Kritik des Konzepts der abstrakten Arbeit

Abstrakte Arbeit

Dem Versuch der marxistischen Ökonomen, dem Begriff der abstrakten Arbeit (in Relation zu dem der konkreten Arbeit) endgültig habhaft zu werden, ist natürlich die Marx’sche Kritik an der klassischen Nationalökonomie vorausgegangen, wobei deren Adepten sich in einen Zirkel sondergleichen verfangen hatten, als sie die Arbeit als Quelle allen Werts definierten, ohne etwas über den Wert dieser Quelle aussagen zu können. Wenn wirklich die Arbeit Quelle des Werts wäre, worin müsste dann der Wert dieser Quelle bestehen, wenn man der Arbeit nicht von vornherein ein unendliches und unermessliches Potenzial andichten will? Damit würde die Arbeit nämlich in einer einzigartigen Ekstase die gesamte Ökonomie der Äquivalenz in die Turbulenz ihrer eigenen Unermesslichkeit und Unabschätzbarkeit hineinziehen. (Vgl. Lenger 2004: 127) Marx schlägt an dieser Stelle wie so oft eine »Lösung« vor, die in der Fabrikation eines neuen Problems besteht, d. h., er nimmt nicht nur eine Umgruppierung von Begriffen vor, sondern er entwickelt neue Begriffe, die er wiederum in neue Kombinationen und Konstellationen transponiert, um ganz spezifische Relationen und Resonanzen zu erzeugen. Nicht die Arbeit, sondern die Arbeitskraft werde gekauft und verkauft, schreibt Marx, und das ist mehr als nur als eine Randnotiz zu verstehen, was sich da mit der Einführung des Begriffs der Arbeitskraft andeutet, um sich in der Bestimmung der Differenz von Arbeit und Arbeitskraft fortzuschreiben. Im Arbeitsbegriff selbst entziffert Marx die Schrift einer Differenz, um von vornherein jede Substanz oder jedes Wesen, das man gemeinhin der Arbeit andichtet, in Verruf zu bringen. Daraus lässt sich wiederum zwingend folgern, dass es sich zwar bei der Arbeitskraft, aber nicht bei der Arbeit um eine ökonomische Kategorie sui generis handelt. (Ebd.: 112ff.)

Das ständige Lavieren von Marx, wenn er von toter und lebendiger Arbeit spricht, von produktiver und unproduktiver Arbeit, von konkreter und abstrakter Arbeit, von Handarbeit und Kopfarbeit oder gar von Arbeit sans phrase, all dies zeigt, dass aus gutem Grund der Begriff der Arbeit bei Marx fehlt. Dennoch scheint zumindest dem Term »abstrakte Arbeit« im Marx’schen Begriffskorpus eine ganz besondere Bedeutung zuzukommen. Schon der Wert, der die Relation Ware-Geld-Kapital »konstituiert«, ist – wie Marx immer wieder betont – etwas rein Gesellschaftliches, in das »kein Atom Naturstoff« eingeht. (MEW 23: 62) Schließlich haben wir es Marx zufolge im Kapitalismus mit einer sozialen Gegenständlichkeit zu tun, einer seltsam gespenstischen Wertgegenständlichkeit, welche die abstrakte Arbeit repräsentiert. Das Gespenstische kann seinen Körper doch nicht loswerden, er haftet ihm als Un-Ding weiter an, womit wir uns längst im Reich des Untoten befinden, wo man es weder mit Totem noch mit Lebendigem zu tun hat. Um Klarheit in diese Art der Spektralisierung des Sozialen (Derrida) zu bringen, rekurriert Marx auf ein die gespentstische Wertgegenständlichkeit konstituierendes Medium, das er in der abstrakten Arbeit entdeckt, er spielt auf ein »immanentes Wertmaß« an, das zwar nicht direkt die Quantifizierung von Größen, aber zuallererst eine (quantitative) Vergleichbarkeit der heterogenen Waren ermöglichen soll und als solches die Voraussetzung zur Messung von Größen durch ein äußeres Maß ist, welches wiederum das Geld ist. (MEW 23: 559) In diesem Zusammenhang schreibt Marx, dass Tauschwert setzende Arbeit eine spezifisch gesellschaftliche Form (abstrakte Arbeit) sei. Daraus lässt sich wiederum folgern: Wenn Marx den Begriff »gesellschaftliche Form der Arbeit« synonym mit dem der abstrakten Arbeit gebraucht, dann reflektiert dies, dass abstrakte Arbeit den Wertformen kohäriert und in diesen insistiert, womit sich die Dezentrierung des Begriffs abstrakte Arbeit schon andeutet, der doch in der marxistischen Diskussion meistens nach wie vor grundlegend als Substanz, Stoff oder als bloße Verausgabung von Energie vorgestellt wird. (Vgl. Rubin 1973) Wie aber Marx selbst feststellt, wird die (abstrakte) Arbeit von Formbestimmungen durchzogen, ist selbst nicht als Stoff, der etwa eine Gestalt bzw. Form annimmt, zu verstehen, wobei die Formbestimmungen selbst als mediale Übersetzungen zu erfassen wären, in die die abstrakte Arbeit in spezifischer Weise integriert ist. (Vgl. Lenger 2004: 129) Im Anschluss an Heiders Medientheorie wäre davon auszugehen, dass lose gekoppelte Elemente, Medien, nur in und mit Differenzierungen und Disseminationen zu Formen gerinnen, die sich dann als immerwährende Ströme weiter wälzen. Arbeit wird den medialen Übersetzungen (Produktion) quasi von außen zugesetzt, um durch die Formen und Formierungen hindurch an den Produkten festzukleben, sozusagen sich als Spur einer Bewegung festzusetzen und sich damit in Produkten zu materialisieren. Und abstrakte Arbeit ist dann eben nicht als die Substanz des Werts zu verstehen, sie kann als solche weder verausgabt noch aufgezeichnet werden, vielmehr geht es hier um nichts anderes als um die Signifizierung der Arbeit als Position/Stelle innerhalb einer medial-semiotischen Struktur des Kapitals als Gesamtkomplexion. Signifizierung drückt nicht eine im Tausch zustande gekommene Geltung aus, welche private Arbeiten zu gesellschaftlich notwendigen abstrakten Arbeiten transformiert, sondern der Term abstrakte Arbeit ist selbst als das Resultat einer kapital-logischen Komplexität zu begreifen, die als je schon monetäre Kapitalisierung den Selbstbezug von Geld auf Geld als Vermehrung affirmiert. Mit dieser Bestimmung wird die in der Rezeptionsgeschichte des Marxismus vorherrschende Definition des Werts als konstituiert durch ein sog. Drittes unterlaufen (abstrakte Arbeit hier verstanden als kristallisierte gesellschaftliche Substanz oder als Resultat von Tauschprozessen).

(Was hat es nun mit diesem ominösen Dritten auf sich? Aristoteles hatte schon nach einem Gemeinsamen in den Waren gesucht, und er kam zu dem (negativen) Ergebnis, dass dieses Gemeinsame zumindest nicht in der Physis zu finden sei, vielmehr stellt sich die Gemeinsamkeit der ausgetauschten Waren als ein sozialer Bedeutungszusammenhang her, der sich im Geld als Konvention anzeigt. Dabei ist das Geld keineswegs etwas Dingliches, vielmehr, so bei Aristoteles zumindest als Ahnung, zeigt sich in der Gleichsetzung der Waren mit Geld eine soziale Geltungsstruktur an. Karl-Heinz Brodbeck vermutet, dass es später Marx gerade die Geldverhältnisse seiner Zeit angesichts der uneingeschränkten Herrschaft des Goldes als Geldware nicht erlaubten, den reinen Bedeutungsgehalt und die Geltung des Geldes, das sich im Vertrauen auf Geld offenbart, zu erkennen. Die Einheit der in der Gleichung (Ware A= Ware B) verschiedenen Dinge, wie Marx sie vorführt, wird hier, so Brodbeck, durch eine ihnen innewohnende, allgemeine Substanz, nämlich der Wertsubstanz, die in den Waren steckt, metaphysisch rekonstruiert. (Brodbeck 2009: 541) Aus der Aneinanderreihung von zufälligen Tauschprozessen lässt sich weder eine gemeinsame Wertsubstanz der Waren (abstrakte Arbeit) noch das Geld „ableiten“. Wenn nämlich zufällig zwei Waren an verschiedenen Plätzen von verschiedenen Personen getauscht werden, so Brodbeck, dann sind ebenso viele Gleichungen wie Plätze oder Tauschpartner vorhanden, und es stellt sich die Frage, was dann das Gleiche all dieser Gleichungen als ein Drittes (Substanz) sein soll. (Ebd.: 542)

Marx bezieht sich hier implizit auf die Metaphysik der Scholastik, die zwei differente Dinge hinsichtlich einer ihnen innewohnenden Substanz als identisch bezeichnet, während sie wiederum gleich bezüglich eines cartesianischen Egos sind, das Gleichheiten in den Dingen entdeckt. Marx spricht von Gleichheit, befindet sich aber zugleich im Dunstkreis der Scholastik und ihrer These von der identischen Substanz.

