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Bemerkungen zu Suzanne de Brunhoffs „Marx on Money“

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11 Sep , 2016  

Neuerdings wurden die zumindest im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannten Schriften Suzanne de Brunhoffs (1929-2015) wieder von einigen marxistischen Ökonomen und Philosophen erwähnt. Tony Norfield verweist auf Brunhoff in seinem Buch „The City“ in einer Fußnote im Zusammenhang mit der wenig diskutierten Rolle der privaten Banken als Kreatoren von Giralgeld, was allerdings sowohl bei Marx als auch bei Brunhoff in ihrem Buch Marx on Money, um das es hier geht, eine eher untergeordnete Rolle spielt. Für Norfield hat Brunhoff die explizierteste Analyse der Marx`schen Theorie der Kreditkreation der Banken geliefert. Christian Kerslake weist auf die keineswegs unbedeutende Rolle hin, die Brunhoff für die Kapitalanalyse in Deleuze und Guattaris „Anti-Ödipus“ spielt. Brunhoff schrieb eine Reihe von Texten zur marxistischen Ökonomie, deren bekannteste wohl Capitalisme Public Financier (Public Finance Capitalism) aus dem Jahr 1967 und La monnaie chez Marx (Marx on Money) aus dem Jahr 1976 sind. Ihre Texte erscheinen, trotz aller gegensätzlichen Positionen, die man z.B. in der Frage der Geldware haben kann, vor allem deswegen interessant, weil sie sich um präzise Unterscheidungen und Definitionen der Begriffe Geld, Kapital, Geldkapital und Finance bemüht.

Für Brunhoff wird bei Marx die Rolle des Geldes durch seine Funktionen innerhalb der Logik der Warenproduktion und nicht hinsichtlich der Zeitfolge der geschichtlichen ökonomischen Relationen determiniert. In einer einfachen Warenproduktion (entscheidend ist hier die W-G-W Relation) wird ein allgemeines Äquivalent benötigt, um den Tausch privater Produzenten stattfinden zu lassen. Brunhoff will sich aber nicht auf eine auf Engels zurückgehende Historisierung des Kapitals einlassen, nach der es sich in den Analysen der ersten Abschnitte des Kapitals Bd.1 um die einer real existierenden einfachen Warenproduktion handelt. Die historische Analyse des Goldes, welches das allgemeine Äquivalent verkörpert, ist der logischen Analyse untergeordnet, die Brunhoff zunächst als eine allgemeine Theorie des Geldes konzipiert. Gold kann gerade deswegen als Wertmaß der Waren dienen, weil es als allgemeines Äquivalent funktioniert. Brunhoff zitiert in diesem Kontext Marx, der schreibt, dass die Schwierigkeit nicht sei, zu verstehen, warum das Geld eine Ware sei, sondern wodurch eine Ware die Rolle des Geldes einnehme. Es ist in die soziale Relation nicht nur der Produktion, sondern auch der Zirkulation des Kapitals eingebunden (Brunhoff unterschätzt die Rolle der Zirkulation immer wieder). Brunhoff will die spezifische Form des Geldes untersuchen, die für sie untrennbar und doch getrennt von anderen charakteristischen Relationen der Kapital-Ökonomie ist. Ihr geht es also nicht nur um die Analyse der spezifischen Form des Geldes in der Kapital-Ökonomie, sondern zunächst um eine Theorie des Geldes im Allgemeinen. Sie behauptet, Marx hätte in den ersten Abschnitten des Kapitals Bd.1 eine allgemeine Geldtheorie vorgelegt, die unabhängig von der kapitalistischen Form der Produktion und doch notwendig sei, um die Rolle des Geldes für das Kapital zu spezifizieren. Es handele sich bei dieser allgemeinen Theorie nicht um eine ideale oder hypothetische Struktur, die konkretisiert werden müsse, vielmehr bemühe sich Marx in den ersten Abschnitten des Kapital Bd.1 um eine allgemeine Theorie der Zirkulation von Waren und Geld. Im Kapital Bd. 2 und 3 geht es dann darum, die Funktionsweisen der allgemeinen Gesetze der Geldzirkulation in der kapitalistischen Produktion, in der es eine spezielle Geldzirkulation gibt, nämlich die des Kredits, zu erklären. Und so stellt die Analyse des Geldes im Kapital Bd.1, Abschnitt 3, nur einen Teil der Theorie des Geldes dar.

Brunhoff geht von folgenden Voraussetzungen aus: 1) Die Zirkulation von Waren und Geld ist charakteristisch für die Warenproduktion, in der der Tausch die private Produktion von Waren voraussetzt. 2) Man kann Waren und Geld nicht ausschließlich in Bezug auf die Qualitäten des Kapitals definieren. 3) Deshalb muss man bei der Analyse des Geldes vom Metallgeld und nicht vom Kredit ausgehen. Die Zirkulation des Geldes und seine Relation zu den Waren gewähren die Sichtbarkeit des materiellen Metallgeldes, während die Zirkulation des Kredits ein immaterieller Kreislauf ist, in dem sich reziproke Obligationen und Rechte konfrontieren und ausbalancieren.

Es sei notwendig von der abstrakten Form des Geldes auszugehen, um zu seiner spezifischen Form in Hinsicht auf die kapitalistische Produktion zu gelangen. Gold kann im Verhältnis zu den Waren die Funktion des Geldes übernehmen, weil es selbst die Rolle einer exklusiven Ware, einer Geldware, ihnen gegenüber spielt. Die Ware, die als allgemeines Äquivalent oder als Geld von den Serien aller anderen Waren ausgeschlossen ist, schließt zugleich alle anderen Waren vom allgemeinen Äquivalent aus. Geld ist keine Ware wie alle anderen, es ist von ihnen getrennt.

