zentralbank abrufen. Drittens werden die Reserven vor allem im Interbankenverkehr benötigt, der über das Clearing-System der Zentralbanken abgewickelt wird. Zwar können sich die einzelnen Banken auch untereinander Reserven ausleihen, aber das gesamte Geschäftsbankensystem kann seinen Bestand an Reserven nur dann ausweiten, wenn sie durch die Zentralbanken zur Verfügung gestellt werden.16 Viertens sind die Zentralbanken für die Stabilisierung des Werts einer Währung verantwortlich, was immer mit der Kapazität des Staates verbunden ist, seine Bürger ausreichend zu besteuern.

1 Joseph Schumpeter schreibt: »Etwas Ähnliches wie eine Bescheinigung künftiger Produkte oder wie die Verleihung von Zahlkraft an die Versprechungen des Unternehmers gibt es nun wirklich. Das ist der Dienst, den der Bankier dem Unternehmer erweist und um den sich der Unternehmer an den Bankier wendet … so wäre er nicht Zwischenhändler, sondern Produzent von Kredit, d.h. er würde die Kaufkraft, die er dem Unternehmer leiht, selbst schaffen … Man könnte ohne große Sünde sagen, daß der Bankier Geld schaffe« (Schumpeter1950:197).

2 Würden die Geschäftsbanken tatsächlich nur Geld verleihen, welches sie vorher von Sparern erhalten haben, dann müsste dieses Geld auf der Aktivseite der Bilanzen auftauchen. Die größeren Teile des Geldes findet man aber auf der Passivseite der Bilanzen, und hier insbesondere bei den Guthaben der Bankkunden. Das gesamte Giralgeld einer Ökonomie befindet sich auf der Passivseite der Bilanz der Bank, das heißt es stellt Schulden dar.

3 Die Ersparnisse sind von den Investitionen abhängig und diese wiederum von der Profitrate. Die Akkumulationsrate (Wachstumsrate des Kapitals) ist auf die erwartete Nettoprofitrate (erwartete Profitrate minus Zinsen) und die Sparrate auf die relative finanzielle Lücke zwischen Investment und Ersparnissen bezogen. Kurzfristig wird die Zinsrate steigen, wenn die Lücke positiv ist, aber langfristig wird der Finanzierungsbedarf der Unternehmen stets auf die durchschnittlichen Profitraten und die entsprechenden Preislevel bezogen sein.

4 Über Kredite werden Investitionen finanziert und diese fließen u. a. als Einnahmen wieder auf die Konten von Bankkunden, die diese im selben Jahr nicht unbedingt ausgeben. Das wird dann von der VGR als Sparen definiert. Aus den ex post Betrachtungen der Statistiken kann man keine Kausalität ableiten, wie dies etwa mit dem BIP oder der VGR getan wird, da hier die Art der Finanzierung nicht berücksichtigt wird. Zusätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass die Finanzierung von Investitionen zum Wachstum der Löhne und des Konsums führen muss, ansonsten ließen sich die neuen Produkte gar nicht absetzen. Es muss zur Zunahme des gesamten Outputs einer Volkswirtschaft kommen

5 Horst Seiffert nennt das einen »geldschöpfenden Schreibvorgang«. (Seiffert 2014: 31) Wenn die Gutschrift auf dem Konto (Sichteinlage) erfolgt, erhöht sich die Geldmenge, die heute zu einem hohen Anteil aus Einlagen auf Bankkonten besteht.

6 Die Kreditvergabe firmiert, soweit der Kreditnehmer den Betrag nicht in bar abhebt, als bargeldloser Zahlungsverkehr. Dieser inkludiert die wechselseitige Verrechnung der auf Bankkonten laufenden Zahlungen mittels interner Umbuchungen innerhalb einer Geschäftsbank oder den Zahlungsverkehr zwischen den Geschäftsbanken (Interbankenmarkt) qua Giralgeld. Wenn die Kreditnehmer ihre Konten direkt als Zahlungsmittel benutzen, ohne Bargeld abzuheben, dann entzieht sich dieser Prozess der Zentralbank.

7 Eine Bank kann dagegen die Einlage des Kunden Y als Kredit an den Kunden X nicht weiterreichen, da die Bankeinlagen lediglich für die Bank eine Verbindlichkeit darstellen (, die auf der Passivseite der Bankbilanz verbucht wird und keine Vermögensposition ist, die ausgeliehen werden kann.

8 Bei der Kreditvergabe von Banken entsteht Giralgeld durch eine Buchung, die einer Bilanzverlängerung entspricht. Die Kreditsumme wird sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite des Geschäftskontos der Bank eingetragen. In der Bilanz bezeichnen die Passiva die Herkunft einer Geldsumme, während die Aktiva deren Verwendung darstellt. Auf der Passivseite stehen also die Verbindlichkeiten der Bank (ausgegebene Anleihen, Guthaben von Konten, Eigenkapital), auf der Aktivseite u. a. die vergebenen Kredite. Die Bank benötigt Eigenkapital, um die Kredite bis zu einem gewissen Maß abzusichern. Die Herkunft der Vermögen (Fremdkapital) sind die Schulden der Bank, darunter auch ihr Eigenkapital, worunter man solche »Schulden« versteht, die sie bei sich selbst macht und nicht zurückzahlen muss (Passivseite). Die Zinsen werden bei der Kreditvergabe nicht kreiert, vielmehr werden die entsprechenden Summen werden Akteuren, die sich im Wettbewerb untereinander befinden, entzogen. Zinsen tauchen erst dann in der Bilanz auf, wenn Tilgung und Zinszahlungen für den Kreditnehmer anstehen. Es ist nie genug Geld vorhanden, um alle Zinsen in einer Ökonomie zu bezahlen.