Zudem wäre an dieser Stelle noch der von Brodbeck und Heinrich konstatierte logische Bruch im Kapital Bd.1 zu untersuchen, wobei Marx zunächst die Gleichung in der Wertformanalyse als ein objektives Verhältnis zweier Dinge untersucht, dann aber die tauschenden Warenbesitzer A und B einführt und die kategoriale Bestimmung des quantitativen Verhältnisses der Waren in die Intersubjektivität der Tauschpartner verlegt.

Brodbeck liegt richtig darin, wenn er schreibt, dass sich an den vielen konkreten Arbeiten nichts Gemeinsames oder Abstraktes entdecken lässt, das so etwas wie eine Substanz seine könnte. Dass abstrakte Arbeit wiederum im Konext der Austauschprozesse von Waren in der Zirkulation verortet werden könnte, taucht bei Brodbeck in diesem Zusammenhang nicht auf. Wir kommen später darauf zurück.

Für Brodbeck ist auch die Arbeitszeit kein abstraktes Maß der Arbeit, vielmehr könnte allenfalls die konkrete Zeit eines konkreten Arbeiters gemessen werden. Aber die Differenz zwischen den verschiedenen konkreten Arbeiten ist hier auch nicht zu eliminieren, indem etwa ein externer Beobachter die Arbeitszeit mit seiner Uhr misst. Dabei gilt es zu beachten, dass der Zeitmessung als naturwissenschaftlichem Projekt zumindest kategorial jener soziale Gehalt fehlt, der für den Wert und das Geld verantwortlich sein soll. Was an der Arbeit abstrakt sein soll, sei, so Brodbeck, einzig der Rechnung mit Geld geschuldet, das sich an der Arbeit als fremde Kostenrechnung geltend macht.

Dabei macht das Geld zwar alles gleich, unterscheidet aber nicht, ob es sich um ein von hoch qualifizierter Arbeit entwickeltes Produkt als Entwurf oder um ein mit einfacher Handarbeit hergestelltes Produkt handelt. Die Gleichgültigkeit des Geldes bezieht sich zudem nicht auf verschiedene Prozesse der Hervorbringung von Produkten, sondern nur auf die Waren, die auf dem Markt erscheinen. Ihre Herkunft, so Brodbeck, sei je schon vergessen und deshalb eben gleichgültig. Die Gleichgültigkeit, die aus dem Geld ablesbar ist, bezieht sich also nur auf fertige Produkte. Und wenn das Rechnen mit Geld die Produktion organisiert (und nicht umgekehrt), und das im Hinblick auf die erst zu verkaufenden Produkte und damit alles in Kosten verwandelt, so verschwindet eben auch die qualitative Differenz zwischen Arbeit und Maschine, Rohstoff oder Dienstleistung.

Die Kritik von Brodbeck ist an dieser Stelle treffend. Man hat ähnliche Kritiken auch in der marxistischen Diskussion zur Kenntnis genommen und wie etwa John Milios und Michael Heinrich die abstrakte Arbeit in der Zirkulation verortet. Der Vergleich der konkreten Arbeiten als homogene, abstrakte Arbeit findet hier im Akt des Austauschs statt, einer Menge gegebener Arbeit mit Geld. Das Konzept der abstrakten Arbeit ist allerdings unserer Meinung nach nur eine Hilfskonstruktion, die Marx nach den ersten Kapiteln im Kapital aufgibt. Es ist das Geld, das an den Märkten die “abstrakte Arbeit” misst, wobei an dieser Stelle, nämlich der der Zirkulation, der Begriff selbst überflüssig wird.

Der Begriff abstrakte Arbeit scheint zudem oft mit einem quantitativen Teil der konkreten Arbeit identifiziert zu werden, demjenigen, der zu durchschnittlichen Produktionsbedingungen produziert wird, für deren Produkt es eine Nachfrage gibt und die zur Produktion in einem bestimmten Sinne beiträgt. Man kann dies vor dem Markt nicht messen und deshalb hat abstrakte Arbeit keine determinierte Existenz. Abstrakte Arbeit hat allenfalls eine zeitliche Dimension, die aber nicht gemessen werden kann, es sei denn, man nimmt an, dass abstrakte Arbeit gleich konkrete Arbeit ist, was nicht zutreffen kann. Daraus wiederum ergibt sich die Schlussfolgerung, dass abstrakte Arbeit a fortiori nicht quantitativ in niedrigere Abstraktionsebenen implantiert werden kann. Darauf hat Geert Reuten verwiesen.)

Im Arbeitswertmarxismus ist der Bezug zu einer Ontologie konkreter Arbeit gerissen, die, im Verhältnis von Lohnarbeit zum Kapital immer nur abstraktifiziert wird, so als hätten wir es bei den sog. konkreten Arbeiten mit einem Urspünglichen zu tun hat und nicht je schon mit Bestimmungen, Segmentierungen und Stratifizierungen der Produktionssprozesse im Rahmen kapitalistischer Reproduktion. (Es gibt eine Interpenetration zwischen Konkretem und Abstraktem, die beide Terme in gewisser Weise undefiniert lässt. Wie Hegel gezeigt hat, ist das, was als das Konkreteste bezeichnet wird, oft das Abstrakteste, umgekehrt umgekehrt.) Arbeit, die im Spiel der produktionstechnischen Übertragungen und Übersetzungen erfunden wird, insofern sie dem Begriff der Arbeitskraft und ihm komplementären, Mehrwert erzeugenden Prozessen untergeordnet ist. Sie wird dynamis oder lebendige Potenzialität erst, wenn eine techne oder Technologie der Verwandlung von Arbeitskraft in Arbeit auf sie zugreift, will heißen, das ökonomische System stützt sich hier auf etwas, was es selbst erfindet, ohne die Differenz zwischen Arbeit und Arbeitskraft, die zum Begriff des Mehrwerts führt, je symbolisieren zu können oder dies schließlich auch gar nicht zu müssen. (Vgl. Lenger 2004: 131f.)