Die grundlegende Bestimmung des Geldes ist für Brunhoff die allgemeine Äquivalentform, die von einer Geldware inkorporiert wird und sich damit von allen anderen Waren unterscheidet wie alle anderen Waren von ihr. Dies zeichnet alle monetären Ökonomien aus, aber darüber hinaus gilt es die Beziehungen zwischen exakt dieser Geldform und den multiplen Funktionen und Aspekten des Geldes zu analysieren. Allerdings sei dies, so Brunhoff, nicht als eine hegelianisierende Beziehung zwischen Wesen und den es ausdrückenden Phänomenen zu denken. Alle Funktionen des Geldes sind distinkt und doch miteinander verbunden, und nur in Kombination reproduzieren sie schließlich die allgemeine Äquivalentform. Nur die komplette Theorie aller Funktionen des Geldes macht es möglich, die spezifische Form des Geldes zu erklären und gleichzeitig eine allgemeine Geldtheorie zu denken. Dafür hält Brunhoff drei Funktionen des Geldes für notwendig (die sukzessive von Marx analysiert werden): 1) Maß des Werts. 2) Medium der Zirkulation. 3) Wertaufbewahrungsmittel. Nur am Ende dieser drei Schritte sei das Geld voll definiert, obgleich das Geld als allgemeines Äquivalent qua Ausschluss von vornherein als das Prinzip aller Funktionen und Artikulationen des Geldes zu verstehen sei.

Allerdings gilt es zu bedenken, und dies gilt es gegen Brunhoff einzuwenden, dass der Ausschluss der Ware ihr keinen Wert, sondern eine spezifische Wertform gibt. Daran anschließend behauptet bspw. Michael Heinrich, dass, wenn eine Ware als Wertspiegel der anderen Waren dient, dafür keine Geldware notwendig sei. Marx zeige, dass mit der allgemeinen Wertform eine exklusive Wertgestalt den Waren gegenübertreten müsse, aber diese Gegenständlichkeit müsse keineswegs warenförmig sein, denn dies hieße den formalen Charakter des Gebrauchswerts des allgemeinen Äquivalents, in dem die Waren ihren Wert ausdrücken, mit den Gebrauchswerteigenschaften der zum allgemeinen Äquivalent ausgeschlossenen Ware zu verwechseln. Zudem muss sich der Ausschluss des allgemeinen Äquivalents wiederholen, aber dass dies heute immer noch mit dem Gold geschieht, darf man getrost verneinen. Die Problematisierung des Geldes hat von Anfang an davon auszugehen, dass nicht das Gold das Geld wertvoll macht, sondern umgekehrt ist es das Geld, welches dem Gold erst Wert verleiht. Und dies wiederum verweist darauf, dass das Geld keinerlei Referenz auf eine Geldware bedarf. In der Erstauflage des Kapital scheitert die Entfaltung der allgemeinen Äquivalentform zur Geldform an der zwingenden Unmöglichkeit der vierten Wertform, welche von Marx in der Zweitauflage des Kapital eliminiert wurde, um eine Art Übergang von der allgemeinen Äquivalentform hin zur Geldform denken zu können, den Marx allerdings nicht mehr als begriffliche Entwicklung vorführt, sondern als das Resultat eines Zusammenspiels von gesellschaftlich unbewussten Gewohnheiten und Handlungen im Umgang mit dem Geld in den Austauschprozessen beschreibt. Der Geldbegriff lässt sich also nicht aus der Warenform/Wertform entfalten, er holt auch nicht die Wertformen ein, vielmehr zeichnet sich das Geld (als Resultat des Kapitals) at once als symbolisches Geld aus und zieht dafür ein allerdings nicht beliebiges Material aus den Warensammlungen an. Seine Geltung erreicht das Geld als eine symbolische Markierung, die reine Kaufkraft darstellt – mit einem Schlag (Konvertibilität an sich) verweist Geld auf die unterschiedlichsten Waren, die dem Geld als sämtliche Inhalte gegenüberstehen, und damit sind Waren eben nicht Geld und Geld nicht sie. Kraft seiner objektiven Geltung ist mit Geld potenziell alles zu haben, was je schon seiner eigentümlichen Positionierung in Relation zu den Waren entspricht. Es handelt sich hier um Vertretungsstrukturen, denn Geltung kommt nicht an sich, sondern immer für anderes zur Wirkung, d. h., die Geltung des Geldes expliziert die Struktur der Vertretung eines Abwesenden. Geld gilt als die Vertretung von Wert, der stets abwesend ist, doch in seiner Abwesenheit für das Kapital absolut notwendig bleibt. Geld besitzt zudem einen sozial validierten Monopolcharakter und stellt zugleich Äquivalenz her; es setzt diese Eigenschaften voraus und reproduziert sie andauernd. Jeder Gebrauch von Geld bzw. jedes Geldsystem setzt im Gegensatz zum einfachen Tauschhandel eine gewisse Stabilität des öffentlichen Vertrauens voraus.