Die Bankbilanzen verweisen auf einen Synchronisierungseffekt, wobei den Gläubigern auf der Passivseite der Eindruck vermittelt werden soll, dass die Schuldner auf der Aktivseite genügend Zahlungsflüsse generieren werden, um die Gläubiger zu bedienen. (Sahr 2017: Kindle-Edition; 5608) Die Bilanzen zeigen an, dass die Schulden Anderer bzw. die Kredite als Vermögen sich in dynamischen und interdependenten Beziehungsgeflechten mit den eigenen Schulden bzw. Krediten als Verpflichtungen ausgleichen. Durch neue, beglichene oder auch gescheiterte Relationen verschieben sich aber die Ausgleichsbewegungen ständig, wobei die Bilanzen zu bestimmten Zeitpunkten durch neue Verschuldungen tatsächlich ausgeglichen werden müssen, und dies geschieht alles unter der Voraussetzung, dass die Agenten als Risikoträger die Plätze von Schuldnern und Gläubigern einnehmen. Die Problematik der Bankbilanzen als kurzfristiger Schnappschuss von Unternehmensaktivitäten, besteht u.a. darin, dass sie an eine Kette nicht in ihnen registrierter bzw. außerbilanzieller Zahlungsversprechen gebunden sind, sich selbst verstärkende stochastische Ablaufprotokolle in ihnen befinden und schließlich die Existenz politischer Bürgschaften, die die großen Banken heute per se schützen, zu berücksichtigen ist. (Ebd.: 5801)

9 Die Brutto-Seigniorage der Banken im Euroraum soll derzeit ca. 300 Milliarden Euro im Jahr betragen. (Häring 2016:139) Nach Abzug administrativer Kosten für die Mitarbeiter und die IT-Infrastruktur ergibt sich ein Netto-Gewinn von ca. 150 Milliarden Euro.

10 Die Zinssätze bewegen sich zwischen 0,5 und 1,5 Prozent, wobei sie sich an Leitzinssätzen wie dem Libor (London Interbank Offered Rate) oder dem Eurobor (Euro Interbank Offered Rate) orientieren, letztlich aber von den Geschäftsbanken frei ausgehandelt werden. Die auf den Interbank-Kreditkonten gehaltenen Beträge nennt man Nostroguthaben; sie sind in der doppelten Buchführung der Banken entsprechend eingetragen. Die Konvergenz von Datenerfassung und Datendokumentation, die sich ursprünglich auf finanzielle Transaktionen an den Märkten beschränkt hat, wird mit immer neuen Indikatoren angereichert, wofür man eine integrierte Unternehmenssoftware benötigt, wobei seit den !970er Jahren die doppelte Buchführung in den Unternehmen mit relationalen Datenbanken und und Programmen ausgeführt wird.

11 In der Tendenz müssen die Geschäftsbanken auf ihren Interbank-Kreditkonten den Ausgleich von Zahlungen herstellen. Bei ausgeglichenen Zahlungsbilanzen sind bestimmte Entnahmen für die Banken quasi umsonst zu haben. Da die Banken in verdichtete und komplexe Netzwerke eingebunden sind, besitzen insbesondere diejenigen Banken, die eine entsprechende Größe und damit auch höhere lokale, nationale und internationale Verflechtungen aufweisen können, Konkurrenzvorteile gegenüber den kleinen und weniger vernetzten Banken. Die Banken sind also miteinander intensiv verflochten und sind je nach Wirtschaftsentwicklung darauf angewiesen (infolge ungleicher Zahlungsbilanzen auf den Interbank-Kreditkonten), die Kreditvergabe, den Wertpapierhandel und die Entnahmen entweder zu steigern oder zu drosseln.

12 Nur die Zentralbanken können Reserven bzw. das Zentralbankgeld erschaffen, indem sie es den Geschäftsbanken leihen. Diese benötigen es wiederum für ihr Interbankengeschäfte und für den Kauf von Staatsanleihen.

13 Die Banken schöpfen Giralgeld zudem durch den Kauf von Aktiven (Wertpapiere, Devisen, Gold und Grundstücke) bei den Nichtbanken. Kauft eine Bank etwa die Anleihen eines Unternehmens, dann schreibt sie diesem einen Geldbetrag gut, genauso wie sie es auch bei der Kreditvergabe an das Unternehmen tun würde. Solange Banken mehr Aktiven kaufen als verkaufen, schaffen sie damit auch Giralgeld. Wertpapiere werden so durch die Bank monetarisiert, d. h., es wird Geld geschaffen, ohne dass jemand anderes es verliert. Doppelt monetarisiert werden Staatsanleihen, die von Geschäftsbanken wiederum an die Zentralbank verkauft werden können. Beim Verkauf der Staatsanleihen erhalten die Geschäftsbanken Reserven, womit die Staatspapiere für die Geschäftsbanken monetarisiert sind.