Was könnte in diesem Kontext abstrakte Arbeit als eine Art sozio-ökonomischer Formierung überhaupt heißen, wenn man denn den Term abstrakte Arbeit nicht komplett aufgeben will? Dabei sollte man mit Deleuze von vornherein jeden essenzialistischen Versuch zurückweisen, die Form etwa als Behälter für eine Materie zu misszuverstehen, vielmehr geht Materie selbst immer schon mit vielerlei morphogenetischen Kapazitäten schwanger, sie ist je schon strukturierte Materie, womit sie differente Formen aus sich selbst heraus hervorzubringen vermag. Formen kommen nicht zur Materie aus dem Nichts hinzu, sondern sie bilden sich entlang der Physikalität, sozusagen als intrinsische Komponente der Materie, sie sind als relational und plastisch oder topologisch zu verstehen, indem sie ein materielles Netz oder Gestalten der Funktionen von Kräften bilden und strukturieren, die wiederum weitere Medien durchziehen und ohne spezifische Qualitäten auskommen und sich auf die Adäquanz einer Problemstellung beziehen. In diesem Kontext nehmen Deleuze/Guattari eine Verschiebung der sich normalerweise wechselseitig zueinander verhaltenden Begriffe Inhalt und Form vor, wenn sie sowohl dem Inhalt als auch dem Ausdruck eine Form und eine Substanz zuschreiben, sodass man bspw. sagen kann, dass bezüglich des Inhalts die Fabrik als Inhaltsform der Arbeiter als Inhaltssubstanz bedarf, während das Arbeitsrecht als Aussageform die Qualifikation der Arbeit als Gegenstand von Aussagen benötigt (Vgl. Deleuze/Guattari 1992: 121f.) Und somit wird klar, dass wir es mit einem doppelten Prozess der Formierung zu tun haben, einerseits von Aussagen, die in den Feldern der Sagbarkeit auftreten, andererseits von materiellen Strukturen und Prozessen, die Felder der Sichtbarkeit definieren, in denen die Dinge oder Objekte als Spiegelungen oder als Lichtspuren erscheinen. (Deleuze 1987: 75) Marx hat den Begriff der Form im Kontext theoretischer Beschreibungsweisen eines historischen Gegenstandes angesiedelt, dem strukturellen Prozess der Formation oder Formierung von Relationen, Signifikanten und Objekten im Kapitalismus selbst.1 An dieser Stelle könnte man schließlich noch die Systemtheorie Luhmanns oder von Peter Fuchs hinzufügen, demnach die soziale Realität keine einfache Form, sondern stets eine Zwei-Seiten-Form im Sinne von unterschiedenen Unterscheidungen impliziert, die sich wiederum auf weitere Unterscheidungen beziehen und dabei immer Bezeichnungen ihres Gegenstandes vornehmen, die andere Aspekte des Gegenstandes unbestimmt bzw. unberücksichtigt lassen, wobei jede so hergestellte Einheit nur durch weitere Unterscheidungen bezeichnet werden kann. (Vgl. Fuchs 2001: 79) Diesen Theorieansätzen folgend impliziert Wertform- und Kapitalanalyse einen flutenden, medialisierten Formwandel, der nicht in erster Linie als die Zirkulation fixer Einheiten zu skizzieren ist, sondern der die Translationen, mit denen Waren, Geld und Kapital fluktuieren, aufzeichnet, und dies wird durch die Strukturalität bzw. Resonanz der Begriffe zueinander selbst angezeigt, bis hin zu den Relationen von Virtualisierung/Aktualisierung, in denen die Kapitale prozessieren, insofern beide Komponenten unvermeidlich sind, um etwas begrifflich ins Licht zu rücken. Im Kapitalismus ist jede Erstarrung zu Entitäten dem strukturalen Prozess hinderlich, bis der schließlich der Prozess die Struktur dominiert, d. h., das Kapital wäre zumindest potenziell als absolute Bewegung anzuschreiben, womit seine jeweiligen Fixierungen, die in den Termini der Realwirtschaft angeschrieben sind, als zeitlich und sachlich begrenzt gelten dürfen. (Vgl. Schwengel 1977: 209)

Indem Deleuze/Guattari die Form/Inhalt-Problematik weiter verschieben, insofern wir es nicht mit einem Inhalt zu tun haben, der sich einfach nur in einer Form ausdrückt, gehen sie mit Marx davon aus, dass Formbestimmungen stets einen medialen Charakter (Aussage) besitzen, sodass auch die sog. abstrakte Arbeit als Form gesellschaftlicher Arbeit je schon ein Spiel von medialisierten Differenzen durchläuft, das sich in Translationen, Transplantationen und Verschiebungen fortentwickelt und selbst schon die Produktion als eine der Instanzen der Differenzen anzeigt. So zeichnet sich das capital fixe gerade dadurch aus, dass Produktionsmittel in ihrer Form rein als Kapital fungieren, indem sie sich zugleich als spezifische »Stofflichkeit« mit dem Arbeitskörper verbinden, aber entscheidend ist schließlich nicht der Produktionsprozess, sondern der Verwertungsprozess mit seinen jeweiligen technologischen und lebendigen Komponenten, die von materiell-formalen Seite her unter das Kapital subsumiert werden. Jene Stofflichkeit ist die Hardware des Produktionsprozesses selbst, die heute aber stets von einer Software gemäß der monetären Kapitalisierung angesteuert wird, i.e. Algorithmen und Mathemen der Maschinenprogramme, welche die betriebliche Organisation als medial generierten Zeitraum in der Ökonomie modulieren und regulieren. (Und wir gehen im Kontext der oben beschriebenen Problematik der Formierung davon aus, dass hier ein »messendes Maß« involviert ist, das soziale Realität formatiert, indem es sie herstellt, dies aber immer auch als fiction, weil das immanente Maß abstrakte Arbeit selbst keinen Wert besitzt und sich damit als sich selbst ausschließende Immanenz sich selbst gerade nicht angehört. im Übrigen wäre auch dass gemessene Maß, das Zustände qua Statistik quantifiziert/erfasst, auf seinen fiktionalen Charakter hin zu überprüfen.2) Damit ist natürlich auch die sog. konkrete Arbeit ähnlich dem Rohstoffverbrauch als eine Art Zusatz zu verstehen, der spezifische Formbestimmungen durchläuft, um sich schließlich an den Produkten und den Herstellungen festzukleben. (Vgl. Lenger 2004: 129) Die sog. Formbestimmungen abstrakter Arbeit sind dagegen immer jenseits der betrieblichen Organisation anzusiedeln, insofern abstrakte Arbeit sämtliche Formbestimmungen auf der Ebene des Gesamtkapitals sukzessiv und simultan durchläuft, um schließlich das sog. immanente Maß – als Verteilbarkeit von – abgeben zu können, was im kategorialen Setting der Ökonomie eher eine Bestimmungslosigkeit andeutet, die jede Pragmatik, Semantik und Statistik der abstrakten Arbeit gründlich subvertiert. Wir haben es hier mit der Frage nach der Einheit eines Maßes zu tun, für das Marx die (abstrakte) Arbeitszeit vorschlägt. Gesellschaftlicher Formwechsel verweist im Kapitalismus aber je schon auf die monetäre Verwertung, er besitzt eine Inhaltskomponente (gesellschaftlichen Stoffwechsel von Produkten, die weitergereicht werden), und eine Aussagekomponente, insofern das semio-ökonomische Gefüge notwendig ist, um Produktion/Zirkulation überhaupt erst zu realisieren, wobei jeder monetäre Strom eines erwarteten Einkommens als Kandidat für die Kapitalisierung ausgewiesen wird, die sich darüber hinaus jenseits der sog. Sphäre des Ökonomischen heute potenziell auf jeden Aspekt des Gesellschaftlichen ausweitet.