Auch Frank Engster versucht das Problem des Ausschlusses zu lösen, indem er auf den Ausschluss einer Geldware verweist, die im starken Sinn einer Gabe praktisch-ideell gegeben wird, um eine ideelle Werteinheit zu fixieren, die auch maßgeblich für die Quantifizierung der Relationen aller anderer Waren ist. Somit wäre nicht nur der scheinbare Bruch zwischen allgemeiner Wertform und Geld(form), wie ihn Backhaus oder Heinrich konstatieren, sondern auch der zwischen der allgemeinen, dritten Wertform und der vierten Wertform gekittet. Wer aber beschließt den Ausschluss der Geldware? In gewisser Weise sind es die Waren selbst, die, bevor sie sich an eine ideelle Werteinheit (Geld) halten, den Ausschluss der Geldware schon beschlossen haben. Sind es aber wirklich die Waren selbst, oder sind es doch ganz praktisch die Warenbesitzer, oder sind es womöglich weder die Waren noch die Warenbesitzer? Ist es das Geld, oder ist es gar das Ausschließen selber, welches das Ausschließen beschließt, und damit das unmittelbare Verhältnis der Waren zueinander und ihr Verhältnis zum Geld befördert? Einerseits ist es doch das Geld, das auf einen Schlag die Waren seiner ideellen Werteinheit aussetzt und sie damit in quantitative Beziehungen zueinander setzt, das heißt, sich ihnen gegenüber-setzt, um zugleich für ihre Identität einzustehen. Andererseits reflektiert das Geld gegenüber den Waren nur das Verhältnis, das diese mit dem Ausschluss einer Geldware schon beschlossen haben. Man wird hier zu keiner wirklichen Lösung kommen. Die Synthesis bestünde für den geschulten Hegelianer wahrscheinlich gerade darin, das Ausschließen selber zum Faktor der Ausschließung zu machen, um den Gleitprozess gut hegelianisch auf die nächste Stufe zu heben. Auch das ist wohl mit der Figur der Einholung gemeint.

Zurück zu Brunhoff. Die erste Funktion des Geldes, nämlich die des Geldes als Wertmaß, deduziert Marx direkt aus dem allgemeinen Äquivalent. Diese Funktion impliziert sowohl die formale Differenz (Gold als ausgeschlossen Geldware) als auch die Äquivalenz zwischen Waren und Geld (beide enthalten identische soziale Arbeitszeit). Letzteres bedeutet, dass das Geld als äußeres Wertmaß immer auf das immanente Wertmaß der Waren, der abstrakt-allgemeinen Arbeitszeit, bezogen bleibt. Damit verbindet man häufig die Vorstellung von einer Waage mit Geld und Ware auf den beiden Seiten. Dies setzt jedoch das Geld als Maß voraus, obgleich doch erst dann, wenn das Geld entwickelt ist, die Waren in einer allgemeinen Beziehung als Werte sich zueinander verhalten können. (Zur Problematik der Äquivalenz, siehe hier.)

Die Waren treten mit einem Preis und das Geld mit einem Wert (Gold) in die Zirkulation ein. Die Fixierung der Preisform ist mit der Emergenz der Geldform identisch. Zugleich impliziert für Brunhoff, wie schon gesehen, die Geldform die Produktion des Geldes als einer Ware. Es kann also eine Modifikation der Preise der Waren stattfinden, die auf die Veränderung des relativen Werts des Goldes als Ware zurückzuführen ist. (Der Unterschied zwischen Wert und Preis hat allerdings auf dieser Analyseebene noch keine Relevanz.) Gold besitzt als exklusive Geldware einen potenziell variablen Wert, ansonsten würde man ihm hinsichtlich der Bestimmung der Waren eine mysteriöse Kraft zuschreiben (als absoluter Wert). Geld besitzt aber keinen Preis, ansonsten wäre es nur eine Ware unter anderen und würde seinen Charakter als allgemeines Äquivalent und seine Funktion als Wertmaß verlieren.

Die Unterscheidung und die notwendige Beziehung zu den Waren, die als eine irreversible Ordnung erscheint, führt zur zweiten Funktion des Geldes, dem Medium der Zirkulation, nachdem das Geld als Wertmaß schon etabliert ist. Geld als Medium der Zirkulation inhäriert weniger die Manifestation des Geldes, sondern die praktische Garantie, dass das Geld als Wertmaß fungiert. Nur in der Zirkulation erhält die Fixierung der Preise ihre volle Signifikanz (Zirkulation ist hier der Gegenbegriff zum bloßen Tausch). Die erste Funktion des Geldes bedingt die zweite, aber die zweite ist das notwendige Komplement des ersten. Ohne diese Beziehung hätte Geld entweder einen rein idealen Charakter (erste Funktion) oder einen rein funktionalen Charakter (zweite Funktion). Die erste Funktion des Geldes hat die Variabilität seines Werts zur Voraussetzung, die zweite Funktion impliziert die Variabilität der Quantität, die zirkuliert. Die Dematerialisierung des Goldgeldes hängt mit der Differenz zwischen der ersten und der zweiten Funktion zusammen. Während in der ersten Funktion die physische Rolle des Goldes notwendig bleibt, muss das Geld zwar in der zweiten Funktion real vorhanden sein, muss aber (auch aufgrund der Ineffizienz des metallischen Geldes) ersetzt werden. Während der Wert des Geldes in der ersten Funktion variiert, wird er qua Hypothese in der zweiten Funktion konstant gehalten, wobei die Quantitäten des Geldes variieren können. Als Standard des Wertes und als Wertmaß muss also Geld/Gold nach wie vor physisch vorhanden sein, während das Geld als Medium der Zirkulation, wo es nicht nur imaginär, sondern real vorhanden sein muss, materiell irrelevant und die Quantität der entscheidende Faktor wird. Das Wertmaß des Geldes impliziert nicht at once die aktuelle Zirkulation, nur das Geld als Medium der Zirkulation kann das Formular der Cash-Transaktionen W-G-W etablieren. Das Medium selbst muss hier als Geldware nicht mehr vorhanden sein. Es genügt das Symbol bzw. das Papiergeld, sodass die Funktion die materielle Existenz absorbiert. Für Marx hängt jedoch die Quantität des Geldes, die aktuell zirkuliert – im Gegensatz zur Quantitätstheorie – von der Quantität der Waren ab. Sie ist eine abhängige Variable der Warenpreise, des Volumens der Waren und der Geschwindigkeit der Transaktionen. Die Unterscheidung zwischen metallischen Geld und Fiatgeld ist laut Brunhoff die zwischen dem Geld als Wertmaß und dem Geld als Medium der Zirkulation. Papiergeld ist ein Symbol für metallisches Geld, und wird im Verhältnis zum Metallgeld, das es repräsentiert, zu viel von ihm ausgegeben, dann wird es entwertet. Für Brunhoff steht das Papiergeld zum allgemeinen Äquivalent in einem Repräsentationsverhältnis. An dieser Stelle reproduziert Brunhoff die „ideologische“ Trennung zwischen realer und monetäre« Sphäre.