14 Da die Banken bereits realisierte Gewinne nur zu geringen Prozentsätzen zurücklegen, um ihr Eigenkapital zu erhöhen, steigen auch von dieser Seite her die Gefahren, dass in Krisensituationen Banken insolvent gehen können (große Teile der Gewinne werden hingegen als Boni und Dividenden ausgeschüttet). Schließlich entsteht bei anhaltenden Vertrauensverlusten in die Bank die Gefahr des Bankruns. (Häring 2016: 160)

15 Wird aus irgendwelchen Gründen die ohnehin geringe Bargeldhaltung der Geschäftsbanken vermindert, so müssen die darauf aufgebauten Kredite in Form von Sichtguthaben um ein Vielfaches vermindert werden (beim Verhältnis 1 : 10 um das Zehnfache des Bargeldabflusses). Dadurch kann eine Kreditklemme im Bankensystem entstehen. Wenn nämlich alle Inhaber von Girokonten einer Bank ihre Guthaben gleichzeitig in bar abheben würden, könnte sich herausstellen, dass nur ein Bruchteil ihres Geldes bei der Bank vorhanden ist. Die betreffende Bank müsste Konkurs anmelden, und es bestünde die Gefahr, dass dann auch andere Banken von den Kunden leergeräumt würden.

16 Bargeld und Reserven werden nur durch die Zentralbanken geschaffen. Das Zentralbankgeld umfasst das Bargeld plus die Reserven (Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank) und das umlaufende Bargeld. Das entsprechende Geldmengenaggregat M0 ist nur ein Bruchteil der Geldmengen M1, M2 und M3. Es steht auf der Passivseite der Zentralbanken, da es eine Verbindlichkeit gegenüber den Geschäftsbanken und den Nichtbanken darstellt. Bargeld muss heute nicht mehr in Gold umgetauscht werden.

Geld wird auch dann als Zahlungsmittel akzeptiert, wenn es nicht durch Edelmetall oder reale Werte gedeckt ist, sondern durch das Vertrauen, dass beispielsweise Kredite auch in Zukunft zurückgezahlt werden. Kreditbeziehungen als Zahlungsversprechen funktionieren nur, wenn diesen auf breiter Ebene in der Bevölkerung vertraut wird. Mit dem Vertrauen als sinnleitender und zugleich performativer Praxis wird in den sozialen Prozessen Unsicherheit, die durchaus auch Routinen einschließt, geschaffen wie auch eingeschränkt.

Die künftige Gewinnperspektive, die ein Unternehmen als Kreditnehmer der Bank als Kreditgeber eröffnet, ist der Ausgangspunkt des beiderseitigen Investierens, und der realisierte Gewinn des Unternehmens (der die Zinszahlungen an die Bank realisiert, wobei diese primär sind) rechtfertigt die Antizipationen, die mit den Schulden gemacht werden. Um es kurz zu sagen, der erwartete Gewinn erzeugt die Mittel, mit denen man ihn erzeugt. Es spielt also keine Rolle mehr, ob die auf der Passivseite der Bilanz sich befindenden Banknoten durch Gold, Handelswechsel oder Staatsschulden gedeckt sind, vielmehr ist das Vertrauen entscheidend, dass die von den Banken vergebenen Kredite produktiv bzw. gewinnbringend verwendet werden, sodass es zu anhaltendem Wirtschaftswachstum kommt. Dann kann auch der Staat seine Schulden zurückzahlen, weil er aufgrund des Wirtschaftswachstums höhere Steuereinnahmen generiert. Auch die Unternehmen können die Kredite dann ohne weiteres zurückzahlen, da sie ja profitable Geschäfte tätigen. Wenn Banken Kredite vergeben, die die Produktionskapazität der Wirtschaft erhöhen, dann ist das Geld durch die zukünftig mit diesem Geld getätigten Produktionen gedeckt.

17Vielfach werden bestimmte Unternehmen den produzierenden Unternehmen zugeordnet, während sie doch viel eher als finanzielle Unternehmen zu betrachten sind. Man nehme das Beispiel Apple. Apple besitzt eine Börsenkapitalisierung von 750bn Dollar. An Vermögenswerten/Assets besitzt Apple 27bn Dollar, die rein auf das Eigenkapital, Produktionsstätten und Equipment fallen, während die finanziellen Sicherheiten eine Höhe von 170bn Dollar ausmachen. Das Apple Unternehmen Braeburn, eine in Nevada ansässige Firma, ist heute der größte Investmentfonds der Welt. Zudem kauft Apple seit dem Jahr 1998 massiv Aktien zurück, um seine Aktienkurse und Dividenden zu erhöhen. Die Geschäfte aus dem Derivathandel haben einen Umfang von 120 bn Dollar (nominal auf die Verträge bezogen). (Vgl. Norfield)

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