Welcher Teil der sog. konkreten Arbeiten gesellschaftliche objektive Gültigkeit/Geltung als abstrakte Arbeit erlangt, entscheidet sich immer auf der Ebene des Gesamtkapitals und der sie explizierenden differenziellen Akkumulation, der Konkurrenz pluraler Kapitale. Und es aktualisieren sich stetig potenzielle Teile in gekrümmten und gravitätischen Raumzeit-Gefügen der kapitalistischen Ökonomie, indem Waren als Resultate von Kapital sich in der Zirkulation »realisieren«, und dies lässt sich nicht allein mit einer Beschreibung von kapitalistischen Produktionsprozessen festhalten. Erst die gleichzeitige Berücksichtigung der Geld- und Kapitalzirkulation auf jener Ebene des Gesamtkapitals ermöglicht es, die Realisierung von Waren bzw. den fortlaufenden Abschluss der Kapitalmetamorphosen zu denken, wobei in diesem Kontext abstrakte Arbeit keine Eigenschaft der menschlichen Arbeit an sich, sondern vielmehr das Medial-Formelle einer mittelbaren Vergesellschaftung unter den Bedingungen privatkapitalistischer Produktion darstellt. Wie die Produkte einzelner Kapitale in der Zirkulation die Adaption an ein gesellschaftlich gültiges Maß erfahren, das hat stets mit Fragen der Aktualisierung/Virtualisierung von Kapital zu tun, mit jener differenziellen Maschinisierung von Geld und Kapital, die zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Räumen als Prozesse der Strukurierung und Restrukturierung stattfindet. Dies bedeutet aber keineswegs, dass der Wert nun in der Zirkulation so etwas wie seine letzte Ursache fände, denn of course bringt die Zirkulation Wert nicht hervor, vielmehr wird gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ex post in der Zirkulation affirmiert. Wenn der wirkliche Tausch., i. e. Zirkulation, in Rechnung gestellt wird und wenn für ihn gilt, dass er quasi-wertbildend ist, indem er Wert setzt, ohne dass er die Wertschöpfung in der Produktion ganz ersetzen kann, so bekommt man seinen »produktiven« Charakter in den Blick.3 Und wenn Marx davon spricht, dass Kapital der Zirkulation und nicht in der Zirkulation entspringe (MEW 23: 180), dann ist auf eine Unbestimmtheit angespielt, die auch den Begriff der abstrakten Arbeit erfasst und ihn angesichts der differenziellen Akkumulation offen hält, weil sich immer nur a posteriori in der Zirkulation zeigen kann, was denn nun an Wertbildung realisiert worden ist.

Kommen wir nun etwas ausführlicher auf einige marxistische Positionen zum Begriff der abstrakten Arbeit zu sprechen. Einen scheinbar recht differenzierten Versuch hat Dieter Wolf unternommen, den Begriff der abstrakten Arbeit aufzugliedern, und zwar, a) als Nominalabstraktion – abstrakte Arbeit als allgemeine Eigenschaft aller konkreten menschlichen Arbeiten, und dies universalhistorisch gefasst, b) als das Problem der in jeder gesellschaftlichen Formation stattfindenden Verteilung der Gesamtarbeit und c) als Realabstraktion, die durch die nicht-intentionalen Handlungen von Akteuren affirmiert wird, die im Tausch einen abstrakten Zusammenhang herstellen, der impliziert, dass »einzelne, konkrete Arbeiten ihre gesellschaftlich-allgemeine Form in Form der abstrakten Arbeit« erhalten. (Vgl. Wolf 2013d) Wir interessieren uns hier vor allem für die dritte Definition, bilden doch die beiden vorherigen Definitionen die in der marxistischen Orthodoxie vorherrschende Arbeitsontologie ab, welche sowohl logisch als auch historisch abstrakte Arbeit als fundamentales Prinzip setzt. Darüber hinaus gilt für Dieter Wolf abstrakte Arbeit als die historisch-spezifische Form des Kapitals (Wolf 2002: 72ff.), wenn sie sich durch die Struktur des Tauschs hindurch schließlich als gesellschaftlich notwendig bzw. als kapitalrelevant erweist. Es trifft hier jedoch Kurz` Einwand gegen Wolf zu, er betreibe an dieser Stelle eine zirkulationsideologische Argumentation, weil er mit Verweis auf das Aposteriori des Tauschs unterschlage, dass die spezifisch gesellschaftliche Form der abstrakten Arbeit je schon vorausgesetzt sei, insofern sie ohne die quasi-transzendentale und zugleich materielle Gesamtkomplexion des Kapitals überhaupt nicht zu denken sei, die sich als differenzielle Bewegung in der Produktion und Zirkulation allen Strategien und Aktionen der Einzelkapitale aufnötige. Nichtsdestotrotz bleibt auch Kurz` Begriff der abstrakten Arbeit eigenartig verkürzt, indem er im Handumdrehen Wolfs oder Heinrichs zirkulationsorientierte Argumentation in eine substanzlogische Fundierung der abstrakten Arbeit verwandelt.

Die für die Produktion von Waren verausgabte Arbeitszeit hat sich im Kapitalismus auf eine spezifische gesellschaftliche Weise, in einem signifikanten Prozess, dem der Geld-Ware-Transaktionen in der Zirkulation zu realisieren, d. h., in sog. durchschnittliche, abstrakte Zeit zu »übersetzen«, wobei das Kapital als Gesamtkapital aber stets vorausgesetzt bleibt. Die Tendenz zu Durchschnittsbildungen von Preisen in der Zirkulation, in der sich erweist, was notwendig als gesellschaftlich abstrakte Arbeit gilt, bleibt in der Darstellung immer auf die quasi-transzendentale Dimension des Kapitals als Gesamtkomplexion bezogen, als ob aktuell fixierte Preisgrößen aus vorausgesetzten Wertgrößen resultieren würden. (Strauß 2013: 191) Wenn die theoretische Darstellung im Medium des »Als-ob« arbeitet, dann erscheint es in der Tat ein Mysterium, sich auf die Suche nach den Preisgrößen vorausgesetzten Wertquanten zu begeben. Dabei stellt die Kategorie der gesellschaftlich notwendigen, abstrakten Arbeitszeit so etwas wie eine allgemeine und doch nicht messbare Norm des Kapitals dar, die zugleich das Resultat der Produktionen, Aufwendungen, Operationen und Strategien der Einzelkapitale ist, die je schon im Rahmen eines durch die Korrekturen der Konkurrenz gleitenden differenziellen Akkumulationsprozesses auf der Ebene des Gesamtkapitals stattfinden, das den Strategien der Einzelkapitale vorausgesetzt ist und wonach sich die Einzelkapitale unaufhörlich und unerbittlich zu richten haben. Wenn ein Unternehmen überleben will, ist es daher nicht nur gezwungen, Gebrauchswert vorstellende Waren zu produzieren und diese an den Märkten anzubieten (Produkte privater Arbeiten, die auf keine gesellschaftliche Nachfrage stoßen, weil entweder andere Produkte diese schon gedeckt hat oder die Nachfrage nicht zahlungsfähig ist, können nicht realisiert werden), sondern es muss gleichzeitig auch dafür sorgen, dass die eigene Produktions- und Zirkulationszeit, die eigene Umschlagszeit dahin tendiert, mit der allgemeinen zeitlichen Norm des Gesamtkapitals zumindest übereinzustimmen, wenn diese nicht zu unterbieten, ja die Zeiten des Unternehmens müssen sowohl hinsichtlich der Produktion als auch der Zirkulation/Realisierung permanent verdichtet werden und darin besteht vor allem die sog. schöpferische Leistung des Unternehmers, die Schumpeter diesem in so grandioser Weise anempfohlen hat. Eine bestimmte Menge von konkret stofflicher Arbeiten aller Einzelkapitale, die stets in profitbringenden Waren resultieren sollen, liefert innerhalb eines gegebenen Zeitintervalls potenziell eine wertbedingte Gesamtarbeitszeit in einer Ökonomie (potenziell, insofern die Produkte an den Märkten auch verkauft werden müssen, sodass wir es stets mit der Virtualisierung einer Gesamtheit von physischen Produktmengen zu tun haben), die Marx – unter dem begrifflichen Zwang Wertquanten anzunehmen – in Bezug auf die Zeitdauer wie auf die Wertgröße als konstant annimmt, um damit folgende Definitionen vorzunehmen: a) die Wertgröße wird stets in Arbeitszeit als sozusagen flüssige Preisform gemessen, b) die Wertgröße wird auf der Ebene des Gesamtkapitals in einer gegebenen Periode als konstant gesetzt. (Vgl. Bahr 1983: 432) Und es bleibt festzuhalten, dass Marx in einem bestimmten Zeitintervall von einer gegebenen (physischen) Produktionsstruktur ausgeht, wobei aber gerade auch zu zeigen wäre, wie sich mit der Modulation der Parameter der durch Geld und Kapital gesteuerten Produktionsprozesse auch die techno-physische Produktionsstruktur ständig verändert. Entgegen der Darstellung von Marx zeigt die Virtualität abstrakter Gesamtarbeit keineswegs eine fixe Größe an, insofern über die an den Märkten konkurrierenden Unternehmen und deren Zeitpolitiken stets differenzierende »Virtualität« sich aktualisiert. Dennoch verfährt die begriffliche Darstellung so, als würde die aktuell notwendige gesellschaftliche Arbeitszeit über die Virtualisierung des Werts nur re-aktualisiert werden, als ob sie bereits in der Vergangenheit die unumstößliche Basis jeder Preisbildung abgegeben hätte, wobei Aktualisierung von Waren jedoch stets durch sich überlappende, überblendende und überlagernde Frequenzen unendlicher Marktereignisse (Käufe und Verkäufe) hergestellt wird, welche wiederum auf die Produktionsprozesse zurückwirken, um die nächsten frequenziell sich vollziehenden Schübe der Käufe und Verkäufe von Waren einzuleiten. Alles in allem haben wir es hier mit nicht-linearen Verkettungen von Transaktionen in multidimensionalen Netzwerken des Kapitals zu tun, je sich verschiebende Differenziale. Auf eine medial vermittelte Vergesellschaftungsform bzw. Codierung zielt also der Begriff der abstrakten Arbeit ab. Nils Fröhlich versucht dies mit einer einfachen Formalisierung darzustellen (allerdings unter starker Betonung des quantitativ-zirkulationstheoretischen Aspekts): »Sei K die Menge aller konkret verausgabten Arbeit (gemessen in Stunden), dann ist die Menge A diejenige Teilmenge von K, die im Tausch als gesellschaftlich gleich geltende Arbeit akzeptiert wird, d. h. A μ K. Die gesamtgesellschaftliche Wertgröße von A symbolisiert daher die Summe aller Werte, die sich durch die gesellschaftlichen Tauschakte ergeben. A ist keine echte Teilmenge von K, denn es besteht die Möglichkeit der Identität beider Mengen. Da es aber innerhalb der Produktion keinen determinierenden Zusammenhang zwischen den beiden Mengen gibt, lässt sich diese Möglichkeit nicht systematisch sicherstellen.« (Fröhlich 2013: 28) Die Möglichkeit der Identität zwischen konkreter und abstrakter Arbeit besteht hier lediglich als eine rein formale und äußerst unwahrscheinliche Möglichkeit, es existiert keinerlei Vorschrift, die es erlauben würde, die beiden Mengen aufeinander abzubilden, wobei wir noch hinzufügen müssen, dass mit der Realisierung von Waren individuelle Arbeitszeiten »nachgerade ausgelöscht« (Strauß 2013: 329) werden.