Die Differenz zwischen der Menge des Geldes mit einem variablen (produzierten) Wert und der Menge des Geldes mit gegebenem Wert in der Zirkulation muss absorbiert werden. Die Differenz zwischen dem totalen Quantum an Geld und dem Quantum, das aktuell zirkuliert, wird durch das Horten reguliert. Als Wertaufbewahrungsmittel (dritte Funktion) wird das Geld zur spezifischen Geldware, i.e es existiert weder allgemein noch in seiner Funktion als Medium.

Mit der dritten Funktion wird das Geld „rein“ und bietet zugleich die Transformation von Geld zum Kredit an. Durch das Horten des Geldes wird die Zirkulation der Waren unterbrochen; es inkludiert die Nachfrage nach Geld als Geld. Die dritte Funktion kann nur nach den beiden anderen Funktionen analysiert werden, ansonsten wäre das Geld hier auf die bloße Nachfrage nach Metall reduziert. Indem das Geld in seiner dritten Funktion durch die ersten zwei Funktionen „produziert“ wird, konstituiert es nun selbst deren Dasein, indem es die beiden Funktionen modifiziert. Das Horten justiert die Beziehung zwischen dem Wertmaß und dem Medium der Zirkulation (ob einfache Zirkulation oder erweiterte Zirkulation auf der Ebene von Lohnarbeit und Kapital spielt hier noch keine Rolle). Es komplettiert die ökonomische Beschreibung des Geldes in der einfachen Zirkulation der Waren, indem es das Überschussangebot an Geld, das aus den Transaktionen in der Zirkulation entspringt, absorbiert. Das Geld in der Zirkulation gehört niemandem, aber seine spezielle Zirkulation hängt vom Horten ab. Zudem hält der Schatz den Wert des allgemeinen Äquivalents aufrecht. (Marx unterscheidet zwischen Sparen und Horten.) Dem ursprünglichen Angebot an Geld korrespondiert die Nachfrage nach ihm, und zwar als Medium der Transaktion und als Schatz. Dabei kann die regulatorische Funktion (in der Zirkulation) nicht nur vom Gold, sondern von jeder Währung ausgefüllt werden.

Der Wunsch des Hortenden ist sui generis unersättlich, da Geld sofort in jede andere Ware konvertibel ist (man nennt das heute die Liquidität des Geldes). Dies inhäriert allerdings keine Psychologie, sondern der Wunsch bleibt auf die Einheit des allgemeinen Äquivalents und seine Funktion, diese Einheit zu erhalten, bezogen. Im Vergleich mit der potenziellen Unendlichkeit, die dem Geld in der Zirkulation zukommt, bleibt die Summe, die der Hortende akkumulieren kann, limitiert.

Die Einheit der drei Funktionen und ihre Trennung erzeugt die Möglichkeit von Ungleichgewichten. (Es gibt kein Maß, welches das Verhältnis zwischen der unendlichen Macht des Geldes und der Determination des Werts des Geldes messen könnte.) Die fragile Stabilität der Geldform wird durch die Pluralität der Funktionen und durch die Dualität Horten und Nicht-Horten aufrechterhalten. Es wird hier nichts als die Existenz des Geldes erklärt; Geld wird für Brunhoff wie alle Waren hergestellt, besitzt aber eine eigene Zirkulationsweise. Geld ist niemals neutral und kann weder durch den Kredit noch durch die Geldpolitik neutralisiert werden, da es immer bestimmte private Entscheidungen ermöglicht. Allerdings reichen die drei Funktionen nicht aus, um ein stabiles Geldsystem herzustellen. Dafür wird der Kredit benötigt, der eine höhere Bandbreite an Zahlungsmitteln zu Verfügung stellt.

Geld als Zahlungsmittel und Weltgeld. Als Zahlungsmittel kommt das Geld am Ende eines Verkaufs von Waren, der auf Kredit beruht, ins Spiel und lässt sich folgendermaßen anschreiben: W-Kredit-Geld. In Bezug auf Zahlungsfristen fungiert das Geld als ein Zahlungsmittel in der Zirkulation. Der Kredit muss sui generis zurückgezahlt werden und damit transformiert sich das Kreditsystem zum monetären System. Dem Kredit inhäriert daher immer den Verweis auf „wirkliches“ Geld. Es werden beim Kredit keine Äquivalente getauscht, sondern es wird vom Kreditgeber über einen vertraglich vereinbarten Zeitraum eine Geldsumme an den Kreditnehmer ausgeliehen, der das vertraglich kodifizierte Versprechen abgeben muss, sie um Zinsen vermehrt zurückzuzahlen. Innerhalb dieser finanziellen Konstellation bleibt der Gläubiger (Kreditgeber) Eigentümer des Geldes, das er zukünftig als wachsendes Vermögen zu verbuchen gedenkt und welches er zudem weiterverkaufen kann, während der Schuldner (Kreditnehmer) mit dem geliehenen Geld über den vertraglich festgelegten Zeitraum so umgehen kann, als sei es sein eigenes Geld. Der Kredit führt die Zeit ein, die Zeitfrist, die schon dann entsteht, wenn ein Warenkäufer den Verkäufer der Ware nicht direkt in Cash bezahlt, sodass die beiden Parteien zum Gläubiger und Schuldner mutieren und eine spezifische Relation eingehen, die durch Vertrag und Gesetz geregelt wird. Der Kredit inkludiert eine gewisse Geldsumme und das Zahlungsmittel, das notwendig ist, um den Vertrag zu beenden. Der Kredit ist der geschlossene Zirkel einer finanziellen Transaktion. Aber mehr noch (und das trifft für den Kredit zwischen industriellem und finanziellem Kapital zu): Die Potenz des Geldes, als Kapital zu fungieren, wird beim Kredit vom Eigentum an Geldkapital, das weiterhin beim Kreditgeber bleibt, getrennt.

Das universelle Geld wird für Brunhoff per se durch das Gold inkarniert und nur auf dem Weltmarkt erhält es den Charakter dieser Geldware, deren Körper die Inkarnation der abstrakten sozialen Arbeit ist. Der reale Modus seiner Existenz korrespondiert hier seinem Ideal. Vom Geld geht auch politische Macht aus. Das Geld basiert auf der einen Seite auf einer rein ökonomischen Konvention, muss aber auf der anderen Seite durch das Gesetz reguliert werden. Der Staat gibt das Geld der Zirkulation aus, i.e. Papiergeld, das öffentlich anerkannt ist. Aber der Staat kann den Wert des Geldes nicht festlegen, vielmehr hängt die monetäre Macht des Staates von den immanenten Gesetzen der monetären Zirkulation des Geldes ab, wie sie Brunhoff mit den drei Funktionen des Geldes beschrieben hat. Die soziale Relation des Geldes beruht auf dem privaten Tausch zwischen privaten Warenbesitzern, die allerdings – und das bleibt bei Brunhoff weitgehend unberücksichtigt – in der kapitalistischen Produktionsweise je schon die soziale Relation zwischen Kapitalisten ist, die ihre Waren in die Zirkulation werfen.

Da Brunhoff allerdings davon ausgeht, dass sie das Geld als solches erklärt hat, bedarf es keiner speziellen monetären Theorie des Kapitals. Die Theorie des Geldes bringt vielmehr die Theorie der Finance hervor, was nichts anderes heißt, als dass die Integration der Geldtheorie in die Kapitaltheorie von den Studien zur Finanzierung des Kapitals begleitet sein muss. Die spezifischen finanziellen Mechanismen, die sich entlang der kapitalistischen Produktion entwickeln, hängen zuallererst vom Kreditsystem ab, das Marx vom monetären System unterscheidet. Wenn Marx Kredit und Geld unterscheidet, dann, so Brunhoff, um eine monetäre Theorie des Kredits und nicht eine Theorie des Kreditgelds zu schaffen.

Die Finanzierung des Kapitals, die benötigt wird, um die Produktion zu beginnen und zu wiederholen, impliziert auch die Finanzierung seiner Reproduktion. Voraussetzung für diese Analyse ist die des Geldkapitals, das heißt der allgemeinen Bedingungen, mit denen das Geld erst eine finanzielle Rolle in der Zirkulation des Kapitals spielen kann. Die Funktionen des Geldkapitals beziehen sich nicht nur auf die Bewegung des Kapitals, sondern auch auf die Verteilung des Mehrwerts. Marx geht im Kapital Bd. 2 von drei Kreisläufen des Kapitals aus: Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital, wobei der Kreislauf des Geldkapitals die Bewegungen des Kapitals umfassend repräsentiert. Geldkapital ist der Motor für jeden Kapitalisten, der ein Unternehmen startet und dafür Waren (Produktionsmittel, Energie, Rohstoffe, Software etc.) kaufen und Arbeitskräfte mieten muss. So wie die Zirkulation der Waren die Zirkulation des Geldes determiniert, so impliziert die Zirkulation des Kapitals apriori die des Geldkapitals. Die Formel der Geldkapitalzirkulation (in Relation zu den im zweiten Band des Kapital vorgeführten Kreislaufformeln des Warenkapitals und des produktiven Kapitals) ist hier der primäre Ausdruck der Kapitalökonomie und seiner sozialen Relationen, die die Warenproduktion als Produktion-für-die-Zirkulation und als Produktion-für-den-Profit inkludieren. Jedes kapitalistische Unternehmen muss apriori Kapitalprozessen nachgehen, bspw. der Einsatz des Geldkapitals (der industriellen und kommerziellen Unternehmen) und der Kauf der Waren, der Kosten generiert (Kauf von Produktionsmitteln, Rohstoffen und Anmietung von Arbeitskräften), um dann im Zuge von Produktionsprozessen Waren herzustellen, die einer differenten Quantifizierung gegenüber den eingekauften Waren angehören, das heißt als monetärer Output einen höheren Preis als der monetäre Input realisieren. Diese Art der Geldkapitalzirkulation betrifft nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende des Kreislaufs. Geldkapital begleitet konstant die Kreisläufe des produktiven Kapitals und des Warenkapitals, die produktiven und reproduktiven Wirkungen des industriellen Kapitals. Eine andere Form der Vermehrung des Geldkapitals findet allerdings beim finanziellen Kapital statt, die wir anderer Stelle schon ausführlich behandelt haben.