Man sollte sich auch an diesem Punkt wieder vergegenwärtigen, dass Marx seine verschiedenen theoretischen Pläne, seine philosophischen oder seine politischen Aussagen, ja seine ökonomischen Begriffe einer stetigen Verschiebung und Kritik unterzogen, man könnte mit Derrida sogar sagen, einer nicht-abschließbaren Dekonstruktion ausgesetzt hat. Balibar spricht an dieser Stelle vom Marx’schen Werk als einer Baustelle, von einem kontinuierlichen Prozess der Berichtigung, der zeitweise nicht nur bestimmte Schlussfolgerungen, sondern auch noch die Kritik an diesen Schlussfolgerungen antizipiert hätte, sodass es an dieser Stelle von einer Ethik des Wissenschaftlers und des Revolutionärs zu spreche gelte. (Vgl. Balibar 2013: 177) Und so nimmt es auch nicht wunder, dass Marx’ Arbeitsbegriff bisweilen seltsam flimmert und schimmert, und dies aber nicht nur im Sinne eines »intrinisischen Schillerns« (ebd.: 193), das für eine offene Problematik der Transformationen, Extrapolationen und Neudefinitionen in der Theorie steht, sondern auch im Sinne einer unaufgearbeiteten Hinterlassenschaft von Bezügen zu eigenen und anderen Theorieansätzen, was natürlich für die zwiespältigsten Interpretationen geradezu einlädt. Im krassen Gegensatz zur Marx’schen Praxis einer permanenten Relativierung selbst des Arbeitsbegriffs hat die sozialdemokratische und die marxistisch-leninistische Orthodoxie streng eine Ontologie der Arbeit aus den Marx’schen Schriften herauszudestillieren versucht, welche die Arbeit durch alle Gesellschaftsformationen hindurch als Wesen und/oder als Grundlage der Möglichkeit eines Erscheinens von Welt aufblitzen lässt und zugleich als ontisch Drittes festhält, während Marx umgekehrt doch oft genug erklärt hatte, dass Arbeit ohne die Berücksichtigung der spezifischen Formbestimmungen des Kapitals einfach gar nicht existent ist. Hier wäre dann mit Hans-Joachim Lenger tatsächlich von Arbeit sans phrase zu sprechen, über die sich nichts aussagen lässt, sprachlos geworden, eben sans phrase, taumelt nämlich der Arbeitsbegriff im Riss des Symbolischen selbst umher, durchquert alle Gegensätze und Widersprüche des Kapitals, selbstredend die dialektischen Widersprüche. Und weil der Arbeitsbegriff selbst keiner Metaphysik unterstellt werden kann, durchquert er alle Oppositionen von Innen und Außen, und sans phrase bleibt die Arbeit eben nicht symbolisierbar oder über die Wertform ausdrückbar. (Vgl. Lenger 2004: 130) Indem stattdessen das Symbolische im Geld ausdrücklich wird, tritt dieses nicht nur allen anderen Ausdrücken, sondern auch sich selbst als Ausdruck gegenüber, womit Geld sich selbst sowohl als Mittel wie als Zweck setzt, um sich über Verkettungen als Vergrößerung in das ökonomische System zu inskribieren, und an exakt an diesem Punkt erfindet sich dann auch die Arbeit, wie sie erfunden wird, und hierin erweist sich letztendlich die Differenz der Arbeitskraft, deren Tauschwert äuivalent getauscht wird und deren Gebrauchswert qua Arbeit Nicht-Äquivalenz erzeugt, als maßgebend, Geld wird zu Mehrgeld. Das Geldsymbol lässt sich auf der Arbeit sans phrase nieder und damit wird im Inneren der Beziehung Geld-Mehrgeld eine verschwiegene Differenz zu entdecken sein, nämlich die zwischen Arbeitskraft und Arbeit.