Wenn man mit Geld Arbeitskraft mietet, dann ist das eine Funktion des Geldes als Medium der Zirkulation, das der Kapitalist als Geldkapital ausgibt. Es handelt sich hier um einen Äquivalententausch, das heißt um die Transformation einer Geldfunktion zwischen Käufer und Verkäufer in eine Kapitalfunktion zwischen Kapitalist und Eigentümer der Arbeitskraft. Geldkapital repräsentiert hier eine soziale Relation. Für Brunhoff dominiert die Produktion per se die Zirkulation, wie das Geldkapital das Geld dominiert. Das Kapital muss am Ende des Kreislaufs immer zum Geld zurückkehren, um den anfänglichen Tausch wieder vorzunehmen und sich selbst zu reproduzieren. Welche Geldgestalt dafür benutzt wird (Wechsel, Papiergeld, Kredit), ist zweitrangig, aber Kapital muss immer als Geldkapital vorgeschossen werden, wobei die Geldsumme von den Erfordernissen und Konjunkturen der Produktion, die finanziert werden muss, abhängig bleibt. Umgekehrt ist die Größe und die Effizienz der Produktion nicht in erster Linie von den finanziellen Ressourcen abhängig, sondern davon, wie das produktive Kapital zusammengesetzt ist, i.e. von der organischen Zusammensetzung des Kapitals und der Profitrate. Man kann jedoch die Funktion des Geldes nicht von seinem Gebrauch als Geldkapital ableiten, noch seine Kapitalform aus der Geldform. Das Problem der Finanzierung reduziert sich damit auf die Determination von für das Kapital brauchbaren Proportionen zwischen G und W.

Laut Brunhoff unterscheidet Marx das monetäre System vom Kreditsystem. Die Unterscheidung dient Marx zugleich dazu, den Kredit in seine allgemeine Theorie des Geldes einzubeziehen. Eine rein monetäre Theorie des Kredits würde diesen aber nur zum Ausdruck bzw. zur Oberfläche des Geldes machen, während eine rein finanzielle Theorie den Kredit allein in den Begriffen der Kapitalökonomie diskutieren würde. Für Brunhoff ist der Kredit somit das Resultat der kapitalistischen Produktion und der monetären Zirkulation. Die Relationen zwischen Geld, Geldkapital und Kredit hängen von der spezifischen Relation zwischen den ökonomischen Agenten, hier den industriellen und finanziellen Kapitalisten ab, die den totalen Mehrwert teilen müssen. Das finanzielle Kapital ist sui generis Geldkapital und es verkörpert damit eine Fraktion des gesamten Kapitals. Die finanziellen Funktionen des finanziellen Kapitals sind vom Geldkapital abgeleitet. Der Kredit muss also nach dem Geld und dem Geldkapital diskutiert werden. Das finanzielle Kapital funktioniert dennoch weitgehend autonom, um die Finanzierung der kapitalistischen Operationen zu gewährleisten, die der gesamten Klasse der industriellen, kommerziellen und finanziellen Kapitalisten. Die sog. finanziellen Intermediäre (Banken) sind selbst Kapitalisten, d.h., sie unternehmen die technischen Operationen der Finance nur, weil sie aufgrund der Teilung des Mehrwerts von ihnen profitieren.

Die monetäre Theorie des Kredits führt zu einer einheitlichen Kredittheorie, mit der die finanziellen Strukturen (Markt- und Kreditökonomie) und ihr zyklischer Verlauf diskutiert werden, je schon gebunden an die Eigenschaften des Geldes und des Geldkapitals. Es geht Brunhoff also nicht um eine allgemeine Kredittheorie, sondern um eine Theorie, die die spezifischen Bedingungen der Kapital-Ökonomie berücksichtigt. Zwar gab es den Kredit schon vor dem Kapitalismus, i.e. er besitzt einen doppelten Aspekt, einen vormodernem und einen modernen. Die Kredittheorie handelt hier jedoch von der entwickelten Form des zinstragenden Kapitals, dem Kreditsystem. Da das Kreditsystem die kapitalistische Reproduktion auf der Ebenen des Einzel- und Gesamtkapitals finanziert, muss es als eines der wichtigsten Elemente des neuen Modus der kapitalistischen Produktion analysiert werden.

Die Unterscheidung zwischen monetärem System und Kreditsystem führt gerade hin zu einer monetären Theorie des Kredit(geldes). Das Kreditsystem inkludiert heute Banknoten, Schecks, Acceptances, Rechnungen, also alle Evidenzen von Schulden. Es muss generell zwischen dem kommerziellen Kredit, den sich die Kapitalisten untereinander gewähren, und dem Bankkredit unterschieden werden. Der kommerzielle Kredit, der den Verkäufer zum Gläubiger und den Käufer zum Schuldner macht, steht an der Grenze zwischen monetärem System und Kreditsystem. Ist er in letzteres inkorporiert, so kann aufgrund der Diversität der verschiedenen Branchen in der Produktion die Totalität der Transaktionen, die zwischen den Kapitalisten stattfinden, nie zu einer Balance führen. Weiterführend muss man laut Brunhoff die monetären Charakteristiken des Kreditgeldes diskutieren, dessen Basis die Zirkulation der Schulden ist, das heißt die Nicht-Zirkulation des Geldes. Das „Kreditgeld“ ist Teil des Kreditsystems und differiert vom Gold, und wäre dies nicht so, dann wäre die Summe der Banknoten vollkommen von der Goldmenge abhängig, um die Notwendigkeiten der Zirkulation zu befriedigen. Gold wäre die alleinige Basis für alle weiteren Zahlungsmittel. Die Kreditgeldmenge, die für die effektive Zirkulation benötigt wird, korrespondiert hingegen eher dem Horten und Nicht-Horten.