Kapital-notwendige Arbeitszeit besitzt neben der bisher dargestellten noch eine zweite Dimension und diese bezieht sich auf sämtliche Kriterien zur Erfassung der sog. konkreten (produktiven) Arbeit selbst, womit der Versuch unternommen wird, die Fixierung einer durchschnittlichen Arbeitsqualifikation sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch auf makroökonomischer Ebene vorzunehmen. Bezüglich beider Ebenen stellt sich im Rahmen intersektorieller und intrasektorieller Konkurrenz zunächst die Frage, ob man die in den verschiedenen Unternehmen jeweils konkret geleisteten Arbeiten, die von Komponenten wie Motivation, Qualifikation, Kompetenz, Intensität und Technik abhängen, bis zu einem gewissen Grad wirklich vergleichen kann. Der spezifische Grad des individuellen Arbeitsaufwands hinsichtlich seiner ökonomischen Effektivität wird z. B. durch den Parameter »Intensität der Verausgabung von Arbeit« beeinflusst, was natürlich voraussetzt, dass man hinsichtlich der Signifikation einer kapital-notwendigen Arbeitszeit eine jeweils gegebene Dimension des Qualitäts- oder Komplexitätsniveaus der Arbeit, die sog. »einfache Durchschnittsarbeit«, als Basis für die verschiedenen Grade komplizierter Arbeit angeben kann. Kapital-notwendiger Arbeitsaufwand bedeutet dann Verausgabung der Arbeitskraft in einer gegebenen Produktionsperiode mit gesellschaftlich durchschnittlicher Produktivität und Intensität, was eine spezifische Relation von einfacher und komplexer Arbeit impliziert, und das, insofern diese Relation gleichzeitig in einem gesamtwirtschaftlich proportionierten Umfang in der Produktion entsprechender Güter vergegenständlicht wird. Was als jeweils technologisch, kalkulatorisch und betriebsorganisatorisch durchschnittliches Arbeitsniveau in einem Unternehmen gegeben ist und was die gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeitszeit überdeterminiert, wird neben den internen Faktoren (Unternehmen als Organisation) durch spezifische externe Parameter, wie effektive Nachfrage, Produktivkraftentwicklung, Wissenschaft/Forschung, durch die Machtrelationen und Kräfteverhältnisse zwischen den Unternehmen und schließlich in Klassenkämpfen bestimmt. (Der Klassenkampf greift hier in spezifischer Weise ein, als die Qualifikation der Arbeitskräfte, die Kooperation der Arbeiter in ihrem Verhältnis zur Fabrikdisziplin und das antagonistische Verhältnis zwischen Arbeitenden und Management stets auf dem Spiel steht, welches durch den Klassenkampf permanent verschoben wird, so dass beide Seiten, Kapital und Arbeit, involviert sind – auf der einen Seite im Kampf um die Beziehungen zwischen der absoluten und relativen Mehrwertproduktion, wobei z. B. eine erkämpfte Verkürzung des Arbeitstages Auswirkungen auf Arbeitsorganisation und technologische Innovation besitzt, während auf der anderen Seite Sabotage und Kampf gegen die Fabrikdisziplin zumindest latent auf der Tagesordnung stehen.) Und egal, ob es sich nun um unqualifizierte oder qualifizierte Arbeit handelt, sog. konkrete Arbeit muss sich nicht nur in den Distributionskanälen des Kapitals realisieren, sondern die konkrete Arbeit ist je schon als Teil der quasi-transzendentalen Gesamtkomplexion des Kapitals qua permanenter Qualifikation, Bildung etc. »identifiziert«, und dies bevor eine Stunde qualifizierter Arbeit als das Vielfache unqualifizierter Arbeit gilt. In den Distributionsnetzwerken des Kapitals muss sich vor dem Hintergrund der quasi-transzendentalen Komplexion schließlich herausstellen, welche Menge der konkreten Arbeit eines Einzelkapitals sich als gesellschaftlich durchschnittliche, abstrakte Arbeit darstellt, oder, um es mit anderen Worten zu sagen, wie viel der konkret verausgabten Arbeitszeit eines Unternehmens sich als gesellschaftlich »notwendig« und damit als relevante, abstrakte Arbeitszeit erweist. Der gedoppelte (externe und interne) Produktivkräftestrom determiniert sozusagen die Preise, insofern er den ständig wechselnden Divisor »festsetzt«, durch den die pro Zeiteinheit geschaffene Menge von Produkten zu teilen ist, um dadurch u. a. den auf eine jeweilige Menge von Produkten entfallenden Anteil eines Unternehmens an der derzeit relevanten abstrakten Gesamtarbeitszeit des Kapitals zu erhalten. Dieser als Prozess beschriebene Vorgang beinhaltet in den Wirtschaftswissenschaften eine rein fiktionale Story, nämlich die eines fließenden dynamischen Gleichgewichts, das einem Intelligibilitätsprinzip des Kapitals entsprechen soll, ein Effekt, den wie anzunehmen ist, Marx nicht nur als Fiktion, sondern als objektive Illusion aufgefasst und als Voraussetzung, die das Reale und das Imaginäre durchzieht, im Rahmen der begrifflichen Darstellungsweise des Kapitals genutzt hat (Gleichzeitigkeit als Zeitung der Zeit, die sich qua Durchschnittsbildungen in der Zeit vollzieht). Daran anschließend lässt sich vielleicht mit Georg Quaas ganz trocken resümieren, dass auf der Ebene des Einzelkapitals dessen gesellschaftlich anerkannte, gültige Wertschöpfung schließlich immer mit den Marktpreisen seines Outputs identisch ist, d. h., diejenige Wertmasse eines Unternehmens wird auf dem Markt konformiert, für die auf der Basis einer durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Produktivitätsleistung des Unternehmens eine zahlungsfähige Nachfrage besteht. (Vgl. Quaas 2005: 5) Jedoch zeigt sich, dass »in jedem Augenblick« die Struktur der Verteilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit auf die verschiedenen Produktionszweige mit der Struktur der gesamtwirtschaftlich zahlungsfähigen Nachfrage keineswegs identisch ist. Zumindest lässt sich an dieser Stelle sagen, dass der quasi-transzendentale und materielle Gesamtkomplex des Kapitals und sein immanenter Verschiebemechanismus, der darin besteht, dass die differenzielle Akkumulation der pluralen Kapitale nicht nur durch die Erschaffung von Durchschnittsgrößen, sondern auch durch die Komposition von Extraprofiten voranschreitet, nicht ohne Faktoren wie (objektive) Produktivitätsdifferenz, effektive Nachfrage, Machtrelationen und Technologie verstanden werden kann, und zugleich haben wir es bei dieser instabilen Fixierung immer auch mit Konsequenzen von sozialen Kämpfen um die Verteilung von Waren und Dienstleistungen zu tun.

In der marxistischen Diskussion ist vor allem seit den Schriften von Sohn-Rethel eine heftige Diskussion darüber entbrannt, ob der Begriff abstrakte Arbeit eher an die Mechanismen der Zirkulation/Tausch gebunden (Rubin, Heinrich etc.) werden sollte, oder im Kontext der reinen Verausgabung von Arbeitsenergie in kapitalistischen Produktionsprozessen substanziell zu verorten (Kurz) oder gar als spezifische Form von Lohnarbeit zu bestimmen sei. Karl Reitter, der die letztere Position vertritt, führt dazu einige einschlägige Passagen von Marx u. a. aus den Grundrissen an, um seinen eigenen Standpunkt zu untermauern. (Vgl. Reitter 2012: 54ff.) In einem oft zitierten Abschnitt beschreibt Marx den Wert als das Resultat abstrakter Arbeit, die hier einem allgemeinen, unqualifizierten, flexiblen und einfachen Vollzug von Arbeit entspricht, d. h., abstrakte Arbeit gilt als absolut gleichgültig »gegenüber ihre besondere Bestimmtheit, (ist) aber jeder Bestimmtheit fähig.« (MEW42: 218) Der Sachverhalt einer universellen Einsetzbarkeit des menschlichen Arbeitsvermögens, dem die Möglichkeit des friktionslosen Übergangs von einer Arbeit zur anderen entspräche, und dies eben als spezifischer Ausdruck der proletarischen Existenzsituation im Kapitalismus, stelle eine notwendige Bedingung für die Kapitalverwertung dar, so Reitter, wobei diese Art der »Gleichgültigkeit« der Verausgabung von bloßer Arbeit im Kapitalismus als kennzeichnend für die abstrakte Arbeit definiert werden könne (der Inhalt – der Arbeit – ist gleichgültig gegenüber der jeweiligen Form, wie die Form gleichgültig gegenüber dem Inhalt ist, womit sich die Begriffe wechselseitig abstrakt verhalten). Reitter fasst den Term Gleichgültigkeit zudem ganz im Sinne des Marx’schen Entfremdungsbegriffs auf, was nichts anderes heißt, als dass die Form abstrakter Arbeit gleichgültig gegenüber den Interessen des Arbeiters auch insofern erscheint, als sie ihm als äußerliche und fremde Macht (des Kapitals) gegenüber tritt, wobei er trotz seines ihn selbst regierenden negativen Solipsismus (er interessiert sich ja nicht für den Inhalt der Arbeit) gezwungen bleibt zu arbeiten, also ganz egal, um welchen Inhalt der Arbeit es sich da handelt. (Reitter 2011: 55) Zur Darstellung des reibungslosen Übergangs von einer Arbeit in die andere rekurriert ein großer Teil der Marx-Lektüre – wie eben auch Reitter – immer wieder auf die von Marx selbst verworfene Einleitung in der Kritik der Politischen Ökonomie. Hier schreibt Marx: »Die Gleichgültigkeit gegen eine bestimmte Art der Arbeit setzt eine sehr entwickelte Totalität wirklicher Arbeitsarten voraus, von denen keine mehr die alles beherrschende ist. So entstehen die allgemeinsten Abstraktionen überhaupt nur bei der reichsten konkreten Entwicklung, wo eines vielen gemeinsam erscheint, allen gemein. Dann hört es auf, nur in besondrer Form gedacht werden zu können. Andrerseits ist diese Abstraktion der Arbeit überhaupt nicht nur das geistige Resultat einer konkreten Totalität von Arbeiten. Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte Arbeit entspricht einer Gesellschaftsform, worin die Individuen mit Leichtigkeit aus einer Arbeit in die andre übergehen und die bestimmte Art der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist. Die Arbeit ist hier nicht nur in der Kategorie, sondern in der Wirklichkeit als Mittel zum Schaffen des Reichtums überhaupt geworden und hat aufgehört, als Bestimmung mit den Individuen in einer Besonderheit verwachsen zu sein. Ein solcher Zustand ist am entwickeltsten in der modernsten Daseinsform der bürgerlichen Gesellschaften – den Vereinigten Staaten. Hier also wird die Abstraktion der Kategorie ›Arbeit‹, ›Arbeit überhaupt‹, Arbeit sans phrase, der Ausgangspunkt der modernen Ökonomie, erst praktisch wahr. Die einfachste Abstraktion also, welche die moderne Ökonomie an die Spitze stellt und die eine uralte und für alle Gesellschaftsformen gültige Beziehung ausdrückt, erschient doch nur in dieser Abstraktion praktisch wahr als Kategorie der modernsten Gesellschaft.« (MEW 42: 38f.) Es sieht so aus, als wolle Marx mit dem Begriff der Realabstraktion, den er in dieser Passage implizit verwendet, mit der Befürchtung Schluss machen, der Begriff abstrakte Arbeit könne ohne jeden Referenten bleiben, sodass er schließlich die Empirie bzw. die historische Entwicklung des Kapitalismus zum Referenten macht, derart, dass er behauptet, die empirisch zu beobachtende Dequalifizierung bzw. Einfachheit der Arbeit, die einen »leichten« und reibungslosen Übergang von der einen in die andere Arbeit impliziert (den man uns heute übrigens tatsächlich als Flexibilisierung und Mobilität anpreist, indem man das Konglomerat aus Prekariat, arbeitenden Armen und qualifizierten Arbeitern und Angestellten frei an den Arbeitsmärkten flottieren lässt, um approximativ den Zustand prekärer Vollbeschäftigung oder Vollzeitaktivität zu erreichen), würde so etwas wie eine Merkmalsgleichheit für alle Arbeiten anbieten, nämlich diejenige, mit der man sie eben als abstrakte Arbeit qualifizieren könne. (Vgl. Bahr 1983: 418f.) Zudem soll abstrakte Arbeit auch noch als Arbeit schlechthin gelten, was z. B. Wolf mit seiner transhistorischen Nominaldefinition der abstrakten Arbeit anspricht.

Der von Reitter und anderen Autoren unternommene Versuch, sog. einfache oder minimum-qualifizierte Arbeit in ihrer Bestimmung als »Durchschnittsarbeit« (wobei hauptsächlich der fluide und flexible Wechsel von der einen Arbeit in die andere gemeint ist) umstandslos dem Begriff abstrakte Arbeit zuzuordnen, muss jedoch fehlschlagen, handelt es sich bei diesen zugegebenermaßen oft äußerst einfachen, monotonen Arbeiten doch immer um jeweils spezifische Teilmomente, Klassifizierungen und Zusammensetzungen der sog. konkreten Arbeit, die gerade aufgrund der Logik der differenziellen Akkumulationsprozesse des Kapitals und einer Reihe von weiteren mikro- und makroökonomischen Faktoren sowie der techne permanent auch modifiziert und moduliert wird. Und es wäre hinzuzufügen, dass Marx in den Grundrissen selbst noch dem Verdikt unterliegt, die später im Rahmen des Kapitals und den Mehrwerttheorien den klassischen Ökonomen vorgeworfene Vermischung von konkreter Arbeit und abstrakter, formbestimmter Arbeit betrieben zu haben. Dieser Vermischung versucht Reitter, der die sog. Abstraktifizierung der Arbeit als eine historische Tendenz des Kapitalismus beschreibt, die sich mit der Dynamik der Kapitalakkumulation unaufhörlich steigere, mit der keineswegs überraschenden Bemerkung zu entgehen, dass diese Art der Abstraktifizierung letztendlich auf die Figur der Reduktion zurückzuführen sei, nämlich der Reduktion der Arbeit auf die rein physiologische Verausgabung von Muskel, Nerv und Hirn etc., und dies geschähe ganz real nach den Imperativen der Kapitalverwertung. (Vgl. Reitter 2012: 54f.) Zu einem ähnlichen Schluss gelangt übrigens auch Robert Kurz, der in der bloßen Verausgabung menschlicher Energie die reale »Substanz der abstrakten Arbeit« sieht, deren Quantifizierung die Zeit an sich sei, in der eben menschliche Arbeitsenergie verausgabt würde. (Kurz 2012: 47) Die Anerkennung der privat verausgabten Arbeiten als allgemein-abstrakte Arbeit im Tausch vollziehe sich aber nicht über die Zeit, sondern über das Geld als Maß, so behauptet Kurz widersprechend zumindest Michael Heinrich, wobei mit Harald Strauß hinzugefügt werden sollte, dass diese Anerkennung der Arbeiten in der Zirkulation im Zuge der Realisierung von Waren gerade mit einer Auslöschung individueller Arbeitszeiten einhergeht.

Dass es auf die pure Veräußerung von Arbeitsvermögen oder Arbeitsenergie ankommen soll, rein auf die Möglichkeit ihrer Verausgabung, das gilt für Kurz oder Reitter nur innerhalb der kapitalistischen Produktionsverhältnisse selbst. Insofern Gebrauchswert und konkret nützliche Arbeit aufeinander verweisen, erscheint natürlich aus der Perspektive einer gesellschaftlichen Produktion für Gebrauchswerte eine Verrichtung von Arbeit an sich, rein als die Verausgabung von Muskel, Hirn und Nerv etc. als eine gesellschaftliche Absurdität sui generis. Es ist aber leicht nachzuvollziehen, dass sowohl Reitter als auch Kurz hier nur der bei Marx in nicht wenigen Passagen vorzufindenden Vermischung der abstrakten Arbeit mit einer letztendlich doch naturalistischen Sichtweise von Arbeit folgen, wie man sie übrigens in ganz anderer Weise auch bei Wolf findet, der die bloße Verausgabung der Arbeitskraft als Muskel, Nerv und Hirn etc. ohne Umschweife als Beschreibung eines transhistorischen Gesellschaftlichen vorführt (und damit einer Ontologisierung des Arbeitsbegriffes zumindest Vorschub leistet), dabei allerdings einen dreifach aufgefächerten Begriff der abstrakten Arbeit anbietet.