Wo es Zirkulation von Waren gibt, gibt es Geld. Obwohl der Kredit ursprünglich sich nicht als Geld entwickelt hat, trägt er schließlich die Züge des Geldes. Seine Basis ist dann das monetäre System, für das er ein Substitut ist, obgleich seine Zirkulationsweise eine völlig andere als die des Geldes ist. (Die einfache Zirkulation des Geldes ist unendlich, während die Zirkulation des „Kreditgeldes“ einen geschlossen Kreislauf enthält, i.e. den Fluss und Rückfluss von Geld als Zahlungsmittel.) Der Kredit ersetzt Geld, weil er selbst Geldzüge besitzt. Das Kreditgeld besitzt also monetäre Qualitäten; es ist nicht nur ein Medium der Zirkulation, sondern auch ein Instrument des Hortens. Jedoch kann die erste Funktion des Geldes, i.e. Wertmaß, vom Kreditgeld nicht direkt ausgeführt werden. Kreditgeld ist nur insofern Geld, als es den Platz des aktuellen Geldes einnimmt, und dies in Bezug auf seinen nominellen Wert. Diese Konvertibilität besitzt zunächst eine theoretische Signifikanz, sie impliziert jedoch noch keine effektive Konvertibilität. Was an dieser Stelle entscheidend ist, das besteht darin, dass der Wert des Geldes nun davon abhängig ist, wie die zwei Formen des Geldes (Geld als Wertmaß und Kredit), die nicht aufeinander reduziert werden können, weil sie verschiedenen Logiken angehören, miteinander kombiniert werden. Deleuze interpretiert Brunhoff dahingehend, dass die Konvertibilität zwischen den beiden verschiedenen Formen des Geldes eine Dissimulation der Differenzen der beiden Ströme impliziert (so sind sich die Arbeiter nicht im Klaren, dass ihre Löhne, bloßes Zahlungsmittel, auch Teil der Ströme des finanziellen Kapitals sind). Deleuze schreibt dazu:

This convertibility is completely fictive: it depends on the relation to gold; it depends on the unity of the markets, it depends on the rate of interest. In fact, it is not made in order to function, it is made, according to Suzanne de Brunhoff, in order to dissimulate the capitalist operation. The fictive convertibility, theoretical, constant, of one form of money to another, assures the dissimulation of how it works. What interests me in this concept of dissimulation, is that at the level that Brunhoff analyses it, it is no longer an ideological concept, but an operational or organisational concept, ie. the monetary circuit can only function on the basis of an objective dissimulation: the convertibility of one form of money into another. (vhl. hier)

Der Monetarisierung der Schulden durch die Banken entspricht die Teilung der Bankbilanzen in eine Liste der Assets, die u.a. die kommerziellen Kredite beinhalten, und eine Liste von Verbindlichkeiten, die u.a. Banknoten beinhalten. Die Banken sind keine reinen Verleiher von Geld, sondern kapitalistische Institutionen, die den Geldhandel ausführen und Geldkapital verleihen. Der dem industriellen Kapital komplementäre Kreislauf des finanziellen Kapitals wird von Marx im Kapital Bd. 3 diskutiert. Der Unterschied von kurzfristigen und langfristigen Krediten ist gegenüber der Einheit des Marktes für monetäre Ressourcen sekundär. Die Differenzen zwischen dem Kapitalmarkt mit langfristigen Krediten und dem Geldmarkt mit kurzfristigen Krediten werden einer einheitlichen Theorie des monetären Marktes subsumiert, wobei das Angebot an Geld hauptsächlich von den Banken für einen bestimmten Preis bereitgestellt wird. Ein Resultat der Einheit des monetären Marktes ist die Zinsrate – über sie werden die monetären Ressourcen für die Nachfrage der industriellen Kapitalisten nach Geld bereitgestellt.

Für die Analyse der modernen Organisation des Kredits gebraucht Marx den Begriff System. Dies ist die Konsequenz, die sich aus der Unterscheidung von Geld und Waren, produktivem Kapital und Geldkapital, industriellem und finanziellem Kapital ergibt. Finanzielles Kapital ist Geldkapital, das finanziellen Operationen dient. Historisch entsteht es aus dem Goldhandel und dem auswärtigen Handel. Der moderne Kredit reduziert die Kosten der Zirkulation, beschleunigt die Herstellung der Durchschnittsprofitrate in den verschiedenen Branchen der Industrie, die Mobilität und die Zirkulation der Waren und des Kapitals. Am Geldmarkt begegnen sich Gläubiger und Schuldner nur bezüglich der Ware Geld. Das Geldkapital wird von den Banken konzentriert und monopolisiert. Die Bank repräsentiert die Zentralisation des Geldkapitals der Gläubiger und Schuldner. Ihre Depositenstehen wiederum in einem spezifischen Verhältnis zu den Krediten und Reserven, die sie bei der Zentralbank unterhalten.

Das monetäre System besitzt drei Komponenten: Banken und (industrielle) Unternehmen in ihrer Relation zur Zentralbank, die Banknoten ausgibt und die reziproke Konvertibilität der verschiedenen Formen des Geldes garantiert – neben den Banknoten die verschiedenen Ströme des Kredits, die zwischen den Banken selbst und zwischen Banken und Unternehmen zirkulieren. Auf der Ebene des nationalen Marktes muss Brunhoff zufolge das Kreditgeld nicht mehr voll konvertibel mit dem Goldgeld sein, sodass die Referenz des Geldes auf Gold sich hier in einer permanenten Bewegung der Konfrontation und Modifikation von Äquivalenzen verliert. Sie schreibt:

The structure of means of payments is dominated by the role of central money which guarantees the homogeneity of moneys even though these are emitted in decentralised fashion starting from an indefinite series of private relations between banks and borrowers. The centralisation of the guarantee of convertibility goes hand in hand with the decentralisation of emission.