Es bleibt, wie Hans-Dieter Bahr gezeigt hat, Marxens »dialektisch« begrifflicher Schritt, der zu einer korrekten Bestimmung der abstrakten Arbeit führen soll, doch merkwürdig schwankend: Mit der »Abstraktion« von der Nützlichkeit der Waren, d. h. ihrem Gebrauchswert, verschwindet gleichzeitig auch die Verschiedenheit und Vielfältigkeit der konkreten Zusammensetzungen der lebendigen Arbeit und zurück bleibt abstrakt menschliche Arbeit, womit ein ziemlich gewitzter Marx eben nichts anderes macht, als vom Teleologischen das Telische (der Gebrauch der Dinge oder dem zu) abzutrennen oder zu ab-strahieren, um damit zur rein logischen Bestimmung der Gleichheit vorzustoßen. (Bahr 1983: 417) Arbeit, ohne explizit auf das telische Moment abzustellen, ist damit unter logischen Gesichtspunkten auf pure Arbeitsenergie reduziert, auf rein physiologische Verausgabung von Muskel, Nerv und Hirn etc. Diese Art der Abstraktion, die hier zur Gleichheit führt, soll gleichzeitig die Gleichgültigkeit der realen (abstrakten) Arbeit im Kapitalismus gegen jedweden Inhalt ausdrücken und darüber hinaus soll sie die Arbeit auch noch als ewige Naturbedingung vorführen. (Ebd.: 418) Mit diesem Verständnis von abstrakter Arbeit findet ein Subtraktionsverfahren Anwendung (subtrahiert wird von der Nützlichkeit und der Vielfältigkeit der Arbeit), das zur Gleichheit vordringen will, was kaum der von uns weiter oben angeführten Definition »Abstraktion auf den Wert bezogen« entspricht, Wert, dessen virtuelle oder unbestimmte Dimension der Abstraktion erst ihren Platz zuweist. Die entscheidende ökonomische Bedeutung der abstrakten Arbeit im Kapitalismus liegt weder in der Definition »Verausgabung von reiner Arbeitsenergie« noch in der Feststellung, dass wir es heute mit einer enormen, real existierenden Fluidität und Flexibilität von Arbeiten zu tun haben, sondern gerade in einer der Arbeit generell entzogenen Symptomatologie des Kapitals und dessen spezifisch techno-algebraischen Formen (Matheme), die sich innerhalb der quasi-transzendentalen Gesamtkomplexion der kapitalistischen Ökonomie einnisten und der sog. abstrakten Arbeit ihren Platz oder Stellenwert in der Ökonomie zuweisen. Dabei ist es das Geld als Kapital, das sämtliche Übertragungswege der abstrakten Arbeit gleich der Rückkehr des Geldes zu sich selbst kontrolliert. All diese vermittelnden Bewegungen verschwinden Marx zufolge im Resultat und lassen keine Spuren zurück, aber nur als differenzielle Spur lässt Arbeit überhaupt sich fassen, die damit eben auch durch keine Ausdrücklichkeit der Wertformen zu erfassen ist, sodass hier eine weitere Verschiebung notwendig ist, eine Übertragung oder Übersetzung, die auf die Verwandlung von Arbeitskraft in Arbeit verweist. In ihr wird die Differenz zwischen Tauschwert und Gebrauchswert der Arbeitskraft zum Gegenstand möglicher Ausbeutung, deren eigentliches Movens jedoch das Geld als Kapital ist, von dem die Bewegung qua Geld ausgeht und zu dem sie mit als Geld nicht zirkulär, sondern mit einem Mehr an Geld spiralförmig zurückkehrt. Arbeit bleibt die Spur einer Differenz, der Differenz von Tauschwert und Gebrauchswert der Arbeitskraft, sie ist also weder Gebrauchswert noch Tauschwert und insofern ist sie ein Nichts und deshalb kein Erstes oder Transzendentales, sondern eine der Produktionen, in und mit denen die kapitalistische Ökonomie sich reproduziert, wenn sie sie in die obige Differenz einbindet und ver-nutzt. (Vgl. Lenger 2004: 352)

1 Es wäre hier anzumerken, dass Deleuze im Anschluss an Spinoza mit den Philosophien der substanziellen Form bricht, wenn er Form als intensive Zusammensetzung wirklicher, bewegter und prekärer Kräfteverhältnisse denkt, wobei Körper hinsichtlich ihrer Zusammensetzungen – Langsamkeit und Schnelligkeit zwischen ihren Materialien und Partikeln – eine kinetische Komponente besitzen, die von einem zeitlichen Vektor erfasst wird, der die Vermögen ausdrückt, um zu affizieren oder affiziert zu werden.

2 Vgl. hinsichtlich dieser Unterscheidung die Schrift von Vincent Lepinay und Bruno Latour zu Gabriel Tarde, wo man allerdings die Frage der Messung rein auf Spiele der Intersubjektivität und der Wertschätzungen lenkt. (Latour/Lepinay 2010)

3 Foucault hat in seinem Werk Die Ordnung der Dinge auf den Paradigmenwechsel in der Ordnung des Wissens – vom Merkantilismus mit seiner Konzentration auf die Zirkulation hin zum Produktionsparadigma im Kapitalismus – aufmerksam gemacht, wenn er etwa schreibt, dass zu Anfang des 19.Jahrhunderts mit Ricardo der ökonomische Gegenstand objektiv als »Arbeitsmenge, die in dem Preis der Dinge enthalten ist« bestimmt wird. (Foucault 1974: 275) Dennoch muss man mit Marx festhalten, dass die Zirkulation den Reproduktionsprozess des Kapitals in spezifischer Art und Weise auch mit-konstituiert, sie ist damit selbst eine besondere soziale Form des gesamtgesellschaftlichen Reproduktionsprozesses zu begreifen. Der Gesamtreproduktionsprozess des Kapitals erscheint in der theoretischen Darstellung bei Marx als Resultat, während er doch zugleich die wirkliche, die historisch reale Voraussetzung all seiner Momente ist. Das quasi-transzendentale Ganze des Kapitals, das allerdings ohne seine Differenzierungen qua differenzieller Akkumulation nicht zu haben ist, schließt Produktion und Zirkulation als Momente oder Funktionen mit und in sich ein. (Vgl. Rubin 1973: 110-115/ Heinrich 2003: 232f.)

Literaturverzeichnis

Bahr, Hans-Dieter (1983): Über den Umgang mit Maschinen. Tübingen.

Balibar, Etienne (2013): Marx’ Philosophie, Berlin.

Brodbeck, Karl-Heinz (2009): Die Herrschaft des Geldes. Geschichte und Systematik. Darmstadt.

Deleuze, Gilles (1985): Nietzsche und die Philosophie. Frankfurt/M.

– (1987): Foucault. Frankfurt/M.

Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1974): Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie 1. Frankfurt/M.

– (1992): Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie. Berlin.

Fröhlich, Nils (2013): Die Marx’sche Werttheorie. Darstellung und gegenwärtige Bedeutung. In: http://www.rote-ruhr-uni.com/texte/froehlich_marx.shtml

Fuchs, Peter (2001): Die Metapher des Systems. Studien zu der allgemein leitenden Frage, wie sich der Tänzer vom Tanz unterscheiden lasse. Weilerswist-Metternich.

Heinrich, Michael (2003): Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition. Münster.

Kurz, Robert (2012): Geld ohne Wert. Grundrisse zu einer Transformation der Kritik der politischen Ökonomie. Berlin.

Lenger, Hans-Joachim (2004): Marx zufolge. Die unmögliche Revolution. Bielefeld.

Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Hrsg. v. Engels, Friedrich, MEW, Bd. 23. Berlin/DDR 1975.

– Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Zweiter Band. Hrsg. v. Engels, Friedrich, MEW, Bd. 24, Berlin/DDR 1975.

– Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. Hrsg. v. Engels, Friedrich, MEW, Bd. 25. Berlin/DDR 1973.

– (1974): Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Berlin.

Quaas, Georg (2001): Arbeitsquantentheorie. Mathematische Grundlagen der Werttheorie. Frankfurt/M.

– (2005): Wertrechnung und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. In:

http://www.georg–quaas.de/wertrechnung.pdf

Reitter, Karl (2012): Marx, Spinoza und die Bedingungen eines freien Gemeinwesens. Prozesse der Befreiung. Münster.

Rubin, Isaak Iljitsch (1973): Studien zur Marxschen Werttheorie. Frankfurt/M.

Schwengel, Hermann (1978): Jenseits der Ideologie des Zentrums. Eine strukturale Revision der Marx’schen Gesellschaftstheorie. Reihe Metro. Bd.1. Marburg.

Sohn–Rethel, Alfred (1970): Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis. Frankfurt/M.

– (1978): Warenform und Wertform. Frankfurt/M.

Foto: Sylvia John

Scroll to Top