This is why the very notion of monetary mass can only have meaning relative to the workings of a system of credit in which different kinds of money are combined. Without such a system, one would have only a sum of means of payment that would have no access to the social character of the general equivalent and would only serve in the local private circuits. Only in the centralised system can the different kinds of money become homogeneous and appear as the components of an articulated whole (MoM 124)

Die Unterscheidung von industriellen und finanziellen Kapitalisten impliziert die Zinsrate, die die Banken als Verleiher von Geldkapital von den industriellen Kapitalisten verlangen; der Profit der Banken besteht zunächst aus dem Unterschied der Zinsraten, für die sie Geld ausleihen und verleihen. Die Kategorie der Zinsrate basiert für Marx auf dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nach Geldkapital, das vom produktiven Kapital so unterschieden ist, wie das Geld von den Waren distinkt ist. Die Teilung des durchschnittlichen Total-Profits in Unternehmensgewinn und Zins hängt also vom Angebot und Nachfrage nach finanziellen Ressourcen ab, von den Kräfteverhältnissen zwischen Gläubigern und Schuldnern. Die Zinsrate kann somit nicht Null und nicht höher als die Durchschnittsprofitrate sein. Die Herstellung einer einheitlichen Zinsrate ist ein rein empirischer Akt. Es gibt hier kein allgemeines Gesetz zu vermelden, sondern über die Konkurrenz zwischen den verschieden Kapitalfraktionen findet die Teilung zwischen zwischen Zins und Unternehmensgewinn statt. Der Zins ist nicht der Preis des Kapitals, er drückt nicht den intrinsischen Wert des Kapitals aus, Kredit inkludiert für den industriellen Kapitalisten reales Geld und stellt für den finanziellen Kapitalisten einen Eigentumstitel dar; er geht auf die Unterscheidung von produktivem Kapital und Geldkapital zurück. Letzteres ist unproduktiv, aber für die Zirkulation des Kapitals unbedingt notwendig. Der Kredit ist ein Kreislauf, der durch Rückzahlung aufgelöst wird, obwohl er an den Märkten verhandelbar ist. Marx geht bei der Definition des Zins als Teil des Profits so weit, dass er die Risiken, Erwartungen und Kalkulationen der Gläubiger und Schuldner, die für den Kredit Relevanz haben, vernachlässigt.

Die Banken zentralisieren das Geld, insofern es auf der Zirkularität des Systems beruht. Aufgrund der Depositen, Banknoten und ihrem Rückfluss können die Banken den Kreislauf schließen und sich durch die Rekonstitution ihrer finanziellen Basis reproduzieren. Marx nennt hier vor allem zwei Funktionen der Banken, die Ausgabe des Geldkapitals und die Monetarisierung der Schulden. Die letztere ist an eine einheitliche Zinsrate gekoppelt, die erstere hängt von der Menge an Geldkapital in Relation zur Nachfrage ab. Diese beiden Funktionen involvieren einen finanziellen Kreislauf und zusammen konstituieren sie Assets und Verbindlichkeiten im System als Ganzes. Die Bankbilanzen repräsentieren die komplementäre Natur der verschiedenen Kreisläufe der Finanzierung.

Die Banken verleihen allerdings nicht nur Geld, sondern sie kreieren durch die Ausgabe von Krediten auch Giralgeld. Dabei tendieren die Assets generell dazu fiktiv zu werden. Kreditgeld wird quasi dematerialisiert, wenn es ein pures Instrument der Zirkulation wird, und der Kreislauf ist damit nicht durch das Horten, sondern allein als das Resultat seiner zirkulären Form zu verstehen. Das von den Geschäftsbanken geschaffene Giralgeld steht für Brunhoff immer in einem engen Bezug zu ökonomischen Konjunkturen und Zyklen:

[T]he notion of the money supply does not have meaning as a global quantity emanating from a sector of financing more or less homogeneous to other economic sectors, or as the specific product of a group of financial agents of which one could reconstitute the economic motivations. Its signification should be sought at the level of particular conjunctures, where a ‘supply’ is only formed in relation to a monetary policy [politique monétaire], so that there is no purely economic phenomenon disclosable as the money supply, independently of a political ‘over-determination’“ (MoM 12)

Laut Brunhoff hat für Marx der Begriff der Spekulation eine breite Bedeutung, er inkludiert die Käufe und Verkäufe von industriellen und kommerziellen Kapitalisten, egal ob sie kurzfristige materielle Investitionen ausführen oder das Geld in finanziellen Operationen anlegen oder eben langfristige Investitionen tätigen. Die Expansion des Kredits ist zunächst ein Effekt, bevor er ein Grund für die Spekulationen des industriellen und kommerziellen Kapitals wird. Dann findet die finanzielle Spekulation auf eigenem Level statt und füttert den finanziellen Boom durch die Steigerung der Nachfrage nach Geldkapital und durch den Anstieg der Zinsrate. Marx führt dies im Kapital nur im Kontext der Effekte der Kreditoperationen hinsichtlich der Teilung der Assets und deren Redistribution zwischen allen Kapitalisten aus. Marx erwähnt zwar die Funktion der Erwartungen für den Anstieg der Fall der Warenpreise und der Sicherheiten. Aber er untersucht sie nicht hinsichtlich ihrer gravierenden Wirkungen auf das spekulative Phänomen. Allgemein inkludiert der Begriff der Spekulation „alle Optionen“ in Bezug auf ein Resultat, das sich nicht unmittelbar herstellt, sondern aus den Erwartungen der Akteure entspringt. Marx interessiert sich hingegen bei den spekulativen Optionen für die Effekte hinsichtlich der Redistribution der monetären Ressourcen.

In Ansatzpunkten entwickelt Brunhoff im Kontext der Dissimulation des Geldes und des Kredits erste Ansatzpunkte für eine Analyse der finanziellen Zyklen und der monetären Krisen, für die Fragilität des Kreditsystems, seine spekulative Manie, für die Politiken des Staates zur Unterstützung der Banken und das entsprechende Quantitative Easing und nicht nicht zuletzt für die korrespondierenden Austeritätspolitiken.

Foto: Bernhard Weber

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